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Jüdisches Volksblatt · 1902-05-23 · 21 (23.5.1902) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
21 (23.5.1902)
Date
1902-05-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksbiatt 23. Mai 1902 Nr. 21 der vom Curatorium in ansehnlicher Zahl hergestellten Werkzeuge 5u8 größere Tischlerei-, 183 Drechslerei- und 289 Buchbinderei-Erzeugnisse hergestellt. Das ist ein sehr erfreuliches Resultat. Mandelkern hatte große Erfolge als neuhebräischer Dichter und Schriftsteller. Auch brachte er das schwere Kunststück fertig, Werke der großen neuzeitlichen Dichter in der Sprache des Alten Testamentes wiederzugeben. Er schrieb eine Geschichte Russlands und gab anerkannt vortreffliche Lehrbücher, Grammatiken und lexikalische Werke heraus. Sein Hauptwerk ist aber die „Hebräisch-chaldäische Concordanz des Alten Testamentes", ein Werk zeitige MagistratSvicedirector Weißkirchner sein wird. Wir sind außerstande, die Nachricht von der Amtsmüdigkeit des Magistratsdirectors Preier auf ihre Nichtigkeit zu prüfen. Es scheint nicht unglaubwürdig, dass Magistratsdirector Preier, der noch der alten Weisrkirchner — Magistratsdirector? In der Vorwoche lau eierten die autisemitischeu Blätter die Nachricht von der AmtS- ■ - ..... A 0 - - - müdgkcit des derzeitigen Magistratsdireetors Preier, gleickizeitia lahrzehntelangen, mwutlüsesten Gelehrtenflerßes, das dem Namen aber auch die Mittheilnng, dass der Nachfolger desselben der deröc§ Evrs unvergängliche Erinnerung sichern wird. In Kojetein starb am 25. März l. I. Herr Rabbiner Dr. Samuel Rosenzweig im noch jugendlichen Alter von 84 Jahren. Todesfall. Vor kurzem verschied in Budapest der ehemalige Kartograph des königlich ungarischen Statistischen Landes- Bureaus, Herr Ignaz Hülse!. Der Verblichene, welcher ein Alter von 74 J.erreichte, war der Begründer der Kartographie in Ungarn und der Autor tausender von Karten, die theils statistischen Zwecken, therls auch heute noch als Lehrmittel in den Bürger- und Hochschulen dienen. Geboren zu Vüg-Neustadtl im Jahre 1828, studierte Hütsek an dem Technicum in Olmütz, später in Ofen, betheiligte sich im Jahre 1848 an dem Freiheitskampfe, wo er^als Honved- Oberlieutenant gefangen genommen und in die Armee eingereiht derzeitigen Wiener Magistratur je eher je lieber zu verlassen. Man geht jedoch nicht fehl, auzuuehmen, dass mit der Lancierung der Amtsmüdigkeit Preiers ein Wink mit dem Zaunpfahl, richtiger gesagt ein cousilium abcuudi bezweckt tvird. Es wird sich daher empfehlen, sich mit der Thatsache vertraut zu machen, dass Magistratsdirector Preie in den Ruhestand treten und dass Dr. Weis;- 0 ~ , - ... , kirchuer seine Stelle eiunehmeu wird. Es eröffnet sich demilach für wurde. Eme Zettlang bewahrte er sich als Ingenieur bei der die Reichshaupt- und Residenzstadt Wien die Perspective einer provlsorlschen Landesvermessung in Ungarn, später gelangte er Magistratur Weißkirchner. Ein besonderes Interesse erweckt diese tenÄn Geographische Institut, von wo er im Jahre Perspective der Wiener Judenschaft. Es erscheint nicht von lieber-! ^57 als Kartograph nach Pest versetzt wurde. Vorerst dem fluss, das curriculum vitae des präsumtiven Magistratsdireetors ,cm Fchanz-, später dem Handelsministerium zugetheilt, schuf er in kurzen Umrissen ins Gedächtnis zu rufen, weil cs für die der- ®}ne riesige Anzahl statistischer, speeiell auf Ungarn bezughabender zeitige Situation von ebenso symptomatischer als charakteristischer Karten, die gelegentlich mehrerer Ausstellungen belobt und be- Bedeutung ist. Noch vor einem Triennium war Weitzkirchner Masprachen