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Jüdisches Volksblatt · 1902-04-18 · 16 (18.4.1902) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
16 (18.4.1902)
Date
1902-04-18
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 16 Wien, Freitag mibe res als 'in verwittertes Museumsobjeet bildet und bereu jüdifchi .Kenntnisse in der verrenkten Ausleguiw inniger Bibelbrse besteht, meinen Vorschlag, die hebräische Sprache als lnterrichtsspraehe siir den jüdischen Unter rieht )nccofjju herauzuzieheu, als absurd erklären, denn wenn diese Late mich sich „mit Andacht" vor den Schönheiten der heimischen Sprache verneigen, so ist damit die ehrwürdige Shöicheit der Mumien gemeint, tvie sie bei allen westlichet Inden traditioin'll hochgehalten ivird, aber nie iin Leben aveir diese 'Archivare eine Ahnung von der lebenstrotzender kraftvollen Schönheit ■ der hebräischen Sprache besessen, wie sie bei deir östlieheir Inden gang lind gäbe ist. Liesn Herren kann ich als gesundes Heilmittel nur empfehlen, nut etwas mehr Aufmerksamkeit die gesunde Eutwickkmg der hebräischen Literatur der Gegenwart zu verfolgen, bsonders aber die Aiesenfortschriile, die die jüdischeir blinde in den hebrälschen Schulen in uiussland und Palästina irr pädagogischer Hinsicht wachen und sie iverdeir sich ü bezeugen, dass der liumbtiche ltntevrichl in der hebräischen Sprache feine ausjergewöhiiliche Erstheiimiig mehr ist. Sie Erfahrungen, die bis jetzt mit deir hebräischen Anstalten in.'llujslaud iind Palasmia vorliegen, berechtigen zu den glliuzeudsteu Erivartmigeu. Das ist also der erste und lvihiigste Schritt, den die Eultusgemeiude anf dem Gebiete der jüdischen Erziehung zu machen hätte. Jüdische Mädcheniind ^Uiabeiischlilen sind die weseittllchsteu Mittel, ii!n den Verivahrlosten jüdischen Unterricht zu beleben. Die minder, welche in solchen jiidljcheu schulen ihre Erziehung genossen haben, werdeii gilte, jüdische Eltern bleiben uiw es sich angelegen, sein lassen, auch ihre Kinder gut jüdich zu erziehen. Aber auch solche Eitern, ivelche ihre älinoer in den allgemeinen -Zehnten erzieyeu lassen, iverden sich nicht mehr mit dem ein- bis zweistündigen Unterricht wöchentlich begnügen, sondern bestrebt seiil, ihren Kliideru reichticheil jüdischen Prwatnnterricht augedoiheu. zu lassen oder sie eventuell in die unentgeltlichen Gemeindeschuten schicken. Solche Erscheiuuugeu finden wir jetzt häufig in ^tusslaud, woselbst die Ellern ihre Gyninasiasten privat in hebräischer Sprache imd jiidischer Geschichte erziehen lassen, und es fällt ihnen iiieuials eiir, sich über die Betastung ihrer minder zu bettagen, llird solcheit Grscheiniingeu iverden ivir auch hier in Wien begegneii, wenn die tAlltusgeuieiiioe mit mehr Ernst und Liebe an die jüdische Erziehung herantreten wird, uni vermittelst der jüdischen Schulen eilte jüdische Gelteration herauzubildeu. Bon diesen Schulen ist mm ein Schritt zu deu. Bibelschuleu, welche gleichfalls als Ergänzung im jüdischen. Unterrichte für jene Kinder dienen, me in allgemeinen Schuten erzogen werdeii, uud auch dieseii Schuleii fehlt der llioderue, gesuilde jüdische Geist. Es ist uuralloueu. und ilupraktifch, mit jullgeii ökiuderu, ivelche noch feine Ahnung von der hebräischen Sprache haben, die Bibel in der Srigiualsprache zu lerueu. Auch die frühere Generationen in Russland uiid Galizieii haben miter dieser ttztethode viel zu leiden gehabt, um wieviel mehr trifft dies für die westeuropäischen jüdischeii Kinder zu, ivelche in der jüdischen Bibelschule nur kurze Zell zubrmgeii. An Stelle der Bibel hätte der Unterricht: in der hebräischen Sprache in zweckmäßiger Weise zu treteii. Es ist hier nicht meine Ansicht, ein ausführliches Lehrprogramm zu entwickeln, aber die besten Erfahrungen auf diesem Gebiete liefern die modernen jüdischen Schulen in Russland, die sogenannten „Ehedarim m'tukannn", sowie die jüdischen Schulen in Palästina. 