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Jüdisches Volksblatt · 1902-06-27 · 26 (27.6.1902) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
26 (27.6.1902)
Date
1902-06-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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8eite 4 Wien, Freitag % ' t '•> ' .'A' ' , * ) *.*' A: ‘ t i 1 h Hcrfalifcnv den ^trafmmaii und lu’tonte, dos; Potscher eine Nolle als „Politiker" spielen wollte, jedoch klüglich dnrchsiel. Dr, Ill'engröscbt beantragte die Freijotechung seine-.'- Klienten, der nur das zur Anzeige gebracht babe, tvas er gehört batte. Der Richter vcrnr teilte den Angeklagten zn einet* Geldstrafe von fünfzig Kronen, eventuell zn fünf Dagen Arrest. Eine neue Lösung der Jndenfrage. welche Absurditäten die Judenfrage gebiert, bciveist ein Artikel de-.- angesehenen Dvekta tor", der nach ganz vernünftigen Prämissen zinn Schlüsse fotnmt, die Inden sollten trach Persien atistvandern. Huiminitiircr Verein „Kitnonc" in Karlsbad. ES verdient hervorgeboben zn iverden.daß in dem von AntiseinitiSntns mehr oder minder verseuchten Welttnrorte Karlsbad unter dem türmen „Kanone" eirr humanitärer Perein besteht, lvelcher eS sieh statntengemäß zur Aufgabe gemacht hat, Arme und Bedürftige ohne Unterschied der A'ationalität und Aoufefsion nach Maßgabe der vorhandenen Mittel materiell zn nnterstünen. Dieser Perein verdient die eifrigste Förderung aller derjenigen, denen daS Wohl von Karlsbad anfrielitig ant Derzeit liegt, Iveil durch denselben ein Beispiel gegebett erscheint für ein friedliches Pertragen aller Mott' fcssionen ttnd Aatioitalitäten der Betvohner eines internationalen Kurortes. Der verdienstvolle und rührige Dbmann Herr Josef Peithner veranstalte^ zugunsten des Bereines am 2t>. Juli ds. I. im Eafe-Park „cebönbrnnn" ein Wohltätigkeitsfest, verbunden mit einer Tombola für iveleheS sieh schon derzeit in iveiteren Kreiselt der hiesigen Bevölkerung daS lebhafteste Interesse rege macht. Aus dem Grmeindelcbeu in Klosterneuburg. Bei der iit Klosterneuburg srattgefnndenen Wahl deS.MnItnSanSschttsseS Ivttrde der hierorts allgentein beliebte Herr Dominik Weinberger, Weingroßhändler, Hatisbesibcr und Bezirksschulrats-Mitglied nsiv. ttsiv. einstimmig znut Kultusvorsteher gewählt. Der Genannte bekleidet dieses Ebrettamt ununterbrochen durch 11 Jahre, lvähreitd lvelcher Zeit er fünfmal einstimmig hierzu gewählt ivttrde tntd hat der KultnsanSschns; am!>. ds. anläßlich der Wiedertvahl durch einstimmigen Beschluß zu Protokoll geben lassen, daß dem Herrn Weinberger für sein langjähriges, inühevolleS, uneigennütziges Wirken Dank, Anerkennung und Pertcanen ansgesproehett werde. Der Genanitte ist ein großer Wohlthäter der Armen mtd haben wir KultttSgemeindc-Mitglieder ihm zn verdanken, daß er mit Außerachtlassung aller persönlichen tntd materiellen Interessen durch Persebötternitg des Gotteshauses, ivic: Elektrische Beleuchtung, modernett Gesang mit Chor tntd .Hebung deS Religionsllnterrichtes dazu beigetragcn hat, daß der Dempelbesueh eilt reger ist. Wenn tnatt bedettkt, daß die Kätlttisgemeinde Tttlln mit den GerichtSbezirken Klosterneuburg, Kirchberg a. W. und Atzenbrngg eine der ärmsten Knltusgemeinden ist, so glaube ich, daß sich so manche der