Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 15 (11.4.1902)
- Date
- 1902-04-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Freitag’ Jüdisches Volksblatt 11. April 1902 Nr. 15 gieren, am allerwenigsten dürfen wir den natioimll'i: Unterdrückungsbestrebungelr deutscher, slavischer, italienischer oder magyarischer Chauvinisten, unsere Unterstützung angedeiherr lassen. Der Feldruf der österreichischen Juden kam: immer nur lauten: Für das j ü d i s ch e N o l k, für eine r a d ic a l e S o c i a l r e fvr nt, f ü r e i u g e gen all e s r i u e Volk e r g e r e ch t e s O e st e r r e i ch! Die Wahl La der Rotunde. Mit einer Erbitterung, wie sie selbst unter politischen Gcgnerir selten ist, standen sich am lebten Sonntag die chrytlichsoeialen und socialdemokratischen Haitdltingsgehilfen gegenüber i die Berichte über die Atlsschreitungen. nach der Wahl lesen sich fast wie Schlachtbulletins. Ein orthodoxer Marxist utüsste sich eigentlich die Frage stellen, wie dies Denn möglich sei, da christlichsociale, sowie socialdemokratische Gehilfen unter ebenderselben öconotnischen Nothlage stehen. In demselbeit Matze, als sich die Gegensätze zwischeit den „Proletariern" verschärften, vermilderten, ja verwischten sich die Gegensätze zwischen den „Chefs" und, den Angestellten. Tie „Chefs", diese hartherzigett, rücksichtslosen Ausbeuter, fraternisierten mit ihren Opfern und die Opfer mit ihnen. In allen Atlsbeuterorganen, wir bedienen uns des tnarxistischen Jargons, waren herzbewegende Aufrufe zu lesen, ittir für wahrhaft „fortschrittliche" Candidaten 511 stimmen aus der einen Seite, auf der anderen Seite nur für die „christlichen" Männer. Kurz und gut, jeder, der Augen Zttm Sehen und Ohren zum Hören hat, wessen Gehirn noch nicht gaitz durch Chauvinismus oder Dogmatismus benebelt ist, konnte am letzten Sonntag sehen und hören, dass es nicht die Brotfragen sind, die einzig und in echter Linie die Menschen bewegen. Es handelt sich bei der Wahl in der Rotunde nicht darum, ob die christlichsociale Partei oder diechocialdemokratische siegen solle. Nein, der Kaittpfruf hieß:. Hie Arier, Hie Jude! Das ist die Lösung des Räthsels. Deshalb schloss der jüdische Fabrikant mit dem jüdischen Buchhalter, der jüdische Kaufmann ntit dem jüdischen Commis einen Bund; bewusst und unbewusst, eingestanden und nicht eingestanden fühlten sie, dass es sich nicht darum handle, ob die Lage der Handelsangestellten nach der christlichsocialen Heilslehre oder nach dem socialdetnokratischen Necepte verbessert werden solle, sondern ob die Juden in eirrer Körperschaft, iit der sie die Mehrheit besitzen, die Macht, wirklich auch in den Händen haben sollen oder nicht. A m Sonntag i st d r e M ö g l i ch k e i t einer tt a t i 0 n a l e n Politik glänzend d 0 c rt m e n t i e r t w 0 r d e n : die C l a s s e n u n t e r s ch i e d e fielen, und Unternehmer u n b A nge st ellt c r f ü hlte n s i ch a l s G l i e d e r eines Volke s. Hinter all dem Geflunker und Gerede von Pick und Genossen steht ernst die R a s s e n f r a g e. Und das wird auf der antisemitischen Seite gar nicht geleugnet. Die Armanns nehmen sich nicht einmal die Mühe, das socialdemokratische Programm 31t widerlegen : sie rufen einfach die Arier zum Kämpfe gegen die Semiten ans. Aber geleugnet wird