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Jüdisches Volksblatt · 1902-08-01 · 31 (1.8.1902) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
31 (1.8.1902)
Date
1902-08-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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j: M k; (rt W I r l ' -Hf ' ' I ... Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksbiatt 1. Aumnt 1902 Nr. 3 J. mit bei* alten scholastischen Methode der Parteien gebrochen wird und den reellen Bedürfnissen jedes einzelnen Volke Zislmd Transleithaniens, sowie den Existenzbedingungen des Gesaintreiches Genüge geleistet wird. Von diesen Gesiehtshnnkten inliß die jüdische Wahlersehast sich leiten lassen, wenn sie anläßlich der .Neuwahlen für die verschiedenen Landtage zur Wahlurne schreitet Die Landtage in ihrer bisherigen Gestalt lvieder die letzte Session bewiesen-^- sind nicht der Neieysrat ein Hemmnis für den politisehen und sozialen Fortschritt, für die Herstellnng der nationalen Ordnung im - das hat sind nicht minder wic Reiche. Sie müssen an Haupt und Gliedern reformiert werden! oder — verschwinden. Wiener Kultuogemeinde und Kestrk. Inden Oppenheim und Flürscheiin, die ans dein Gebiete der Bauernsrage imb Agrarverhältnisse im allgemeinen liberal' als Fachleute anerkannt sind, zur Hand nehmen. ^oivie aber im n i e che r ö st e r r e i ch i s ch e n Land lagH eine^ volkstümliche -sozial refonn immer dlirch die antiseinitische Hetze in den Hintergrund gedrängt lvird, so rst dies in den anderen Landtagen vorwiegen durch den Nntionalitätenhader der Fall. Besonders in ^mei Aron ländern der Monarchie iseine einschneidende Svzialrefvrin unaufschiebbar: in Böh men und Galizien. Dar, deutlichste Symptom dafür sind in ersterem Monlande die zerriittetell Finanzen, in letzterem der stets Uly misbreitende Streik der galizischcn Landarbeiter. Nalrirlich sind lvieder in den Augen der Antisemiten nur die ^zttden die Schul dt ragen den, lvährend für den objektiv Beobachtenden in Böymeir vorwiegend der Feudaladel, in Galizien^die polnische Schlachta die Ursache bilden, das; Deutsche und Tschechen, Polen und Rnthenen statt in maß- und ziel loseii Natwnalitätenhchen ihre gegenseitigen Kräfte auf zureiben, gemeinsam die wirtchfaftliche NT-forncarbeit in . Die katzei (artige Geschlviudigkeit, mit der d-E chri'stlichnguff nehnnnl. . soziale Partei eine neue Stadterlveiterung durchzusnureu wu , lese erjelmt nn'nmnd mehr als der j ü d i s ch e die Absicht hatte, ist vorläufig erfolglos geblieben, freilich Irrtet- und Arbeiter,tand, der ui den genuschtlprachigen mir vorläufig, denin es muß der Sachlage nach anae.iwrm legenden des österreichischen Kaiserstaates, besonders inj inen werden, daß die geplante Vergrößerung Wiens durch das benachbarte Floridsdorf und einiger angrenzenden Gemeinden sehr bald lvieder zur Diskussion gelangen lvird und da gebietet es die Versieht, zu dieser Merneuesten Frage Kchizeitig, womöglich sogar imverlveitt, Stellung zn nehme m Ww haben nicht die Absicht, nos sch.auderzeit mit der Fmge üu allgemeinen zu Zefassen. Es iviich sich noch Gesondcnu s legeuheit ergeben, darauf znrückzlitSm.mem. welche K'onstglienzen die Angliedernng van Floridsdorf lrnb einer ganzen Reihe anderer Gemeinden von ansgeM-oeüen