Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 20 (16.5.1902)
- Date
- 1902-05-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 16. Mai 19i;2 Seile L die »cm selben Jahrzehnte imicgehabtcn städtischen Geschäftslocale gekündigt. Es gelang dem Ausschuss, diese für die Betheiligten peeuiüär geradezu verhängntsvolle Maßregel abzustellen durch Jntervcutioii beim Stadtrath und die Rettung einiger Existenzen ist als ein schöner Erfolg zu betrachten. Weiters schildert Redner den Verlauf der Vcrtraucnsmänncrbcrsammlnng vorn 3. Juni o. I., in welcher eine Resolution beschlossen wurde, ivclchc in einer wichtigen Schutsrage eine friedliche Einigung mit der Stadtgcmeinde und dem Bezirksschulrathe bezivecken sollte. W«ie die Folge bewies, ist die darin zum Ausdruck gebrachte, leider aber bom Bürgermeister der Jndengemeindc, Dr. Zweig, nicht befolgte Taktik bollständig richtig gewesen, nachdem der Wille der Stadtgemeinde in besagter Schulangelegenhcit mit Gewalt dnrchgesetzt wurde, während durch dieBerhandlung und Interventionen des JüdischcnVolksbercikics einige sehr tvertbolle Garantien zustande gekommen wären, abgesehen von der friedlichen Annäherung, welche vom jüdischen Standpunkte bei den prccären Localverhältnissen auch nicht zu unterschätzen gewesen wäre. Auch bei den Eultnswahlen hatte der Verein sich bctheiligt und bewiesen, dass er in der hiesigen Cultusgerneinde ein Factor ist, mit welchem man rechnen muss. Jnbezug auf die Handelskammerwahlen hat der Verein es durchgesetzt, dass für die Stadt Prossnitz nur jüdische Beiverber in Betracht kommen. Zur Bereinsstatistik übergehend erwähnt Herr Lasus, dass eine Hauvtversammlung, eine Vertraneiisinäiinerversammlung und acht Ausschnss'itzungen vor sich gegangen sind. Die Anzahl der Mitglieder isr von 00_ ans 102 gestiegen, von welchen eines verstorben ist. Ter Berichterstatter bringt den wohlverdienten Dank deS Verein s zum Ansdruck gegenüber den geistigen Begründern desselben: > ' Herren Rich. Rappavort und Dr. Karl Lifczis, solvie dem .jüdischen Volksblatt", welches bereitwillig sich zu unserem Sprachrohr gemacht hat, iveiters auch Herrn Dr. Leo Sofer inid schließt unter lebhaftestein Beifall mit einem warmen Appell an die Versammelten, das Judcntlnuu und den Verein stets hocbzuhnlten nac!> den Morten des Dichters: Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, Erwirb es, mn es zu besitzen. — Dem Ca habe riebt des Herrn Edm. Heilig wurde nach dem Rcvisionsbericht des Herrn Leopold Beck das Absolntorinm crtheilt und hierauf folgende Anträge der Vercinsleitung einhellig' angenommen: Vermehrung der Ausschussmandate von 6 auf 8; Belastung der Mitgliederbeiträge in der bisherigen Höhe von 20 H. monatlich; eine Resolution folgenden Inhaltes: „Die Mitglieder des Jüdischen Volksvereines erklären diese Corporation als ihre einzige legale Vertretung insoferne, als die Wahrung ihrer wirtschaftlichen und politischen Rechte itttb. Interessen in Frage kommt." — Nachdem ein Mitglied, Herr Fritz Loir, Obmann des hiesigen Zwcigvereines Zion, den Wunsch ausgesprochen, dass die Statuten in Druck gelegt und vertheilt werden mögen, wurde auf feinen Antrag der bisherige Ausschuss per Acclamation wiedergctvählt. Jetzt erst gelangte Herr Rich.. Nappaport zum Wort und referierte über das Tbema: ..Ein jüdisches Programm" in gewohnter, eingehender, formvnllendrchr