es auf der jüdischen Seite. Alle diese Juden brauchten erst ein allgemeines Programm, hinter dem sie sich verstecken können, um zur Wahlurne zu gehet:. Sie brauchen eit: allgemeines Programm und haben glücklich das soctaldcmokratische geftmden, 0 h tt e f i ch a n ch n u r d i e M tt h e z u g e b e n, ttachzudettket:, was sie, die Wiener jüdischet: Hattdelsattgeslellten, u: der socialdentokratischen Partei zu suchen haben. Siitd sie Proletarier? Neitt, und abermals neit:. Sie müssett ihrer ganzen Lebenshaltung nach eittschiedeir zum Mittelstände gezählt werdet:, ihre materielle Lage ist entschieden besser als z. B. die der jüdischen Aerzte; der einzige Uebelstand ist die lange Arbeitszeit und die Unsicherheit ihrer Austellttng. Das sind gewiss zwei schtverwiegeitde Factoren; aber gebet: sie ihttet: das R'echt, sich der Partei des Jttdustrieproletariats auzuschlietzeit. Das sittd doch zwei verschiedene Welten! llitd wenn dies alles tücht ii: die Wagschale fiele, so müssten sie doch einsehen, dass die Erfolge der socialdemokratischen Doctrit: z tt n ä ch st auf ihr e 11t R ü ck e tt ausgetraget: werden. Wir wollet: nicht darüber sprechen, dass die marxistische Doctrit: ihren Hauptberuf, den Zwischenhandel, einfach ansschalten will aus den: tttoderuet: Berufslebet:; die Marxislett ttehmen ihre Theoriet: nicht zu genat: uttd die liebet: Hattdelsgehilfet: denket: tücht so weit. Aber etwas müssen sie sehen, und etwas müssen sie wissen, meint sie nicht als frivol vor aller Welt mit Recht dastehen wollet:. Die ganze neuzeitliche Verstadtlichungs- und Verstaatlichungspraxis ist Geist vom Geiste Marx' und Fleisch vom Fleische Marx'; und diese ganze Praxis bedeutet für uns ein schrittweises Zurückdrängen der jüdischet: Angestellten. Dieses Argument ist doch hoffentlich fasslich genug, um dem jüdischen Gehilfenstande einzulertchten; ob nun diese Euttvicklung unaufhaltsam ist oder nicht, unmöglich kam: es die Aufgabe der Juden sein, diese Entwicklung zu beschleunigen. Cs liegt uns ferne, die jüdischen Gehilfen, die noch berauscht sind von ihrem letzten Siege, mit diesen Erörterungen zu kapern; wir sind nicht solche Optimisten. Es liegt uns ferne, auch ihre Kreise zu stören; wir Haben deshalb vor der Wahl geschwiegen. Aber jetzt 1: a ch der Wahl erachten wir es für unsere Pflicht, unsere Stammesgettossen zur Einkehr zu mahnen. Für das jüdische Volk ist cs nie zu spät zur Umkehr; aber eine einzelne Classe kam: durch das Unverständnis einzelner leicht zugrunde gerichtet tverden. Wir erachten es als unsere Aufgabe, die jüdischet: Handelsangestelltct: daran ztt erinnern, dass sie nicht nur 'in der antisemitischen Backstube lebendig, denn cs muss für eit: frischgebackenes Blutnmrchet: gesorgt werden. Und wir müssen offen gestehen, diese Bande von Fälschert: und Lügnern, diese Sippschaft, die sich nur im Schlamme der Niedertracht bewegt, hat Muth. Sie hat de» Muth des Bluthundes, der, wenn er sieht, dass sich keiner findet, der ihn in seiner blutdürstige!: Arbeit hü:dert, sich bis in die bevölkerte Stadt hitteinwagt. In Polua ist es gelungen, die nächste Statiot: nutsste Wien, der Herrschaftssitz der Antisemiten, sein. Die Angelegenheit, die uns zu diesen Auslassungen veranlasst, dürfte unseren Lesert: aus det: Tagesblättern bekannt sein. Bei den: in der Pramergasse 26 wohtchaften jüdischen Privatbeamtet: Leopold K' r a n s waren zwei böhmische^ Dienstmädchen, Theresia Jedlicka und Auguste H r u s k a bedienstet. Während der christlichen Osterfeiertage erhält Herr Kraus det: Besuch zweier Verwandten, von denen der eine, der Cantor W e iß aus Budweis, die zwei Dienstmädchen seinem Schwager empfohlen hatte. Eines schönet: Morgens spaziert die Jedlicka mit verbundenen: Kopfe umher, zeigt jedem, der es toüitscht, je eine Ritzwunde auf den Vorderarmen, klagt über Mattigkeit, die Hruska thut das Gleiche, und „das Gerücht verbreitet sich", dass im Hause des Kraus an den zwei Dieustmädchei: Blntabzapfungen zu Nitualzwecken vorgeiwmmen wurden. Und min fäitgt derBluthund ztt wittern am das Nitttalmordorgan verspürt plötzlich feine einzige Existenzberechtigung und erfrecht sich, erntuthigt dtirch. seine Erfolge in Poltta, vor den Augen dev Staatsanwaltschaft die Bcsprechmtg des Falles mit den Worten zu schließen: „Unseren Lesert: diene zur Beruhigut:g, dass wir über diese so n:ysteriöse Attgelegenheit eii:gehende Erhebungen eingeleitet haben und jeden: Versuch, bile Wahrheit zu vertuschet:, mit aller Entschiedenheit entgegentveten' tverden. Die Polizei fordert: w i r auf, det: Act der Staatsanwaltschaft sofort abzutreten, wir unsererseits werden nicht sä tunet:, das u tt s e r e zu ihm:!" Doch da tvirft sich unwillkürlich die Frage auf — und sie kam: tücht oft und nicht laut genug aufgeworfen werden —: Sind wir dem: in Oesterreich in der That schon so weit gekonMten, dass eine besondere, schmutzige Clique es offet:kut:dig wagt, der zum Schutze des allgemeinen Itechtes uitd der öffetülichet: Sicherheit einzig und allein bernfe- ,>oanoeooattge ueurett oaran ztt eruutecn, va » ue mti t nta 1 c r . r oi u. «lieber einer Klaffe, senden, mich Glieder eines Volkes i »nd berecht,gte,i Behörde ^°urch S eb u üe u» finS iinS hi, <w La NMwL fnrherf! und gemeuw Machenschaften zuvorzukomnten, ja ihr dleAufsind, uttd die Lage des jüdischen Volkes fordert gebieterisch,, £f„ ■ , 3 f*.- - , , nTf Ä ....... dass jeder Judo sich seiner Pflicht beim sst werde. Denm klarmtg des «alles zn ersthn«en -ven e l gar umnogl ch wird es möglich sein, den Sieg, den man jetzt N e „ e n! Die A ntis c nt: t c n errang, f ü r die I u d e t: zu erringett. des in. det: Diensten des „Deutschen Volksblatt" stehettdei: i Nitualmordmachers besteht, wurde ja in der Poltmer Angelegeuheit actenmäßig nachgewiesen, und dennoch loar cs imdem jetziget: 3"vlle tvieder nwglich, dasv die angeküudigte guirnjnnac mwcui. j u„Versuchung mit der stillschweigendei: Duldung der Pollze: Alljährlich, wem:, der gestrenge Winter dem lächeln-! „„d der Staatsanwaltschaft auch thatsächlich durchgefühvt den Lenz weicht, zur Zeit, wo das Judenthum sein schötptes Fanülienfest, das Fest der Freiheit feiert und die beim Judcnthum etüstammende christliche Religion ganz in der Verehrung des Verkünders der christlichen Nächstenliebe, der selbst als Jude geboret: wurde, aufgeht, um diese Zeit, wo alles in der tikatur Liebe und Freiheit athmet, halten unsere Zlntisemiten das Fest der Gemeitcheit, Niedertracht m:d Lüge. Wem: die Judet: sich anschicket: ,ihr Peßachbrot, das „Brot der Armut", vorzubereiten, da wird es auch der attischen Aristokratie die