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Jüdisches Volksblatt · 1902-05-23 · 21 (23.5.1902) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
21 (23.5.1902)
Date
1902-05-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdische« Votksbiatt Nr. 21 2S. Mai 1902 fallen, welche eigentlich nicht Schöpfungen der Cultu-gemeinde sind. Die Uebcrnahme dieser Anstalten in die Verwaltung der Gemeinde erwies sich als ein Gnadenact den reichen Spendern gegenüber, die, einfach unterstützungsmüde, die unzulänglichen und ihnen zur Last fallenden Institutionen auf die Gemeinde überwälzten. Die Cultusgemeinde Wien ist aber nicht dazu da, um mit den Steuergeldern ihrer Mitglieder Gnadenaete an Millionären zu üben, und man muss nach der bisherigen Gepflogenheit det jetzigen Majorität im CultuSvorstande gewiss kein Pessimist sein, um die vom Referenten kaiserl. Rath Hirsch ausgesprochene Befürchtung, „dass wir unS auch zutage tretenden Ansprüchen unserer Steuerträger nicht werden verschließen dürfen", gar zu ernst zu nehmen. Die Ansprüche, oder gar Bedürfnisse der Steuerträger waren bis nun unbekannte Begriffe für die Herren vom CultuSvorstande oder wurden als der Zucker, der zuletzt bleibt, betrachtet, und wir haben gar keine Veranlassung, anzunehmen, dass diese Anschauung, welche bis jetzt dem Judenthum zu unermesslichem Schaden wurde, in absehbarer Zeit einer gesünderen Auffassung Platz machen werde. Klingt es post tot discrimina rerum, nachdem so vieles Geld für unnütze Dinge für schlechte, stets Unsummen verschlingende Institutionen hinausgeworfen wurde und die „Erweiterung der genannten Humanitätsanftalten (welche erst ganz kurze Zeit bestehen. Red.) mit einer beträchtlichen Erhöhung der Betriebsauslagen verbunden sein werden", nicht wie Hohn, wenn der Herr Präsident von einer „weisen Sparsamkeit im Haushalte der Gemeinde" spricht, während das Damoklesschwert der Aufnahme einer schwebenden Schuld noch immer über unseren Häuptern schwebt? Und wenn schon die angekündigte Sparsamkeit in der Seitenstettengaffe wirklich ausbrechen sollte, so bietet uns leider das bisher geübte Princip in der Verwaltung nicht die geringste Gewähr dafür, dass dieselbe auch wirklich weise sein und nicht gerade dort wird angewendet werden, wo weise Freigebigkeit am Platze wäre. Ein Theil der Steuerträger gibt ihrer Unzufriedenheit mit dem Gebaren des jetzigen Vorstandes und der sinnlosen Verwendung der . eingezahlten Steuergelder und mit der Art der Steuerbemessung allerdings allzu drastischen Ausdruck, indem er die Steuern nicht bezahlt. Die rückständigen Forderungen der Cultussteuer betragen Kr. 119.002, also über 12°/^ der Gesammtsteuer, deren Realisierbarkeit vom Referenten mit 20°/0 angenommen wird. Diese Forderungen haften zumeist bei Beamten und ärmeren Leuten aus und bilden den treffendsten Beweis für die unrichtige und uugerechte Vertheilung der Lasten. Nach diesen kurzen, allgemeinen Bemerkungen sollen unsere nächsten Artikel der eingehenden Besprechung der Verwaltung in den einzelnen Sectionen, der Regelung der Koschersteischfrage, der Besetzung der Rabbinerposten und hauptsächlich denjenigen Aufgaben der Cultusgemeinde gewidmet sein, von welchen sowohl der Rechnungsbericht, als auch der Cultusvorstand selbst schweigt, deren Erfüllung aber dem Judenthum noththut und zu den ersten Pflichten einer jüdischen Cultusgemeinde gehört. Die Glmützer Handelskammerwahlen. i. Die Wahlen in die Olmützer Handels- und Gewerbekammer sind beendet. Den Berichten der deutsch-liberalen Blätter zufolge Sendeten