Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1902-07-25 · 30 (25.7.1902) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
30 (25.7.1902)
Date
1902-07-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2432763-2432917-2432947--1565-2435336
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 30 Wien. Freitag Jüdische? Volksblatt ideutschen 3 o x tc" 2C. itt, daß die iseitig als " einander nt Antiionalen er Habs- § hauvi- 8 enso z u- 8 hat bereits 8 eralen vor 8 ilatorischen 8 nte immer 8 offen jener Politik, laden wie durch ihre s ch e ch e n e n, zum ir geerntet Positionen ch e ch e n i z i a l e n k i t dem um die Juden mit den o n a l e n vergebens hauvinistintideutsch, l n d den a ch e für eiti ge n l i t i k der e nimmer iv e n, je l n von früher s für sie Politik Fisch- Bündnisse itigtes v l k e r n alienische, ti o n a l vohner! 1 dische aden und ationalen nn- 9 ist jedoch ankenden ibersehen und Be- ) nur in ähig und ibringen. rbefonds ils möge r k e r, te, wäre ns e rträgt ja Kronen, heutigen t. Die rt, aber hin eben io besser tfj eine lvird,!i' Dar- Natürl. Ein )äre bis ne Ver- 'er Zeit sen sein Eriväibt, die elverbenr viele i einem ^suchend lei ne res nisierer Kronen habende «estätigt 'u Verhließen m Rtogerade die?lrt und Weise, wie dort das Darlehen bewilligt toird, hält sie davon ab, aber die Form i st es. Der Darleheusuchende muß in diesem Falle eben zu einer Privatperson gehen, heiße sie nun Dr. N. N. oder kaiserl. Nat N. N. Hier!vie dort und wo er Lift sonst noch hingcschickt lvird, um eine maßgebende Persönlichkeit für seinen Fall günstig zu stimmen, muß er seine Lage in möglichst düsteren Farben schildern, muß cingestehcn, daß er da und dort bereits resultatslose Versuche gemacht hat, sich ein Darlehen zu verschaffen und daß sein l e tz t'e r Dt e ttuugs a n k e r noch der humanitäre Verein sei. Das sind wohl lange noch nicht die demütigenden Geständnisse alle, die ein solcher Tarlehenswerber zu machen hat, aber sie dürften eher hinreichen, um ein solch halbgeknicktes Rohr noch mehr zu beugen, als um es aufzurichten. Wie immer es auch der Fall sei, trägt diese Art von Darlehensbewilligung u i ch t dazu bei, das Selbstvertrauen eines sinkenden <Dl ens ch e u zu hebe n. Das segensreiche Wirken derartiger Vereine in einzelnen Fällen soll jedoch hiermit durchaus nicht bezlveifelt iverden. Im Sinne der Lösung unserer Frage lvird also die angeregte zlvcite Kreditgenossenschaft entschieden günstiger eiulvirken. Hierbei -darf auch nicht übersehen werden, daß unter den vielen jüdischen Hausierern, die bekanntlich in Kürze ohne jeden Erwerb d a st e h c u werde u, auch solche find, ivelche vordem irgend ein Handlverk ausübten und die nun, so gut oder so schlecht es eben möglich sein wird, notgedrungen wieder zum Handlvcrke Liirückgehcn Iverden. Die Mehrzahl aber lvird das Los so vieler anderer kleiner Handlverkcr teilen und van einem besser situierten Meister Arbeit anszunchmcn suchen, sie iverden in diesem Falle sogenannte Sitzgesellen zu werden sich bemühen. Mas es aber zu bedeuten hat, wenn in diesen Kreisen das Angebot aus Arbeit noch vermehrt lvird, ist kaum zu erfassen. Plagen sich diese Leute heute schon um kärglichen Stücklohn, unermüdlich arbeitet so ein Sitzgcselle bis tief in die Nacht hinein für einen vom Glücke ctlvas mehr begünstigten Kollegen, der iusoserue besser daran ist, als er durch einige Monate im Jahre von einem Großcrzcugcr beschäftigt lvird. Diese Beschäftigung ist also nur eine mittelmäßige, die Entlohnung dafür eine durchwegs schlechte, denn der