conservatiticn, hemmenden Charaktere a la Nikitas auch immer seltener wurden, so rollte nun das Staatswesen, dott charakterlosen Führern geleitet und von einer ebenso charakterlosen Menge becathen, unaufhaltsam seinem Abgrund zu. Während also der svatatiische Staate an dem einett Erstrem der Vüitmischung seinerz Bürger, an der exclusiven Inzucht und deren Folgen — der Erstarrung der conscrvativen politischen Charaktere— zugrunde gieng, gieng Athen an der politischen Charakterlosigkeit seiner Bürger zugrunde, welche durch das andere Extrem einer fortwährenden Vermischung mit dem Bltite der verschiedensten Charaktere hervorgerufett wurde. Wir haben in der alten Geschichte noch einen Fall einer ähnlichen rapiden Veränderting der politischen Charaktere in wenigen Generationen. Es ist dies die Degeneration des römischen Volkes gegen Ende der Republik. Auch hier war es hatiptsächlich das Blut der zahllosen Frei stokratie sielen, die Nobilität und das Patriziat in welligen Generationen zu einer charakterlosen Masse verwandelte.") Der Verfall der politischeil CharaLtcre war hier mir uinso rapider, als die Wirkungen des Rcichthums uild des Luxus unterstützt wurde. Wir habcll es gar nicht nöthig, tnis Betveise für den Ei,lfluss der Blutmischung auf den politischeil Charakter einer Bevölkerting ans dem?llterthum zu holen. Wir brauchen mir tun lins zu seheli und könncil die Beweise hierfür aus jedem Staate uub jedem Stande beibringen. Das Alterthurn und das Mittelalter eigilet sich zum historischen Aachtveis unseres Themas nur darum besser, tveil in diesersteit, wie gesagt, Jilzlicht lind Vennischuilg in extremeren Formen zur Geltlilig kamen und darum mich die Folgen nliffallender und schneller zutage traten. Aber in Thätigkeit siild diese beideil Iviehtigcn Factoren noch heute, iveiln auch in ettvas veränderter Form, und darum nlüsseil wir ihre Wirklilig auf deil politischen Charakter der europäischeil Bevölkerung ebenso nachtveisen können, tvie in früheren historischen Feiteil. Die Bevölkerung der europäischen Staaten kann man auch heute iloch in drei Stände eintheilen: in den Adel, den Dkittelstand und Balierilstand, woztl in den meisteil indlistriellen Staaten iloch ein vierter Stand — die Fabrikbevölkernng — komint. Fu Bezug auf die Blntmischuilg herrscht im grotzen lind ganzen iin Adel und Bauerllstaltd vorwiegelld Inzucht lind im Mittelstand l»ld in der Fabriksbevölkerlmg Vermischung. Diesen Blutmischnngsverhältnissen entspricht nlich in der Regel der politische Charakter dieser einzelrlen Bevölkerllllgsztveige. lieber die Iilzncht des Adels dürfte ivohl niemand .',tveisetn und auch nicht über seinen dlirchschnittlich conservativen Charakter. Doch geliilgt cs heute denl Adel tveuiger als je. sich hermetisch vor Blutmischiuigeii abzuschlietzen, und die Inzucht ist daher tvohl überall eine vortviegende, aber nirgends eine exclllsive. Denn tvar schon im Alterthnm der slteichthnm getvöhillich der goldene Schlüssel, mit dem sich besonders die tociblicheu Liiiien der linteren Stände die Inzuchtpforten der Adelskaste erschlossen, so ist dies hellte mehr als je der Fall. Es dürfte hclite wenige europäische adelige Familien gebeil, welche eine Ahnentafel von 32, geschweige denn von 04 oder 128 echteil Ilizlichtahuen aufzuweiscll haben, was bei der