Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 16 (18.4.1902)
- Date
- 1902-04-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 18. April 1902 Nr. 16 Seite 6 •'l'- stöbert Lichtensteri,. Hierauf wird über Antrag des Vertreker-Eolleginms einstimmig uud mit Beifall beqleitei beschlossen. Herrn lliegierimgsratt, Professor Dr. Leopold Oser, welcher das <rpual bereits seit 30 fahren in nrnstergiltiger und opferfreudiger ^>eise alv Primarius leitet, nunmehr zun, SpikalSdircctor zu ernennen. i'Inf Grund dev Anträge-.' dev Vertreter-Eollegiuins tvird dav Normale für die Brtyansvorständc der ehemaligen Bororte-Cnltnsgemeinden Fünfhanv, Ottakring und Währing, welches sich an das Normalc für die Gemeindehäuser in der Stad, und Lff'opoldstadt anschlieszt, angenommen. Herr Vertreter Oberingenieur bon Mises referiert fiw das Komitee zur lleberprüfuug der Rechnungen für den Ban des Sieelienhauses und die Erweiterungen des Nlte'rsuersorgungshauses und beantragt namens des Vertreter-Collegiums: Der Cultusborstand »volle die für den Bati und die innere Einrichtung der Liechenabtheilung und für die Erweiterung des Altersversorgui^gshauses verausgabte Gesammtsuinine von Kronen D21 290.79 genehmigend zur Kenntnis nehmen, ( Zustimmung.) TU' Veriveitdung der Zniisenerrrägnisse der Abel Rappaport'sebeu «tndenten-Stiftung ivird nach den Anträgen des Vertreter-Collegiums genehmigt, lieber das namens des Vertreter-Collegiums erstattete Referat des Herrn Banrathes bon Goldschmidt wird die Nachtragsliste der periodischen Unterstützungen pro 1902 für 23 Personen im Gesammibetrago von Kroiren 2 193 genehmigt. Ein im Laufe der Sitzung vom Vorstaitdsmitgliede Connnerzialrath Leopold Pollack überreichter, in längerer Ausführung motivierter schriftlicher Eintrag, welcher die Verhältnisse der jüdischen Beamten und Lehrer zun, Gegenstände bat, ivird der geschäftsordnrurgsmätzigen Behandlung zugeführt. Nach Erledigung von Personalien ivird die Sitzung nur halb 2 Uhr nachmittags geschlossen. -8.Ischl oder Aussce? Man thur den Assiulilanten bitteres Unrecht, wenn man ihnen übel anrechnet, dass sie die Cristen,; eines jüdischen Volkes leugneir. Ob es nun ein jüdisches Volk gibt oder nicht, sie kennen jedenfalls kein jüdisches Volk, dank der Erziehung, oder sie besitzen überhaupt kein Volksgefühl, dank ihrer natürlichen Anlage. Ihr Altruismus reicht nicht über die Sorge für ihre Familie heraus; alles andere ist eine besondere Gnade, die sie den» Volke, im speciellen dem jüdischen, erweisen. Nun böte dies ja eine prächtige Gelegenheit, über die Berechtigung des Egoismus und Altruismus frei nach Nietzsche zu philosophieren. Dies wäre aber vollständig deplaciert, denn bei uns Juden ist die Stellung der Neichen eine eigene Sache; das ganze Volk wird für ihre Fehler, ja für ihre Existenz berantlvvrtlich gemacht; lvir haben daher ein R c ch t, von ihnen Rechenschaft zu fordern, so lvie lvir andererseits für sie einsiehen. Was sehen lvir aber in der Thcrt? Versetzen wir uns im Geiste in das Empfangszimmer einer reiche,: Jüdin des Narhhausvierrels. Madame ist nervös; das ist Madame immer. Aber heute ist sie es in besonders hohem Grade. Der Besucher verwünscht schon das Pech, dass er die schöne Hausfrau in so unliebenswürdiger Laune antrifst; aber zum Rückzüge ist es zu spät. Schüchtern