Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 29 (18.7.1902)
- Date
- 1902-07-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 VWn, Freitag Jüdisches Volksblatt 18. Juli 1902 Seite 3 ft ä m nt c dieses $ o lt a u u c t dj e ö Cis - u n d T r a ir s l e i t h a n i e n s 5 lt verwiekli ch e n ehr - l i ch ö e ft v c b t i st. In der nationalen Autonomie erblicken wir nebst d u r ch g r e i s e n den w i r t s ch ci s t l i ch e n R e f 0 rm c it für die ehrli ch A r b e i ti e n d e n alle r Stände die eigentlichen und bedeutsamsten Postulate einer wahrhaft fortschrittlichen Politik. Also wir, welche den knltuelleni und sozialen Fortschritt unseres jüdischen Volkes, sowie den aller übrigen österreichischen Nationalitäten dies- und jenseits der Leitha erstreben, wir, die wir das Testament Adolf Fisch Hofs voll st recken wollen, jede Nationalitäten-, K i r ch e n - u n d K l a s s e n v erheb u n g in schärfster Tonart bekämpfen, wir, deren Programm ein — Masaryk das seine nennt, wir sollten „Reaktionäre" sein! Nein, unsere Gegner, die Assimilanten, sind samt und sonders Reaktionäre, sie, welche unser jüdisches Volk verleugnen, den deutschen, polnischen, italienischen und magyarischen Chauvinismus fördern, den V ö l k e r f r i e d e n zu untergraben helfen, im Bürgertum wie in der Arbeiterschaft den A n t is e m i t i s m u s züchten! Dagegen erstreben wir die Solidarität aller national-sozial fühlenden Juden, sowi'e Frieden und Waffenbrüderschaft mit allen übrigen gleichgesinnten O e st e r r e i chi e r n. Wir sind eben treue Söhne unseres jüdischen Volkes ebenso wie moderne Kulturmenschen. Die wirtschaftliche Eage der Juden in Galtzien. (Eine EntgeMttng.) In der Nummer 27 des „Jüdischen Volksblatt" erschien unter obiger Spitzmarke ein Artikel über die elende Lage der Jitden in Galizien. Dieser Artikel, wie trefflich er auch geschrieben ist, beschränkt sich aber nur auf die Konstatierung von Tatsachen, auf die Angabe statistischer Daten, er stellt fest daß das Elend existiere, gibt aber nicht an,' woher es stammt und woinit dem abzuhelsen wäre. Der Arzt, der die Diagnose 'stellt, ohne das Heilande Mittel anzugeben, hat nur halbe Arbeit getan und zwar die kleinere Hälfte, richtiger ist, die Mittel ausfindig,311 machen, womit die Krankheit gehoben oder wenigstens gelindett werden kann. Zwar erwähnt der Herr Verfasser des gedachten Artikels einige Ursachen, woher das Elend stamme, und zwar nante er den Fortschritt der Transportmittel In erster Linie als verderbenden Faktor des Awischcnhcnrdels, dann die landwirtschaftlichen Vereine. Mir scheinen beide Argumente nicht stichhältig, der «rstere nicht, weil nach den national-ökonomischen Begriffen der Fortschritt in den Transportmitteln vorteilhaft auf die Entwicklung Ides Handels, auch auf den Klein- und Ztrnschenhändel einwirken mutzte, der andere ebensowenig, da die landwirtschaftlichen Vereine in Galizien erst eine verhältnismäßig kurze Zeit existieren und das Elend nach Angabe dos werehrten Verfassers länger als ein Jahrhundert dauert, gcrnci: kann man wahruehmen, dah in anderen Ländern, wo diese Vereine viel länger existieren, viel besser und rationeller geführt werden als in Galizien, sie dennoch keinen Einfluß auf den Wohlstand der dortigen Juden üben. Das Uebel liegt nach meiner Ansicht weder hier noch dort, das Uebel liegt in dem galizischen Juden selber, in seinem kulturellen Rückstand, in seiner geistigen Umnachtung, uiid ich behaupte, datz die geistige Umnachtung die Ursache ist, ans der die materielle Natlage folgt. Wier Gelegenheit