Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 30 (25.7.1902)
- Date
- 1902-07-25
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 30 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 25. Juli 1902 Seite 5 hatte. Individuen, welche das autonome Recht der Selbstverwaltung der Ktiltnsgcmciuden hierzulande mißbrauchen, itt politischer wie materieller Beziehung ansnützen, haben sich in das Fäustchen gelacht, daß bei Schaffung des erivähuteu Gesetzes rvcdcr die jüdischen Reichsratsabgeordneteu noch das einzige israelitische Herrenhauslnitgtled etwas davon verstanden, ivas das Allerwichtigste in diesem Gesetze tväre, um dem KiiltuSgemeindeschwiitdel in Galizien auf etvige feiten einen Damm zu setzen. Die Regierung hatte sich tut Gesetze Vorbehalten, daß ihr das Recht zusteht, den Gemeinden die Bestimmungen der Statuten derselben von Grund aus zu diktieren und eventuell aufzuottroyiereu. Nachdem es aber den in den Gemeinden ain Ruder sitzenden Vorständen gesetzlich anheimgegebeu!var, den Laudesbehörden Statuten zur Genehmigung vorzulegen, so ivurden diese allüberall mit solchen Wahlmodussen versehen, daß nicht einmal Dhnamit imstande tväre, die erbgesessenen Kliqnen aus dem Sattel der hierländischen Kultnsreprüsentattzen zu heben. Diese Lücke tut Gesetze zur Regelung der Verhältnisse der jüdischen Ktilttisgemeinden ist die .Hauptursache, daß sich in den galizischen Städten die jüdischen Geineindemitglieder unaufhörlich befehden, hassen und verfolgen. Die Machthaber führen auf Grund der Statuten die Wahlen nach ihrem Gutdünken und ihrem Parteiinteresse durch; es häufen sich zurückgesetzte Ehrgeizige, die auch Vorsteher werden wollten, aber durch die Kunst der alten Despotetr bei den Wahlen durchfallen und diese mit ihren Angehörigen, Vertvaudteu und Freunden bilden die Opposition in jeder Kultnsgemeinde. Auch hier in Krakau ist derselbe Fall. Alle Achtung vor der Art der Verwaltung der Gemeinde, das jüdische Spital ist ein Misterinstitut, dasselbe verfügt über eine Abteilung für unheilbare Kranke (lute segensreich ist diese AbteilungI), über Ambulatorien für Geburtshilfe, für Hautkrankheiten, Angcnkrankhciten und natürlich innere Krankheiten usw. Der Friedhof ivird mit der Zeit großstädtisch dastehen, daran arbeitet die Kultusvertretung unaufhörlich. Die Synagogen, siebeit an der Zahl, werden nach Reglements unter strenger Kontrolle der Repräsentanz musterhaft geleitet, die Geineindekasse verfügt immer über Baarurittel und die Aeaintcn erhalten ihre Gehälter pünktlich ausüezahlt usiv. Bei all dieser unistergiltigen Administration der Gemeinde tobt hier doch ein Kampf, den die Opposition gegen ben Vorstand führt; diese behauptet, daß in die Repräscutauz nur solche als Mitglieder gewählt werden, die verschworene Parteigänger des Präsidiums der Vorstehuug sind. Durch die Resignation eines Mitgliedes ist es der Opposition letztens gelungen, ihren Führer Herrn Dr. Adolf Groß, der bei der letzten Wahl in der Minorität blieb und erster Nachschübler wurde, in den Vorstand hineiuzubringen. Dieser wohnte bereits einer Sitzung bei, vertrat verschiedene Standpunkte der Opposition, stellte Anträge, die aber von der kompakten Majorität, über welche die alten Herren Gewaltigen disponieren, niedergestimmt ivurden. Das Interessanteste bei dem zufälligen Erfolge der Opposntion, ihren Führer in der Ratsstnbe zn