erkundigt er sich nach der Ursache; er hört, die Gnädige hat Sorgen. Sorgen — und die Gnädige, das sind zwei Dinge, die sich nicht zusammenreimen. Entweder machen ihr die Dienstboten Verdruss oder Charles, ihr Söhnchen war unartig oder hat gar über Stechen im linken Ohrläppchen geklagt. Keiner von diesen Schicksalsschlägen ist eingetroffen. „ Was kann also die Gnädige für Sorgen haben? Du marterst dein Gehirn und erinnerst dich, dass die Gnädige, eigentlich aus Rumänien stammt. Am Ende, es wäre doch möglich, es ist nicht ganz ausgeschlossen, vielleicht macht ihr das Schicksal ihrer armen Stammesgenossen in ihrer Heimat Sorge, die unmittelbar vor einer Katastrophe stehen. Vorsichtig sragst du, ob vielleicht zukünftige Ereignisse sie beunruhigen; die Zukunft wirft immer ihre Schatten voraus. Sie nickt. Aha, denke ich mir, also meine Vennuthung bestätigt sich, und kühn platze ich mit der Frage heraus, ob sie die Lage der rumänischen Juden mit Trauer erfülle. Sie springt auf, roth im Gesichte, als hätte sie einen Schlag ins Gesicht erhalte,:. Sie ist fassungslos; dieser freche Eindringling wagt, sie an die zwei Dinge zu erinnern, die sie inehr verheimlicht, als irgend eine Schande, dass sie eine Jüdin ist, und dass sie aus Rumänien stammt. Nur langsam beruhigt sie sich und sagt mit unverhohlenem Aerger: „Silw Sie des Teufels, Doctor? Was gehen mich die Juden, was geht mich Rumänien an; ich zerbreche mir den Kopf, ob ich nach Ischl oder nach Aussee Heuer gehen soll. Wozu rathen Sie mir?" Du stammelst einige Worte und erhebst dich. Aber draußen überfällt dich eine ohnmächtige Wuth über dieses entartete Geschlecht, die Worte fallen dir ein, die der Prophet über das gottlose Jerusalem aussprach und die auch jetzt noch nicht die Berechtigung verloren haben. Max Büdingcr, der bekannte Historiker und Professor der Geschichie an der Universitär Wien, ist am 23. Februar daselbst im Alter von 73 Jahren gestorben. Er war am 1. April 1823 als Sohn des bekannten Schulmannes und Leiters des jüdischen Lehrer- Seminars Moses Büdingec in Kassel geboren und war einer der ersten jüdischen Geschichtsprofessoren an deutschen Universitäten. Da für dieses Fach Juden besonders ungern gesehen werden, musste er wie so viele andere Glaubensgenossen nach der Schweiz auswandern und wurde 1861 in Zürich Professor; 1872 wurde er als Nachfolger Aschbachs nach Wien berufen, was bei den Verhältnissen in Oesterreich selbst unter der damaligen liberalen Negierung ein Ereignis loar. Zu allgemeiner Ueberraschung erfuhr man bei seinem Tode, dass er zum Protestantismus übergetreten sei. Der Grund dieses merkwürdigen Uinfalles ist kann, zu begreifen. Tie Annahme, dass er den Glaubenswechsel vorgenommen habe, um Hofrath zu werden, wie einige deutsche Blätter wollen, ist kaum glaublich, denn abgesehen von der Bedeutungslosigkeit dieses Titels, ist eS Thatsache, dass auch Juden dieser Ehre theilhaftig wurden. Ganz überraschend ist cs übrigens nicht, denn in seiner: Vorlesungen befleißigte sich Büdingcr von jeher einer sogenannten Unparteilichkeit, und in seiner Arbeit über die Einflüsse ägyptischer Anschauungen auf jüdische Kulte citiert er die Stelle Micha 5, 25 mit unverkennbarer Absichtlichkeit in Ewalds Uebersetzung, damit ja niemand den Verdacht schöpfe, der Autor könne diese