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Jüdisches Volksblatt · 1902-07-18 · 29 (18.7.1902) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
29 (18.7.1902)
Date
1902-07-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien. P'r<-!t;iy Jüdisches Volksblatt 18. Juli 1902 Nr. 29 Damit ist jedoch die Angelegenheit nicht erledigt. Jeden, der die jetzige Wirtschaft in der Wiener KultuSgemeinde kennt, mutzte die altrömische Strenge der Herren von dem luruliscyen Stuhle aufs höchste befremden. Sonst spielen die Herren nicht den Cato. Und richtig! Der Sohn des Kultusvorstandes Professors Grünfeld wurde nicht Sccuudarius, dafür erhielten die zwei Stellen Proteges des Knllusvorstcmdes Kuffner und des Ritter von Taussig, der einem on dit zufolge bald in berwandschaftliche Beziehungen zu dein einen treten wird. Gegen diese Millionäre konnte natürlich Professor Grünfeld nicht aufkommen und so erlebte die Welt das heitere Schauspiel, datz in der Seitenstettengasse e i n m a l der Sohn eines Kultusvorstandes zurückgesetzt ivnrde, weil man die Schützlinge zweier mächtigerer Vorstände unterbringen mutzte, und den Herren Senatoren autzerdem die billige Gelegenheit geboten wurde, sich in die Toga altrümisäser Strenge zu hüllen. kitsnm teneatis. amiei. Jüdischer Schulverein 10. Bezirk. Sonntag den 13. Juli fand im Jüdischen Schnlverein eine Schnlschlutzfeier statt, bei welcher das Bild des verdienstvollen Obmannes Herrn Jakob Stratzberg in feierlicher Weise enthüllt wurde. Zu diesem Feste waren Vertreter aus den verschiedensten Vereinen erschienen. Die Feier nahm folgenden Verlauf: Der Obmann bcgrühte zunächst die Vertreter der Kultusgcmeinde Herrn Neligionsschulinsvektor D.r. Langfelder und Herrn Adjunkt Braun, den Obmann des Tempelvereines Herrn C. Sdigm.i'-- t>e Ber"-'"e des Humanitätsvereines, des Zweigverbandes „Zion", des Gesangvereines „Jvrva", des Vereines „Amsche bandes „Zion", des Gesangvereines „Jvria", des Vereines „Amsche Herrm Dr. Mandel, das Wort. In schwungvollen Warten hob er die hohe Bedeutung der hebräischen Sprache hervor, ivarf einen kurzen Rückblick auf die Leistungen des verflossenen Jahres, die regsame Beteiligung des Vorstandes der Schule. Nachdem Se. Ehrw. die Kinder zu stetem Fleitze noch aufforderre, schloß der erste Teil des Festes. — Herr Kantor Weitzmann trat hervor und sang mit den Kindern die Volkshhmne. Nach Absingen derselben ergriff der Obmannstellvertreter Herr M. Faltitschek das Wort. In seiner geistreichen Rede, die mit ausgetvählten Zitaten aus dem Talmud gewürzt war, besprach er die weise Führung, Umsicht und die große Opferwilligkeit des Obmannes, dem es zu verdanken ist, daß die Schule auf einem solch hohen Niveau steht. Er Hab mit Recht hervor, baß es dem Vorsrande gelungen ist, einen □-# an die Spitze des Vereines zu stellen. Ter Vorstand des Vereines ließ aus Dankbarkeit das Bild des allverehrten Obmannes anfertigen, welches an diesem Tage enthüllt wurde. In sichtlicher Erregung dankte der Obmann für die ihm erwiesene Ehre und die Unterstützung des Vorstandes in seiner Tätigkeit und erstattete dem Leiter der Schule Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Mandel und dem Lehrer Herrn I. Pick für ihre Leistungen und Mühe Dank ab. Nun betrat noch Herr Adjunkt Braun das Podium und ermahnte die .Kinder, die so zahlreich erschienen waren, was ein beredtes Zeugnis für die Tätigkeit der Schule ist, daß sie die Lehren der Schule in sich aufnehmen mögen, um gute Juden zu werden. Es wurden min die Zeugnisse verteilt und hiermit schloß diese erhebende Feier. Es ist dies ein freudiges Zeichen, datz es in Wien auf diesem Gebiete rege