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Jüdisches Volksblatt · 1902-07-25 · 30 (25.7.1902) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
30 (25.7.1902)
Date
1902-07-25
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Stile 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 25. Juli 1002 Nr. 30 tum marktschreierischer Sezession und Gesthmalltosigkeit ziirechtzli-? Es gibt keinen anderen^Answeg! Meine Eltern? Ich werde sic finden. Als einen treuen Wegweiser auf dem Gebiete des feinen beruhigen. Ich tverde ihr Sohn und ihrer würdig bleiben, und Geschmackes in Möbeln aller' Art müssen wir daher daS reich Ivelche andere Rücksicht bindet mich? Keine, keine, keineI Aurelie, illustrierte "Album des Möbelhauses Jacques H e i h, 9. Bez., Du wirst mein! Porzellnngasse 20. begrüßen. Man findet hier wirklich moderile diskret ansgefühtte Gegenstände, bei denen das Moderne nncht auf Kosten der Dauerhaftigkeit herborgekchrt wird. Ein Besuch in diesem Etablissement, auf dessen Inserat wir hier besonders aufmerksam machen, wird sich stets als lohnend erweisen. Der Schlüssel. . t Erzählung von Eduard Kolke. (Fortsetzung.) Die Studien sind eine große Freiheit des nicht das metaphysische Vorbei! Der schöne Traum! Ein Tcmnngebilde hat das andere zerstört. Die ganze Welt ist doch nur ein Traum, das lehren uns die Fndier ltnb das lehrt nach mein eigenes Leben. Ich lverde Wien verlassen, sie nicht ivieder sehen — nicht wieder sehen I Sie bic Einzige I Mein Gott! Mitleid mit eineni Wurm! Besser der Tag des Todes, als der Tag der Gebilrt! So war' ich denn wieder hier auf dem Schauplatze meiner Kiiidheit, auf der Stätte meiner Jugendträume. Ein Gewohnheitsi ticr? Nein. Ein Gewohnheitstier ist der Mensch nicht, wohl aller in dem Menschheit vor allem überschlvenglichcn Liebe der besten Eltern. Rätselhaft und viel, aber sie können über eine gezogene Grenze nicht hinaus. Denn allein ist mir Grimpels Wesen und feitt Gemütszustand. iMt' Eninwt, welclie nian lliis c lesen «tlicien gewinnt, besteht dann, die Zeit es aufklärcn. Was mag in der Seele dieses Menschen cm,,- ''».-ifitri'rirfvnrmm air t' rflr-trfit h rtS Iw Imrtrni' ni'rlflncn 1 ’ 1 1 ' eine Naturerschcinrurg zu erklären, das heißt: die Ursache derselben Ergehen? aufznfinden. Da aber diese aufgefundene Ursache wieder iiichts mlderes ist, als eine Naturerscheinung, so ist cS für einen denkenden und erfinderischen Geist wohl möglich, eine ganze Kette von Er schcilulngen in solchen Zusammenhang zu bringen, daß jede der iclben Wirkung einer vorhergegangcmui niid zugleich OOache einer gjgC — darf ich noch Deiiien Nanien nciineii, Llurelic? — Sie, f nachfolgenden Erscheinung ist; diese Kette kann keine en>.liche, songeliebt riiid einig lieben werde, sie mrißte ich lassen! Es ist e dern sie muß eme unendliche ielli, l.er Mensch aber all? ein eni.liche-, e-,pbn auf alles, was mau Weltordimiia uenneii ivill. Wesen befindet sich in dem Widerspruche: in seinem Geiste sich diese Kette als riotwcndig uiicirdlich vorzustellcii, während er in der wirklichen Welt aii seine Siinie gefesselt und auf seine Anschauung be Sie hat eS aufgeklärt. Die Zeit hat cs enthüllt. Aber Ivie tvuiidcrlich ist das Meiischerischicksal. Er liebt sie uiid muß sich töten, sie liebt mich riiid ich muß sic verschmähen, imb ach, die Ein die ein Hohn auf alles, was man Weltordnung nennen will. Dies sei meine letzte Bemerkung. Ich fühle mich zu tief ersämtliche Himmelskörper ist, ebenso ivie durch sic ein Stein zu Boden ^Forcen, und cch wurde ere^ kaum mehr rnecersthrerben, tvenn fällt, so lange ich mir die Gravitationskraft selbst nicht zu erklären mut) .