Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 16 (18.4.1902)
- Date
- 1902-04-18
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 16 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 18. April 1902 Seite 7 wertvollen Beitrag zur Geschichte des unseligen Handels mit Weißen Sclavinnen bildet. Demission de- Ministeriums Stourdza? Man schreibt aus Bukarest: Die Regierung steht vor einer schweren Entscheidung. Scheinbar ist im liberalen Lager Stille, in Wirklichkeit herrscht eine kochende innere Aufregung. Die Regierung steht sehr schlecht. Zwei Ursachen sind vorhanden. Erstens wünscht der König durchaus, das Cabinet möge vervollständigt werden; diesem Willen des Königs steht der ebenso energische Wille S.tourdzas gegenüber, welcher durchaus seine und die Herrschaft Jonel B r a t i a n u s nicht aufgeben möchte; die beiden wollen ihre Beute mit niemandem theilen. Zweitens steht die Regierung sehr schlecht infolge der durch das Handwerkergesetz selbst geschaffenen Situation. Man glaubt durch lügenhafte Dementis alle Thatsachen aus der Welt zu schaffen. Täglich conferieren die Minister, ob nun im officiellen Ministerrathe oder privat, über die Lage. Die ausländische Finanzwelt macht ungeheure Schwierigkeiten in Bezug auf die Conversion von 175 Millionen Francs. Was soll nun die Regierung thun? Die Negierung kann das selbst geschaffene Handwerkergesetz nicht zurückziehen, und sich selbst will sie nicht zurückziehen, was das Gescheiteste wäre. Die Würfel sind im Rollen. Wer weiß, wie sie fallen werden! Die Ermordung Sipjagins. (Or.-Tel. d. V".) Minister Sipjagin wurde am 15. April im Vestibüle des Conseilsgebäudes von einem verzweifelten Studenten namens B a l s ch a u e w, der wegen Theiluahme an den Kiewer Unruhen bestraft und relegiert worden war, erschossen. Die Sturmzeichen mehren sich, und wenn sich die russische Regierung nicht bald eines Besseren besinnt, wird der Nihilismus in verstärkter Auflage neu erstehen. Allerdings müsste der Czar vor allem der Lage sich bewusst sein. Seit Jahren lebt er gleich dem Dalej-Lama in vollkommener Abgeschlossenheit, und setzt allen Reformbestrebungen einen ^unerschütterlichen Widerstand entgegen. Von der „Leutseligkeit und dem guten Willen", den die Wiener „N. F. Pr." an ihm findet, spürt mau in Russland gar nichts; man weiß hier auch nicht, dass Garemhkin fiel, weil er volksfeindlich war; mau behauptet hier sogar das Gegentheil. Dass ferner das beste Mittel, die gährende Jugend zu beschwichtigen, die Ernennung des K r i e g S m i n i ft ers zum Minister der Volksaufklärung sei, blieb der „N. F. Pr." Vorbehalten; dass ferner der Czar im Begriffe war, S i p j a g i n zu entfernen, weil er sich mit Haut und Haar der Reaction im Dienste der Heiligen Synode verschrieben hatte, muss der Czar persönlich der „N. F. Pr." mitgetheilt haben, denn hier ist davon nichts bekannt. Wir hätten uns nicht des weiteren mit den Ausführungen der „N. F. Pr." befasst, aber es fällt hier allgemein auf, dass dieses Organ alles Mögliche zur Verschleierung der Lage beiträgt, während hier em Opfer nach dem anderen iu die Grube fällt. 2000 Studenten sind bis jetzt relegiert worden, 800 eingesperrt und 300 nach Sibirien verschickt worden — daS ist der gute Wille, die Leutseligkeit und die herzliche Fürsorge des Czareu für die lernende Jugend. Das Judenthum oder eine Profeffur. Vor dieser Frage stand der große jüdische Gelehrte Ossip L u r j e in Moskau. Der russische Unterrichtsminister schlug vor einiger Zeit dem Gelehrten vor, das Judenthum zu verleugnen und für seine Religion eine ordcntllche Professur an der Moskauer Universität in Tcrnsch zu nehmen. Herr Lurje rufusierte rundweg den ihm gestellten Antrag. Emigrations-Vereinigung. Wie