Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 20 (16.5.1902)
- Date
- 1902-05-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt IG. Mai 1902 Nr. 20 'ü'i'e 4 v,;Y:iifttfd)e,r! Verein „Haschachar", Jüd.-okad. Verb. ,.O umnäh". Festrede: Se. Ehrwürden. Hr. Dr. Kiwrein, - ^'bbiner, Teplitz. Musik: Lieliber Solon-Eopellc. Eintritt frei. Anfang 8 Uhr abends. Tie rumänische Frage in der ungarischen Delegation. Aus Budapest wird uns geschrieben: Referent Mar Falk bittet nach um Austläriiiig über das neueste riuuäuisebe Gclverbegesetz, lvelches den sogenannten „Fremden" die Ausübung van Gewerben verbiete. Kenner der Verhältnisse behaupten, dass diese Mastregel hauptsächlich gegen die in Rumänien lebenden österreichischen und ungarischen llnterthanen jüdischer Religion gerichtet sei. Redner bittet naher den Minister um Auskunft, wie cs inäglich sei, dieser Ungerechtigkeit ein Ende zu bereiten. Diese Frage bezieht sich auf das neue rumänische Gewerbegesetz, lvelches so viel Staub aufgetvirbelt, und welches den sogenannten Fremden das Recht entzieht, rn Rumänien ein Gewerbe auSznüben. Ernste Leute, Ivelehe diese Verhältnisse kennen, behaupten, dass dieses Gesetz viele geradezu brotlos »nacht. Der Minister des Aeuszern Graf GoluchowSki erklärt: Was das rumänische Gewerbegesetz betrifft, so sei dasselbe eigentlich nur eine Nachahmung der analogen Gesetze, »vie sie in Oesterreich und Ungarn bestehen. Dieselben beziehen sich selbstverständlich nicht auf Angehörige jener Staaten, mit tvelchen Handelsverträge bestehen, durch tvelche denselben die freie Ausübung von Gewerben getvährleistet tvird. Was speciell die Israeliten in Rumaiuen betrifft, fojci deren Verhältnis ein ganz eigenthnmliches. Sie stehen zum größten Theil unter dem Schuhe irgend einer Grostmacht, die meisten unter demjenigen Oesterreich-Ungarns. An diese Schuhmacht wendeten sie sich stets, obwohl sie in Rumänien lebenden Pflichten gegenüber dem Heimatlande jedoch, namentlich der Militärpflicht, sind sie nicht nachgekommen. Im Jahre 1888 wurde von Seite der österreichisch-ungarischen Monarchie dieses Verhältnis^geändert und wurden diese früheren Schutzbefohlenen ans dem iLchuhvcrbaude entlassen, Rumänien aber anerkannte sie mcht als Staatsbürger, so dass die Zuständigkeit dieser Leute sich eigentlich gar nicht feststellen lasse. Auf unserer Seite besteht dicsfalls kein Recht, rins in diese Angelegenheit einzuniischeii, wir müssen uns lediglich darauf beschränken, die unangenehmen Folgen abzuwehren, welche aus dem neuen Gcwerbegeseüe für unsere Monarchie insoferne entstehen könnten, als die sin Rumänien erwerblos Gewordenen in grasten Massen zu uiis hcrüberwandern. Der Minister habe einerseits unserem Gesandten tu Bukarest nach dieser Richtung die nöthigen Weisungen zukommen lassen und andererseits sich mit den Regierungen der beiden Staaten der Monarchie ins Einvernehmen gesetzt, um eine solche Calainitüt, tvie sie die Massencinwanderung mittelloser Individuen für unsere Monarchie heraufbeschwören könnte, abzuwehren. Ilebrigens seien in allerletzter Zeit in dieser Angelegenheit von der rumänischen Regierung beruhigende Erklärungen cingelangt, und glaube der Minister, dass diese Sache eine befriedigende Lösung finden werde. Graf Golnchawski hat wieder eine Probe seiner diplomatischen Ignoranz geliefert. Vor allem war es ein großer Fehler Oesterreich-Uiitgams, die rumänischen Jsraeliten aus dem Schutzerbande Btt entlassen, weil es sich dadurch eines großen Einflusses iin Balkan beraubte. Graf Goluchowski billigt es; das ist