haben, ist, daß, seitdem Herr Dr. Groß in derselben seine Stentorstimme vernehmen läßt, sich daselbst eilt hundertköpfiges Auditorium cinfindet, das sich aus Sozialisten, Zionisten, Demokraten und parteilosen angesehenen Bürgern znsammensetzt, das zuweilen mit Ausdruck des Unwillens in die Debatte so ivcit eingrcift, daß der Präsident Herr Dr. Leon Horowitz mit der Leerung des Saales drohen muß. Unser Kultusratssaal, in detn es bei Sitzungen bis dato stille zuging, ist zum aufgeregten Parlament eines gewissen Staates geworden. Nach Regenguß kommt Sonnenschein. In der altehrwürdigen Wawelstadt Krakau, woselbst die Inden nach der Verbannung aus Spanien und Portugal vom König Kazimierz dem Großen alleredelst atlfgenommen Ivurden und woselbst bis zum Jahre 1892 keine Spur von Antisetnitismus vorhanden war und Christen und Juden friedlich beieinander lebten, wurde zu obbenanntcr Zeit ein Tagesjotrrnal unter dem Titel „Glos Narodu" gegründet. Dieses Blatt machte in Nitualntorden hi Talmudgeführlichkeiten und individuellen Verfolgnngett der Juden. Die Wühlarbeit dieses Organes blieb nicht ohne Konsequenzen, es zeugte in Krakau auf Schritt und Tritt merklichen Antisemitismus; der jüdische Handel litt unter den: Boykott der Christen tmd das Treiben dieses Hetzorganes gab den hiesigen Juden zum Nachdenken. Aber wie alles Lügenhafte ott das Ende gelangt, so kam das Wühlen dieses Blattes an die äußerste Grenze tiud vor ctlva zwei Jahren erklärte die wcstgalizische Geistlichkeit in einem offenen Schreiben, welches in einem Blatte veröffentlicht Ivurde, daß sie mit dem „Glos Narodu" nichts gemein haben ivill und dieses Blatt auch nicht das Recht hat, als votn KlerikaliSmuS favorisiert aufzutreten. Der bissigste, judeufentdliche Redakteur dieses Blattes übersiedelte nach Warschau und an seine Stelle kam ein getnäßigter leitender Redakteur, der ganz wenig den AittisemitiSmus kttltiviert. Mit dem Aufhörcn der Wühlarbeit dieses Blattes hat auch seit den letzten zwei Jahren der Judenhaß hier abgeuommen, so Iveit, daß bei der letzten Landtags- Wahl die Christen den: jüdischen Kandidaten ihre Stimmen gäbet: und Ivenn tiicht der Parteihaß der Juden gegen den jüdischen Kaudidatett Herrn Dr. Leott Horowitz wäre, so wäre dieser gewählt worden und es bliebe mm für immer Usus, daß Krakatt einen Israeliten in den Landtag entsendet. Aber die letzte Wähl des Professors Dr. Josef Rosenblatt zutn Präsidenten der Krakauer resp. der westgalizischen Advokatenkammer, die 270 Mitglieder zählt, ist wieder ein Beweis, daß hierorts kein eingewurzelter Antisemitismus herrschte, souderit daß dieser bloß künstlich atigefacht wtirde. Die Wahl des Professor Rosenblatt ist in Beziehung des Freisinns der galizischen christlichen Intelligenz umso erfreulicher, als Herr Professor Rosenblatt bei jeder Gelegenheit tntter Christen mit Stolz tmd Genugtuung seine jüdische Stamtnesgenossenschaft hervorkehrt, als Jude läitdidiert itnb nur als Jude in eilte Körperschaft eilt eventuelles Mandat attnitnmt und in derselbett ausübt. Und endlich werde ich meineit Brief mit einer ktilturhistorischen jüdischen Angelegenheit der Stadt Krakätl schließen. Ebeitso wie in Prag befindet sich atlch hier ein alter Friedhof, der seit dein Jahre 1009 besteht und auf dem bereits seit dem Jahre IS'12 nicht beerdigt wird. Auf diesem altehrwürdigen GotteS- Acker, der inmitteit des altett