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Jüdisches Volksblatt · 1902-04-18 · 16 (18.4.1902) · p. Seite 8

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
16 (18.4.1902)
Date
1902-04-18
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Nr. 16 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 18. April 1902 Seite 9 wenig ihr Haupt ans den Kiffen und lachte schalkhaft, daS Mädchen dabei so scharf, als es der schwache Schein der Oel-Lampe gestattete, ins Auge fassend. „Du brauchst nix roth zu werden," setzte sie fort, „Du brauchst Dich nix zu schämen, Du bist ein schön Madel und er ist ein schöner Jung, und wenn er Dir gefallen thut, ist das „oßer" (bewahre) kein „Charpe" (Schande). „Was redt Ihr da für Narreschkeiten, Jittel?" sagte Röscle abivehrcnd. „Und tvarmn Narreschkeiten?" erwiderte Jittel, „meinst Du denn, ich seh nit, tvie Du roth geworden bist, weil das Lämpele wenig leucht? Wenn ich tverd aufstehen 31t gesund, weih ich, tvas ich zu thun Hab. Muss grad Neb Kloinemcs alle Jungen und Maden versorgen, ich iverd ihm weisen, ich treff die Kunst auch und noch besser, wie er; denn das ein Einfall, den er „e Wade" (getviss) in sein Leben nit gehabt hat. Ich thu's, soll ich leben, nit um das „Schadchones" (Belohnung), „chodsche" (obzlvar) dass ich auch das Geld brauchen kann, aber ich thu's, tveil ich Dich gern Hab, und das ivär mein größte „Chajuneh" (Wonne), tvenn ich Dich sehen könnt als die „Schur" (Schwiegertochter) von Jentclc. — Weh geschrien, weh nur nit, was ist das für ein Geschrei auf der Gass'?" Die kranke Jittel war bei diesem Aufschrei in die Kissen ihres Bettes zurückgesunken. Näsele tvar erschreckt von ihrem Stuhl emporgefahren. Ihr ivar's, als ob sie den Namen ihres Vaters hätte rufen hören, sie zitterte am ganzen Leibe und blieb, mit der Hand sich auf die Lehne des Stuhles stützend, auf den Fußspitzen in horchender Stellung stehen, um zu hören, ob sie noch irgend einen Lailt vernehmen könne. Aber es blieb alles still, nichts ward mehr gestört, nur beit verhallenden Schritt von Männern, der sich immer weiter und weiter verlor, glaubte sie noch zu vernehmen. Die dunkle Nacht bedeckte eine dunkle That. Wenige Minuten, nachdem sie geschehen war, trat der Doctor in scheinbarer Ruhe, aber für das scharfblickende Auge des Mädchens nicht zu verbergender innerer Erregtheit in die Krankenstube. Zwei Männer führten zur selben Zeit Bärl Lederer in seine Wohnung; es waren dies Neb Schimme Lasnndcr und Neb Srohl Hühnerberg. Nachdem sie ihn dahin gebracht hatten, sagte Neb Schimme Lasnndcr: „Neb Bär, Ihr könnt von Glück sagen, dass Euch das nicht gelungen ist. Wisst Ihr, dass auf eine solche Sache gleich darauf das Criminal kommt?" „Wollt Ihr mich „vcrmoßern" (anzeigen)?" schrie Neb Bär, „so thut's. Ich iverd's nicht leugnen." „Ihr braucht Euch nit zu fürchten," sagte Neb Srohl, „wir Iverden schweigen und kein „chillel haschem" (Entweihung des göttlichen Namens) machen. Und jetzt legt Euch nieder, denn Ihr seid gar nicht recht bei Euch." j Nachdem sich die beiden Männer wieder entfernt hatten, lachte! Bärl Lederer mit einem furchtbaren Grinsen und sagte: „Die sind auch schon ein „Kaporeh" (dahin), die ganze Khillc leider Gotts, einer nach dem andern; und tvenn ein ehrlicher Jüd' einmal will „mekadesch haschem" sein (den göttlichen Namen heiligen), kommen solche zwei Hünd dazivischen und packen einen an, tvie einen „Rezech" (Mörder)." Noth Chancle holte Rösele ab. Sie tauschten ihre Plätze. Die Tochter ivusste nicht, tvarmn der Vater das Nachtmahl unberührt stehen ließ; roth Chanele hielt die Nachttvache am Bette der kranken Jittel. Neb Schimme sagte zu seinem Freunde Neb Srohl ans dem Heimwege: „Das hätt' ich