läni> liche-m Eharaktsr für die I.eden Witlls' ich. soMter uni*’ politischer Richtung nach sich zä'hen lvird. Unfcvc Aikfgabe soll esvielmehr fein, uns not der fUhtveKeir Seite des tadterlveiterungs-Pwjektes zu beschäftigen. Die neu >cn ... - , . . . . o - ZN erwerbenden Gemeinden, nmnenLlich: Flovidsö'Mf. de Prurmrg der sozialen Anforderungen. : Wen schon derzeit eine vollständig organisierte Hulluschre Handhabung des ^prachenrechtes als Rechtgemeinde mü! einer vcrhältnisrLäßig bedenrendow Müyaocu'l, das Bestehen an) einem sprachlichen Rechtsmittel. giiederzahl. Es steht wohl noch nicht qa«?/ anGr.' stjveifel, unter mn-er Bwolkerung, die ganz anders spricht, hat bei ob die Floridsdorfer Verlangendanach tragen^ n^den, uns oze. urehr llnheil angerichtet alv man glaubi/ , mit bei: Wiener Killtnsgeineindic vereinigt Z)IN lv'-ndrn. nichret wurde. Wir. können also von' unserem Stand Punkte dem Abgeordneten B ä rnreit h c r nur nacht geben, lvenn er meint, es handelt sieh nicht irrrr die SchlugtDÖrter „Föderalismus" und „Zeniralisinns", nicht mn „interne tschechische Amts- und Staatsst darum, svas für Spezialfordernngen der österreiehische Staat stellen muß, uni die Wirtschaftspolitik, den Handel! und die Sozialpolitik im großen einheitlichen Stile "durchführen zu können. Wir müssen uns die Lösung suchen auf einem viel moderneren Wege, wir müssen sie uns suchen durch eine genaue - k Prüfung der praktischen Verhältnisse, durch eine genaue 1 z erst jüngst inaugurierte KultilSgemsindestatut tut Falle eines Zusammenschlusses einer neuerlichen llmändernng unterzogen werden muß. Man wird es wohl allgemein mit Freude begrüßen, svenn diese Mißgeburt je eher je lieber beseitigt erscheint. Es kann jedoch nicht frühzeitig genug Vorsorge getroffen werden, daß an deren Stelle nicht noch ein weit schlechteres Produkt zutage gefördert werde, was der Sachlache nach zweifellos anzunehmen ist, denn Strebertum und Oberflächlichkeit haben in unserer Knltilsgemeindestnbe zu einer völligen Impotenz beide Hälften des Donaureiches. Dazu sind aber andere Vertreter nötig als derzeit in den verschiedenen Landstuben und im zisleithamschen Reichsrate sitzen. Jedoch die neuerlich anfgerollten staats rech tlich-nai io- . , , 'genossen pfänden wirklich einen Großgemeindekitzel, so würden sich der Amalgamisierung belangreiche, kaum zu überwältigende Schwierigkeiten entgegenstellen. Diese" Schwicri'gkeikM müßten umso größere'Arbeit ergeben, alssie ein schwaches Geschlecht irr der Wiener nalen Probleme im böhmischen, mährischen, galizischen,' israelitischen Kultnsgemernde-Nepräsürtanz vorfinden, das Tiroler und dalmatinischen Landtage, sowie die Reibungen' sich schon derzeit nicht zu raten und zu Helfern sve.iß' und im ungarischen Reichstage und kroatischen Landtage bewei-! seiner Mission auchin normalen Zuständen mcht gerecht zu sen, daß 'endlich Ordnung in der Habsburger Monarchie in ' lverden fähig ist. Erfreirlich ist mur„ daß jedes Bild seine das nationale Wirrwarr dadurch gebracht werden muß. daß Licht, -und Schattenseiten hat. Die Lichtseite ist, duß' das an. Nach ihm soll „Bescht" in T l u st, einem kleinen Städtchen an der Grenze der Walachei, als Sohn armer und streng religiöser Eltern geboren worden sein. Im engeren