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Jüdisches Volksblatt · 1902-07-11 · 28 (11.7.1902) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
28 (11.7.1902)
Date
1902-07-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seih' 2 11.Juli ll"L! Wien, Prpirru; Tic (rrfafirnmi hat utmt aber cn'Ummcn können, das; die jubenheßerischen Parteien beim boeh nicht imitande sind, überall ibren Willen dnrch;nse!zen, und das; es Schranken ßiht, die sie nicht bnrchznbreche» vermäßen, Tie heilsame Delire, die bav .yServenhaii* den Agrariern mtb Antisemiten des Abgeordnetenbansec' erteilt bat, fällte aber ein Fingerzeig sein, wie e* angnüellen üt, unseren Feinben in tvirksamer Weise entgegengitrelen. Alan mus; nur den archimedischen Punkt suchen, bat man ibn dann gesmrden, so wird cs nicht schwersallen, den Hebel anzusetzen, der das Gefüge der gegnerischen Parteien ins Schlvanken bringt. Freilich gehört hiezu guter Wille, unenttvegte Beharrlichkeit und Ausdauer, die jedoch, wir konstatieren dies mit lebhaftem Bedauern, bei den zur Wahrung der Interessen des Iudentwus berufenen Persönlichkeiten iricht an zur treffen sind. Me Kan» dem jndislhen Kleingewerbk geholfen inerden? Bon Oberbuchhalter E. Pollak. II. Das; stramme Einigkeit niefit gerade 311 den Haupteigenschaften der Juden gehört, ist unbestreitbar. Dagegen aber besitzt er in erhöhtem Mage die Eigenschaft, zu beurteilen, IvaS ihm nützlich und was schädlich ist, und das hilft ihm über so manches Hebel hinweg. Seine Tüchtigkeit im Geschäfte, seine Mäßigkeit und sein sonstiger Lebenswandel sind selbst boiu Feinde anerkannte Tatsachen und darum muß keinesfalls die Flinte ins Korn gelvorfcn ivcrden. Von dem Standpunkte ausgehend, ja durchdrungen von der Ansicht, daß die Gcnosseitschast das wirksamste Mittel ist, dem jüdischen Kleingewerbe zu helfen, soll hiermit dennoch vor Ucberstürzungeu gewarnt werden. Mag cs sich um welche Form immer handeln, muß von oben herab begonnen werden, das heißt: Es müssen die richtigen Männer, welche an der Spitze des Unternehmens zu stehen haben werden, vorerst gesunden sein, ehe an die Gründung der Genossenschaft selbst geschritten wird. Nur zu oft schon hat sich die Außerachtlassung dieser Maßregel bitter gerächt, indem Vorstand oder Aufsichtsrat, wenn nicht gar beide erst im letzten Momente vor der konstituierenden Generalversammlung mit einer Hast ergänzt wurden, die sich dann als nachteilig genug für das Unternehmen erwiesen hat. Es genügt eben keinesfalls, wenn z. 23. zur Leitung einer Produktivgcnossenschast ma° tüchtige und ehrliche Männer aus dem Gewerbestande allein, hcrangezogen tverdcn. Es genügt nicht, wenn es die Tüchtigsten und Strebsamsten wären, weil eben der Kleingewerbetreibende nur in seltenen Fällen ausreichende kaufmännische Bildung und noch seltener jene Routine hat, die unerläßlich ist, um ein halbwegs größeres Unternehmen mit Erfolg leiten zu können. Hierzu gehört der kommerziell tüchtig herangebildcte und erfahrene, in der harten Schule des kaufmännischen Wirkens gestählte Kaufmann, möge er nun seinen eigenen Wirkungskreis haben oder sich die nötige Routine durch längere Praxis in großen Geschäften zu erwerben, in der Lage gewesen sein. Also, für den technischen Teil tüchtige Fachleute aus dem Gewerbestande, für den geschäftlicheu Teil der kommerziell gebildete Kaufmann, dabei größte Ordnung, ja, pünktlichste