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Jüdisches Volksblatt · 1902-04-11 · 15 (11.4.1902) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
15 (11.4.1902)
Date
1902-04-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt Nr. 15 Wien, Freitag I 1. April 1902 Seite 5 nia'fiuiiubifli' E cscheinnnn, bn|-ö in Fcnntteich (Heine nennt die Franzosen init Beziit-, ans ihre Tiiclüüstcit im Hanbet „die Juden des Ochristenthnnnch') die Silben pecabc ans bein (Gebiete bes Baut niib HanbeI-5>resenS lvenip hervorrlnzenb sinb, mit AnSnalnne des Expoeihanbels. ben sie injolpe ihrer inin^ebrachten OleschäjtSnnb Familienbertnnbnngen pjlepen. Die Boiltvnx, bie Secteian, die Panamahelben, bie Frankreich Non I Hst pj^ 1890 um nt. fünf APlliarben erleichterten, ivnssten ihre Ilnternehminigen jnbenrein zn erhalten. Die Eisen-, Z.ncteennb Dertit-Fnbnslrie, der Weiu- Handel, btt' die goldene Eier tepen, sind nahezu jnbenrein. Dapeacn finde» lvir Lölvy sein linear) als Direetor der Steenlvarte, Rt'annel s.?t. als Oleneeal-Jnspector der llniveesitäten. Lyvn-Eaen als Nebentenbslen Rechtsleheef, Dpprr Frank, Derenbonrn als Philologen, Auch bie drei kehlen sind eingelvanbert nnb lviirben jeder klniNersität zur;',ieebe gereichen. Und so lvie sich's in Frankreich Nerhäkt, ist es überall, lleberalk leistet der Jude ntehr als er empfängt. Nne in Einem hat Gyp recht. Die Ehen zlvischen Pertrachten Herzogen nnb reichen Jubcntöchtern finden lvir verabsthennngsivürdig — für Neide Dheile. Ob es aper gerade nobler ist, ivenn der Non GpP so gerühinte Olraf BoNi de Eastellane sein Wappen an eine amerikanische KeäineeStochtee verschachert, das mag dahingeskelll bleiben. Z,inn Schlüsse noch ein Eomplimenl an Madame (ßnp: Es dürfte wohl znm erstenmal geschehen sein, dass Olpp nicht nur eine (seile, eine Spalte, sondern sogar acht spalten ohne Pornographie geschrieben. vielleicht gewöhnt sie sich noch an einen, lvenn amh nicht anständigen, so doch nicht ekelhaft-erotischen Stil. Dir eine Schweinerei, die sie schließlich doch loslassen muss, ist aber so saftig ausgefallen, dass ich sofort meine alle Gyp und mein „D. Vvltsblatt" erkannte. Bcrcin für jüdische Geschichte nnd Literatur. Sonntag, beit! 3. d. M. findet int Festsaale des „Jüdischen Volksvereines", 2., Leopoldsgasse 49, ein Vortrag des Herrn Josef Schick über „Jllden inrter römischer Herrschaft" statt. Beginn 8 Uhr abends. Gäste lvillkommen. Galizischc lUechtsznslände. Ans Podwoloezyska schreibt man uns: Einige von beit hiesigen Bahnorganen beschwerten sich beim Jnspeetor des k. k. Bahnbetriebsarntes, hier, dass der hiesige Bcchnarzt Dr. Mieczyslaw Swiderski für jede ertheilte Visite ein ihm nicht gebürendes Honorar verlangt, und im Falle man ihm solches nicht gibt, er den Kranken nicht nntersuchen!vill. Der Jnspeetor, Herr Sigmnnd Arnold, beauftragte sofort den Stationscassierer, Herrn Smnuel Frisch, das Gegenwärtige in discretester Weise 31t untersuchen. Es wurden 45 Zeugen vorgernfen, die in Gegenwart des Directions-Controleurs Herrn Popowirz aus Lemberg den obgenannten Fall bestätigten, worauf die Staatsbahndireetion weitere Nachforschnngen gegen Dr. Swiderski einleitete. Der genannte Arzt, hatte das Geschehene in Erfahrung gebracht und klagte den Cassier Frisch wegen Verleumdung ein. Am 27. März karn die Angelegenheit Dr. Swiderski—Frisch vor dam hiesigen Gerichte seitens des Strafrichters Szulakiewiez zur Verhandlung. Der klagende Dr. Swiderski behauptete, er habe kein Honorar