^>0 ven.c?V.ll1fa^ctc3J, O'reuiue nicht gerettet hatten. Um roch ist imstaicde bin. Die Religion schneidet alle Zweifel kurzweg ab mit cr kein ^osewichtt^iM Gegenteil, ec ist ein guter, sehr guter Mensch, dem einen Worte: Gott. r.> iirwrir nU,r aber m seinem Fanattsmns l,t er von härtester Grausamkeit und nthto »>rih' llrirrrnr» rrfff'r Regierungeil 'selbst böten die Hand, die Naturwissenschaft als Neda. doch Gott nach seiner Ueberzengung sicher meinen Tod will. Ich ligion cinzuführcii, gesetzt, alle Schwierigkeiten, die in solcher Anmußte unch sehr irren, wenn er mich nicht „leschem Mizweh angellahme liegen, wären überwunden, was wird daim der Fall sein? lallen hatte^ Ist es doch von jeher und zu allen Zeiten so gewesen. Daiin würden sich — so scheint cs mir wenigstens — die Lehrer der 'H^dcii me ^liginsitoreii ui Spanien cm^ Bluteurst ihre Opfer ge- Naturwissenschast als die Priester der neuen Religion geberden, Ordert? Gewip nicht. i,nd^ge!m,z iiicht alle; imGegenteil lsabensie und der gemeine Manii, der jetzt einen Ul'.sichtbareii Gott verehrt, LCV11 -c ^chelterhailfeIi venlrtellt, sicher eic größte würde danii hiiigeheii in den Tcmvel der Görtiii Elektrizität oder r^^lat zil erweisen gcmciiit, denn lrcm koniite e^> in rhrein Sinne de» Go" " "" - - •<- . - ... tttr nrnK('ri'9Knnlmr rrnfipn. rrlS nir .Vlr'ttrr. hu» iW’S.CSrrmrK'Trf'trTii’S hor< Wir he gölte re i der Griechen wieder ins Leben gerufen, — —... ., ~ , r r. r , .r , .. ., . r nichts anderes waren, als personifizierte Naturkräfte, nur daß sich )l:!u b’nc?-n herzlich, jet mehr, ich mhme sie ihm nicht einmal^ ihre Religion dem Schönheitsgefühle des hellenischen Volkes gemäß 0^ mir nur ein neiier tatsachluher ^elvei^, wie weit rer 3'anain eine wunderbare anziehende poetische Form kleidete, während die tisiini^^geyt. ... . . neue Religion der Naturwissenschaft in nacktester uiid reizlosester W'h schließe riese losen Blatter. Mögen sic einst mr Wuide Prosa auftrcten würde. Wie kmin die ganze Menschheit über die Oerflattern,. wenn etne liebenoe Harn, sie nicht aufhebt. Mir kann arone K'lnit. die zwischen der Materie und dem Keilt bestellt, binluchch niehr voi toililiieii, Wcw iiach relli^^rorgefallenen der chufzeichniiiig wert Ware. „D er Rest r st ch iv c i g e n. große Kluft, die zwischen der Materie und dem Geist besteht, hin überspringen? Wenn unsere heutigen Bauern von Erfinduiigen Gebrmich machen, die große Geister gemacht haben, wenn sie das Korn durch die Dampfkraft Zermahlen lassen, stehen sie darum höher, als die Landleute vor tmiscnd Jahren, die von dieser Erfindung keinen Gebrauch machen konnten? Ich suche vergebens einen Schlüss e l, das geheimnisvolle Schloß zu entriegeln, hinter welchem die Lösung des Weltenrätsels offen liegt. Ob ein Fortschritt existiert oder nicht? Ob sich das Menschengeschlecht in einem ewigen Kreisel herumdreht, wie in einem Ringel Ein Frauenleven. Wie aber ist Aurelie eigentlich hierher gekommen? Welche Umstände habeil sie gerade jetzt an die Stätte geführt, wo die Asche ihres Geliebten im drinklen Schoß der Erde ruht? Allf diese Frage wäre mit Welligem die Ailtivort gegeben. Ta es sich hier aber nicht darum Handelt, ein bloßes Frageiluiid?liit!vorteiispiel 311 spielen, sondern zur Keiliitiiis der Welt liild der Menschen in den vorgehaltcneil Bildern Eiiliges beizutragen, so spiele, oder ob es sich immer weiter entwickelt lind einem gewissen wollen wir ea-, Bili. eieicLrelilen 3rauc:llcbcnv, meier Priesterin Ziele zustrcbt — fragt mich die Hofrätin, und was sollte ich ihr