Jtidettghettos, vott den Gassen Jakobs-, Meih-, Finstertiud Breitegasse, eiugerahmt ist, rtthett Sterne der jüdischen ^chriftgelehrsantkeit vergangener Jahrhunderte, darunter Muses Israels, Verfasser deS Buches „Remuh", Joel Zirdes, Verfasser des Buches „Bach", Jonttoiv Lipttiann Heller, Verfasser des Buches „Tosefes Jvmtow", Eliaser Aschkeunsy, Verfasser des BucheS „Maase Haschan", Nathan Spira, Verfasser des Buches „Megalei Htiamilos", üslv. usw. Da dieser Friedhof die Gebeine noch vieler Größen des Judettttuus inne hat, deren Grabstelleit dttrch die Versiegtheit der alten Grabsteine unauffindbar sind, so ttnterzogen sich die Herren Samuel Laudatt und Feitvel Melsteitt hier (ersterer ein Taltnttdgelehrter, ziveiter ein hebräischer Schriftsteller) der mühseligen Attfgabe, im Vertieine mit eitlem Steintnetztneister die vermorschten und abgewetzten Inschriften auf den alteit Grabsteinen des Friedhofes ztt erforschen. Es ist ihnen bereits gelungen, die Gräber einiger Rabbiner ausfindig zu machen und solche auf Kosten der Gemeinde mit neuen Grabsteinen zu versehen. Der Präsidettt der KulttiSgemeiude, Herr Dr. Leott Horolvitz, lvie der Vizepräsident Herr Hirsch Landau tinterstützen dieses Unternehmen der Forschungen auf dem alten Friedhofe mit aller Tunlichkeit, wofür ihtten hiermit die Anerkentmng zttteil werdet: möge. Emgesendet. Gin jüdisches Konsistorium. Jüngster Zeit wird neuerlich die Kreierung eines jüdischen Konsistoriums propagiert. Die Idee ist nicht neu und erscheint nach jedesmaligem Schiffbruch stets wieder an der Oberfläche. Man will mit aller Gewalt ein jüdisches Pontifikat schaffeli, zumindest jedoch so ein Erzbistum mit einem jüdischen Bischpf an der Spitze und ein Kapitel von Domherren, und Kwnsistorialräteir an der Seite. Wir finden diese Allüren nicht nur für einen Luxus, sondern auch für eine dem Judentum höchst gefährliche Spielerei. Das Judentum ist auf rein demokratischen Grundtsätzen aufgebaut und kennt keine Hierarchie. Seit der Zerstörung des salomonischen Tempels kennt das Judentum auch keine Priester. Unsere Rabbiner sind streng genommen keine Priester und sie sind weder in symbolischem noch in lvörtlicheni Sinne Geistliche. Die gegenwärtigen Rabbiner üben auch keine priesterlichen Funktionen aus. Die Kopulierung von Ehen, mit denen sie von staats- Ivegen kontrolehalber betraut sind, kann nach mosaischem (besetz jeder Jude vornehmen. Ebenso ist die Führung des Standesamtes keine wie immer geartete priesterliche Funktion. Die Erteilung des Religionsunterrichtes und die Abhaltung von Predigten und Exhorten hängt gleichfalls nicht! von der priesterlichen Eigenschaft des Predigers und Exhortanten ab. Auf dem Wege einer Enquete würde man bestätigt finden, daß die überwiegendste Mehrheit' der Rabbiner sich gegen die Schaffung eines jüdischen Konsistoriums, beziehentlich einer Hierarchie mit aller Entschiedenheit verwahren würde, ausgenommen das kleine Häuflein Streber und Ehrgeizige, die sich prädestiniert halten, die zu schaffenden Würden, Aemter und Titel einzunehmen. Einen kleinen Vorgeschmack, was schon die Kreierung eines bloßen Titels „Oberrabbmer" bedeuten würde, hatten wir in Wien an unserem eigenen Leibe zu erfahren Gelegenheit. Der Vorstand der Wiener israelitischen .Kultusgemeinde hat sich nämlich herausgenommen, einen Gemeindeseelsorger mit der hohlen Titulatur „ O b e r - r a b b i