Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 24 (13.6.1902)
- Date
- 1902-06-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt In letzter Zeit ist, namentlich in einigen süddeutschen Städten, die sociale Pflicht der Gemeinde in dieser Beziehung erkannt und versucht worden, ihr zu genügen. Als diesbezügliche Beispiele können die „Regelungen der Dienst- und Lohnverhältnisse der städtischen Arbeiter in Mannheim und Karlsruhe" angesehen werden. In Ulm wurde eine Alters- und Jnvaliden-Versorgungscasse für städtische Arbeiter ins Leben gerufen, und ähnlich ist die Alters- und Jnvalidenversorgung der städtischen Lohnarbeiter in Stuttgart, Mainz, Essen, Worms, Darnistadt, Frankfurt a. M., Offenbach rc. geregelt. Stuttgart hat eine Normalarbeitszeit von 10 Stunden für seine städtischen Lohnarbeiter durchgeführt. Jede darüber hinausgehende Beschäftigung wird als „Ueberarbeitck behandelt. Die Frage eines Minimallohnes scheint nicht spruchreif zu sein. In Bern hatte der Gemeinderath seine Einführung vorgeschlagen; in der Volksabstimmung aber wurde sie verworfen. Selbst ein Thcil der Arbeiter verwarf die Einführung eines Minimallohnes, aus Furcht, dass ein „Minimallohn sich gar zu leicht zu einer Art Normallohn entwickeln, der die Löhne im allgemeinen herabdrücken könnte". Damaschke*) tritt ferner für die Einführung der Gewinnbetheiligung der Arbeiter, sowie von Arbeiterausschüssen in allen Betrieben ein, in denen die Zahl der ständigen Arbeiter 30 überschreitet. Dieselben sollen alle Wünsche und Beschwerden der Arbeiter sowohl dein Arbeitgeber wie der Negierung zum Ausdruck bringen und bei der Schaffung von alle» Wohlfahrtseinrichtungen mitsprechen. Das größte Nebel der heutigen Wirtschaftsordnung ist die stets wachsende Arbeitslosigkeit in allen Branchen der physisch und geistig Arbeitenden. Zu einem kleinen Theile können die Gemeinden helfen, wenn sie Arbeiten, so weit dies möglich ist, in Zeiten verlegen, die erfahrungsgemäß weniger Arbeitsgelegenheit bieten als andere. Damaschke führt eine ganze Reihe von Ortschaften an, die geeignete Arbeiten für den Winter reservieren. Eine offene Frage ist noch, ob die Gemeinden Versicherung gegen Arbeitslosigkeit einführen sollen und können. Der Regierungsrath des Cantons Bern hat einen diesbezüglichen Antrag abgelehnt mit Rücksicht darauf, „dass die Gemeinden mit Arbeitslosenversicherung der Gefahr übermäßigen Zuzuges ausgesetzt sind, dass die Eintreibung der Versicherungsbeträge von Arbeitgebern und Arbeitsnehmern großen Schwierigkeiten begegnen wird." In St. Gallen musste ein Versuch mit einer obligatorischen Versicherung gegen Arbeitslosigkeit nach zwei Jahren aufgegeben werden. „Die Hauptforderung auf dem Gebiete der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit jedoch tautet:: Einrichtung von unparteiischen communalen Arbeitsnachweisen . ... Es ist wünschenswert, Arbeitsnachweisebureaux in allen Städten, von mehr als 10.000 Einwohnern ins Leben zu rufen." Dass die communalen Arbeitsnachweise namentlich auch den Interessen des Handwerkes dienen, betont ein Gutachten der Handels- und Gewerbekammer zu Plauen vom 26. Mai 1901 ausdrücklich. Damaschke setzt nun auseinander, welche weite und große Interessengemeinschaft zwischen allen körperlich und geistig Arbeitenden besteht, und hält die Cooperation des Mittelstandes mit der Arbeiterschaft als die Grundlage jeder richtigen und erfolgreichen Mittelstands- und Arbeiterpolitik. * * * Wie alle ihre Zeit verstehenden Socialrefvrmer, hält auch Damaschke neue Betriebsformen für die H a n d w e r k e r für nothwendig. Die Gewerbetreibenden müssen, wie es an einzeltten Orten ja geschehen ist, sich genossenschaftlich zusammenschließen und Warenhäuser gründen, in