für d^r Entsagung, dem freundlichen Lefer imr .luge itellen, mag eine Antwort gebeil als: Fa und Nein — wie man cs eben nimmt, iß iclbst beurrellcn, wie bkuctlich ein Mann wie 3'elix hatte Die metaphysischen Fragen werden in alle Ewigkeit nicht gelöst werfüiuicu, wenn ein ü.ungcw Geicluck ziviichen >hul um. lem den, über das, was außerhalb dieser Grenzen unserer Erfahrung Manhen nicht jene unubersteigllche schrante aufgcliegt, wird man niemals Gewißheit erlangen. Dieses Tor ist vern^t hatte, lic jic, wie wir gewheu haben, für eie Zelt ec^> Erden schlossen, heute wie gestern und morgen wie heute. Der Schlüssel daiems unerbittlich voiieiilaiu er^getrenut lind^entesriit gehaltein existiert nicht, der dieses Tor mifsperrte. Nach dieser Seite Hill , .. Jingefahr zu der Zerr, da Z-elix rn eer «chule icuie luitigsteii kann also von einem Korrsebrikte überall gar keine Rede sein: wohl trieb,!vuri.e in eriiem von dem Schmiplatze unserer Begeben- -ikt in bei- Enbniellnna der holt weit entfernten Orte ein Mädchen geboreil lind dieses Madcheii 'physische ausschließend sich erhielt de-i Namen Aurelie. Sie stak iioch statt iu den KÜ-derschuhe,,. lält nnd in dem Betraebt ist oils ych Ni dein Gemute des Knaben die erstell Zweifel regten, die kann also von einem Forrschritte überall gar keine Rede sein; wohl aber zeigt sich ein offenbarer Fortschritt Menschheit, soferne man alles Metaphysis innerhalb der Greilzcn der Erfahrung hält, und in dem Betracht ist . . , , . , . . . . o .r, ... . alles Heil zu erwarreil von der Wissenschaft. Wenn heute ein Tagharinloicn Zehrer curch ne Z'rage, ivariim er? Ehrlsteu um löhner Bequemlichkeiteil haben kann, die ein römischer Imperator Bvdeil gäbe, rn Zorlegenheit hetztein lucht ahneii, viel iveniger haben konnte, so ist doch hierin sicher ein ,. , hatte ea^ Unglmk, fruhzer.ig ew ^Mutter zu ver- Fottschrirt, und dies verdallkt er der Wissenschaft. Der Bauer, der ^oteli. 0 Ge; ch ick t e üte eine Heu re die Tampfkraft .. allerdings nicht höher ganze Menschheit ist darum doch weiter gekommeii — freilich langsam aber täglich — weiter. nv» üi*iL»uuu et uet ALtMiieiiiujuTi. souuei, out a s / v ... . 1 y caft benützt, steht, wie oben gesagt, als Fndividurim aiu L^iLmirtMMnur, lui'im ir% imc i.u’ii', mid) cuumi öher, als ein Bauer vor tausend Jahren, aber die?euerer zum Bater gehabt hatteZmii (Kucke!var ihr ^rater ist darum doch weiter gekommeii und schreitet ^ni Z'anatlker, lonoern cm deriticher Gelehrrer. Darau? folgt zivar Welch ein Mädchen! Aurelie! Nun hol' der Teufel alle Philosophie; die wahre Weisheit besteht in der Liebe. B noch nicht, daß ihre Erziehriiig eine gute geivesen sei, aber ivas mit Gewißheit daraus folgt, ist: ihre Erziehung lvar eine gründliche; denn bei einem deutscheii Gelehrten ist alles gründlich. Um aber einzusehen, daß Aurelie auch giir erzogeii worden, iiiiiß maii lvisseii, daß ihr Vater iiicht ein Gelehrter gewöhnlichen Schlages war, der st'westeu;oll ich s? Eß daun war ich ja eben feinen Büchern vergraben liegt und vor lauter Kenntnis ein Philosoph! Feh lnill aber keiner sein! Ich ivill nichts als lieben diichts mehr? Nun denn — geliebt werden. die Welt nicht fennt. Nein, er hatte für die Welt nnb das, waS sich in ihr bewegt, einen offenen Blick. Sein Herz lvar der Liebe offen und da ihm der Tod diejenige, die er am meisten liebte, entrissen hatte, so ividmete er sein volles Herz und die ganze, einem Warum sie fragen? Nein! Das Tiefste tind Heiligste im N-enscben spricht sich in Worten aus. Fragt sie doch auch mich nicht, vollen Vaterherzen entströmende Liebe und Sorgfalt