hat, die galizischen Juden in den kleinen und größeren Provinzstädten zu beobachten, wer da sieht, wie dieallerdings auch aus dem semitischen Sprachgute erklären (assyr. in.Llni--- toben, ungestüm sein, arab. j-nhab ----- Furcht, Schrecken, ein tobendes, furchterregendes Ungeheuer). Für unsere Propheten und Psalmisten war dieser titanische Kampf natürlich nur ein Symbol; sie haben für das gewaltige Meer und seine tosenden Wogen — das ja für sie auch das Bild des grenzenlosen Jammers war, vgl. § 18, 5 if„ Jona II, 6 f.,») - einen uralten Ans druck gewählt: „mächtiger als die schreckliche Mut ist der Herr" <ogl. V3, 4 f., wo zu lesen ist... & nawöo *v*7ä)* Barth meint, daß oi.-inein ursemitisches Wottisei, und weist auf arab. Dibarnnt, die Küste des roten Meeres, hin. Freilich wäre gerade li-rettn mit Hinblick auf die Lokalität, eine Entlehnung ans dem Nordfemilifchen nicht gerade abzuweisen (auch das Syische hat das Wort dem -Hebrälschen entnommen'). Sollte die Wurzel — wie das Assyrische -andeui-et, am sein, so müßte man allerdings zur Ettlärung das Arabische faJi) heranziehcn und auf die verderblichen Gerüche Bezug nehmen, die dem Abgrunde entsteigen. Schließlich erwähnt B. eine babylonische Abbildung, die — nach seiner Ansicht ungerechtfcrtigterweise — mit Adam und mit Eva in Zusammenhang gebracht wird '). Ich kenne das Bild aus Delitzsch S. 38 und Kaulen (I. c. S. 187); es stellt zwei sitzende, bekleidete Gestalten vor, die beide nach Früchten langen, welche an einem Baume hängen. Im Hintergründe eine Schlange. Die Kopfbedeckung der rechts,sitzenden Person zeigt eine d>enlliche Abweichung von jener der linkssitzenden ■; möglicherweise äußert sich hierin der Unterschied der Geschlechter, der von B. geleugnet wird (nach Delitzsch sind es Hörner). Merkwürdig bleibt tue Sache immerhin. IV. Die letzte Partie unseres Heftes bespricht die Sintflutsage. Unser Autor gibt wohl zu, daß sich manche Punkte mit dem biblischen Mabbulberichte decken, glaubt jedoch, daß wir es nicht mit einer direkten Entlehnung aus dem Gilgamw-Epos zu tun haben, vielmehr lägen beiden gemeinsemitische Ueberlieferungen zugrunde. Ich kann es mir nicht versagen, einige Stellen, die mir für die behandelteFrage von Interesse scheinen, ansderbabylonischen Dicht», g zu zitieren (ich gebedie Uebersetzung Zimmern s I. e., S. 423, Zeile 22) „zimnwe ein Haus, baue ein Schiff . . . (25) bringe Lebensfamen aller Art ans das Schiff . . . (Ol) ich baute in sechs Stockwerken (05). .. Erdpecb goß ich auf die Außenseite .. . Asphalt.. . auf die Jnneuseite [f. hierzu Gen. VI. 14| . . . (88) ich brachte aus das Schiss meine Familie mein Gesinde, Tiere des Feldes, Wild des Feldes (Gen. VII, 7. 8.j . . . (132) so ruhte das aufgewühlte Meer, die Sündflut hörte aus. . . (Gen. VIII , 2.) ... (142) der Berg des Landes Nisir hielt das Schiss fest (Gen. 16., 4.P) (140) ... Ca ließ ich die Taube hinaus . . . (150) da ließ ich eine.Schwalbe hinaus . . . (153) da ließ ich einen Naben hinaus . Man sieht — die Kenntnis dcr biblischen Erzählung setze ich voraus — die Aehnlichkeit dehnt sich bisweilen auch aus den Wortlaut aus und so läßt sich denn — trotz mancher Divergenz — nicht leugnen, daß die babylonische Legende unserem Chronik. Inland. Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultnsgemeinde Wien vom 10. Juli 1003, unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rat Klinger. Begum der Sitzung um 5 Uhr nachmittags. Aus dem Einlaufe werden mehrere Spenden zur .Kcmck D^^^iteren wird mitgeteilt eine Zuschrift des Herrn kaiserl. Rates Adolf Ruzicka, mit welcher derselbe sein Mandat als Obmmin der Bezirkskommission für die Bezirke 6 und 7 mrt Rücksicht auf seme geschäftliche Ueberbürdung zurücklegt. Der Prapdent bemerkt hierzu, es empfehle sich, diese Demission nicht zur Kenntnis zu nehmen, vielmehr an Herrn kaiserl. Rat Ruzicka das Ersuchen zu richten, das bisher in mustergiltiger Weise bekleidete Ehrenamt auch Iverterhin im Interesse der Gemeinde zu behalten. (Allgemeine Z selben ihre Zeit iiimiitzig bcrgeuden, wer da sicht, Ivie dieselben jede physische Arbeit verschmähen, der wird sich nicht wundern, datz ihre Lage so traurig ist. Die Lage dcr Handiverker ist keineswegs ungünstig, vielmehr kann gesagt Ivcrdcn, datz jeder Handwerker sein Auskommen findet, niemals die öffentliche Mildtätigkeit in Anspruch nimmt, es gibt zwischen ihnen sehr viele tüchtige und deshalb recht wohlhabende Leute, aber im allgemeinen sind sie sehr lvenig vertreten, denn auf 826 000 Seelen 36 000 Handwerker ist eine lächerlich geringe Zahl, noch dazu bei einem Volke, welches vom Haupternährungszweig, vom Ackerbau, fast gänzlich ausgeschlossen ist. Viele Gattungen von Handwerken kommen bei den galizischen Juden gar nicht oder nur selten vor, so z. B. sind Weber, Schmiede, Tischler, Sattler, Wstgner «sw. eine große Seltenheit, gerade die besten Handwerke sind da nicht vertreten und eine große Anzahl von Juden könnte noch dabei ihr Auskommen finden. Aber da liegt eben das Uebel, der gälizische Jude verachtet das Handwerk und den Handwerkern, er glaubt dadurch erniedrigt zu werden und will lieber betteln als durch seiner Hände Arbeit sich ernähren. Viele, sogar sehr viele verbringen einen halben Tag im Bethaus, die zweite Hälfte des Tages und den ganzen Abend mit müßigem Geschwätz oder beim landesüblichen „Ortszadik", wo sie von seiner Weisheit schlürfen, auf den Haushalt verdient da fast ohne Ausnahme die Frau, welche in Eiern, Butter und sonstigen Gegenständen spekuliert. Von einer Erziehung der.Kinder kann da keine Rede sein, die wachsen ziel- und planlos heran, aber ein Rücksicht ans ein ihm mittlerweile von anständiges Handwer zu lernen würden sie als Schmach betrachten. - ■ - . >>;•— Als ich einst einen armen Inden, der — obzwar bei besten Kräften — sich und ein halbes Dutzend erwachsener Kinder von dem kargen Verdienst seiner kranken Frau erhalten ließ» darauf mrfmerksam machte, daß es eine Sünde sei, daß er seine zwei erwachsenen Burschen müßig hernmgehen lasse, datz er sie lieber ein Handwerk ergreifen lassen solle, warf er sich stolz in die Brust und erklärte, datz Gott sei Dank in seiner Familie bis nun keine Handwerker waren, und auch fernerhin nicht sein werden. Und dieser Mnm, der sich skrupellos von dem Verdienste seines kranken Weibes ernähren laßt, dieser Mann nimmt sich heraus, auf das Handwerk mit Verachtung herabzublicken. Mt Ausnahme der Gutsbesitzer, Fabrikanten usw., die sehr wenig vorhanden sind, mit Ausnahme der — ebenfalls nicht zahlreichen — vermögenden Kaufteute Nealitätenbesitzer usw. mit Ausnahme der Handwerker, tvelche auf realem Boden stehen und eine sichere Erwerbsquelle besitzen, leben alle' übrigen Juden von der „Luft". Bon der Luft leben ist eine gälizische Spezialität und wie dieses anssirht, müßte man mit eigenen Augen angesehen haben, um sich davon einen Begriff zu machen. Nachdem der junge Mann, dessen Vater auf seine Herkunft so stolz ist, bis zmn 17. oder 18. Lebensjahre gelangte, hat er sich noch oberflächliche — mechanisch eingebüffelte — Kenntnis im Talmud angeeignet, so daß er für ein „gut Jüngel" angehen kann, wird gut