verlangt. Es wurden die Zeugen vorgeladen, und obzwar dieselben unter Eid ansgesagt haben, dass der nüimliche Dr. Swiderski bei Besuchen der Kranken von denselben eine Belohnung verlangt und genommen hat, wurde der Stationscassier Samuel Frisch wegen Verleumdung zu 14tägigent Arrest verurtheilt. Pr. Religionsschule der „Adas Jisroel" (Schiffsynagoge). Sonntag den 13. April, 9 Uhr morgens, findet die Prüfung an dieser dreiclassigen Schule für Knaben und Mädchen statt. Beth Hamidrasch 2., Grosse Schiffgasse 8, 1. Stock. Gäste willkommen. — Die Einschreibung für das Sommersemestov lvird am 30. April, 2—4 Uhr nachmittags, im Schullocale, 2., Kl. Pfarrgasse Nr. 12, vorgenommen. Der Vorstand. Ter all ge in eilte Kranken-Unkerskühu>tpS-Vcreiit „Nächstenliebe", 2., Praterstraße 60, hielt dieser Tage feine 34. orbentliche Generas-Versautmtnitg ab. Dem von ber Vereinsleitnng erstatteten Jahresberichte entnehmen lvir, dass ungeachtet ber burch bie Attstellnng eitteS zweite'n Arztes erhöhten Vertvaltungsauslagen ein Ge b a r u 11 g s ü b e r s ch u s s Non mehr als 1300 Kronen erzielt wurde, nnb basS auch ber Unterstntzultgsfonds eine sehr beträchtliche Zunahme erfahren hat. Dem Vorstanbe ivtirde für sente erfolgreiche Thätigkeit einhellig der Dank nnb die vollste Ancrkcnnnng der Versammlung attsgesprochett. Die Anregung bes Vorstandes zur (Oründnttg eines Witwennutz Waisett-Fottds-Vereines im Nahttten bes Vereines fanb lebhafte Zustimmung und wurde ein Coutitee zur Einleitung der vorbereitendett Schritte ttttb Ansarbeitttng der bezüglichen Statuten bestellt. Bei den darauf Norgenotnmencn Ergänzttugsivahlen wurden die Herren: Dr. Leopold Weis;, Hermann Ascher, Moritz Pollak, Cdmund Hofmaittt, Ignaz Kantor, Josef Grimm und Wilhelm Sitnoit neuerlich als Vorstandsmitglieder, die Herren Adolf Tratib, Mathias Kafka, Josef Schulhof und Johanit Lichtblau als Ersatzmänner nnd die Herreit Jsak Rosner und Jgttaz Noseufeld als Nevisoreit gelvählt. Hierauf erfolgte die Coitstituierung des Vorstandes und wurden hierbei Herr Dr. Leopold Weis; zum Obmann, Herr Josef Roseuzlveig zum Obmatnt-Stellvertreter, Herr Hermann Ascher zum Schriftführer, Herr Josef Grimm zum Schriftführer-Stellvertreter, Herr Gustav Planer zum Cassa-Verwalter, Herr Dr. Moritz Nathansohn zum Cassaverlvalter-Stellvertreter gewählt. Ausland. Die iltntionalisten in Paris an der Arbeit. Der „Gaulois" und „Echo de Paris" setzen zur gruseligen Belehrung ihrer Leser die aus bester Quelle geschöpften Enthüllmtgen über die Missethaten Grimms fort. Die antisemitischen Judett Pollak itnb Hirsch werden voit Officieren französischer und russischer Nationalität, für welche die Warschauer Festung nichts Verborgenes hat, in alle Einzelitheiten des Spionagegeschnftes eingelveiht. Sollten diese alllvissendett Gelvährsmäntter bei der „Parallelaetion" des DrehfuS und Grimm — dem Zwillingsverrathe, sagt Pollak-Polonais im „Gaulois" — etwa auch die Hände im Spiel gehabt haben? Ein solcher Verdacht lvird dttrch die Fiille von Mittheilungett wachgerufen, welche man in dett Spalten der beiden Blätter findet, naitteittlich 7m „Gaulois", aus dem man erfährt, dass Grimm seit der Verurtheilnng des DrehfuS ttoch frecher ttttd üppiger geworden lvar, lveil er sich seiner Sache sicher wähnte. Aber nein, so schlechte Bekanntschaften haben die Herren Hirsch und Pollak tticht, sie ivollen nur dem Kriegerstande und der „heiligen katholischen Kirche", der Ansdrnck ist dein Blatte der „achtzehn Juden" entlehnt, ihren Schutz angedeiheit lassen. Eoloichlitiviisnachrichteu. „American Jsraelite" bringt in seiner Nummer vom 20. März folgende Mittheilung: „Vom fernen Osten kommt mts die Nachricht zu, dass die Colonisatiott Palästinas als misslungen zu bezeichnett sei. Herr Cohett, der Leiter der Läminel Schnle in Jerusalern berichtet im „Jelvish Commeitt" vom 7. März, dass gegenlvärtig in ben Nothschild'schen Kolonien 3322 Kolonisten lvolnten, die e haben den Baron seit ihrer Einrichtttng ono non r Haler (:.