Genauigkeit in den Büchern, endlich strammes Zusammenwirken aller Mitglieder und der Erfolg kann nicht ausbleiben. Bei etwaiger Gründung einer Genossenschaft jüdischer Kleingewerbetreibender wird zumindest das Vorangeführte zu beachten sein. Es frägt iich nun, welche von den verschiedenen Genossenschaftsformen vorerst zur Anwendung kommen soll und dabei wären für unsere Zwecke in Betracht zu ziehen: Kreditgenossenschaft, Rohstoffverein, Produktivbeziehungsweise Verkaufsgcnossenschaft und endlich Konsumverein. Im ersten Teile dieses Artikels wurde darauf hingewiesen, daß die bestehenden Betriebe jüdischer Kleingewerbetreibender nnbedingt zu erhalteu und zu kräfrigen sind. Das ist nun Aufgabe der Kreditgenossenschaft. Aus diesem Grunde wurde auch bereits im vorigen Jahre eine Wicklung — Fabrikärbeit, sitzende Lebensweise usw.) der Culturmensch in seinen Functionen leistungsfähiger geworden ist als der Vertreter der niedrigen Gesirtuugsstufe — die Meinung Lubbocks, dass der letztere viel weniger von Krankheiten befallen sei als Ivir, hat sich längst als ein sentimentaler Traum herausgestellt; höchstens können ivir die unheimliche Anlage zur Nervosität mit all ihren erschreckenden Konsequenzen für uns in Anspruch nehmen. Aber von diesen ganz allgemeinen Voraussetzungen abgesehen, ist jedenfalls innerhalb ein- und desselben anthropologischen Areals eine geivisse durch socialpolitische Tendenzen außerdem beeinflusste Isolierung der oberen, durch bessere Lcbensverhältnisse ausgezeichneten Stände für die Erhaltung einer kräftigen Nachkommenschaft nur äußerst günstig. Diejenigen Völker, schreibt unser Geivährsmann, in denen der Trieb zur Kastenabsonderung am stärksten war, haben sich am längsten gehalten und die höchsten, dauerhaftesten Culturen erzeugt. Kerne Rasse har solche drakonischen Znchtmaßregeln bei sich durchgesuhrt, tv i e die i u d i s ch e und j ii d i s ch e, und keine hat tvie dre,e beiden dem Zahn der Zeit ividerstanden. Bei den alte,: Juden stand Todesstrafe auf der Geschlechtsverbindung mit einem anderen Volw, und die Früchte solcher Verbindung ivurden umgebracht; bei den Indern wurde ein Individuum, das sich eines solchen Vergehens schuldig inachte, aus den herrschenden Kasten aiisgcstoßen riud die Früchte der Verbindung den Sudra und Tschandala zugeivieseu Die Inder waren in solchem Grade auf die Reiniind Gesunderhaltiing ihrer Rasse bedachr. dass sie auch die krankhaften, mit einem Gebrechen behafteten Individuen ans den höheren Elassen ausschlossen, selbst lvenn die Spinprome sich erst in vorgerücktem Alter zeigten. Die heilsameii Wirkungen dieser Grausamkeit sind in der Eultur des indischeii Volkes >vie in keiner zweiten anderen offenbar geworden; denn kein anderes hat sich zu solcher Höhe und Feinheit des Denkens und Empfindens heraufzuzüchteu vermocht lS. lOH) Von hervorragender Wichtigkeit ist für alle diese Verhältnisse die Stellung und sociale Bedeutung der Frau, die mich in diesem Sinne als Hüterin reiner Rasse und conservativer Weltanschauung gelten kann. Für die Entwicklung des gewaltigen Römerreiches ist die ehrwürdige Gestalt der Matrone ebenso bedeutungsvoll tvie für die politische; Zuchtlosigkeit und Anarchie GAecheulauds, die ztvar ■l'iiiisem'-' Vnlksbim* solche unter dein bitel: „Kredit Institut für jüdische Kleingetverbetreibende und Beamte" gegründet, ivelcbe mit Rücksicht auf die vorbandenen