Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 15 (11.4.1902)
- Date
- 1902-04-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Lxdnrlion: TAU/1, SchwheigaM 11. Sprechstrmbe«: Ku Wochentagen von 4 bis 6 Uhr nachmittags. Aosiadeeff,: JtwtsHkS Mo»SVIatt, Wien, Vllljl. »rschw-rrdrn wegen verlpäteter oder gar nicht erfolgter Zustellung erbitten wir uns bringend. °- MaunsertSte »«erde« «tcht rurSügefteltt. Postsparcaffen-Tonto S470S7. In da- Abonnement kann man täglich eintreten. BH!HIWBWI Mr. 15 Meint jeden Freitag «ntrr Mirwirlnnrg der vom MZschen Volvsveretn errvstzlAen Krrfseommisston. 8»fernte übernehmen die Firmen: I. Danneberg, M. Duker, Haasen. »ein * Bögler, Rudolf Moste, R. Oppelik, M. Pozsonyi, kl. Schale! in Wien, ferner alle klnnoncen-ExpedÜionen im NuSlande. M«zel-N«WweV i« Wie» IS Heller. M^LN- 11. April LN02 (4. Msair 5662). IV. Jahrgang. -G Adminiskrakirm; II. Leopvldsgasio 49. Nbouneme»tSpreiS: Für Wien tt. Oesterreich-Nngnr« fammt Francozustellung. Ganzjährig Halbjährig Bierteljährig Kr. 8.- - I: Für daS gelammte Ausland fammt Francozustellung. Ganzjährig . Halbjährig . vierteljährig Kr. 0 - , 4.8« 1 3.25 •_ _r-_-- ••_••• _- -. ... ______,., ,. __ »■TOI < WWtVfHM *P i Vom Tage. Zur Groffuung des österreichischen Ueichsrathes. 14. X. Am 8. d. hat das Abgeordnetenhaus seine „Thätigkeit" wieder anfgenommen. Die „Arbeit" der Herren Volksvertreter — das lässt sich bereits jetzt mit ziemlicher Gewissheit Voraussagen, wird vorwiegend — als logische Folge der verrotteten derzeitiger: Parteiverhältnisse — in der S ch ü r u n g des N a t i o n a l i t ä t e rr Haders rr n d der a n t i s e nr i t i s ch cn H e tz e gipfeln. Cilli und irnmer wieder Cilli! Das ist die weltbewegende Frage, die das österreichische Abgeordnetenhaus unb seine Parteien, Staatslenker und Gesetzgeber bewegt! , In einer Zeitperiode, in der immer lauter alle productiver: Stände den Ruf nach endlicher Jnangriffuahme der so lange versprochenen wirtschaftlich e r: Reforrnen erheben, ir: der alle Kräfte im cisleitharrischer: Abgeordnetenhause zur Abwehr der maßloser: Forderungen der Budapester Machthaber zum Zwecke einer vernünftiger: Neuordnung des Verhältnisses Westösterreichs zu Ungarn concentriert Werder: sollten, in einer:: Momente des stets zunehmenden Chaos an: Balkan, das Oesterreich möglicherweise zur Intervention in Albanier: und Macedonicn zwingt, schwankt das Parlament zwischen Sein und Nichtsein wegen einiger s l o v e n i s ch r r Parallelc l a s s.e n in Cilli! Die Herren der deutscher: Linken sind wieder einmal „entrüstet", man droht mit der schärfster: Opposition — ja sogar! O b st r netto n (!) —, von Seite, der Alldeutschen wurde bereits anlässlich einen nebensächlichen Resolutionsfrage über zn errichtende Gewerbeschulen der Anfang dazu gemacht!; mar: kündeti in Untersteicrrnark an, „das Schicksal der österreichischen Staatsgebilde sei für die Zukunft gleichgiltig", inan werde dem Parlamente den Garaus nrachen. Und warum all dieser „Furor teutcmicus"? Weil die Majorität des Abgeordirietercharises eine Resolution abgelehnt hat, in ivelcher die Verlegung des sloverrischen Gymnasiulrns von Cilli gefordert wurde. Das ist rächt mehr F r i v o l i t ä t allein, das ist eine schairllose H e ra u s f o r d e r rr r: g des ö st e r r e i ch i s ch er: Staat e s, seiner s l a v i s ch e rr B e v ö l k e r u r: g s n: e h r - h e i t, aller Deutschen rn:d Nichtdeutscheu, ivelche mit Recht fordern dürfen, dass Negierung und Parlament endlich die w i r t s ch a f t f i ch e W o h l f a h r ti s gesetzg e b u n g in Angriff nehme. Die Resolution Stürgkh hätte ja aecep- ^_ Von Leo Srfer. Du stehst vor mir, lvie M i ch e l A n g e l o dich formte, Gebietend