Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 17 (25.4.1902)
- Date
- 1902-04-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 25. April 1902 Nr. 17 Der Hellebardier des Judenhasses. Ich will Euch das Märchen vom „Aschenbrödel" erzählen, oder eigentlich nicht das Märchen, denn das kennt Ihr, sondern die Geschichte des Märchens vom Aschenbrödel, nach den neuen historischen Untersuchungen bearbeitet. Dieses Märchen ist nämlich nichts anderes als ein Symbol für die Unterdrückung des jüdischen Volkes. Aschenbrödel ist Jude; cs arbeitet und müht sich, zurückgesetzt und geschmäht von den andern Schwestern, in unscheinbaren und schlissigen Gewändern. Nur manchmal wirst Aschenbrödel das Kleid der Magd ab, und hüllt sich in das glänzende und gleitende Gewand seiner ruhmvollen Vergangenheit. Deshalb gab auch die aristokratische Gesellschaft jüngst im S ch ö n b r u n n e r S ch l o s s t h e a t e r das zeitgemäße Sittenbild. Sehr schlau war es auch, den Baron Rothschild als Hellebardier aufzustellen, der dem Aschenbrödel den Eintritt in das Schloss verwehrt. Thut es Baron Rothschild sonst auch; er füttert und schützt in W i t k o w i tz. P i l s e n u n d a u f se i n e n Gütern die dcutschnationale, antisemitische Camarilla, dagegen ist den Juden der Eintritt verwehrt. Es gelingt wohl einigen, untergeordnete Stellen zu erlangen; dort haben sic aber nur die Wahl, entweder zu kuschen, alle antisemitischen Anrempelungen ruhig zu ertragen, womöglich sich taufen zu lassen und selbst auf das „jüdische Großcapital" zu schimpfen, oder aber wieder den Dienst zu verlassen. Wir kennen ein Beispiel, dass ein Beamter nach 12 Jahren herausgeekelt wurde, weil er Jude war. Aber die Arier bedanken sich wenigstens für die Bevorzugung; sie schimpfen auf die Rothschild scheu Millionen und hauen deshalb den Hausierer durch, der ihnen seinen Kram anbietet. So gleicht sich alles aus. r Finger, her Schöpfer des „Beethoven", heißt eigentlich Krelinger. Sein Vater war Jude, ließ sich taufen und änderte fernen Namen. Israelitischer Tempel- und Schul-Vcrcin für den 6. Bezirk. Am Sonntag den 20. d. M. fand im Vereinslocale die 0. ordent- Irche Generalversammlung dieses verdienstvollen, unter dem Präsidium des Herrn Moriz Felsenberg stehenden Vereines statt. Die neugewählten Bicebürgermeistcr. In der Sitzung?7?S Gemcinderathes vom 22. April wurde die Wahl der Viceburgermeister vorgenommen. Wie nicht anders zu erwarten gewesen, wurdcir die bisherigen Vicebürgernieister 11. Strobach zum ersten und Dr. Neumayer zum zweiten Viceburgermeister wiedcrgewählt. Das Kleeblatt Lueger, Strobach und Neumayer wäre toieder perfect. Trcs faciunt collegium. Die Auguren sind wieder complett und werden nach wie vor die Herrschaft über die Neichshaupt- und Residenzstadt Wien führen. 'Wie und m welcher Weise, davon haben wir einen Vorgeschmack bekommen von den Ansprachen, die seitens der Herren Lueger. Strobach und Neumayer gehalten worden sind. Bürgermeister Lueger versprach, er werde auch fernerhin mit aller Objectivität sein Amt fuhren, er werde weiters allen Mitgliedern des Gemeinderathes Schutz der Redefreiheit gewähren uiid mit ihnen gemeinschaftlichen Verkehr Pflegen. ' Was von den Versprechungen Dr. Luegers zu halten ist, hat mwi wohl Gelegenheit gehabt, während seiner Amtsthätigkeit als Bürgermeister der Stadt Wien