denen sie gemeinsam ihre Producte zum Verkaufe ausstellen. In Deutschland ist die bemerkenswerte Forderung erbobeu worden, dass die Gemeinde, wie sie Markthallen errichtet, auch Gewerbehallen errichten möge für einzelne Berufe, die sie allen Anforderungen der Neuzeit gemäß ansstattet und abtheilungsweise gegen mäßige Miete abgibt. Es ist urcht überflüssig, darauf hinzuweisen, dass in Ansbach eine solche Gewerbehalle bereits ins Leben gerufen wurde. Für viele Zweige des Handwerkes ist es eine Lebensfrage, ob sie die Vortheile der modernen Technik, z. B. die E l e ftricität, sich nutzbar zu machen vermögen. Dadurch wäre es z. B. möglich, dass kleine, kraftspendende Motvre irr Werkstätten Platz finden, in denen die Dampfkraft, der großen Heizvorrichtungen wegen, ausgeschlossen war. Selbstverständlich ist, dass die Handwerker nur dann einen Gebrauch von den Fortschritten der Technik machen können, wenn wirklich ausreichende Gewerbe-Fachschulen die Werkstatt ergänzen. Auch hier liefert uns Damaschke reichliches, statistisches Material, dessen Buch, wie gesagt, eine reiche Fundgrube für alle ehrlichen Socialreformer ist. Die Nothwendigkeit einer Bodenreform durchzieht auch dieses Buch, wie eilt rother Faden; wir müsse« uns beschränken, darauf hiuznweiseu, dass Damaschke den enge« Zusammenhang der Wohnungsfrage, wie einer ganzen Reihe anderer Probleme mit derselben zeigt. Zum Schluffe rufen wir allen „unseren" Stadtvätern, „Volksvertretern und Cultusräthen die Schlussworte Damaschkes zu: In unserer Zeit großer socialer Entscheidungen aber hat unser Volk ein Recht zu erwarten, dass diejenigen, die in unseren Gemeinden eine Verantwortung tragen, sich nicht damit begnügen, socialpolitisch gleichsam aus der Hand in den Mund *) Adolf Damaschke, Ausgaben der Gemeindepolitik, Verlag Gustav Fischer, Jena. zu leben und nur für die Bedürfnisse des Tages zu sorgen, sondern dass sie nach großen Gesichtspunkten planmäßig ihre für den Einzelnen und für die Gesammtheit so bedeutsame Arbeit verrichten. Die Dolen in Preußen und die Inden in Galizien. Seitens der polnischen Delegierten ist in den DelegationSverhandlungen die Germanisierung der in den früheren großpolnischen Provinzen wohnenden polnischen Staatsbürger Preußens zur Sprache gebracht worden. Die preußische Regierung kennt nämlich in ihrer Germanisierungswuth keine Rücksicht und gestattet nicht einmal, den Kindern polnischer Nationalität den Religionsunterricht in ihrer Muttersprache zu erthcileu. Das ist allerdings sehr empfindlich, und wir können den Schmerz der polnischen Connationalen in Oesterreich lebhaft mitfühlen, den sie empfinden müssen, wenn ihre Stammesbrüder in Preußen in mehr oder minder gewaltsamer Weise entnationalisiert werden. Wir können daher nur billigen, wenn die Polen in Oesterreich die Gelegenheit wahrnehmen, ihrer Entrüstung über diesen Gewaltact Ausdruck zu verleihen. Andererseits müssen wir den österreichischen Polen den Vorwurf machen, dass sie dieselbe Gefühllosigkeit, welche die Deutschen in Preußen ihnen gegenüber an den Tag legen, dem jüdischen Volksstamme in Oesterreich, namentlich in Galizien, gegenüber mit demselben Mangel an Gefühl und Rücksicht prakticieren. Wie unendlich schmerzlich gestalten sich die Bedrückungen, die die Juden in Galizien seitens der galizischen Schlachta zu erdulden haben. Gesellschaftlich werden sie als die Parias betrachtet und behandelt, wirtschaftlich werden sie förmlich boycottiert und ihnen der karge Bissen Brot, der ihnen buchstäblich zur Nahrung dient, aus den« Munde gerissen. Eine ganze Reihe von Gewaltmaßregeln ist in Scene gesetzt worden, den polnischen Glaubensgenossen in Galizien jeden Erwerbszweig unmöglich zu -machen. Begonnen wurden diese drakonischen