Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 18 (2.5.1902)
- Date
- 1902-05-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 5. Mai 1902 Seite 3 Einfluss bei der Negierung int Interesse einer Besserung der Lage der Juden geltend zu machen? Sie haben viel Wichtigeres, ihrer Würdigeres zu thun; sie müssen ihre orthodoxen Brüder, die einzigen Träger des jüdisch-religiösen und jüdisch-nationalen Gedankens, bei den Andersgläubigen denuncieren. j Diesmal sind sie in M u n k a c s an der Arbeit. Mlnkacs liegt in jenen: Theile Oberungarns, den man füglich das ungarische Galizien nennen konnte. Die Vodeniittb Erwerbsverhältnisse irrt allgemeinen, die gesellschaftlichen und religiösen Sitten der Inden sind genau dieselben, wie in Galizien, sogar die Rnthenen fehlen nicht. Die Juden dieser Gegend, welche ihre religiösen und nationalen! Eigenthümlichkeiten bis heute erhalten haben, leben in dürftigen Verhältnissen und haben die schwersten und bittersten t Kämpfe zu fechten, nicht nur gegen die Nichtjuden, sondern! in noch erhöhtem Maße gegen die Afterjuden, die in ihrem Assimilationswahne sogar von einer Denunciation ihrer eigenen Brüder nicht zurückschrecken und in ihrer Geistesj armut nicht daran denken, dass sie durch diesen niederträchtigen Verrath dein gemeinen Antisemitismus die sehnlichst erlvünschte Nahrlmg znführen, und dass die Judenfeindlichkeit, wenn sie in die That nimgescht wird, nicht bei der Orthodoxie Halt macht, sonderrr sich! gegen die wendet, die sie heraufbeschlwreir, gegen, die assimilatorischen Neologen, welche die Christen um ihr Christenthnm beneiden. Und nur: zun: Falle selbst, so sehr sich auch unsere Feder gegen das 9tiederschreiben dieser gemeinen That sträubt. Die Munkacser Gemeinde hat einen gottesfürchtigen, gelehrten Rabbiner nach dem. Wunsche und den Jntentionen der orthodoxen Majorität gewählt. Die Ausübung dieses natürlichen Rechtes konnten einige Neologen, nrit Samuel R o s n e r an der Spitze, nicht verwinden. Sie haben gegen die rechtmäßig erfolgte Wahl an den Verwaltungs-Ausschuss recurriert und wurden zrrrückgewiesen, sie denun.cievten die dortige Talmud-Thora, sie wurden sachfällig. Und so gierigen sie hin, verfassten eine von Gemeinheit überströmende Petition an den Ministerpräsidenten und den Cultusrninister, holten ihre Argumente aus der Rüstkammer Ernst S ch rr e i d e r s, überreichten die Petition ben genannten Ministern und forderten die An- ‘ nullierung ihres gesetzlich gelvählten Rabbiners. Bloß zur Brandmarkung dieser das Judenthum schändenden Sippe wollen wir einige Stellen dieser in Druck gelegten Petition veröffentlichen: „Der neue Rabbiner hätte Zeit genügt gehabt, die ungarische Sprache zu erlernen, denn er isst: ja bereits zwanzig Jahre das Buot des ungarischen Bodens.: Nicht Zeitmangel hat ihn am. Erlernen der ungarischen Sprache gehindert, sondern das bei den polnischen Juden im allgemeinen herrschende Princip, dass die Kenntnis der ungarischen Sprache, das Aussprechen eines ungarischen' Wortes eine Sünde und ein. für die Hölle reifes Verbrechen sei. Wir wenden uns an Eure Excellenz, luotleu Sie uns von der blinden religiösen! Finsteriris