wurden. Auch „Petermanns Mittheilungen" zählten ihn gistratssecretär, avancierte sodann mit Ueberspringuug einer Legion 5" ihrem langjährigen Mitarbeiter. Er war Ritter des Franz Vordermänner zum Magistratsrath m,d vor kurzem erst zum Magi- Joseph-Ordens, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der stratsvicedirector. Von hohem Interesse ist es ferner, nachzu-, Krone, Mitglied der Geographischen Gesellschaft und Experte forschen, welchen Umständen Weißkirchncr dieses in den Annalen zum Schutze der Autorrechte, der Wiener Magistratur noch nicht zu verzeichnen gewesene Avance-' ment zu verdanken hat, und da ist es ein öffentliches Geheimnis, dass cs nicht die juristischeil Fähigkeiten und die Amtsroutine lvareu, die Weißkirchner zu diesem Hinaufwurfe verhalfen, sondern seine plötzlich zum Vorschein gelangte Anpassung au das antisemtische Regime, für welches er so recht den charakteristischen Typus bildet. Weitzkirchner entdeckte nämlich jählings sein antisemitisches Herz ___ _ . und gleich darauf war er ein gemachter Mann. Derartige Gestalten für die Laudtagsivahlen in Niederösterre'ich rückt immer' naherl sind die richtigen Helfershelfer und Cumpane des Bürgermeisters und die Nähe dieser Wahlen wird für die christlich-sociale Partei Dr. Lueger, der den richtigen Blick hatte, in Weißkirchner einen umso beängstigender. als sie der Sachlage nach befürchten muss, die klassischen Barrierestock zu finden 9ns wpTnTitmrm für f>i<> mr+im M^iim'ifüf im rrr...:ri.r;»r.m Sitten, für die brave nete Agitation auf antisemitischem einem Reichsrathsmandate belehnt, denn dies ist die richtige Bezeichnung für die gegenwärtige Punkt besitzen, so bleibt für uns Judcrl der Effect derselbeZwer vou Mährische Streiflichter. In den diesbezüglichen Aufsatz hat sich ein Jrithum emgeschlichen. Die Candidatur des Herrn Sigmund Back wurde vom Central-Wahlcomite acceptiert, und auch die Wähler stimmten für diesen Candidaten. Das Antisemitismus ad absurdum geführt. Der Zeitpunkt . . ... .... ,, .....__, i__hiebei Nach dem Gesagten kann man daher wohl im allgemeinen mit in Aniveudung bringt, sind mitunter sehr possierlich. Der oberste wenig Beruhigung der Amtierung Weißkirchners als Chef der Heerführer der Wiener Antisemiten, Dr. Lueger, hat unter anderem Wiener Magistratur entgegensetzen. Insbesondere die Juden sind ' . . . — ■ - ■— es, welche alle Ursache haben, dem magistratischen Regime Weißkirchners mit Kummer und Besorgnis entgegenzublicken. Der Wiener Magistrat ist wohl eine autonome Körperschaft, hat jedoch einen Coup ersonnen, um die Landgemeinden in Niederösterreich zu captiviereu und deren stimmen für die nächsten Landtagswahlen zu gewinnen. Er hat den Vorschlag gemacht, in Wien eine Auskunftei zu creieren zu dem Zwecke, die Vermietung von einen gesetzlich umschriebenen Wirkungskreis von ganz immenser Be- Landwohnungen an die Sommerfrischler Wiens zu vermittelin Nun deutung. Denn der Wiener Magistrat bildet die politische Behörde ist ja bekannt, dass zu den Parteien Wiens, die während des Somerster Instanz für die eindreiviertel Millionen zählende Bevölke rung der Residenzstadt und was noch viel wichtiger, er ist auch die Gewerbebehörde erster Instanz. Was dies für die nahezu 200 000 Seelen betragende jüdische Bevölkerung Wiens zu bedeuten hat, die zum größten Theil dem Handels- und Gewerbestande angehörcn, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. Wohl und Wehe von Tausenden und Abertausenden jüdischen Gewerbetreibenden ist mir der Judicatur des Wiener Magistrats eng verknüpft. Proben, wie Weißkirchuer die Juden als Handels- und Gewerbetreibende zu