Stelle in: Original lesen. Schulprüfung. Die Semesterprüfung in der Religionsschule des BethausvereineS „AdasS Jisroel" (Schiffsyuagoge) hat in Anwesenheit Sr. Ehrw. des Herrn Rabbiners S. Fürst und unter Betheiligung der Eltern der Schüler und Vereinsmitglieder an: 13. ds. stattgefunden. ES ivaren erschienen in Vertretung deö CultusvorstandeS die Vorsteher Hermann Ellbogen, Präsident des ^Jüdischen Voltsvereines", Dr. Alfred Berger und Dr. Markus Spitzer, ferner der Obmann des Talmud-Thora-VereineS Herr S. Buchwald, der Vicepräsident des Jüdischen Schulvereineö für den 9. Bezirk, Herr Tirector Max Pappenheim und dessen Vorstandsmitglied Jakob Kransz, der Verein „Montefiore" war durch seinen Vorsteher Herrn Elias Weiß vertreten. Wir sahen ferner die ReligionSprofessoren M. Antscherl und D. Skntezky, Obmann des Schulvereineö Michael Neumann, die Ausschussmitglieder Ignatz Back, Simon Austerlitz und Wolf Pappenheim. N«ch einer kurzen Begrüßung der Gäste durch den Obmann rvnrde unter Vorsitz Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner «, Fürst zur Prüfung geschritten. Als lvir diese kleinen Knaben mit den klugen Angen und sinnender Stirne, die jungen Mädchen mik den frischen, levenslnstigen Gesichkchen dasitzcn sahen und ihre eracten Antworten ans manckie schwierige, ja auch für Schüler höherer Kategorie verfänglich er scyeinenden Fragen in Bibel, hebräischer Granimalik, biblischer Geschichte, ja sogar jüdischer Gesetzeskunde hörten, und als lvir sahen, dass diese schönen Kenntnisse der Gesundheit dieses jungen Voltes nicht nur nicht geschadet, sondern in: Gegentheil uns sagen innssteir, dass das alte Wort von der belebenden, nährenden Kraft der Thora hier ivieder zur Wahrheit geworden, da musste,, lvir unwillkürlich au jene anderen Juden denke», lvelche den hebräischen Sprachunterricht mit einer Zähigkeit ans dem Lehrpläne des Religivnsiinterrichtev zu eliiuiiiieren trachten, die des größten Antisemiten würdig wäre. Hätten sie es selbst angehört, mit welcheinVerständnisse, mit welcher Lust und Freude die Schülcrinuei, Gedichte von Jehuda Halevi deelamierteu, ohne dass ihre Fortschritte in der schule oder ihre körperliche Gesundheit darunter gelitten hätten, sie würden sich doppelt schämen müssen, weil sie diese Gedichte nicht verstehen und lveil sie ihre unverständlichen jiidenfeindlichen Behauptungen als nichtige erkannt habe,, lviirden. Die schönen Erfolge sind jedenfalls außer der Lust und Liebe zum Gegenstände, rvelche die Kinder bereits in die Schule bringen, zunächst der liebevollen fachkundigen Behandlung der Lehrgegenstände und des Schülermaterials seitens der Lehrer znznfchreibei,. Hauptsächlich die Erfolge des Herrn Religionslehrers N. D. Oesterreicher haben geradezu Bewunderung hervorgernfen, aber auch die anderen zlvei Herren Dr. David Spitzer und Dr. Moritz Rosenfeld können mit ihren, Lehrerfvlge zufrieden sein. Nach Schluss der Prüfung dankte Herr Rabbiner Fürst als Direetor der Schule den Herren Lehrern in einer sehr geistreichen Rede für ihre Bemühungen. Er verglich die Schwierigkeiten des ersten Unterrichtes mit den, Boden im Winter. Nun sind diese Schwierigkeiten vorüber, es ist Frühling geworden und lvir können mit Freudei, eonstatieren, dass die Winterarbeit nicht vergeblich war. Rabbiner Fürst schloss mit einem