Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 20 (16.5.1902)
- Date
- 1902-05-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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A i Nr. 20 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 16. Mai 1902 Seite 3 Italien. Ileberdies ist die dualistische Gestaltung der Monarchie, die uns, leie eine offene Wunde, unaufhörlich Verlegenheiten bereitet und die Großmachtsstellnug, ivelche wir mit Vorsicht All wahreil alten Gruiw haben, alteriert, mich mir auf Conto der eingefleischten avitisrhe'n Reartion zu stellen. Ans dem. ffeinen Sardinien dagegen ist die Großmacht Italien geworden mit ei liier kaum vorausgefeheilen aufstrebenden Entwicklung. Wir wollen de»l lms derzeit politisch'verbündeten Nachbarstaate Italien ilieht neidisch seirr, allein das Herz jedes wahrhafteil Patrioten muss bluten bei der Erinnerung, dass die Größe Italiens daraus ziehen wollten. Dies müssorn wir wünschen nicht nur iln Interesse ilnseres Vaterlandes, sondern allch unseres Stammes iregen, der den: österreichischen Staate die treuesten Bürger, die bestell Patrioteil und die lvackersten SoldaL-n stellt. Freren. Boi, Max Sieb c I. Wenn lvir auf die lvenigen Jahre nationaler Agitation und Organisation in der Probinz zurilckblickei:, so können wir im großen und ganzen mit einiger Zufriedenheit konstatieren, dass es mit der Judcnscbaft Mährens imb Schlesiens besser geht. Daran haben die antisemitischen Probinzblätter ihren guten Antheil. Vorbei das homerische^ Gelächter, das uns ehemals in die Ohren gellte, wenn wir auf Selbsthilfe hinwiesen, dahin das Gerülpse von Rückschritt, Culturwidrigkeit und antisoeialem Wirken. Es ist jetzt die Periode der Passivität. Der assimilatorische Liberalismus hat den Nullpunkt erreicht. Er ist de faeto tobt. Und Todten soll man nichts llebles Nachreden, sagt der Talmud. Was lvir jetzt verlangen, ist die Activität im positiven Sinne oder — um obiges Bild beizubehalten — ein jüdischnationales Plus. Dies muss vor allem in gedruckten Worten geschehen. Der Versammlungs-Nationalismus hat sich bei allen Parteien in der Provinz überlebt, und ziemlich schlecht beloährt. Es sind hierfür oft Zeit und Ortsumstände hinderlich und erschlverend. Weiters gibt es Juden, die infolge ihrer socialen Stellung sich vor dem Besuche einer Versammlung scheuen, u. a. m. Diese müssen auf andere Weise für unsere Sache gewonnen werden. Da ist vor allem die jüdische Presse. Es wäre Ehrenpflicht eines jeden Juden, sich auf eine jüdische Zeitung zu abonnieren und wenigstens wöchentlich einmal der jüdischen Politik eine Stunde lang sein Augenmerk zu schenken. Mit einem Worte: „I ü d i s ch e V o l k s b ü ch e r e i e n", nach dem Muster der deutschen,!vie sie in allen Städten und Städtchen Mährens und Schlesiens seit Jahren bestehen, sind nothnu'ndig. Durch diese Polrsbiichereien nürd die Liebe und der Stolz für die nationalen Dichter und Schriftsteller entzündet, genährt und entflammt. Dort ist der eigentliche Herd des Volksthums. Für einen Kreuzer kann man daselbst ein Buch zwei Wochen lang lesen, nicht nur der Entlehner, sondern seine ganze Familie. _ Es kommt so häufig vor, dass sich Besucher, namentlich Damen, der deutschen Volksbüchereien beklagen, dass sie sich dort, weil sie Juden bezw. Jüdinnen sind, terrorisieren und chicaniercn lassen müssen, und die Frage aufwerfen, warum es denn keine jüdische Bücherei gäbe? Diese Frage ist durchmis berechtigt, wichtiger als sich die Besucher träumen lassen. Die Beantwortung jedoch scheitert aber — wie a!!c§ bei unserem unglücklichen Volke — an der total starren Indolenz der maßgebenden jüdischen Kreise und Vereine. Ein einziges Kränzchen, ein einziger Wohlthätigkeitsbazar, eine einzige — sagen wir