dem einzigen Und soll ich ihr den Triumph gönnen, daß sie mir fraglos vertraut, Mtnbe. In glücklichen Verhältnissen lebend und unabhängig von während ich der Frage bedarf? jeder Stellung, die ihru einen Zlvang aufgelegt Härte, konnte er steckt aber hierin keine Eitelkeit? Wenn ich sie bloß darum seine ganze Zeit zlvischen der Beschäftigung mit der Wissenschaft nicht fragte? — Nein, Aurelie — ich kenne Dich, ivie Du mich und der Erziehung seiner Tochter teilen. So ivuchs Aurelie unter kennst, und wir haben einander nichts zu sagen, ivas wir nicht schon der väterlichen Leitung heran nnd sog Nahcnng ans der reinen ivisicn. O.nelle, die ihr die väterliche Liebe reichlich springen ließ. Der . Vater bildete den Geist der Liebe iveniger durch systematischen Daran Hab' ich bis jetzt bei (stvtt iticht gedacht! Erst seitdem Unterricht, als vielmehr durch Gespräche über die verschiedenen ich ans den^ Bemerkungen ihres nortrefffidien Vaters ersehe, daß Dinge in der Welt so ivie sie für das jelveitige Alter desselben er innere Liebe billigt nnd einer Verbindung zivischen uns nichts passend schielten. Nirgends ging er allein; ivo er hinging, hatte cittgegensrellen tvürde, seiidcnn erst ine vb’ ich'S gewahr, ivie Iveit ivir er sein Töchterchen bei sich, nnd ans diesen Spaziergängen lernte von eiiiander entfernt sind tind ivelche Kluft sich zivischen Nils auf tnr! Himuccl nnd Hötle, ivas Iveiß die Liebe von Bekenntnis? Tie Liebe kennt mir ein Aekenntiiis, nnd daS heißt: Feh liebe Dich! a... , (J . , ^, Witte . sie war imstande, t . Wml Lederers mahnende (ve,lakt uellr nch zivncben uns. gch bou j,cr salbungsvolle sehe ihn. den heißeii, glübcuiden Fanatiker, ivie er die Zähne kiiirscht, maeberei des Heuchlers z„ ,, rveim ich den unseligen Schritt begebe. Doch, in seinen Angen biit niitnen in itiffer <oeiterfe?t in ich ja längst kein Jude niehr! Und bin.ich es beim im Ernste noch? ^ur blühenden F, das Rkädchen mehr, als es in einer schule gelernt hätte, die eS aber nieiiials besnclir hat. ES ist ivahr, Aurelie tonnte in ihrem zlvölsten Fahre noch nicht orthographisch schreiben, ivas sie in der Schule misehlbar gelernt haben ivürde; aber ivas sie dort nicht gelernt hatte sie ivar innstande, den sclitichten Ton eines redlichen Gell Miene und selbstgefälligen Posseniniterscheiden. Noch einige Fahre bernnd friedlicher Betrachtling nnd so Ivard Finigfrali tind der zarte Pflegling die " liebste Gesellschafterin nnd Ratgeberin des erfahrenen McnineS. Merkn'ürdig! So!vie ei» Fnde freiiinnig ist, glaubt der ■ Eincw' fehlte ihr - - die Pflege der Nulttcn. Diese sah sie inir Christ, er nähere sich dem Christelntnu uud kö,me sich taufe»! Welch ihtei^ .rrauiiieu. . , ■ - . - •- ■ - 1 „Du hast bis jetzt nur einen ^reil von dem, ivas man die Geist neue Ailregnng; überall lernte sie neue Menschen, neue Sitten und Einrichniiigen fenuen nnd so bildete sich in ihr allmählich ein Urteil über das, ivas unter den terschiedenen ihr entgegentrekendett Fornien das Bleibende nnd Uiibergängliche sei. Sie fand, daß die Rkeiischen in der einen Stadt höflicher und in der anderen Stadt iveniger zuborkviniiiend, in der einen ernster uub tu der anderen leichtlebiger gestimmt seien, in der einen Stadt fand sic die Menschen geselliger, in der anderen lvieder mehr für sich abgeschlossen; überall aber — das sah sie bald ein —• finden sich dieselben Leidenschaften, dieselben Mischlingen und Ivas unter den verschiedenen Formen einzig uiid allein wahren Wert verleiht, das ist die Reinheit des Gemütes, die Güte des Herzens, die schöne volle Menschlichkeit, die unter allen