natürlich. Denn es ist ihm gelungen, zu erwirken, dass das Prestige Oesterreich- Ungarns im Balkan von Jahr zu Jahr zurückgeht. Ferner wäre es seine Pflicht gewesen, Rumänien an die auf dem- Berliner Congvesse eingegangene Verpflichtung zu erinnern. Auch Oesterreich-Ungarn gehört zu den Signatarmächten, und auch sein Ansehen ist verlebt, wenn man das ihm gegebene Wort nicht hält. Dies an die 3tpresse des Grafen Gotucholuski. Wir wollen rms nicht mit der Haltring der „liberalen" Mitglieder des auswärtigen Ausschusses der ungarischen Delegation befassen, die diese unwürdige Erklärung einfach zur Kenntnis nahmen; sticht doch! ihre Haltung und speciell die Haltung des getauften Inden Falk noch immer vortheilhast von der Haltung ihrer österreichischen „fortschrittlichen" Collegen und speciell des ungetansten Delegierten Dr. Byk ab, die einfach das Maul hielten. T-ie Wien'er „tonangebenden" Blätter haben wieder einmal bewiesen, dass die Meinung, die allgemein über sie gehegt wird, eine vollkommen richtige ist. Da das Eintreten für die unglücklichen rtimänischen Juden keine Pauschalian und Sn.bdentionen einträgt, so hüllten sie sich in staatsmännisches Schweigen. Hter bedetiiete nämlich Reden höchstens Ehre, dafür Schweigen Gold. Die „Arbeiter-Zeitung" thut natürlich noch ein übriges, indem sie die Stellen des Exposees, in denen es dem ehrenwerten Gräflein beliebt, durch nichts bewiesene Beschnldignngen gegen die rumänischen Juden zu erheben, gesperrt druckt. Sie registriert ferner mit Befriedigung, dass das hochweise Ministerium des Aeußern sich mit beiden Staaten der Monarchie in Beirbindung gesetzt hat, um die Eitiwanderung Mittelloser zu verhindern. Ja, diese Leute Hallen eben keine Stimmzettel, und in dem Momente hören sie für die „Arbeiter-Zeitung" auf, Proletarier zu fein. Zum Schlüsse protestieren wir gegen die Anschuldigungen Golnchowskis und erklären, idafür Beweise bringen zu. können, dass die österreichischen Schutzbefohlenen ihrer Militäm pfilcht nachgekommvn sind, und dass die Behauptungen des edlen Grafen frei erfunden sind. Jrrthum in der Adresse. Noch selten hat ein phantasiebegabtes Dienstmädchen mit einer Ritualmordanzeige einen solchen Effect erzielt, >vie die bei dem Oberbaucommissär Bohuslav Anwld Schwamberg bedienstet getvesene Aloisia Jro. Am 6. ds. war sie entlassen worden, und am selben Tage erschien der Herr Obecbancommissär. ein felsenfester Christlich-Socialer, beim Polizeicommissariat, um das Mädchen abztimelden. Aloisia Jro war jedoch früher dagewesen als der Dienstherr tmb hatte eine nicht mehr ungewöhnliche Blutabzapfnngscmzeige erstattet. Tie gerichtsärztliche Untersuchung des Mädchens ergab, dass diese Anzeige auf einer Erfindung der über Abstammung und Eonfession ihres Dienstgebcrs nicht ausreicheitd orientierten Jro beruhte. Der Oberbancommissär liest durch seinen Vetter, Herrn Dr. Rabenlechner, die Verleumdungsanzeige gegen das lügenhafte Mädchen überreichen. Es scheint dem Wesen der landesüblichen Ritualmorde zu entsprechen, dass sie minderbeliebten Dienstherren ohne Ansehen der Partei und des Glaubensbekenntnisses angedichtet werden, und es ist vielleicht nützlich, dass der Vetter eines deutschnationalen Führers einem so lächerlichen Verdachte ausgesctzt wird. Die Actiou des Herrii Dr. Rabenlechner ist umso dankenswerter, als er entschlossen ist.? gcn eventuelle Mitschuldige der Jro gerichtlich vorzugehen. Gegenüber befreundeten Redacteurcn dürfte ihm das allerdings schlver fallen. Vielleicht aber werden die Arier, wenn sie die Folgen ihrer Borniertheit mn eigenen Leibe spüren, zur Vernunft kommen. Lese- und Redehnlle jüdischer Hochschüler. Mittwoch den 21. d. M.