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Jüdisches Volksblatt · 1902-07-11 · 28 (11.7.1902) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
28 (11.7.1902)
Date
1902-07-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 11. Juli 1902 Nr. 28 gierig sind ivir erber, wie dieses gemeine Vorgehen mit den mau- Ans die Geivinnseite buchte der Abgeordnete Schräder dagegen, das; r e r i s ch e n Prinzipien harmorriert. K. H. Wolf ist nach Nachrich-! der Austritt aus den Religionsgemeinschaften von allen lästigen teil, die m,widersprechen Hieben, Freimaurer, mir glauben, F°r«,alitäteu befreit wird. m,d daf, niemand mehr zu den Rosten . , r..r., r . , .. O . >r ' „ J '; einer 9tdtgtolt^ocntein 1 dfjoft, der er nicht angehort, bcizutragen hat! eag hockyte Zeit wäre, daß die Freimaurer ihre Stellung zu der Der Antrag ivurde, tvie oben bemerkt, mit großer Mehrheit arrge- Jndennot auch werktätig bekräftigen würden, denn die Juden 1 noiimten und kourmt nun vor den Bundesrat; es fragt sich aber, ob sind doch auch — Menschen, verehrte Brüder. j er hier das Plaeet findet. Sachseir hat bereits erklärt, im Bnndes- /»;«* niut a\s. : rate dagegen zu stimmen, und es ist für NUS von besonderem Jnter- Gelvaltstretch dhr. Dr.esse, da auch in der letzten Reichstagsdebatte die Stellung der Juden wurde semerzett durch den Lemberger jüdisch-polltlschen j in Sachsen berührt wurde. Berein Schonier Israel" aufgefordert, in de» Delegationen « Albert bo» Sachsen, P°,n jüdischen Standpnnkte aus m Sachen der rumänischen Juden und der Prätenerung ist von der Regierung des Königs Albert leider nicht viel Rühmder österreichischen Juden im Staatsdienste zu interpellieren, i liebes zu sagen. In keinem Lande gedeiht ein rüder Antisemitis- Das qing diesem feinen Herrn, in dessen Hirn nur der' unls so stark, wie in Sachsen, unk»in keinem Lande sind die Klagen Gedanke oer Bereicherung durch das Spieiwrkarlell Platz' ^-u-os-mut und ul« dm Rechtsprechuna so lebhaft, bat, gewaltig wider den Strich. Der Präsident des „Schomer Israel" ist der alte Kämpfer für das jüdische erst vor einigen Tagen (am 6. Juni) führte bei der dritten Beratriug des svgcnaiiiiten Toleranzantrages in der ReichstagSsihung der sozialdemokratische Abgeordnete Stolle u. a. folgendes aus: „Nach dem Gesetz vom 3. Dezember 1868 ist im Königreich Sachsen eine Verfassungsänderung vorgeuommen und bestimmt lvorden: „Der Genus; der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte ist unabhängig von dem religiösen Glaubensbekenntnis." Trotz dieser verfassungsmäßigen Bestimmung, die vom König von Sachsen beschworen ivorden ist, tvird Andersdenkenden, die nicht der Staats schon Verhandlungen darüber gehabt; man hat uns aber entgegen gehalten, es vertrüge sich nicht mit den Staatseinrichtnngen, wenn ein jüdischer Richter über Christen abnrteilen soll. Dieser Zustand ist wohl in keinem anderen Lande noch zu finden. Wenn im Königreich Preußen Juden die Funktion als Richter ansüben können, tvarmn nicht auch im Königreich Sachsen? Wenn derartige Zustände existieren, so nun; notwendigerweise durch Reichsgesetz ausgesprochen iverden, das; neben den Pflichten auch die Rechte eingeführt