Büttel ihren Zweck voll »nd ganz erfüllt. Das gnt geleitete Institut hat im ersten Jahre seines Bestehens keinerlei der sogenannten Kinderkrantheiten zu überstellen gehabt; dessen Aufjiclüsrat tvar vielmehr in der angenehmen Lage, der Generalversammlung milteilen zu können, daß nicht nur die Geschäftsgebarung eine volllonnnen korrekte ist, sondern daß auch nicht der geringste Verlust ans den beivilligten Darlehen zu verzeichnen sei. Ist es auch dieser Genossenscliast im ersten Jahre nicht möglich geivorden, den . Anteilschein zu verzinsen — was übrigens nicht die Hauptsache bei diesem Unternehmen'ist — so konnte daS Institut doch seinen Mitgliedern die angesuchten Darlehen gegen mäßige Zinsen und Beimllignng kleiner Rückzahlungen in den ineisten Fällen geivähren, und derart die wirtschaftliche Lage der betreffenden Genossenschafter — zumeist Kleingewerbetreibender — verbessern helfen. Daß diese Genossenschast ein dringendes Bedürfnis tvar, und daß deren Wirken auch Anerkennung findet, beiveist die nngeivöhnliche Zunahme der Mitglieder aus dem Kleingeiverbestande, sowie auch auS Kreisen, die durchaus keinen Anspruch auf Kredit zu erheben beabsichtigen. llnbedingt tvar es also der richtigste Gedanke, inbezug auf die Hebung deS Genossenschaftssinnes unter den jüdischen Kleingetverbetreiden mit der Kreditgenossenschaft zu beginnen, denn es ivird immerhin einige Zeit dauern, bis der Jude den ihm angeborenen Drang nach individueller Freiheit im Entschlüsse tvird so iveit Zurückdrängen lernen, als nötig ist, um in einer Genossenschaft offen und ehrlich, dabei ohne jeden Hintergedanken für sein eigenes Interesse, mittvirken zu können. — Was durch die Macht der Verhältnisse sich durch Jahrhunderte herausgebildet hat, läßt sich eben durch 'Worte allein so rasch nicht ändern. Hier kann nur nach und nach Wandel geschaffen ivcrden; nur eigene lleberzeugung kann gctvissermaßen erziehlich im günstigen Sinne eintvirlen. Der Jude muß erst in die Genossenschaftsfvrm hineintvachsen. Der Anfang dazu tväre mit der Kreditgenossenschaft „Kredit-Institut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte" gemacht. Diesem gehören heute schon unter anderem ettva 1äO jüdische Kleingewerbetreibende als Genossenschafter an, und dürfte daher die Ansicht, daß dieses Institut, wenn nur erst deren eigene Position l Reserve-, Spezialreserve und Sicherßellungsfonds) genügend gefestigt sein ivird, berufen dazu ist, ettva sich noch bildenden Genossenschaften als Stützpunkt zu dienen, kaum als eine unrichtige zu bezeichnen sein. Es wäre mithin derzeit an die Gründung irgend einer Prodnktivgenossenschast in größerem Stile nicht zu denken. Weit richriger tväre vielmehr die Bildung eines Rohstoff- Vereines, weil dabei die individuelle Freiheit des einzelnen immer noch gewahrt bleibr, während er die 'Vorteile der Genossenschaft darin kennen lernt, daß es ihm möglich geworden ist, billiger und dabei besser einzukaufen. Angenommen nun, cs bilde sich vorerst ei» Rohstoff-Verein für jüdische Schuhmacher, so könnte dieser seinen Mitgliedern immerhin Vorteile bieten, auch dann schon, tvenn er in so bescheidenem Maßstabe beginnen sollte, daß in beschränktem Lokale und nur zu gctvissen Abcndstuudeu die Warenabgabe an die Mitglieder stattsinden könnte. Aehnlich verhält es sich mit anderen solchen Genossenschaften. Die Hauptsache bleibr aber immer, daß eine derartige