zu erfahren. Es ist noch in frischer Erinnerung, welche Drangsalierungen die politischen Gegiier des Hr. Lueger zu erdulden hatten, daher wir uns der Schilderung der Amtsführung nach dieser Richtung hin entschlagen können. Strobach und Neumayer sind bisher gelehrige Schüler ihres Meisters gewesen. Sage mir, wer Deine Vicebürgermcistec sind, und ich werde Dir sagen, was für ein Bürgermeister Dii bist. Alle drei sind einander würdig und würden wir 'es unterlassen, uns mit dem bürgermcisterlichen Kleeblatt zu beschäftigen, lvenn uns die gehaltenen Onsprachen dazu nicht die Veranlassung geben ivürden. In seiner Ansprache sagte nämlich Strobach, er verspreche, dass er wie bisher stets zielbewusst und energisch für die Interessen des christlichen Volkes eintreten iverde, welche Interessen ja gleichbedeutend seien mit unserer Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. Neumayer versprach wieder, er wolle sich dem Interesse und dem Wähle der geliebten Vaterstadt mit aller Hingebung und Treue widmen und dabei die wirtschaftlichen und sittlicheil, die nationalen und patriotischen Grundsätze des einheimischen, christlichen deutschen Volkes in Oesterreich sich vor Augen halten. Die Herren Strobach und Neumayer sind, wir legen neuerlich Nachdruck darmif, gelehrige Schülrer des großen Meisters Lueger. Für beide neugewählten Viceburgermeister existiert in Wien nur das christliche Volk, die Juden sind für sie nicht vorhanden. Wie sich Lueger räuspert und spuckt, Haben sie ihm alles weidlich abgeguckt. Das Benehmen der Herren Strobach und Neumayer als Nicebürgermeister ist nicht nur frivol, sondern auch chnisch. Beide ziehen ans dem Gemeindesäckel ansehnlich hohe Gehälter, wozu die Inden mit einem reichlichen Percentsatze beitragen. Schon dies allein sollte die Herren Strobach und Neumayer bestimmen, die einfachsten Regeln des Anstandes, der Manier und des Taktes zu beobachten. Ein altes Sprichwort sagt: Wess Brot ich esse, dess Lied ich singe. So lveit dürfen wir allerdings in der Aera des Antisemitisinns, des rüdesten Rassen iMtS 4-* Irt * i /%»» rVitSrt*! fuilirt f« (II) 2 u t k » ... Nun wird nran fragen, tvie hat sich der Abgesandte der Statthalterei, der mit der Mission betraut gewesen, die Angelobung überflüssig, zu erwähnen, dass der erwähnte Abgesandte der Statt- Halterei ein Herr Hofrath T i l s geivesen ist. Er hat auf diese Einseitigkeit der beiden Bürgermeister nicht reagiert und nach dem Grundsätze: „Oni tacet, consentire videtur" sich mit denselben identi und Empörung sich in einem Schrei des Entsetzens Llift macht. Mit dem Amte der Bürgermeister ist auch der Vorsitz in Magistrat verbunden, der die politische Behörde erster Jnstaiy bildet, der in lvichtigsten Fragen der Bevölkerung zu judicieren hat Welches Vertrauen kann inan dann zu einer Behörde haben, a> deren Spitze sich factiöse Elemente besinden, die einem großen Thei der Bevölkerung spinnefeind gesinnt sind und ans ihrer Gesinnuni gegen dieselbe kein Hehl machen. Der jüngste Act int Gemeinderathe hat sich zu einem Verivaltnngsscandal allerersten Ranges qualificiert und es erlveiSt sich als uothweudig, dass das Ministerium als oberste Aufsichtsbehörde der Sache ihre eingehendste Aufmerksamkeit zuwendet. Wir verlangen dies,!veil Nur ein Recht hierzu als loyale Staatsbürger und Steuerzahler besitzen. Der antisemitische