drangsalieren und zu bedrücken gedenkt, wenn er einmal den currulischeu Stuhl des Magistratsdireetors eingenommen haben wird, haben wir schon wiederholt zu kosten bekommen, Weißkirchner hat erst jüngst urbi et orbi in einer Wählerversammlung des 9. Bezirkes verkündet, es gehe nicht an, dass die Juden weiters die Straßen mit ihren ausgehängten Waren versauen. Einen jüdischen Gewerbetreibenden, den Hutmacher Schick, hat er sich aufs Korn genommen und demselben gedroht, er werde so lange gestraft werden, bis es ihm zuwider und er den Bezirk verlassen haben werde, wenn auch die Statthalterei als zweite Instanz die muthwillig über Schick verhängten Strafen annullieren dürfte. Der zukünftige merS aufs Land ziehen, die Juden ein sehr großes Contingent! stellen; nicht nur dies allein, die jüdischen Sommerfrischler sind auch! diejenigen, die am meisten Geld rollieren lassen, weil sie, anstatt Unsummen in Heurigen-Schenken zu vergeuden, lieber auf Comfort in Wohnungen bedacht sind, weil sie sich und ihre Familien aus hygienischen Rücksichten besser nähren, ein Umstand, der ja den betreffenden Landgemeinden zugute kommt. Nun ist die Frage, wie wird sich diese Auskunftei gegenüber den Landwohnungen suchenden Juden benehmen? Wird man es nicht als ein Majestätsverbrechen betrachten, mit jüdischen Parteien überhaupt in amtliche Verbindung zu treten, und wäre es weiters nicht ein Verstoß gegen die strengen Gebote des Antisemitismus, Juden eine Wohnung auf dem Lande zu vermitteln, die ihnen gewissermaßen einen Genuss bieten, die ihnen zur Erholung und jträftiguug dienen soll? Würde gegen ein solches Unterfangen, gegen eine derartige Hohldienerei gegenüber jüdischen Sommerfrischlern Stampiglius Schneider-und seine Sippe nicht mit Recht Einspruch ekheben können? Andererseits aber, wie würden sich die biederen Vermieter von Sommerwohnungen in Niederösterreich dazu verhalten, wenn man die Inden von der Wohnnngsvermittlung ansschließen wollte. Wohl sind diese biederen Magistratsdirector, dessen Aufgabe cs sein müsste, Gesetz und Recht Sommerwohnnngsbcsitzer ans dem Laude gegen die Inden im Wiuobjectiv zu handhaben gegen jedermann ohne Unterichred der Con- ... - . . - ' - ~ ‘ fession. besitzt die Frivolität und Frechheit, offen eine Auflehnung gegen die Entscheidungen der Oberbehörden zu Proclamicreu. Wir gerathen da in anarchistische Zustände, die eine traurige Perspective für die Juden Wiens erwecken. Schon derzeit ist es uns nicht möglich, in öffentliche Stellungen zu gelangen, nun soll uns auch auf dem Gebiete des Handels und Gewerbes, auf dem wir Juden uns sogar im Vormärz, in der Zeit der finstersten Reaction frei zu bethätigen vermochten, der Weg versperrt sein, uns und unsere Familien in ehrenhafter Weise zu ernähren. Darf und kann unter solchen Umständen ein Regime Weißkirchner erlaubt beziehungsweise ter pfui, im Sommer aber immer hui. Im Winter schimpft man ans die Juden, im Sommer werden sie als lieb Kind behandelt, namentlich das jüdische Geld non ölet. Jüdische Sommerfrischler sind in ganz Niederösterreich anzntreffen, bis an die Grenze von Steiermark, von Mähren. Böhmen und Oberösterreich. Man kann das Geld auf Millionen schätzen, das die Juden während des Sommers auf dem Lande ansgeben und damit die betreffenden Vermieter bereichern. Nach alledem scheint daher das Project mit der Errichtung einer Auskunftei für Vermietung von Svmmerparteien nicht so einfach zu sein und im Hinblick auf die Borniertheit der Abel es, Fabrikant. — In Karbitz, dem Hoch- und Stammsitze der Antisemiten Nordböhmens, wurden jüngst die Gemeindewahlen vorgenommen. Bei denselben wurden in allen