Vereinigung, im Anfänge lvenigstens, unter gar keiner Bedingung ein Borgsystem einführt. Der Wirkungskreis einer derartigen Genossenschaft kann nur darin liegen, sich durch Bareinkäufe größerer Ouantitäten, als es dem einzelnen möglich ist, verhältnismäßig billige Preise zu verschaffen und, nach genossenschaftlichen Grundsätzen, ihren Mitgliedern auch bei der kleinsten Abnahme gleichfalls die billigsten Preise anzurechnen. Das ist aber nur möglich, wenn nicht anders als gegen bares Geld verkauft wird. Natürlich muß auch da die Leitung eine tüchtige und verständnisvolle, und hauptsächlich die Buchführung, die ja bei Kassagcbarung eine leichter zu bewältigende sein Ivird, in festen Händen sein. Tie Buchhaltung ist eben die Seele des Geschäftes; wo die Bücher nicht in vollkommenster Ordnung geführt werden, da ist an ein Bestehen der Genossenschaft nicht zu denken. Unserem Zwecke förderlich wäre gleichfalls die Grundlage einer sogenannten Magazins- oder Verknufsgenossenschaft. Dieser tonnten sich sowohl die Mitglieder des Rohstoff-VereineS, als auch sonstige jüdische Kleingewerbetreibende anschließen, öfter ästhetisch feingebildete, aber sichrlich mit einem schweren Makel behaftete Hetäre, tvie sie selbst ein Perikles zum vollen Lebensgenüsse nicht entbehre» mochte. Es ist deshalb wohl eine beachtenswerte Thatsache, woraus Driesmans aufmerksam macht, dass gerade dasjenige Volk, das anerkanntermaßen die stärkste Inzucht betreibt, das englische nämlich, das weibliche Geschecht besonders rücksichtsvoll und zuvorkommend behandelt. Das patriarchalische Verhältnis in der jüdischen Familie, die unbedingte Pietät, welche die Kinder den Eltern entgegenbringe», hat ihr Gegenstück in der englischen, welche mehr die Form eines matriarchalischen Verhältnisses angenommen hat. Im englischen öffentlichen Leben ist unbedingt der Mann, im englischen Hause ebenso unbedingt die Frau der ausschlaggebende Factor. Der im übrigen nicht gerade rücksichtsvolle und höfliche Engländer bringt der letzteren eine 'Rücksichtnahme und Verehrung entgegen, die nur noch im Lande der Galanterie, in Frankreich, ihresgleichen findet. Allein während diese Verehrung dort nur den vergänglichen körperlichen Reizen deS Weibes, der Geliebten und Buhlerin gilt, ist sie in England aufrichtig gemeint: sie richtet sich cm das Weib als Mutter, an die Stammhalterin des Geschlechts. Die englische Familie trägt den ausgeprägten Charakter des Matriarchats; die Tochter gehorcht unbedingt dem 'Willen der Mutter, und der Man», der sich ihr Gatte nennt, muss sich eben diesem 'Witten fügen, wenn er mit seiner Frau in Frieden leben will. Das altteftameutliche Wort, dass das Weib Vater und Mutter verlassen und dem Manne anhangeu solle, hat nirgends so iveuig Bedeutung erlangt, wie in England, denn dort stand ihm das althergebrachte Familienrecht entgegen. Ein Weib, das mit seiner Familie bricht, wird in England von der gnteli Gesellschaft geächtet, und der Mann, über den ein 'Weib das Juterdict ausgesprochen hat, findet alle Thüreu verschlossen. In solchem Grade wird das englische Leben von dem Weib als Gattin und Mutter beherrschr. Lord Byron, dem dies matriarchalische Pietätsverhältnis fremd und unverständlich war, hat ein solches weibliches Juterdict schtver zu fühlen bekommen; von dem Tage an, da ihn die Anna Isabella Milhank in den Bann that, war dieser bis dahin vergötterte