Groherzcuger sucht aus Konkurreuzrücksichten so billig als nur möglich zu erzeugen und zahlt schon aus diesem Grunde die niedrigsten Arbeitslöhne. Daß dann diese zlveite Hand nur mehr Hungerlöhne zahlt, ist selbstverständlich. Verhältnismäßig am schlechtesten sind die jüdischen Sitzgesellen daran, denn sie haben zudem noch einen lveit beschränkteren Wirkungskreis. Aber, die Acrmsteu unter den Armen werden doch nur' diejenigen sein, die, lvie vorher erwähnt, aus den Verhältnissen herausgerissen, nun lvieder zum Handwerke werden zurnckkchren lvolleu. Ob sich nun hierzu viele oder wenige entschließen lverdcn müssen, kann übrigens au und für sich gleich sein, denn schon die bestehenden Verhältnisse allein drängen dazu, daß irgend etwas geschieht. Aber die Gründung einer zweiten Kreditgenossenschaft allein, ist keinesfalls ein so sicheres Mittel, um hier gründlich Abhilfe zu schaffen, denn die entlehnten paar Kronen können kaum so nutzbringend verwertet lverdcn, daß die wirtschaftliche Lage eines kleinen Hadlverkers sich dadurch merklich bessern könnte. Ihren vollen Wert würde jedoch die Kreditgenossenschaft dann haben, wenn es möglich lväre, dem kleinen jüdischen H a u d w c r k e r ausgiebige Arbeit zu verschaffen, und dessen.wirtschaftliche Lage müßte sich dann heben, wenn er nicht nur einen Teil des Erträgnisses seiner Arbeit bekäme, sondern wenn der Ertrag seiner Arb eit ihm allein voll und ganz z u k ä ui c. Und gerade in unserem Falle ist das nicht so schlver durchzufnhrcn, als es den Anschein hat. Wieder ist cs die G e u o s s e n s ch a f t, die hier mit voraussichtlich gutem Erfolge zur Anwendung kommen könnte und zwar eine Produktivgenossenschaft, wenn auch untergeordneter Art. Es wurde zwar vorher schon von der Gründung einer derartigen Genossenschaft im großen Stile ganz entschieden abgeraten. Aber in unserem Falle handelt es sich eben nicht um eine solche; es handelt sich nicht darum, die Konkurrenz mit dem Großerzeuger aufzunehmen; cs handelt sich nicht darum, einen schwunghaften Handel mit den Erzeugnissen der Genossenschaft zu treiben, sondern um die Gründung einer A r b e i t s g e n o s s e n s ch a f t i m r e i n st e n S i n n e d e s W. orte s. Die Hauptgrundlage in der angeregten Genossenschaft für den kleineren jüdischen Handiverkerstand soll „die A rbeit" bilden und erst.aus dieser heraus mag das Anteilschciuvermögen beziehungsweise der Reservefonds erstehen. Während bei sonstigen Genossenschaften und ganz besonders bei der Prodnktibgcnossenschaft von nur einiger Bedeutung, unbedingt vorher hinlängliche Betriebsmittel vorhanden sein müssen, um mit der Arbeit beginnen zu können, soll hier das Gegenteil stattfinden — es kann schon darum nicht anders sein, weil die Einlagen beziehungsweise die Teilbeträge, Ivelche die einzelnen Genossenschafter auf den Anteilschein erlegen iverden können, voraussichtlich nur sehr geringfügig sein lverdcn. Nun handelt es sich in der Hauptsache darum, g ü n st i g c A r b e i t s g e l e g e n h eit 3 tr f ch affe n. Für unsere Zwecke kann jedoch nur eine solche Beschäftigung Wert haben, wobei es sich nicht zugleich auch um größere.Geldmittel handelt, denn jedenfalls muß damit gerechnet werden, daß diese für den Anfang nicht vorhanden sein iverden. Es darf lvciters nicht übersehen werden, daß es nicht durchlvegs die. tüchtigsten und geübtesten Handlverker sein werden, für lvelche passende Arbeit gefunden iverden soll und endlich sind auch die bestehenden, das Kleingewerbe so schlver schädigenden Verhältnisse zu berücksichtigen. Gegen die Vorteile, lvelche