iverden." Hierauf ertviderte der sächsische Bnndesratsbevollmächtigte Graf von Hohenthal: „Der Herr Abgeordnete Stolle tvie in Sachsen. Wie Sachsen auf der einen Seite das Land der rücksichtslosesten Reaktion ist, so hat es auf der anderen Seite als notwendiges Korrelat zugleich auch die stärkste Ausdehnung der Volk, Dr. Rüben Vierer. Nicht nur, daß also Dr. Byk Sozialdemokratie, wie je-jeder Druck einen Gegendruck Hervorrufen digewünschte Interpellation ui ch t - ib r achte, suchte & er sich anseinem politischen Gegner i n h ö ch st ' ~ ‘ ■ .. brutaler Weise zu rächen. Dr. R. Vierer ist nämlich als Schularzt bei der jüdischen Gemeinde angestellt. Dr. Byk hat etwas von seinen christlichen Kollegen im Polenklub gelernt. Als nämlich ein Journalist den Abgeordneten interviewte, ließ er die Bemerkung fallen: „Wir Galizianer machen es besser wie die Wiener Antisemiten, die nur schimpfen; wir gründen Kolka rolnica; wenn man dem Bienenstock die Nahrung wegnimmt, so muß er krepieren." Getreu diesem Prinzipe setzte der Millionär und Kultuspräsident Dr. Byk nach seiner ruhmreichen Rückkehr aus den Delegationen es durch, daß Dr. Rüben Vierer unter einem Vorwände entlassen wurde. Getreu dem leuchtenden Beispiele Luegers suchte Byk durch die H u n g e r p e its ch e die Opposition zu ersticken. Aber er täuscht sich. Durch solche Gemeinheiten wird die Opposition verzehnfacht. Der Ausschuß des V e r e i n e s „S ch o m e r I s r a e l" hat beschlossen, dem Lemberger Knltuspräsidium für die Boykottierung des Schularztes Dr. Vierer das Mißtrauen auszusprechen. Wir können nur hinzufügen, daß Byk in den Augen des ganzen denkenden jüdischen Volkes geächtet ist; es kommen Neuwahlen und da wird Byk die richtige Antwort bekommen. Todesfall. Am 4. Juli verschied in Baden im 87. Lebensjahre Herr Simon Michlup, der Schwiegervater des Herrn Dr. Ernst Franz Weisl. Vereinigung jüdischer Hochsüler aus den südslavischen Ländern „Bar Giora". Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: Präses: jur. Jochanan Thau, Vizepräses: jur. David Führmann, 1. Schriftführer: jur. Leopold Schick, 2. Schriftführer: theol. und phil. Moritz Levi, Kassier: techn. Milan Rosenberg, Bibliothekar: jur. Marko Lettner, Ersatzmann: med. Aletander Deutsch. In der Schule des Vereines „Gemiluth Cheßed" in Ottakring fand am 9. d. M. unter grvßer Beteiligung die diesjährige Schlußprüfung statt. Der Kultusvorstand war durch Herrn Kultusvorsteher R o s n e r, die Kultusgemeinde durch Herrn Sekretär Braun vertreten. Es sandten ferner sämtliche jüdische Volksvereine Wiens, sowie mehrere jüdische Schulvereine ihre Vertreter. Die nach einigen Begrüßungsworten des Vereinsobmanues Herr Heinrich K o r n m e h l vorgenommene Prüfung zeugte von großem Fleiße der Schüler und fachkundiger Lehrtätigkeit der Lehrer und wäre es sehr zu wünschen, daß diesem Vereine, der in Ottakring eine wichtige Mission erfüllt, sowohl seitens der Kultusgemeinde als auch der bemittelten Juden die kräftigste Unterstützung zuteil würde. Sekretär Braun gab in einer, in warmen Worten gehaltenen Schlußrede seiner vollen Befriedigung Ausdruck. Mit' Absolvierung des Abendgebetes fand die Feier ihren