^ halb 8 Uhr abends findet in der Lese- und Redehalle jüdischer Horbschüler ein Vortrag des Schriftstellers Herrn Paul Wilhelm über „Die Ehetragödie bei Gerhart Hanpkmann" statt. (Ort: Universität, Hörsaal >'>8 der juridischen Facnltät.) Neues Bett,-ha Midrasch. Am 27. April fand die constituiereiide Geiieralversammliiiig des von der hohen k. k. niederösterreichischen Statthalterei bestätigten Vereines Beth-ha Midrasch Obel Abraham int 9. Bezirk, Hahngasse 8, statt, und ivnrden die Herreil Samuel Brnuner (Obmann), A. Laben, Emanuel Singer, Daniel Schlvarz, I. Weinstein und H. Rosenfeld tu den Vorstand gewählt. Diese Herren wirken schon seit längerer Zeit im Interesse dieses Vereines. Der Kampf der Socialpolitiker um den österreichischcu Staat. Es ist eine allen österreichischen Politikern bekannte Thntsache. halb heiterer, halb ernster Natur, dass ltith’t den gröstten Feinden der Fischhof-Walterskirchen'schen Idee vom österreichischen Völkerstaate sehr vieleInden waren, dieStützen der damals blühenden „Vereinigten Linken", der dieseVcrblendcten ein elvigesLeben zuschriebcii. Als diese Patentdeutschei» wieder einmal dem Dr. Kronawetter, der begeistert für die österreichische Völkerpartei kämpfte, vortvarfen, dass er kein echter Dentsechr sei, riss diesem biederen Manne die Geduld tnid er rief ihnen zu: „Ein so guter Deutscher, wie diese eingewaiiderten Gakizianer und llngarn bin ich doch!" DaS ivaren damals ganz fremde, unbekauute Laute, und die braven Krawallmacher ivaren ganz verblüfft. Ein paar Jährchen giengen ins Land und die unentwegten Streiter für das Deutschthum hatten cs durch ihre bewunderungswürdige Taktik glücklich dahingebracht, dass dieser Ruf, das Kind einer berechtigten Laune, der Schlachtruf von mehreren deutschen Parteien wurde, unter deren Ansturm die „Vereinigte Linke" in Fransen gierig. An diese Dinge erinnert maii sich unwillkürlich, iuenu mau znsehen muss, tvie citt Epigone Fischhofs, Springe r, hinter tvelchgm Pseupouluu sich niemand anderer als Dr. A u g u st Renner verbirgt, dieselben Fehden mit denselben Geisteshelden ansziikämpsen hat. Bei Franz Deuticke ist bon ihm eine Schrift erschienen: „Das untioiiale Problem als Verfassungs- und Verivaltiiiigsfrage". In dieser Schrift erörtert er die uns wohlbekannte und von uns wohlgewürdigtc Idee der Lösung der schleichenden österreichischen Krise durch die nationale Autonomie ans ctr)tttfdjcr Grundlage. Er ist ein Arier und Deutscher, nur findet er in dieser Eigenschaft keine Entschuldigung für einen vöraussctznngslosen Chauvinismus. Aber, hast du nicht gesehen, in der Wiener „Zeit" ersteht ihm in Dr. Sigmund Rubinstein ein wüthender Kämpe für Deutschlands Ehre. Und mit welchen tiefsinnigen Argumenten! Man höre und staune: „Nicht darum handelt cs sich, dass die politischen Ansprüche der Nationen zu Rechtsansprüchen werden, sondern dass die Machtkämpfe politisch einem Gleichgeivichtszustande Weichen." Ja, du lieber Himmel; Springer weist eben nach, dass der einzige Weg znm Gleichgewichtszustände der ist,_ dass man die politischen Ansprüche der Nationen zu Rechtsansprüchen werden lässt. Der Tentone Rubinstein hat auch die ganze nationale Entwicklung Oesterreichs verschlafen; ihm „dreht sich heute, wie seit vierzig Jahren, die nationale Frage tim die Stellung der Deutschen." Der Kampf um diese ist zugleich der Kampf um die Staatsentwicklnng. Ein -Oesterreich, das in die moderne Volkswirtschaft hineinwächst, muss