drei Wahlkörpern die Candidaten der Fortschrittspartei, darunter die Juden Karl Pollak S6ii. und Josef D u b, nnt großer Majorität gewählt. Unter den Unterlegenen befindet sich der bekannte Ritualmord- Jnterpellationsfabrikant Abgeordneter Dr. Eisen kolb. Erlauschtes ans einer Bemtenfamilie Wohnt da im VI. Bezirk ein k. k. Bergrath (Name und Adresse ist uns bekannt), der, weil er Witwer ist, sich auch um die Wirtschaft kümmert. Bei einem Rencontre mit seiner eonnationalen Küchenfee, die noch nicht den nöthigen Respect vor der VIl. Rangsclasse hatte, und wobei es zur Kündigung kam, apostrophierte der Herr k. k. Bergrath die edle Marianka mit den Worten: „Nedovolujte jsi tolik proti lTiüe, to jsi stnlte jpnom dovolovat u zidu.“ („Erlauben Sie sich nicht so viel, denn frech können Sie nur beim Juden sein.*) Neues wird uns über die Gesinnung der meisten K. K. nicht gesagt, aber der Gipfel der Frechheit ist es jedenfalls, wenn ein so hohes Thier, wie ein Bergrath, solche Gespräche vor seinen erwachsenen Töchtern führt, aus denen Lehrerinnen, Postmanipulantinnen rc. werden sollen. Und dieser Herr bezieht zehn Procent aus unseren Taschen. Es sind eben von uns bezahlte Feinde. Die Antisemiten auf dem hohen Seile. Da die Ehrlichkeit und anticorrnptionistische Gesinnung der Antisemiten durch die Affaire Wolf einen neuen Stoß bekommen hat, so beeilten sie sich, ihr fadenscheiniges Gewand wieder zu reparieren. Dr. L e m i s ch interpellierte in Sachen der Alpine Montangesellschaft. Mit besonderer Befriedigung constatiert er, dass vier Juden im Verwaltungsrathe sitzen, die die ganzen Alpenländer ausbeuten. Wir wissen nicht, ob das wahr ist: jedenfalls aber ist es sicher, dass die Alpine Montangesellschaft keinen einzigen jüdischen Beamten anstellt. Wir opfern daher den Herrn F e i l ch e n f e l d gerne dem Grimme des Dr. L e m i s ch; zumal, wenn er kein besserer Jude ist, als der Herr Kerpelyi. Dieser Mann hieß nämlich wirklich K a r p e l e s, ist heute aber getauft, und sein Sohn fühlt sich, nachdem er eine Christin geheiratet hat, ganz als Gentry. Diese bornierten Schreier sollten daher einmal aufhören, das Judenthum für solche Schädlinge verantwortlich zu machen, die absolut keinen Zusammenhang mit dem jüdischen Volke haben. Da ist B i e l o h l a w e k ein ganz anderer Mensch. Er erklärt, er habe gegen Herrn v. Taussig nichts e i n z u w e n d e n. Derselbe sei zwar ein Jude, schreite aber in gleicher Weise über die Leichen der Juden und Christen hinweg. Dieses Lob des Herrn Bielohlawek ist die beste Charakteristik des Herrn Cultsvorstandes Taussig. Nur eines schmerzt den Bielohlawek: Taussig cumuliere Aemter. Und das war bis jetzt ein Privilegium der Antisemiten, siehe Lueger, Gessmann u. s. w. Wir können aber den Bielohlawek beruhigen; wenn der Lueger Aemter cumuliert, so thut er wenigstens etwas für sein Volk. Taussig aber mästet nur einige Satelliten. Das Los eines jüdischen Arbeiters. Unter dieser Aufschrift, veröffentlicht der „Naprzod" einen Bericht über eine beini Strafgericht in Krakau stattgefundene Verhandlung. Es war am Versöhnungstage des vorigen Jahres, alle Juden versammelten sich in den Gotteshäusern, um zu beten, nur der arme Chiel Alter musste arbeiten, denn Chiel war ein Proletarier, der sich zum Sclavendienst beim Fruchthändler Leon Anis verkaufte. Chiel hatte nie einen Ruhe- oder Feiertag, er arbeitete Tag aus Tag ein vom frühen Morgen bis spät in die Nacht, ohne zu murren, und auch am heiligen Versöhnungstage, von welchem Chiel wusste, dass an ihm alle Menschen gerichtet werden und über jeden das Urtheil gesprochen wird, musste er arbeiten, zur