Umftättbcn der edle Kern ist, Ivie die bergende Hülle auch immer beschaffen seiil möchte. Das Reisen Ivard null ihre Lust und es ist die Frage, wie lauge sie mit ihrem Vater das Reisen noch fortgesetzt hätte, wäre nicht plötzlich der aMuu ihr in den Weg getreten, der ihre Reiselust überwalld und plötzlich ein Ziel setzte. Dieser Manu war Felix. Von seinem Bankier au das Haus Schaueusteiu in Men adressiert, kouute dlurelieiis Vater daselbst so viel Geld, als ihm beliebte und ihm nötig schien, erheben. Die Familie Schauenstein» in welcher, wie wir wissen, der Killtns des Salons in üppigster Blüte stand, koinitc sich das Vergnügen nicht bcrsagen, den bettihmten lliciscndcn mit seiner Tochter bei sich zri sehen und so traten denn» wie wir ans den Enthüllungen, die Felix Frank seinem eheillaligen Lehrer machte, wissen, hier zwei Menschen einander entgegen, in einer ihnen beiden fremden Umgebung sich rasch erkennend und rasch a n c i n a n d e r s ch l i e ß e n d. Der ganze Zeitraum von diesem Momelite an W dahin, wo Anrclic und Felix sich für iinmer trennten, könnte übersprungen werden, wenn es sich um weiter nichts handelte, als uln das Tatsächliche, das uns freilich schon ans der Geschichte ihres nnglücklichenFelix bekannt ist. Aber dieSeligkeit ihres Herzens beim imügen Anschluß an diesen Fenergcist, die holde Jui'igkeit ihres 6)efühls, dessen sie selbst sich kalnn belmißt ist und das mit immer größerem Drange hervorbricht, um endlich in demütiger Entsagung anfzugehen, ist das ein Schauspiel, über das hinweg man mit kalter Gleichgiltigkeit eilen könnte? Drängt es uns nicht vielmehr, jene glücklichste nnd schönste Zeit ihrer Jugendliebe noch einmal heraufznbeschivören lind so lange es gegönnt ist, festznhalten? Armes Kind, kurz lvar dein schöner Trmnn, der mir durch einen anderen Traum verscheucht wurde. Ans die wellige Morgenröte folgte kein Heller, sonniger Tag. Muß uns die rosige Flut» die ihil zu verkünden schien, nicht umso teurer sein, wenn wir uns ihrer im Geiste erinnern? Die geniale, keck umspringende Art und lind Weise, Ivie Felix sich an jenem ersteil Abend ihrer Bekanntschaft gegen sie benahur, die kühne Zartheit nnd zärtliche Kühnheit, mit der er sie alis dem auf sic ciiidringenden Schlvarm mit eins befreite, der scharfe Blick, mit dem er ihre Unbehilflichkeit uub die Verlegenheit in der ungewöhnten Lage erkailllte — alles das mußte auf etneu Geist, wie Aurelie, einen wunderbaren Eindruck hervorbringeu, der die Ursache Iveitcrgehender lind rasch wirkeilder Folgen zu werden versprach. Den gnilzeil Abend über hörte liild sah sie mir ihn und alles andere, ivas lim sie her vorging, war für sie nicht vorhanden. Von dem Augenblicke, da sie alis dem Seitengemache, wohin sie die Alitorität des Arztes derbanilt hatte, zu der Gesellschaft zurückkchrtc, bis 311 dem Momente, da Felix sie zu ihrem Wagen begleitete, hatte sie eineil Zeitrnlim dlirchgelebt, der nicht ilach den gewöhnlichen Fustrilmellten der Zcitmessimg zu belirteilen ist, wenn mail seine Größe bemesseil will. Deilil die Zeit ist groß oder klein, laug oder kurz, einzig und allcill nach dem, was in derselben vorgeht. Aurelie.aber machte in dieser astronomisch kurzen Zeit einen großeil Prozeß durch, in ihrem Geiste vollzog sich in wenigen Stunden eine Wandlung, die allein als Maßstab für die Zeitdauer gelten kann. Der warme Druck ihrer weichen Hand, den der glückliche Felix ebim erstell Abschied fühlte, sagt alles, was mis ihr geworden war, wie wenig Bestimmtheit dies lebendige Gefühl in ihrem Geiste alich ailgenommen habeil mochte. Mit den heiter