Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 20 (16.5.1902)
- Date
- 1902-05-16
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volks baut io. wai iyuz ^r. au Ojarteuanlagen geben dein (ganzen ein frohes und heiteres Gepräge. Die Eolonisten linden sieli biSber als dnrclianS arbeitSivillig erwiesen, bekunden protzen Eifer und gnleS (beschick, so dass sie ohne Zweifel sich in verhältnismäßig kurzer tzeit zn brancbbareii Handiverkerii heranbilden iverden. Für Fabritanlen ist liier gimskige Gelegen-! heit geboten, einen Llieil ibrer Fabricate ohne jedes tllisico in der Kolonie nnferrigen zn innen: eS stellen liierni kleine und größere ArbeitSränine denselben kostenfrei zur Verfügung, nnch stellen sich die Arbeilslöbne nnf nur 70 Pfg. pro M'ann, dn anS den Mitteln des Institutes die »osten für Vervslegnng der Kolonisten bestritten i werden. Näbere V(nc-tniift ertlieilen bereitwilligst Herr Bezirks- Vvrsteber MnrknS Adler, NW., Georgenftrnge -liier, und Herr Tvabrikbefiner Moritz Rosenow, 2., Rirterstraße 87. Die Besichtigung der Colonie ist jederzeit gern gestattet. Aus Rumänien. In Zokschtini fand -ein Zionistentag statt. Dr. A'acht ewffnete Oie Bersannnlunq mit einem Eegensspruche. Lr. Niemiroweb (Jassy) hielt einen historischen Vortrag über die Verfolqnnqen der Juden. Carp referierte. — Böses Blut machte der Bericht Serbans, des Präsidenten der Iassyer Handelskammer, in dem er die Negierung ansfordert, das Handlverkergesetz sehr stnenge und ohne Riirksicht anznlvenden. Ganz lächerlich ist die darin enthaltene Verleumdung, als ob die Indien, sich nur für Handwerker ausgebrn wurden, ohne es zn sein. Jeder Kenner des Landes muss diese Behauptung als Lüge kennzeichnen.^ — Die Regierung subventioniert fleißig die ausländische Presse besonders die Wieners zu unserem Erstaunen weist sogar ein Journalist, früherer Auslauds- Redacteur eines Wiener liberalen Tagblattes, ein Jude, im Lande umher, im Solde und im Aufträge der rumänischen Negierung. Es ist schade, über solche Gesinnungslumpen ein Wort 51t verlieren. gn u , . .'Nches ist tue Milieuschilderung; es lutvb ln'iiulid) daS Leben nitb Treiben in niederes und dumpfes Niveau; nur eine einzige Seele ist unter diesen Larven, ein junger Gymnasiast, der über die Feiertage seine Eltern besucht. Seine melancholische Stimmung und seine jungen Leiden luerben nnS mit umständlicher Genan'igkeit und großem Wortschwall geschildert. Aber am Schlüsse hat der Leser das niederdrückende Gefühl, dass viel Lärm um nichts gemacht tvnrde. Die ^eelcnmalerei gehört sicher zu deu bleibenden Requisiten des modernen Schriftstellers, aber er darf doch seine Knust nicht an Zergliederung von Dutzendmenschen, an der Ausmalung von Dntzendeher physiologisch ans den Wachsthumsveränderuugen zu erklären sind, die der Körper beim llcbergangc vom Knaben zmn Jüngling durchinacht, als psychologisch ans dem Seelenleben. L. Sofer. Politisch-anthropologische Revue. Maiheft. Inhalt: I. Lange: Die Aufgaben der Anthropologie. A. Hegar: Die Unfähigkeit zur Fortpflanzung und zmn Geschlechtsverkehr. Ladislaus Gnmplowiez: Anthropologie und natürliche Auslese. Willy Hellpach: Sociale Ursachen und Wirkungen der Nervosität, 2. Hans 5k. E. Buhmann: Zcngnng und Erziehung. schlägcn, die J'udenfrage in den Hintergrund zu drängen. Das Neueste ist folgendes taktisches Manöver: Die Ncgierungsprcsse räth der oppositionellen inländischen Presse, sich nicht mit der Roth und dem Elend der Juden, sondern mit der schrecklichen Lage