Dichter in England ein toter Mann. „Tag." Nr. 2S und dürfte, bei richtiger Leitung, auch hier der Erfolg kaum ausbleiben. Selbstverständlich wäre die Verkanfsgenossenschnft von der Rohsloffgenossenschaft ganz unabhängig, umsomehr, als ja jede dieser Genossenscliaftc» einen anderen Zweck verfolgt. Durch Beteiligung bei einer Rohstoffgenossenschafl, also durch billigeren Einkauf des Rohmaterials kann man sich allerdings seinen Artikel auch billiger Herstellen; der eigentliche Nutzen Ivird aber doch erst dnrcli den Verkauf erzielt. Und gerade da endigt der ganze Konkurrenzkampf der Großerzeugung. Während sich bei dem Großerzeuger die Schädlichkeit einer Ueberproduktion gewöhnlich erst dann zeigt, lvenn er eine lange Reihe von Jahren gearbeitet hat und es wohl inzwischen zu Reichtum gebracht hat, tritt dieser Moment bei so manchem Kleingelverbetreibenden schon dann ein, wenn er etwa die ersten Dutzende seines erzeugten Artikels auf Lager hat. Auch mit Rücksicht auf zu geringe Auslvahl stockt oft der Absatz — die Ueberproduktion in ihrer armseligsten Form ist da, aber ihre Nachteile sind wahrlich oft nicht minder fühlbar als bei manchem Großerzenger. Um nun flotteren Absatz erzielen zu können, dazu gehört henke wohl mehr, als so mancher Kleingewerbetreibende für sich allein zu leisten imstande ist, und deshalb ist er unbedingt auf Assoziation angelviesen. Für den Verkauf sind häufig auch Lokalverhältnisse maßgebend. Wohl wird der Handiverker, Ivckcher ausschließlich für Privatkuuden arbeitet, etwas Ivcniger an den Ort gebunden sein; es dürfte ihm, auch derzeit noch, iveniger Ivichtig sein, daß er modern gearbeitete Gegenstände seiner Erzeugung ins Schaufenster legt, oder aber, daß er überhaupt auch nur irgend welches Lager hält. — Aber, jeder einzelne dieser Kategorien weiß es, wie unsicher er heute auf die Privatkundschaft rechnen kann, jeder einzelne unter ihnen iveiß davon zu erzählen, wie viele seiner Privatkunden schon, durch anscheinend scböne Ware und niedrig gestellte Preise in irgend einem Anslagefenster angelockt, ihm untreu geworden sind, und darum stellt heute auch der armseligste Schuhmacher einige Paar Schuhe in das Fenster seiner ebenerdigen Wohnung, bezichungs- Iveise Wertstätte, der schwach situierte Schneider macht es so mit einigen abgeblaßten Modebildcrn, als ob es ihnen beiden darum zu tun wäre, den Kontrast gegen das Schaufenster des Großerzcngers :u>h mehr zu verschärfen. In dieser Richtung kann also eine Verkaufsgenossenschaft schon viel Helten, sei es eine solche für eine Branche allein, z B. „'Verlaiissgenosscnschaft jüdischer Schneider", oder „Schuhmacher" usw., oder aber eine für mehrere Branchen zusammen, z. B. „Verkaufsgenossenscliaft jüdischer Handwerker für Herrenkonfektion", welcher 'ich dann Herrenschneider, Schuhmacher, Wäscheerzeuger, Hand'chichmacher usw. anschließen könnten. Einer solchen Verkai ssgeno! enstbast :vinc es zweifellos leichter möglich, auf frequentem Posten Rn geeignetes Lokal zu mieten, etwa gar eine vermanenie. Aussiellnug ohne jeden Kaufzwang, zu etablieren und hier Erzeng- »is'e ibrer M::cueder entweder mit oder ohne Angabe der Adresse des Erzeugers zum Verkaufe zu bringen. Auch str dieser 'Richtung bleibt unnier noch die individuelle Freiheit des einzelnen in gewisiem Sinne gelnahrt, aber es wird sich nicht bestreiten lasten, daß besonders im Falle des Gelingens, wofür