Aristokratie des Mittelalters und Alterthtims getviss sehr häufig war und bei einem Brahmanen und orthodoxen Juden heute noch eine gewöhnliche Sache ist. Ist also and) die Inzucht das borherrschcnde Princip beim Adel aller europäischen Länder nild daher derselbe dementsprecheild vorloiegend politisch conservntip, so finden wir doch selten jenen starren ronserpativen Charakter, wie er eben nur durch eiile exclusibe Inzucht von iilindestens sieben Generatioilen oder eine reine Ahnentafel von 128 Ahnen lind inehr bediilgt wird. Im Gegcntheil, lliiser Adel hat heute infolge des llicht selteilen Eindriilgens bürgerlichell Blutes und der Verbreitung desselben dlirch Vcrschtvägeruilgeil in viele Liilien häufig eitlen liberalen Ailfllig. Ein sehr interessantes Beispiel voll dem Einflüsse der Blntmischling auf den politischeil Charakter beim Adel bietet uns Bisinarck. Väterlicherseits altes Aristokratenblnt, tvar seine Mutter eine Bürgerliche und stailllnte ans der Leipziger Professvreilsamilie Vceilken. Der politische Grlllidzlig dieser Familie war, wie Bismarck selbst sagk/F stark liberal. Neigte Bismarck vermöge seines väterlichen Crvblntes »lehr zur coilservativeil Seite, so brachte das liberale mütterliche Bürgerblnt den genial beweglichetl Zug in seiueil politischeil Charakter, so dass sich beide Richtlmgeil im gesliudeu harmoilischeii Gleichmaße hielkerl. Diese erbliche Mischung iu seinem politischen Charakter tvar aud) die Ursache, dass ihn seine mehr couservativeu Staliullesgeilossen für einen „Liberaleil" und die extrem iiberaleil Parteien stets für eiilen „Junker" ausschrieeli. Das vor Vermischungen mit anderen Ständen oder Rassen reinste Bült besitzt aber helitzntage nicht inehr der Adel, soildern findet mau nur mehr beim Bauern und zwar am sichersten bei der Vebölkernng hochgelegener Alpeiithälcr. Der Banernstand im Flachlande ist, da ihn feine natürlichen Schntzwehren bvr der Blntlnischnng so schützen, Ivie die Alpenbewohner, stets mehr derselben ansgesetzt geivesen und daher in der Regel tveuiger conservalib. Nur dort, >vo verschiedeile Neligioil oder Sprache lSprachinseln) ein Hemmnis für das Eingehen voll Ehen mit der Umgebung bilden und tvo durch einen festgefiigten Wohlstand die angestanimte Sitte eineil besseren Halt Detommcn hat, tvie das z. B. bei bem Baliernstnilde in Westfalen der Fall ist, dvrt herrscht mehr Inzucht, als dies sonst im Flachlande der Fall ist. Nicht mir der zunehmelide Verkehr, svnderil am nleisten die Fabriksbevölkernllg, tvenil sie zerstrelit anr Lande linker einer Bauernschaft siedelt, ist einer vortviegendell Inzucht nachtheilig, und tvo solche Mischungen häufig siild, fängt der Bauer nicht nur ail liberal zli tverdeil, fonbertx er tvird geradezu politisch charakterlos. Doch im Durchschnitt herrscht noch heute überall in allen Dörfern und am Lande Inzucht, der Banernbnrsche heiratet auch am Flachland, kvnvde. Aber wir köi:i:en rtihiq sein! Die zwei aus der Polnaer Geisiesschnle hervorqeqat:qenct: Mädchet: wurde:: dem unter den: Vorsitze des Großinqltisitors Hanns Artrold Schwer stelMden Tribuual vorqt'füljrt, sie wurdet: dort „eittqchettd über ihre Angabe:: befragt und ihre Mittheilungen niedergeschrieben". Die Polizei verhandelte, wje das „Deutschje Volksblatt!" sich selbst..rühmt, mit diesem