'Auch müsste man mit mehr Aufmerksamkeit die moderne hebräische Jugendliteratur verfolgen, ivie sie vorn Verlag „Achiasaf" nt. Warschau in vortrefflicher Weise gepflegt wird. Ich übergehe andere Anregungen zum Capitet „Jüdische Erziehung" uiid will hier nur solche geben, die eine sofortige Ertediguug erheischen. Ich lneiue die Reformen, ivelche für imjere Rabbiner-Seminare unbedingt nothivendig sind. Es ist unglaublich, dass in der eiiizigeu Wiener jüdischen Hochschule die neu hebräische Literatur gar nicht beachtet ivird und die hebräische Sprache ivird als ein abgestorbener Körper angesehen, der bloß nur noch a n a t o in i s ch in Betracht kommt. Es ist unglaublich, aber doch Thatsache, dass alte, verschimmelte „Paitouiiu" mit der Lupe nach jedem Reim untersticht werden, während die blühende neuhebräische Literatur gar nicht zu existieren scheint. Diese gelehrten Rabbiner und Seminaristen, welche über jeden „Oz kozez Paiton" eine llbersprudelude Gelehrsamkeit zum Besten geben, iverden plötzlich verstummen, wenn man sie nach AR men ivie Ezernichoivskt oder Bialik fragen wird. Ein derartiger Zustand schreit geradezu nach Raformeu. Heute weht ein anderer Wind in der jüdischen Welt, wir. können heute keine Rabbiner mehr brauchen, welche daS Jndenthum als ein Nirwana ausehen, über das man immer und immer abgeleierte Predigten hält, die niemanden erwärmen können. Wir lebendigen Inden lwauchen gesunde und lebendige Rabbiner, die nicht nur die Socialpolitik von A'ehemias, sondern mich unsere moderne Socialpolitik verstehen und mit Herz und Sinn das Volk hierzu aufklären sollen. Dieser Zustand kann jedoch erst besser iverden, wenn dem Rabbiner der „I u d e n t i t e l", den er für die Entdeckung eines? hebräischen Talentes ernten wird, höher dünkt als der D o-c tortitel, den lhm heute die Aufstöberung eines verschollenen „Dz'kozez Paiton" einträgt. A. Loubetzkh ' P"lZi8eIn;8 Volksblatt Fm« Inland. A>ifioi'ifriiCv. dpril. 2. 1Nnn. Israel Deutsch, Rabbiuee und orthodoxer vaiiipser F.ülz, geb. U. I ^.>7. üöiu' Schlvab, Liier rui'i'iuer, Pest, gcsi. - 7». is77>. Moritz Hess, Fionist, Versaisce von „tllom und zernsuiein', Pario, iH'jt. 7. 17S1. VUnahaili V.H'nhr, Pless, gev. ls. 12. ^imi). Ibuo. Fsraet :)inbiuoloit3, neu Iie0rai>a>er Di ctg er, '.'teiv Aoet, ft. ümm. Hillel »ahaue, Lehrer und eiujUnrunnsschriftslelier, Bottuschan, gest. — s. isin. Salo- »reu Üioscnthal, Scheislstellee und Führer tut jüdische» Lebe», Pest, gest. 0. isi'l. Adolph Saphir, Missionär, Reffe des Satirikers, London, lieft. IN. INN',. Fohaun Schnitzler, Dchriftsieller, wtedieiner, ilniversität^--Professor, <ürvs; Nnni^^r, aesi. - tU. 1 *2:>. Enaen '.üänniel, Dichter und Pädanope, Paris, peb. ----- IS. I Faeoi' Daspvrtns. Mictbli. und Vlittov, Ninsterdam, pest. is:’»n. Ninilie Ludivia leebh j, Fnaendschriftstelierin, i>,'eisie, peb. Ui. lK>s. VKotv tzoiteles, VIr.;l und Schriftsteller, Brünn, ncft. ----- IS. I s-ff». siiuvn van Launiiei, F-inanrier, Prap, pest. -- Ur 1772. David üiieardv, Viariauaiaionanl and Politiker, honvertit, London, peb. - 22. 