spangrüne Nedoute, und das Grundcapital ist da. Warum also nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden?! Außerdem gibt es fast in jeden: jüdischen Hause — Gott sci's gedankt — eine größere Anzahl Werke, sei es specifisch-jüdischen Inhaltes oder nicht, so dass überdies ein Schnorrgang nach bekannten Muster, oder Rundschreibei: bestimmt mit guten Erfolgen begleitet sein würde. Riwka gab sich beim Anschein, als bewundere sie die Arbeiten ihres Mannes, in der Thai! aber fand« sie dieselben sehr sonderbar. Jtzig legte feine Arbeiter in das Ans lagefenster! und wartete. Eines Tages besuchte ihn Herr Barmaß. Er war von Jtzi'gs Arbeit ganz entzückt. „Wie reizend, wie künstlerisch! Aber denken- Sie an meine Worte, Herr Schmutzt! . . . Sie werden keine Käufer! finden! ..." Jtzig aber wollte es nicht glauben und> arbeitete weiter. Wochen imb Monate vergieugen, und es fanden sich keine Käufer. Jtzigs Kunstwerke! blieben unbeachtet. Manchmal katir jemand, nur einen aris einem Ringe herausgefallchieu Stein, einsthen oder etwas verlöthen W lassen. Jtzig hielt sich lange tapfer, endlich aber ließ er beti Kopf sinken. Ain lueisten kränkte es ihn, wenn er Nilvka weinen sah. Das ganze Geld hatte er schoir verbraucht, imb die Roth klopfte an die Thüre. Da kanr einmal Moselstein zu Jtzig und sagte: „Höre mal, Jtzig, D>ui gehst zugrunde. Verkaufe nur Dein Geschäft. Ich Ivill Dir dafür tausend Rubel gebar." „Wie?" rief Jtzig. „Und meine Arbeit?" „Ich brauche Deine Arbeit nicht/ sie taugt! zu gar nichts . . . 'Ich kann, nur das Material benützen ..." Jtzig machte eine verzlveifelte Geberde mit der Hand und verkaufte Moselsteiln seine Werkstätte nur tausend Rubel. Er gab Nilvka das Geld rmd sagte: „Nimm es, Nilvka, rmd gib es mir nie wieder! Hörst Du, niemals! Ich muss wirklich! verrückt sein,!" Dann gieng er zu Herrn Barmaß, welcher ihn gerne 1 nieder 511 sich nahm,. Zwei Monate später gieng Jtzig an, seiner Werkstätte vorüber. Er las auf denr Schilde über seinem. Namen den Namen Moselstein; doch das berührte ihn wenig. Als er aber einen Blick auf die Auslage mit den roh und geschmacklos gearbeiteten Ninczen und Nadeln, warf, da dachte er daran, dass Moselstein alle diese Steine aus seinen geliebten Kunstwerken, herausgenounnen hatte, und es wurde ihnr so weh nms Herz, als wären diese Steine aus der Tiefe seines eigenen Herzens herausgerisson worden . . . Dass es au jüdischen Büchern überhaupt fehlt, wird wohl niemand ernstlich behaupten wollen, ebenso dass unserem Volke jetsticher Sinn für Lectüre fehlt. Im Gegcnthcil. E8 hat sich beim jiidischen Volte vielmehr eine — sagen wir, temporäre L e s e iv u t h förmlich heranskrystallisiert. „Ja," ivird manche der bekannten typischen Beschwichkignngsnaturcn sagen, „es gibt in jeder jüdischen Gemeinde eine BibliothekI Warum wird die denn nicht frequentiert?" Da kommen wir schon näher: „Weil sie, im Durchschnitt, sowohl in der Ansleih tv e i s e, als auch im Inhalt, rund herausgesagt, nichts lvert ist. Numpelkamnierkram wechselt hier mit taknuidischeii Trackatcn und philosophische Tifteleien mit langathmigen Biographien ab. Das belletristische Moment bleibt für gelvöhnlich, bis auf eiir paar galizische Geschichten nach berühmtem Muster und etlichen Sippurimbändchen unberücksichtigt. Und erst die Art der Verleihung! Nein, lieber Gegner, das hieße Windmühlenkämpser sein, Don Quixote-Natur, die für den Glanz des Nitterthums streicht; da es kein Nitterthum mehr gibt, wolltest Du die Gemeindebibliotheken gegen Volksbiicherei als Triumpf ausspielen. Mögen die Cultnsgemeindebibliothekcn — fürchterliches Wort — alles sein, Volks büchcreien sind sie nicht. Dazu gehört, außer den oberwähnten Büchern, vor allein eil! L 0 e n l. Israelitisches Volksschulgebaude