die maschinellen Einrichtungen der Großerzengnng bieten, dürfte daS Zusammenwirken so kleiner Handwerker kaum mit Erfolg anlanipfen. Sollte es also dennoch möglich sein, jüdischen kleinen Handlverkern günstige Arbeitsgelegenheit zu schaffen? G e >v i s; ist cs möglich. Wir müssen eben mir solche Arbeit auf nehmen, welche die Maschine des Großerzeugers entweder gar nicht oder doch nicht rationell genug belvältigen kann; lvir müssen Arbeit anfnehmen, lvobei sich der Vorteil bei der Großerzengung —- die Arbeitsteilung — in das G e g e »teil verwandelt; lvir müssen endlich solche Arbeit anfnehmen, die auf- 11 n e h m e n d e r G r 0 ß e r z e u g e r g a r n i ch t a n st r e b t, dann lvird uns seine Konkurrenz eben auch nicht fühlbar sein. Das ist ganz einfach — d i e R e p a r a t n r a r be it. Unsere, neu zu gründende Geiiossenschast hätte also vorläufig keinen.anderen Zweck, als Reparatnrarbeiten zu übernehmen und selbe u n t e r geeigneter VI u ff i ch t durch ihre Mitglieder in bester W e i f e Hersteilen zu lassen. Das ist allerdings kein großartiges Unternehmen, aber es ist doch eines, das n e b e n der Großerzengung sehr gut bestehen kann und das auch ans mehrfachen Gründen speziell für den kleineren jüdischen Handwerker leicht durchführbar ist. Eine solche Genossenschaft hätte nicht nur Aussicht auf genügende Beschäftigung, sondern sie lvürde nach vielen Richtungeu hin g e r a d e z n e i n e in f ii h l b a r e n B e d ü r f n i s s e a b - h e l f e n. lFortsetzung folgt.) Postlllijche Indtnhkhk. Man kann den Antisemiten nicht den Vorwnrs machen, daß sie in der Wahl der Mittel skrupelhaft find und in der Regel sich nicht der richtigen Handhabe bedienen, um auf dem kürzesten, Wege zu ihrem Ziele zu gelangen und ihre Zwecke zu erreichen einerlei ob diese Mittel vom Standpunkte der Moral und der guten Sitte zu billigen find oder nicht. In richtiger Erkenntnis dessen hat sich der Antisemitismus von allem Beginne an der Preffe bedient, und will man gerecht sein, muß man gestehen, daß unsere Feinde und Widersacher kaum geahnte Erfolge aufzuweisen haben, denn die Mehrzahl der Blätter Wiens ist direkt oder indirekt in antisemitischem Solde und von den in der Provinz erscheinenden Zeitungen sind es zumindest fünfundneunzig Prozent, die im antisemitischen Fahrwasser segeln. Die Presse, rücksichtslos, wie seitens unserer Gegner gehandhabt, ist eine gefährliche Waffe, die Schundliteratur und Zeitungen dringen bis in die entferntesten Gaue, in Stadt und Land, in Dorf und Weiler. Von den nieder» Bevölkerungskreisen wird den Erzeugnissen der Druckerpreffe im allgemeinen eine Autorität und Notorität beigemeffen. Man argumentiert: wäre es nicht wahr, stünde eS nicht gedruckt, aber nachdem eS gedruckt ist, müsse eS auch wahr sein. Im Hinblick auf die derzeit immense Verbreitung der antisemitischen Literatur ergibt sich, wie schwer die Schädigung ist, die wir Juden zu erdulden haben. Eine verhältnismäßig noch junge Spielart der Preffe ist die Ansichtskarte. Auch dieses harmlosen Erzeugnisses der Druckerpreffe haben sich unsere Feinde bemächtigt und sie erzielen hierbei ganz koloffale Erfolge. In Karlsbad, dem Weltkurorte ersten Ranges, von internationaler Bedeutung wie kein anderer, wird der Kultus der antisemitischen Ansichtskarte besonders intensiv gepflegt. Wer diese antisemitischen Ansichtskarten gesehen hat, wird zu ermessen vermögen, was mit denselben an Verhetzung und Anfeindung, an Verspottung und Verhöhnung geleistet zu werden vermag, und gerade diese Mittel sind es, die uns Juden iu den Augen der