befreien! Im Gefolge^ des neuen Rabbiners rrnd von ihrn unterstützt, haben die vieler: beschäftigungsloser: polrüscher: Juden, unser Comi-, tat ülwrslutet. Und dies bedenket nicht! nur für ru:s Einzelne eine Gefahr, sondern für das ganze Land, dein: diese Elemente predigen von der Kanzel herab, dass der Schulbesuch verdmnmenswert sei, sie Zwinger: ihre jeder religiössittlicher: Basis entbehrenden, abstoßender: und widerlichen, Gewohnheiten auch der: werüger: Fanatischen auf und Herr:- 1 men aus diese Weise die Magyarisierung und der: Fort-, schritt. Entsheiligend ist ihrrer: alles, was nragyarisch, was nicht Fanatismus, sonderrr. Aufgeklärtheit ist. Deshalb wird es für rrrrser Cornitat charakteristisch, dass der größte Theil unserer Glaubensgerwssei: von: Nichtsthnn lebt. Und was ist die Folge dieser Beschäftignirgslosigkeit? Dass das Vermögen, das Leber: und die Sittlichkeit hier stets in, Gefahr: schweben. Deshalb herrscht hier die große Armut, sind die vieler: Straffälle, Verderbtheit nr:d Corrnption auf dev Tagesordnung." . Aber wozu fortsetzerr! Die. Verachtung jedes ehrlich . denkenden Inden und auch jedes anständiger: Nichtjnden ist diesen heldenmüthigeu Neornagyaren, lote sie vor: den Anti -; seruitei: genannt Werder:, auch nach dieser kleinen Blume::-! lese sicher. (Sine trarrrige Berrrhignirg holen loir uns aus s den: Gebaren der ungarischer: Wahomgnlr-Epigone::. Wenn! der Anti sein MArnus i r: Ungarn: auch die letzte Rücksicht' beiseite gelegt, nach dem selber: Reeepte gegen alle unga-! rischen Judeir. Vorgehen lvird, loie es heute diese Auchjuden j ihnvrr orthodoxer: Brüdern gegenüber thrrn, daur: iverden loir die traurige Beruhigung Habens, dass dies e Jude r: ihr Los lvahrlich verdient haben, dem: „sie Habei: ihrer: Namen .; und ihre Sprache geändert und ihre Brüder verleumdet llosckjion Hora) Generalversammlung der Israelitischen Allianz. Im. Sitzrurgssaale der jüdischen Cullnsgemeinde hielt die Israelitische Allianz ihre diesjährige Gerreralversammlrrng ab, die stellenweise, einer: stürmischen Verlauf nahrrr. David v o rr G u t t m a u n eröffiiete die VersaurNrluug mit einer kurzer: Ansprache und ertheilte dem' Secvetär Dr. A. K a m i n k a das Wort zur Verlesung des! Recheuschaftsberichtes. Wir wollen, vorläufig nur hervorheboii!, dass derselbe sich hauptsächlich mit der durch die rumänische Krisis hervorgerufeueu Situation beschäftigt, und eonstatiert, dass durch die Allianz über 3500 Arrslvaudeeer nach RoVerdam befördert wurden. Die Ausgabe»:! der Allianz beziffern sich auf 224.000 K und ergibt sich ein rechnungsmäßiges Deficit vor: 96.000 X. Auf Verlangen Dr. Herzls verspricht der Vorsitzende, an alle Mitglieder einen Bericht über die diesjährige Generalversammlung zu verschicken. Hierauf ergreift Dr. Herz! das Wort zmn Rechenschaftsberichte. „Wir haben keine revolutionären Absichten. Ich und meine Freunde sind nur gekommen, um einteje Punkte hcrvorznhcbcn, die zeigen, dass unsere Aufklärungsarbeit nicht ganz fruchtlos geblieben ist. Zwei Punkte Ivill ich ans dem Berichte Herborheben; erstens erklären Sic, dass die Lage des jüdischen Stammes in Rumänien an die Zustände in Mizraim zu Mosis