dieeslben mit einem großen Erfolge der vereinigten deutals Schweinerei bezeichnet, was sie ja oft sind, so spricht trotzdem daraus keine sittliche Entrüstung bei Leuten, die beim Wimberger und am Spittelberg so gut Bescheid wissen und bei kirchlichen Aufzügen mit armdicken Wachskerzen einherstolzieren. Zweifelsohne haben sich unsere Stürmer alle Sympathien verscherzt, weil sie wirklich zu viel in Sensation gemacht haben, und das Beiwerk zur Klinger-Ausstellung ist eine Spekulation auf die Lüsternheit der Menge. In der Berurtheilung der Gemeinheit kann man ruhig eines Sinnes sein, aber das Superlativ der Gemeinheit ist es. diese von Erz-Antisemiten inscenierte Ausstellung, als jüdische Effekthascherei hinzustellen. d Dass das ganze equivoque Wien, bestehend aus der Demimonde der Aristokratie und des „Unnumerierten", den männlichen und weiblichen „Ueberalldabei", hinpilgert, nicht um sich, an Beethoven zu begeistern, sondern an den Nuditäten einen Nervenkitzel zu verschaffen, ist nur ein Zeichen der Decadence, in der sich unsere sogenannten befferne Kreise befinden, und es ist ebenso bequem wie dumm, in diesem Falle, von jüdischer Effekthascherei zu sprechen. Das anständige Christen- und Judenthum hat nichts zu schaffen mit den Bacchanalien dieser Hypermodernen, und gar bald wird diese Secession vom Ekel der wirklich honetten Menschen gerichtet sein; dagegen stellt die künstlerische Secession nichts anderes dar, als das Durchdringen einer neuen Kunstrichtung, welche unserer Zeit den Stempel aufdrückt und seinerzeit eine knnstgeschichtliche Epoche darstellen wird. Auch uns mag Klingers Beethoven nicht recht gefallen, weil das wahrhaft Monumentale nicht zum Ausdruck kommt, es uns zu witzig, geistreichelnd komponiert erscheint und der große Gedanke keinen gigantischen Zug gefunden hat. Speciell die kümmerliche Gestalt Beethovens, nackt dargestellt, scheint uns eine verunglückte Idee. Dagegen scheint mir die Verwendung verschiedener Materialien eine so glückliche Neuerung, dass bei harmonischer Uebereinstimmung sich wohl etwas Schönes und zugleich Modernes schaffen ließe. sehen Parteien, in Wahrheit aber stellt sich dieser Sieg, tvenn man die Ziffern sprechen lässt, als eine eklatante Niederlage derselben dar. Zwar besitzen die Deutschen von den 48 Mandaten der Handelskammer 38, während es den Czechen bloß gelungen ist, 10 Mandate (bisher keines) zu erobern. Nicht zu leugnen ist aber die Thatsache, dass sie in einzelnen Dkhlkorpern Minoritäten aufzuweisen haben, welche ihnen für die nächsten Wahlen weitere Erfolge verbürgen, falls sie es verstehen werden, sich mit der jüdischen Wählerschaft auf guten Fuß zu setzen. Die ersten Fäden hiezu sind bereits gesponnen, an den Czechen und ihrem Verhalten gegen die jüdischen Handels- und Gewerbetreibenden liegt es nun, auf dass diese Fäden nicht allzu rasch wieder abreißen. Mit Worten und Versprechungen rst uns nicht gedient, wir wollen endlich einmal mich Thaten sehen. Der jüdische Handels- und Gewerbestand verlangt von den Czechen Ruhe und Einstellung des Kampfes auf wirtschaftlichem Gebiete, er verlangt die Anerkennung der Gleichwertigkeit und nicht zuletzt eine entsprechende Vertretung in jenen Körperschaften, in welchen über die Verwendung seiner Steuergelder berathen und beschlossen wird. Ein derartiges Entgegenkommen wird auch jene jüdischen Wähler, die aus Mangel an Vertrauen oder im Hinblick auf erlittenes Unrecht und die schweren Anfeindungen. denen sie bis nun von den Czechen ausgesetzt waren, eines Besseren belehren unddann erst wird