reicheren Gemeinden att Herrn Weittberger ein Beispiel nehmen konnte. Anstalt zur Heranbildung isr. Krankenpfleger in Prestbnrg. Diese aus Anlaß des Hinscheidens unserer glorreichen Königin gegrüttdete humanitäre Anstalt hielt nutet dem Vorsitze des Primar-Arztcs Dr. Jakob Fischer vor einigen Tagen ihre ztveite Jahresversammlung ab. Aus dem vorgelcsenett Berichte sei erwähnt, daß die Thätigkeit der Anstalt sich im verflossenen Jahre hauptsächlich auf die theoretische tntd praktische Ausbildung der aufgenommenen Krankenpflegerinnen beschränkte. Den Unterricht erteilten außer dem Vorsitzenden die Herren Dr. Samuel Fischer, Dr. Karl Glaser, Dr. David Hecht und Herr Oberlehrer Bernhard Spitzer. Die paktische Ausbildung erhielten die Pflegerinnen mit liebensivürdiger Genehmigung des Herrn Direktors ^anitätsrakes Dr. Josef Pantocsek zumeist im hiesigen Staakskrankcnhause. Nachdem die Pflegerinnen Regina Faust tntd Charlotte Engel die Prüfungen mit vorzüglichem Erfolge absolviert haben, ivurden sie zur Privatpflege zugelassen tntd sichen dieselben armen Kranken ohne Unterschied der Konfession unentgeltlich, wohlhabenderen gegen eine entsprechende Entlohnung jederzeit zur Verfügung. Der Bericht wurde wohlwollend zur Kenntnis genommen mtd obbenanntett Herren Aerzten und Lehrern, so auch den Prüfttttgscommissären Komitats-Hott.-Oberphysikus Dr. Leopold Stein und Herrn Dr. Josef Lvwy der Dank votiert. Es erfolgte hierauf der Bericht des Kassiers Herrn David Naß. Aus demselben sei hervorgehaben, daß der Vertnögeitsskand der Anstalt mit Abschluß der Rechnungen bei 16 Ostl» Kronen ansmachk, daß über 1000 Kronen jährlich Mitgliedsbeiträge ztt verzeichnen und daß im abgelmtfenen Jahre bei 1Övv Kronen spenden eingelanfen sittd. Der Bericht, so auch die Rechnungslegung ivurden genehmigend zur Kenntnis genommen» nachdem im Namen der Revisoren Herr L. Wiener die pünktliche Kassagebarung bezeugte. Nachdem die statutengemäß ausgetosten Mitglieder deS DirektionsrateS so auch die Revisoren einstimmig wiedergeivählt worden, ivttrde die Jahresversammlung geschlossen. „Es freut nits," schreibt die „Preßburger Zeitung", „das Gedeihett dieser Anstalt zu konstatieren, welche nicht ttur dazu'geschaffen ist, unseren israelitische,t Mitbürgern einen neuen ttnd edlen Lebensberuf zu erschließen, sondern atich infolge ihrer überatts löblichett humanen Tendenz auch sich dem Gemeininteresse nutzbar eriveist." Tic Mnnkaescr Rabbinerfrage. Beint Miniskerpräsidentett Koloman Szell und beim Untcrrichtsminister Julius WlafsicS sprach heute eine Munkacser Deputation unter der Führung des Advokaten Dr. Albert Gergely vor. Die Deptitatioit erhob die Beschwerde, daß an der Spitze der Munkacser israelitischen Gemeinde, welche mehr als 7000 Seelen zählt, ein der ungarischen Sprache nicht mächtiger Rabbiner namens Chajem Luzer Spira steht. Da Spira den Fortschritt und die Magharisierung (!) der israelitischen Gemeinde hemme, richtete die Deputation an die Minister die Bitte, Spira die Ausübung des Rabbineramtes zn verbieten. (!) Die Minister etnpfingen die Deptitatioit sehr frettndlich und versprachen, ihre Bestrebungen zu unterstützen, Zu solchen traurigen Auswüchsen führt die blindivütige Assimilnkionsstieht der Neologen. Aus Troppau. Im