= ca. iS Millionen Kronen) ge ko siel, und sind noch heule nicht in der Lage, sich selbst zu erhallen. Die Frage ist nun, tvenn die einzelnen Eolonien sich nach ztvanzig Jahren und nachdem sie acht Millionen Tbaler verschlungen, noch nicht fähig sind, fiel) selbst zn erhallen, lvie ans den vielen ilU'itlinnen, für ivelche im Wege der Eolonisalion ein Heim gefnnben lverden soll, ei» idealer Staat gebildet lverden soll, in ivelchem sich jeder selbst erhält?" ,chAatürlich," fügt „i'l. I." Hinz», „lvird es lvieder heißen, dass die Vertvaltnng an den Acisserfolgen schuld sei, kann aber die Bcissivirtschaft gar so groß sein, dass es den Eolouisten beinahe schlechter geht, als tvenn sich nieinand mit sie küinntern ivürde?" -- Dem soeben erschienenen Jahresberichte der „Jelvish Agricultiirisls Aid Societh" in Ehicago entnehmen wir folgende Taten. Die (ßesellscltaft vertheilt keine Alntosen. ^ie getvährl jedoclt Darlehen an Inden, die sich ba: Landwirtschaft widmen wollen. Das Darlehen lvird gegen Echiilbsclleine gegeben; die üiüchzahliingsbebingnngen sind je nach den Verhältnissen^die möglichst leichten. Während ihres Bestandes hat die Gesellschaft 105 Familien zinn Ankäufe von mehr als zlveitansenb Joch Laitbes verholfen. Der Bericht constatiert mit (Üenngthnnng, bass die Schnlbner in den meiste» Fällen ihre Schnlbscheine pünktlich eingelöst haben und dass der Werk des durch sie erlvorbeneit Landvesitzes seil dem Z'lnkanfe attss Vierfache gestiegen ist. Jiibische Gntigrontelt. 2l„S Liban sind, lvie mtS gemeldet lvird, im Atonale Decemver v. I. zlveihnndert jüdische wecken itach Argentinien l<-üb-Amerika) atiSgelvanbert nnb sind lvohlbehalteit kn Buenos-Ahres angelangt. — In Philadelphia sind in den letzteit sechs Monaten inSgesammt 3310 fremde Einlvanberer, darnnter st) I Inden angekominen. (O)egen 7532 freiitbe Einlvanberer mit 1121 Inden in ber gleichen Zeitepriode des Vorjahres.) Von den S04 jüdischen Einwanderern waren 353 Männer, 2(5(5 Frauen und 275 Kinder; (55 kamen aus Russland, ll<! mt3 Rumänien, (50 aus Galizien, 40 ans Ungarn, 2.3 ans Dentsehlanb, 4 ans England nnb 1 lvnrbe ans hoher See geboren. Unter den Einlvanderern, ivelche sich nach 57 verschiedenen Städteil ivaildten, befanden sich 205 anSgelerilte Ptechaniker. Jüdische Eolonien. Ans Odessa lvird gemeldet: Der vor einigen Jahren seitens der Negieruilg zum Pfleger der jüdischelt Eoloicien des Gouberllernents Jetatrinostalv ernannte Agroitoilt I. A. KvwalSkt (Christ) hat vor tnrzem einen amtlichen Bericht veröffentlicht, in ivelchem er den 10 000 südischen Bauern ein überaus glänzendes Zeugnis ausstellt. Sv äußert er sich u. a.: „Man muss selber längere Zeit tuchen jüdische it Dörfern sich aufgehalteu haben, um die Tilchtigteit, ben Fleiß und die Sauberkeit der jüdischen Bauern des Gvubernenlcnts Jekateriiloslaw ztl würdigen. Jedes jüdische Dorf macht ans den Frentden den Eindruck einer Musterlvirtschnft; die Straßelt zeichnen sich durch Neiillichkeit aus, und die Hauser