der Bauern zu beschäftigen; welch ein Armutszeugnis stellt sich hiermit die Regierungspartei aus! Sie gibt hiermit nun einmal die schreckliche Bauerunoth zu. Nun entsteht die Frage: Warum hat die liberale Partei seit Jahren nichts dagegen gethan? Warum hat sie nicht versucht, dagegen anzukämpfen? Als er in der Opposition war, versprach Stourdza, der jetzige Ministerpräsident, zahlreiche Reformen, warum hat er sein Versprechen nicht eingelöst? Haben ihn die Juden vielleicht daran gehindert? Die Jndenfrage und die Bauernfrage stehen in einem wirklichen Zusammenhang. Würde die jeweilige rumänische Regierung wirklich etwas von Politik und insbesondere von Wirtschaftspolitik verstehen, so würden weder die Bauern noch die Juden so sehr leiden. Das Elend beider Bevölkerungsschichten hat die nämliche doppelte Ursache: Der wirtschaftliche Egoismus der herrschenden .Kreise und die politische Dummheit der leitenden Staatsmänner, das sind die Ursachen, welche sowohl die Judenwie die Bauerunoth hervorgerusen haben. Anstatt die wirklichen Ursachen der Krisis zu beseitigen, anstatt durch große Arbeitsgelegenheiten dem wirklich arbeitenden Volke, das sind in den Städten die Juden, aus dem flachen Lande die Bmiern, zu Helsen, wird eine doppelt nnsinnige Wirtschaftspolitik betrieben. Man bedrückt und vertreibt die Juden und man überlässt den armen Bauern seinem Schicksal. Si tacuisses. — Wenn die liberale Rcgierungsprepe doch geschwiegen hätte! Sie hätte wahrlich von ihrem Standpunkte aus klüger gehandelt; an solchen Dingen soll man nicht rütteln. Es ist die höchste Zeit, dass man das Ausland darüber informiert, wie die heutigen Machthaber in Rumänien im Interesse eines „Patriotisnnis ihrer Taschen", nicht nur die Inden, sondern ihre eigenen Volksgenossen, die Bcnrern, bedrücken. Todesfall. Der Grandrabbin von Tunis, Monchi Berrcbi, ist im Alter von 70 Jahren gestorbeit. Ein gebürtiger Tuniser, stand der Verstorbene im Ruse eines großen Talmudistcn. Fast sämmtliche Rabbiner, welche heute in den Städten von Tunis in Function stehen, waren seine Schüler.! Todesfälle. Wir entnehmen dem „Hawozelcth": Am Freitag Schemini starb in Jerusalem der Rabbiner Sebucco Salomon Lädier im Alter von 70 Jahren. Der Verstorbene koar früher Oberrabbiner in Lublin und erwarb sich zufolge seiner hervorragenden talmudischen Kenntnisse und seiner Frömmigkeit den Namen „Gaon von Lublin". Die Beerdigung fand unter großer Betheiligung der Juden Jerusalems statt. , Jerusalem. Die Lage dev ca. 2000 jüdischen Handwerker Jerusalems ist die denkbar traurigste, denn die Mehrzahl ist den größeren Theil des Jahres beschäftigungslos. Bei den hier auf allen Gebieten herrschenden scharfen confessionellen Gegensätzen gehört es zu den seltensten. Ansnahmefällen, dass unsere Glaubensgenossen: von Nchtjuden bei Bauten usw. beschäftigt lrierden, was iure bann geschieht, wenn man sich vjich't anders hLlfen kann; hingegen ist es durchaus keine Seltenheit, dass bei öffentlichen jüdischen Bauten nichtjüdische Handwerker bevorzugt werden. Dazu kommt noch die Concurvenz der Werkstätten der erwähnten Handwerkerschule, welche, da die Lehrlinge be-, schästigt werden müssen, natürlich billiger arbeiten kann und ' zudem nicht auf Verdienst angewiesen ist. Am schmerz-1 lichsten empfanden es die hungernden Handwerker, dass die im Aufträge der Alliance ismelite und der Jewish Eoloni-! zation Association aufgeführten, mehrere hunderttausend Francs betragenden Bauten seitens des Directors der