Furcht, dann Liebe, bald auch jähen Schrecken, Gleich jener: Räthselsphinxeu, Pyramiden deiner Heimat, Auf die dein sinnend Auge oft den Blick gerichtet. Dam: tratst du in. des Götzentempels weite Säle, Die Wär:de voll mit Hieroglyphen kraus und bunt, Wo von geheimnisvoller Priester Mund du Weisheit sogest. So ganz erfüllt vor: ihrer tiefer: Wissenschaft, Umhüllt vor: märchenhafter Pracht des Morgenlandes, Sahst du. in Roth und Armut deine Brüder kleben — Da wallt das Herz dir ans mit beigem Beben, lind als sie jenen Vogt arg peinigte und höhnte, Warfst du rasch ab den eitler: Firlefanz; der Prinz Ward wieder Jude, nichts als Jude; den schlimmen Wicht Erschlugst du, der Rächer Judas und sein vielter! Doch bald lies; dich dein weltumfassend Geist das Werk nicht thnr:; Ans einer Schar von Sklaven machtest du ein Volk von Männern, Gewappnet jeden: Feind, im blni'gen Kampf gestählt, Bereit zn sterben für das höchste Gut, für Freiheit; Doch auch zwei Tafeln gabst du deinem fleinen Stamme, Die heute a l l e Volker ans die Kniee zwingen. Dein Genius der: Siegerpreis für sie errang, Bewahrte ihr:, so lang er unter ihnen lebte. So leuchtet uns dein Rönne aus der gran'steri! Ferne Mit nnversebrtem Glanze irr des Tages Lärm, Und ich, der späte Sprosse deines Volkes, wage Mit Zagen nur den Kranz zn Füßen dir zrr legen. tiert werden können, ihre Ablehrumg wag ja nnconciliant geiveser: fein, sie rechtfertigt! aber durchaus nicht, dass die ganze Linke in aller: ihren Schattiernrrgen Zeter und Mordio schreit, und die deutschl-liberale „Inden"-Presse in rührender Uebereinstimmnng mit allem dentsch-rlational-airtisenritischerr Jouriralerr bis irr das letzte Krähwirrkel hinein in einer nicht genug zu braudrnarkeuden Weise die Nationalitätenhetze schürt. Was das uns kümmert!? Mit Verlaub, sehr viel! Als Inder: und als österreichische Staatsbürger legen lvir Verwahrung gegen dieses Treiben ein. Vor: Inder: gewählte „fortschrittliche" Abgeordnete schweigen und sinder: kein Wort dafür, wenn alle Grnr:dlage:: unserer nationalen und wirtschaftlichen Existenz untergraben roerdcr:, für die sogenannte „Jndenpresse" existiert keine Judcnnoth, aber lncgent Ablehnung einer lumpigen, einige slovernsche Parallelklassen betreffender: Resolution verüünder: sich diese „fortschrittlichen", „freiheitlichen" Herren sogar mit der: alldeutschen Nitnalmordaposteln! . . Man komme uns nur rvieder mit der: „freiheitlichen" Fraetionen, mit dein Kampf gegen die Reaction! Wo sind dein: in: österreichischen AbgeordneLenhanse die Freiheits- Helder:? Die Freiheit der österreichischen Gesannntbevölkernng, ihre materielle Wohlfahrt, die Consolidiernng des Reiches ist all der: Herren Volksvertretern von der äuszerslen Rechten bis zur äuszersten Linken gleichgiltig, das S ch i ck s a l d e r I r: d e n n o ch g l e i ch g i l t i g e r. Der rvirkiiche oder erheuchelte, bis zur Tobsucht gediehene Chanvinisnnis ist ihr:en alles, ihr Parteiprogramm die einzige Triebfeder. Was Haber:- unter solcher: Verhältnissei: Oesterreichs Völker, )vas speeiell die Juden vom neuerlich znsarnrnengetretener: Abgeordneterchanse zu ertvarter:? .Nichts anderes, als den Beweis, dass a n ch dies e s P a r l a in e n; t i" e i f f ü r die Sichel i st, dass endlich einrnal Oesterreich befreit werden, muss vor: diesem Parlamentarisirrns nrrd seinen Repräsentarrten, wenn es gesunden soll. Vcit diesem Abgeordrretenhanse, mit diesen Volks- und reichsverderbendei: Cliqner: muss errdlich durch eine Verfassnngs- und Wahlreforrr: r a - dical anfgerännrt werden. Die Liirke, bis tief in die Reihen des liberalen Grosigrundbesihes erfüllt vor: maßloser, nationaler Herrschsucht, steht unter der Znchtrnthe Georg Schöi:erers, sie ivill immer noch nicht mit der Thatsache sich abfinder:, dass Oesterreich eine rr i ch t - d e u. t s ch e B e v ö l k e r u n g S m e h v h e i t besitzt^ dass die. Deutschen eine Minorität in diesen: Reiche sind und nimmer hoffen körrnen, die Herrschaft über alle anderen Völker an sich zu reißen. Ueber den Einfluss der Inplcht und Vermischung auf den politischen Charakter einer Keoölkernng. Dr. A l b e r t R c i 0 m a i) v. (Schluss. > " haben also in dem spartanischen .