Tribunal, es gelang ihr, die Ueberlassung der Mädchen im meist ein Bauernmädchen und darrlm übcrwicgt auch dort in der Regel lloch der conservativc politische Charakter. Der Mittelstand ist hellte der Stalld, ivo die stärkste Blutmischnng stattfiildet lind tvird derselbe nlir hierill boil der Fabriksbevölkerlulg uild dein Prolctariate, dem sogenannten vierten Stand, übertroffen. , . , In den Mittelstand sinken regelmässtg die tveiblicheil Lnncn des finanziell ziigrnilde gegangenen Adels zurück und steigen die talentierten nlännlichen .üöpfe ans dem Bauern- und Fabrikarbeiterstande alif. Dnzil komnlt, dass heute dlirch die riesige Zuilahnle des Verkehrs und die Leichtigkeit der Freizügigkeit, ferner durch Alifhebliilg aller jener Schranken, welche früher llicht nur .Handel uild Wandel, sondern auch den Blntverkehr hemmtcil. alle künstlichen nild natürlichen Jnznchtschranken für diese Bevölkeriingsstnse weggefalle» siild. So lange noch die Städte im Mittelalter bis in die neuere Zeit lmliilanert lind die Vetvohnerschnft in einzelile Kasten und Innuilgen eingetheilt tvar, dieselben in der Regel mit der gallzen Ilillgebimg in iminer mehr oder tveuiger feitldlichem Gegensatz standen, so'lauge herrschte mich in Städten ein «lehr conservativer Bürgersiuil. der noch seinen prägnanteren Ausdruck in der führenden Inzuchts-Kaste, den erbgescssenen Patrizier-Famlllen faild. Hellte ist die Bllltmischling in den Städten, besonders tu den großeil Fabrikstädtcn so stark, dass die Eingetvanderteil fast regelmäßig an Zahl die in der Stadt Geborenen nbertreffen, lind auch der größere Theil des Besitzes lind der Ehreustellen der Städte nicht in den Hällden erbgesesseiler Familien, soildern in solchen Eingewanderter ist. So'rasch ist hier der Besitzwechsel und dementsprechend muh der Bluttvechsel. Eutsprecheud dieser starketl Bllltmischlmg in den helitigen Städteil, tvo nicht uilr das Blut aller Stände, svnderil auch das der verschiedensten Natioueil liutereillandergewirhelt wird, ist der liberale politische Charakter der Städter überall vorherrsche,ld. Ja in den Großstädten und Fabrikstädteil, tvo der Bluttvechsel und darum auch die Blutmischung eine ungeheuere ist, ist der politische Charakter der Bepölkeruug nicht nur radicnl liberal, sondern diese Bebölkerung kann in ihrere Miuorrtät geradezu als politisch charakterlos bezeichilet tverden. Eine solche Vevölkeruug ist, da bei ihr alle m Iiizucht-Standeu und Kasten gezüchteten mid vererbten religiösen, patrivtlschen m,d anderen Gefühle bnrd) starke Blutmischllng nicht nur abgeschtvacht, sondern gerndezi, abhanden gekonnnen siild, religiös indlffereilt, international und begeistert sich weder für eine conservntwe. noch liberale politische Idee, sondern nur für materiell sinnliche Interessen. Sie gleicht dem Bllit-Chavs in Nom am Ende der Repllbllk, für ivelches auch nur der Nils „panem et circenses" ein Interesse hatte und höchstens »och das Wahlfeld, wenn es ettvas Klingendes eintrug. .... Das gleiche wie für den Mittelstand, nur noch m höherem Grade, gilt für den vierten Stand, den Arbeiter- und Proletarier- ^aUb’ Somit glaube ich genug Belege für meine Behallptuug, dass der politische Charakter einer Bevölkerung seine Wurzeln im Blute hat und die Mischung desselben bei den einzelnen Ahnenreihen der