verheiratet, das heißt, er kriegt nebst einer Frau noch einige hundert Gulden'Ntzitgift und weil er nichts anständiges gelernt hat, wird er Kaufmann (daß man dieses nicht zu lernen braucht, davon ist jeder Jude überzeugt), die Wahl des Geschäftes wird ihm nicht schwer, das erste beste ergreift er und mit der Uhr in der Hand kann man Voraussagen, tvann 'der Mann bankerott werden wird. Inzwischen kriegt er einige Kinderchen, was Vleibt ihm dann sonst übrig, als ans die „Medine" zu geben. Wenn man darangehen wollte, die galizischen Juden materiell zn heben, mußte 'man beim Intellektuellen den Anfang machen, man muß vor allem trachten, mehr'Licht in ihre Reihen zu werfen, ihnen, den Standesdünkel herausjagen, ihnen zu verstehen geben, datz die Händearbeit keineswegs den 'Juden erniedrigt, daß ehrliche Arbeit auch Gott lieber sei als müßiges Herumlungern, dann müßte man in Galizien Gewerbeschulen, Vereine und Handwerkergenossenschaften gründen, überhaupt weniger klagen und mehr handeln. Die Initiative dazu werden nicht die sogenannte jüdische Intelligenz, welche zum großen Teil ausgehört haben, Juden zu sein, ergreifen, mrch nicht diejenigen Inden, welche nur ihrern großen Reichtum, ihrem Bauche (dem goldenen Kalbe) dienen, derer höchstes Ideal cs ist, etwas für das Knopfloch zn bekommen, die Initiative dazu sollen alle Juden ergreifen, welche guten Willens sind, die armen galizischen Juden physisch und moralisch zn heben. Gorlicr. Desider .'Harlig. Berichte näher steht, als andere, uns bislang bekannt gewordene Diluvialsagen. (S. jetzt noch die treffende Besprechung Nöldekes in dem liier. Zentralblatt, 5. Juli, Sp. 900s.) Barth hebt schließlich hervor, daß die Babylonier das Wort mabbül, das in der Bibel ausschließlich die Sintflut bedeutet, gar nicht kennen. Er berücksichtigt wohl nicht die Vermutung Dje l i tz s ch', daß mabbül auf assyr. nahälu -.zerstören" zurückgehe, besonders durch Stürme" (vgl. Delitzsch „Wo lag das Paradies", S. 156.) Beachtenswert ist, daß assyr. abübu, das klassische Wort für Sintflut, später gleichfalls „verheerender Sturm" bedeutet (siehe D elitzsch Handrvb., >p. 4, 8. v.j) Die ernste ruhige Schrift Prof. Barths wird wohl manchen veranlassen, die so überraschenden, revolutionären Entdeckungen der Assyriologen mit kühlem Herzen und scharfer Kritik aufzunehmen. Es wäre sehr zu wünschen/daß auch die Jünger der Keilschriftforschung die Mahnung R a wli s o.n s — „keine Sensations- Wissenschaft zu treiben" (Kau l e n, S. 187) — beherzigen möchten. Man muß denn doch nicht die alten Israeliten schlechtweg, auch zu geistigen Vasallen Babylons degradieren. Wir schließen mit den Worten, die ein klassischer Philologe anläßlich der eingangs erwähnten Homer-Gilgameä-Hypothese Herrn Jensen zurief: „Wir verlangen Achtung vor dem durch viele Generationen erarbeiteten Bestände der Altertumsmiffenschaft und Achtung vor dem Nationalerwerbe eines Kulturvolkes". („Deutsche Literatur- Zeitung", 19. April 1902, Sp. 989). Wien, im Juli 1902. -- ' :1 \! ) So lautet die gewöhnliche Uebersetzung; das Zerstreuen paßt jedoch weder für Egypten, noch für das Ungeheuer, die beide zertrümmert wurden. Ich möchte rpj* an dieser Stelle aus dem arabischen yf „zerreißen", auch „zerbrechen" (IV) erklären: „Du hast deine Feinde zerschmettert." 