wird, daß sich hochherzige Männer finden, die für das geistige Wohl des Judentums mit ihrer ganzen Kraft einstehen, ein sichtliches Zeichen, daß es um uns Heller wird. I. P. Humanitärer Verein „Bikur Chaulim". Mittwoch, den 2. Juli d. I. fand im Restaurant „Guth", 2. Bez., Stefaniestraße, eine Versammlung behufs Beschlußfassung zur Gründung des Humanitären Vereins „Bikur Chaulim" statt, nachdem die' Gemeinschaft einiger Mädchen, nach mehrmonatlicher, probeweiser Tätigkeit im allgemeinen Krankenhanse, die Notwendigkeit der Gründung eines solchen Vereines einsah. Trotz schlechter Witterung war die Persammlung gut besucht. Nach der Erklärung der Tendenz des Vereines bietet derselbe den Mischen Mädchen und Frauen ein neues Feld für die Betätigung ihres jüdischen Sinnes. Armen, leidenden Schwestern und Brüdern soll Trost und Labung zuteil werden; dce Schmerzen armer, jüdischer Kranker, die ihre Leiden doppelt schwer empfinden, weil sie dieselben allein, inmitten einer ihnen fremden Umgebung tragen müssen, sollen gelindert werden durch die warme Teilnahme von Stammesgenossinnen: das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Bewußtsein,' in ihrem Schmerze nicht ohne Mitfühlenden zu sein, soll diesen Aermsten der Armen neuen Lebensmut einflößen. Aber nicht mit leeren Händen wollen diese Mädchen zu den Kranken kommen, auch Erfrischungen sollen ihnen verabreicht werden. Nach Verlesung der Statuten wurde ein Komitee gewählt, das mit der Führung der Agenden bis zu der, für Ende September t. I. in Aussicht genommenen konstitilierenden ~?a™mrum betraut wurde. In das Komitee wurden geb^blt: Fräulein Kohn Gisela als Obmännin. Fräulein Korall Anna als Obmanmn-Stellvertreterin, Fräulein Goldbaum Helene und Frau Bienenfeld Erna als Schriftführerinnen, Fräulein Schallinger Paula als Kainerin. Fräillein Kauftheil Regine, Fräulein Korall Malvine, ^räulein Kornmehl Therese. Fräulein Raiid Lotte Eine Warnung an alle Eltern, ihre Schutzbefohlenen nick dem aufreibenden und höchst undaiikbaren Beruf des Buchhandel zuzufuhren. erläßt der Gehilfenausschuß der Wiener Korporation de imi) Musikalienhändler angesichts des bevorsteheiide Schulichlupes. Schon im Vorjahre hat der Gchilfenailsschuß ai! die -x§el.'6n5tnnse in ötcjcin Sctucvöc hin^eiDieien Dl drei- .oder vierjährige Lehrlingszeit, welche der junge Mann meisten ohne iede Vergütung durchmachei, muß, bcdcurei fiir ihn in der Mehrzahl der >§alle drei oder vier verlorene Jahre seines Lebens. De Konzegionszivang,^ den leider auch das neue Preßgesetz nicht beseiti gen will, veruchließt jedem Gehilfen, der nicht über sehr viel Gel und lehr viel Protektion verfügt, die Selbständigkeit nahezu völlio EPJ.l* der Buchhandliingsgehilfe in Oesterreich zu lebenslängliche Mhangigkeit verurteilt und muß unter den elendesten Verhältnisse sein Leben fristen. Ans den amtlichen Anfschreibungen der o fi ziellcn ^tellciivermittlung der Wiener Korvoranon wurde erst kürz lich unwiderlegbar festgestellt, daß von 147 borgen,erkten Gehilfe nS Monatsgehalt und Gehaltsanspruch 18 Perzent wenige als »0 Gulden, 40 Perzent weniger als 00 Gulden angaben! Di US? h l,\nncf) diesen Ausschreibungen ein Monats flefjaa von JO Gulden, den mir 11 Gehilfen, also 8 Perzent, er gleiten; darüber hniaus kamen mir 8 Gehilfen oder 0 Perzent de Vorgemerkteii. Ein Gehilfe erhielt gar mir 20 Gulden, emer 2erhielten se 80 Gulden Monatsgehalt! I litt n^-Cl-lrf,m/UCrbt’n r'uc b'estS Bettelgehalt an die Gehilfe, gestellt! Die,e Warnung tvird uns vom Wiener Getntfenanssclw zugeschickt. Wir veröffeiittichen sie, müssen aber bemerke», daß wi Juden eme spezielle Halt,mg eimiehmen müssen. Von