Abschluß. „Breslau" in Philadelphia ankamen, befanden, sich auch 182 Juden ans Rußland. Bis Bremen begleitete sie ein Rabbiner, welcher mit der Schiffsgescllschaft und dein Kapitän das Abkommen traf, daß diese Reisendeil während der Reise Koschcrfleisch und rituell znbereitete Speisen verabreicht erhalten. Zwei von der Reisegesellschaft hielten umlnterbrochen Inspektion in der Küche. Der Kapitän stellte dcii Juden am Samstag einen abgesonderten Raum zur Abhaltung des Gottesdienstes zur Verfügung. Ein großer Teil der Ausivanderer wird sich in Baltimore niederlassen. Die „Breslau" ist der erste Dampfer, der deii Inden iiach dieser Richtung entgegenkommt, obgleich viele Hunderte russischer und rumänischer Juden im Jahre nach Amerika reisen. (Jew. Erp.) Odessa. Kürzlich starb hier einer der hervorragendsten Aerzte und einer der berühmtesten Arbeiter für das jüdische Wohl, Dr. Isaak Andrehelvitsch Tschackiu. Der Verblichene erhielt seine höhere Ausbildung an der Moskauer Universität, ivo er Medizin studierte und bei der Moskauer Presse als Journalist tätig lvar. _ Im Jahre 1868 ivurde der Name Dr. Tschackius berühmt. Zotoff, der Herausgeber der „Jllristration" veröffentlichte einen beleidigenden Artikel gegen die Jllden, auf den Horoivitz und Dr. Tschackiu, jeder selbständig, in der „Rußki Viestuik" und im „Atheneum" antwortest'!!. Darauf schrieb Zotoff einen noch aufreizenderen Artikel: „Rabbi Tschackiu und Rabbi Horoivitz", in ivelchem er durchblicken ließ ,daß „dieses Volk" nie etivas uuinterssiert täte. — Dieses Pamvhlet erregte eine große Entrüstung unter den hervorragendsten Journalisten, ivelche Dr. Tschackiu kannten. Besonders aufgebracht ivar M. N. Katkoff, der Herallsgeber des „Rußki Viest-! ilik", einer der bedcuteildsten Zeitungen des andeS. Er veröffeut-! lichte in feiner Zeitung einen ivarmen Artikel zur Verteidigung! Dr. TscbackiilS und appellierte ail alle russischell Schriftsteller, gegen kirche angehören, eine ganze Anzahl von Rechten vorenthalten. Es; grundlose» Angriffe Zotoffs vorzngehen. sicher Aufruf wurde ist schoil mehrere Dezennien her, daß im Königreich Sachsen fein I angenommen und 100 1Inter>chriften der bestbekannten russischen jüdischer Richter mehr angcstellt lvorden; man lvohl Pfliehteil alif, aber lveilu cs gilt, Staate übell, verbietet mail es ihnen. Wir haben in de> danil dort iliederlicß, der beständige Mitarbeiter derselben Ulld veröffentlichte eine Serie Artikel über „den geschichtlichen Zustand der Juden in Uebereiustilnmung mit der russischen Gesetzgebung". Später, Eilde der Sechziger, als ein Zweig des „Vereins zur Verbreitung der Wissenschaft liilter ben Juden" sich in Odessa niederlicß, ivurde Dr. Tschackiu erster Sekretär und einer der tätigsten Mitglieder des Vereinskomitees. Für seine großen Verdienste um ben Verein lvurde er später zum Ehrenmitglied gelvählt. — Im Jahre 1871, nach den großen Judenhctzen in Odessa, lvar fchackiu an der Spitze eiiler Anzahl bedeutender Jllden dmnit hat sich biner darüber beschwert, daß es in Sachsen keine jüdischen ' dn' Griinde der Vertreibung zu erforschen und der Ausland. Die rumänische Jndenfrage im englischen Parlamente. Im englischen Parlamente