n e r " auszustatten, der nun den jüdischen Papst posiert und es als einen Casus belli betrachtete, als die Absicht bestand, einem — viel würdigeren — Amtskollegen anläßlich der Feier des achtzigsten Geburtsfestes die gleiche Titulatur eines Oberrabbiners zu verleihen. Der Brunner Rabbiner führte den Titel eines Landesrabbiners, die derzeit nur eine historische Bedeutung besitzt und das allein hat schon zu dielen Unzukömmlichkeiten geführt. Die Kreierung eines jüdischen Konsistoriums böte daher keinen wie immer gearteten Vorteil, gäbe jedoch Veranlassung zu unaufhörlichem Zank und Hader, zu Eifersüchteleien und' Kampetenzstreitigkeiten! zwischen den Rabbinern und den Kultnsvorstehungen gegenseitig. Es heißt freilich, die Schaffung einer jüdisch-kirchlichen Oberbehörde, genannt Konsistorium, erweise sich deshalb notwendig, um ein Organ zu schaffen zur Vertrellmg allgemein jüdisch-kirchlicher Interessen, das die Legitimation besitzt, vorkommendenfalls als Anwalt und als Kläger aufzutretcn. Dies könnte! jedoch, in viel einfacherer Weise auf einem anderen Wege erzielt werden, ohne eine Pandorabüchse zu schaffen mit einem Füllhorn von Veranlassungen zri Zank und' Hader, zu einem Kriege eines gegen alle und aller gegen einen. Der Sachlage nach und den Verhältnissen entsprechend wurde man sich zweifelsohne nicht damit begnügen, einen Primus inter pares zu schaffen, der sich damit bescheidet, der erste unter seinesgleichen zn sein. Es ist vielmehr die Gefahr vorhanden, daß sich ans dem zu etablierenden jüdischen Konsistorium eine zelotische kirchliche Oberbehörde herausbilden könnte, die dazu angethan wäre, den jüdischen Glauben und das Judentum in seinen Grundfesten zu erschüttern. Dieser Gefahr rechtzeitig vorzubeugen, müßte Aufgabe aller Gutgesinnten unseres Volkes sein, denen der Bestand und die ruhige Fortentwicklung der jüdischen .Nation und des jüdischen Glaubens wahrhaft am Herzeni liegt. Namentlich in einer Zeit, in der die antisemitische Strömung so hohe Schmutzwellen treibt, sollte man derartig gefährliche Versuche zu vermeiden bemüht sein. Dr. B. * Danksagung. Außerstande, allen, welche mir ans Anlaß des Todes meiner armen Mutter, ihre Teilnahme kundqaben, einzeln zn danken, erlaube ich mir ans düsem Wege allen meinen guten Freunden und Gesinnungsgenossen meinen besten Dank ausznsprechen. Insbesondere jedoch danke ich dem gewesenen Hausberrn meiner in Gott ruhenden Mutter, den Eheleuten Israel Eber, die uns in echt jüdischer Weise in diesen schweren Stunden beigestanden baden. Wien, am 23. Juli 1902. Dr. Karl Lifczis. * Erklärung. Ich erkläre hiermit, daß der int „Jüdischen Volksbkatt" Nr. 28 Pont 11. Jttli l. I. erschiettene Bericht „Ein Gewaktstreich des Dr. B y k" über die Boykottierung des Dr. B lerer seitens des Lemberger Kulttlspräsidimns von mir allein verfaßt wurde, ohne voit jetttattd ittspiriert worden zn sein. Julius Hochfeld mis Lemberg, dzt. Bad Lubien. Bücher-Einlaus. Erlebnisse einer jungen Seele. Man würde cs kamn glanben, wie viel so eine jnnge Seele erlebt. Jedes Ereignis, jedes Vorkommnis ist ihr ein Erlebnis, und sei es noch so alltäglich. Hat doch eilte jitnge Seele noch so wenig geschaut. Bei ihrer Empfänglichkeit und Jungfräulichkeit geht nichts eindrucklos att ihr vorüber. , , Und Freunden der Jugend war es stets eine liebevolle Aufgabe, den Regungen und Stimmungen, den Erlebnissen