und kann nur so von den Czechen der Beweis dafür erbracht werden, dass der diesmalige Sieg der Deutschen bei den Handelskammerwahlen ein Pyrrhussieg gewesen war. Zum Verständnis der Situation veröffentlichen wir im Folgenden das ziffernmäßige Resultat der Wahlen nach den einzelnen Mahlkörpern und verbunden damit eine interessante Statistik, die unseren Lesern reichlich Stoff zum Nachdenken geben wird. Die Gesammtzahl der abgegebenen Stimmen bei den letzten Wahlen im Jahre 1896 betrug 11 826, diesmal 17 760, hiervon wählten die deutschen Candidaten im Jahre 1896 6740, die czechischen 6086, diesmal erhielten die deutschen 7300, die czechischen aber 10 450. Während also die Deutschen percentuell bloß 9 Percent, d. i. etwa 600 Stimmen gewonnen haben, betrug der Stimmenzuwachs der Czechen 5364 Stimmen, also mehr als 100 Percent. + Die Handelssection zählte diesmal im 1. Wahlkörper. 43 2. .116 3. „ 1280 4. „ 5392 zusammen 6830 Wühler, von denen wählten deutsch czechisch 1. Wahlkörper 30 10 + 20 deutsch 2. „ 56 48 +8 3. „ 673 499 + 174 4. „ 1662 3304 +1642 czechisch Der Abstimmung haben sich enthalten im 1. Wahlkörper. 3 2. .11 3. „ 108 4.426 fast durchwegs jüdische Wähler. Die Gewerbesection zählte im 1. Wahlkörper. 222 2. „ 445 3. 1431 4.10178 Wähler, von denen wählten zusammen 12276 deutsch czechisch 1. Wahlkörper 160 34 + 126 deutsch 2. 275 117 + 158 3. 786 660 + 236 4. 3605 6992 +2487 czechisch Der Abstimmung haben sich enthalten im 1. Wahlkörper. 28 2. 63 3. . 95 4. . 690 meist jüdische Wähler. Die Mpntansection zählte 22 Wähler, von denen 19 ihre Stimmen den deutschen Candidaten zuwendeten, während 3 sich der Abgabe der Stimmen enthalten haben. Diese Ziffern sprechen eine beredte Sprache und zeigen, dass wir Juden speciell in der Handelssection ausschlaggebend sind. Es wäre ein Leichtes gewesen, sich die vier Mandate des zweiten nebst den vier Mandaten des dritten Wahlkörpers, sohin acht Mandate, Mit diesen wenigen Worten wollten wir durchaus nicht dieses Werk einer eingehenden Kritik unterziehen, obzwar wir dies vielleicht so gut imstande wären, wie manche der privilegierten Kunstrichter, die marktschreierisch die Reklametrommel rühren und deren Kunstberichte nichts anderes sind, als eine Paraphrase des Katalogs. Diese erpresserischen Dilettanten, die sich ihre Wohnräume mit Zeichnungen. Bildern und Stichenverschönern, welche sie sich verehren lassen, und deren Frauen mit den gewissen bemalten Fächern paradieren, posieren ein Kunstwissen, das jeden wirklich Verständigen anekelt, und jede Kritik dieser Katalogmarder ist nach einer feststehenden Schablone verfasst. Im Hofmeistern und Bemuttern der Künstler leisten diese Herren Hervorragendes, z. B.: Wir hoffen, ihm bald wieder in seiner alten Tüchtigkeit zu begegnen. — Er hat unsere letzten Anregungen nützlich verwendet. — Seine Luftspiegelungen zeigen von fleißigem Naturstudium. — Die äftittel* tinten sind etwas zu derb vorgetragen. (Aus Seite 54 unseres Büchleins: „Der Rap h ael i n der We st entasche oder In 24 Stund en Kunstkjenne r"). In diesem d e m n ä ch ft (?) erscheinenden Werke findet man alphabetisch geordnet, alle Kunstausdrücke zum fertigen Gebrauche, wie sie unsere a la minutc- Kritiker, mit rührender Collegialität. gleichmäßig verwenden. Hier einige Stichproben: Aus dem Rahmen springende Aehnlichkeit (S. 53), Seinen Landschaften entströmt ein förmlicher Erd geruch (S. 38), Er wird uns noch viel zu sagen haben (S. 42). Er hat etwas Persönliches hineingelegt (S. 18). Nur einer fiel neulich aus seiner Rolle. Der Hilflose