Segen an die Schüler, Lehrer und Eltern. Während nun Herr Wolf Pnppenheim in kurzen Worten im Namen des^Ansschusses den, Rabbiner für seine selbstlose Unterstützung der schule dankte, vertheilte der Obmann des Vereines Herr Ri. Neninann anü Eigenem einige Geschenke an die Schüler. H5s gereicht uns zur Genugthuung, dass der Religionslehrer dieser schule, Herr Oesterreicher, auch in der Schule des Jüdischen Schulvereines für den 9. Bezirk den Religionsunterricht versieht. D. Spiritttslnrtcll in Galizien. Ans Lemberg lvird gemeldet: Unter Aegide des ReichsrathSabgeordneten Dr. Ernil Byk, dem nur Realpolitik, aber keine Agrarpolitik vorschlvebc, und des hiesigen LandeSadvocaten Dr. Solowie, Vertreter der galizischen Großgrundbesitzer und Spiritns-Erzenger, Herrn Grasen Stadnicki, Fürsten LubomorSki, Grafen A. GokucholvSki, Exeellenz Abrahauioivicz haben sich 14 «piritns-Erzcuger vereinbart, mit die SpiritnSprcife zugunsten der Prodücenten derart unter Proreetion eines ungarischen Raffineurs (man sagt: Lederer) zu kartellieren, dass allen Produceineii unter Haftung einer Genossenschaft eine Garantie für 0 Jahre zun, Preise von 19 fl 38 kr. und Einkauf von 400 090 Hektoliter Garantie (lvelche Garantie, unbekannt?) geleistet lvird. Eine Agitation von Seite», des Abgeordneten Dr. Byk wurde durch dessen Agentei, eingeleitet und ,nn die Conresswn bei der Statthalterei bereits eingeschritien. Wir finden, dass in keinem Falle die an dasselbe von Seite der Gründer geknüpften Erwartungen in Erfüllung gehen werden, da i>, vielen Staaten in jüngster Zeit tu Deutschland und Ungarn von Seiten der Spirit,is- Producentcn besonders große Abneigung gegen den Spiritus-Ring oder daö Spiritus-Kartell herrscht. In der Sucht, de>, Spiritus- Erzeugern cincn nur monrentanen.Nutzen, einen momentanen Erfolg zu erzwingen, vergessen die Spiritns-Erzenger, dass bei einem hohen Preise von 19 der Excontingent ein gefährlicher Concurrent des Coniingentspactns werden muss, und die Einführung des Spirituskartell' neue Spiritusfabrikei, Hervorrufen lvird. Es ist ersichtlich, dass Hand in Hand mit den, Inkrafttreten des Spiritusriugcs alich der Rückgang des Conftnns für rvntingentierten Spiritus — analog seinerzeit in Hamburg, wo von 43 bis jetzt auf 12 einhalb Mark Rückgang des jetzigen Spiritus — erfolgen muss. Das Spiritukartcll ivird gerade zum Schaden derjenigen Prodücenten ,n»d der sogenannten Spirit,iSgenostenschaft gereichen, die heute egoistischer Tendenzen wegen die privatwirtschaftliche Thätigkeit auf einen, p großen Gebiete der Landwirtschaft und inländischen Raffinerie», mi, e,nein Schlage vernichten und znn, Bankerott analog der Leipziger Treberirockirnngs-Actiengeselischaft führen, und nur den ausländischen Raffinerien Nutzen bringen werden. Diese Kartellschwärmer und „ehrlichen" Matter, lvie Abgeordneter Dr. Byk, Tr Solowie. bedenken gar nicht, wie viele Existenzen — durch das Kartell geschädigt — ihrer bisherigen Erwerbsquellen ganz beraubt werden und auch den, Fiscns Schaden durch Consumverringeruug bringen lvird. Und wozu ein so tiefer Eingriff in das Erlverbsleben, in das Privatvermögen zahlreicher Prodücenten und Spiritus-Exporteure? Weil es die Gründer persönlicher Motive wegei» wollen uud nicht bedenken, dass es nur eine Lockspeise mancher l. ohmischen Spiritns-Erzenger ist, von denen jeder 4000 Contirn,..