1 ss |. Fosef (Üoldinari, asirrr. üieichürathsabgeordneter, Aeiv'Vjvrl, aestorbe». -- -0. tSr>!). Lazar Lcheineann, rumänischer Philoioae, Lvnverlit, peb. -- L«i. 1 s,s. David Deutsch, Füyrer der nun. Lrlhodorie, Ütabbiuer in Baiassa-l^yarmath, pesi. — ■js.! siii). Fsaae da Costa, holländischer Dichter, Vimsterdam, pest. ibni. Biar biing, schriftjleiier, Berlin, ar'st. — 2b. ISlii. Btoseo Vlnaei, Direetor' der „Fennsh Free schoot", London, geb. Ein jüdischer Hlmdwerkervund. Aui Wulisch vieler jüdischer Hanorverker fand Mittwoch im Festsaate des „Jüdischen Lolksoereius" eine gut besuchte Haudwerkerversammlung statt. Der erste Reoner Herr Heller betonte die Äiothwendigkeit der Orgauisauon des jüdischen Haudwerkerstaubes, der durch denAntijennUsinusgeschädigt, von den Juden nicht genügend unterstützt weroe. Herr P lascht es versichert den neuen Hanowerkerbund der Sympathien und der tl n t e x ft ü tzungdes „I ü d r f ch e n B o t k s v e r e i n s". Er verweist auf alle oie drückenden tkebelstände, unter denen die jüdischen Handwerker leiden, und betont vor allem die vto l h w e u d ig k e U d r tligen Credit es. Der jüdische Handwerter muss von alten Juden unlerstützl werden, sonst gehl er rnsotge des antisemitischen und — jüdischen BoycotlS zugrunde. Wanvtung kann nur eine jüdische Hmldwecter-Ocgamsauon schaffen. Der folgende Redner Weiß warm vor Ueberschätzuug der Bereuisgründung. Dc. Weisen grün gegen den Vorredner potemlsiererid. sühn aus, dass es unrichtig fei, zu behaupten, der VLillelstaiid gehe zu Grunde, es gibt eure ganze Reihe von Betrieben, in denen das Handwerk gegen den Großbetrieb sich behaupten kann. Dr. Weis e n g r ü n fordert zur OrgarusaUon der jüdischen Hanbwerker und zum Anschtufse au den „Jüdischen Vottsvereiu" auf. Herr O e st e r r e t ch e r warnt vor Gründung eines j ü o l s ch e n Hanowerkervereines. Dr. Sofer verweist daraus, dass die Llveraten nichts für die Handwerter getelslel, und erklärt, dass nur durch Organisation jüdischer Hatidwerker eine Macht werüeil könne, wie dies die OrgaNisüttoii der jüdischeii Fteischhauer beweise. Herr Scyönbaum, der Proponent öes Vereines, kritisiert Die bisherige Vertretung der jüdischen Handwerker, bespricht die Lage der einzetnen Branchen und fordert zur Orgamsatton aus. Den Llveraten yal man tauge genug gedient, geleistet haben sie ntchls für die jüdischeii Handwerker, man könne ihnen dayer nicht mehr Heeressotge leisten, ptachdem noch mehrere Redner m ähnuchem Swne gesprochen, wurde die Versamniturig geschtosfen. Jii das vdroereiteride Comuö wncdeii gewäyu die Herren: Heller, Schlosser; Bauer, Jlistatiatenr; S ch o n b a u ui, Spengler; Säer n, Anstreicher; D euls ch, Schuhmacher; K a l s e r, Schlieider; K o h », Tischler; Austanoer, Tapezierer; btevn, Tischler; Wessely, Schneider und P t a > ch k e s, Belruty. „Hivb" von Jehudo Epstein. Allgemeine Atifmerksamkeit zieht im Kunsiterhause der „Hiob" von Epstein anf >icy, mW allgemein horr inan daS Unheil, wäre Epstein nicht duisse und Jnde, wäre ihm der .A'elchct-Preis zngefauen. Der Kuipitec hat es verstanden, adseits von auem conventionellen Geschichtsttttsch, wie er sw) m dem verlvnndeten Tilly, dem sterbenden Kurfürsten und dem gefangenen dtienzi