Oie Gahrscheinl'chkeit nahe liegt, der G e n 0 s s e n s ch n f t s s i n u s i ch e n t s ch i e - d e n h e b e n in n ß. Glaube nur ja niemand, daß eine solche Vertanfsstell», nicht reüssieren könne, weil sie eine ausschließlich „jüdische" ist. Jüdischer, als die Verkarisslokale der jüdischen Trödler in der Judengasse sind, würde die Verlanfsstelle jüdischer Genossenschaften auch nicht sein, aber cs ist lange noch nicht erwiesen, daß die genannten Trödler nicht doch auch ihre Waren an Käufer ohne Unterschied der Konfession und Nationalität absetzen würden. Was also hier möglich ist, kann bei einer moderner geleiteten und wohl auch solidere Ware führenden jüdischen Genossenschaft gewiß weit eher möglich sein. — Es dürfte wahrlich in Bezug ans die konfessionellen Merkmale wenig Unterschied darin zu finden sein, ob auf einer Firmatafel Samt Kohn, oder IaeqneS Mandelbamn, oder aber „Verkanfsgenossenschafi jüdischer Handwerker" steht, und daß diese Firmen: Rothbergcr, Mandl usw. jüdische Firmen find, weiß gleichwohl jedes Kind in Wien. Dennoch stehen diese und Hunderte andere jüdische Namen führende Wiener Firmen achtunggebietend in der Geschäftswelt da, während es erst abznwarten sein Ivird, ob die Finna resp. Namen ändernden PineleS, Iaiteles nsw. ihre neuen eigenen Firmen mit solchem Erfolge in ein neues Jahrhundert zu leiten verstehen Ivcrden, wie es ihre Väter verstanden haben. Es ist übrigens jederzeit zlveifelloS nachziiweisen, daß einer unserer enragiertesten Antisemitenführer seine feilhabenden, gnt passenden Herrenhemden, Krügen und Manschette» bei Inden kauft. Allerdings müßten die Verkäufer, seien es nun Angestellte der Genossenschaft oder Geiivssenschastsmitglieder selbst, auch richtig gewählt werde»; es müßten unbedingt Personen sein, die es gelernt haben und verstehen, in anständiger, moderner Weise Knuden zu bedienen, und die ganz besonders darauf Wert zu legen hätten, die Knndschaft bestens zu befriedigen, keinesfalls ihr aber ans Bequemlichkeit oder Nachlässigkeit etlvas wider Willen anfzndrängen. (Fortsetzung folgt.) Ehristliche Nächstenliebe. Vorige Woche hat in M a u e r - O e h l i n g die Ein- Iveihnng resp. Schliißsteinlegnng der vom Kronlande A'iederösterreich errichteten Landesirrennnstalt für Geisteskranke und Sieche stattgefunde». Seine Majestät der Kaiser, der erst jüngst der Schliißsteinlegimg und Einweihung des von der 'Wiener Kominnne erbauten Knifer Franz Ioses-Inbiläiims-Kinderspitales anlvohnte, unterzog sich auch der Mühe, die tlieise in die Sommerfrische unterbrechend, den feierlichen Akt in Maner-Oehling mit seiner Anwesenheit z» beehren. i'lnf die Ansprache des LandmarschallS Freiherr» von GndenuS, in welcher derselbe ans die Entstehung der neuen Landesirrenanslalt als eine Schöpfung anläßlich des 2iegiernngs-Iubilänms bjnwies, erwiderte Seine Bkajestäl der Kaiser: „Es erfüllt Mich mst aufrichtiger Freude, die Schliißsteintegnng der Landesirrenanstalt für Geisteskranke und Sieche vollziehen zu können, einer Z'lnstalt, welche in ihrer großartigen, praktischen Anlage eine musterhafte, hervorragende Schöpfung patriotische» Bürgersinnes geworden ist. Die Landesvertretnng Meines Erzherzogtnines Oesterreich unter der Enns hat, Mich zu ehren, dieses Werk ch r i stl i ch e r Nächstenliebe ins Leben gerufen und Ich spreche ihr, sowie

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