Weise und erzielte auch die tiefsten, nachhaltigsten Eindrücke ans das Auditorium, tvic der rarlschende Beifall darthat. Nun bracht-' Herr Adolph Donath eine leider zu kleine, aber herzerfreue udc Auslese seiner Dichtungen derart gediegen zu Gehör, dass ber allgemeine Wunsch rege wurde, Herr Donath möge einen speciellen. Abend für seine reizenden Reeitationen den Prossnitzern widmen und constatieren wir mit Dank, dass der gefeierte Autor hie bindende Erklärung abgab, im Herbst diesem Wunsche Rechnung zu trauen. Zum Vortrage gebracht hatte Herr Donath Folgendes: „Die Jüdin", aus „Dorfgemäldc", Liedchen aus „Judenlieder", „Mirjam", ein Kampflied. In vorgerückter Stunde gelangte endlich Herr Dr. Hermann Kadisch zu seinem Referate: „Die Nationalitätenfrage und die Stellungnahme des Indenthums." Dem gewnltigcn Sprecher gelang cs augenblicklich, sich Gehör zu verschaffen und die prägnanten Ausführungen voll kerniger Thatsachen in zündendem Enthusiasmus darzustellen. Es war deine auch der Erfolg ein wesentlicher, begeisternder, wie immer, ivenn dieser bewährte Kämpe spricht und nachdem der Vorsitzende den Gästen den Dank der Versammlung votiert hatte, wurde dieselbe in später Nachtstunde geschlossen. A. F. Mähr.-Ostrnn. Das gegenseitige Verhältnis der hiesigen Deutschen zu den deutschen israelitischen Kaufleuten war niemals, so schreibt das hiesige Jungczechen»-Organ „Ostravskh Dennik", ein rosiges. Die beiderseitigen Widerwärtigkeiten verschärften sich jedoch in den letzten Tagen in auffallender Weise. Es ist bekannt, dass sich die deutsche Kaufmannschaft zum größten Theile aus 'Israeliten recrutiert, aber die „Vollblut"-Germanen ihnen so, als ob sic von deren Existenz nichts wüssten. Bei den Wahlen in die Handelsntib Gewerbekammcr stellte die vereinigte deutsche Partei vier Candidatcn auf, und zwar mit vollständiger Ansschliestung der Israeliten. Von den Candidaten gehört einer der alldeutschen Partei an, zwei sind Christlich-Sociale und einer „gemäßigter" Deutscher. Unter den jüdischen Kaufleuten rief diese Abstoßung sehr bittere Gefühle hervor. Die Israeliten unterstützen immer und überall die Bestrebungen des Deutschthums, welches von ihnen aber nur dann etwas weih, wenn es sie braucht, sonst aber ihnen nur Verachtung zeigt. Allein die Söhne Israels laufen trotzdem stets ins deutsche Lager, wenn cs sich darum handelt, den Czechen etwas am Zeuge zu flicken. Was! Vermögen alle diese Verletzungen sie nicht auszuscheiden? — So das genannte Blatt. Traurig aber wahr! Vielleicht werden aber die Ostrauer Inden endlich zur Einsicht kommen, dass ohne Organisation auch kein Erfolg möglich ist. Das Mandat Horicas. Ilm das Mandat Horicas streiten sich 7 der Helden. Das jungczechische Executivcomitee schlug den Herrn Sehnal, Dr. Gros und Scheiner vor. Es wurde aber keiner davon acceptiert, sondern mit 18 gegen 21 Stimmen Dr. Rocek, ein "Antisemit. Wenn die Czechen durch Protection des Antisemitismus die Stimmen der jüdischen Wähler in den gemischtsprachigen Geigenden zu geivinnen glauben, so irren sie sich. Wählersang. In der conftititicrcnben Sitzung des Ausschusses des Vereines der Deutschen Volkspartei in Margarethen wurde jüngst eine Resolution angenommen, welche eine bemerkenswerte Stelle enthält, _ die den Antisemitismus v e rw i r f t. Das officielle Organ der Deutschen Fortschrittspartei in Wien