ist in neuester Zeit zweimal die völlig anormale Lage der Juden in Rumänien zur Sprache gebracht worden. Am vergangenen Donnerstag berührteder liberale Abgeordnete Henry Norman anläßlich einer Richter geben solle. Ich bin llieht in der Lage, ihm daralif eine ausreichende Antwort zu geben. Ich kenne nicht die sämmtlicheu sächsischeil Richter und weiß nicht, ob sich nicht der eine oder der andere Jude darunter befindet. Jedenfalls möchte ich den Herrn Abgeordneteil Stolle ersuchen, mir irgelld eine gesetzliche Bestimmung llachzuweiseil, aus der gu folgern wäre, daß in Sachsen kein Jude Richter iverden könnte. Ich glaube, dieses Bemühen lvürde ein vollständig vergebliches fein." Der Herr Abg. Stolle lies; dem Vertreter der sächsischen Negierung folgende Belehrung zuteil werden: „Ter Herr Bevollmächtigte zum Bundesrat, Graf voll Hohenthal, hat mich aufgefordert, ihm eine Bcstimmuug zu sageil, die in Sachsen bestände, wonach ein Jude nicht Richter lverdeil könne. Ich bedauere, das; der Herr Bevollmächtigte mir nicht genau zugehört hat, sonst würde er mir gegenüber nicht diese Bemerkung gemacht haben. (Heiterkeit links.) Ich habe im Gegenteil ausgeführt, daß eine gesetzliche Bestimmung besteht und zwar vorn 8. Sevreinber 1868. ivo die Verfassung damals geändert lvorden ist und zwar Paragraph 33 der Verfassungslirkunde, in der ausdrücklich ausgeführt wird: Aeudcruug der Verfassung für das Königreich wachsen am 3. Dezember 1868. Gesetz vom 4. September 1831 wird aufgehoben. An dessen Stelle treten folgende Bestimmungen: Der Genuß der bürgerlichen lind staatsbürgerlichen Rechte ist unabhängig von dem religiöscil Glaubensbekenntnis. Nun fönnte man frageil: welche Grüildc siild dcnu vorhandeil, daß Juden nicht zu Richtern berufcll werden, sind vielleicht die Inden Feine befähigten Leute? Ich habe im Gegellteil Nachweisen köuilen, daß die jüdischen Juristen sehr befähigte Lenite sind, daß sie die Exainina am bestell bestailden haben iilid daß sie trotz der bedeutenden Fähigkeiteil in Sachseil nach den bereits bestehenden gesetzlichen Bestimmlingen llieht dahiil gelangen fönnen, die Rechte zu erhalten, lvie die Protestailten lind Katholiken." Weilil wir auch, lvie jeder freidenkende Mann, zu der sächsischen Wirtschaft in schärfster Opposition stehen, so müssen wir doch sageil, daß der Köllig lediglich ben Willen seines Volkes hat geschehen lassen liild daß die Sachsen eine Verwaltung, eine Polizei, eine Rechtsprechung uild eine Parreizerklüftung, die mit einer kliisumnie voll Haß verkilüpft ist, lediglich sich selbst und den Ergebilisieil ihrer Wahleil solvie ben Beschlüssen ihrer Kammern i initteifte'" zuzuschreiben haben. Nur ans solchem Bodeil tonnte ein Antischächtgesetz emporivuchern. Die Zurückhaltung des Königs iubezug auf das Geschehenlassen judengeguerischer Maßnahmeil mag zum Teil auch daraus zli erklären sein, daß er selbst llild seine Faulilie katholischeil llllaubens ist, ivährelld die Bevölkerling zum Protestailtisiilus gehört. Wenn sich der König eilergisch der Inden angenommen hätte, so hätte das protestailtische Volk leicln Judeil lind Katholiken in eine Tasche geivorfeu, tvie das ja in Frankreich mit den