dieser jungen Seelen zn lauschen, ihnen nachzuspüreit. Reichlich lohnte es sich intmer der Mühe. Wie ganz anders erscheinen Welt tmd Menschen den jungen Secletr! Herzerfreucttd ist fast immer dieses Bild. Ueberreich ist die Weltlitcratnr an Werken dieses Genres. Aber was so eine jüdische junge Seele erlebt, lesen wir wohl znm ersten Male. Moriz H e r m a n n , ein junger, jüdischer Dichter, hat in seinem soeben erschienen Buche „Passah"*) eilt stimmungsreiches, gemütstiefes, kaleidoskopartiges Bild der Erlebnisse einer jungen jüdischen Seele mit viel Liebe und deshalb mit viel Glück entworfen. . . A n t s ch c l, der Sohn eines kleinstädtischen Spießers, kehrt aus der Stadt, wo er das Gymnasium besucht, zum Passahfeste heim. Die Passahwochc mit ihrer Festcsweihe und ihren Festesfreuden ist die überreiche Quelle seiner Erlebnisse. . In seiner weichen, zarten Seele prägt jedes Detail gar tief sich ein, faßt feste Wurzel und fesselt ihn mit tausend Fäden an sein trautes, ländliches Milien. Drnm, als es zum Abschiednehmen kommt, beschleicht zutode betrübende Wehmut sein Herz. Eine feinpoetische Idylle des Passahfestes in einem weltvergessenen Jndenstädtchen des europäischen Ostens ist diese Erzählung. S o k o l o w ist der Typus all jener zahllosen Orte auf o w und k i. Der Abglanz des schönen Passah liegt ans Natur und Menschen, alle Schlacken und Flecken jener Windrose gnädig bedeckend. Im Festesglanze und Feicrtagsgewande begegnet uns jung und alt, groß und klein; eilt niedliches Bildchen provinziellen Stilllebens. Wir sehen die Inden des Ostens als „Könige beim Seder", wir treffen sie beim fröhlichen Sang: „Awodym hujim". Mit innigem Behagen schlendern wir daher mit Antschel durchs Städtchen, grüßen da und dort manch guten Bekannten; wir Vergnügen uns an Antschels Seite und erleben nochmals die Tage unserer Jugend; ja, wir sehen so manches, was wir damals übersehen. Und bange wird es uns, daß dies köstliche Buch zu Ende ist. Zn gerne möchte man im Trubel der Weltstadt, in der Tretmühle des Berufes noch schwelgen in jener stillen, friedlichen Passahidylle. Die Lektüre dieses Buches tut einem ordentlich wohl. Wir wissen dem jungen Antor hierfür ehrlich Dank. Aber er muß der nationalen Bewegung im Jndentume Dank zollen, mit seinem scharfen Beobachtnngsvermögen und . seiner schöpferischen Gestaltungskraft znm jüdischen Volke, in das j üdis ch e Milieu geführt und gewiesen worden zu sein. Denn hier sind die Wurzeln feiites Könnens. D. Jakob Kammer. Vom „Volkstümlichen Handbuch des Briefstils und der Geschäftskunde" von Robert Klinger, Verlag der Wiener Volksbuchhandlung Ignaz Brand, Wien, 6. Bez., Gumpendorferstraße 16, ist soeben das dritte Heft erschienen. In demselben wird durch zahl-- reiche Formularien unterstützt, eine Anleitung zur korrekten Abfassung von Mahnbriefen, Zeugnissen, Bittgesuchen verschiedener Art i usw. usw. gegeben. Die Musterbriefe zeichnen sich durch klare, einfache, sich von allem Schwulst freihaltende Sprache ans. Das nützliche Werk ist in zwanzig Heften zu je 25 Hellern durch jede Buchhandlung zu beziehen. Die Medizin im 19. Jahlirundert. Von Dr. Ignaz Zadek. Am Anfang des Jahrhunderts, 10. Heft 1902, Verlag Aufklärung, Berlin W. 35. Preis 30 Pfg. ' Der Verfasser beginnt mit einer gedrängten Uebersicht über die Medizin im Beginn des 19. Jahrhunderts. Nach einem Rückblick auf die Renaissance