Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 15 (11.4.1902)
- Date
- 1902-04-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt Seite 3 11. April 1302 Interesse der Untersuchung zu erwirken und, genau im Sinne des Uebereinkommens, wurden „am Abend die Mädchen dem Gemeüwerath Schwer durch einen Geheimpolizisten überstellt und das Dienstmädchelr Theresia Jedlicka von einem hervorragenden Arzt und G e s i n - n it n g s g e n v> ss e n , dessen Glaubwürdigkeit f ü r n n s über einen jeden Zweifel erhaben ist, ä r z t l i ch n it ter - s u ch t". 9citn freut Euch, Inden, stellet dem Herrn Hanns Arnold S ch w e r und seinem Gesinnungsgeiwsseir ein« Monument, schlichet sie in Eure Gebete ein, denn es hat ihnen beliebt, zu constatieren, „dass von irgend e i n c r B lnt - a b z a p f u n g b e i T h e r e s i a I e d l i ck a a b s o - lut n i ch t g e s P r o ch e n w e r d e n k ö ir n e". Der Ansgang der polizeilichen Untersuchung erscheint ja jetzt schon als Nebensache. Das Herz bleibt einem, stille, das Blut erstarrt in unseren Adern bei dem Gebanken, dass der „hervorragende Arzt und der Gesinnungsgenosse" des Herrn Schwer, aus welchem. Grunde immer, ein anderes Parere hätte abgeben können!. Dann hätte die große Meineidfabrik wieder ihre Pforten aufgethan, daun wäre die ganze antisemitische Mente losgelassen, dann hätte eventuell eine unschuldige Familie ins unsäglichste Unglück gestürzt! werden tonnen, und wir hätten hier, in der Reichshanpt- und Residenzstadt alle die hübschen Seenen wiedererlebt,! wie sie von diesen Raubrittern ohne Furcht vor dem' Gesetze in den letzten Jahren da unb dort in der Provinz/ angezettelt wurden. * lieber die zwei Dienstmädchen lässt sich nicht viel. sagen. Sie sind Kinder ihrer Feit, in ihrem Hirni spiegelt! sich der Geist ihrer Lehrer und ihrer Umgebung ab. Sie; wähnen in der Tasche eines jeden Inden ein großes * Schlachtmesser, das auf sie! lauert, für sie ist Maggis Fleischextract im Hause des Juden Ehrntenblut, das ersetzt werden umss, wenn es alle geworden. Sie sehen den Juden als ein. nothwendiges Uebel an, von dem man sich bezahlen lassen kann, ihm aber in jedem Angenblick mit einer Anzeige wegen versuchten Nitiiialmordes drohen darf. Sie glauben an einen Nitualimord, weil ihnen dieser Glaube in Schule und Kirche beigebracht wurde. Aber luannn sollten die in i n i st e r das höfli ch e a b e r b r i n g ende (5 r s u ch e n , i n di e. s e. r sJf n g c lege n heit o h n e N c r z n g n n b mit alt e r S t r e n g e s e i n e s A m t e s zu Wal t e n , denn die Sicherung einer vorurtheilsfreien, gesunden Erziehung ist viel wichtiger, als die Frage einer Parallelelasse in Eilli. Und mm zum Schlüsse noch ein Wort an. die jüdischen Frauen! Ziehen wir doch die einzig nützlichen und einzig hoben. Tie subventionierte Presse freilich wagt nicht ein Wort ber Kritik. b'ragt man nach den Gründen der Verschiebung, so - erhält man eine merkivürbige Auskunft: Der Vorstand will 20 Probecandidaten predigen lassen und dazu ist im ^onuuer keine Zeit, weil die Herren Vorsteher im Juni bereits ihre Villen beziehen. Die Gemeinde muss des- Ivegen warten. Man wird begreifen, dass uns diese Argm antzerordentlich humanen Institutionen auch die Frage eines jüdischen Dienstbotenheims lösen soll. Demüthigen >vir uns nicht mehr, indem, wir jedes sich uns anbietende chrhtliche Dienstmädchen erst schüchtern fragen, ob sie auch „zu Juden gehe", um dann hoch erfreut zu sein, wenn eine sich herablässt, für theures (Held bei einem Juden zu arbeiten, während viele Hunderte brave jüdische