großen tntd ganzctt^bietet Troppau das Bild aller Städte gleicher Größe in den ^ndetenländern, nur dass hier, ivo die denksehttationale Belvegtntg so früh ttnd kräftig einsetzte, die Lage geklärter tntd das ruhige Fahrlvasser eittes beendeten Kampfes vorgeschritten ist. Das konnte man bei den jüngst stattgefundenen Gemeinderatslvalen sehen, bei denen die vereinigten Deutschttationalen mir den sogenannten Fortschrittlichen ein Compromiß schlossen, lvobei selbstverständlich von einer jüdischen Kandidatur keine Rede sein konnte. Einige tntverbesserliche Tchlvärnter, luie z. B. Dr. Eisler, Spitzer nstv. halten zwar nach lute vor die Fahne des Fortschrittes und des freisinnigen Dentschtttms hoch, die jüngeren Kreise stehen aber schon diesen Fragen ganz kühl gegenüber, umso mehr, als sie unter dem klugen Regime Dr. Rochowanskts-.bei eitvatgen Anforderungen an Bürgermeisteramt und Gemeinderat eher besser fahren, als unter den ängstlichen Indenliberalen Hauser und Konsorten. Int übrigett ist die hiesige arische Bevölkerung ztt intelligent, um jede Dummheit der Führer in Wien gntznheißen, mtd so Hai auch der Kampf zwischen Schönerer und Wolf eine große Ablühtmig gebracht. Die „DD'nt sehe Wehr" hat sich von Schönerer losgesagt, ohne aber auch Wolf ztt berteidige»; ihr Redakteur Schimana, der berüchtigte Rdmtbrnder, ist entlassen ttnd vorläufig der L he rer Pratsehter der wenn auch nicht oftene. geistige Leiter. In diversen Vereinen, luie Turnverein- Frohsinn, Nordmark, wird dem Antisemitismus etwas -strammer gehuldigt, die gesellschaftliche Scheidtmg zivischen Inden und Nichtjuden ist eine so ziemlich v o l l st ä n d i g e, dabei herrschen aber allenthalben urbane Verkchrsformen, so daß man nirgends von einer Anremvelung etioas hört. Ein attderes Zeichen: Unter dem Aufrufe für die liberale Prager Lese- und Redehalle konnte man den Namen des Los von Rom gclvordencn Dr. Kromer lesen, während Dr. Mohilla nicht mehr für dett Gemeinderat kandidierte. Andererseits haben sieb die sogenanttten besseren Juden in der B'nei Berith-Loge einen tvenigsteiiS jüdischen Sammelpunkt geschaffen, wo sie unter anderem die galizisehe Hilfsaction nach Kräften fördern. In der Ktttttisgeiiteinde regieren ivohl noch die alten Größen, doeb ist schon eilte ganz erkleckliche Opposition vorhanden infolge der hohen Etilknsskenern, die trotzdem nicht ansreichen, das Budget zu decken. Der Tempelbau hakte große Schulden im Gefolge und die Er Haftung der Schule verschlingt große Opfer, ohne zn leisten, tvas sie soll. Die jüdischen Lehrer selbst tvi'mschen die Atiflöstntg derselben ivegen ihrer wirklich elenden Besoldung. Die Fahl der Schüler niinnt^ab, da viele ihre Kinder lieber in die besser geleiteten allgcnteinen schulen schicken, tvo diese übrigetts nicht so sehr Hott einem ganz unsinnig betriebenen Unterrichte in Religion und Hebräisch geplagt iverden, der ivegen der schlechten Methode, gar keine Resultate zeitigt, eher noch die Eltern gegen das Hebräischlernen erbittert. Eine andere Frage dürfte demnächst biel Staub in der hiesigen Jndenschaft answirbeln, das ist die des Rabbiners. Dr. B. pst ein 70jähriger Greis. Man hakte ihm schon vor einigen Jahren den Religionsunterricht an den Mittelsehnle» abgeitommen und dem