Bahn fahren, die Früchte abholeu und dieselben hüten. Während der Jude Anis dort im Bethause im Büßerhemde sich auf die Brust schlug und um Sündenvergebung bat, musste der Jude Chiel Alter auf seinen Befehl seine täglichen Arbeiten verrichten. Das war für den armen gepeinigten Chiel zu viel, seine religiöse Empfindung empörte sich, und als er die Früchte behob, überließ ei; sie denn Burschen, welcher ihm den Wagen ziehen helfen sollte, und lief selbst ins Bethaus. Da fügte es sich, dass von deni Obst etwas fehlte; das ließ sich der gute Herr Anis nicht gefallen und klagte seinen Sclaven auf Diebstahl. Bei der Verhandlung zeigte sich jedoch klar die Unschuld des armen jüdischen Proletariers, der auf Antrag seines Vertheidigers Dir. Heski freigesprochen wurde. Commeutar überflüssig. Desider Harlig. Ein Programm für Galizien. Man schreibt uns aus Lemberg: Herr Seeretär Fleischer hielt hier eine Agitationsrede die den sehr löblichen Zweck verfolgt, ein Rechtsschutzbureau zu gründen. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn Herr Fleischer nicht die Ungeschicklichkeit begangen hätte, das Wirken . m -■ r , rv » s.-- c- V antisemitischen Kampfhähne a la Schneider, Gregorig e tutti des „Schomer Israel" nach dieser Richtung ganz todtzuschweigen. geduldet ivcrdcn. Neml Nnnmermehrl ^ie_, dürfen die Oberdie ja nicht geneigt sein werden, ein i-Tüpfelchen von ihrem! Der Vorsitzende, Herr Cultusvorstand Dr. Simon Schaff, ließ beyordcn, Statthalterei nnd Mmlsterium des Innern, schon cmsach Programme preiszugeben und den Juden gegenüber bei Vermietung keine Discussion zu, deshalb müssen wir auf diesen Wege ver- Mittel und Wege gefunden werden, zu berhindern, dass die Erdiese Auskunftei geeignet, den Antisemitismus so recht ad absur nennung Weißkirchners erfolge, und wenn sie dennoch erfolgt, dasi, ,u röhren und die ganze Hohlheit der Jildenhetze in grelle die tandessürstliche Bestätigung ver;agt bleibe. Der Sachlage nach Belenckitnna ^u setzen ist leider anzunehmeu. dass die fortschrittliche Minderheit im Wiener; ^cucymns M ,cycm Gemeiuderathe sich kaum dazu hergeben wird, gegen Weiskirchner j 6. Teplitz. (G e m e l n d e w a h l e n.) Bei der Wahl der mit der gebotenen Energie vorzugehen. Wir sind in dieser Richtung! CultuSgememde-Repräsentanz für den III. Wahlkörper waren _ wir constatieren dies mit lebhaftem Bedauern — auf unsere! von 320 Wahlberechtigten 153 Wähler erschienen; ewurden eigene Kraft angewiesen. Wir zweifeln nun nicht, dass es den die Candidaten des offieiellen Wahlcomitös^ gewählt, ^und.zwar maßgebenden Indenkreisen gelingen könnte, einen Erfolg zu er- - «- ‘ * sielen, stünden dem nicht die unstillbaren Knopflochschmerzen ent L * . __ ' . ___ *1. * fl _ 1 I. .... U.«( aT. tttiirtw/t U gegen, dieses perennierende Leid, bon welchem unsere patres mino- Ludwig Adler, Schneider; Ernst Steinwall rum gentium und unsere reichen Onkel befallen sind.^ Kusiener, Fabrikant; Julius Ottc Sarte dem .Hungrigen nicht glauben kann, so sind unsere reichen I Heinrich N «t t e l, Privatier; David B a u ch. nnd großen Inden ganz außerstande, sich einen Begriff zu machen, was Nahrungssorgcn für den annen Teufel bedeuten nnd Ivelchen .Kummer uud Qualen der arme Jude erdulden muss, wenn es ihm durch tendenziöse Herrschaft, durch parteiliche Judicatur unmöglich gemacht ist, des Lebens bescheidenste Nothdurft zu fristen, sich, Weib nnd Kind in anständiger, ehrlicher Weise ein Fortkommen zu suchen. Dies in den Kreisen, die es angeht, bekannt zu machen, nnd dieselben zur Erhaltung ihrer Machtmittel zu bestimmen, muss Aufgabe eines jeden sein, der es mit der bedrängten