Kreise, unter beschränkten Verhältnissen wuchs er auf; — da ihm das Leben so lauge wenig bot, suchte seine feurige Seele Trost im Reiche der Ideen, sie flog über die Wirklichkeit hinaus, um im Ideal jene ungehemmte Freiheit zu finden, die das Leben so lange versagte. Diese Grundstimmung der Seele beherrschte seine Phantasie. So schuf er seine Welt aus den Leitbildern des Gemütes, die er sich vom Leben gebildet hatte. Zn diesem Streben wurzeln seine Schwächen und seine machtvollen Wirkungen. Eine Schicksalsfügung zwingt ihn bald, seine Vaterstadt zu verlassen und zu fliehen und er zieht nach Miedziboz in Podolien, wo er sich dauernd niederläßt. Er dürfte damals kamn noch zwanzig Jahre gezählt haben. Von früher Jugend an zu religiöser Sclnvärmerei geneigt, ward er durch die Liebe zur Natur, über welche hier ein fast paradiesischer Segen ausgegossen war, noch mehr der Welt entfremdet und lebte nun ganz in ätherischen Empfindungen, schlvärmte für einen unmöglichen Zustand, in welchem der Geist, jedes irdischen Bedürfnisses und jeder sinnlichen Regung entkleidet, nur ini Gedanken au das Göttliche, im reinen Anschanen des Schmicn wunschlos schivelgte. Im Karpathengebirge soll er von den Frauen, die Heilkräuter daselbst anfsuchten, um dieselben unter Herflüstern gewisser Sprüche bei Kranken mizuwenden, abgesehen haben, Heilkuren unter Hersagen hebräischer Bibelworte zu vollbringen, so daß er bald ats Wnnderarzt von der Menge ausgesucht wurde. Er erlangte dadurch einen so großen Ruf, daß er selbst von polnischen Edelleuten znrate gezogen ivard. Derartige Heilkuren sollen übrigens auch die Essäer in dem Jahrhundert vor und nach der Eroberung Jerusalems dilreh Titus vollbracht haben. Er erzählte seinen Schüleric und Anhängern, was er aus seinen Seelenfahrtcn in den Himmel erfahreli, er heilte Kranke, erlöste die in Tiere gebauten Seelen u. a. m. Bei der Verrichtung des Gebetes sah man ihn in gewaltigen Exaltationen und KörpecZvendnngen; er behauptete, daß er infolge solcher den.Körper aufregenden und anfreibendcn^Gebete einen tiefen Blick in die Nnendlichkeit zu erlangerl pflege. Seine Seele stiege bis zur Lichtivclt hinauf, höre, sähe da göttliche Geheimnisse und Offenbarungen, träte in Zwiegespräche mit den hehren Geistcrir und sei imstande, durch deren Vermittlung die Gnade Gottes, Glück und besonders Abwendung von drohenden Gefahren zu erflehen. Auch Einblicke in die Zilkuuft durch Entschleierungen ihrer Geheimnisse rühmte sich Bescht. Man muß zugeben. daß alle Ausbrüche, alle Mildheit und alle Ueberspamitheiten von ihm ernst gemeint ivaren; er erkünstelte sie nicht ans kaltem Herzen, sondern' er glühte immer mit; er iveiß sich vor lauter Erregung nicht zu helfen, lleberall und stets sei ihm die Gottheit gegenwärtig, seine Seele sei voll von Gott, wie ein Tautropfen von der Morgensonne, äußerte er sich. So!var er das erste Oberhaupt seiner Sekte, der als solcher in allen seiiwn Taten und Handlungen, Sitten und Aiischaunngen mnsterhafi und maßgebend Ivurde für die überraschend große Zahl von Anhängern, die ihm fast mühelos pnd ohne sein Zutun zufielen. Man hat gefragt, ivteso der neue Glaube des Chassidismus, tr,-h der von Mendelssohn augebahuteu Beiveguug, im europäischen Oiieu so rasch sich