Dienstmädchen brotlos sind. Nehmen wir nur jüdische Dienstboten auch den Antisemiten zugefalleir und — uns zuliebe. Wir werden, uns noch mit! dieser Frage eingehend beschäftigen. Wir ersueheu jedoch schon heute all diejenigen wahrhaft^ jüdischen Frauen, welche sich dieser für das jüdische Familientebn wichtigen Action anschließen wollen, ihren diesbezüglichen Mm sch der Leitung des „Jüdischen Volksvereines", 2., Leopoldsgasse -10, bekanntgeben zu wollen. Katecheten in den. böhmischen Dörfern, und in den Provinzstädten mit dieser die Geinüther vergiftenden, lügenhaften Lehre znrückhalten, wenn hier, am Sitze der Universität, der Akademie der Wissenschaften und anderer wissenschaftlicher Anstalten, sich der K a. t e ch er d e r st ä dtis ch e n S ch u l e in d e r G l a s e r g a s s e , wie uns der Vater eines diese Schule besuchenden Mädchens mittheilt, nicht entblödet, seine Schülerinnen zu warnen, s i ch j e tz t v o r den Juden z u hüten, de u u s i e b r a n ch e n fetzt C h r i st e u b lut z u i h r e m P e s; a ch f e st e. Da ist es Pflicht der oberen Uuterrichtsbehörde, sofort eine Untersuchung eiuzuleiten, denn solche Worte aus dem Munde eines Priesters während des Unterrichtes involvieren nicht nur eine Aufreizung ad hoc, sondern bergen die seelische Vergiftung einer ganzen Generation in sich. Wenn diese Mittheilung wahr ist, und wir haben keinen Grund, in die Worte unseres Gewährsmannes Zweifel zu setzen, dann kann man einem solchen Manne wohl die Bewachung einer Schweineherde, aber nie und nimmer die ethische Erziehung einer ganzen zukünftigen Generation anvertrauen. Wir ft e 11 e it dahe r a it d e n H e r r n ll n t c r r i ch t s - mußacbende Factor ist, be stieb rächt zu haben. Jedermann kann diese Beweise beliebig oermehren, da man in der Geschichte der Menschheit und im täglichen Gebell fortwährend auf Belege hierfür stößt. Selbst für einen Anhänger der exacten Forschung, dem nur das Experiment imponiert, hat die Natur in Bezug auf diese Frage mit einem solchen gesorgt. Jedermann stellt nämlich bezüglich seines politischen Charakters im Leben ein solches „Experimentum ad hom inein" dar. Wir sind alle, mögen wir abstammen bon wem wir wollen, in der Jugend radicaler, liberaler, weniger eonserbatili als im Alter. Da wir das bei jeder Art Erziehung, bei jeder Art Umgebung beobachten können, so kann auch nicht in diesen Ursachen der angebliche Grund der Erscheinung liegen, sondern in der Natur jedes einzelnen Menschen. Diese Erscheinung ist nämlich auch eine Folge der Vermischung und der Inzucht und also eine Wirkung unseres Blutes imb seiner natürlichen Eigenschaften. Jeder Mensch ist daS Product zweier in ihren Charakteren verschiedener Zellen, des männlichen Spermas und der weiblichen Eizelle. Wiir werden das große Geheimnis deS Lebens nie bollständig erforschen können; so oiel wissen wir aber heute, dass die Vereinigung zweier heterogener Elemente nicht nur in der organischen, sondern sogar in der anorganischen N'atnr Erscheinungen herborrnft, welche wir als Symptome des Lebens, als Bewegung, Wärme, WnchSthnm nsw. bezeichnen. Wenn also auch mit der Vermischung der beiden verschiedenen Eizellen und deren Folgen die Erklärung des Lebens selbst noch nicht gegeben ist, so ist es doch zlveifellvs, dass z. B. das erhöhte Wachsthnm, welches sich von dem Momente der Vermischung in der min befruchtete» weiblichen Eizelle einstellt, eine Folge der Vermischung ist. Mit diesem erhöhten Wachsthnmstrieb der Zellen steht in Correlalion eine erhöhte Belveglichkeit und Anpassungsfähigkeit der Zellen, alles