Oberlehrer Blatt übertragen, der aber auch nicht dieser Aufgabe gewachsen ist. So schrieb denn die Gemeinde die Stelle eines „Religionslehrers für die Mittelschulen" ans, der den Rabbiner eventuell auch in seinen Finttttonen vertreten soll. Wie ich hörte, sind schon 14 Gesuche von Rabbinern ttnd Rabbinakskandidatcn mit diversen Einpfehlnugeit von verschiedenen Seiten eingelanfen ttnd tvird esalso nicht ohne lebhaften Kampf abgehe». Der Getvählte ist dabei für später als Nachfolger des immer kränk- .-.i o» . . , ~ Mittclptintt des jüdiliehen Dr. B. in Aussicht genoitmten. . .... scheu Vereinslebens ist der' j ü d i s el, - l i i e r a r i s eh e V e r e i n, der für den nächsten Winter ein größeres Vereinsheim einzurtchten OAenkt., Eiitem wirklichen Bedürfnisse half die Gründung des „Jüdischen wttrnveretnes" ab. Die hiesigen Zionisten haben im „Jeschurnn" den Mittelpunkt. Jüdische Stiftung. Vor einigen Tagen starb in Wien der Presshefefabrikant Sigmund Weiner, eine namentlich im zweiten Bezirke sehr bekannte und beliebte Persönlichkeit. Beim Handelsgerichte -ist mtittnehc vergangetten -Lamstag das Testament des Verblichenen eröffnet ivordetr. Herr Weiner hat den Hofttnd Geriehtsadboeaten Dr. Philipp Nenmann ztim Testamcnts-Exeentor ernannt und als Universalerben eine ztt errichtende Stiftung für verarmte würdige jüdische Gewerbslente eingesetzt. Das Stiftungsvermögen dürfte die Höhe von ststO 000 bis 40 000 Kronen erreichen. Außerdem hat der Erblasser in seinem Testamente eine lange Reihe von Wohlthätigkeitslegaren ansgesetzt. Es erhalten: 1000 Kronen die Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft; je 2000 Kronen: die israelitischen 'Armen Wiens, der Orden der Barmherzigen Brüder, der israelitische Freitischvcrein für Knaben in Prag, das israelitische Blindcn- Jnstitut, das israelitische Tanbstummen-Jnstitut, der Fonds für israelitische Waisenkinder in Wien; je 1000 Kroncn: die israelitischen Armen Wiens, die jüdischen Armen Prags, die israelitische Kindcr- Bcwahranstalt und diverse kleinere Wohlthätigkeits-Jnstitute. Ferner hak Herr Weiner seine gesammte Bibliothek dem Volksbildungs- Vereine vermacht. Cnltusgemeinde-Walilcn. Ans Teplitz tvird geschrieben: Ant letzten Donncrstag sollte die Wahl des Culkusgemeinde-Vorstandes stattfinden.^ Es hatten sich zwei Parteien gebildet, von denen die eine für die Candidaken des bisherigen Vorstandes eintrat, ivährend von einer zweiten Partei neue Männer zur Wähl vorgeschlagcn wurden. Die Wahl ergab folgendes Resultat: Ernst ^teintvald, Cnltusgcmeinde-Vorsteher; Dr. S. Hahn, Stellbeutreker; Julius Hahn, Tempelvorsteher; Heinrich Nertcl, 1. Stellvertreter; Siegfried Steiner, 2. Stellvertreter. Die Gewählten gehören, mit Ausnahme des Herrn Julius Hahn, der alten Partei an. Da die Candidnten der letzterenchieh jedoch für den Fall, als auch mir einer von ihnen unterliegen sollte, das Wärt gegeben hatten, insgesammt zu resignieren, dies aber der Falt war, tveil Herr L. Kusicner gegen Herrn Julius Hahn tmterlag, so brachten die Gewählten, mit Änsnahme deS Herrn Hahn, sofort ihre Resignation ein. Es musste däher zu einer zlveiten Wahl geschritten werden, welche am Sonntag stattfand ttnd folgendes Ergebnis hatte: Ernst Steinwald, Ctiltusgemeinde-Vorsteher; Julius