Maßregeln mit der sattsam berüchtigten Gesetzgebung in der Propinationsangelegenheit. Die jüdischen Pächter der Propinatron müssen sich für die galizische Schlachta rackern, sind nicht in der Lage, die enormen, bedrückenden Pachtsummen der Propinationen zu leisten, und ganz außerstande, dabei soviel herauszuschlagen, was genügen würde, sich und ihre Familien in der bekannten anspruchslosen Weise zu ernähren und zu erhalten. Noch lebhaft in Erinnerung ist, dass den jüdischen Händlern in Galizien der Salzhandel in einer hinterlistigen Weise megescamoticrt worden ist. Wer da weiß, welche Bedeutung das Salzgeschäft in Galizien besitzt, wird ermessen können, was diese That für die Juden in Galizien zu bedeuten hat. Auf Anregung und Betreibung der galizischen Schlachta sind weiters die arischen Consum-Vereine in West- und Ostgaliziett creiert worden, eigens zu dem Zwecke, um den jüdischen Geschäftsleuten die christlichen Kunden abwendig zu machen, was auch thatsächlich gelungen ist, derart, dass die jüdischen Kaufleute ihre christlichen Kunden ganz einbüßten, und dass sie sich derzeit nur auf die zahlungsunfähige Clientel beschränken müssen, die in den arischen Consumvereinen keine Aufnahme gefunden hat. Einen derartigen Vorgang beobachteten der Adel und die oberen Zehntausend gegenüber den Juden daselbst. Das Elend und die Nothlage, welche dadurch gegen die galizischen Handelsjuden heraufbeschworen worden ist, schreit zum Himmel und ruft nach Vergeltung, die wohl nicht ausbleiben wird. Denn unsere Leidensgeschichte lehrt, dass noch jeder, der sich cegen die Juden versündigt hat, der Sühne nicht entgangen ist. Hodie mihi, cras tibi. Heute mir, morgen Dir. Möge sich die galizische Schlachta durch die Bedrückung und wirtiamstliche Ausuützni'g der polnischen Juden noch so sehr maieriell bereichern, so muss sie dafür die Nemesis an der langsam, aber unaufhörlich fortschreitenden Entnationalisierung ihres Volksstammes ruhig hinnehmen. Die Moral ans der Aff.nre für die Polnische Schlachta müsste sein: „Was Du nicht willst, dass Dir geschehe, füge auch einem anderen nicht zu." Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultnsgemeinde vom 8. Fnni 1902, unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Klinger. Beginn der Sitzung um halb 11 Uhr vormittags. Den hervorragendsten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Beschlussfassung über die „Geschäftsordnung für die Bczirkseommissionen". Der Präsident leitet die Berathung mit dem Bemerken ein, dass diese ihm als überaus wichtig erscheinende Angelegenheit, ivelche seit langer Zeit ans der Tagesordnung stehe und nunmehr gemäß der statutarischen Bestimmung der Erledigung angeführt werden müsse, die Commission für die Reform der inneren Verwaltung solvie das Vertreter-Collegium in bielsachen Sitzungen beschäftigt habe. Der zur Discussion stehende Enttvurf enthalte Vermittlungsanträge, welche die Ausgleichung der diesfalls bestehenden gegensätzlichen Anschauungen bezwecken. $vt der hierüber eröffnete» Generaldebatte erklärt zunächst der 1. Vicepräsident Dr. Stern seine grundsätzliche Gegnerschaft gegen die Schaffung der Bezirkscommissionen, lvelcher Anschauung sich die Herren Sato Cohn und Baurath Ritter von Goldschmidt aiischließen. Für das Eingehen in die Specialherathung auf Grundlage des vorliegenden Entwurfes sprechen die Herren Ober-Finanzrath Dr. Rappport, Wilhelm Knffner, Vertreter Dr. Steiner, Vieepräsident Dr. Kohn, kais. Rath Weil, und betont insbesondere der Vorsitzende in längerer Ausführung die ersprießliche Wirksamkeit, die er sich von der Thätigkeit der Vezirkseommissionen zur Behebung der im Kreise der Gemeinde leider um sich greifenden Indolenz durch Heranziehung würdiger