uns aus Bukarest mitgetheilt tvird, haben die dortigen jüdischen Blecharbeiter mit ihren I a s s y e r Berufsgenossen eine Vereinigung geschlossen, um nach Ablauf des koinmenden Peßachfcstes aus Rumänien auszuwaudern. Der Bildhauer Isidor Skonti feiert gegenwärtig große Triumphe in Amerika. Herr Konti» ein Jude, wurde in Wien geboren und musste, da er sich hier wegen der antisemitischer: Umt 'ebc nicht behaupten konnte, in: Jahre 1891 Wien verlassen, trotzin er sich hier der Protection der Baronin Tedcsco erfreute. Später gewann er den Rompreis an der Berliner Akademie, verbrachte drei Jahre in Italien mit eifrigem Studium und wandte sic dam: nach Amerika. Letzthin hat er iu der panamerikanischen Ausstellung drnch seine Kunstwerke großes Aufsehen erregt. In Oesterreich finden nur Künstler im Dichten von Blutmärchen ihr glänzendes Fortkommen, das tvahre Genie, wenn es das Unglück hat, Isidor z:i heißen, ist gezwungen, in die Fremde zu wandern. 'Nene Einwawderungsgesetze. Man schreibt aus Nelvfl-ork: DaS Einwanderlmgscmnitoe des Repräsentantenhauses hak dieser Tage eine weite Einwalidermigsbill „eingerichtet", welche wohl m ihren allgemeinen Grundzügen Gesetz lverden wird. Die Bill lehnt sich an die bestehenden EnUbanderlingsgesetze an, Uersächjrft sie aber! luchst unerheblich. Zunächst lvird das Kopfgeld für jeden Einwanderer auf 1V> Dollars erhöht. Bei den 51t Schiff Anlkonnnenden mischen die Dantpfergesellschaften es bezahlen; die Einwanderer, welche über Canada und Mexico kommen, sollen es selbst bestreiten. Das letztere lverden natürlich nur wenige thun, denn die Grenzen sind zu lang, mn sie controlieren zu können. Weiter tvird die Classe der unerwünschten Einwanderer dlirch folgende Kategorien ergänzt: 1. Epileptiker und Personen, die schon Allfälle von Irrsinn hatten; 2. Anarchisten uild Personen, welche einen gewaltsamen Umsturz der bestehenden Staatsordnung für recht halten; 8. Prostituierte und .Kuppler; 4. Personen, die durch Anerbieten und Contracte in das Land gelockt wurden; 5. Personell, die mit ansteckenden oder gefährlichen Krankheiten behaftet sind. Wie bedacht die Bill auf die Förderlmg der lvivtischaftlichen Jnteresseil Amerikas ist, zeigt ferner der Umstand, dass bei den unter Punkt 4 genannten Personen eine Ausnahme gemacht lverden kann, nämlich wo es sich mn EinlmndermM von Arbeitern eiinep Jndustriebranche handelt, die in Amerika keinjen brotlosen Arbeiter aufweist. Ganz enorm wird die Macht des General-Einwandernugs-Commissärs Powderly erhöht. Algier. Drumont ist wieder hier eiugetroffen, um sich neuerdings um ein Deputiertenmnndat zu bewerben. Bei seiner Ankunft kan: es zivischeu Anhängern und Gegnern Drinnonks zu Raufereien, bei denen 20 Personen verwundet wurden. Rumänische Juden als Mineimrbeitcr. Der New-?)orker „Volks-Advocat" bringt iu seiner jüngsten Nummer folgende Nachricht: „Ganz am Ende der Probinz New-Scotland liegt die Insel Gap Britai:. Ihre Bewohner lvareu noch bis vor kurzem Fischer. Vor einiger Zeit hat eine englische Gesellschaft große Kohleiffelder auf dieser Insel augckauft und mehrere hundert Arbeiter zur Exportieruug der Kohlenlager aufgenommei:. Die meistel: dieser Arbeiter sind ans Rumänien eingcwanderte Juden, welche sich durch ihre Ausdauer in der härtesten Arbeit besonders hervorthun. Die auf dieser Insel angesiedelten Juden haben schoi: mehrere jüdische Gemeinden gegründet. Tie jüdische Brigade. Der Londoner Millionär Albert Goldsmith hat in: Jahre 1S!).r> in London eine „Brigade", bestehend aus jüdische,: jungen Leuten gegründet. Ziveck dieser Brigade ist ausschließlich^ die Militärwissenschaft unter den Juden zu verbreiten. Zur Zeit der Gründung zählte diese Brigade nicht mehr als 19 