Zeiten erinnern. Damit habcnSie zugegeben, IvogegenSic sich so lange gewehrt haben. Die,zweite Stelle ist die, wo Sie über die Absicht der rumänischen Regierung sprechen, nur jenen Handwerkern das Recht zur Arbeit znzngestehcn, deren Heimatsstaaten es auch den rumänischen Handwerkern zngestehen. Daö ist alles. — Ich frage ferner den Vorstand, was er gethan hat, um der rumänischen Calamität vurznbengcn und Abhilfe zir schaffen, ob die Conferenz stattgefnndcn hat und bei welchen Rcgiernugen intcrbeniert wurde." Dr. Werner bedauert, leinen Antrag stellen zu können, stellt aber, in Form einer Resolution das Verlangen, dass die Allianz gemäß Paragraph 2 den Wiener jüdischen Turnverein snbbenüoniere. M. Bernhard wirft dem Vorstände vor, dass er Vereine mit antisemitischen Allüren unterstütze, dagegen den zionistischen Verbindungen die Subvention entzogen habe. Er beantragt eine Resolution, in der die Versammlung den Vorstand anffordert, die zionistischen Studentenverbindungen in würdiger Weise zu subventionieren. Dr. M. Hoffmanii: Die Allianz hat die Wahl, entiveder Turner und Studenten, Gestalten frisch, fromm und frei, zn unterstützen, oder, Greise und Weiber, mit Säuglingen am Arm, die bisher in Höhlen vegetierten, und denen man jetzt selbst diese Existeiizmöglichkcit nehmen Ivill. Die Allianz hat ein Dcfecit von 00.000 K. Wjie kann uns überhaupt die Frage gestellt werden, tuen man unterstützen soll? (Beifall.) Von zionistischer Seite lvird der Allianz der Vorlvirrf gemacht, dass die Actioncn der Allianz unzulänglich sind; cs lutri) gefragt, was die Allianz gethan hat, um der Calamität vorzul> engen? Da möchte ich fragen: Was hat die Weltpartei der Zionisten gethan, um der Emigration vorznbengen? Bei welchen Regierungen hat sic interveniert in dieser Frage? Was hat sie zur Linderillig dieses Elends gethan? Die Allianz hat ein Deficit; die politischen Zionisten haben aber Millionen in der Colonialbank. Aber anstatt die Noth zn lindern, thesaurieren sie das Geld und machen Pfändergcschäfte. (Unruhe, die Versammlung lvird unterbrochen, bis endlich wieder die folgenden Redner sich verständlich machen können.) Dr. B l o ch hebt gegenüber Dr. Hcrzl hervor, dass die Erkenntnis des jüdischen Stmnmes nicht eine Errungenschaft der zionistischen Partei sei, soildern dass vor dreißig Jahren der Gründer der österreichischen Allianz, v. Wcrtheimer, eine Schrift pnbliciert hat: „Ucbcr die Gesinnungstüchtigkeit des jüdischen Stmnmes". Ferner hat der verstorbene Adolf Jcllinek über den jüdischen Stamm geschrieben. (Anmerkung der Red.: Dr. Güdemann weiß aber heute noch nicht, dass ein jüdischer Stamm existiert.) Zum Schlüsse weist der Redner mif die Nothwendigkcit hin, auch in Oesterreich zu wirkeu lind verweist auf dcu Fall in Dombrowo. Dr. M ü n z fordert den Vorstand auf, eine Action bei den Signcrtarmächtcn der Berliner Convention cinzirleiten und dadurch die rmnänische Regierung zur Einlösuug ihres Wortes zu bewegen. Dr. M.armorek iveist den Vorwurf „atheistischer Zionist" zurück und erklärt, religiöser Zionist zu sein. Dr. Stern: Ich!var der wärmste Freund der Studenten, seitdem ich aber erfahren habe, dass einige