nicht für möglich gehalten, dass ein Mensch auf einen andern eine solche „Sinne" (Hass) haben kann." und der Doctor Felix Frank legte ein eben neu beschriebenes Blatt in sein Tagebuch. \T Die Ghttsseneh. Durch die Gasse gieng ein seltsam gekleideter Mann; eine Schar von Kindern folgte ihm. Der Mann hatte den Rock auf die verkehrte Seite getvendet, so dass man von außen nur das Unterfutter sehen konnte. Nach Art einer Schürze trug er um die Brust ein lveißes Handtuch gewickelt, lvelches mit rothen Bändern reichlich durchflochten war, die von dem Handtuch frisch und fröhlich in alle Welt hin flatterten. Auch der dreieckige Hut auf dem Kopfe war mit allerlei bunten Bändern aufgeputzt. Er gieng von Haus zu Haus, grad als ob er sich hätte „burlauben" (verabschieden) wollen. Aber das war nicht seine Absicht. Im Gcgcntheil, tvenn er durch die Gasse von Haus zu Haus gieng, so tvar es ein Tag, an dein er sich um keinen Preis von der Welt auch nur eine halbe Stunde weit von dem Städtchen entfernt hätte. Wer tvar er denn? Der Mann tvar der „Sartver" (Hochzeitsdiener), er gieng die Leute auf die „Chassene beten" (zur Hochzeit laden). Cr fand überall freundliche Gesichter, denn wer lässt sich nicht gerne zur Hochzeit laden? Auch kam er mit keiner Leichenbittermiene, überall wusste er der stehenden Einladungsformel ein lustiges Sprüchlein huizuzufügen. Die stehende Einladungsformel lautete: „Neb Bär lässt Euch beten auf die Chassene; Messer und Gabel hat sich ein jeder mitzubringen, Wein kann ein jeder trinken, so viel er hat." lieber dieses einfache Thema machte der lustige „Sartver" gerade so viele Variationen, als Häuser in der Gasse waren, und dazu hatte er nicht einmal den Contrapunkt studiert. Und wenn man sich darüber wundern sollte, woher er all die lustigen Einfälle nahm, so brauchen wir dem Leser nur mitzutheilen, dass der „Sartver" niemand anders tvar, als unser alter Freund GawrieleStuffer, von dem wir schon manches Stücklein gehört haben. Gatvriele Stnffer ließ es sich nicht nehmen, bei Chassenes den Sartverdienst zu versehen, und — das Zeugnis wird man ihm nicht versagen _— einen besseren, lustigeren Sartver hat es nicht gegeben, so lange die Welt steht. Während der Sartver seinen Rundgang durch .bie Gasse machte, herrschte im Hmise von Bärl Lederer eine rührige Geschäftigkeit in Stube und Küche. Elkele» die berühmte Hochzeitsköchin, stand da in der Mitte der Stube und commandierte als Befehlshaberin eine ganze Schar kulinarischer Truppen. Die eine hatte nichts zu thun als Zucker zu hacken, die zerhackten Theile übernahm ein zweiter KTichengeist, um sie in einem Mörser dünn zu stoßen. Eine dritte stampfte nnbannherzig in einen Mörser, in welchem sich die Körnchen der einschläfernden Mohnblumen befanden, mit einer kolossalen „Stampfe". Eine vierte hatte das Geschäft, Nüsse aufznknacken, eine fünfte, die Kerne von den Schalen zu befreien. Dieselbe Vertheilung her Arbeit fand zwischen der sechsten und siebenten in Bezug auf die bitteren Mandeln statt. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Wetz A. M. Nicht verwendbar. Manuscripte werden nicht retourniert. Neust. Erscheint demnächst. Mittheilungen des Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Der Verein fflr unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, II., Taborstrasse 59 (Telephon Nr. 13.920.) bietet den P. T. Arbeitgebern seine kostenfreien Dienste an. Brieflicher oder telephonischer Auftrag genügt, um männliche und weibliche qualificierte Arbeitskräfte, sowie Hilfsarbeiter, ferner kaufmännische Angestellte und Lehrkräfte beiderlei Geschlechtes zugewiesen zu erhalten. Am 12. April 1902 standen in Vormerkung: I. Classe: Manuelle Arbeiter. 