Protestailteil lind Judeil geschieht.?llis biefem Grunde lvar e Debatte über die auswärtige Politik die Lage der ruiriänischon lvohl nicht angezeigt, allzu prononziert hervorzutreten, lim gelvisse Juden. Er sagte: „Ich möchte noch die Negierurig Artikel 44 des Berliner Vertrages aufmerksam mache,l, auf der Rumänien verpflichtet, keinem seiner Untertanen aus religiösen Gründen die Bürgerrechte zu nehmen. Die rumänische Regierung hat diesen Artikel in höchst schamloser und zynischer Weise verletzt. Warum hat England keine Schritte getan, um Rumänien an seine Pflicht zu erinnern?" In derselben Sitzung interpellierte Kapitän I e s s e l gleichfalls wegen des Artikels 44 des Berliner Vertrages. Lvrd C r a n b v r u e erwiderte, daß die Negierung Ihrer Majestät immer von neuem in Bukarest nach der Richtung hin vorstellig geworderw wäre, um eine loyale Interpretation des Artikels 44 des Berliner Vertrages zu erzielen, der den rumänischen Inden die Gleichberechtigung sichert. Lord Cranbvrne fügt hinzu daß das!''oroj^n OtTwu fortsahren würde, Schritte zu tun, um die strikte Durchführung des Artikels 44 zil erzielen. Hoffentlich wartet Rumänien nicht, bis eine europäische Koalition es zwingt, seine Pflicht zu tun. Ter Toleranzantrag des Zentrums ist im deutschen Reichstage in zlveiter Lesung angenommen ivorden. Die Disknssioir ivurde mit einer Rede des Abgeordneten Schräder (frei). Ver.) eingeleitet. Mit Recht hob der ptedner herbor, das; es znrneist den Bemühnugen der Linken zu daukeu ist, wemi durch den ersten Teil des Antrages die freie Religionsübuug für alle Religiousparteieu im Reiche gesichert tvird. Jur Einzelneu bemäugelte er freilich den Z-iisatz, daß die Veftimmuiigeu über das Vereins- und Versaiumluugsrecht aufreehterhalteu bleiben sollen; die bürgerlichen Gesetze ivürdeu viel sicherer beobachtet iverden, ivenn dieser Ziisatz tveggeblieben ivüre. (tzegensätzlichteiken liichl anskonnnen zu lassen. Sein Nllrchsolger arif dem Throne, der bisherige Prinz Georg, Herzog von Sachsen, siebt auch bereits im siebzigsten Lebensjahre rind eine Aeuderung deS RegiernngSshstems von Sachsen ist von ihm, tvie man allgemein annimmt, nicht zu erivarteu. Indische Handwerker. Eine klinfrage über die Verbrcik u n g de s H a u d!v c r k s u u t e r den B e r l i u e r I u - d e n, veranstaltet vom Verein selbständiger Handwerker jüdiscben GkanbenS, ergab folgendes Resnltat: Die Berliner jüdische Geincinde hat linker ihren stenerpftichtigen Mitgtiederil 1068 Haild-, inerter aufzutveiseu, zu denen noch ettva 600 keine Steller zahteude Handtverker und Keineiudeulitglieder tommen. Nahezu der vierte Teil der jüdischen Handtverker Berlins, uäillkich 262, sind Schneider, ihnen folgen 108 Werkmeister nnb Werks ich rer, SO Kürschner, 82 Buchdrucker und Schriftsetzer, 4!) Schlächter, 40 Baumeister, 30 Schuhmacher, 36 Zignrreumacher, 36 Elektrotechniker, 24 Tapezierer, 22 Goldacbeiter, je 21 Maler, Glaser und Uhrmacher, 10 Schlosser, 16 Schmiede, 16 Tischler, 8 Maurermeister, je 6 Bäcker und OJärhier lind 1 Gürtler. Von 160 jüdischen Handwerkern i halte» 66 bei Juden, 87 bei Ehriskeil gelernt, 61 ivaren illir bei Christen als Geselleil und Arbeiter tätig