veröffentlicht diese Resolution urrd fügt derselben die hochofficiöse Bemerkung bei, dass dieses Programm es den Anhängern der Deutschen Fortschrittspartei mm ermögliche, bei den Lan.dtagsivahlen mit der Deutschen Volkspartei zu geben, (siel) Schon tagsdarauf beeilt sich die Deutsche Bolkstzartci hierauf in ihrem Parteiorgan eine detaillierte und klare Antwort 311 geben. Die „Deutschnationale Correspondenz", das Orgmi der Deutschen Volkspartei, schreibt nämlich: „Wie gemeldet, hat die Deutsche Volkspartei in Margarethen eine Kundgebung beschlossen, in welcher dieselbe erklärt, an dem Programme der Deutschen Volkspartei mit Ausnahme des Antisemitismus festzuhalten. Von dieser Kundgebung hat bisher weder der parlamentarische Verband der Deutschen Bolkspartei, noch die Parteileitung der Deutschen Volkspartei in Niederösterreich eine beglaubigte Verständigung erhalten. Wenn die in Rede stehende Kundgebung thatsächlich vom Verein der Deutschen Volkspartei in Margarethen beschlossen wurde, so steht die Deutsche Volkspartei damit in feinertei Zusammenhang, da ihr Programm mit allen seinen deutschvölkischen Forderungen ein untrennbares Ganzes bildet." Aus der Reihe dieser Enunciationen ergibt sich, dass sich im fünften Becrklärt zur Beseitigung von Missverständnissen, er habe sich seinerj Volksblatt" ehl'los gMllg feilt, wil'd, seine seinerzeitigeil zeit unabhängig constituiert und die Verpönung des Antisemitismus i njedertcäcktiaen Ausstilcimnacn nickt tu öernenHemi aus seinem Programm ohne Einverständnis der Deutschen n,tuu;uuW 311 ^uiiutnu.ai, Partei in Niederösterreich beschlossen. Wir recapitnlieren nochmals:! NMUNt Ullu? ltldjt Jb'Ult'öcu. C'v llillllll.t Itltv auch Iticfyt der Deutschen Bolkspartei in Niederösterreich, den Judenpunkt, d. i. den Antisemitismus ans seinem Programm zu eliminieren. Dies aber betrachtet eben dieser Mutterverein als eine Auflehnung gegen die den Antisemitismus als unverbrüchlichen Programmpunkt verschreibenden Satzungen der Partei und weist jede Gemeinschaft mit der Margareibener Filiale mit aller Entschiedenheit zurück. Nun antwortet wieder der neue Margarethener deutsche Volksverein und Wunder, schreiten; dass die Gerichte nicht gegen da- V." einlveuu bei u.us die G r u n d g e setze des chncn, wenn er ans seinem Programm den Antiscmitenpnnkt /v (r .v :■ V £ vT!sschloss. Gegen diese Eliminierung protestiert natürlich wieder stoch euN'll H'UUten, Von Ghrgesutzl NN Leibe haben, dass : Deutsche Volkspartei in Niederöstcrreich mit aller Entschiedensie ihre VerletlMdungKN lviderrnsen werden. Im fünften Bezirke Wiens hat sich ein Verein Namens Deutscher Volksverein gebildet, ziveifcllos zu dem Zwecke, bet den bevorgehen, beziehinigsweise die jüdischen Wähler zmn einträchtigen Znj a 0 a lt f b l IN P a P hr 11 stehen, so lst Cj litte sanunengehen bei den Wahlen zu eaptivieren und den arischen Herren - conseguent, wenn btc Paragraphen des Strafgesetzes nach Kandidaten zu einem Mandate zu verhelfen. Selbstverständlich ' Willkür angelvendet wollden. Von den Abaeordireten Axkonnie dieser neucoustituierte Verein nur dann auf einen Erfolg,.^ und Dr Maistkii-ckner aber erwarten' Nur wenn sie rechnen» wenn er ans seinem Programm den Antiscmitenpnnkt! 'UE NNo Dr. W^lMiicyMiaOm^cUvaiWu WN^lvcmi sw ans ' - - -. -..... . "" ‘. ' . die M-'d °h..