> und auch 30 000 Hektoliter Excontingent erzeugenI I Das Spirituskartell lvird auch den galizischen Antisemitismus derart bestärken, dass die Assimilation des Abgeordneten Dr. Byk als Vertrauenslnann der böhmischen Prodücenten sowie der galizischen Prodneenicn, Kaufleute, Exporteure, 50 000 Juden dem Bettelsacke znführen und analog den Zucker-Raffinerien nur den Millionären Nutzen bringen wird. Sapianti satis, S. Das letzte Wort tu der Handels- und Gewerbekammerwahl. Die Würfel sind geworfen, sie fallen nämlich ans Seite der Geldsäcke. Man lvird uns den Vorwurf machen, dass der Verein „Sehomer Israel" keinen Candidnten durchgesetzt hat. Wohl wahr! Versuchten lvir doch nicht eimnal, eigene Eandidaren ailfzlistetten, da bei der hier herrschenden politischen Demoralisation, bei dieser Proletnrisniioil von 4000 Fainiliei» es nicht lruindernehmen kann, dass Geldklang alle Worte übertont, ja auch alle moralischen Werte überbietet. Wir gemeinen Bürger — ohne die goldene Folie — wir mit den, beschräiltten Unter'thanenver'stande, haben keinen Begriff von dem Syrenengesange einer Connnerzienräthlichkeit. Jndesseu zlvei Dinge haben sich zugetragen, lvelche der Beachtung lvert erscheine». Zunächst, dass die Handelskammer ans eine höhere Stufe bei de», Kausleuten selbst gestellt wurden, dank unserer öffentlichen Bekehrung in Wort unt> Schrift. Die alteingesessenen Commerzienräthe, mit Ausnahme unseres Herrn Jakob Stroh, haben ihre verschnürte,, Truhen und ihre Cassalästen offen, um einen förmlichen Geldrege,i über Lemberg aufgehen z,l lassen. Man notierte gestern selbst 15—20 Geld per Wahltarte. Dieses Geld kan, den Armen in allen Branchen, die nicht leben noch sterben können, zugute. Schon werden die Mazzoth für das t'oinmende Peßach-Fest von den, Kaufgeld aiigeschaffk. Horowitz, Nuss»,am, e tutli quanti erkaufen mit blutigem Sehlveiße und schlverem Gelde die Ehreninandaie aus der Hand iinehrenhafter Schacherer mit ihrem bürgerlichen Rechte. Wichtiger als daö ist der Umstand, dass zufolge der Arlivn des Vereins „Schomer Israel", die Cnltnsvorstands-Milglieder die schon längst entschlafene Geschäftshalle in Beschlag nahinen, wodurch die apathische jüdische Kaufmannschaft loieder einmal zu sich kommen durfte, d. h. ihre kaufmännische» Jiüeressen corporativ vertreten werde. Die GcschäftSyalle Hai bereits ein Lebenszeichen von sich gegeben — abgesehen von der Wahlinacherei sie berief ihre Mitglieder zur Berathung über das Spiritnstariell, dessen Wichtigkeit der Verein ..Scho»,er Israel" den Betheiligten durch seinen gedruckten Bericht nahegelegt hat. Ihre verehrten Leser werden bereits früher bon diesem Kartell unterrichtet sei und wissen, lvelche» wichtigen Verdiensteiitgang der Ausfall fü den jüdischen Zwischenhändler bedeutet. Man lvird bald mit Recht,gen dürfe», in Polen gibt es auch für Juden nichts z»> holen. DerSpiritus lvirft zlvar viele Tausende unter die Füße, andererseits stellt er seine platonische» Freunde, die Juden, ans die Füße, ja gibt es noch zu verdiene». Wie man uns »nttheilt, soll Herr D. E. Byk in der Geschäftshalle einen schweren Stand haben, da alle tangierten Kreise ihn für diesen Ring verantlvortlich machen. Wain, lverden Führer »nd Geführte im galizischen Israel einml einsehen, lvie