dreit nnd patzig macht, den alten Stoff ui neuen, wnchtigen Strichen zu demelsteru. Bor allem fallt die Jarbeiisreudlgtelt des Maiers auf, der mit seiteuer stühuheit verschieoeue Ja eben uedeuemauder setzt uud doch eine yarmomsche Gesammtwirkuilg erzielt. Das Bild athinet R'ape uud damit ist es als Kunstwerk gestempelt. Hiob liegt am Boden ausgestrectt, das Gesicht ist vom Beschauer abgeweudet, uud die ganze Tragik ließt in der Hatluug der Hände, die fragend uud oerzweisclud ausgestrerkt smd. Es ist ein ferner Zug des Künstlers, dass wer das Gesicht mcht sehen; denn das von Krankheiten, Sorgen, Trauer und Berziveisliing entstellte Aligesicht wäre ein unerfreulicher Anblick, dagegen scheu ivir rings uw Hiob seine Jreuiwe, in edler Haltung ihren Schmerz bemersierud; jeder einzelne eine Eharakterftudie iu, der Art uiid Weise, wie er die Klagen und Aiiklageu Hiobs aufuiumit. Doch wir wollen nicht weiter schitderu, vielmehr fordern wir unsere Leser auf, selbst das Werk des Rleifters zii besahtigeu. Mau versäume dann auch nicht, den Plan einer Synagoge von Schön im anstoßenden Saale, für eine Budapefter Eoucurreuz eirtworfeu, zu besichtigen. Der Plan wirkt soivoht durch seine Masseuivirkuilg, als auch durch die raffinierte Vertheituug im Juueru, die iw Aufrisse zur Geltung kommt. _ Natürlich wurde Dieser Plan von deu hochweiseu Vudapesieru nicht acceptteri. Bischof i,iid liiobtiina-. Fn der oorioöcheiiliicheii Ditzunu des wneordneleniianies ivnrde nn den Ministerpräsidenten Dr. o. Nverber eine Interpellation gerichtet des Inhaltes, ob es den Thatsachen 18. April 1962 Zeile Ü cmsprechc, das-? die Prager Dlatthaiterei einen Erlass an die Be girisiiauptlnannschaften und die Prager Poligeidireetion gerichlet habe mit Oer Vinfsorderung, die in einer Bersannntnng mter- ' oenierrnden tandessnriltichen Connnisjäre gn beaiistragen, gn rela^! tionieren, loenu gegen einen Bisebos Vingrisse gerichtet iveroen lind diese llieiaiionen eventuell ann aiegen;ianoe einer Vlint-zyandliing ,3» inachen. Der Btinisterpraiident ivird von den Fnlerpellanten ' angegangen, die sofortige Vliisbevnng des erivätzuteis Erlapes ,;>> ' veranlapen. BSir iiuD annerslanoe, die V!»gaben oer tznierpellation ans ihre -.llnbiigieil ,\n prusen. VIHeut angenommen, aver noch nichi ,-;iigegebe», der sragilUie Erlass beruhe ans Lvahrheit, io tonmen loir N)i, vo>> unserem Liandpnniie ans mir viiiigen»nd uns mit demseinen einverstanden ertiaren, jeibst ans die Vlefnhr hin, uns einer »iissversiandiieven Deutung ansgnsetzen. Die gelstiichen 'Vertreter reiigioser tvenvssensaiasien verdienan einen besonderen cehniz, nainenliieh gegen Vlngrlsse in allgemein zugänglichen ossenitlchen Bersammtlingen. Eie gemischten »reise, ivelche die letzteren sregnenuerenj haben seiten das urtheii, bei Vlugrissen, ivetehe gegen die Priester eines t<iellgivl,sbe!eniitnisses gerichtet Iverden, zu anterscheiden. ob sie sich nur gegen die Person oder gegen den Wianben nn Vltlgemeinen richten. Es ist daher iinmer vesser, das Fiidividninn init einem loeiteren Eehntze zu umgeben, als die .