ausbreiieu und feste Wurzel schlagen foimteV Allein das war ganz natürlich. In Polen toar gerade zur Zeit Israels iu dieser Gegend bei der Ueberspainmiig, Ivelche die Kabbala der sabbatinnischen Schwindelei erzeugt hatte, alles möglich und glaublich. Es lebte und webte dort die Phantasi'r'im Juden-und Christen im AußerorderMchen und Nußergewöhnliche-n, wie icr einem natürlichen Elemente. Die Luft, welche damals in den jüdischen Stadtvierteln wehte, war, sozusagen mit kabbalistischen Stoffen geschwängert. Das Wissen von Gott und seinem Gesetze war für den polnischen Juden das einzige Ziel seines geistigen- Strebens,. der Wünsch und die Geschicklichkeit, die Gebotes Gottes richtig und piinktlich ausznfühcen, die einzige Aufgabe seines sittlichen Eifers. „Was darf man tun, ivas muß mau uuterlasseu, um zur G'ottseligkert zu gelangen?" Das war die große Frage, die den Mittelpunkt alles Denkens und Wollens bildete. Alle Vorgänge in der Natur und alle Ereignisse in Stadt und Land warenfür den Inden rare der gleichgiltige äußere Nahmen dieses gottgefälligen Lebens.. Die ganze Welt der Erscheinungen unterwarf er nur zu den: Ztvecke einer Prüfung und Ilntcrsnchung, um zu erfahren, inivi'eferu sie erlaubte und unerlaubte Genüsse darbieten. Dadurch verkörperte sich schließlich das ganze Leben zu einer Summe von vorschriftsmäßigen Taten und Gefühlen, ivelche die Zeit ausfnllten und den Verstand beschäftigten, ivobei aber Herz und Gemüt leer ansgmgen. Das einfache, gesunde und verständige Deuten verschwamm immer mehr in nebelhafter Form. An seine Stelle trat der Geschmack au mystischer und kabbalistischer Künstelei, jeixe geheimnisvoll andeutende Erklärungsart, die mit den: wonnevollen Schauer der Begetsteumg das Gemüt erschütterte und die Phantasie überhitzte. Der natürliche dlusdrnck des Gefühls ioac überall der Ueberspanntheit und sentimentalen Wortdrechslerei gewichen; man schwärmte von Gott und seinen geheimnisvollen Offenbarungen, von einer Erlösung und den messianischen Verkündtgnngen, aber alles ivar zerflossen und unklar. Je trüber und einförmiger die Wirklichkeit war, je weniger sie dem Sinne für Geschmack und Schönheit darbot, desto mehr sehnte sich die unbeschäftigte Phantasie nach dem Schauen geheimnisvoller Offenbarungen und desto gieriger berauschte sich die Vorstellungskraft an dem süßen Gift, welches sie ans der liebevoll gehegten Mystik sog.?lus dieseri Stimmungen, die erst gegen die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts für einige Zeit zurücktrateir, erklärte sich zugleich die Vorliebe für alle Wniidermäimer, die zürn Teile ivirkliche Betrüger, in verschiedenen Teilerc Polens anstauchten und iiberall, besonders in Galizien Gläubige^ fanden. Es lag darin der naturgemäße Rückschlag gegen die nüchterne Aufklärnugssncht, die über jedes religiöse Gefühl spottete und die Tatsächlichkeiten mancher „mystischen" Erscheinungen nicht für möglich hielt, die heute selbst von der exakten Wissenschaft alieckannt tverden. Jir diesem (Gegensätze hat sich auch die Natur des „Bescht" zum Teil gebildet. Seit Israel Baal-Schem hatte das kabbalistische Studium . eiue neue Wendung geuommen, die mit ungeheuerlicher Schnellig-- j feit in der ganzen Judenheit begeistert ausgenommen Ivurde: man tat