sind mit Vorgärteit umgeben, in dencii die jüdische Bäuerin Ihr Gemüse uslv. baut. Keilt Dorf besitzt eilte Scheitle oder eine Verkaufsstelle für Schitaps. Die Leute sehen gesund und blüheitd atis, und die jüdischelt Necruten aus dieseit Döresrn lverden in der Regel zur Artillerie geuommen. Die vielfach verbreitete Ansicht, dass die Juden sich für die Landwirtschaft nicht eignen, wird durch die jüdischen Colvnien des Gvuvernellteuts Jekateriuoslaw gründlich widerlegt. Ich selbst bin bis vor lveuigeu Jahren dieser Ansicht gewesen, bin jedoch eines Besseren belehrt worden uild davon überzeugt, dass mtter gewissen Verhältnissen ans jedem Juden ein vorzüglicher Baltcr werden katm." Der Tabaksbau, welcher bis vor wenigen Jahren in Südrnsslaud in hoher Blnthe stand, ist seit dein Jnkrafttretetr des Gesetzes bont Jahre 1882, durch ivelche dem Bauer der Verlauf seines Produetes sehr erschwert wurde, rapid zurückgcgaugeil. Gegenwärtig liegt derselbe in ben beiden Gvuvcrnements Bcssarabien und Podolien ausschließlich in den Händen der Juden, bereit katifinänttisches Genie selbst unter den erschwerten Umständen günftigen Absatz zu finden weitz. Während unsere Glaubcnsgeuossen i. I. 1864 kaum 27 Percent aller Tabakplantagen besaßen, betrug das von ihnen bearbeitete Areal i. I. 1886 bereits 62 Percent und umfasst jetzt nahezu 99 Perceitt. Die Zahl der jüdischen Tabakspflattzer beläuft sich gegenwärtig. allein im Gouvernement Bcssarabien auf 900; mtter den von ihnen beschäftigten 4 720 Tagelöhnerit sind 3 431 — 92.3 Percent Juden und nur 289 Christett. Die Arbeit in den Tabaksplantagett ist eine überaus anstrettgende, erfordert große Umsicht und Sorgfalt und gibt dem Besitzer fast das ganze Jahr hindurch vollauf ztt thun. Sänuntliche Familiettmitglieder, einschließlich der achtjährigen Knaben, werden zur Mitarbeit herangezogen. Die Erträgnisse sind relativ sehr günstig, obgleich die Preise gegen früher erheblich ztirückgegangen sind. Dieselben betragett pro Heetar 6 Ceutner Tabak bei einem Durchschnittspreise bott 44 Rubel pro Ceuttter. Dabott gehen 36 Rubel Pacht und 180 Rubel Arbeitslöhne ab, so dass der und da ihnen der Erwerb, ja sogar die Pachtung bou Gruttd und Boden außerhalb der Städte verbotett ist, so übersteigt der Umfmtg einer jüdischen Tabaksplantage selten anderthalb Heetar. Aus Canada. Vor einem lnestgen Geri6)te hat sich kürzlich ein antisemitischer Conflict abgespielt, der bis vor die höchste Instanz in Canada und eventuell selbst vor den Geheimen Staatsrath in der britischen Reichsmetropole in London gebracht werden soll. Der Richter Papnulo ist als ein grimmiger Antisemit bekannt. Selten einmal, wenn je, hat ein Jude bei ihm einen Process gewonnen. Als neulich in einem Civilproeesse ein Jude der Verklagte war, sagte der Richter: „Es handelt sich um einen Juden." Der Vertreter des Verklagten, Rechtsanwalt Crantshaw, hatte das gehört und sagte daher, zumal der Richter sich sogar eine Verletzung der Processordnung erlaubte: „Obgleich mein Client ein Jude ist, hoffe ich doch, dass Ew. Lordschaft bei Ausübung der richterlichen Befugnisse nicht vergessen werden, dass im britischen Reiche alle ohne Unterschied der Abstammung und des Bekenntnisses gleich sind." Das nahm der Richter gehörig krumm, erklärte diese Worte für eine Beledigung des Gerichtshofes und verlangte eine Bitte um Entschuldigung. Der Anwalt erwiderte, er habe keine Ursache, um Entschuldigung zu bitten. Er habe nur gemäß seiner Pflicht seinem Clienten gegenüber