Hahn, Tempelvorsteher; Moritz Lederer, 1. Stellvertreter; Simon Tanssig, 2. Stellvertreter; Julitis Hauser, Cassier; Map Rothschild, Stellvertreter; I. U. Dr. Jnlius Gläßner, Verthold Perntz, Veiräthe; I. U. Dr. Alfred Salus, Hermann Bloch, Ludwig Adler, Ersatzmänner. Der Hauptzcuge im HilSner-Prvcess. Ans Olmütz wird gemeldet: Ter Sträfling Vincenz ftelinger ans Pvlna, der bekannte Betastnitgszcnge ans dem Hilsner-Proeess, beoieng, luie berichtet, itt der Strafanstalt Müran, wo er eine Strafe verbüßte, fünfmal nacheinander das Verbrechen der Majestätsbeleidigung. Als Motiv seiner Handlnngstveise gab er an, dass er in der Strafanstalt misshandelt werde. Als er nnn sofort nach der letzten Bestrafung neuerlich dasselbe Verbrechen begieng, wurde Zelinger zur lleberprüfnng seines Geisteszustandes in die Irrenanstalt nach Sternberg geführt, dieser Tage tunrde nun die Untersuchung abgeschlossen, welche ergab, dass Zelinger geistig nicht normal und nicht zurechnnngsfähig ist. Zelinger wird in der Sternbergcr Irrenanstalt interniert bleiben. Tie mährischeil Inden des Bundes der Nordmnhrer. Die Hatiptversammlug nahm bekanntlich den Komprotnißanirag an, tvoonrcb alle Parteien verpflichtet iverden, die Jndenfrage tlo. Bunde!nährend der nächsten fünf Jahre nicht anfz»- rollen. Ob dieser Nachricht herrscht in den Genieinden Mährens, Prvßnitz, Olmütz, Weißtirchen ttsiv. großer Jubel. Hosianna und Hallnlnja ivneden angestimntt »nd Victoria geschossen. Nun hat man es endlich schivnrz auf weiß, dass die Inden dem Bunde der Detttschen Nordmährens itach lute vor angehören dürfen, ohne ein Opfer des Intellektes ztt brtttgeii. Die Inden dürfen diesem Bunde der Deutschen Nordmährcns auch weiter Schergettdienste leisten und bei dett bevorstehenden Wahlen die Kastanien ans dem Feuer holen. Man darf den Alldeutschen auch fürderhin die nationale Herrschaft im Kcoiilnitde Mähren aiseeuriereii. Es gehört thntsächlich viel Ueberivindnitg dazu, diesen Pvrrhnssieg an die große Glocke zn hängen und als eine Errtutgensehaft nnSznpvsannen. Besitzt man denn kein Gefühl dafür, dass in dem Beschlüsse des Bundes der Deutschen Nordmährens ein tiesverletzender Affront vorhanden ist. Denn mit diesem Beschlüsse Wied implieite zugegeben, dass es in Mähren eine Jndenfrage gibt und dass man so gnädig ist, diese Jndenfrage ein Lustrtnn laug ruhen zu lassen, oder mit anderen Worten, dass man sich vorbehält, die Inden nach f> Jahren ans dem Bunde hinmisznjagen. Die Inden Mährens haben leider nichts gelernt und nichts vergessen. Bei aller Schmach, die sie bisher erduldet haben, bei allem Schimpf, der ihnen bisher aiigethan worden ist, hängen sieh die Juden Mährens noch immer an die specifisch antisemitisch durchsetzten Arier, ivie die Klette». Es herrscht Heller Jubel, dass matt noch weitere 6 Jahre für die Alldeutsche Partei in Mähren tvird Frohttdienste leisten können. Und ivas wird der Lohn dafür sein? Man kann mit Sicherheit annehmen, dass nach diesen l> Jahren die mährischen Juden ans dem detttschen Verein mit einem Fußtritt hinausgejagt iverden, weint überhatipt der Entente cordiale zwischen Alldeittschen und Juden in Mähren eine so lange Dauer gegeben werden darf. Es ist leider so weit gekommen, dass die mährischen