Vereine nur Unfrieden säen, bin ich gegen die Subventionierung aufgetreten. Der Vorsitzende: Ich muss es zurückweisen, als ob sich die Allianz durch die Zionisten leiten ließe oder durch dieselben erst ans die rmnänische Emigration aufmerksam gemacht worden wäre. Die Alliance ist vor dreißig Jahren gegründet worden eben anlässlich der damaligen Unruhen in Rumänien, die in Rnsslmcd ein schreckliches Echo fänden. Auch diesmal hat sie die Initiative ergriffen. Was aber die Anfrageil des Hcrril Dr. Herzl betrifft, so kann ich leider feine Auskunft geben; tvir würden den rumänischen Juden einen schlechten Dienst erweisen, wenn wir alles veröffentlichen würden. Um Reclame oder Anerkennung aber ist es uns nicht zn thun. Ich erinnere aber Dr. Hcrzl daran, dass er selbst nicht über alles Auskunft gibt. Eine Conferenz hat in Cölic stattgefunden, über deren Ergebnisse ich aber ans den angeführten Gründen nicht berichten kann. Dr. Herzl: Man verschärft die Gegensätze künstlich; deshalb habe ich auch gewünscht, dass ein objectiver Bericht über die heutige Versammlung verschickt werde. Es muss coustatiert werden, dass der Tnnuilt während der Rede des Dr. Hoffmann entstand. Ich werde ferner demnächst gelegentlich der gerichtlichen?lhndnng einer Verlenmdnngseampagne Gelegenheit haben, näher ans die Vorlvürfc betreffs der Colonialbank einzngehen.?plf persönliche MittheiUingen Vonseiten des Präsidiums verzichte ich. Ihr Fehler ist, dass sie keine Ideen und keinen Plan haben. Den guten Willen leugne ich nicht, da sie sich zn einer so undankbaren Sache, wie es ist, Jude zn sein, bekennen. Ich gestehe offen, dass die Morte, die ich an Sie richte, ganz zwecklos sind, denn Sie tverden sich nicht belehren lassen. So müssen sich die Dinge Ivciter enttvickeln. Der Vorsitzende: Wenn es die Herren Zionisten besser verstehen, so überlassen wir gerne ihnen die Action in der rumänischen Judenfrage. Tausende von Inden sind bereit, ansznlvandern. Ich fordere also die Zionisten ans, diesen die Möglichkeit zn bieten. Bis jetzt ist dies aber nicht der Fall. Im Gegentheile, bei der letzten Emigration kamen viele mit ihren Certifienten in dcr^Hand zn Uns. (Dr. Herzl: WaL für Certificate?) Ich ineine die Shares der Cötvnialbank, die nach der Meinung dieser armen Leute ihnen ein Anrecht zur Unterstützung geben. Sie überlassen uns die ganze Arbeit, ich finde daher die ganze Discnssiou zivecklos. Auf Antmst D t, M a r:u orek s lvird mm über die Resolution Bernhard nbpestimrnt. Diese lvird mit Mehrheit a b p e l e h r: t. Die Resolution Werner wird zurückgezogen. Die abkreteuder: alten. Vorstandsmitglieder lverder: hierauf per A c e l a irr atro n geumhlt und die Versa nun ln n g ges ch lass er:. Chronik. Inlrmd. Davorbereitende Comitce zur Gründung eines „Jüdischer: Ha:rdwerkerbni:des" hat die Statnter: fertiggestellt und beruft für Ntittlvoch b'crt 7. d. M. 8 Nhr abends eine Versarnnckuug in: Festsaale des „Jüdischen Volks- Vereines", 2., Leopoldsgasse 49, ein, zn. lvelcher alte jüdischen Handlverker eingeladen und in: eigener: Interesse ar:fgefordert lverder:, ir: ihrer: Bekanntenkreisen für zahlreichen Besuch dieser Bersannnlnng zn agitieren. (Feriellheim.) Die ungünstige finanzielle Lage, in lvelcher sich dieser seit tü Jahren bestehende, für das Wohl armer kranker Kinder unserer Glaubeilsgenossen lvirkende Verein derzeit befiildet, veranlasst den Vereiilsvorstaild, die Zahl der zu entseildendeil Schützlinge gegeil das Vorjahr zll verriugerli. Alnneldnugen von Petenten können deshall' imr nrehr bis zum 10. d. I. zwischen 4 und 7 Uhr nachmittags 9., Türkenstraße. 