9 Anstreicher. — 5 Aufpapper und Lederzuschneider. — 6 Bäcker. — 7 Buchbinder. — 3 Buchdrucker. — 1 Büstenbinder. — 1 Destillateur. — 4 Drechsler. — 5 Elektromonteure. — 5 Fleischhauer. — 4 Friseure. — 4 Glaser. — 8 Goldarbeiter. — 34 Hausknechte, Geschäfts- und Bureaudiener. — 28 Hilfsarbeiter. — 1 Holzbildhauer. — 1 Hutmacher. — 3 Kellerarbeiter. — 4 Kellner. — 4 Kürschner und Kappenmacher. — 8 Kutscher. — 3 Laufburschen. — 1 Lederzurichter. — 3 Lehrlinge. — 3 Maschinisten und Heizer. — 4 MaschinschJosser. — 4 Mechaniker. — 4 Metalldreher. — 8 Monteure. — 38 Schlosser. — 3 Schriftsetzer. — 20 Spengler. — 12 Tapezierer. — 4 Taschner, Riemer und Sattler. — 7 Tischler. — 4 Uhrmacher. — 1 Weber. — 2 Zeichner. — 9 Zimmermaler. — 1 Zuckerbäcker. II. 613888 : Kaufmännische Angestellte. 5 Brantweinverschleisser. — 17 Buchhalter und Correspondenten. — 47 Commis diverser Branchen. — 2t Comptoiristen und Strazzisten. — 3 Incassanten. — 4 Kanzlisten und Schreiber. — 3 Manipulanten und Expedienten. — 2 Platzagenten und -Vertreter. — 4 Reisende. Weibliche Abtheilung. 2 Bedienerinnen. — 1 Bonne. — 24 Comptoiristinnen und Kanzlistinnen. — 11 Expedientinnen und Manipulantinnen. — 2 Hilfsarbeiterinnen. — 4 Cassafräuleins. — 1 Kinderfrau. — 3 Praktikantinnen. — 1 Steppdeckennäherin. — 39 Verkäuferinnen. — 3 Verschleisserinnen. — 2 Wärterinnen. — 8 Wirtschafterinnen und Stützen der Hausfrau. ili. Classe: Geistige Arbeit. 44 Hauslehrer und Hofmeister ^meistens Hochschüler, welche Gymnasial- und Realschüler unterrichten). 7 Lehrerinnen und Erzieherinnen. Reichhaltiges Xager von in Grabmonumenten Granit, Sienyt, Porphyr, Marmor und Sandstein. friedländer i Deutsch XI., Centralfriedhof. Stadt-Niederlage : I., Seitenstettengasse 2. 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April 1902 im RestaurantWendlinger IX., Seegasse 7, stattündenden General-Versammlung höflichst eingeladen. Tagesordnung: 1. Vorstandsbericht über die Vereinsthätigkeit im abgelaufenen Vereinsjahre. 2. Neuwahl des Gesammtvorstandes. 3. Anträge und Interpellationen. Hochachtungsvoll Der Vorstand des „Jüdischen Volksvereines“ für den VIII., IX., XVIII. u. XIX. Bezirk. J^iplottiierkt3 DyZeyiecn- (Chemiker) Vorzügliche Getränke. — Reichste Auswahl der gelesensten in- und ausländischen Journale. Aufmerksamste Bedienung. Mässige Preise. bie schönsten und billigsten Grabsteine (nnso) von 15 fl. aufwärts bekommt man bei g. jrmosui Steinmetz- und SteingraYeur-/Vteister II., Rothensterngasss 23. ausgebildet in der Erzaufbereitung, Quecksilber- Production und Hochofenbetrieb, mit mehrjähriger Praxis in einem der grössten Werke des Continents, mit Kenntnis der französischen und zweier slavischen Sprachen, sucht so bald als möglich Anstellung. Anträge sind zu richten an die Redaction dieses Blattes unter der Chiffre „L. P. 16“. riDB bv ->V2 Erste Nikolsburger NLÄ bt» -1V2 ZUCKERBÄCKER El. Die ergebenst Gefertigte beehrt sich hiermit, dem P. T. Publicum zur gefälligen Kenntniss zu bringen, dass sie ihre Bäckereien, besonders die berühmten Nikolsburger Ingwer- und gerührten Kücheln stets frisch vom Ofen weg liefert. Bestellungen werden bestens entgegengenommen Botti Fohl, Zuckerbäckerin, Wien, II. Bez., Novaragnsse Nr. 32. öbel in denkbar bester Ausführung, altdeutsch und politiert, zu sehr billigen Preisen bei Ise. Heiss Wien, IX., Porzellangasse Nr. 20 Gegründet 1890. — Provinzversandt streng reell. Mein neues Album sammt genauesten Abbildungen gegen 30 kr. in Briefmarken Langjähriger Lieferant des Vereines der k. k. Staatsbeamten etc. etc. Auf Cafö Rona.ch.er Theilzahlungen ohne Preiserhöhung vor dem Schottenthor. Eleg. Liese« und Conversationssäle. 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