° SHfjue. Aus Budyka. Galizim, Contact mit der Deutschen Bolkspartei in Niederösterreich betreffs wird Uns geschrieben: Am 9. Februar Sonntag nachdcs Judenpunktes. Hieraus ergibt sich mit unerbittlicher Logik, dass! nlittags begab sich der kränkliche, 23iähriqc Getreidehändler der Deutsche Volksvcreiu rn Margarethen nach lute vor btc Absicht « pjt guflttmrh.»,. hat, bet den bevorstehenden Wahlen die jüdischen Wählcrgimpel ein- Wandel, ^ohn Markll^ Wanoer Von hier, nach zufangen. Wir Jndctt jedoch ntüssen aus der ganzen Affaire die! dem 6 Kllomewr entfernten Dorfe Dßbenewlez. Er kaufte Moral ziehen, dass wir weder dem eilten ttvch dem andern Vereine,! dort eine Gans, mit kvelcher Nian ihn Montag abends das wess Namens uitd Programmes er auch sei, bei den bevorstehenden D verlassen sali Seit dieser ^eit ist icbe Svnr von ifm Landtagswahlen Heerfolge leisten dürfen, bevor nicht reiner Tisch j ~~ 4 ÜUltIl(VV-L|jtolclll( 1;;7tiar}on t™*1 gemacht erscheint. Da ergibt sich wieder die Nothwcndigkeit, dass! velloien. Steine Hmmilte veianstaltete ^Nachforschungen, wir Jttden vorher wissen ntüssen, was wir wollen und lvas wir j die ohne 11 ,n_t 0 r st ü tz U N g feite N s d ie r c 0 M p ekotmen und dazu erweist sich als Taktik, dass wir, Juden uns in .tont >e lt Behö X d e, e t* so'l g I öl s b liebe N. Hund°rt° v«n jüdisch-.. MS.M°N, Mt--sucht°n diganze Unu- Opfer des Jntellenctcs, die Unterwerfung unter einem uns auferlegten Dictat, vorschreibt. Gemeinderathswahlen in Krakau. Heute fandien in Krakau Gemieinderathswahlen aus der Kurie des Kleinhandels rmd Gelverbes!sta,t!t. Es siegte die Liste der fovtschrittlicheir Parteien, und zwar: Reichsrathsabgeovdncter Taszynski, Dr. Groß, Doctor Seinfeld, Dr. Frühling, Dr. Lustgarten, Dir. Nofenblatt, Dr. Miedniak, Drobner, Birnbaum und Schmelkes. Auf der nnterkegenen Liste der Conservativen stand mrter anderen der Bürgermeister von Krakau, Josef Friedlein. Wir registrieren diese Nachricht mit umso größerer Befriedigung, als sich unter den Gewählten mehrere Gesmnmrgsfretmde befinden. Es war eine Kraftprobe der unabhängigen Juden gegen die orrntionslvrtschaft des Kahals. Dor Sieg dieser Gruppe bedeutet nicht nur eine Niederlage du, Horolvitz und Co., sondern auch der Schlachta. Der Mord im Peklothal bei Nachod. Ans gebung tagelang und sind ztt der Neberzelkgung gekommen^ dass der Hersch Wander, der zttr kritischen Zeit 30 fl. bei ’ sich hatte, wahrscheinlich ermordet wu-rde und sein Leichnam sich im Dorf e befindet. Sollte die Gendarmerie im Dorfe Untersuchungen einleiten, so ist noch heute zu hoffen, Spuren von dein Verschollenen zu finden. Unsere Justiz ist zwar sofort ans den Füßen bei Ritualmordanzeigen, ja sogar misstrauisch gegen angebliche Mörder, deren Opfer — leben, eine galizischje Specialität, wie es im Falle Schnur zu ersehen ist, wo die vier jüdischen Familien trotz des Affidavits und der Photographie nicht freigelassen wurden. Hier ist aber seitens der Behörde auf keine Unterstützung zu hoffen, da der Verschollene weder sich taufen lassen wollte noch für Ritualinord^ verwendbar war/ Ausland. Die.Wjahlen in Frankreich. Der Ausfall der Stichwahlen hat unsere Diagnose betiroffs der französischen grätz Wirdums berichtet:'Am 26. d. M. beginnt vor'dem! Deplitiertenwahlen bestäUgt. Die Nationalisten Haben 25 hiesigen Schwurgerichte die Verhandlung gegen den 46 von den 40 Pariser Mandaten