schlage ich vor! Nicht?! Nun, da Ivird uns ja die bekannte Opfcrwilligkeit unserer Stammesgenosscn nicht im Stiche lassen, weiters eigene Ent lehn n n g S st u n d e n, womöglich zweimal in der Woche, ferner ein B ii ch e r >v a r t: der Ncligionslehrer unter Assistenz der jüdischen studierenden Jugend, Büchcrzettel zu 10 kr. und Gebür 1—2 kr. pro Band. Letztere wird wohl niemanden: zu theuer scheinen!") Das sind die wirtschaftlichen Seiten der Jüdischen Volksbüchereien. Unsere Zeit erzwingt sich förmlich eine nationale Bücherei. Wir werden sie haben, wenn wir wollen. Und wir müssen wollen. „Wi möten sei hcbbeu," — wie bei Richard Voss die Bauern sagen, als sie eine Bade-Anstalt auf der Insel zu errichten beabsichtigen, und er sie abmahut, weil er fürchtet, dass mit der Armut auch die Tugend schwinden werde. Aber da hilft kein Grübeln und Drehen, kein Nörgeln oder Deuteln: „Wi möten sei hebbeu." Die „Jüdischen Volksbüchereiei'." in der Probinz, speciell in Mähren und Schlesien, wo eine gebildete Jndenheit wohnt, würden nicht nur zmn Verständnis und zur Vertiefung des Volksthums beitragen, sondern sie hättei: mich einen großen Einfluss mif das culturelle Leben der Nation. Im Jahre 1866 wurde die „Ligue franeaise de l'enseignement" durch Jean Mace gegründet. Zehn Jahre später hatte sich der Verein über ganz Frankreich ausgebreitet und zählte 30 000 Mitglieder. In dem kurzen Zeitraum 1889—1891 wurden allein in den vier Departements der Seine zweihundert Volksbüchereien gegründet. Die Volksbüchereien von London geben jährlich zwei und eine halbe Million Bände an das Volk unentgeltlich ab. Allein ist es wirklich nöthig, dem „Volke des Buches", dem „Volke der Schrift", wie uns die Araber nannten, solche Beispielevorzuführen. Es scheint so?! Es begreift sich ferner, dass die Volksbüchereien allein eine Auflage verbrauchen, und da die Bücher stark benützt und mithin verbraucht werden, muss ein begehrenswertes Buch nathloendigerweise binnen weniger Jahre neu aufgelegt werden. Dies wäre aber die directe Bedeutung der „Jüdischen Volksbüchereien" für den so oft verkannten und deshalb verachteten jüdischen Autor und überdies die Thatsache aus der Welt geschafft, dass Buchhändler sich in den seltensten Fällen entschließen, Werke jüdischen Inhaltes in Verlag zu übernehmen. Aber auch in materieller Beziehung wären jüdische Volksbüchereien für Autor und Verleger von großem Vortheil. Ein Exempel sei gestattet. Ein beliebtes Buch, z. B. Zangwills „Kinder: des Ghetto", wird im Laufe bon 3—5 Jahren in der' Volksbücherei von 100 Personen bezw. Familien gelesen. Hundert Voltsbibliotheken garantieren dem Autor binnen weniger Jahr einen Leserkreis von zehntausend Personen. Nun, wird der Leser es Ivohl oft genug erlebt haben, dass er einen Bücherkanf bereut, lvenn er das Werk nicht vorher zum mindesten durchgesehen; dazu hat er eben in der Volksbücherei reichlich Gelegenheit. Wenn von obigen zehntausend Lesern nur jeder zehnte ein Buch kmift, so ist eine neue Auflage gesichert, und mit der Zahl der Auflagen ein Sinken des Preises verbunden. Abernials sind viele Personen, auch Proletarier, in der Lage, das Buch sich anzuschaffen. Diese Thatsachen und Erwägungen sind bei allen eivilisierten Völkern bekannt. Nur bei uns Juden scheint ein passiber Widerstand vorhmlden zu sein. Auch damit muss gebrochen werden. Es müssen sich in jeder Stadt Leute zusammenthun, die sich Obiges zur Aufgabe machen. Ich glaube, da gibt es keine Pacteizwistigkeiten. Wie eine überreife Frucht liegt die Culturthat unserer Ahnen am Boden, tvährend der Baum eine neue Frucht nach der anderen 3eifjöt — Jung-Jnda. Damit hätte sich jeder Jude etivas Schönes und wahrhaft'Gutes geschaffen, und Pas Erhebende und Culturfördernde wird noch nachwirken bis in eine späte Zeit, denn die Volksbücherei stirbt nicht so bald wie ein Mensch, und sie ist ein Geist, der forizeugend Gutes muss gebären. Historisches. M a i. 1. 