Arier am meisten Schaden zufügen, namentlick» solcher, die die Juden erst von den Ansichtskarten aus kennen lernen, in denen sie in widerlichster Weise karikiert und persifliert werden. Selbstverständlich werden diese antisemitischen Ansichtskarten mit Vorliebe gekauft, gelangen mit der Post in ungezählter Menge bis in den entferntesten Winkel, wo sie daheim für groß und klein als Wauwau benützt werden und als Abschreckungsmittel, sich den Juden zu nähern und mit ihnen zu verkehren, gelten. Die Niedertracht der Gesinnung unserer Gegner, die skrupullose Wahl ihrer Mittel darf uns in der Aera des Antisemitismus wahrlich nicht verwundern. DaS größte Erstaunen muß es aber wachrufen, daß denselben in dieser Richtung freier Spielraum belassen wird. Schon der Umstand, daß die Juden nahezu die Hälfte zu dem Kontingente der Karlsbader Kurgäste beistellen, müßte die Karlsbader Behörden bestimmen, mit aller Energie einzugreifen, nicht nur im Interesse der verunglimpften. Juden Oesterreichs, sondern auch zur Wahrung der Würde des österreichischen Staates, dessen Reputation durch die rüde Ansichtskartenhetze unbedingt Abbruch erleiden muß. Von der israelitischen Kultusgemeinde- Repräsentanz und dem N a b b i n a t in Karlsbad ist im Hinblick auf die bekannten, im „Jüdischen Volksblatt" des öfteren geschilderten Verhältnisse eine Abwehr nicht zu gewärtigen. Das Firniß-Judentum vermeidet es mit Vorliebe, sich zu deklarieren und betrachtet das Verlangen, sich der bedrängten Glaubensgenossen anznnehmen, als eine Zumutung, die mit Entschiedenheit zurückgewiesen werden müsse. Von den jüdischen Kurgästen in Karlsbad, die mit der Sorge um die Herstellung ihrer angegriffenen Gesundheit erfüllt sind, kann man es allerdings nicht verlangen, daß sie, die ja unter dem Unfuge am meisten zu leiden haben, eine Abhilfe ins Werk setzen. Und derart besteht schon viele Jahre hindurch die Ungeheuerlichkeit, daß die Juden und die jüdische Nation vor den Augen der ganzen Welt in schmählichster Weise verunglimpft, verhöhnt und dem Spott und der Schande preisgegeben werden. Wenn irgendwo, so hat hier das Sprichwort Geltung: Hilf dir selbst, so hilft dir Gott. Die Indolenz kann uns jedoch nicht abhalten, sie zwingt uns vielmehr, an die zur Wahrung der Interessen der Juden und der jüdischen Nation berufenen Faktoren, namentlich die des Weltkurortes Karlsbad, die eindringliche Mahnung zu richten, nnverweilt das Geeignete zur Abstellung der geschilderten Verhältnisse zu treffen. Chronik. Inland. Todesfall. Einen schweren Verlust hat unser Parteiausschußmitglied und Leiter unseres Rechtsschntzbnreaus, Herr- Hof- und Gerichtsadvvkal De. Karl Lifczis, erlitten. Am 19. d. M. starb seine Mutter, Frau Chaje Lifezis, in Lemberg nach langem, schwerem Leiden im Alter von 60 Jahren. Bei dem am 20. d. M. fiattcjefunbeiien Leichenbegängnisse gab eine fast unabsehbare Menge der in den weitesten Kreisen geachteten Verstorbenen das letzte Geleite. Unserem Freunde und Mitarbeiter, den dieser herbe Schicksalsfchlag umso härter getroffen, als er mit geradezu aufopfernder Liebe an seiner nunmehr dahingeschiedenen Mutter hing, senden wir den Ausdruck unseres tiefsten Beileids. Promotion. Am 22. d. M. wurde Herr Max Bernhardt im großen Festsaale der Wiener Universität zum Doktor beider Rechte promoviert. Die Lüge hat kurze Beine. Die Nachsicht, mit welcher hierzulande die Hetzereien der antisemitischen Blätter, 25 Juli 1902 Saite 3 geduldet werden, macht diese Schandpresse schon allzu frech. Durch solche Nachsicht ermutigt, hat der Moniteur der christlichsozialen