dringend nothwendig die Harmonie derselben ist nn wie beiderseits dahin gestrebt lverden muss, um die jüdisch-realenund invralischeu Interessen zu lvahren. Eine jüdische Assistentin im der Lemberger lcidwirtschaftlichen Versuchsstntloil. Au der Lemberger bvtailiscy-lcldlvirtschaftlicheii Control- Mid Versuchsstativu fungiert jetzt Frl. D. Phil. Mathilde Goldfluss als Asslstelltin. Frl. Dr. Cloldfluss afolvierte in ihrer (Veburtsstadt Warschau das Oberghiuiinsium, »uturierte bereits in ihrem sechzehnten Lebensjahre, studierte in Oenf Philosophie, wo sie im Jahre 1899 uiit Auszeichuuug zun, Dctor phil. proiuovierr lvurde. Mit de», Doctordiplom ausgestattt gierig sie noch zur Vervolltominnnng ihrer Stlidien nach Paris, kehrte nach zlvei Jahren in ihre Geburtsstadt zurück, vvn lvo sie m die Lemberger Anstalt berufeil lvurde. Frl. Dr. Goldfluss ist uiferes Wissens die erste Frau, welcher in Oesterreich eine solche vielte aiivertraut lvurde. Wiener Cultur in Galizien. Alis Zolhuia (Galizien) lvird li.hfolgender Fall berichtet, der ivieder einmal lelveist, lvie loeit die Verdummung des Baueruvolkes durch seine Fihrer und Lehrer getrieben wird. Die Belvohuer des geiiaunteu Torfes leben seit ui.driillicheu Zeiten im größten Friedei, mit den daselbst »vohnenden Inden. Vor einiger Zeit starb der OrtSpfarrer und an feine Stelle kan, ein neuer ans der „invdernen Schule" hervorgegangencr Priester. Diesen, gelang es ii, ganz kurzer Zeil, das friedliebende, arbei,faule Volk mir den Lehrern des alleinseiigmachendei, Antisemitismus zli vergiften. Diese Saat sollte „in auch bald die geivünschken Früchte zeitigen. Vor ungefähr acht Tagen verschwand das achtjährige Mädchen des Zolyniaer Landwirtes Jan Kochman, das schon einige»,ale vor seiner es misshandelnden Mutter in das Nachbardorf flüchtete, ivieder einmal plötzlich aus den, Dorfe. Die Inden waren eben mit dein Mozzorhbacken beschäftigt ,n,d die gelehrigen Schüler des nenen Pfarrers begannen nun erst leise, dann iinmer lauter darüber zu sprechen, dass die Jllden die kleine K'ochman gefangen Hallen, >ie, da sie zu inager ist, erst gut ausfüttern und dann abschlachten lverden, um ihr Blut zu den Mazzoth zu verwenden. Es ka», natürlich auch z»l Thätlichkeiten, Demolierungen jüdischer Häuser, lvobei sich die Missethäter ganz unverhohlen damit rechtfertigten, dass „Seine Ehrwürden dcr Herr Geistliche ausd rück sich erklärt habe, dass inan wegen Misshandlung eines Inden nicht zur Verantwortung gezogen lverden kömie". Aber glücklicherlveise har der Teufelsapparat wieder einmal nicht verlässlich genug fnnctioniert, dein, das Kind wurde Dank den Bemühungen dcs jüdischen Großtrafikanten Josef Leisthna in Zolhuia in der Ztachbargeineinde ausgeforscht, lvohtn es sich vor der uinnenschlichen Behandlung der Stiesirintter geflüchtet und verborgen gehalten hatte. Die Bluthunde harten also lvieder Pech, aber jetzt wird es doch bald norhlvendig lverden, dass die Juden die christlichen Kinder belvacyen, denn sie werden ja in allen Fällen für deren Verschwinden verantlvortlich gen,acht. Anstand. .Karl Joel, Sohn des verstorbenen Rabbiners von Hirschberg H. Joel, ist kürzlich, lvie die „Deborah" schreibt, zun, Professor der Philosophie an der Universität in Basel ernannt worden. Diese Nachricht bringt uns die Thatsache in