Mann. Heute ist sie bereits über 4900 Mann stark und erfreut sich in London einer solchen Popularität, dass ein jüngstens zu ihren Gunsten bcranstalteter Ball 3630 Pfund Sterling Reincrträgnis ergab. Der boykottierte Circus. Aus Galatz tvird uns geschrieben: Vorige. Woche kam eine größere Cirenstriippe in unsere Stadt. Der Director wollte seine Bude ans der Strada Mawromol aufstellei, lassen :,nd hiezu unter änderet: auch jüdische Arbeiter verwenden. Als der Präsect hievon erfuhr, ließ er den Unternehmer des Circus zu sich rufen und untersagte ihm strengstens die Verwendung jüdischer Arbeiter. Zum Lobe der Äalatzer Juden sei es nun erwähnt, dass kein einziger Jude infolge dieser Verfügung den Circus besucht und sich der Director nunmehr gezwungen sieht, seine Bude zu sperren und Galatz zu verlassen. Palästina-Produkte. Aus Berlin wird geschrieben: lieber den Vertrieb der von den jüdischen Bauern Palästinas gebauter: und gekelterten Meine ist recht Erfreuliches zu berichten. Der Absatz hat sich derart vergrößert, dass in diesem Jahre zum erstenmale die ganze Ernte verkauft werden wird. Der Verkauf dieses Hauptproductes der jüdischen Colonicn erreicht im laufenden Jahre die respectable Höhe von mindestens 36 000 Hektolitern, während die Ernte des vorigen Jahres nur 32 000 Hektoliter betrug. Freilich sind die Preise im Allgemeinen noch niedrig, unsere Colonisten leiden eben unter der Krise, die in allen Weinbau treibenden Ländern herrscht; aber die steigende Nachfrage lässt den Zeitpunkt nahe erscheinen, der auch die namhafte Erhöhung der Weinpreise bringt. Von dem genanicken Quantum geht mehr als ein Drittel nach Deutschland, etwas weniger als ein Drittel nach England, und der Rest vertheilt sich je zur Hälfte auf den Orient incl. Aegypten, Russland, Frankreich, Amerika, die Schweiz, Oesterreich usw. Die bei weitem größten Quantitäten gehen an die Weinhändler durch Vermittlung der unter Direction des Herrn W. Bambus-Berlin stehenden Societe Eliadah in Hamburg, welche allein mehr als 25 000 Hektoliter verkauft; das übrige Q::antum wird theils durch die Col'onisten selbst,^theils durch die „Karmel-Gesellschaften" oder durch die Vertreter der Kellereien in Aegypten, Constantinopel nstv. verkauft. Dass diese Vergrößerung des Absatzes in dem kurzen Zeitpunkt von zwei Jahren erfolgt ist, seitdem die Jewish Colonization Association die Leitung übernorsimcn hat, darf als ein hochhedentsmner Erfolg bezeichnet werden. Hoffentlich schreitet in abermals zwei Jahren die Entwicklung soweit vorwärts, dass die den Weinbau cnltibierenden Colonisten die Erlaubnis erhalten können, auch die noch nnbcpslanzten Thcile ihrer Grundstücke mit Reben zu besetzen.^ Dann werden die größten Schwierigkeiten, mit denen das palästinensische Colonisationswerk gegenwärtig ringt, endgiltig übertvunden sein. Um wie kolossale Quantitäten es sich handelt, kann man sich schtver vorstellcn; als Beispiel sei nur angeführt, dass der Absitz in Deutschland allein während dieses Jahres mehr als eineinhalb Millionen Flaschen übersteigt. Freilich erfolgt dieser Absatz nicht in Flaschen allein, sondern zum größten Theil in Fässern an die Weinhändler, und mancher Ihrer Leser hat vielleicht schon von seinem Lieferanten theuren „Bordeaux" bezogen, der in den jüdischen Colonien im heiligen Lande gewachsen ist. Aber auch die Zahl der Weinhändler in Deutschland, ans deren Preis-Coucanten sich die Rubrik „Palästina-Wein" befindet, ist rapide gestiegen. Dass die Koscherwein-Händler, die sich anfangs nur zu sehr gegen die Palästina-Wieine gesträubt haben, heute allesamt diese Marken führen müssen, ist selbstverständlich; aber erfreulich ist es doch, wenn man in Berlin bereits einer ganzen Anzahl von Weinstuben