iHandwerkersichule nichtjüdischen llnterneh - m e r n ü b e 1; gebe n wurde. Die glaubensgenössischen Arbeiter sind überzeugt, dass diese ihre Benachtheiligung sicherlich nicht im Sinne der Leiter der Alliance und der I. C. 8t. geschah, unb gaben dem Wunsch Ausdruck, dass ihnen in Zukunft die Arbeiten derselben gegönnt tverden mögen. Leider platzten die Ginster in der Versammlung so heftig aneinander, dass dieselbe zu keinem praktischen Resultat führen konnte. Am Tage darauf hat eine Deputation der Handwerker Herrn Consllt Simon eine Denkschrift überreicht, in welcher sie ihre Wi'msche ausführlich darlegten und namentlich die Bitte allssprachen, dass bei dm verdienstvollen Unternehmungen der A. I. 8l. und der I. C. 8t., wie der Darlehenscasse, Erbauung von Arbeitorwohmmgen usw., auch Vertreter oder Vertraunsmämrer der Handwerker zu Rache gezogen werden mögen. Eine Arbeiter-Eiliillktk in Krakau. In ben Sommermonaten des %al)te§ 1899 hat der Ccntralverein der Gewerkschaften in Krakau eine Enquete über die Lage der qnalificierten Arbeiter durchgeführt, die von einem dazu einbcrufenen Comitce geleitet wurde. Die auf diesem Wege errungenen Resultate bilden einen wertvollen Beitrag zur Erkenntnis der Arbeits- und Lebcnsbedingungen der jüdischen Arbeiter in Krakau, lvenii sie auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben können. Frau Är. Sophie Daszynska in Krakau berichtet, dass 85 sachverständige Arbeiter verschiedener Kategorien ausgefragt wurden, und will ich nur jene Geiverbe heransgreifen, über die einzelne oder durchgehends jüdische Arbeiter Informationen crtheiltcn, nämlich: Schlosser, 2 Juden, Spengler, 5 Juden, Schuster, 2 Juden, Schneider, 3 Juden, Buchbinder, 3 Juden, Schuhobertheiler, alle Juden. Unter den jüdischen Sachverständigen haben jugendliche Arbeiter unter 20 Jahren die Mehrzahl gebildet. Die Ursache davon ivar, dass die Enquete unter den Mitgliedern des israel. Gewerkvereins „Brüderlichkeit", deren Mitglieder vorwiegend junge Leute sind, durchgeführt lvnrde. Wichtiger als das Alter tvar die im Gewerbe verbrachte Zeit und bewegte sich diese zwischen 3 bis 10 Jahren, und nur höchst selten haben die Arbeiter ihr Fach verändert. — Die cinvernommencn Arbeiter haben ihre Aussagen ungezwtlngen abgegeben und konniert sie im Conütee verificieren. — Man darf auch nicht annehmeii, dass sie ihre Lage in düsteren Farben geschildert haben; int Gegentheil, Unwahrheiten sind besonders von den jüdischen Experten gesagt worden, um die Lebenslage des Arbeiters nur etwas schöitcr zu färben. Das geschah ein paarmal bei den Angaben über Arbeitslöhne, häusliches Budget und die Consumtion. Die Befragung der Meister hat sich als mterreichbar erwiesen. Aus diesen Grüitden sind die Resultate der Enquete nicht ganz vollständig tmd müssen mit einer gewissen Nachsicht behandelt iverden, umsomehr als sic den ersten systematischen Versuch zur Erkennung der Arbeitsbedingungei: bei den Handiverksgescllen und Lehrlingen in Galizien bildete. Die Verhältnisse in den besondereit Gewerben haben sich in folgender Weise gestaltet: I ü d i s ch c S ch l 0 s s c r a r b e i t c r. Die größte von den jüdischen Werkstättcti besteht mis 30 Gesellen und 12 Lehrlingen, m den nwisten anderen arbeiten 2—4 Leute. Es wird ausschließlich Handarbeit getrieben, die Arbeitszeit beträgt 11 oder 12 Stnndeir. Die jüdischen Schlosser gehören sämmtlich in die Kategorie der Banschlosser, deswegen hört im Winter ihre Arbeit auf. Lehrlinge nn Alter von 12—17 