gewesen. Sie beschäftigen zur Zeit 22 jüdische und 80 christkiche Lehrlinge lind lieben 626 christlichen Geselleil beztv. Gehilfen mir 20 jüdische. Tie Jllden tu der Mandschurei. Wie rlissische ostasiatische Blätter melden, ist de» Inden der Aufenthalt in der Mandschurei verboten. Auf der Eiseiibahustaiou Maildschurin an der r us fischchinesischen (llrenze iverden jüdische Reisende häufig nugehalteil; die Weiterreise ivird ihnen nur gestattet, falls sie Auslandspässe besitzen. Ei» Recht sieht der russischen Negiernug hierfür iticht zu, denn zlmächst hat jedenfalls C h i n a allein darüber z» bestimmen, ob Indo» in der Mandschurei ivohilen dürfen oder nicht. Da inan, um ans Sibirien nach Wladiivostok zu reise», keinen Auslandspaß z>: haben braucht, diese Reise aber jetzt, seitdem die niandschilrische Eisenbahn auch Personen befördert, durch die Maildschnrei führt, so liegt hiel jedenfalls eine ivillkürliche Maßnahme vor. Rituelle Küche auf dem Schiffe. Unter ben verschiedenartigen Passagieren, welche am 11. Juni auf dem deutschen Schiffe rl'ssischen Gesellschaft die ivahreu Motive des Aufruhrs zu erklären. Daraufhin lvagte er es, in der „Rußki Viestuik" einen dkrtikel: „Die ivahreu Ursacheil der Jlldenvertreibuilg im Jahre 1871" mit voller Unterschrift zu veröffeilkkicheu. — Im Umgang mit den Krankeil Ivar der Verschiedene äußerst aufmerksam und herzensgut. Tie ersten Anzeichen seiner Krankheit erschieilen vor vielen Jahren; l uilgcachtet dessen belvahrte er Interesse für alle sozialen Angekegenj beiten, bis ihn fein Herzleiden zwang, feinen ärztlichen Beruf auf* 1zugeben. London. Die „größte Volksschule der Welt" ist wühl die jüdische Freisclnile in Bell Laue, Spikalsfields, einem der ärmsten Stadtteile des Londoner Ostends. Ihr bescheidener Anfang fällt! in das Jahr 1701. Nach und nach wurde sie vergrößert, die! Bau- und Erbalrungskosten ivnrden namentlich durch den verskorbe-; neu Sir Moses Montefiore und die Rothschilds bestritten. Zu i Anfang der Ncbtzigerjabre genossen dort etwa 600 Kinder Unterj ricbr. Als aber dann die Massencintvandening der russisch-polin-! scheu Inden begann, die die jüdische Bebölkonmg Whitechapels hinnen zehn Jahren verzehnfachte (von 6000 auf 60 000k, wurde; die Schule zu klein. Lord Rothschild legte sich inS Mittel und unter der Mithilfe einiger reicher Glaubensgenossen wurde die * gegenwärtige Sehnte erbaut, die 44 große Klassenränme für Kna-! ben und 27 Scknilzilinner für Nl'ädchen enthält. Osicht Iveniger als i 4000 Kinder erbalren dort unentgoltlich Unterricbr und die Uiitcri richtsrlsnttast' iiich so vorzüglich, daß die Schultöinmission in - ihrem offiziellen Berichte die jüdische Freischule als die beste aller! Londoner Schulen erklärt hat. j Ans London. Das von dem „Bund der jüdischen Olemeinden «Englands" eingcseizie Komitee zur Entvölkerung der « ü v e i. f ii f f t c n jüdi s cb e n Q u a r k i e r e> O st l o n d o u s « bar sich endgikrig konstituiert, Sir Samuel Montagu zum ersten,! Herrn Hermann Landau zum zlveireu Vorsitzenden gewählt. Für j die Zwecke des Komitees sind bereits 1360 Lstr. (27200 Mark); eingegangen. Die Fremden-Kommission setzt die Vernehmungen \ uon