Mitglieder zur Verwaltung der Gemeinde verspreche. Die Institution der Bezirkscommissionen sei im Stählte gegeben und er ersuche um das Eingehen in die Specialdebatte. Bemerkt sei noch, 13. Juni 1902 Seite 3 dass kais. Rath Wilhelm Pollak den Standpunkt vertrat, er wünsche den Wirkungskreis der Bezirkscommissioncil erweitert zu sehen. Nachdem sohin mit allen gegen drei Stimmen das Eingehen in die Specialdcbatte beschlossen lvird, bctheiligcn sich an derselben die Herren Obcr-Finanzrath Dr. Nappaport, Dr. Katzan, Rudolf Anspitz, Gelvitsch, Direktor Simon, Rosncr, Dr. Spitzer, kais. Rath Weil, Wilhelm Knffner und Vicepräsident Dr. Kohn, und gelangen sodann die Anträge des Vertreter-Collegiums unter Ablehnung aller Abänderungsanträge mit großer Majorität zur Annahme. Die beschlossene Geschäftsordnung lautet wie folgt: Geschäftsordnung für die Bczirkseommissioncn. 8 1- Die gemäß 8 6 Anhang 2 (Cultussteucr-Regnlativ) des (Statutes der israelitischen Cultnsgemeinde Wien vorn Cnltnsborstande aus den Vertrauensmännern für den 1., für den 2. und 20., für den 8. und 11., für den 4., 6. und 10., für den 6. und 7., für den 8. und 9., für bat 12. bis 15., für den 1(5. und 17., für den 18. und 19. Bezirk gebildeten Cnltnssteuer-- Bezirkscvllcgen fungieren für die betreffenden Bezirke zugleich als Vezirkseommissionen (8 80 Statut). 8 2. Die vorr dein Cultnsstcuer-Bezirkscolleginnt ans seiner Mitte getvählten Fnnctionäre i8 0, Abs. 2, Anhang 2 des Statutes) sind zu den gleichen Functionen in bat Vezirkseommissionen berufen. 8 8. Die Bestimmungen des 8 12, Anhang 2 des Statutes haben auch für die Bezirkscommissioncil mit der Maßgabe zu gelten, dass bei Abstimmungen im Falle von Stimmengleichheit die Stimme des Vorsitzenden doppelt gezählt tvird. 8 4. lieber schriftliches, die Angabe des Berathungsgegenstandes enthaltendes Verlangen von mindestens einem Drittel der Commissionstttitglieder hat der Obmaitit oder desseit Stellvertreter die Bezirkscommissioit ztt einer Sitzung einzuberufen. 8 5. Von jeder Sitzung der Bezirkscommission ist dem Cnltusvorstande unter Bekanntgabe der Tagesordnung vorher Anzeige zu machen. 8 0. Die Bezirksconuntssionen haben Angelegenheiten ihres Bezirkes ztt berathett und diesfalls Anträge an den Cnltnsvorstand zu stellen, sowie die ihnen vom Cultnsvorstande über Aitgelegeitheitett ihres Bezirkes abgefordcrten Aetlßernngcn zti erstatten. Insbesondere können die Bezirkseommissionen, sei es ans eigener Initiative, sei es über Aufforderung des Cultnsvorstandcs, folgcitde Angelegenheiten zum Gegenstände der Berathung und Antragstellung machen: a) Cultusangelegenheiten des betreffenden Bezirkes; b) Angelegenheiten betreffend die int Bezirke bestehenden gottesdienstlichen und rituellen Anstalten tmd Einrichtungen der Culttisgemeinde; c) Angelegenheiten betreffend die im Bezirke befindlichen cottfessionellen Sttstnngen, Anstalten tmd Vereine; d) Angelegenheiten betreffend dte m Bezirke bestehenden oder zu errichtendenVereinsn. Privatbethämer sowie die Zusammenkünfte zu gottesdienstlichen oder rihtellen Hebungen; e) Angelegenheiten betreffend die Ertheilung des Religionsnntcrrtchtcs int Bezirke. 8 7. Die Bezirkscommissionen haben über ihre Wahrnehmungen mindestens dreimal im Jahre an den Cnltttsvorstattd Bericht zu erstatteit. Gemäß einer von Herrn Wilhelm Knffner dem Vertreter-Collegium gegebenen Anregmtg und des diesbezüglich vom Vertreter-Collegium gestellten Antrages betreffend den'Vorgang bei Cultussteuer-Ncubemessungen innerhalb eines Steucr-Tricnniums lvird beschlossen: Bezüglich aller gemäß Paragraph 14 Anhang 2 (Cultussteuer-Regulativ > innerhalb des Tricnnitnns von der Schätztmgs-Cotnntissioit vorzunehtnettden Culttlssteuerbemesstingen haben sich die