begegnet, die den Palästinalvein als Specialität führen. Möge diese Entwicklung zum Nutzen der Colonisation des heiligen Landes durch Inden fortdauern! Hinzngefügt sei, dass Special-Gesellschaften, welche den Verkauf von Palästina-Wein zum Zwecke haben, in Paris, Hamburg, Berlin, London, Kopenhagen, Wien, Haag, Warschau, Odessa, Jaffa, Jerusalem, Alexandrien, Beirut, Constantinopel, Smyrrm, Saloniki und New-Uork bestehen." Asyl für Unheilbare. Ans Jerusalem wird gemeldet: Neben i einer Reihe großer ::::d imposanter Krankenhäuser besteht hier eine zwar bescheidene Anstalt, welche aber ihres segensreichen Wirkens wegen besondere Beachtung verdient. Es ist dies daS Asyl für Unheilbare und Geisteskranke, welches vor sechs Jahren von dem hiesigen Frauenverein „Esrcckh Naschim" gegründet wurde. Durch dessen Errichtung ist einen: früher hier stark gefühlten Uebelstcmd abgeholsen wurden. Unsere unglücklichsten Glaubensgenossen, deren Geist ninnachtet oder deren Körper gelähmt ist, waren hier früher, zumal sie den ärmsten Volksschichten angehören, ohne Schutz und Pflege dem Verkommen preisgegeben. Manchem fremden Besucher unserer Stadt mag es unangenehm anfgcfallei: sein, Geisteskranke so völlig berlvahrlost auf den Straßen umhcrirren zu sehen, während eS ihnen unbekannt geblieben ist, dass noch andere, gleich unglückliche Geschöpfe in dumpfen, licht- und lustlosen Löchern a>: der Kette oder auf eine::: elenden Strohlager bei lebendigen: Leibe allmählich in Verwesung übergehen. Fest entschlossen, ihr edles Beginnen zu verwirkliche):, lasen die barmherzigen Frauen die Verwahrlosten von den Straßen und Kellern auf und gaben ihnen ein gemeinsames Heim. Aus bescheidenen Anfängen hervorgegangen, hat dasselbe sich doch, dank der aufopfernden Thätigkeit der Leiterinnen, in der verhältnismäßig kurzen Zeit seines Bestehens so gedeihlich entwickelt, dass eS bereits heute unter den hiesigen Humanitären JnstiUckionen unbestritten in erster Reihe steht. Was aber diese Anstalt vor allen anderen auszeichnet, ist der Umstand, dass dieselbe die einzige derartige Institution im ganzen Lande ist und infolgedessen Kranke von überall her nnfnehmen rnnss. So oft inan das Asyl besucht, hat man innner von Neuem Gelegenheit, die Energie und Thcckkraft der Vorsteherinnen, an ihrer Spitze die edle Frau Pines, die Begründerin des Frauenpereins und des Asyls, zu bewundern. Hier sehen wir, tute mit wenigen Mitteln Großes geleistet werden kann, wenn Herz und Gemüth bei der Sache Mitwirken. Mit der unseren Frauen eigenen Geduld und Ausdauer lverden die Unglücklichen gepflegt, und dieser hing wenden Arbeit allein ist es zu danken, b.ti'f die Anstalt schon mancher Familie die liebende, sorgende Mutier, ai: Geist und Körper bollkonnnen wiederhergenellr, zurückgeben konnte. Durch die bisherigen günstigen Erfolge ermuthigt, :sk der Fcanenberein bestrebt, ein e.gcnes, den modernen ^Anforderungen entsprechend ausgestatceres Heim zu errichten. Derselbe bat bereits unweit des neuen Hospitals ..Sckiaare Zedek" und gegenüber dem ■ tun errichteten Altenhnns ein Grundstück von 6000 Onadratmetcri FläHe erworben mtd die Vorbauten fertiggestellt. Möge dieses verdtenstvolle Werk durch die thatkräftige Unterstützung seitens aller eoeen Freunde Zions und der Humanität seinen Zweck vollständig erfüllen können I Press. Personal- und Vereinsnachrichten. Gencralbersammlimg des t. Israelitischen Neconvalesccntcwheim für arme jüdische Frauen und Kinder, Wien 8., Lange Gasse 1. Jüngst fand _ die Generalversammlung dieses Vereines unter großer Betheiligung der Vercinsmitgliedcr in: Hotel „de France" statt. Nach Erstattung des Berichtes über das abgelaufene Vereinsjahr durch den verdienstvollen Obmann Herrn Fabrikanten