beinahe nichts mehr, als die Ankunft des Messias zu berechnen, die Vorbereitungen der Seele für seine Ankunft lehren, die Zukunft 'verkünden. Bescht verfaßte neue Ritualien und Gebete, wie auch ' neue Bräuche und Zeremonien für den Sabbat und die Feiertage, ' die, wie er selbst sagte, dazu bestimmt waren, das Himmelreich auf Erden borzubereiteu und Bürger des Himmelreiches zu bilden. Es versteht sich, daß diese Erziehung und Bildung im kabbalistischen Bei Errichtung einer neuen Verfassung für die israelitische Ktiltusgeineinde Wiens, der größten der Monarchie und des Kontinents, tverden Fragen vitalster Bedeutung zur Lösnkkg gelangen müssen. Bisher waren die Wiener Kultusgeme'indemitglieder nur dazu ausersehen, Steuern zu zahlen, und, tvas die Hauptsache ist, znur Stimmvieh inißbraucht zir tverden; sie hatten nur Pflichten, aber keine tote immer gearteten Rechte, es wäre denn bei den Wahlen in die Kultnsgemeind-erepräsentanz ihr Votum konform der anfgestellten offiziellen Kandidatenliste geben Zli dürfen. Dies soll lind muß in Hinkunft anders werden. Das zu schtvindelerreg-ender Höhe angetvachse/ke Bildget der Wiener Kultnsgerninde bietet den Mitgliedern keine wie immer gearteten greifbaren Vorteile und erfüllt mir den einen Zweck, einem kleinen Heere von kärglich und reichlieh dotierten Beamten und Dienern eine mehr oder minber gute Versorgilng zu bieten, die sie zum größten Teile einem verwerfliehen Nepotismus zu danken haben. Her Religionsunterricht der Hunderttcmsende verschlingt, diesen zu besorgen' ist irc der Volksschule bei Bezirksschnlfcmds, m den Mittel schufen Staat! und Land gesetzlich verhalten. Die Führung des Standesamtesgeschieht seitens der Wie'uei Knltnsgeineinde im übertragenen Wirkungskreise und ist nicht passiv. Die Erhaltung und Verwaltnnst der Begräbuisstätten ist, streng genommen, auch keine rein kultnelle Angelegenheit, sie belastet jedoch das Budget: niehr, sie ist vielmehr aktiv. Von rein konsessiaiiellea Angelegenheiten verbleiben dann nur noch das R'abbinat und die Spnagvgeu, und üi diesen' ist es in der Wiener dknltusgemeinde wahrhaft klaglieh bcstellt, da herrscheii jämmerliche Zustände, die aller Kritik Hohn sprechen. Di-' über nveiuiallnindertlausentz Seelen zählende Judengemeiude besoldet nur drei fir an gestellte Rabbiner, darunter }reilM; cinin Oberrabbiner, während" Wien zwanzig Gemeindi'bezii-ke besitzt, die sich für ihre Synagogen ihre Seelsorger aus eigener Tasche besolden müssen, trotzdem sie zur Bestreitung des allgemeinen Kliltüsbiidgets ernpfindkich herangezossen werden. Sind es nicht abderitische Zustände, wenn man sieh über die Beseßnug zweier als notwendig' erachteter Nahbiurrstelleu. Jahre hiirdnreh nicht zu einigen vermag'^ Ist denn her eine' Oberrabbtner von so zweifelhafter Kapazität, daß er^dn klaffendv Ll'icke nicht auszufüllen ünstande ist? Die in den Bezirken von den Vethausverelnen bestellten Seelsorger müssen' sich mit einem steschämend geringfügigen Gehall begnügen. — Diese Bezirksrabbiner nehmen die erbärmlich pekunären Gehälter offenbar' deshalb mit Entsagung hin, Weib sie mit der Anwartschaft rechnen, in absehbarer Sinne und nnch Anweisung der Mystik' bestimmt wurde. Sie bestanden: hnnpMchlich in öfteren WaMunge« und Bädern,, iil