pielen arische, Chefs werden nämlich prinzipiell Inden nicht augestellt, aber leide werden auch von den ivenigen jüdischen Chefs jüdische Angestellt selten genommen. Auch ioerdeu den Jude», die sich um Kon zessloiien bewerben, besondere Schsvierigkeite» i„ den Weg gelegt riicksichtm>u!g"' Gehltfenaiisschuß auch diese Frage zur Be Schmul Leb Kohn. Bekaimtlich hieß der Großvater der Fra, des Georg Schönere r ~~ Schmul Leb Kvhii; dieser Blutein schlag scheint doch nicht ohne Einfluß in dein Hause derer voi Schönerer gewesen zu sein. Tenn die Tochter Schönerers verliebt sich in einen j üdi sche n Lberlientenant B. deS in Krems liegen den Jrifänierie-Negiinentes. Als dieses Verhältnis bublik iviirdl und das Fräulein Schönerer uir Hochzeit dräugre, hielt der Offizier um ihre Hand an. Ritter Georg versagte seine Zustimmung und zeigte tviltschnmibend den Oberlieutenant beim Rcgimentc an, das jedoch das Vorgehen des Offiziers billigte. Fräulein Schönerer hat das Elternhaus verlassen und klagt ihren Vater auf Herausgabe ihres Erbteiles au. So hat also eine Sprossin Schmul Leb Kohns lvieder den Weg zum Judentum gefuiiden. Unbegreiflich ist aber der Starrsinn Schönerers, der seine Weigerung trotz der peinlichen Sitnation seiner Tochter aufrecht erhält. Schlusrstcinlegung. Ans Ustron Ivird geschrieben: Unter großer Beteiligung auslvärtiger israelitischer Kreise hat gestern hier die feierliche Schluhsteinlegung und die Wpihe des neuerbauten israelitischen Tempels stattgefunden. Um 2 Uhr berstimmelten sich die Teilnehmer der Feier im Flank'schen Saale und begaben sich daun in das alte Bethans. Unter dem Vorantritt der Ortsfeucrwehr lind des Veteraiieubereiiies erfolgte die Uebertraguug der Gesetzesrollen aus dem alten Bethanse nach einem Psalmengesang und Abschieds- Worte des Herrn Rabbiners Dr. Dobschütz ans Slotschau. Bei dem Weiheakte assistierten auch die Herren Rabbiner Dr. Glaser aus Biala, Dr. Steiner aus Bietitz und Herr Oberkantor Goldmann mit dem Chorpersonal. Bei der Uebergabe des Schlüsiels durch den Architekten Herrn Ernst Lindncr rezitierte Irl. Daltner ein von Dr. Dobschütz verfaßtes Gedicht und unter Chorgesang erfolgte daun die Schluhsteiiileguiig mit nachfolgendem Psalm, Anzünden des ewigen Lichtes, Umzug mit den Gesetzesrollen, Eillstellen derselben, Festpredigt, Kaisergebet und Volkshhmne. Nach beendeter Feier erfolgte ein Festessen mit Konzert und Tanzkcänzchen im Kurhanse. Unter den Festteilnehmern befanden sich auch der Herr k. k. Landesgerichtsrat aus Skotschau, Herr Kultnspräses S. Pollak aus Biclitz, mehrere Teschner Persönlichkeiten und ein zahlreiches Privatpublikum. Die Kosten der Erbauung des neue:: Tempels stellen sich auf ca. 28 000 Kr. Das „Deutsche Volksblatt" im Spiegel der Literatur. Um zu beweisen, daß nicht nur der „dumme Kerl von Wien" Aiitisemit ist, was ohnedies nlierkannt ist, zitiert das „Deutsche Volksblakt" einige Eideshelfer, die einen Namen in Europa haben, nämlich Billroth, den Rembrandt-Deutscheii und — Sebastian Brunner. Wir erklären vor allem, daß wir Sebastian Brunner voll und ganz den Antisemiten schenken; was aber Billroth und Lang b'e h n betrifft, an deren Ansicht uns mehr gelegen ist, so behaupten diese nur, daß zwischen deutschem und jüdischem Blute eine Kluft bestehe, ein Ausspruch, den wir Jüdischnationale voll und ganz unterschreiben; nebenbei wollen wir nur bemerken, das Billroth zu den Gründern des „Vereines zur Abwehr des Antisemitismus" gehört und daß seine Tochter — einen allerdings getauften Juden geheiratet hat, der sogar vor seiner Taufe den schrecklichen Namen — Kohn führte. Wir raten also ganz objektiv dem „D. V.", Billroth