hatte noch keine Ahnung von meinem demnächst erscheinenden Werke und musste Eigenbau verzapfen, dabei passierte ihm der Plutzer, dass er von Obelisken bei der Karlskirche phantasierte. Die ernste Besprechung einer Ausstellung ist längst Nebensache geworden, weil die Beschreibung der lebenden Staffage weit rentabler ist: Die schöne Gemahlin (5 fl.) des Herrn von X (5 fl.) erschien in einer bezaubernden Crömtoilette m der Handelssection allein zu erringen, wenn der jüdisch« Handew- und Gewerbestand etwas mehr Nackensteife und Selbstachtung zur Schau getragen hätte. So muss er sich iu der Handels¬ und Gewerbesection mit sechs Mandaten begnügen, die ihm durch die Hände der deutschen Wahlmacher zugewiesen wurden. Und in welchem Lichte stehen diese armseligen sechs Herren „jüdischer Confessio» und deutscher Nationalität" da. Fühlen sie denn nicht das Entwürdigende, das darin liegt, dass sie ihre Mandate nicht der eigenen Kraft, sondern den Händen und Stimmen ihrer heftigste» und gefährlichsten Feinde, den Alldeutschen ulid Volksdeutschen, versanken, die sie nun vor ihren Siegeswagen spanqen? Die jüdische» Candidaten waren es, denen man unter anderen Artikeln vor der Nominiertlng auch jenen unterschreiben ließ, dass sie im Besitz« des Mandates, stets für die Wahrung des deutschen Charakters der Handelskammer eintreten werde,!. Ob mau wohl eine solche Bescheinigung ihrer politischen und nationalen Gesinnung mich von den arischen Candidaten verlangt haben wird? Gelinde gesagt, ztveifeln wir sehr daran und wenn, so geschah.dies wohl nur deshalb, um den, Schein der Gleichheit nach Außen hin zu wahren. Die Juden sind, eben nur Juden und keine Deutsche, so meint auch das deutsche Central-Wahlcomitee, wozu anders diente sonst hie von den jüdischen Candidaten verlangte Bescheinigung ihrer deüsschen Gesinnung? Wie schrieb nur das Prossnitzer deutsche Orts-Wahlcomitee: „Die Sache steht höher als die einzelne Person"? Können dies die getvählten sechs silbischen Candidaten auch von sich behaupten? Steht oder stand ihnen die Sache ihres Volkes, die Sache deS Judenthumes, auch höher als ihre eigene Person, als sie den Act der Selbstentmannung an sich Vornahmen und den Schein unterschrieben, ans welchem diesmal kein Shylock, wohl aber das Trio Brandhuber—Hoenig—Primavesi bestanden hat? Die Hand keines einzigen dieser Juden zitterte bei der Unterschrst, welche gegeben werden rmssste, weil man in diesen Kreisen den Worten der Juden keinen Glauben beimisst und nur das für wahr hält, tvas sie mit ihrem Namen besiegeln. Und das nennen jüdische Pressschmöcke: „Eine charaktervolle Bethätignng der Gesinnung!" Auch wir würden unsere publicistische Pflicht verleugnen, lvenn wir nicht offen unserer Entrüstung über ein solches Vorgehen Ausdruck geben würden. Was sonst noch von diesen ebenso dreisten als albernen Herren über angeblichen „Treubruch" und „Gesinnungslumperei" gefaselt wird, womit ein großer Theil der hiesigen Wählerschaft bedacht wird, welcher das Entwürdigende der den Juden zugedachten Rolle als Einpeitscher und Helfershelfer der deutschen. Wahlmacher zu fungieren, entschieden verurtheilt und einer selbständigen politischen Haltung der jüdischen Wählerschaft das Wort redet, so gilt wohl mehr denn je von diesen Schimpfereien, mit einer kleinen Variation, des großen deutschen Dichters Wärt: „Denn eben, wo Begriffe fehlen, da stellt ein Schimpfwort zur rechten. Zeit sich ein." Hat denn auch so ein junger Bursche einen Begriff davon, dass er und seine Brotgeber einen Treubrnch an ihrem, dem jüdischen