Jahren bekommen gewöhnlich im ersten Jahre Mittagejsen und je 12 H. zum Frühstück und Abendbrot. Im zweiten und deic folgenden Lehrjahren werden sie mit 00—80 H. täglich bezahlt. Die ersten zwei Jahre werden sie für häusliche Dienste verlvcndet und oft geschlagen. Der Besuch der Fortbildungsschule bringt ihitcn wenig Vorthcil, da sie ermüdet dahin gehen. I ü d i s ch e S p e n g l e r geh i l f c n. Die Verhältnisse, der jüdischen (stehilfen sind im allgemeinen schlechter, die Löhne niedriger, ntib die Betriebe kleiner als bei Christen. Es werden gegen'50 jüdische Spenglerbetciebe gerechltet. Unter ihnen arbeiten 15—20 Meister bloß mit Lehrlingen und die Zahl solcher selbstättdiger Alleinbetriebe wird immer größer. Im Winter Ivird ein großer Theil aller Gesellen entfernt, den übrigen der Lohn tun 0—S Kronen vermindert, ohne Verkürzung der?lrbeitszeit. Diese dauert geivöhnlich 12 Stunden, von 0 Uhr früh bis 7 Uhr abends, mit einer Stunde Mittagspause, istach Feierabend wird gegen besondere Entlohnung gearbeitet bis 10 oder 11 Uhr abends.^ Der Lohn variiert ztvisehcit 8—10 Kr. wöchentlich. In Krakau sind die Löhne hoher als in den Provinzstädten, wo die Spenglergesellen oft atlf ein ganzes Jahr gemietet werden für Kost uni» 100 Kr. jährlich. Die Lehre dauert drei bis vier Jahre. Der Lehrling Ivird als Hausknecht gebraucht und räumt die Werkstatt ans. Die Lehrlinge sind im Atter von 10—17 Jahren, im letzten Jahre arbeiten sie gleich den Oiesellen, bekommen aber feinen Lohn außer Wohnung und Kost (Mittagessen und je 10 H. für Frühstück und Abendbrot). Wenn der Lehrling Stofs verdirbt, bezahlt er mit dein Abzüge vom Frühstücksgelde und kommt selbstverständlich hungrig zur Arbeit. Jüdische S ch u h m a ch e r g e s e l l e n. Es tverden in Krakau ca. .50 jüdische Schusrerbetriebe gerechnet, aber bloß 12—14 arbeiten mit Hilfe von Olesellen. Die besseren Oiesellen wandern nach Wien oder in die Provinzstädte; in Krakau werden ihrer mir ungefähr 12 gerechnet. Das Sjtzgesellentvesen ist sehr unter den jüdischen Betrieben verbreitet, so dass nur ein Theil der Arbeit in den Werkstätten perfertigt wird. So z. B. sind in einer Werkstatt vier Oiesellen uitd zivei Lehrlinge, daneben arbeiten fünf Siögesellen, welche nt der benachbarten Stadt Podgorze wohnen. . Die Sitzgesellen haben auch (stehitfen. Die Arbeit ist übermäßig anstrengend; im Sommer dauert sie von 5 oder 0 Uhr früh bis 9 oder 10 llhr abends, im Winter wird um 7 Uhr angefangen und 11111 12 Uhr nachts geendet. Pansen existieren gar nicht. Wenn Arbeit da ist, tvie vor den Feiertagen, tvird ganze Nächte dnrchgearbeitet, oder von Donnerstag früh bis Freitag abends ohne Unterbrechung. Die Werkstatt dient gleichzeitig als Küche und Schlafzimmer für Lehrlinge und Olesellen, die oft beim Meister wohnen. Die Olesellen werden auf 1 oder ein halbes Jahr ausgenommen, und verdienen Kr. 10—10 pro Woche bei Stücklohn. Die Lehre dauert vier Jahre, aber lvährend der zwei ersten ist der Lehrling Hausknecht. Er erhält Wohnung und 1—1.40 Kr. pro Wvche. Die Gehilfen waren in der .Krankencasse versichert. „ ,u fr 1 i ch e S ch n e i d c r g e h i l f e 11. Es werden nngefähr 50 Betriebsstätten mit 200 Arbeitskräften geschätzt. Bei den ConfeetionSschneidern Iverden mehr Mädchen als Männer beschäftigt. Erstere übernehmeii die minderwertige Arbeit und verdienen 0—9 Krone», letztere 10—10, höchstens 18 Kr. wöchentlich, aber dielemgen Tage, an denen nicht gearbeitet Ivird, werden abgezogen. Die Arbeit