Iudenschaft, der es mit den Armen unseres Volkes ehrlich meint. Todesfall. Im Alter von 50 Jahren starb am 24. März d. I. in Wien, wo er sich vorübergehend aufhielt, Herr Dr. Salomon Mandelkern, ein Gelehrter von internationalem Rufe, der seit Jahrzehnten in Leipzig wirkte. Er studierte in Petersburg (als geborener Russe), wurde Rabbiner in Odessa, wo er auch juristischen Studien oblag und begab sich später nach Leipzig und Jena; an letzterer Universität erwarb er den philosophischen Doetorgrad. Im Jahre 1881 er sich ins Privatleben zurück. als Ausschussmänner: Heinrich Ungerleider, Fabrikant; Siegfried Steiner, Optiker; Moritz Freud, Kaufmann (Dux); ,. ' - - -- Ernst Steinwald, Fabrikant; o, Fabrikant: Agent; Max K l e m p e r e r, Agent; als Ersatzmänner: Philipp D o k t e r,' Kaufmann; Victor Aufrichtig, Kaufmann. Bei der Wahl aus dem II. Wahlkörper waren von 143 Wählern 88 zur Wahl erschienen. Gewählt wurden als Älusschussmänner die Herren: Julius Hahn, Svediteur; Julius Hauser, Fabrikant; Moritz Langer, Kaufmann; Marcus Lederer, Schirmkabrikant; Moritz Schulhof, Kaufmann; Siegfried Steiner, Fabrikant; Simon Taussig, Privatier; Ludwig Fischer, Kaufmann; H. Bloch, Kaufmann; Jakob R o b i t s ch e k, Kaufmann; zu Ersatzmännern die Herren: Adolf Kann, Kaufmann und JUDr. Grün Hut, Advocat. Bei der Wahl des I. Wahlkörpers erschienen von 10» Wählern 59. Gewählt wurden die Herren: JUDr. Siegmund Hahn, Advocat; Berthold Perutz, Banquier; JUDr. L. Bäcker. Advocat (Dux); Ernst Bechert, Lrderfabrikant; MUDr. Emil Stein, Arzt; Leopold Birnbaum, Fabrikant; JUDr. Julius Glässner, Advocat; Max Rothschild, Fabrikant; MUDr.,Moritz L ö w y, Arzt; als Gemeinbürgschaft kamen und dabei ein so weises Gesicht aufstecken, als ob sie dieselbe entdeckt hätten. Wer also wird dem galizischen Juden als Reiter erstehen in seiner schlimmsten Situation? Die „Union", der Herr Sekretär Fleischer mit seinem Rechtsschutzbureau, oder aber die Engnotecommisston des galizischjüdischen Gemeindetages? Alle diese Instituten können helfen — Geld verschlingen! Alle haben Geld — nvthig. Ich wage es zu bezweifeln. Indessen wollen wir ihnen mit unseren unmaßgeblichen Programm voraneilen, das sich leichter beschaffen lässt, als das nöthige Geld. Hier daS Programm: Zunächst müssten zwei große Corporationen in Galizien organisiert werden. Die eine Organisation umfasse den gesummten jüdischen Handwerkerstand in Galizien, mit dem Sitze eines Direetoriums in Lemberg, dem alle Kreis-, und Bezirksämter unterstehen. Dem Direetorium sollte als Hilfsquelle ein Capital behufs Bildung einer Creditbank für Gewährung von dreipercentigen Darlehen zur Verfügung gestellt werden. Die Percente werden theils zur Vergrößerung des Fonds, theils zur Deckung uneinbringlicher Forderungen verwendet In den 5kreiseventuell Bezirksstädten sollen Depots feitiger Products angelegt werden, zu dem Zwecke, dass die Saisonarbeiter, unbeeinflusst von der Saison, ihre Arbeit fortführen können, deren fertige Products dem Depots eingeliefert und darauf Vorschüsse bewilligt werden. Der Warenvorrath würde durch die betreffende Verwaltung ohne Schleuderpreise abgesetzt werden. Die Handwerker müssten wöchentliche kleine Beiträge zur Gründung eines Altrrsversorgungsfonds leisten. Da dem Handwerkerstände oft durch Lieferung des Rohmaterials geholfen werden kann, so können kleine Credcke unendlich Großes leisten, wie nicht minder die Ratenzahlung auf eine breite reelle Ersatzmänner die Herren: Siegfried K o h n, Kaufmann und Max I Basis gestellt werden kann. Diesem Institute müsste sich ein

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