in der Staatsführung cenlralistisch sein usw. mit Grazie. Mit Verlaub, das sind lauter Sätze, deren Nichtigkeit erst zu erweisen wäre, oder deren Richtigkeit vielleicht nicht erweisbar ist, sie einfach mit apodictischer Sicherheit hinstellen, spricht zivar für echten deutschen Mannesmnth, überzeugt aber, niemanden. Die Entwicklung, die Oesterreich factisch nimmt, straft solche Behauptungen Lügen. . Oesterreich entwickelt sich ans dem Wege _ der Erstarkung sämmtlicher Nationen, nicht der deutschen allein. „Die Deutschen können nicht zugeben, dass im Parlamente eine Majorität gegen die ihnen günstige wirtschaftliche und politische Entwicklung erfolgreich Schläge führt," meiitt Dr. Sigmund Rubinstein. Sie können nicht, aber sie müssen, weil sie eben die Schwächeren sind, selbst wenn ihnen Dr. Rubinstein zu Hilfe kommt. Im politischen Kamvfe, da nützt kein Jn-die-Brust-wersen, Posieren und Reclamicren; da beißt es entweder kämpfen oder sich vergleichen. Wir würden als Nichtdcutsche doch den Deutschen rathcn, lieber einen ehrlichen Frieden zu schließen, als einen nutzlosen Kampf, gestützt auf die Theorien des Dr. Rubinstein zu führen; Dr. Nenner hat einige praktische Vorschläge gemacht, die die nichtdeutschen Nationalitäten befriedigen, ohne die Stellung der Deutschen zu gefährden; sie sind sicher eher geeignet, die österreichische .Krise zu lösen, als Gemeinplätze bon der Art: „die politische Verständigung zwischen Deutschen und Czechen ist eine Frage der Zeit und der Psychologie", die wirklich keinen Hund von dem Ofen locken. Dem Dr. Rubinstein möchten wir aber wirklich rathen, lieber seine Zeit zum Studium der Psychologie zu verwenden, als österreichische Politik zu machen: denn wenn man es nicht so weit gebracht hat. bei seinem eigenem Volke sich auszukennen, behellige man nicht andere mit Rathschlägen. Jüdischnationaler und Deutschnationaler. Vor dem Berufungs-Senate des Landgerichtes in Strafsachen unter dem Vorsitze des L.-G.-R. Klisfenbauer fand gestern die Verhandlung über die Urtheile des Bezirksgerichts Josefstadt! statt, mit welchen sind. med. Oscar Löwenstamm zu einer 24stündigen Arreststrafe, sind. Phil. Gustav Wesp zu einer Geldstrafe von 20 K. vernrthcilt worden waren. Dieser social und juristisch interessanten Studentenaffatve lag bekanntlich folgender Sachverhalt zngrtmde: Der Deutschnationale Wesp hatte eine an Löwenstamm ergattgene Herausforderung zurückgezogen, als er erfuhr, dass der Geforderte Jttde sei,. Die Zurückziehung<( der Forderung wurde votti Dotttschnationalen damit begründet., dass der' Waidhofner Verband „wehrhafter Studenten" den Inden Satisfac'tionsföhigkeit abspricht. In diesem Verhalten! erblickte Löwenstantim eine schwere Beleidigung feiner: Person und beantwortete sie mit einer Ohrfeige. Nach durch geführter Verhandlung, in welcher für Lökvenstanun Herr Dr. Jakob Kohn und für Wiesp Herr Dr. .Hantschel als Vevtheidiger intervenierten, wurde^ die 2-lftiinbiflc Arrest strafe für Löwenstamm in eilte Geldstrafe in der Höhe von 10 K. itmgewandelt, nachdünr der Angeklagte erklärt! hatte, die Frage des Erftrichters nach seiner Vermögenslage missveilstandelt!, dier Frage ^betreffend die Vernwgensverhältnisse feiner Ettern überhör,t! zu haben, dagegen wurde die Verhandlung gegen Wesp vertagt und zivar ztir Abhörtmg von Zeugen, welche über die Form, in welcher die Herausforderung zurückgezogen ivttrde, attssagen sollen. Dieser Vertagimgsbeschltiss war das Refultot einer dreiviertelstttndi'grn Berathtmg, in wcslchev, wie verlautet, der Referent, nachdem er