Partei sich mit seinen Lügen diese Woche zu weit hervorgewagt. Er hat nämlich zur Reparierung des schadhaft gewordenen Renommes der chriftlichsozialen Partei einen den höchsten Kreisen angehörenden Herrn als Eideshelfer angerufen, indem er seinen Lesern eine angebliche Mitteilung eines Offiziers aufgebunden, wonach dieser Herr, welcher Truppendivisionär war, sich im Jahre 1889 dahin geäußert haben soll, er wünsche, daß sämtliche jüdische Einjährig-Freiwillige beim Examen gestürzt werden. Nun war dieser Herr im Jahre 1889, zur Zeit der Einjährig-Freiwilligen-Prüfung leider nicht mehr am Leben. Von einem Einjährig-Freiwilligen, welcher gerade in diesem Jahre gedient hat, erfahren wir auf unsere Erkundigung authentisch, daß in diesem Jahre Divisionär Herr FML. Neubauer und nach ihm Herr FML. H r a n i l 0 w i t sch war und daß in diesem Jahre eine ganze Reihe jüdischer Einjährig-Freiwilliger zu Offizieren befördert worden sind, darunter Dr. Alfred K 0 h n, ein Fabrikant L ö w e n b a ch, K a h a n e, Weinreb, Karplus rc. Wir sind in der Lage, auf eine Liste hinzuweisen, welche nahezu hundert in diesem Jahre zu Offizieren beförderte jüdische Einjährig-Freiwillige enthält. Der erwähnte Monitor schreibt offenbar für Leute, die nicht einmal handgreifliche Lügen zu erkennen vermögen. Doch diesmal hat ihn das Schicksal erreilt, die betreffende Nummer wurde beschlagnahmt, jedoch unbegreiflicherweise so spät, daß die Konfiskation als Verhütungsmaßregel wirkungslos geblieben ist. Uebertritt zum Judentum. Auf die unter dieser Spitzmarke veröffentlichte Korrespondenz erhalten wir von anderer Seite die Mitteilung, daß die gegen Rabbiner Dr. L ö w y vorgebrachten Vorwürfe ungerechtfertigt seien, da der genannte Herr Rabbiner den Armen jederzeit mit Wjort und Tat Beistand leistet, in seinen Schülern das jüdische Nationalbewußtsein weckt usw. Ebenso stellt diese Mitteilung den Ausschluß des Dr. Löwy aus dem Zionsbereine und sein unschönes Benehmen im Falle Drag in Abrede. Da wir außerstande sind, jede uns zukommende Korrespondenz auf ihre Wahrheit zu prüfen, müssen wir die Verantwortlichkeit für dieselben unseren Korrespondenten überlassen. I Zum Grunwaldsicg. Man schreibt uns aus Podwoloezyska: „Anläßlich des Grunwaldsieges wurde am Samstag den 19. Juli in dcm großen Bethause „Beth-ha-Midrasch" ein Gottesdienst abgehalten, und damit die Feier am glänzendsten ausfalle, hat die hiesige Kultusgemeinde den Dr. Taubeles aus Tarnopol bestellt, der eine Predigt hielt. Bemerkenswert ist es, daß zu dieser polnischen Siegesfeier der Prediger Dr. Taubelcs bestellt lvnrde, dagegen aber zu unseren national-jüdischen Festen, zum Beispiel dem „Makkabäerfest" oder dem „Purimfest" der Dr. Taubeles nicht bestellt lvird und die genannten Feste werden nicht mit solcher Pracht, wie die Grunwaldfeier, gefeiert." Todesfälle. Eine ganze Reihe verdienstvoller Personen hat der unerbittliche Tod in der vergangenen Woche ans dem Leben hinweggerafft. Am 18. ds. starb die Ehrenpräsidentin des israelitischen Taubstummeninstitutcs und Besitzerin des goldenen Verdienstkreuzes, Frau Julie S ch l e f i n g e r, im Alter von 87 Jahren. Die Verstorbene, an deren Namen sich die Gründung mehrerer jüdischer Wohlfahrtscinrichtungcn knüpft, wurde am 20. d. unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung zu Grabe getragen. — Mittwoch den 23. ds. wurde Herr Ignatz Lunzer zu Grabe getragen. Einer alten Preßbnrger Familie entstammt, war derselbe durch hervorragende Herzens- und Charaktereigenschaften gleich ausgezeichnet. Ein Muster an Frömmigkeit