0 Gelegentlich bemerkt, kann allerdings das Bild von den „Bächen der Unterwelt" dem alten Mythos entnommen sein, der bei den Babyloniern einen „Todesfluß" schuf, auf dem Wege zwischen Eree und Unterwelt, vgl. Jeremias „Hölle und Paradies bei den Babyloniern", 1900, S. 14. h TahiUmit erklärt man in der Regel als Küstenland schlechtweg; dennoch möchte ich an aram. «annn Grenze nicht denken»' btkamttlich auch spülhebräisch. ft Ein Dr. ä a n d a macht in „Zeitschr. für kath. Theo!.", 1002, Heft I, S. 194, den Versuch, Adam, Eva, Abel rc. als ursprünglich sumerische Worte zu erkläieu. Mir scheinen die lexikalischen Versuche dieses Herrn nicht beachtenswert. 9 Ueber das Verhältnis beider Berichte bezüglich der geogr. Angaben, vergl. Encyclopaedia bibl.: I. s. v. Ararat eol. 289; Ararat ist wohl nicht der Name eines Berges, sondern eines Landes, vgl. Murad „Ararat und Masis", 1901. Die Mitteilung des Bethausvorstandes für dre Gememdetempel der Stadt und Leopoldstadt, betreffeud seme, Neukonstttuierung, nach welcher zum Qbmanne desselben Herr Vrzeprastdent Doktor Gustav Kohn, zum Obmann-Stellvertreter Herr Dr. Markus Spitzer gewählt wurden, wird zur Kenntnis genommen. Desgleichen die beifällig aufgenommene Erklärung ernes Sttpendrsten der Dr Adolf Sacks'schen Technikerstiftung, betreffend fernen Verzicht auf das Dr. Adolf.Sacks'sche Stipendium per K. 600.— p. a. mrt Rücksicht auf ein ihm mittlerweile von der k. k. n.-o. Statthalterer zugewendetes weiteres Stipendium. -o. Seitens der k. k. n.-ö. Statthalterer ist, erne Zuschrift „erngelangt. daß der verstorbene Privatier Herr Julius Joachrm Frankel lctztwillig ein Kapital von sechshundetttausead Gulden (1200 000 Kroneir) ö. W., von rvelchem seiner Gattrn lebenslänglich der Fruchtgenutz zustehen soll, zur Errichtting von Stipendien rm Bettmge von fl. 200—500 für arme Studierende israelitischer Konfession an der Wiener Universität, ohne Unterschied der Nationalität, gewidEt^habe.^,^^^ er glaube sich mit den Anwesenden in Uebereinstimmnng zu finden, wenn er der Dankbarkeit für den verewigten Testator Ausdruck gebe und hebt hervor, daß diese hochherzige Widmung umsomehr zu begrüßen sei, als ,bisher nur eme verhältnismäßig geringe Anzahl von Studenren-Stiftungen bestehe, bezüglich deren der Knltnsgemeinde eine Jngerenz zustehe. , Mehrere anwesende Herren Vorsteher, wie Herr Vizepräsident Dr. Kohn, Vertreter Ritter von Taussig und Oberbaurat Tansstg, schließen sich der Dankesäutzerung an mit der Bemerkung, daß dre Stiftung erst nach dem hoffenlich in später Zeit zu ermattenden Ableben' der Witwe zur Persolvierung gelangen werde. Im Präsidialberichte gibt der Präsident weiters rucksichtlich des abgelanfenen Halbjahres ein Bild des Standes der Finanzen der Gemeinde, sowie der Eingänge an Kultussteuern und Gebühren. Anläßlich einer an das Präsidium gelangten Zuschrift der Obmännin des Ehren-Damenkomitees der Versorgungscmstalt der israelitischen Kultnsaemeinde, Frau Jda Diamant, welche den Antritt ihrer Uriausreise mitteilt, hebt der Vorsitzende die mustergiltige Tätigkeit dieses Komitees und insbesondere der genannten Dame bei Ausübung dieses Ehrenamtes dankend hervor. Ueber Antrag des Vertreter-Kollegiums wird einer Aenderung des Statutes des Israelitischen Blinden-Instituts in Wien,, auf Grund des Referates des Ersten Sekretärs kaiserl. Rat Dr. Lieben, die Zustimmung erteilt. Namens des Vettreter-Kollegiums referiert Herr Baurat von Goldschmidt in Spitalsangelegenheiten und beantragt die Ernennung eines Hilfsarztcs für die medizinische Abteilung im Sinne^ des Spital-Statutes. Die Plenarversammlung beschließt, das Vertreter-Kollegium zu erinächtigen, diese Angelegenheit im Einvernehmen mit der Spitalskommission der Erledigung znzuführen. Namens der Schulkommission referiert Herr Direktor Simon üebr den Lehrplan für den israelitischen Religionsunterricht