bereits bei seinem Vortrage die ans einen Freisprtich des Deutschnationalen Bezug habenden' Stellen besonders betont hatte, sei um Standpunkt gegen das Votum der anderen Rätl" mit .vofrath Prof. Dr. Adolf Beer. Wieder ist eine Leuchte der Wissenschaft aus dein Leben geschieden. Hofrath Prof. Dr. Adolf Beer ist nach einem thatenreichcn Leben, 72 Jahre alt, einer tückischen Krankheit erlegen. Der Dahiiigeschiedcnc ist nicht nur ein großer gelehrter Mann mit profundem Wissen geivesen, er tvar anch ein hervorragender Parlamentarier, dessen Thätigkeit als Abgeordneter des Herrenhanses, des Reichsratyes sotvie atlch alsMitglied der Delegationen den Zeitgenossen noch in lebhafter Erinneumg sein lverdeu. Das curricrrlum Vitae Adolf Beers dürfte den Lesern ans den Tagcsblättern aller Parteirichtungen, die ansführliche Nekrologe brachteit, wohl bekannt fein. Was aber an dieser Stelle mitgetheilt tvcrden soll, tvird vieles Nene aus dessen LebeiiSlmtf bringen, namentlich inbetreff der Beziehungen Adolf Beers zum Jndcnthtun. Adolf Beer eiltstaiinnte einer ehrentvcrten, aber blittarmen Familie. Sein Vater litt an einer miheilbaren Krankheit und tvar in den letzten Jahren in einer Heilanstalt interniert, in der er seinem Leiden auch erlag. Die Äüitter Adolf Beers blieb als Witwe mit 4 unversorgten Kindern zurück, die sie atlch mit allem Aufgebot an Arbeit, Eifer und Fleiß nur höchst kümmerlich zu ernähren verntochte. Adolf Beer als ältester Sohn musste deshalb frühzeitig in die tveite Welt. Sein Wissensdrang, feilt reger Geist bestimmten ihn, sich den Studien Ziizuwendcn, die er unter unsäglichen Mühett mtd unbeschreiblichen Entbehrungen mit Erfolg beendete. Während seines Studienganges hätte Adolf Beer sich leicht den Kampf ums Dnseitt tveniger schlver machen könne»!, wenn ihm sein nnbengsamer Ehrgeiz gestattet hätte, die Unterstützung von Verwandten und Freunden in Anspruch z»t nehmen, allein dies widerstrebte ihm. Als er endlich mit Ach tmb Krach seine Studien beendet hatte und sich um eine Gymnasialprofessur beivarb, tvurde ihm bedeutet, dass er dieselbe nur ans dem Umwege der Taufe erlangen könne. Aller Mittel bar, ausgehungert ui»d voll Sehnsucht nach einer Stellung, um des Lebens bescheidenste Nothdnrft fristen zu könilen, brachte Adolf Beer daS Opfer des Intellectes. Nrtrr gestaltete sich seine Laufbahn glänzend. Er erklomm im Lehrfache sehr rasch die hierarchische Carrierc u»»d wendete sich später dem öffentlichen Leben zu, in dem er eine glanzvolle Nolle spielte. Wir konstatieren der Wahrheit gemäß, dass Adolf Beer den Zusammenhang mit dem Jndenthum bis an sein Lebensende aufrecht erhielt und dass er im Stillen den Abfall von feinem Glauben tief bereute. Dies bestimmte ihn anch, unverheiratet zu bleiben. Denn cs war ihm schon der Gedanke peilllich, durch eine Heirat in ein arisches Milieu zu gernthen, er, dessen Erinnerung ans Jugendzeiten in dem indischen Familienleben wurzelten. Adolf Beer fand hierfür Ersatz in dem Zusammenleben mit seinen Schivestern, die bis heute dem jüdischen Glauben treu geblieben sind. In Adolf Beer hat das Judeilthum und die jüdische Nation einen hervorragenden Repräsentanten zu Heklagen, ein Reisig des jüdische»! Stammes ist in Verlust gerathen, das demselben zur Zierde gereicht hätte. Und die Moral ans der Affairc. Wir müssen unsere Hanptcmfgabe darin suchen, die Quellen zu verstopfen, die uns derartige ufte beizubringen imstande sind. Wie dies zu geschehen hat, ist sehr einfach. Wir müssen m»sere Jugend nicht nur im jüdischen Glauben erziehen, »vir müssen es ihr