Pressriny. Eine begabte Schriftstellerin Am Sarge der Frau Banmberg Presse und die antisemitische, und schuld ist in den Tod gejagt tvorden. Am Sarge der Frau Banmberg stehen zlvei Parteien, die liberale Presse und die antisemitische, und werfen sich gegenseitig die Schuld an dem Tode vor, aber mit gedämpfter Stimme, denn beide haben Butter am Kopfe. Die antisemitische Presse coneentriert sich trotz aller häuslichen Katzbalgereien in der Deutsch-österreichischen Schriftstellergenosseiischaft. Diese Genossenschaft ahmt mit viel Brutalität und wenig (beschick ganz die Allüren der „Coucordia" nach; schaltet die „Concvrdia" im Burgtheater nach Willkür und Belieben, so regiert die Genossenschaft im Jubiläumstheater; doch eröffnet sich ihr die herrliche Perspective, an ded Laudstraßer und Meidlinger Stadtheater, die die Commnuc gründen will, dieselbe Pascharolle zu spielen. Nebenbei gesagt, bewundern wir die Fürsorge der christlich-socialen Stadtväter für das unerschöpfliche Verlangen des Wiener Spießers nach „ancr Hetz"; die Verhandlungen im Theater am Rathhauspark werden infolge der Schläfrigkeit der Liberalen immer langweiliger» die Gallerien lichten sich, gleich springen die besorgten Stadtvätcr ein und gründen, getreu dem alten Rufe: «Panem et circenses" neue Theater. (Gregorig würde sich weniger klassisch ansdrücken: „A Brod und a Gaudi".) Die Stücke der Frau Baumberg wurden am Jubiläumstheater aufgeführt, sie stand also unter der Diktatur der „Deutsch-österreichischen Schriftstellcrgenosscnschaft", sie musste also zugeben, dass ihre Stücke zugunsten der Genossenschaft aufgeführt wurden, obwohl sie selbst sich in der d r ü ck e n d st e n Nothlage befand. In Briefen an eine Freundin gesteht sic, dass sie nicht das Geld für den Zins beisammen hat. Im Nachlasse wurden drei Kronen gefunden, als das ganze Bargeld, das die Todte bei sich hatte. Die Ei tut ahme ihrer Premiere musste aber ohne ihr Wissen und Wollen in die Cassen der S ch r i f t st e ll e rg c n o s s e n s ch a f t wandern. Wer trägt also die Schuld an dem Tode der Frau Baumberg? Die liberale Presse nicht, denn diese hat sich ausnahmsweise sehr anständig benommen und alle Kritiken haben das Talent der Baumberg anerkannt. Nein, der antisemitische Pressring hat die Fran Bauniberg in den Tod gejagt! Eine feine Presse; man kann sie cintheilen in die Ritualmordpresse, siehe „Deutsches Volksblatt", und in die Raubmörderzcitung, siche „Deutsche Zeitung". Anlässlich der Verhandlung über die Ermordung des Trödlers Jsak Kessler plaidicrte die „D. Z." eifrig dafür, dass Voboril unter unwiderstehlichem Zwange gehandelt habe; cr sei durch die Ivuchcrische Ausbeutung zu dem Verbrechen getrieben worden, während die Verhandlung die Verantwortung des Angeklagten als eine durchaus erlogene erwies. Man kann bielleicht den Verbrecher begreifen, der den Todten verunglimpfte, um sein Leben zu retten; dass aber ein in Wien erscheinendes Blatt sich zum Verthcidiger von Raubmördern aufwirft, dass sie „das vernichtende Urtheil" bedauert, das kennzeichnet einen bedenklichen Tiefstand des antisemitischen Pressringcs. Doch auch der liberale hat seine Sünden. Wie er seinerzeit den L ri c g c r förmlich in das antisemitische Lager hineingetriebcn hat, so kann es neucstens das Verdienst in Anspruch : nehmen, einen Schriftsteller von unbestreitbarer