am Mädchen-Lyceum des Schulvlereins für Beamtentöchter. Der vom Referenten ausgearbeitete mcd von der Schnlkommission genehmigte Entwurf gelangt zur Annahme. Denwichtigsten Gegenstand der Tagesordnung bildeten die Anträge der Schulkommission, betreffend die Hebung des israelitischen Religionsunterrichtes an Mittelschulen und die Förderung des Jugendgottesdienstes für die Schüler dieser Lehranstalten. An das von Herrn Direktor Simon erstattete ausführliche und instruktive Referat knüpft sich eine längere Debatte, an ivelcher sich die Herren Bezirksschulrat Dr. Spitzer, Ritter v. Taussig, Vizepräsident Dr. Kohn und Oberfinanzrat Dr. Rappaport beteiligen. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit dieses Gegenstandes, weiters auf den Umstand, daß in der heutigen Sitzung nur zwanzig Vorstandsmitglieder anivesend seien, lvird von mehreren Seiten die Fortsetzung der Berattmg in einer für diesen Zlveck besonders einzuberufendcn möglichst vollzähligen Plenarsitzung gewünscht und wird demgemäß dieesr Gegenstand vertagt. Entsprechend den Anträgen des Vettreter-Kollegiums werden an Subveiltionen bewilligt: für den Turnverein „Zion" für das Jahr 1902 eine Subvention von 100.— K.; für den Verein „Gemiluth Chesed" im 2. Bezirke eine Aushilfe von 300.— K. ohne Präjudiz für die Anerkennung dieses Vereirces als Bethaus'verein; für den Tempclverein „Cheivra Beth ^laffilah" im 9. Bezirke, zur Deckung des Defizits pro 1901 eine Nachtragssnbvention von 1200.— K.; für den israelitischen Tempelvercin in Döbling zu der für das Jahr 1902 bereits ausgezahlten Subvention von 1200.—■ Kronen eine außerordentliche Subvention von 1200.— K. gegen die Verpflichtung des Vereines, den Gottesdienst bis Ende dieses Jahres aufrecht zu erhalten und die in seinen Diensten stehenden Funktionäre bis dahin in bisheriger Weise zu honorieren. Des weiteren gelangt das von Herrn Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn erstattete Referat über die Regelung des Verhältnisses der Knltnsgemeinde zum Bethansbereine im 11. Bezirke unter den vom Vertreter-Kollegium beantragten Modalitäten zur genehmigenden Kenntnis. Dem Ansuchen des Vereines z:ir Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums, betreffend die Errichtung eitler Koscherfleischbank im 6. Bezirke, wird unter den vom Referenten Herrn Dr. Alfred Berger vorgeschlagenen Modalitäten stattgegeben. Dem mit dem Vereine „Adas; Jisroel' zn schließendeil Uebereinkonlineii, betreffend die Pauschalierung von Rückbergütimgen für Schächtgebühreil, wird die Zustimmung erteilt. Das Ansuchen eines Vereiiles um Zustimmung zur Errichtmlg eines neuen Bethanses wird mangels der statutarisch vorgesehenen Bedingullgen im Simle des Antrages der Kommission für.Knlttlstind rituelle Angelegenheiten abgelehilt. Eine allläßlich des Pessachsestes zur Ausgabe gelangte, nicht bndgetierte Post für rittielle Verköstiglnig wird llachträglich gerlehmigt. Die Protektioilswirtschaft in der Wiener Krtltttsgemeinde. Als Kliltlisborstaild Professor Grüufeld feine Demission gab, erzählten alle Anhänger des jetzigen Regimes mit einem gelvisseil Stolze, daß Professor Grüufeld deshalb deinissioniette, iveil fein Sohn nicht zum Arzte im Jüdischell Spitale euirmut wurde. Sie verschwiegen freilich sorgfältig, daß Dr. Grüilfeld jun. objektiv seiner Ivissenschaftlicheu Vorbildullg nach ein gewisses Anrecht aus diese Stelle hatte, und daß man nicht jemandeii zurücksetzen muß, weil es der Sohn eines Ai n it n es i st, der d n r ch 14 Z a h re das Referat für Spitallveseil in der Wiener Knlliisgemeinde führte.