betreffenbeit Culkussteuer- Bezirkscollegien vorher gntächvlich zu äußern. Zn diesem Behufe sind dieselben erforderlichen Falles cinzuberufen. lieber etn Ansuchen der Testamentsexecutoren nach dem am 26. Februar 1902 verstorbenen Herrn Karl Goldschmidt, welcher sein in Wtcn 1., Schottenrinq 25 befindliches Haus für eine wohlihättge Sitfinng bestimmte, bereit Ertrag zti einem Drittel für arme Verwandte, zu einem Drittel fün dns Ve^sor^uncsshnus und zu einem Deittel fue arme jüdische Waisen zu verwenden sein lvird, gibt der, Vorstand über Antrag des Vertreter-Collegiums die verlangte Zustumnungs- Erklärung ztt der vom Erblasser letztwillig angeordneten Errichhtitg einer Karl tmb Rosalia Goldschmtdt'schen Stiftung, indem er gleichzeitig die Verpslichttittg übcrttimmt, das Grab des Herrn Karl Goldschmi'dt und nach dem Ableben seither Gattin auch derm Grab zu erhalten und an bat Sterbetagen die Jahrzeitseier abznhalten. lieber Vorschlag des Präsidenten werden die Herrett Emil Horner und Direktor Simon zit Verificatoreit für das Protokoll bestellt, worauf die Sitzung um halb 2 Uhr nachmittags geschlossen wird, ^n Ergänzung des Berichtes aus der Plenarsitzung des Cultusvorstandes vom 25. Mai 1902 wird mitgetheilt, dass das Ignaz Blumenfeld'sche Stipendium über einstimmigen Vorschlag der Juroren Isidor Kaufmann, David Kohlt und Professor Kasimir Pochwalski dem Maler Lazar Krestin verliehen worden tst. Todesfall. J'N Alter von 67 Jahren starb plötzlich in Wien am 9. d. M. Herr Jakob Herzl, der Vater von Dr. Theodor Herzl. Dr. H e r z l erhielt aus diesem Anlässe aus allen Kreisen Zeichen tiefster Theilnahme. Jüdisches Jahrbuch für das Jahr 1903/03 (F0G3). Auf mehrere Anfragen theilen wir mit, dass das Jüdische Jahrbuch Beiträge von folgenden Schriftstellern enthalten wird : Achad-Haam, Marek S ch e r l a g, Max Eisler, Dr. Paul W e i s e n g r ü n, Jak. K r a u s z, Stef. Zweig. Dr. Sofer, Dr. Hermann Kadisch, Otto W e r n e k. Ein fernerer Vorzug des Jahrbuches ist der, dass das Verzeichnis der jüdischen Cullnsgemeinden, Vereine und Institute nach dem neuesten statistischen Materiale bearbeitet ist. Jüdische Freilesehalle. Wir machen unsere Leser aufmetkiam, dass die jüdische Leseholle wieder im Saale d e s „I ü d i s ch e n V o lk s v e r e i n e s" eröffnet wurde. Krankenunterftützungsverein „Oseh Chesed", Wien, 11., Schiffamtsgasse 5. Am Sonnlag den 15. Juni 1902 um 10 Uhr vormittags findet in der hebräischen Schule des KrankenUnterstützungsverein „Oseh Chesed" 11., Schiffamtsgasse 5, die Prüfung statt. Boryslaw im Parlamente. Der Abgeordnete B r e i t e r hat die Affaire Boryslaw im Parlamente zur Sprache gebracht; es ist eine besondere Geringrhuung für das „I. B.", dass er in seinem Dringlichkeitsantrage die Revision der Zechner'schen Bergpolizei-Verordnungen unseligen Angedenkens fordert, eine Forderung, die das „I. V." zuerst erhoben hat. Die „A.-Z.", die jahrelang von Boryslaw nichts brachte, als Lobpreisungen der Zechner'schen Verordnungen, hat plötzlich entdeckt, dass trotz Z e ch n e r und Länderbank gräuliche Missstände in Boryslaw herrschen. Wir glauben, sie hätte längst dazu Anlass gehabt wenn sie es nicht vorgezogen hätte, in ihrem blinden Hasse den Abgeordneten Breiter zu begeifern. Die Deutsche Fortschrittspartei stimmte tapfer alle Anträge nieder, mit Ausnahme des Abgeordneten M enger. Wien. Am!!>'. Mai fand die I. ordentlich e Generalversammlung des Vereines „T h o r a t h - C h e s e d" z u r U n t e r st ü tz u n g armer T a l m u d ) ch ü l e r st a t f. Obmann Herr Salomon Schreiber sll.. Obere Donaustraße 77, allwo auch der Sitz des Vereines ist) verlas den Jahresbericht, eonstatierte, dass der Verein circa 20 Talmudjünger, deren Eltern in