und Herzensgüte, war er feit einer Reihe von Jahren ein ebenso eifriges als geschätztes Mitglied des Vorstandes der Schiff schule (Adas; Jisroel) und des Beth-ha- Midrasch Thora-Ez-Chaim. Die allgemeine Verehrung, die der Verblichene, ein opferbereiter Freund der Armen, genoß, und die aufrichtige Teilnahme aller, die ihn kannten, fei den schwergeprüften Hinterbliebenen ein Trost in ihrer schweren Trauer. Im Sterbehanse, wo sich eine sehr zahlreiche Menge von Freunden versammelte, würdigte Herr Rabbiner Fürst, selbst tief gerührt, in zu Herzen gehenden Worten das musterhafte Leben des Verblichenen, am Grabe sprach Herr Rabbiner Baumgarten warmempfundene Worte dcS Abschiedes. Etwas über 00 Jahre all ist am 21. d. M. in ihrer Villa in Baden nach langem qualvollem Leiden Frau Sophie v. Gntmann, die Gemahlin des Großindustriellen David Rirter v. Gutmann, dahingeschieden. Die wegen ihrer Seelengüre und Mildtätigkeit in weiten Kreisen bekannte Dame ward seit dem Tode ihres Sohnes nicht mehr in der Oeffentlichkeit gesehen, mit der sie einst in besseren Tagen, hervorragend mitbeteiligt an allen. Wohltätigkeits-Veranstaltungen, in der lebhaftesten Fühlung gewesen. Insbesondere iverden die verlvaisten Mädchen des von den Brüdern Wilhelm und David v. Gntmann gegründeten Waisenhauses in Döbling der Verstorbenen eingedenk sein, die ihnen nicht bloß hilfreich spendete, sondern persönlich die Verwaltung der Anstalt"überwachte und für dieWünfche und Bedürfnisse der Pfleglinge sorgte. Ebenso war sie der Polhklinik eine stets hilfsbereite Gönnerin. Neben den Armen von Wien haben auch diejenigen von Baden, lvo ihr Soinmerfitz lvar, und von Tobitsrhan in Mähren, wo sie als Gntsherrin waltete, Ursache, um die Verstorbene zu trauern. Unter ungemein zahlreicher Beteiligung ans allen Gefellfchaflstre.tsen wurde die Verstorbene am 23. nachmittags zu Grabe getragen. Unter den Vertretern der verschiedenen Vereine befanden sich auch die Vertreter des „Kreditinstitutes für jüdische 01 elverbetreibende und Beamte", so wie des Jüdischen Schulvereines für den 9. Bez. In der Zereinonieiihalle hielten Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n und Rabbiner Dr. S ch 111 iedl der Verblichenen Grabreden, in denen sie ihres stets regen Wohltängkeitssinnes gedachten. Dann sprach Dr. Alfred Stern für das Kuratorium des israelitischen Waisciihanses. Waisenmädchen des Oliitinannschen Waisenhauses umgaben den Sarg. Die jüdisch - akademische Ferialverbirrdrmg „Laetitia" in Boskowitz veranstaltete am 20. d. M. in Deutschs Restaurationssälen einen zahlreich besuchten Festkommers. Der offizielle Teil begann mit der wirkungsvollen Begrüßungsrede des Herrn eancl. für. Dezsö Friedmann, welcher die geistreiche Festrede des phil. Gustav Häusler, wie auch die wohldurchdachten Reden der Herren Dr. Weiß, T i ch 0, Fischer und Maier folgten. Große Heiterkeit erweckte der geistvolle Toast des Herrn ehern. Julius M u it k. Nach Aufführung der Posse „Die fidele Gerichtssitzung", dargestellt von den Herren Häusler, Munk, Plaschkes und Eisler, wurde der Kommers geschlossen. sivnfnu. Am 20. v. M. kaincn hier 27 jüdische Handlverker ans- R'.iinänien mit -I Fraiuai an, die aus Fass», Bukarest und der Ilmgegend nach Eanada einigrieren, um der Verfolgungen und Pressionen seitens der runiänischeii Regierung losznwerden. Es sind bloß Desertierende, denen man einen Monat Urlaub gab mit dem Ausl rage, sie mögen steh in Rumänien ja nicht mehr zeigen, „widrigensalw man ihnen die Haut abschinden lverde". So er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.