1849 Isaak BernayS, Chacham, Hamburg, geft. 1901 Jakob Freiherr von Mayer, Finanzier, Ko- Literat, Paris, geft. 10. 1796 Joachim Edler von Popper, Financier und Wohlthäter, Prag, geft. 11. 1786 G. B. Depping, jüdi- Schriftsteller, Kolomea, geft. 19. 1873 Friedrich Karl Stahl, Irrenarzt, Convertit, Karthans-Prill, geft. 21. 1829 Lazarus Geiger, Philologe, Frankfurt a. M., geb. 22. 1811 Leopold Löw, jüdischer Theologe, Czernahora, geb. 1834 Adolf Ludwig Cvhu, Historiker, Convertit, Breslau, geb. 1843 Adolf Baginsky, Medieiuer, weediciuer und antisemitischer Schriftsteller, Wien, gest. Demission. Herr Hermann Ellbogen hat als Präsident des Jüdischen Nolksvowines deimissionieri; der Ausschuss nahm seine Diemission zur Kenntnis. Das vorbereitende Coinitee zur Gründung eines jüdischen Handwerkerbnndes hielt am 7. d. M. im Festsaale des Jüdischen Volksvereines seine letzte vorberaihende Versammlung ab. Djer Vorsitzende Herr Isidor Hell er eröffnest' die zahlreich besuchte Besprechung, begrüßte die er- *) Selbstverständlich sind dies alles n u r Vors ch l ä g e, die den Verhältnissen der einzelnen Stadt angepasst iverden müssen. D. V. jehienen Gäste, unter denen sich auch Herr Richard Rappi*- prrt befand, und ertheilte Herrn Hermaiim Plaschkes das! Wart: zur Verlesung der Statuten. Der vargelegte Statliteneutlvnrf wurde mit: einigen Aendernngen einstimmig airgenommen und beschlossen, dieselben unverzüglich der Statthalterei zur Genehmigung zu unterbreiten'. Sobald die Genehmigung erfolgt sein wird, Ivird sich der jüdische Handwerkerverein constitnieren. Den Zeitpunkt werden wir dann bekanntgeben. Wie cm jüdischer Politiker reich wurde. In dem englischen Blatte „M. A. P." liest man gelegentlich des Tisracli-Gcdenktages folgende Erinnerungen: Dizzy, wie nun: Disraeli familiär nennt, hatte eine Frau geheiratet, die 16 Jahre älter war, als er; trotzdem blieb er ihr sein ganzes Leben lang treu. Er ivieS jede lveibliche Annähernng zurück. Ein Mann dieser Art musste auch das Entgegenkommen einer Dame, deren Absichten höchst unschuldig waren, mit Misstrauen und Kälte anfnehrnen. Diese Dmne schrieb inehrereinale an Disraeli, um ihn um eine Zusammenkunft zu bitten. Treu seinen Grundsätzen gab Disraeli überhanpi keine Antwort. Die Dame wandte sich dann an Frau Disraeli, indenZ sie ihr mittheilte, dass sie 60 Jahre alt sei und dass sie die Zusammenkunft mit Disraeli ans sehr ernsten Gründen lvünsehe. Frau Disraeli erklärte sich schließlich bereit, sie zu empfangen. Die Dame erzählte nun, dass sie Jüdin sei und dass sie sich ans diesem Grunde stets lebhaft für Disraeli interessiert habe; sie habe die Absicht, ihm ihr gmizes Vermögen zu vermachen. Sie stellte nur zwei Bedingungen: das Ehepaar Disraeli sollte sie einmal jährlich besuchen und nach ihrem Tode kvollte sie neben Disraeli begraben werden. Kurze Zeit nach diesen: Besuch erhielt Disraeli einen Brief, den er tagelang nncröffnet ließ; als er ihn dann zufällig entdeckte und öffnete, fand er darin einen Check über 200 000 Mark, den ihm seine Verehrerin schickte. Er besuchte sie dam:, und sie zeigte ihn: das Testament, in ivclchem sie ihn: ihr gm:zcs Vermögen vernnachte. Als sie starb, erbte er ein schönes Hans, eine große Anzahl Juwelen und fast eine Million Mark in baren: Gelde. Disraeli wurde damals lvahrscheinlich zum erstenmale in seinem Leben ein schuldenfreier Mann. Hatte er doch im Jahre 1841 nicht weniger als 800 000 Mark Schulden, die sämn:tlich ansgeklagt waren! Das schreibt die „Q st d e u t s ch e Runds ch a u". Die Geschichte bestätigt nur, was ohnehin bekannt