-neligidn nnd die llteiigionsgenugenschasten. die doch von ihren Dragee» unzertrennbar sind, einer Bernnglnnpfiing auszusetze». Diesen Dlandpnntt haben ivir immer vertreten lind iverden denselben auch ivetterhin Hochhalten. Was aber dem einen recht, muss auch dem anderen billig sein. Die ^tatthaiterei in Prng hat mit ihrem Erlasse den Bischöfen der tathoiischen »irche eineit besonderen ^ehntz angedeihen zu passe», recht gethan; ihre Pflicht aber ivare geioesen, ivenn sie diesen Erlass pfuchtschuidigst berallgemeineri hätte, ivenn sie, wie es Gesetz lind lltecht fordern, ihren Schlitz auch anf die geistlichen Vertreter des Fudenthnms und ans die Fnnetioiilire der jüdischen llieiigion ausgedehnt haben tvürde. Unseres Lvissens uno Erinnerns gehört es nur zu den äns;ersten Seltenheiten, dass iatholische Biscyose Gegenstand eines Vlngrisses in der Eefsenlitchieit sind. Dagegen kann man es Dag für Lag gewahr iverden, dass Priester und Funetioiiäre des Jnoenthn'ms die unsiätigsten Vingrifse und Verdächtigungen erleiden in»,sea. DerDPrvee'ss H i l s ne r ist noch in lebhafter Erinnerung. BZus ist da nicht alles an Fnbeetiben nnd Injurien gegen jüdlsehe Gtanbenssnnctionäre geleistet lborden, ohne oass es der Prager Etatthalterei eingefallen ivare, die nnterstehenden Drgane anz»- gehen, dagegen einznschreitenI Die chronische BZahnidee der Aituat inordbesctsuidtgnng gibt ja so eribünschten VI»lass, gegen lltabbiner, Vorbeter und' Schächter die unsinnigsten und tvahmvitzigsten Verleumdungenzu erheben, alt dies nngestrast. Wenn das Vtnge des Gesetzes'für den tathoUschen Bischof macht, so dürfen >oir beanspruchen, dass es auch für die Babbinen nnd die anderen iirchlichett Fnnclionäre das Vinge offen behält. Wie osHsollen wir noch dagegen pcotesliere», dass man uns Inden als Staatsbürger zweiter .stategorie behandelt^ Die jüdische Beligion hat deaselben Vtnspruch ans staatlichen Schlitz nnd Schirm, als ihre Tochter, die tatholische llietigion. Man har uns bisher diesen Schutz nicht angedeihett lasseii, und so hat sich dies bereits bitter gerächt. Die misera Plebs macht, wenn ihr die Hetze gegen Religionsgenosse>lschaften frei gegeben ist, leinen Unterschied zivischen dem einen und denn andereil Glauben, sie oernngliinpst dann die jüdische ebenso Ivie die katholische Keligion. Die „Los von kltom"-Bewegung ist nur eine Consequenz der derzeitigen Strömung, in der es gestattet ist, die jüdische Reliqion nnd deren Bekenner zu bekriegen nitd zu befehden. Videant eoitsnles! Atäge die Regierung bald zilr Einfichk gelangen, dass es gegen das vitalste Iltteresse eines so vielgestaltigen Sraatswesens, ivie es das österreichische ist, iväre, zn dntden, dass eine Religionsgeiiossenschaft, ein Voltsstamin oder eine Rasse ziim Gegenstailde der .videriicllsten Hetze gemacht ivird. Vius der Pienarsitzung des Vvrstttndes der israelitischen Enttusgemeinde in Wien vvm Di. April t'.w2, unter dem Vorsitze des Prnfldenteil kniseri. Rath »linger. Beginn der Sitztlng mn lv Uhr vormittags. Das Präsidinm der „Israelitischen Vittianz" zil Wiieil ladet die Btirgtieder des Etlitnsvorsrandes zur Theilnahnte an der am 27. VIpril' d. I. stattfindenden Generalversammlung ein. Im Präsidialverieht macht der Präsident Mirtheiinng von der dlirch Herrn kaiseri. Üiath Hirsch am 7. Viprit borgenomnteilen Eassen- ,coittriern»g, bei welcher volltomineile Ordnung in der Amtsgebarung constaiiert ivnrde, nnd gibt der Vorsitzende ein Bild über me bisherigen Stenereingänge nnd die Finanzlage der Gemeinde mit dein Benterreti, dass angesichts der großen, an die Gemeinde tserainretenden Vinfordernngen nach ivie vor Sparsamkeit hu Hansgalre erforderlich fei. Betreffend die Berufung bou Predigern zn Probepredigten, mit welcher viufgabe