begeisterndem (HÄHlnhawuthl und kangmthnltLndem Beten, iii einer qeweckten Lmme und einem heiteren Wesen. Ec behauptete,, nur in heiterer Stün-m-rmc! müssen die Gebete nnzGoit gerichtet we-den, und nur solche wirken auf die Seele wie cms die-Eröffnung der Gnadenströme. Nickt, Scharfsinn, nicht Gekehrsamkert, nicht Wissenschaft führen zur wahren Wcisbeit und- Erkenntras- Gottes. Mir einen Weg gebe es zu diesem Zieie: die Andacht und die Inbrunst des Gebetes. Jede quälende Sorge, jeder störende Gedanke, jeder Anlaß zur Unruhe müsse überwanden werden, wenn die Seele auf den Flttigen: des Gebetes sich frei' einporschwrägen" solle $\y ihrem Schöpfte. In diesem Wahne verflieg ersich zu der lüskerlicheir Aeußernng: Das Gebet sei eine Art ehelicher Verbindung- (Silvug) des Menschen mit der (Plattheit (Schechinah), und darum müsse es unter Erregung vor sichgehen. Hier lehnte sich der Chnssidisinns an die- Lnstanische Kabbala an. — DaL Büch „Sohar", die Bibel der Liühängcr der Kabbala, mit seinen Lehren und den starken Abvom des TnÄnud, mmhie et cuid) zum ÖJcfck* buchefeiner Sekte, der Chassidäer, diebald, ähnlich den Sabbatianera, eine feindliche Stellung gegendie Lehrer und Verehrer des Talmud einnahnien. Sie mieden jede Gemeinschaft mit der talmudischen Judenheit, besuchten nicht ihre Lehrmed Bethänser, trennten sich von ihren anderen Institutionen und sahen sich als die allein wahren Veken-aee des jüdischen Glaubens an. Als der Bischof Nikolaus Denchowski von^ Kmmenec-P'odvlski infolge der gemeiincn AnsehnldignnMn von Seiten der Frankisteic den Befehl erlassen hatte (ist. Okt. 1757) Jagd auf die Talimuderemplare zil niachen, sie zu konfiszieren und zu verb rennen, soll Bescht sich scharf über die Rabbinenausgelassen haben: sie allein hasten schuld an dieser Trübsal'., weil sie durch falsche Voeanssehungen Lügenhaftes erdichteten. Er füll auch von den Vertretern, der Vier-Länder-Synode vorgeladen tvorden sein, sich darüber zu verantworten, ivie er sich als Unkundiger m der talmudischen Literatur göttlicher Offenbnningen rühmen könne, und er soll ihnen eine besehärneiide Antwort gegeben haben. Doch ist diese Nachricht nicht als Tatsache anzusehen. Vielmehr ist wahr, daß Israel Baal-Schem von den Rabbinern der Lemberger Diözese zu der zweiten Dispnlion mit den Frankisten,. welche der Künonikns; S o k o l s k i am 16. Juni 1759 angeordnet, zu ihrein Ve-rtreter gewählt und als Fürsprecher in die K'alhedralebon Lewberg enlsendelivnrde. Von den vierzig Talrnndisten, die sich ans Furcht vor der angcdrohten Geldstrafe crngefrrnden hatten, konnten mir drei, die der polnischen Sprache mächtig waren, als Wortführer hervortreten-: Chaim Ko Yen Rapaport, htabbiner von Lemberg, Rabbiner Beer von: Jostowiee und Israel aris Miedziboz. Und doch deslalid ein verdeckter Krieg zwischen den Nenchassidaern und den Rabbinen; diese konnten jeneii jedoch lange nichts anyaben, als Israels Anhänger sich von deni bcstehelide,l Jndentinn nicht entfernten. Die Spannniig steigerte sich erst ein J-nhr spater nach dem Tode Baäl-Schems (7.. Siwan 5520^ 1760) unter dessen Nachfolger Beer voll Mizricz» als die Verwilderung, mrd Enst arlnng zuriahlki, zu einer förmlidjett Spaltung..

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