Erscheinungen, Ivelche wir im Kindesalter und so lange das erhöhte Wachsthnm dauert, beobachten können. Je näher ivir also in unserem Leben der Vermischung des Blutes, wie sie bei jeder neuen Zeugung vor sich geht, stehen, desto belveglicher und anpassungsfähiger sind noch unsere körperlichen und geistigen Charaktere, desto! liberaler ist darum auch unser politischer Charakter. Wir tonnen diese Thatsache sogar an den jungen Thronfolgern beobachte», Ivelche doch sicher ans enger Inzucht stammen, gelviss konservative politische Charaktere von ihren Ahnen vererbt erhalten und deren Erziehung und Mille» stets vorwiegend conservativ ist. Und doch sind sie alle i» der Regel weniger conservativ, als ihre Räter, ja stehen nicht selten in dem Rufe des Liberalismus. Je älter wir aber werden, je öfter sich quasi der Körper aus seinen Zellen durch engste Inzucht derselben, d. h. Sprossung, Knospung, Theilung, neugebärt, desto mehr sehen Ivir, wie die Zellen und mit ihr die Organe von ihrer Elasticität und Anpassungsfähigkeit an Veränderungen der llmgebnng verlieren. Und da das Gehirn diesem Processe ebenso tinterworsen ist, wie die anderen Cir gane, so wird auch der Geist immer schlverfälliger und ungeeigneter, sich in neue Verhälinisse zu finden — kurz, Ivir werden in allein unseren Thun lind Handeln conservativer, lieben mehr das Gewohnte Zur Raübinerfrage. j Seit vielen Jahren besteht bereits das Bedürfnis nach einer Vermehrung der Rabbiner an der Wiener israelitischen! Cnltn.sqemeinde, beziehungsweise nach Bestellung jüngerer Kräfte für das Predigtamt. in den Gemeindetempeln. Das Publicum hat dieses Bedürfnis wiederholt und in ganz eindringlicher Weise zum Ausdruck gebracht. Zunächst wollte der Vorstand mit der Bestellung eines Hilfs- Predigers diesem Bedürfnis abhelfen, allein die Vertrauensmänner haben am 20. Nov. v. I. dem Vorstand in einer Resolution rlmdweg gesagt: Wir brauchen keine untergeordneten Hilfskräfte, sondern die Bestellung neuer tüchtiger Prediger.! Endlich hat auch der Vorstand in. seiner letzten Plenarsitzung den Antrag zum Beschlüsse erhoben, zwei neue Prediger für Wien, zu bestellen. Das Publicum hat. die Nachricht mit Befriedigung ausgenommen, in vielen Kreisen aber war mau misstrauisch, ob man es nicht mit einem Manöver zu thun hat, um lediglich den Schein des guten Willens zu erwecken. Das dürfte aber auch der Fall sein, denn wie nun verlautet, soll die Ausführung dieses Beschlusses bis zum November fistiert werden. Im November kommen zunächst, die Neuwahlen des Culkusvorstandes und dann -— kommt Zeit, kommt Rath. Ein merkwürdiges Missgeschick will es haben, dass der Vorstand zur Lösung dieser Frage, so lange Jahre sie bereits auf der Tagesordnung steht, niemals gelangen kann. Immer stellen sich Hindernisse ein und finden sich Vorwände, die Lösung hinauszuschieben und zn vertagen. Im Publicum wird dieses Verhalten des Cultusvorsiandes streng missbilligt. Das „Jüdische Volksblatt" , hat bereits gegen diese Verschleppung seine Stimme er- und hassen wehr da-s Neue. Die Krankheit des Greisenaltcrs — senectus ipse est morbus — besteht demnach unter natürlichen Verhältnissen in nichts anderem, als in einem fortwährenden Nachlassen der Elasticität der Zellen in einer immer stärker werdenden Erstarrung mtb Unfähigkeit der Organe, äußeren und inneren veränderten Verhältnissen sich anzupassen, alles Erscheinungen, Ivie sie ( eben die engste Inzucht der Zellen in der Natur überall mit der Zeit ' hervorbringt. i Und wie als Folge der langdauernden engen Inzucht der Familien ein Nachlass der geschlechtlichen