und Langbehn in Ruhe zu lassen; die antisemitische Partei erfreut sich so vieler geistiger Kapazitäten — ich nenne nur Gregorig, Dr. Wesselskh und Bielohlawek — daß sie wirklich nicht Billroth reklamieren muß. Ileberhaupt scheint der Gehirnschwund unter den Antisemiten zu grassieren; alle guten Einfälle werden den Juden einfach gestohlen. Das Inhaltsverzeichnis am Beginne des Blattes wurde der selig entschlafenen „Neuen Zeitung" gestohlen und Sonntags stähl das „Deutsche Volksblatt" uns unsere Notiz über die „Arbeiterzeitung". Sie bringt nämlich eine Korrespondenz unter der Spitzmarke: „Worüber die „A.-Z." schreibt und worüber sie schweigt", die ivir fast wörrlich Freitag unter dem Titel: „Wofür die „A.-Z." Platz hat und wofür sie keinen hat", brachten; nur den Schluß, der in eine Mahnung an die „A.-Z." ansklang, neben der Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft auch der jüdischen Proletarier in Rumänien zu gedenken, unterschlägt das „D. B." einfach und bringt stabt dessen irgendeine Schaudermärc über die Verhaftung eines sozialdemokratischen Agitators. Diese Notiz verriet schon äußerlich den Diebstahl, denn das „D. V." ist die letzte Zeitung, die anderen Pauschalien vorwerfen kann; hat doch nicht bald ein anderes Blatt sich so mit Pauschalien vollgefresscn wie das „D. V."; wir raten also in Zukunft dem „D. V.", i n s e i n e m A n t i s e m i t i s m u s n i ch t s o w e i t z u g c tj c n, daß e s die Iudenblätter b e st i e h l t. Der lieben „Arbeiter-Zeiinng" aber müssen wir gestehen, daß sie die Tatsachen, die wir konstatierten, nicht aus der Welt schafft dadurch, daß sie den Diebstahl des „Deutschen Volksblatt" konstatiert. Sie soll lieber in sich gehen und die Stickluft ihres Annoncenteiles reinigen. Ein antisemitischer Professor. Wie verlautet, ist der Professor am k. k. Staatsgymnasiuin im 1. Wiener Bezirke, Johann Svika, welcher Ende Dezember 1001 wegen Beleidigung der Familie Köpstein diirch brutale antisemitische Schimvfreden zu einer Geldstrafe verurieilt ivurde, im Disziplinarwegc von seiner Lehrtätigkeit an der genaiiliteii Anstalt enthoben worden. Aus Krakau. Prof. Dr. Josef Rosenblatt in Krakau ist zum Präsidenten der 208 Mitglieder umfasseildcu Advokatenkammer Wdstgaliziens gewählt worden. Diese angesichts des hier grassierenden Antisemitismus doppelt bedeutsame Wahl ehrt in aleicher Weise den Gewählten wie seine Wähler. Dafür hat die Akademie der Wissenschaften in Krakau den berühmten Philologen Hofrat Prof. Gomperz nicht zuiii Mitglied wählen können, iveil Graf Tarnowski der allmächtige Führer der Stanczykeupartei gegen die Wahl eines Inden entschieden opponierte. Todesfall. In Brünn ist der verdienstvolle Eisenbahn-Oberinspektor, kaiserlicher Rat Hermaiu, Epler, Vicepräsident der israelitischen Kiiltiisgemeiiide, im Alter von 72 Jahren verschieden. Epler galt in Eisenbahnfachkreiseii als eine hervorragend tüchtige Kraft; er ivar auch ein guter Jude; von seiner allgemeinen Beliebtheit gab auch die große Beteiligung kund, deren sich der Verstorbene anläßlich seines 80jährigen Dieiistjlibilämns zu erfreuen hatte. Die „Ostdeutsche" als Militärreformer. In Deutschland nahm kürzlich der G e n e r a l o b e r st von L o e, der Befehlshaber in den Marken, also der Träger eines der höchsten mititürischen Würden, Gelegenheit, der Tüchtigkeit und den Pflichteifer der jüdische» Soldaten ein Ehrenzeiignis ausznstelleii, das aus dem Munde dieses sicherlich berufenen Beurteilers erhöhtes Gewicht erhält. Wtir haben kein besonderes Aiifhebens davon gemacht, denn mis Oesterreicheril ist die militärische Eignung der Juden nichts neues, da in unserem