errungen, dafür aber in Jahre alten, nach Borowa bei Nachodzuständigen^ Weber Johann Jaros, welcher bekanntlich beschuldigt ist, am 21. September v. I. die 16jährige Nähterin Marie Suchanek im Peklogrnnde in bestialischer Weise ermordet und beraubt zu haben. Der Mord verursachte seinerzeit ungeheueres Alissehen, dies mnsomehr, als man des Thäters lange nicht habhaft werden konnte u n d d i c S a ch e v 0 n antisemitischer Seit e z u c i n c nt R i t u a U m 0 rd geste m p e l t wurde. Die ch r i ft l i chj socialen A b g e 0 r d n e t e n A x nr a n n, D r.! W e i ß k i r ch n e r u n d G e n. b r a ch t e n i n d -e r der Provinz und besonders in Algier sind sie aufs Haupt geschlagen. Speciejll das Wahlvesultät in Algier interessiert uns, da dort der Kern und die Hauptmasse der französischen Inden wohnen. Unsere Staminesgenossen haben sich glärtzend gehalten und wichen weder den Drohungen noch der Gewalt. Von den bekannten Anliseniiten fielen folgende: de Beaulvegard«, Drumont, Morinand, Matchgl de Cassagnai, Gemrd; dagegen fiel auch Reinach (Jude). Daftir drangen folgende Dtzeyfufards durch : Jaures, de Pressense, Brisson, GerauU-Richärd. Von Juden wurden gewählt: Bischoffsheim, Klotz. Das Ministerium Sitzung dos Abgeordnete n h> a u s e s v 0 m! verfügt über eine Majorität von 372 Stimnten gegen eine 20. O c t0b e r 1901 eine den Mord be- > Minorität von 208 Sümmen. Recht erheiternd wirkt es, t r if f e it b c, gega n b i e Jude n gerichtete! wenn das nationalistischie „Petit Journal" als tonan- I n t e r p e l l a t i 0 n e i n. Es sei hier auf Grttnd der gebendes ausländisches Black die Wiener „Reichspost" seinerzeitigen Mittheillmgen nochmals der furchtbaren etnert. , _ Mordthat kurz Erwähtmng gethan: Samstag den 21. \ m Nach dem eclatanten Durchfall Drnmonts und ferner September v. I. begab sich, die 16jährige Nähterin Marie ^Anhänger in Algier wird mm der, langst bereits bestehende Euchanek aus dem'bei Nachod gelegenen Dorfe: Livi zu m der antifemltischen Partei Frankreichs offen zuihven Eltern ttach Meziles. Am folgenden Tage sollte in Livi Kirchweih gefeiert werden, und das Mädchen erhielt einige Kuchen, welche es in einem Körbchen nachhause trug. Da das Mädchenbei den Eltern nicht ankam, erstatte,t!en diese nach erfolglosem Suchen die Anzeige bei der Gendarmerie. Arn 23. September fand der 'herrfchaftliche Heger Valasek im Gestrüpp des „Peklogrundes" eine Brandstelle, auf der sich! die verkohlten Reste eines menschlichen! Körpers befanden. Die am Thatorte erschienene Commission stellte fest, dass die Vorgefundenen Körpertheile die einer lveiblichen Leiche waren. Unweit des Körpers tage treten. Drumont hacke sich, so schlver es ihm auchankam, mit Max Negis, Welch,er unter den Antisemiten Algiers der einflussreichtste ist, vor dien Wahlen v>ersöhnen müssen. Jetzt, nach seiner niederschineitterndM Niederlage, ziehen sich die Geldgeber der ajuliseinitischen Partei von Druiniont zltrück undwollen Gnerin, den Helden vont Fort Chaüro-l, zum Führer der, Partei erheben, da d-essen Heftigkeit ihnen eine größere Aussicht auf Erfolg zu bieten scheint. Die Secession in der Partei hat auch bereits begonnen, da mehrere Acitarbeiter Drtnnonts „Libro Parole" der Erinordeten die verschwundene Mavid Euchanek agnosciert werden. .Nach anstrengendem Suchen wurden aus dem Wasser der vorüberfließenden Meltau