Volke, begehen, wenn sie sich zu Schergendiensten verwenden lassen, bei "der Knebelung einer Nation durch die andere, kann er es denn begreifen, dass es Gesinnungslumperei bedeutet, wenn mm, sich an eine Partei verkauft, nicht etwa aus den vielleicht entschuldbaren Motiven, dadurch seinen arg bedrängten Stammesgenossen, dem Judenthum zu helfen, sondern einzig und allein aus egoistischen Motiven, aus Selbstsucht, um mit Hilfe des ergatterten Mandates seinem Geschäfte Beziehungen zu verschaffen, die von einem sonst noch so strebsamen jungen Kanfmanne nicht erreichbar sind. Nicht zu vorschnell also, Ihr jungen, noch etwas grün gefärbten Presssöldlinge mit Eurem Urtheile, insbesondere aber gewöhnt Euch das Schimpfen ab und seid recht vorsichtig in der Wahl Eurer Ausdrücke, denket erst, bevor Ihr schreibt, sonst passiert cs Euch, wie diesmal, .dass Euch der Verstand mit der plötzlich scheu gewordenen Feder durchgeht. Und was für Verheerungen ein scheues Pferd — Pardon I — eine scheue Feder mitunter änrichten kann, lässt sich kaum beschreiben. Sie führt mitunter auch zur Demolierung einer Partei, Zerklüftung einer Gesellschaft, wenn nicht gar zum Zerfalle eines stolzen deutschen Hauses, von dem es im Liede dann auch einmal heißen kann: „Noch eine einzige Säule zeigt von verschwundener Pracht, Auch die ist schon geborsten, kann stürzen über Nacht." ZUM Zionistentage in Sielih. Am 18. und 19. ds. fand der zweite österreichische Zionistentag in Bielitz statt, dem die zahlreiche „galizische Delegation", die infolge der Mahl des Congressortes fast ebenso stark war, wie die Vertretung der inneren österreichischen Länder, den Stempel aufdrückte. (10 fl.) ä 1a Duchesse (3 fl.) aus dem Atelier der Maison G. (15 fl.), macht zusammen 38 fl.; dafür bekäme die .schöne Gemahlin' schon ein artiges Aquarell. — Schade, dass diese „Kunstschriftsteller" nicht unerkannt die verschiedenen Künstlerbeiseln besuchen, gar liebliche Titel, wie Trottel. Esel, Schuft. Ochs, Rhinoceros, fliegen nur so herum. Stimmt schon. — Zu den Verbrechen dieser Sippe gehört es auch, einen sonst tüchtigen Porträtisten zum Monumentalplastiker emporgeschraubt zu haben, der uns mit einem Mozart und Makart beschert hat, dass es ernstlich zu erwägen wäre, diese Jammersiguren zu kassieren. Wie kraftvoll und individuell blickt uns dagegen Schindler an, während sie uns Goethe als hämorrhoidale Excellenz, statt als Dichter hingesetzt haben. Hie bodenlose Ignoranz und Gemeinheit, hie anmaßender, parteiischer Dilettantismus und in der Mitte liegt die wahre Kunst, die von euch beiden nichts wissen will. Ihr Herren von der G'moan, wenn ihr nächstens eine Pilgerfahrt nach Rom und Italien macht, schaut's euch die alten Juden besser an, die ihr dort trefft's und wenn ihr vielleicht den Dom von Florenz besucht, dann grüßt uns unsere Glaubensgenossen: Moses, David, Salomo n.Jsaias (von Passaglia), Samuel, Aron (von Ossara) Abraham, Sarah, I s a k (von Ceeioni). Lasst mir in der T r i b u n a die mediceische Venus in Ruh, verschaut's euch nicht in T i z i a n's : „Venus a u f e i n e m B e t t e", dafür erbaut euch an den danebenhängenden Werken von Raphael Sanzio und an Fra Bartolommeos I e s a i a und Hiob und schimpfl's mir nicht zu viel über den verjudeten Vatikan. Sie, Herr Klimt, als Obersecessionist ziehen Sie sofort Ihren Frack (Fa<?on Wolzogen) an und bedanken Sie sich bei Lueger für die neue Titulatur, Sie werden im Rathhause dem größten Effekthascher Wiens die Hand drücken können.

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