der Heilkunst im 10. und den folgenden Jahrhunderten werden die pathologischen Anschauungen und Systeme jener Zeit des spekulativen Denkens in der Medizin: Naturphilosophie und Vitalismus, Mesmerismtls, Phrenologie, Homöopathie und die übrigen um die Wende des Jahrhunderts herrschenden Lehren behattdelt. Der zweite Abschnitt: Naturwissenschaft und Medizin im 19. Jahrhundert, schildert ben Einfluß der großen Fortschritte in der exakten und beschreibenden Naturforschnng aus die Medizin. Der Kampf entbrennt zwischen der mechanischen Weltanschauung und dem Vitalismus, die Herrschaft philosophischer Systeme und Methoden wird gebrochen, naturwissenschaftliche Beobachtung, Sektion und Tierversuch werden die Grutidpfciler der modertten Medizitt. Die Zelle wird als letzte Einheit allen Lebens erkannt, die Zellularpathologie geschaffen. Die physikalisch-chemischen Untersuchungsmethoden werden ausgebildet und machet: auch die praktische Heilkunst, insbesondere die Diagnostik, immer mehr zur angewandten Naturwissenschaft. Die außerordentliche Vermehrung ürzlichen Wissens und Könnens bringt als notwendiges Resultat die Entwicklung der Spezialfächer in der Medizin. Chirurgie und Geburtshilfe erfahren durch Narkose, Autisepsis u. a. einett gewaltigen Aufschwung. An die mehr empirisch gewonnene Erkenntitis vott der Bedeutung und Verhütmtg der Wundinfektion schließt sich wiederum nur ermöglicht durch die inzwischen verbesserten naturwissenschaftlichen Hilsstnittel, die Erforschung der Krankheitsursachen, die Bakteriologie mit ihretr Umwälzungen in allen bisherigenAnschauungen in Theorie und Praxis, in Medizin und Hygiene. Das folgende Kapitel behandelt die Eittwicklmtg der Therapie im 19. Jahrhuttdert, die eingreifenden Behandlungsmethoden zu Beginn, die nihilistische Strömung im ziveiten Drittel desselben, die Begründung der physikalisch-diätetischen Heilmethoden neben der der Theorie berdanktett Vereinfachmtg ttttb Ausbildung der medikamentösen Therapie. Die Aufstellung eines Heilplaites tmd die Betonung der Prophylaxis charakterisieretr die modernett Heilbestrebungen. Im Kapitel: Schutzimpfung und Heilsernmthcrapie finden die bielperheitzenden Anfänge einer die Krankheitsursachen bekämpfettden, spezifischen Therapie der nettesten Zeit ihre Beachtung. Das folgende Kapitel behandelt die Entwicklung der Anstaltsbehnttdlttng tntdAttsbesondere die Psychiatrie im 19. Jahrhundert, sowie die in der Rekoitvaleszenteupflege, Volksheilstättenbewegung tt. a. bemerkbaren Anfänge einer „sozialett Medizin". Jin Schlußworte: „Die Medizin am Ende des 19. Jahrhunderts" wird das Ergebnis der Jahrhnttdertarbeit zusammettgefaßt und die Wertung der wisseuschaftlichett Aiedizitt und ihrer Vertreter in Gegenwart und Zukunft erörtert. Mitteilungen ans dem Unblilmm Die Alölielindustrie hat in jüngster Zeit, um dem verfeitterten, geradezu raffutterten Geschmacke des Publikums Rechnung tragen zu können, die größten Anstrengungen machen müssen. Tatsächlich überbieten sich die Möbelfabrikauten in der Herstellnug von modernen und tnobernften Möbelgegenständen. Daß hierbei der wirklich feilte Geschmack tticht immer ans seine Rechnuttg kommt, ist tiicht zu verwundern, lind so sieht man Kauflnstige oft von einem Etablissemettt zum mtberen wandern, ohne sich ttt dem großen Chaos *) „P assa h". Erlebttisse einer jungen Seele. Leipzig. Seentaus Nachfolger.