Begabung, B l e i b-1 treu, zum Partisan der Antisemiten gemacht zu haben, obwohl j dieser Mann, der in jeder dritten Zeile Heine citiert und an- . erkennt, wahrlich kein Antisemit lvar, und cs jetzt auch innerlich nicht ist. Aber der liberale Pressling hielt sich immer fanatisch an den Spruch: Wer nicht zur Clique gehört, w i r d ent - weder t o d t g e s ch tv i e g e » oder todtgesch impft. Zur Clique muss man gehören, dann verzeiht man selbst einen wurzelhaftcn Antisemitismus, siehe Schönherr; wehe aber dem, der sich der Clique nicht beugt, dann erdreistet sich der kleinste Schnüffler, einen Großen zu begeifern. Das Schicksal tausender jüdischer Proletarier in Russland und Rumänien lässt diese Presse kalt; es bedarf erst gemeinverständlicher Anstöße von außen, damit sie davon Notiz nimmt, wobei sie noch gegen verbogene Dementis der officiösen Correspondcnzbureanx nicht spröde thut; aber die Ablehnung eines Dramas von Hugo Ganz ist ein Casus belli. Jugenderzieher in der Prager Handelsakademie. Aus Prag wird uns folgender unglaubliche Vorfall gemeldet: Wie Juden den Antisemitismus züchten, ersieht man um besten an der Prager Handelsakademie. * Dieser Tage ereignete sich an der früher erwähnten Anstalt, die zu drei Vierteln von Juden besucht wird, an der eine größere Anzahl jüdischer Lehrer thätig ist, folgender Vorfall: Ein Schüler bekam plötzlich während des Unterrichtes in der französischen Sprache Nasenbluten und ersuchte den „gebildeten F r a n z a f e n", ihn hinausgehen zu lassen. Der Herr Professor, namens Oudin, erwiderte jedoch mit höhnischem Lächeln in gebrochenem Deutsch: „Gehen Sie hinaus und heben Sie sich das auf Ost ern aus!" Unter den Schülern herrschte natürlich große Aufregung; doch die Direction und das Handelsgvnnium haben, obzwar sie von dieser Gemeinheit in Kenntnis gesetzt wurden, nichts gegen den Herrn Professor unternommen. So wird das Ganze verschwiegen, und der antisemitische Professor ist weiter Lehrer jüdischer Schüler. — Ein anderer Fall ist folgender: Bekanntlich war an derselben Anstalt die Stelle das Direktors neu zu besetzen, um die sich auch zwei jüdische Professoren, die tüchtigsten Lehrkräfte der Anstalt, bewarben. Doch wurde die Stelle einem Nichtjuden gegeben, damit es nicht heißen soll, Die Anstalt ist verjudet. Es wäre wohl schon an der Zeit, dass den Herren Juden im Gremium, die die Majorität hier haben und Inhaber der Anstalt sind, endlich ein Licht aufgehe, auf dass sie sich nicht von Antisemiten beeinflussen lassen und so ihre Stammesgenossen schädigen. Wenn wir nicht selbst für uns eintreten, so verdienen wir kein besseres Schicksal. Verband der jüdischen Handwerker Prags sammt Vororten. Am 10. März fanden sich in der Wohnung des Herrn S. Schreiber zehn jüdische Handwerker ein, die einstimmig beschlossen, einen Verband von jüdischen Handwerkern anzustreben. Sie erließen hierauf folgenden Ausruf: An unsere Glaubensgenossen vom Handlvcrkerstande! Durch die unhaltbaren Zustände, welche den Inden überhaupt, insbesondere aber den jüdischen Handwerker. beengen, ihm seine Eristenz beinahe unmöglich machen, haben sich einige jüdische Gewevbslrute veranlasst gesehen!, es zu versuchen, eine Organisation ins Leben zu rufen, die ziun Zwecke haben soll, den B e st a n, d des jüdischen Hand U> e rkes m ö g l i ch z it m a ch e n. Abgesehen