dauert 12 Stunden mit eiiisti'indtger tlntcrbrechnng. Wahrend der Saison wird oft ganze Nächte gearbeitet. Die Consectlonsschncider halten keine Lehrlinge, sondern mir Lehrmädchen, die mit 1—1 Kr. pro Woche bezahlt Iverden. Im Juli fängt eine theilweisc Arbeitslosigkeit an und dauert viereinhalb Monate. Während dieser Zeit ivird 2—3 Tage in der Woche gearbeitet, der Lohn ist entsprechend niedriger. Die Confection hat sich in Krakau speeialisiert: einerseits Dainenjaqncts und Kragen, andererseits Männeraiizüge. Auch die hansindnstriekle Arbeit ist nicht iveniger entwickelt als unter den christlichen Schneidern und stellen sich die Stücklöhne wie folgt: Olewöhnlicher Rock ans Vorrath .... Kr. 2.20 », ,, „ Aestellnng ... „ 3.60 Ucbcrzicher oder Anglaise ans Vorrath . „ 3.60 » „ „ „ Bestellung „ 6.— Weste oder Beinkleider ans Vorrath ... „ —.70 ,, ,, „ „ Bestellung . . „ 1.— Manchmal iverden mit den Arbeitern jährliche Contraete mit 00—70 K'r. (pro Jahr) Oiehalt, Wohnung und Kwst abgeschlossen. Die Lehre dauert 3—6 Jahre, und kommen die Lehrlinge selten in eine Fortbildiingsschnle. Sie stehen im Alter von 8—9 Jahren und Iverden zu häuslichen Arbeiten verwendet. Sie erhalten Mittagessen und 24 H. oder 2—4 Kr. wöchentlich. Die jüdischen Schneider feiern am Samstag. Die Mehrzahl derselben ist weder freigesprochen noch in die Zunft eingetragen. Kürschner. Es Iverden unter den KUrschnerwerkstätten 25—30 jüdische (neben 10 christlichen) gezählt. ES sind vorlviegend kleine Betriebe mit 1—2 Gesellen und ebensobicle» Lehrlingen fünf größere Betriebe beschäftigen je sieben Gesellen. Tagesarbeit dauert 11 Stunden mit cinstüiidiger Mittagspause, die Nachtarbeit nach kurzer Abendunterbrcchung bis 5 oder 6 Uhr früh. Für die Tagesarbeit betragen die Löhne 0—12 Kr. Ivöchentlich, für die Nacht wird 1.50—2.— Kr. bezahlt. Die Lehrlinge sangen manchmal mit 10 Jahren an, sie werden aber nicht für häusliche Dienste gebraucht, bekommen 1 Kr. und arbeiten so viel wie die Gesellen. Außer Gesellen und Lehrlingeit arbeiten noch ungelernte Gehilfen. I ü d i s ch e B u ch b i n d e r g c s e l l e n. Die Lehre dauert vier Jahre, aber viele Lehrlinge machen die ganze Lehre nicht durch und entfliehen in andere einträglichere Berufe. Eincur Lehrling wird ohne Kost von 82 H. bis zn 1.60 Kr. pro Woche gezahlt. Die Arbeitszeit sowohl bei diesen wie bei den Gesellen dauert 10, 12, sogar 18 Stunden. Der Wochenlohn der Olesellen beträgt 7—14 Kr. Die Auszahlung ist nicht regelmäßig, gewöhnlich zahlen die Meister, wenn sie Geld haben. Der Geselle erhält manchmal 5lost und Wohnung bei 3 Kr. Wochenlohn. Geruht ivird Samstag,. Sonntag wird gearbeitet. S ch u h 0 b e r t h e i l e r. Dieser Berns befindet sich in Krakau ausschließlich in der Hand von Juden. Größere Betriebe, die 40 bis 60 Arbeiter beschäftigen, werden 5 gerechnet, kleinere 12—13. Die Lehrlinge mitgerechnet, gibt der Beruf ca. 400 Arbeitern Beschäftigung. Die Obertheile Iverden in großem Maßstabe verfertigt und nach den Provinzstädten Olaliziens und anderer österreichischer Länder gebracht. Ein Betrieb macht z. B. 360 Paar pro Tag, ein anderer 1200 in der Woche. Der Befähigungsnachweis ist nicht nöthig, ebensowenig das Frcisprcchen der Lehrlinge. Die Arbeitscinthcilung im Betriebe ist sehr vorgeschritten, es Iverden nämlich folgende Kategorien unterschieden: Schneider (in der Minderzahl), da man für die Erwerbung der Schneiderkimst 200 Kr. zahlen muss, Schneider der Zugabcit, die Unterfutter¬ oder