die Plenarbersammlnng vom -ä. Rtärz iv>>2 das Vertrerer-Eollegitnn heailftrat hat, bemerkt der Vorsibenoe: Das Vertreter-Eollegiunl hat diesen Gegenstand bereits ain 2m Btärz in Anwesenheit des Herrn Dberrabbmer DE Güdemainl lind des Herrn Rerlor Professor Dr. Schwarz (Herr lliab' biner Dr. Schmieol hatte sein Vlusbteiben entschutoigt), sowie einiger Mitglieder der Eommission für Cnitus nnd rituelle Vlngetegenheiten in Berathtlng gezogen. Hiebei-ivtlrde eine größere iitlizaht von Persöniichteiteu nanthafr gemacht, ivelche für Probepredigten in Betracht täuie». In dieseiil Stadium der Berathnng deS wichtigen Gegenstandes ivnrde eine engere Auswahl mchk vorgenommen, bielinehr wurde betont, dass es sich nicht bloß darum handeln könne, Predigten anznhören, sondern vorerst über Charakter nnd Lebensfllhrinlg der zn Bernsenden genaue Erhebungen zu pflegen. Btit Rücksicht ans diesen iiinstand, sowie anf die — hinsichtlich des vereits vorgeschrittenen Frühjahres — ivegen des bevorstehendea Peßach-Festes nur knapp zugeboke stehende Feit wurde beschlosseil, oie Probepredigten erst Enoe Dckober nach den Feiertagen beginnen zu lassen, die ßlvischenzeik aber zn Informationen und Erhebungen aber Oie einzelnen Persölllichteiten zn benützen. Wird znstimmend zllr »ellntnis genominen. Atittlerlveile seien, ivie der Vorsitzende noch beiliertt, Ton inehreren lliabbineril ans der Provinz theils directe, theils indirecte Beiverbungen ntigemeldet worden. Weiters theitl der Präsident mit, dass das Vertreter-Collegium sich iu 'allernächster Feit mit dem Rechinmgsschliisse pro 1901 beschäf. iiijcu iverde und dass dieser noch innerhalb des vom Statute vorgeschriebeiieu Termines, tvahrscheiniich Ende April oder Anfang :A'ai, die Pleltarversaminlitttg in öffentlicher Sitzung beschäftigen iverde. Ja Erividerung eiaiger Ansragell und Urgenzen aus früherer Feit theilt der Präsident mit, dass über seine Anregung da^ Eonntee für die Reform der inneren Verwaltung unter dem Vorsitze seines Dbinannes des Herrn Theodor Ritter v. Tanssig eine Sitztlng abgehaiten habe, ivelche sich mit der Angelegenheit der Bezirkscom- Missionen beschäftigte. Das Comitee wird seine Berathungen über diese wichtige Angelegeilheit demnächst fortsetzen. Den hervorragendsten Gegenstand der Tageoordnnng bildete die Organlsation des arztlicheii Dienstes im Spitate der israelitischen Ettlnisgemeinde im Hinblicke anf die neuerrichtete chirurgische lind ghnäkotogifche Viblheiinng. An der hierüber in sachlicher Hinsicht llnd ivegen Bestellung der Fnnrtivnäre in eingehender Weise durchgeführten Debatte betheiligten sich die Herren Oberbaurath Tailsslg. Theodor Ritter b Tanssig, Wllhelin Muffucr, Eltboge», Ebers,nanzrath T'r Rappapvrt. Vicepräsident Dr. Kohn. Baurath von Goldschmidt, Steiner, Eominerzialrath Leopold Pollack, Rudolf Austntz, Dr. Breuer uud laiserl. Rath Weil. Als Feitpuntt der Eröffnung der beideu neuen Vivlheiiungeil wird der Monat Mai i» Astssicht genommen. F)lnn Vorstande der chirurgischen Vlbrheiimig ist, ioie be-- iannt, Herr Docent Dr. Ltro Fuckerkalldt, zum Vorstailde der ghnäkotogischen Ablheilnng Herr Dr. »ari Fleischinann ernannt. F>t Eerinidarärzten lverdell bestellt: für die chirurgische Abtheilung Herr Tr. Hugo Schüller, für die gynäkologische Abtheilung Herr Dr. Leo Wechsverg, zum Hilssarzte für beide Abtheiluiigen Herr

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