NeproduetionSkraft und damit ein Aussterben der Inzucht-Familien und durch Erstarrung der politischen Charaktere ein Zngrnndegehen der Jnzuchtkasten eintritt, so verliert sich auch beim Einzel-Individuum zuerst die Fähigkeit, sich fortznpflanzen und erscheint dann infolge der Inzucht der Körperzellen der Tod als letzte Conseqnenz der znnehmen- . dcn Erstarrung und vollständigen Unfähigkeit derselben sich anzupassen. Der Tod war als Folge der engsten Inzucht der Körperzellen; stets in der Natur. In die Familie und in die Kasten in der Form des Aussterbens imb des politischen Zngrundcgehens derselben kam der Tod aber erst, als der Mensch ansieng, vom Baume der Erkenntnis zn essen, d. h. als er ansieng, den Weg der Cnltur zll betreten uiw durch engere Inzucht führende Familieic und Kasten zu züchten.! '1 A. Neibmahr, Inzucht und Vermischung beim Menschen. Wien 1dw7. S. 82. ' 0 lieber das Aussterben der Familien aus führenden Kasten! siehe: Inzucht und Vermischung, Zusatz S. 261. i 0 lieber die Ahnenverlnsle bei Inzucht und deren Bedeutung ' siche Prof. Dr. Lorenz: Lehrbuch der Genealogie.! ch Dunker, Griech. Geschichte. 6,!>80. ' ") Erst um daS Jahr 217, als der Herrenstand ans eine! kleine Zahl zusammengeschmolzen war, wurde Sparta ummauert. I °) Thulhdid. 1, 71. ’) Wie rasch sich auch beim Menschen der Charakter der Unterlvürfigkeit bildet und firiert, belveist uns auch eine Beobach-! tung über die Sclaven bei den Römern. Die Rasse von Sclaven, Ivelche im Hause gelwren lvar, Ivar vielfach beliebt. Cieeros Freund! Attiens hatte nur Sclaven, welche im Haufe geboren und anserzogen ' waren, und lobt sie wegen ihres unterwürfigen, folgsamen i Charakiers. j Die Ivcitans größte Zahl der römischen Sclaven Ivar aber noch ' nicht durch diese künstliche Zuchtwahl gegangen, und die röncische I eschiclite iveiß zn erzählen, lvie gefährlich diese nur durch Geivalt, nicht dnreli die Natur gezähmten Sclaven selbst dem festgefügten römischen Staatswesen und ihren Herren oft geworden sind. 0 Athen hatte selten inehr alsJW 000 Bürger. ") So hören wir, dass nach der Schlacht von K'oronea auf einmal 20 000 Nketoiken und Sclaven zn Eupatriden gemacht wurden. Dieser Proeess wurde sehr anschaulich von Otto Sceck in seiner Arbeit „Der Untergang der alten Welt" geschildert. ") Gedanken und Erinnerungen. 1, S. 11. höher steht und wichtiger erseheint, eignet sich im vorhinein nicht für das Vorsteheramt, und dass man es thatsächlieh mir mit einer Ausflucht und einer Ausrede zu thim Hat, ergibt sich aus der Thatsache, dass der Cultnsvorstand, wellher am 20. November die Vertranensmänner einberufen hat, um ihnen einen einziqeiv Candidaten in Vorschlag zu bringen, heute, nachdem jene Vertrauensmänner wenigstens einen Ternavorschlag verlangt haben, erklärt, er müsse z w a n z i g Eandidaten predigen lassen. Also zuerst hat der Vorstand der Gemeinde die Bestellung eines lllabbiners ohne Probepredigt und ohne Ternavorschlag ziigemnthet; weil man einen Temavorschlag verlangt hat, antwortet der Vorstand, er werde 20 Gastprediger kommen .lassen, und da derzeit die Zeit nieht himcicht, so müsse die Lösung der Frage wiederum vertagt werden; das ist eine Verhöhnung der Gemeinde niid der Nesolution der Vertrauensmänner. Zwanzig Gastprediger.' Gibt es denn in der That zwanzig Bewerber, welche der Vorstand ernstlich bei der Besetzung einer Wiener Nabbinatsstelle in Betracht ziehen kann? Nach langen Umfragen ist es uns gelungen, die Liste dieser 20 Glüeklichen zu erfahren und wir können mit gutem Gewissen erklären, dass unter diesen nieht 6 ernste Candidaten