hinftießeildell Tageil nahmen ihre Einpfindlmgeil auch allmählich bestimmtere Formen an und ivas früher nlir dunkel in ihrem Gemüte gelebt, trat mit jedem Tage in größerer Deutlichkeit hervor. An diesem Manne fanb sie die Ergänzung ihres eigenen Lebeils; es kam ihr vor, als ob sie bisher nur in eiilem Dämmerleben gelebt, als ob sie jetzt erst sie selbst geworden wäre. Form» lebte mir ein Gefühl in ihrer Brust, daS Gefühl, diesen Mann zli begtückeil lind durch ihn beglückt zu werden. Feder Tag war in seinem stillen Glück mtr eine Wiederholung deS gestrigen lind doch brachte er tausend Dinge, die immerwährend den Reiz der Neuheit hatteil. War er bei ihr, so hing ihr trunkenes Auge au seiner Gestalt, die ihr die herrlichste dünkte von allen und talischie ihr Ohr gierig jebem seiner Worte, das ihr die Schätze tiefster Weisheit zu erschließen schien. Ging er boli ihr, so sprach sie mit ihrelu Vater liild der Gegeustnud dieser Unterhaltlingen war er, der glückliche Felix, dessen Vorzüge der Vater llicht miilder als die Tochter zu würdigeil verstand. Es nabte der glücklichste Abend ihres Lebens, denl der lmglüctlichste aller Tage folgte. Wie die Soilue iliedertalichte am Ivestlicheu Horizonte, mit Purplirgtut deil Abeudhiiilinel noch im Uiltersiuten überstrahleild, so tauchte alich sie in seligstr Hoffimilg unter iil ein Meer voll Wonile, die Waugeil glühend angehaucht, ans dcilen sich der Kampf holder Fliugfräulichteit lind weiblichen Verlangens nlalte. Was war es für ein seliges Erwachen, da der erste Strahl des Tages, der sie bem Geliebtesten ewig verbinden sollte, in ihr Zimmer fiel. Nur eine kurze Stunde noch nnd der schöne Traum ivar dahin, zerstoben in nichts, zerflossen Ivie eine Seifenblase. Das (stkück ihres Lebens lag zertrümmert zu ihren Füßen, da sie die entsetzliche N'otlvendigkeil fühlte, den Geliebteil mit eigener Hand von sich zli stoßen, mit dem sich zu öertiinben ihr höchstes Ziel und Streben Ivar. Welchen Eindruck die plötzliche Abreise des Dvktvr Frank im Schanensteiii'sclieii Kreise gernacht, ist unschwer zu erraten. Feder batte seine Akeiining darüber nnd im ganzen ilimmlcn alle so ziemlich darin überein, der Doktor Frank sei von jeher ein Phantast geivesen unb es sei kein Wunder, Ivenn er jetzt plötzlich die Grille, habe, in Wien den Fean Faeqnes Rousseau zu spielen. Aber nicht lnn die Urteile des Schanelistein'scheil Salons ist es lins hier zu inn, Ivir müssen bielmehr die Inerteren Lebensschicksale Aurelie ns an deil Punkt, Ivo daS Glück ihres Herzens erlischt, Ivieder anznknüpfen versuchen. Von alleli Personen des Schaiiensteiil'schen Kreises Ivar es Herr Btnmenthal allein, zu welcheln Aurelie Vertranen hatte. Ob dieses, ivenn es ursprünglich in ihr erwachte, durch die Gespräche nlit Felix über diesen Mann noch gekräftigt Ivnrde, kann der Leser leicht benrteilen. So Ivar es beim Herr Blnmenthas, an ivekcheil vor allen anderen die nnglüctliche Aurelie sich Ivandte. Fhm goß sie ihr Herz ans, ihm enthüllte sie das Geheimnis des nnglückseligen Traumes und von ihm forderte sie den ersten Beistand in ihrer betrübten Lage. „Die hohe Achtung." sprach sie zu ihiil, „von Ivelcher Felix für Sie erfüllt ist. wäre auch, Ivenn ich Fhnen ganz fremd gegenüberstände, für mich scholl hinreichend, jeden Ziveifel zu verbannen, ob icb mich in meiner gegenwärtigen Lage an einen anderen, als all Sie zu Ivendeil habe. Zlvei Dinge sind es, die ich von Ihnen verlange. Sagen Sie mir offen, ob Sie sie erfülleil tonnen, doch nicht ehe Sie iilich gehört." kFortsetzliilg folgt.)

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