Inden für das schimpfliche Verhalten der Deutschen ihnen gegenüber ganz empfindnttgslos geworden sind. Besäßen sie nur einen Funken Ehrgefühl, würden sie sich dies nicht gefallen lassen. Ilnd da gibt cs noch immer Jndctt, die für ein intimes Zusammengehen mit den deutschen Antisemiten Mährens mit Leib mtd Seele einstehen, die es als ein Majcstätsberbrechen bezeichiten, wenn ein Widerspruch gegen diese itintatürliche Allianz gewagt wird. Gegen diese fortwährende Erniedrigung ttnd Verletzung nttserer heiligsten Gefühle gibt es mtr ein Mittel, nttd das^ ist, dass wir Inden uns auf nationaler Grundlage ralliieren, dass wir ttns von einer Verbindung mit unseren Todfeinden fernhalten. Nur in einer Organisation mtf nationaler Grundlage können die Jttden in Mähren einen kräftigen Factor bilden, der sie sein konnten, der sie aber thatsächlich nicht sind, weil sie sich wie eine Dirne der dentsch-anttsemitischen Partei hingeben. Ob diese neue Mahitung von Erfolg begleitet sein wird, muss dahingestellt werden. Die traurigen Erfahrungen, die die Juden Mährens bisher zu machen Gelegenheit hattett, waren noch immer nicht genügend, sie zur Raison zu bringen. Durch ihr taktisches Verhalten werden sie nach wie vor zwischen z!vci Mühlsteinen zerrieben iverden, von denen der eine deutsch, der andere czcchtsch ist. Freilich die reichen Inden Mährens leiden hierunter nur im Punkte der Ehre, die armen und unbemittelten Juden Mährens dagegen sind dadurch in ihrem Erwerb beeinträchtigt tmd gehen fortwährend der Verarmung entgegen. Hierin muss endlich einmal gründlich Wandel geschaffen iverden. Der Jüdische Volkspartet in Wien, dessen Organ das „Jüdische Volksblntt" ist, hat sich dies zur Aufgabe gemacht, und er kamt, ohne ruhmredig zn sein, schon auf einen namhaften Erfolg Hinweisen, Beweis dessen die Organisiernng der mährischen,Juden aufBasis des national-jüdischen Programmes^ Wir iverden nicht ruhen noch rasten, bis nicht nur die Jndenschaft Mihrens, sondern attch die der anderen Kronlander, wo Juden in beträchtlicher Zahl vorhanden sind, sich in gleicher Werse organisieren iverden. Zur Koscherfleisch-Frage. Am 10. bi. M. erschien, eine Llbordnung des Vereines der jüdischen Fleischhauer, bestehend aus den Herren Gotitllieb Herrmaim, Sißimmd Karnimehl und Jacob Mittler', bei dein, Präsidenten der Wiener Knllnsgeinelnde, Herrn kaiserl. Rat Heinrich hbtinger, um Beschwerden: gegen den Beschlus; des Knllnsvorstandes in Angelegenheit der „ dk o - s ch e r I leis ch -Frage " vorznbringen. Die erschien neuen Vertreter der jiidischen -Fleischhauer dankteil zunächst dem Ktiltnsvorstande dafür, das; er sich der Mühe einer Lösung der schwebenden Frage überhaupt unterzog, und fornnllierten ihren Wunsch in zwei Hauptpunkte, nnd Jwar; erstens sei die Schlachtgebühr entweder mit 80 kr. für das koscher geschlachtete Rind zu bemessen, wahrend das trefe befundene taxfrei sei, oder es sei eine Schlachtgebühr von 50 kr. für jedes Rind ohne Blücksicht darauf, ob es koscher oder trefe befunden wird, eingliführen', zweitens sei von einer. Affichierung oder anderweitigen Bekanntmachungdort von der Gemeinde autorisierten Koscherfleischbänke Abstand zu nehmen. Kaiserl. Rat Klinger, der zu der BesprechlMg auch Herrn Dr. Gustav Ko-hn