Heere zahlreiche aktive inid nicht aktive Offiziere sind, von der Mannschaft ganz abgesehen. Jkiteressaut tvar mm die Haltung der antisemitischen Presse. Die „Ostdeutsche Rundschau" »iiterschlug einfach diee Kliiidgebuiig; ivir sind aeivöhnt, daß diele Preßmeute jedem jüdischen Lumpe» ganze Spalten ividmet, aber über jede die Juden ehrende Tatsache Stillschiveigen beobachtet. Aber die „Blätter für ostdeutsche Moral" leisten sich noch ein übriges: sie geben der deutschen Heeresleitung Ratschläge für eine Reform, die darin bestehen soll, daß die Juden von dem Militärdienste ausgeschlossen tverden und dafür eine Steuer entrichten sollen. Nun sollte man meinen, daß die deutschen Generäle, die. tit dem gewaltigen deutschfranzösischen Kriege, an dem die Juden reichlich Anteil nahmen, ihre Sachkenntnis zur Genüge betviesen, solcher ungebetenen Ratschläge entratcn könnten, zumal die lieben Ostdeutschen ihre strategische Befähigung höchstens in dem Sprengen gegnerischer Wirtshauspersammlungen bewiesen haben, tvobci ihnen öfters das Malheur passierte, daß sie — die Hinausgeworfenen waren; wirkliche st r a t c g i s ch e Erfolge erzielten sie h ö ch st e u s bei der Belagerung jüdischer Banken und bei der E r ft ü r m u n g v o n Z u ck e r k a r t e l I s und verwandter U n i c r u e h m unge n, wo sie mit reicher p ä u s ch al i e r t e r im d n n p a u s ch a l i e r t e r S i e g e s b e u t e a b - zöge il. Aber wenn dem ostdeutschen Schmock der Befähiguugsnachweis fehlt, so ersetzt er ihn durch große Frechheit. Grinsend überschlägt er das Prafitchen, näinlich eine Jahreseinnahme von 10 Millionen Märk aus der Kopfsteuer. Was sind diese lumpigen 12 000 K. mis dem Zuckerkartell und die 1000 K. der Donau- Dantpfschiffahrtsgesellschaft dagegen I Zum Schlüsse sagt dieser Brave (besser Bravo) wörtlich: „Hoffentlich beschäftigen sich auch die antisemitischen Abgeordneten der Ostmark bald mit einem ähnlichen..Antrage im Reichsrat. Man schlägt z!vei Fliegen mit einer Klappe: die Befreiung des Heerwesens vom Judentum und eine große, sicher im Laufe der Jahre steigende Einnähmeguelle für den Staat. Und sollte ein dritter Fall eintreten, daß nämlich die shmpathischen Hebräer infolge dieses Gesetzes cinfach auswauderu, dann wäre ja dieses herrliche Gesetz das segensreichste, das je erlassen wurde! Vielleicht hören wir bald von einem diesbezüglichen Dringlichkeltsantrage, der die Unterschrift aller antisemitischen Abgeordneten trägtI Nur immer beharrlich auf dem Wege der Ausnähmsgesetze gegen die semitischen Nutznießer und Nichtsnutzer, ganz nach dem Muster der transatlantischen Republik, die sich bei allen Freihcitsgrundsätzen so trefflich gegen die Chinesen zu wehren weiß! Lernen ivir davon, und wenden wir es auf unsere Chinesen, die „Auserwählten", an!" — Wir fügen diesen schamlosen Sätzen nichts hinzu und empfehlen nur allen Stammesgenosscn, ohne Rücksicht auf ihre sonstigen politischen Aiischanurigen darüber nachzudenken, ob es mit i h r c r E h r e v e r e i n b a r i ft, bei den ko m »i enden W ahIen n, i t solchen Freibeutern, die i h n e n jedes Bürgerrecht a b s p r e ch e n, z n s a in m e n z u - gehen, ein Bündnis, das die „N. Fr. P." ihren gtäubigeir Lesern in beiveglichen Worten anpreist, wie unser heutiger Artikel des näheren misführt. Jüdischer Friedhof. Ans Sarajevo ivird gemeldet: Einer der eigenartigsten Friedhöfe der Wett ist der Begräbnisplatz der ans Spanien eingewanderten Juden in Sarajevo (Bosnien), der sogenante „spanische Friedhof". Derselbe liegt in einer kleinen Tatsenkung, nicht umfriedet und macht einen düsteren, aber monumentalen Eindruck. Die Inden haben säintlich