Leopold Guttmann, ivelchcr von der Generalversammlung mit großem Beifall zur Kemckicks genommen ivurde, berichteten die Herrei: Revisoren Dr. Alfred Schlesinger m:d S. Steiner über die vorgenommene Prüfung der Bücher und der Casse, constatierten die größte Ordnung und beantragten der Vereinslcitung das Absolntoriinn zu ertheilcn, Ivelchcr Antrag von der Generalversammlung einstimmig angenoinmen wurde. Die Generalversammlung wählte sohin den berecks früher cooptierten Herrn ined. Dr. Carl Koch zum Cassier. An Stelle des Jos. Czerweicka wurde Herr Mainiel Schwager zun: Jncassantcn bestellt. Frau Präsidentin Ainalia Beck machte die erfreuliche Mittheilnng, dass der Verein im abgelaufcnen Jahre einen großen Aufschwung zu verzeichnen hat, nachdem seine Mitgliederzahl von 367 ans 407 gewachsen ist. Herr kaiserlicher Rath Anniiiger gibt die Anregung, die Verwaltungskosten zu verringern, hingegen n:üge die Vereinsleitung an die Auszahlung von Unterstützungen an Reconvalescenten schreiten. Der Obmann Herr Guttmann gibt die nöthigen Aufschlüsse, welche der vorgenannte Herr Redner zur Kemckicks ninnnt. Hierauf ergreift Herr Rabbiner Dr. Sign:. Gelbhaus, Obmannstellvertreter des Vereines, das Wort zu einer längeren Rede, ii: welcher er an die Generalversammlung den Appell richtet, schon jetzt mit der Unterstützung von Reconvalescenten durch Unterbringung derselben in Privatpflege vorzugchen und motiviert dies damit, dass dies der Zweck des Vereines sei, und dass die in Aussicht genommene Begründung eines Heimes die gegenwärtige Unterstützung durchaus nicht ansschließt. An der sich diesfalls eickspinnendcn Debatte bctheiligen sich lebhaft die Herren Dr. Saxl, Herr Schriftführer Archckect Jakob Modernferner, die Vorstandsmitglieder Dr. Alfred Schlesinger und Dr. Grimm. Diese Debatte führte zum Resultate, dass der Vorschlag des Herrn Rabb. Dr. Gelbhaus in einer besonderen Vorstandsiitzung zur Berathnng gelangen wird. Herr Guttmann spricht als Obmann des'Vereines der rnhmlichst bekannten Präsidentin Frau Amalia Beck für ihr opfervolles Wirken namens des Gesammtvorstandes den besten Dank ans, deren rastlosen Anstrengungen es mit zu verdaicken ist, dass der junge Verein trotz seines kurzen Bestandes sich allgclneiner Sympathie in der gescmmcken Bevölkerung erfreut, wodurch begründete Hoffnung vorhanden ist, dass sein echt humanes Ziel in kürzester Zeit verwirklicht werden wird. „Der Rettungsanker." Der durch sein eminent humanes Wirken bekannte wohlthätige Verein „Der Rettungsanker" hielt am 10. April l. I. im Hotel du Nord seine diesjährige General- Versammlung ab. Derselbe hat im Dccember 25 Kinder mit Winterkleidern beschenkt, überdies größere Beträge an arme Familien gespendet, und wird am Sonntag den 19. ds., nachmittags 3 Uhr, im Hotel du Nord Mazzoth an arrne jüdische Familien zur Vertheilnng bringen. Generalversammlung des „Ferienheim". Im Sihungssaale der Wiener israelitischen Cultusgemeinde fand Die>:stag den 8. d. M. die diesjährige Generalversammlung des „Ferienheim" statt. Nebst zahlreichen Mitgliedern und Göni:cri: des Vereines hatten sich eingefunden: .Herr Banrath Theodor Ritter von Goldschmidt als Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde mit dem Ersten Secretär Herrn Kais. Rath Dr. Theodor Lieben, Herr Emanuel Grünwald als Vertreter der Cultusgemeinde Floridsdorf, die Damen Zifferer, Fröhlich und Schefftel namens des Vereines „Frauenhort", Vertreterinnen des „Verein für Hausarme"» -des „Floridsdorfer Francn-Wohlthätigkeits-Verein", des „Brigittenauer Frauen-Wohlthätigkcits-Vcrei::", des Verein „Providentia", ferner die Herren: Dr. I. S. Bloch, Bezirksrath Waldstein u. A. Die Präsidentin Frau Sofie Grünfeld cröffncte die Versammlung, konstatierte