zuzog,^erklärte, in dieser Am gelegenbeit nichts mehr machen zu können, da ein. Be sch tust des Vorstandes vorliege, der einfach alisznführen sei. Die Fleischhauer mögen ihre Wünsche in einer schriftlichen! Eingabe an den Vorstand bekanntgeben, welche dann der ordnungsmäßigen Erledigung wird zngeführt iverden. Herr Gottlieb Heremann, durch diese Erledigung keinesfalls befriedigt, gab seiner Entrüstung in den Worten Ausdruck: „Wir sehen mm, das; wir vom derzeitigen Vorftande nichts zu hoffen haben und das; uns nichts andeucs übrig bleibt, als Männer tu den Vorstand bineinznbringen, die unsere Interessen vertreten." Hiemit schlos; die Unterredung. AttSiattd. Ans Palästina. R'ach der offiziösen „N. %. 8-" ist gegen Ende des vorigen Atonales eine Jrad'e des Silltans ergangen, das die staatliche Anerkennung sämtlicher inder Türkei gelegenen dentfchen Wohltätigkeits- und Unterrichtsanstalten aus spricht. F ü r, un s I n den i st e s v o n b e s o n d e v e r Wichtigkeit, das; sich darunter! folgende von den Colonialvereinen gegründete i it d i s ch e Anstalten befinden: I e r u s a l e m: Jüdisches W a i s e n h a u S, deutsches israelitisches Hospital (Bikur Eholim), neues israelisches Krankenhaus (Schaare fsedek). Die staatliche Anerkennung schließt die Befreiung der Anstalten von Zoll- und Grundsteuerabgaben aus. Dks Verzeichnis der Anstalten gibt auch ein interessantes Bild der Verbreitung der protestantischen und katholischen, Deutschen in. Palästina; es sind Anstalten in Jernsalcm, Bethlehem, Bell) Sabntr, Hebron, Bell) Dschala, Beirut, Haiffa, Tabgha. Simsvn, Goethe und Map Liebermnuu — welch seltsames Trifolium I In der soeben erschienenen jüiijisten Ntiimner der „Kmisichronik" wird eins eine Briefstelle Goethes hinsiewiesen, die angesichts des Liebermmm'scheit Bildes „Simson und Delila" in der SezessionsanSstellmtg von uterklvürdig „aktiiettem" Interesse ist. Das Schreiben, das sieh im 23. Brief-Bande der Weimarer Goethe- Ättsgabe befindet, ist atts K'arlsbad am 16. Mai 1812 an Zelter gerichtet und handelt in Erlvidenmg einer Anfrage deS Kompoitisten von allerlei Opernlerten. Da heißt eS denn nun: „Zu dein Simson hätte ich im Augenblick kein Zutrauen; die alle Mythe ist eilte der nngehetiersten. Eine ganz bestialische Leidenschaft eines überkräftige», gottbegabten Helden zn dem verfluchtesten Luder, das die Erde trägt, diese rasende Begierde, die ihn immer wieder zn ihr führt, ob er gleich, bey wiederholtem Verrat, sich jedesmal i» Gefahr weiß, diese Lüsternheit, die selbst ans der Gefahr entspringt, der mächtige Begriff, dett mau sich bott der itbermäßigen Prästanz dieses riesenhaften Weibes machen muß, das imstande ist, auf den Grad einen solchen Bnllett ztt fesseln. Sehen Sie das an, mein Freund, so wird Ihnen gleich offenbar sehn, daß das alles vernichtet werden muß, um nur die Namen, nach den K'onbettienzen unserer Zeit und unseres Theaters, ztt produzieren." Jedem, der das Bild Liebernmnns gesehen hat, wird sofort die überraschende Aeynliehkeit seiner Ansfassmtg der biblischett Ileberliefernng mit der Goethe'scheu ins Auge fallett und jeder, der das Vergnügen hat, Max Liebermann zn kennen, wird mit Erstaunen seststellett, daß

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