als Grabsteine riesige, rohbehanene Blöcke gewählt, die eng nebeneinander aufgerichtet sind. Auf der Stirnseite des Felsbtocks stehen die Inschriften und Nachrufe auf die Verstorbenen. Einige der sarkophagartig zilgehaueiien Felsen sind umgefallen, offenbar in das eingebrochene Grab eingesunken und lehnen sich an die noch aufrecht stehenden Nachbarn. So macht die jüdische Totenstadt einen stillen, finsteren Vergänglichkeits-Eindruck. Es ist, als ob Riesenhände mit den Felsen gespielt und die menschlichen Zeichen der Trauer und Vevehrung ans Schmerz diircheinandergeworfen hätten I Die Selbstbildungsgesellschaft der israel. Jugend in Sarajevo veranstaltete am 13. Juli ein sehr aelungenes Sommerfest." Budapest. Hier hat sich ein aus Studenten zusammengesetzter „Verein n n g a r i s ch - j ü d i s ch e r I ü n g l i n g e" gebildet. Seinem schönen Aufruf entnehmen tvir folgende Sätze: „Die Jugend empfindet es, daß zur Belebung des im Lärm des großstädtischen Lebens ersterbenden religiösen Gefühls nichts getan ivird, daß in ihren Reihen das Interesse für jüdische Angelegenheiten gänzlich abuimmt, dagegen die Jrreligiösität an Boden gewinnt, mit der die Verachtung des uralten Glaubens, die Vernichtung aller Moral und Sitte Hand in Hand geht. Der Zweck des Vereins ist die Weckung des jüdischen Gefühls durch gemeinsames Studimn der jüdischen Wissenschaft und Literatur, sowie durch Erlenming und Hebung des religiösen Lebens. Wir ivolleii SelbstbilduiigSlurse, Vorlesungen nud Vorträge veranstalten, bei welchen ivir die erhabene Sprache unserer heiligen Schrift kennen lernen, die ewig schönen Wahrheiten der Bibel an der Urquelle genießen, die Weisheit der jüdischen Vorschriften verstehen, die Winke ihrer glorreichen Vergangenheit beherzigen, kurz: alles hvchachten und liehen lernen sollen, ivas im Judentum schön, gut und ivahr ist." — Präsident des Vereines ist Professor Dr. A. Fürst, Vizepräsident Rabhinaiskandidat Michael Guttmaim, Sekretär Rechtshörer Leopold Steuer, Bibliothekar Hörer der Philosophie Wilhelm Ringwald. Ausland. Berlin. Zn der am 29. v. M. h'er stattgehabten Jahres- Versammlnng des „E s r a V e r e i n e s zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in P a l ä st i n a u n d Syrien" hatten sich iusgesammt 41 Delegierte, welche 21 Lvkal-Berbände in allen Teilen Deutschlands vertraten, in „Cassels Hotel" eingefunden. Der Vorsitzende des Zentral-Koinitees, Herr M. Dorn, erstattete nach herzlicher Begrüßung der Erschienenen den Bericht über die Entwicklung und die Wirksamkeit des Vereines im abgelaufenen Jahre. Die Zahl der Mitglieder sei auf 5300, die der Jahresbeiträge ans zirka 13.400 Mark gestiegen; die Gesamt-Einnahmen betrugen (einschließlich des vorjährigen Bestandes von 5026,69 Mark) 18.427,46 Mark, darunter eine Spende von 20 Lstr. seitens unserer Glaubensgenossen in Rhodesia (Südafrika). Leider habe sich im Vorjahre für eine ausgedehnte Tätigkeit in Palästina keine Gelegenheit geboten, was seinen Grund hauptsächlich in den Schwierigkeiten batte, die sich der Reorganisation der Kolonie „Machnajim" enigege»stellten und noch fortdauern. Für diese Kolonie seien 1700 Mark, für „Bnei Jehnda" (im Ostjordanlande), welcher Tlnsiedelung der Verein gegenwärtig erhöhte Anfmerksamk it zuwende, 1000 Mark bewilligt worden. Nach Erstattung des Kassenberichtes durch den Schatzmeister Herrn Konsul Friedm a i! n wurde demselben einstimnng Decharge ertheilt. Aus 9i'umüuien. Die Lage ist an einem toten Punkte angelangt. Die einzige Bewegung bringen die rnmänischeu Studenten herein, die, anfgehetzt van der „Vaintza

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