auch der abgebrannte Nmnpf, sowie andere Körpertheile herausgezogen. Anfangs glaubte, man, dass ein Irrsinniger namens Snrrcek das Mädchen ermordet und verbrannt habe. Später zeigte sich, dass Sntreek schon etliche Tage vor dein Morde durch Selbstmord geendet hatte, und daher nicht der Mörder war. Endlich gelang es der Gendarmerie, den ledigen Johann Jaros ans Barowa als der That dringend verdächtig sestztinehmen. Die V-erhattdlnng dürfte 10 Tage dauern, da wehr als 100 Zeugen vorgeladen sind. —- Das „DeNltsche Volksblatt" hat sich also auch in dieser Angelegenheit als der beste Schutz für Raubmörder erwiesen. Denn kaum waren die 'elften Telegramme nach Men gelangt, als das „D. V." imemmdlich verlogene und-entstellte Nachrichtetr sich dttrch seine bezahlten Tinte,nktllis telegmphieren ließ. Ku'rtz und gut, was in der Acacht Veraanis lag, mnden Mord zu verschleiern und den wahren Thater entlvischen zu lassen, that er. Dass es ihm nicht vollständig gelungen ist, ist nicht seine Schuld. Wie wir aber vernehmen, wurde Vergant^ dafür zum Proteetor des Clicks nneAvischter Rarckmördev ernannt, eitr Titel, der ihn für den Verlust seines Reichsimd Landtagsabgeordnetenmandates reichlich entschädigt. Die Sache hat aber and): ihre furchtbar ernste Seite, wenn man bedenkt, dass dein „D. V." int Falle Hilsner gelang, was ihnt hu Falle Suchanek misslang. Dass das „Deutsche ohne weiteres in sein Schicksal zu ergeben uttb den Kampf aufzunehmen. Er will Gnerin dttrch contpromitlierende Enthülltlngen nnntö-glich tnachen. Wie atts Algier gemeldet wird, zeigt das antisemitische Hatlptorgan „L'Ulgevien" an, dass -cs zu erscheinen aufhört. Sein Chef, der ehemalige Aiaire von Algier, Max Regis, macht bekannt, dass -er Algier vierlasse rmd sich nach Paris begebe,- wo er seine durch die politische Laufbahn unterbrochenen Rechtsstuidi'en fovts^zen lvill. In Algier ist, lvie die letzten Wahlen gezeigt haben, der Aniiselnitisntus ntedergelvorfen. Jüdische Arbeitercolonie. Aus Berliu wird pemeldet: Die seit einigen Wochen in Weißensee,Wertstraße 20, eröffnete Jüdische Arbeitercolonie erweist sich bereits jetzt als eine wahre Wohlthat für arbeitslose, arbeitswillige und arbeitskräftige Personen, die vor Straßenbetteln, Almoscunehmeu, Hilflosigkeit und Noch gerettet werden. Die heutige Zeit erfordert andere^ Hilfsmittel als die frühere, da man mit Bettelngeheu keine Existenzen schafft. Entsprechend den der Anstalt zur Verfügung stehenden Miittelu ist dieselbe bisher in bescheidenem Umfange eröffnet in der Hoffnung, dass später sich mehr Gönner finden werden, um dann den Betrieb vielseitiger gestalten zu können. Augenblicklich werden 22 Colonisten für eigene Rechnung dort Unternehmern mit der Anfertigung bon Grundier- und Stückarbeiten, Holzlvaren und einer besonderen Abt Teppicharbeit beschäftigt. Nach Feierabend und Sonntags werden biblische, geschichtliche und allgemeine Vorträge gehalten, auch wird der Gesaitg gepflegt. (ES hätte Interesse, auch etwas über die Sabbathfeier zu hören.) Für all das hat sich in dankenswerter Weise eine Commission gebildet, um dadurch den Geist und das Gemüth der Colonisten zu heben. Die Einrichtung selbst ist mnstergiltig, alle Wohn- und Arbeitsräume sind von der Morgenimb Abendsonne voll beleuchtet. Ein sehr großer Hofraum, ausgedehntes Ackerland 311111 Anbau von Kartoffeln und Gemüsen, sowie