Olummischncider, Kleisterer und Maschinisten, letztere häufig Frauen und Jungen. Lehrlinge erhalten im ersten Jahre 1 Krone Lohn pro Woche, im folgenden Jahre 2 Kronen, später 2.50 Kr., 5, bis sie den Wochenlohn von 8.60 5kr. erreichen und als Gesellen betrachtet werden. Die Arbeit des Lehrlings, der häufig ein Kind von 10 Jahren ist, ist grausam: sie dauert oft bis 1 Uhr nachts, ohne besondere Vczaylnng. Die Lehrlinge werden nicht nur ansgebentet, sondern auch misshandelt und geschlagen. Die billige Arbeit der Lehrlinge verführt zur Vergrößerung ihrer Zahl. So ivaren in einer Werkstatt 6 Schneider, 9 Maschinisten, 3 5tleisterer und ca. 20 Lehrlinge. Bei größerer Arbeit Ivird bi? 8 Uhr abends gearbeitet, worauf die Arbeiter essen und sich waschen, in die Werkstatt zurnckkehren, um lns 0 Uhr früh zn arbeiten. Die Lehrlinge werden in der Nacht eingesperrt, damit sie nicht entfliehen. Die Löhne sind verschieden. Maschinisten verdienen in einer Wvrkstait 0—-10 Kr. pro Woche, in einer anderen 10—14 Kr. Berechnet wird nach Tageslohn, doch der ungeschmälerte Verdienst wird bezahlt für ein gewisses Onantnm Llrbeit, und zwar 12 .^tzr. pro Woche für 40 Paar täglich. Wer weniger arbeitet, dem werden 5 H. pro Paar abgezogen. Bei Arbestsmangel werden die beschäftianngsloseii Tage vom Wochenlohn abgezogen. Die Arbeitsränme sind eng und schmutzig, zwischen den Maschinen ist kanin Platz genug für einen Stuhls Der Gewerbeinspector besucht manchmal die Werkstätte und ist mit den Verhältnissen nicht zufrieden, trotzdem tritt keine Aenderllng ein. Bei den jüdischen Betrieben ist die Arbeitszeit weniger geregelt, und die Verhältnisse sind schlechter. Das Lehrlingswesen weist in Krakau besonders missliche Zustände atif. Die Gewerbeordnung, die den Lehrlingen gegenüber klare Vorschrtfien enthält, wird nirgends beobachtet. In die Lehre iverden Kinder unter dem gesetzlichen Alter (12—14 Jahre) ausgenommen und ihnen dadurch die Möglichkeit des elementaren oder fachlichen Unterrichtes und hauptsächlich der physischen Entwicklnvg benommen. Frau Dr. Daszynska sagt, dass beim Vergleiche der Arbeitsbedingungen und der Verhältnisse in den Betrieben die Eittscheidnng leider ziigiinsten der christlichen Gehilfen fällt. Da in Krakau die Scheidung zwischeit christlichen und jüdischen Handwerkergesellen sich meistens vollständig vollzogen hat, so dass sie sich bei Meistern derselben Confession gruppieren, so ist mit der Veröffentlichung dieser socialpolitischen Studie nur der Zweck verfolgt, bessere Zustände herbeiznführen und den Arbeitern jüdischer Eonfessivn bessere und erträglichere Lcbensbedinguiige» zu ermöglichen. E r n st N e n st a d t l. Löbliche Redaetion I Der Hund leckt die Hand, die ihn schlägt. Gerade so ist es bei den Inden in Mähren. Abgesehen davon, dass die mährischen Juden, die in deutsche« Gegenden wohnen, stramme Deutsche borstellen, äffen es ihnen die Inden, die in stockböhmischen (tzegenden tvohnen, von der böhmisckien Kundschaft leben, nach. te war der Böhme ein solcher dlntisemit, wie der Deutsche (siehe Mittelalter). Der Aiitiseinitismns tvnrde den Böhmen anfgedrängt. Warum ntiterstützt der Jude, der zwischen und von dem böhmischen Volke lebt, den Deutschen, den Erbfeind dieser Nation, in dein Kampfe für seine Rechte, für seine Sprache? Bei deit letzten Wahlen in die Brünner Handelskmmnar wählten z. B. die J-lden von Kroman und Eibenschütz geschlossen deutsche Eandidaten, obzlvar die böhmische Presse mir die Neutralität der Jude» verlangte.