Sachverständigen fort. Besonders interessant ivaren die Bcundnngen des Kreisphhsitus Tr. Forster-Murvliy. Wie derselbe ist die Zahl der Fremden von 11,13 Perzent der Gesamtbevölkernng im Jahre 1801 ans 18,2 Perzent im Jahre 1001 gestiegen. Die Sterblichkeit ist während der letzten sechs Jahre um 1 pr. Mille zurückgegaugeu, die Zahl der Geburten von 30,3 auf 43,3 pr. Aiille gewachsen. Als „in hervorragendem Maße merk- Ivürdig" bezeichnete der Experte die geringe Kinder-Sterbkichkeit unter den Inden. Er sagte ivörtlich: „Wenn die Fremden-Eiuivanderung irgend einen Effekt gehabt haben sollte, so äußerte sie sich in der Abnahme der Todesfälle überhaupt und der der Kinder insbesondere. Ich selber bin über diese Erscheinung umsomehr überrascht, als ich gerade in den von den eingelvanderten Juden beivohnte», stark übervölkerten Bezirken eine weit höhere Slerblichkeitsziffer als im übrigen London zu finden erlvarlet habe. Die Sache beschäftigt mich fortivährend, allein ich tan» das Rätsel nicht präzis lösen. Die Jude» sind nüchtern und dem Alköholgeuusse abhold; ihre Frauen Verlvenden auf die Pflege ifnX't kleinen Kinder weit größere Sorgfalt als die Engländerinnen in gleicher sozialer Stellung. Llllein dies alles genügt noch nickst, um die lvunderbare Vitalität der eiagewanderte» Juden zu erklären. Selbst die Schwindsucht, dieser Würgeengel der Bevölkerung der großen Städte, vermag ihnen ivenig anzuhaben." Durch die Aussage dieses Sachverständige» ist die von den Antisemiten verbreitete Legende, als wäre» die „Fremden" die Träger von allerhand Krankheiten, gri'mdlichst zerstört. Auch die von einigen Zeugen behauptete Widerspenstigkeit der Fremden gegen die von den Behörden getroffenen sanitäre» Rcaßnahmen ivurde von dem Kreisphhsitus bestritten: „Die Fremden getvöhneu sich bald au die in England herrschende Ordnung, lernen sich den Gesetzen fügen und geben iveniger als die eingeborene Bevölkerung zu Klagen Anlaß." Ans Spdnep in Australien ivird ein Vorfall berichtet, der ein charakteristisches Streiflicht auf die Rabbiner des fernen Weltteiles wirft. Dort hänfen sich die Mischehen zivischeu Juden und Nichkjudeu. Im Monate Februar fanden deren gleich vier hintereinander statt. Der ziveite Rabbiner der Kongregation, Rev. I. H. Landau, sah sich nun veranlaßt, in seiner Predigt ans die Gefahren aufmerksam zu machen, ivelche den Jude» aus den Mischehen drohen: Es ivürde der jüdische Stamm bald von den anderen Rassen verschlnngeu sein. Der Overrabbiner iltev. A. B. Davis fand das Vorgehen seines Kollegen übertrieben, indem ja auf zehn jüdische Ehen nur (!) eine Mischehe entfalle! Und der Grund dieser Kouzilianz? Eine der letzten Mischehen ging die Tochter eines der hervorragendsten Gemeiudemitglieder ein und der Training in der unitarischeu Kirche ivohiite der gesamte jüdische Gemeinde- Vorstand bei. Da ist es natürlich, daß der „Rabbi" die Mischehen nicht zu berdaiiimeu sich berufen fühlt! I (Der Fall könnte sich ganz gut auch in Wien ereignet haben. Amu. d. Red.) Ans Konstantinopel. Porige Wvche fand hier die Hochzeit Sr. Erc. Meuasse Effeudis mit Frl. Nnile Davond, der Tochter

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