17 erfolgen. Beitrittserklärungen oder Spenden wolle man an das Präsidium, 1., Schotteilring Nr. 2 richten. (An die Adresse der Wiener Cultusgemeinde!) Folgender e:npörende Vorfall wird uns berichtet: Das Wiener Handelsgremimr: beabsichtigt, ein neues Genossenschaftsgebäude aufzuführen. Zn der engeren Concurrenz wurden 7 Baumeister, 0 Christen und 1 Jude, aufgefordcrt, ihve Offerier: einzusenden. Das Offert des Juden tvar um 11 000 K. billiger, als das billigste der anderen Concurrenten. Die Entscheidung lag irr der: Händen der Baucorumission. Ar: der Spitze der Connnission stand der Präses des Gremiums, Herr Commerzier:rath Leopold Pollak, in Firma Hermann Pollak und Söhne. Die Stimmung der. Majorität der Commission war natürlich für das billigste Offert. Da. unterbrach der Vorsitzende Leopold P o l l a k, M i t g l i e d d e s W i v r: e t Cultusvorstandes, Sic Sitznr: g mit der: Worten: „M eine Herren, ich kan r: es bei den heutigen Zeiten nicht zu geben, dass der Bau ei nein Juden übertrag e u w i r d." Ev wirkte! danr: persönlich aus die jüdischen Mitglieder der Comnussion ei»:, und es gelang endlich auch den: Cultusvorstande nach heißem Bemühen, dass der Jude präteriert wurde urü) dass der Bau mit fünf gegen drei Stimnien einem Christen übertragen wurde. Bekanntlich präteriert die christlich-sociale Majorität auch die Juden; sie hat aber das Schamgefühl, es nicht ernzugesteheu. Einer:: Mitgliede der Miene:: Cultusgemeindg blieb es Vorbehalte::, jedes Schamgefühl abzulegen und die Strohbachschen Theorien in. aller Nacktheit in dis Praxis umzusetzen. Die C:cktnsgen:einde soll das Juderrthun: schützer:; wev aber schützt das Jndenthun: vor dieser Cnltnsgemeinde?! Ter Tanz um den Wurstkeffel. Die Christlich-Socialen entwickeln sich. Eifrig copieren sie alle Unarten der^ Altliberalem Wenn ein Bruder Freimaurer ein Stück gibt, so lvird der ganze Heerbann anfgeboten, imt dem Stücke zu eiirem Erfolge zu verhelfen; darüber entrüsten sich die Antisemiten. Wenn aber ein Bruder in Christo, Wplfgang Madjera, ein Stück im JnvitänmSthcater gibt, so erlässt der Bezirksvorsteher Paul Spitaler an alle Gesinnungsfreunde einen Aufruf im officicllcn Moniteur, recht zahlreich bei der Vorstellung zu erscheinen, eine gleiche Aufforderung geht an sänimtliche Mitglieder des Luegcrbundes, so werden die antisemitischen Theatererfolge geinacht. Mancher biedere städtische Beamte denkt sich, es sei gescheiter, ein Stück von Madjera über sich ergehen zu lassen, als ^präteriert zu iverden; er kommt daher in das Theater und klatscht wüthend; das ist der beste Beweis für Gesinnungstüchtigkeit. Lueger scheint aber seiner Partei nicht mehr so sicher zu sein; die Barrierestöcke lehnen sich auf. Zuerst bereiteten sie