auch möglich machen, den jüdische»» Glauben beiznbchalten, um ein Fortkommen zu finden, und dabei ist es erforderlich, dass wir cs der armen jüdischen Stttdentenschaft durch ausreichende materiellcUnterstützung cnnöglichei», ihrcStndien zu volle»»dcn, »vir müssen das Terrain ebnen, damit nnsercStudenten in öffentliche Stellungen zu gelanget» vermag, ohne ein Opfer des Intellectes zu bringen, d. h. ohne bcu jüdischen Glauben abznschwörcn. Wohl besitzen lvir humanitäre Vereine in^ Hülle^ und Fülle, »vohl ist der WohlthätigkeitSetat der Wiener israelitischen Cnltnsgcmeinde recht a»»schnlich, allein es ist ein öffentliches Geheimnis, dass bei Gewährung von Unterstütztlugen nicht systematisch vorgegangen wird. Es ist männiglich bekannt, dass Protectio»»skindern in Hülle und Fülle zugcivendet »vird, »vährend die »nahrhaft Bedürftigen leer ausgehen und in Roth und Elend verkommen. In dieser Richtung muss endlich einmal Wandel geschaffen werden, tne»m »vir vermeiden wollen, die Blüte ui»serer I»tge»»d, Wir müssen aber rasch ans Werk gehen, es ist Gefahr im Verzüge. Denn die Judentaufen nehmen in erschreckender Weise^ überhand. Wir behalten m»s vor, auf diese hochlvichtigen, die vitalsten Interessen des Judenthums berührenden Fragen dem,»ächst des Ausführlicheren zurückzukommen. Ans dem Conservatorinm. Bei der letzten Opcirnvvrstellitng bier Zöcsimge zeichnete sich sict-nz besonders FA. Revere aus. Der rp. Kritiker des „N. W. Tasibl." schreibt von ihr: „Sie wird d'ereinsi den Größten beiznzählen sein." Genannte DaE ist Tochter des Herrn Revere, Mitglied des Hofopomchlors, und eine Glanbensgenossin italienischer Heimat. Auch die Prituadottna Cnmpagnoli, die jetzt in Puccinis „Boheme" in Italien Triuntphe feiert, ist eine Jüdin, ebünfo unsere Prt'maballerinle Frl. Sironi. Zur Ehre all dieser itali-enischen Jitden sei es erwähnt, dass bei ihnen einte Tmtfe unbekannt ist. (PersoualnachrichtZ Badearzt Med. Dr. I. Sandbank hat sich »nit Fräulein Vanla Lnttinger vermählt. Die Trauung fand Donnerstag den 8. Mai l. I., 3 Uhr nachmittags, im Tempel, Wien, 9., Millnergasse statt. Aus dem Briefkasten der „Ostdeutschen Rundschau". „Doctor" in Eger. Solche?l»»regu,»gen haben »vir bereits aus zahlreichen Orten Böhmens erhalten. Alle Wahlbezirke der Unbedingten smd vertreten, sogar „Materiale" tvollte man uns zur Verfügung stellen. Wir haben es vorlä»»fig vermieden, uns.mit dem Privatleben der einzelne»» 10 Unbedingten zu befasse,», da ja alle Me»n frfjcn, auch Abgeordnete anderer Parteien, Fehler haben. Es sind aber immerhin Ereignisse denkbar, die uns auch der letzten Rücksichten entbinden. — Zum Verständnisse dieser,Notiz muss mau wissen, dass die deutschen Abgeordneten nach Wolf in „Erlvischte", zu denen er gehört, und „Noch nicht Erlvischte", zu denen die anderen gehöre»», cingetheilt werden können. Rührend nehnren sich auch »n derselben ,',O. R." die pauschalierten Notizen der vielgeschntähter» Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft und der Staatsbahir-Gesellschäft aus. Ja, es geht iiichts über die Prineipieu der „O. R. ProsSuch) schusses im verflossenen erste». —..... . . . ,. . - .. . bcu Ausführungen geht hervor, dass der Vereng »>och uinicer iilck sehr u " ' "" " " ^.. beste»» Prerari fahren» keine Verkaufsplätze ..... . _ stieiner ge »ne infam mit dein beivahrten, stets hilfsbereiten lOpems- Rechtsantvalt Dr. Fritz Haas, tu einer Audienz beim inofirtjdjen Statthalter die Abstellung dieser Gravanlma, Bald darauf hatte die hiesige Gsmcindevertcetung einigeil jüdischen Handelotrerbenden