deren Beschlussfähigkeit :n:d begrüßte die Erschienenen. Ans den Bericht über die zwei letzten Vcreinsjahre übergehend, wies die Präsidentin darauf hin, dass sich der Verein nicht darauf beschränkt habe, innerhalb der bei der vor zehn Jahren erfolgten Gründung gezogenen Grenzen seine Thätigkeit ansznübcn. So hat der Verein nebst seinen Feriencolonicn auch eine Colonic für scrovhulöse Kinder in Bad Hall und eine Colonic für herzkranke Kinder ins Leben gerufen. Die Präsidentin dankte allen Fördererrr tmb Mitgliedern für die Unterstützung, die sie dem Vereine angedeihen ließen, so auch den Mädchen-Comitces in Wien und Brünn, welch« dem Vereine eine wackere Hilfstrnppe bedeuten. Nunmehr gedachte die Präsidentin jener Gönner, die der Tod im letzten Jahre hinweggerafft hatte, der Frauen Sofie Landau, Sofie Abeles, Rosa Hildesheimer, der Herren: Hermann Goldcnberg, Bernhard Hellmann und Philipp Bondy. Znm Zeichen der Trauer erhoben sich die Anwesenden von ihren Sitzen. N'ach Genehmigung des Thätigkeitsberichtcs ergriff die Casiierii: Frau Adele Neumann das Wort zur Erstattung des CassaberichteS und gab ein klares Bild. der Gebarung und des momeickanei: Vermögensstandes des „Ferienheim". Demselben ist zu entnehmen, dass der Verein „Ferienheim" znm erstcinnale tvährend seines^ mm zehnjährigen Bestandes im abgelaufencn Jahre die geringe Capitalreserve, welche er besitzt, angreiscn musste, :mt die Auslagen für die Colonien decken zu können. Während die Gesamnckbeiträgc im Jahre 1900 sich auf Kr. 23 857.— beliefen, sanken dieselben im Jahre 1001 auf Kronen 18 882.—. Die Ausgestaltung des „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" in Tischnowitz ivar ebenso unaufschiebbar wie die Creierung einer Colonic für Herzkranke Kinder, und so kam cs, dass für das Jahr 1901 ein Gebarnngsdeficit von rund 10 000 Kronen restilkiert. Es ist bedauerlich, wenn ein Verein, der sich die Aufgabe stellt, dem theuersten Gute jüdischer Elken:, den arn:en Kindern Gesundung und Erholung zu bringen, wenn ein solcher Verein einen Rückgang in den Einnahmen zu verzeichnen hak. Der Cassabericht schließt mit dein Appell, dem Vereinsvorstand die nöthige Unterstützung angcdeihcn zu lassen, zum Wachsen und Gedeihen der schönen Institution. — Namens der Revisoren erstattete nun Herr Wilhelin Freyberg den Rcvisionsbericht, in Ivelchen: die Correcthcit der Cassagebarnng constatiert und den: Vereinsscrcetär Herrn Fuchsgelb für die sachgenuiße, correcte und sorgfältige Führung der Bücher die Anerkennung ausgesprochen wurde. Der Antrag des Herrn Freyberg, den: Vereinsvorstande das Absolntorinm zu ertheilcn. ivurde einstimmig angenommen. — Jnx Sinne der Statute:: Ivurde:: geniäß dem Vorschläge des Vorstandes die Dainen Clara Berger, Antonie Graf und Antonie Passaner, welche sich große Verdienste um den Verein erlvorben haben, zu Ehrenmitgliedern ernannt. Herr Cultnsvorsteher Dr. Alfred Berger referierte als juridischer Beirath des Vereines über die Aenderuug eines Punktes der Statuten, und eS wurde gemäß dem Referentenantrage beschlossen, die Zahl der Vorstandsmitglieder von 18 ans 22 zu vermehren. Die Revisoren Herren Kais. Rath Schefftel, Wilhelm Freyberg und Friedrich Faicko wurden einstimmig wiedergetvählt. — Für die ansgeschiedenen Vorstandsmitglieder fanden nun die Ergänzungsivahlcn statt. Wiedcrgelvählt Ivnrden die Dainen Caroline Deutsch, Adele Friedman:: und Caroline Rosenbamn, nengelvählt die Damen Käthe Kandcrs, Sofie Lieben, Melitta lllobel und Frau Dr. Pechkranz. Die Präsidentin dankte nun den mis dein Vorstande scheidenden Damen Frm: Vieeprüsiderckin Julie Fialla und Frau I. Schnabel für die dem Vereine geleisteten Dienste und gab der Erwartung Ansdnick, dass die Scheiden-