davon, dass der jüdische ConsuMeut von dem Vorhandensein eines jüdischen Handwerkes im allgemeinen gar nicht unterrichtet ist, sich daher bei einem eventuellen Bedarfe seiner nicht bedienen kann, ill eine solche Organisation auch sonst von großem Vortheile, weil sie die wirksamste Widerlegung der von unseren Gegnern so oft und scheinbar mit Recht wiederholten Behauptung: „Ter Jude scheue jede anstrengende Arbeit" bilden würde. Alte Gründe, welche für eine solche Organisation sprechen, können hier natürlich nicht angeführt werden, das muss dem zusammentretenden Eomitee Vorbehalten bleiben und verweisen wir in dieser Beziehung ans die Notiz in den Vereinsangelegenheiten. Das vorbereitende Eomitee, bestehend aus 10 Handwerkern aller Kategorien. ' Zur Hklsner-Affaire. Wie die „Nar. Lisch" aus bestinformierter Quelle erfahren, beruhen die Nachrichten über angebliche neue Aussagen Hilsners in der Pankratzer Strafanstalt nicht auf Richtigkeit. Die Einvernahme des Zeugen Vesely aus Neubydzow hat mit einer Wiederaufnahme des Polnaer Processes nichts zu thun. Zur Frage der Hebräifch-Lehrer der Baron Hirsche Stiftungsschulen. Die Lehrer der hebräischen Sprache an den Stiftungsschulen stehen in ihren Dienstverhältnissen den Profanlehrern noch viel nach, da das Regulativ der Stifkvngslehrer für erstere nur betreffs Pflichterfüllung Geltung hat, während von Gleichberechtigung beiweitem keine Rede ist. Die Frage beschäftigte in den letzten Jahren die gesummte jüdische Presse, die für die Regelung der Dienstverhältnisse und Bezüge der Hebräifch-Lehrer sowohl, als auch für deren Stabilisation einmüthig und warm ein-- tritt und ihrer Sonderstellung und dem Ausnahmezustände ein Ende zu bereiten, rückhaltlos und energisch verlangt, und harrt noch immer einer Lösung, da zum Bedauern und Erstaunen aller, denen das Schicksal und die Zukunft der Stiftungsschulen am Herzen liegt, in dieser dringenden sozusagen Lebensfrage einer Kategorie von nützlichen, rastlosen und verdienstvollen Mitarbeitern an dem Ausbau des humanitären und culturellen Werkes der Baron Hirsche Stiftung bis jetzt noch nichts Wesentliches geschehen ist! Es ist daher ein Gebot der Nochwendigkeit, ein Gebot der Menschlichkeit, diese Frage aufs neue zu ventilieren und einer sachlichen Behandlung zu unterziehen, zumal die unerquickliche Lage der Hebräisch-Lehrer von Tag zu Tag sich unerträglicher gestaltet. Seit dein mehr als 10jährigen Bestände der Stiftungsschulen wurde für die Lehrer der profanen Gegenstände vieles geschaffen. Ihre Dienstverhältnisse und Bezüge wurden entsprechend reguliert, manchem Uebelstaude in ihrer Lage abgeholfen! und zur Verbesserung derselben vieles beigetragen. Ja, wie verlautet, soll sich das Curatorium sogar gegenwärtig mit dein Plane einer Regulierung ihrer Gehälter berumtragen undbefassen. Was geschah aber im Laufe dieser langen Zeit für die Hebräisch- Lehrer? Leider nichts und wiederum nichts! .Nach wie vor muss der provisorische Hebräifch-Lehrer von heute auf nwrgen leben und seinem Schicksale überlassen sein! Nach wie vor sieht der Vertreter des hebräischen Lehrfaches sich in seiner materiellen und sozialen Stellung mindevbewertet und benachtheiligt, welche Minderbewertung und Benachtheiligung für die Schuljugend.ein deutlicher Wink für bie Minderwertigkeit des Lehrgcgenstandes, den der unglückliche Lehrer