war, dass Disraeli irr jeder Lage seines Lebens ein Gentleurai: war. Derncntgegen bringen wir eine Erinnerung, die n i ch t in der „Ostdeutschen Rundschau" stand: Wie ein deutscher Politiker reich wurde. In der „Ostdeutstchen Rundschau" vergaß mar: anlässlich des Namenstages von K. H. Wolf folgende Erinncrrmg aufzufrischen. Jnng-Siegfried, wie man Wolf familiär neimt, hatte eine Frau, die jünger war als er, und die er angab, aus Liebe geheiratet zu haben; trotzdem blieb er durchaus nicht treu. Er kam jeder loeiblichen Annäherung entgegen. Ein Mann dieser Art musste auch das Entgegenko:nmen einer Dame, die die Tochter seines Gastfreundes war, mit Dank annehmen. Diese Dame schrieb öfters an Wolf, um ihn um ei::e Zusammenkunft zu bitten. Treu seiner Grundsatzlosigkeit folgte Wolf der Einladung. Er verführte sie, er gab ihr Mittel und Wege zur Geheimhaltung an, er hielt bei der Hochzeit der von ihm Verführten eine glänzende Rede über die Reinheit der deutschen I u n g f r a u, er trmg dem durch ihn betrogeiwn Dr. Seidl den Bniderknss au, er trug sich zum Pathen des ersten Sprösslings an n>:d hegte das Verlangen, weiter im Hause Tschad zu verkehren. Das bekveist aber nur, dass Wolf ein Haderlump ist. Bereichert hat er sich durch Pauschalien, durch Annahme der 6000 Mark von de>: böhmischen Fabrikanten; er hat seine Zeitung für Bankannoncen und Eisenbahnsnbbentionen att alle Leute verkauft, die sie haben wollten. Er hat mit einem Worte die hohe Schule der Corruption, von der Bestechung der „Ostd. R." durch das Zuckcrkartell ganz zu schlveige::, rnit glänzendem Erfolge absolviert. So bereichert s ich ein d e uts ch e r Politiker! Heldenthaten des Feldzeugmeisters Galgoczy. Dar General Galgorzy war in der Delegation Anlass einer erregtien Debatte, in der der Atzg. Küzlowski die' Person dieses Herrn in. das rechte Licht rückte. Wir sindin der Lage, zur Charakteristik dieses Herrn einen kleinen, aber erbaulichen Beitrag zu liefern. Vor ca. 6 Jahren war nn 89. Jnf.-Rgt. der Oberst Polifka. Es kam die Zeit der Einjährig-Freiwilligeii-Prüfuugen. Oberst. P. war laut Befehl Vorsitzender der Commission. Da kam am Tage vor der Prüfung ein Generalstäbler zu ihm und theilte ihm mit, dass der Divisions-Commandant auf Befehl dcK Cerps-Connnandanten Galgorzy wünsche, dass die jüdischen Einjährig-Freiwilligen bei der Prüfung fallen. Oberst P., eine gerade, biedere Soldatennatnr, protestierte gegen eine solche Zuimnthnng. 80 Pereenti der Freiwilligen ivnren Inden und es hieß das ganze fNegiment verschandeln, die Juden' fallen zn lassen. Doch der Generalstäbler meinte, es müsse gehlen, es werde gehen. Der Oberst Pl gieng aber von seiner Meinnng nicht ab. Der ^Schlnsseffeet war, dass Oberst P. a;in nächsten Tage nicht Vorsitzender war, oblrioihl er schon im Befehle als solcher nominiert war. General Galgorzy erließ auch einen RVffervatbefehl an den Major. Pokany, keine Juden als Im spectionschar'ge anznstellen. Die letzte Hrldenthat des tapferen Offiriers war die Pensionternng des Oberstem Ein Jude hatte sich nämlich iiber die Misshandlung durch seinen Vorgesetzten Osfirier beschwert!. Ter Oberst loollte, wie es seine Pflicht wa:r, die Anzeige an das Krirgsministerium machen!. Der Corps-Commandant aber loirkte auf ihn ein, und er unterließ es. Der Jude Ivu'rde daher loeiter misshandelt und desertierte, nm seinen Peinigern zu rüitgchen. Jetzt musste der Oberst die Anzeige machen und der Osfirier wurde bestraft. Ern paar Tage später war Oberst P. pensioniert, Galgoczy aber avanciert Ireiter. 2. österr. Zionistentag Bielitz, 18. und 19. Mai. Aülässlich des 2. österr. Zionistentages veranstalten die gefertigten Vereine am Sonntag dr!n! 18. Mai nn großen Saale zum schlixrrzen Adler, Biala, einen Fesi-Äbend.