gehandelt, besonders da Se. Lordschaft, als die Parteien aufgerufen wurden, bemerkt habe: „Es ist ein Jude". . . Der Richter suspendierte hierauf den Anwalt. Dieser will die Angelegenheit im Parlament zur Sprache bringen lassen und eventuell auch an den Geheimen Staatsrath in London appellieren. Die Juden in Finnlnnd. Der fiittilättdische Publicist Dr. Axel Lille, der früher die bont Genercilgouverneitr Bobrikolv im Jahre 1900 mtterdrückte Helsingsorser Zettnng «Nha Prässeit" redigiert hat, veröffeittlicht in der dänischen Zeitung „Politikeit" einen lvarmgefühltett Aufruf an die jüdischen 65enteiitde>t aller Länder, um ihre Aufmerksamkeit auf die überaus schwierige Lage der Judett in Finnland zn lenken. In Finnland besteht itoch immer das schwedische Gesetz vom Jahre 1762, welches dttrch eilte Verordnung vom Jahre 180(5 ergänzt ist. Diesen Bestiiitinungeit gctnäß dürfen sich frentde Judett tticht in Finnland inederlassen. Die 800 in Fiitnlattd lebenden Jtlden sind tilchtfinnlättdtsche Staatsbürger, obgleich die. incislen von ihnen im Lande geboren sind; sie leben „ans Pass", wie der kcclmisctze Ansbrnck lankek, nnb bürfeit nicht außerpalb der ihnen zlnn Anfenthalk zngelviesenen Siäbke lvohnen. In den bctrcsfenben Släbien bürfen sic nur selbslberfertigke Waren beriitnseil. Ans tu'ifil)u'bi'iici! Lnnbiagen in den Siebziger- und Achkzigerjahrelt lvnrbe der Versuch genittclN, die Ltige der Inden Zit belfern. Diese Versncbe scheiterten inbessen an dem Widerstande ber Geistlichkeit nnb Bauern. Jl» Jahre 1887 lvnrbe die finillänbische Regierung bei Kaiser Aterander dem Drittelt um eine Lösung der Judettfrage vorstellig, aber ohne Erfolg. Zwei Jahre später erließ die finnländische Ütegiernng ein ganz inertlvürdigcs Decrek, durch lvelches unter nndercin bestintnit lvnrbe, dass die im Lande ansässigen Inden jährlich 30 Dlieichsmark für einen russischen Pass nnb für einen alle sechs Btonaie zn crnenernbetr Ansenkhalisschein -zahlen svlklen. Die Inden sollken sich nur in geivijsen (Ltadtvierkeln anfhakten, nnb bas Merklviittbigste bmt allem, eS lvnrbe bcsliinink, dass die Kinder silbischer Familien, ivelche heiraten ober ihre Heimat verlassen ober in den rnssischetr Wehrdienst treteil, bas Anfenthaltsrecht verlieren. Tie öffentliche Meiililng empörte sich inbessen nnb die nnsinnigen Maßregeln siitd nie in ihrer Strenge ansgeführt worben. Aus New-Uork wird geschrieben: Dns Ghetto auf der Ostseite war eines Vormittags nahezu entvölkert, denn alles, was zu dem Stande der Hausierer zählt, war unter Führung von Abraham Benewitz nach der City Hall gepilgert, um sich beim Bürgermeister über die Chicanen zu beklagen, denen sie seitens der Polizei ausgesetzt sind. Als Sergeant Kennell, der die Wacht in der Mayors-Office hält, die nahezu tausend Mann starke Schar durch den Park marschieren sah, rief er die in City Hall stationierten Polizisten Phillips und Taggart herbei und befahl ihnen, die Leute vor den Thüren zum Hatten zu bringen. Dies geschah, wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten, und dann wurden etwa 15 Mann zugelassen — der Rest verweilte auf den Stufen der großen Freitreppe oder blockierte die Promenade in der Weise, dass die Blauröcke einschreiten mussten, um die Passage offen zu halten. Jene 15, meistens i Fischhausierer, wurden von Mayor Low in leutseliger! Weise empfangen. Benewitz erklärte Sr. Ehren, dass sie j gekommen seien, um ihn zu bitten, dafür zu sorgen, dass -i ihnen von der Polizei gestattet