ihm den Schmerz und ließen seine Busenfreunde, den Ritter von der Spittelberggaffe, den Helden vorn Wimberger- Chambre separce, und den Specialisten für Ritualmorde fallen. Jimr drohen die getreuen Fleischhauer mit dem Abfall. In der letzten Nummer der „Fleischhauer-Zeitung" toird der Ausfall der Stadtrathswahlen sehr heftig besprochen. Bekanntlich hat auf Wunsch der Vorsteher Gemeinderath Hütter candidiert, der Bürgerclub nominierte aber Herrn Straffer, der auch mit kolossaler Majorität gewählt wurde. In dem erwähnten Organe wird nun eine kolossale Vrotestversammlnng aller Approvisiernngsgewerbe angekündigt, Her Abfall von der christlich-socialen Partei und die Schaffung einer „gewerblichen Wirtschasrspartei" angedroht. „Schon längst hat sich in gelvcrblichcn Kreisen das Bedürfnis nach einer gewerblichen düng einer solchen Partei nicht gekommen ist, so geschah dies mit Rücksicht auf jene politische Partei, der die heutige Gemeinderathsmajorität angchört, und der man — wie sich jetzt zeigt, mit Unrecht ein Verständnis für die Bedürfnisse des Gewcrbestmrdes zntraute. socialer. Lager. Bis jetzt sah man schadenfroh den: Zwiste im alldentscheic Lager zn. Die „Alldeutsche Correspondenz" charakterisiert )ie Partei der „Erwischten" fokgendennaßen: „Unter dem Schutze 'einer SatisfaetionSnnfähigkeit lässt Abg. Wolf in der „O. R." dügen nn Schmähungen veröffentlichen, die nur den Ziveck haben. gnngcn nno .n'raftphrasc... vor dem nahen Ende hervorlngt, ein entsprechender Beweis für die Kampfesrveise der ostdeutschen Cligne. Der öffentlich erhobene Vorrviirs eorruptcr Beziehungen der „O. R." Wolfs zum Zuckerkar'telt, der weitere Vorivnrf wegen mehr als incorrecter Geld- Avneignna nicht ans der Welt gesevaffen werden. mit der luüiu'u geführten Kanips offei und.I tranc landedabei. ...... .. einander gerührr und eine Menge wtimer Vorgänge hmree den Conlissen erörtert, die beide Theile im schönsten Lichte erscheinen lassen. Man kann ruhig behaupten: So viel Charakterlosigkeit wie bei den radicalen Parteien von Kieuinau bis zn Jro ivurde nicht leicht noch irgendlvo bei Polititern ans Tageslicht gezogen. Und diese Sorce von Leuten maßt sieb au. über die Juden abzunrtheilen. (Kvsmvpolitismus oder Ehrlosigkeit?) Eine schölte Sache ist es doch um das gute jüdische Herz, das Wohlthaten üvr ohne Unterschied der Confessio». Der gläubigste Jude, der eiiigefleischteste?i'atiouatsude vergisst nie, dass er auch Ai'eitsch sei mir allen an deren Rtenschen und fragt nicht nach der llleligiott desjenigen, der seilte Hilfe iu Anspruch' nimmt._ Das ist nicht »ne Gebot des Herzens, soildern aucli der jüdischeil Religion.;'enge dessen die zahllosen Stifnlngen für alle Arten von Bedürftigen ohne llmerschicd der Coitfessioil, die von Inden errichtet ivlirden uitd noch täglich iverdeit. Weint auch die Ereignisse der jüngsteil Jahre eS zur Evideiiz, eriveiseu. dass es praktischer geweseil wäre, diese -stistuilgeu iu je eilte arische und eine jüdische Seetion zll thetlen, da vekäniltlich bei den dermaligen Machtbaberil in Wien „ohne Unter schi kalt», sind, fürwortet., ... .. . . Wohlthätigkeitsatlstalten linterstützen. Mogegett wir aber eilt-