sieh finden. Um diese 6 zu hören und über sie die Entscheidung zu treffen, reicht die Zeit bis zum 1. Juni sicher ans. Wenn man mit der Gemeinde keinen Spott treiben lind die Vertrauensmänner wegen ihrer Nesolution nicht zu strafen beabsichtigt, führt man keine 20, keine 15 und keine .10 Probepredigten auf. Freilich, wenn man Nücksichten der Courtoisie walten lassen und den Gevattersehasten zu Gefallen sein will, dann muss man. viele anhören, mir zu dem Zwecke, damit sie sagen, dass sie dabei gewesen sind. Das ist aber für eine Wiener Gemeinde durchaus nnwürdig und dagegen kann nicht laut genug protestiert werden. Jedenfalls ist das Schauspiel der Probepredigten ein sehr unwürdiges. In einem Artikel der „Allgemeinen Zeitlmg des Judenthnms", begründet von Dr. Ludwig Philippsohn, vom 16. Anglist 1901 wird unter dem Titel: „Ursache und Wirkung über den Verfall des Judenthmns und über die Fahnenflucht" manchen unerquickliehen Ansehannngen aus dem Gemeindeleben eine Betrachtung gewidmet, in kvelcher es unter anderem heißt: „Eine derselben ist ohne Zweifel and) die Form der Nabbineranftellungen in den Gemeinden,. Das Abhalten! von Probepredigten macht die Synagoge für eine Weihe von Wochen, ja oft von Monaten zu einer Arena, in welcher die Athleten einander ablöseu, alle fühlen sich von dem Sehanfpiel angelockt, den Probeeandidaten zu hören, ihn zu sehen, wie er agiert, „wie er sich räuspert". Der nachfolgende Candidat erkimdigt sich bei einem der Herren, der. es sich angelegen sein lässt, den Gast über Vermögens- und Familienverhältnisse auszklforschen, nach dem Candidaten, der die Woche, vorher gepredigt, ob er Beifall gefunden, um danach feine Maßnahmen zu treffen, ihm den Rang abzulanfen. Es fehlt in manchem Falle sogar nicht viel daran, dass der eine oder der andere im Drange der Situation fast an den Paragraphen, vom unlauteren Wettbewerb streift. So sinkt der erhabene Beruf eines altehckvürdigen Standes zur gewöhnliehen Ware, einer müvürdigen Coneurrenz herab." Die „Allgemeine Zeitung des Jndenthnms" vertritt die fortschrittliche Richtung im deutschen Judenthmn. Hören wir aber eine Stiinme aus dem conservativen Lager. In der „Jüdischen Presse" des Herrn Dr. Hildesheimer Nr. llck vom 2-1. August 1900 lesen wir in einem Leitartikel „Wann endlich?" folgende Sätze: „Ueberall herrscht das System der Berufung nach , vorheriger Erknndignng über persönliche Befähigung; alle i Beamten, Richter, Gymnasiallehrer, Professoren,^ Acinisterialräthe werden befördert und versetzt nach früheren Leistkingen iw Berufe oder je nach dem Ausfall ihres Eramens. Die Rabbiner nur theilen sich mit den — Schauspielern in dem Ehrenrecht, vorher ihre Kunst-! leistnngen öffentlich zu produeieren, ehe man sie engagiert." „Darum fort mit diesen öffentlichen Schauj stellknigen." ' „Man überlasse die Gastvorstellungen den — Theaterintendanten." Angesehene jüdische Großgcmeinden haben in den letzten Jahren thatsächlich auf derlei Schaustellungen und Anhören von Probepredigten verzichtet. Die jüdische Gemeinde in Berlin hat im vorigen Jahre den Rabbiner De. Eschelbacher bestellt — ohne Probepredigt, die jüdische Gemeinde in Frankfurt a. M. hat in diesem Jahre den Rabbiner Dr. Seliginann berufen - ohne Probepredigt. Nach! Hamburg Ivurde R'abbiner Dr. Nieger berufen - - ohne Probepredigt. Wenn der Wiener israelitische Cultusvorstand noch immer auf Probepredigten nicht verzichten mag, so sollte man auf ein Minimmn das Uebel reducieren, und es wäre eine Versündigung gegen, den guten Geschmack, 1 durch ein Massenaufgebot das ganze Institut zu einer