vorzutragen hat, ist, und er wird alle Mühe vergebens aufwenden, dieses Vorurthcil zu überwinden. Ja, wie gedemüthigt und zurückgeseht muss sich rer Hebräisch- Lehrer gegenüber seinen profanen Collegen fühlen, und wie muss er seine Selbstachtung verlieren angesichts der Thatsache, dass er bei zehn Dienstjahren und noch darüber trotz seiner vorzüglichen Leistungen und musterhaften- Aufführung — dabei sei bemerkt, dass, wie allgemein bekannt, unter den Hebräisch-Lehrern Autoritäten ans dein Gebiete der Pädagogik und hebräischen Literatur, deren Ruf weit über die Grenzen des Landes hinausreicht, sich besinden von Glück sagen kann, wenn er cs zu 600 fl. Jahresgehalt gebracht hat, während sein viel jüngerer Profan- College — manchmal auch bei keinen so rühmenswerten Leistungen und ganz tadellosem Betragen schon beim d r i t t'e n Dienstjahre bei demselben Gehalte angelangt ist und schon beim fünften Dicnstjahre es zur Stabilisation und somit auch schon zu 720 fl. jährlich nebst sonstigen damit verbundenen Zulagen und Beiträgen gebracht hat! Es ist fraglich, ob andere Lehrer unter solchen Umständen mit gleichem Fleiße und gleicher Arbeitslust, ja sozusagen mit einer selbstverleugnenden Hingebung ihrem Berufe noch nachgehen könnten, wie die Hebräisch-Lehrer, die von zuhause schon eine gewisse Dosis von Ideal mitbrachtcn! U n d s o l l e s a u ch w e i t e r s o g e he n? Nein, bei solchen Zuständen kann es länger nicht bleiben und muss es daher eine Wendung zmn Besseren nehmen, wenn dem Gedeihen und Prosperieren der Stiftungsschuleu Rechnung getragen wird! Ist doch nicht anzunehmen., dass ein« humanitäre und culturelle Institution, deren Angestellte von Zeit zu Zeit nach und nach definitiv an, gestellt werden, eine Institution, die sogar einen Pcnsionsfonds für dieselben gründete und für die Zukunft ihrer Angestellten väterliche Fürsorge trägt, eine echt jüdische Stiftung, die zur Hebung und Verbesserung der moralischen sowohl als auch der materiellen Lage der galizischen Glaubensgenossen ins Leben gerufen wurde — dass eine soalche Stiftung eine Kategorie von Angestellten, die seit dem Bestände der Stiftung zum Gedeihen und zur Forderung deren Intentionen ralllos wirken und beitragen., ihrem'Schicksale überlassen und für die Verbesserung ihrer beklagenswerten Lage, für ihre und ihrer Familien Zufmift ach dieser so traurigen und schrecklichen Zukunft, der sie leider eutgegeuseheu, nicht sorgen sollte! Thatsache ist es, dass an den Hebräisch-Lehrern schwer gesündigt wird, und rufen wir den oberen Göttern und Machthabern, in deren Händen das Wohl und Webe und das Los von siebzig, sage siebzig elenden Familien ruht, zu: “! nonxn jö 'b\< Dkp:'u‘ nt-rrn '2U ‘rp.- Viel ütivm um — nichts. In den letzten Tagen war in den Wiener Blättern viel die Rede von einer Resolntivn des „Dentschen Vollsvereines" Margarethen, in iveleher der Antisemitisinns als Progrmninpnnlt Verivorsen, im Hörigen aber die Zngehörigkett dieses Vereines zur Dentschen Volkspartei prockamiert Ivipd. Diese Resolniion wiirde voic den einen mit einem Freudengeschrei darüber beantwortet, dass die Deutsche Volkspartei »ninnehr eine „freu,ertliche", „fortschrittliche" und „freisinnige" gelvorden und den Anftseniiii'sinns ans ihrem Parteiprogramme climiinert habe, von der anderen Seile als Zeichen hingestellt, dass die Deutsche Volks-