Erinnerung, wieviele der akademischen Lehrer Europas aus Nabbinerfainilien oder aus den Häusern jüdischer Gelehrten hervorgegangen sind. Ohne genaue Prüfung der Lifte» lässt sich das nicht bestimmen. Aufs Gerathelvohl nennen wir aus den, Gedächtnisse die beiden Söhne des Ehacham Bernays in Bonn m,d seinen zum Protestantismus übergetretenen Bruder Michael, Professor der deutschen Literatur in München/die beiden «ohne Lndlvig Philippsons, den Historiker Martin, früher in Brüssel, und den Geographen Alfred in Bonn, Ludwig Geiger, den Sohn deö großen jüdischen Theologen Abraham Geiger, Professor der Literaturgeschichte in Berlin, Georg Jellinek, den Sohn des Wiener Predigers, Professor des Völkerrechtes in Heidelberg, den Mediciner Rosenstein in Lehde»,, Sohn des Berliner Rabbinats-Assessors Elchanan Rosenstein, und die wohl hierher zu rechnenden Leo Grätz, Professor der Phhsik in Attinchen, den kürzlich verstorbene», Büdinger in Wien und endlich die ehemaligen jüdische», Theologe»,, wie Ludwig Steil, in Bern, Hermann Cohen» in Marburg und Jacob Freudenthal in Breslau, alle Philosophen. Wie wenig vollständig eine solche Liste ist, kann auS dem Itn,stände geschloffen werden, dass mir lvährend des Schreibens dieser Zeilen der Naine des Professors Landsberg von der technischen Hochschule in Dar»,stadt einfällt, der der Sohn des ehemaligen Landesrabbiners von Hildesheim ist. Die Hauptsache bleibt der Belveis, lvie viel die Juden zur Blürc geistigen Lebens in der kurzen Zeit, seit ihnen eine lvissenschaftlich Earriere offen steht, beigetragen haben. Ein jüdischer Rechtsconsnlent der bulgarischen Negierung. Die bulgarische Gesandtschaft am Wiener Hofe hat namens der fürstlich bulgarischen Regierung den Bndapester jüdischen Advocakcn Dr. R„- ton' Hirschfeld zu ihre», Rechtsconsulentei, in Budapest ernannt^' Congress zur Bekärnpfuug des Mädchenhandels. Anlässlich des zli Frankfurt demnächst Znsammentretentzcn Congresses ist folgende Nennniseenz interessant: Aus dem Jahre 1897 ist als eine neue Erscheinung zur Bekainpftmg des Mädchenhandels die Bildung eines viergliedrigen jüdischen: Comitees zu verzeichnen, das auf Veranlasst..rg der Henry Joues-Loge zlesammeutraft um den Kan.i^f gegen" die Urheber des schmachvolteiij Handels unter den eigenen Glanbensgenossen anfznnehmen. Das betreffende Comitee verband sich mit der in London bestehenden thütigen „Jewish Asseeiation foi: the protection of Girls and Wamen" lmd gründete an verschiedenen Plätzen des Jnimd Auslandes Zlveigeomitees, mit denen es internationale! Beziehungen bezüglich der Beobachtung der Ben brecher rc. iinterhült. DenidHerd des Mädchenhandels in Europa: Galizien hat diese inteHiationa,le Verbiichnng durch einen an die dortigen Nabbiner gerichteten, in hebräischer Sprache verfassten Aufruf beiznkommen versucht, der an die Mitarbeit der geistlichen Hirten Israels zur Bekämpflmg und Ansrottnng des Nebels appelliert. Die Arbeit ist in den ersten drei Jahreii absichtlich ganz im Verborgenen, getrieben kvorden. Es ist ihr n. a. die Uebersehun'g aus dem „Lupanar." zu danken, lvelche grauen volle Einblicke in das Treiben der „.skaften" (Bezeichnung der brasilianischen Volkssprache für die Bckidchenhändler) gewährt und durch schonungslose Nennung der in Südamerika bekannt gewordenen Mädchenhündler einen