wird, ihrem Geschäfte nach-! zngehen und dass diese ihr Recht respectiere. Er sagte, , dass die Polizisten nicht nur stricte auf die Ordonnanzen bedacht seien, sondern noch viel weiter giengen und ihnen! fast alle Freiheit nähmen. Schließlich erstaunt, erklärte der - Mayor, es sei das erstemal, dass er von solchen Zu-; ständen etwas erfahre. Er ließ Marschall Brown rufen, und dieser erklärte, dass bis jetzt keine Beschwerde bei . ihm eingelaufen sei. Der Mayor gab Benewitz den Rath,? schriftlich in der Marschalls-Office einzukommen, und dieser Würdenträger soll dann der Sache auf den Grund gehen : und berichten. I - DieAdvocatieimjüdisch-nationalen! Lichte. | i —IN—n. Di« feit dem 1. Jänncn 1898 in Wirksam- ' keit stehenden Procefsgesetze haben einen verheerenden Einfluss auf den österreichischen Advocatenstand geübt und zwar in materieller nnd ethischer Beziehung. Die neuen Gesetze haben nämlich das Einkommen der Advocaten auf einen Tiefstand gebracht, der nicht einmal das für andere Berufskategorien gesetzlich angeordnete Existenzminimum erreicht, weiters haben sie — und das ist die ethisch bedenkliche . Wirkung — das Ansehen der Advocaten vernichtet, i In erster Linie kommen folgende Umstände in j Betracht: | Der Wegfall der Proeessschriften hat als natürliche Folge ein geringes Erträgnis der Processe mit sich gebmcht. Es hätte dies allerdings nicht in dem Maße geschehen müssen, als es thatsächlich der Fall ist, denn das mündliche Verfahren stellt lveit höhere Anforderungen an den Advocaten als das schriftliche. Der Advoeat muss schlagfertig, beredsam sein und em treues Gedächtnis haben, soll er heute bestehen. Er muss wohlvorbevcitet, mit genauer Actenkenntnis ilnd nach mühsamer Bearbeitung der Jndicatnr und Literatur des concreten Prvcessfalles zur Verhandlung erscheinen. Man sollte, glauben, dass diese Atühen angemessen honoriert würden. Allein die alte Processordnung hat depravierend aus die Grundlagen der richterlichen Benrtheilun-g gelvkrkt, man war gewöhnt, nach der Anzahl der: Bogen die advoeatorische Thätigkeit Ztl bewerten und da nun ivenig geschrieben wird, so lvird auch wenig an Kosten bestimmt, denn die Richter haben nicht gelernt, die Leistungen der Advocaten nach der Qualität zn lvürdigen. Zu diesein Uebelstande, der. wohl erst nach dem Aussterben der derzeitigen Richtergeueration beseitigt sein wird, kommt noch hinzu, dass die Agenden der Advoeatur erheblich vermindert wurden. Es geschah dies zunächst dadurch, dass einerseits die Competeuz des Gewerbegerichtes über weite Juteresseukreise ausgedehnt lvurde, andererseits aber die Vertretung dtirch Advocaten vor dem Gelverberichter ausgeschlossen ist. Die jungen Advocaten waren fast ausschließlich auf eine Clientel aus den Kreisen angewiesen, welche derzeit dem Gewerbegerichte nntcrstehen. Der Wegfall der Processschreibereien, verbunden mit dem von der Justizverlvaltung nur für Advocaten statuierten Verbote, juristisch nicht gebildete Beamte zur Verrichtung von Tagsatzungenzu verlvendeu, hatte zur Folge, dass die Advocaten durch lange Jahre geschulte Beamte auf das Pflaster setzen mussten. Da nun ein Anwaltszwang in den loeitaus meisten Rechtssachen, nämlich bis zur Streitsumme von 1000 K., nicht besteht, so bemächtigten sich die Kaufleute gierig eines Theiles des brotlos gelvordenen advoeatorischen Personals, und so gedeiht denn üppig ein angestelltes Winkelschreiberthum bei allen Bezirksgerichten.

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