^errensiand da-i Beispiel einer ' istvlratie vor nnp, lvrlrhe nicht nnr dap Prinrip der In- Nicht I rep hielt -— Um3 ja alle Aristolratien der Welt von jeder nnd mieli heute noch thnn --- sondern diese-3 Prinrip derart ans die Spitze irieb, wie!vir dies nur noch bei den alten Aegyptern, den orthodoxen Inden seit C'sra und etwa noch bei der .Näsle der Brnhinanen in Indien beobachten können, lind Überall sehen wir auch die gleiche natnrgesetzlirhe Folge einer solchen exelusiben, durch diele Generationen ivährenden Inzucht: einen fest fixierten, ja erstarrten conserbatibei: politischen Charakter, der vollständig unfähig ist, sieh in veränderte ändere politische Verhältnisse zn finden nnd anznpassen und darum auch als selbständiger Staat zugrunde gehen musste. Der politische Gegenfüsster des Spartaners Ivar der Athener. Er irar es aber nicht nur m der Politik und in seinen politischen Charakteren, er Ivar es auch, was für unsere Frage wuchtig ist, in seinem Verhalten inbezng ans die Blntmischnng. Wiie jedes ulte Enltnrvolk hielten die Athener in ihren politischen Anfängen das Inzuchtprincip hoch; denn ohne engere Inzucht keine führende »aste und ohne führende .gaste ist ein politisches StaiUstvefen undenkbar. Aber schon in den ältesten historischen Zeiten hören lvir hier von Blnimischnngen und zivar von einer Blntniisthung, rvie lvir sie für die;)üchtling beweglicher genialer Charaktere als die günstigste anerkennen müssen. A n ch n a ch d e n B e o b a cli l u n g e n d e r T l) i e r z ü ch t e r e r g e b e n n ä ml i cli B r e n z u n g e n v v n V a r i e t ä k e n , die i n k ö r p e r - l i cl> e n n n d g e i sc i g e n C h a r a k t e r e n s i ch n a h e st e h e n, ft e t s die b e st e n Ui e s n l t a c e. Ulis die dorische Wanderung in Griechenland im Bieinen ähnliche Stürme hervorries, tvie später die groste Völkerwanderung im iveströmischen Aeiche, flüchteten viele jonische aristokratische Familien, um ihre.Freiheit zci belvahren» aus allen Theilen Griechenlands auf die attische Haibinsel, tvo sie cheils Aufnahme in den Deinen fanden, theils sicl> an der von Alhen ausgehenden Coloni Andererseits wird lvieder auf der „Rechten" der slavische Challvinisnuis vvil 0er: Fendalen und Clericaleir geschürt und jeder Versuch, lvie der von slvvenisch-fortschrittlicher Seite ausgehende iveger: Beilegung des Cilli- Conflictes, wird als „Verrath" Hingestellt. So arbeiten deutscher und slavischer Chanvillisrnns, solvie Cleriealrsuins — alle einig nur im Antisemitismus - einander m die Hände, und schließlich nnd endlich nnr - - für den Staatsstreich. Denn keinesstvegs ist anzliilehmen, dass auch lrach eventueller Beilegung des Cilli-Conflietes das Parlament fähig ist zur Ordnung der österreichischen Natior:alitätenfrage, 31t einer erfolgreichen Finalisierimg des lmgarischer: Ausgleichs zu einer groß angelegten, wirtschaftlichen Resornrarbeit. Zn sehr ist diesem Abgeordnetenhaus von der reactionären chauoinistischell Seuche zerfressen. Die internationale nnd interconfessionelle Socialdemokratie wieder paktiert mit den: nationalen Chauvinismus und Antiseinitislnns; sie capitr.liert vor beiden. Austatt im Parlmneute der: natiouatistischen Driuagogen die Maske vorn Gesichte zn reißen, fehlen die Herren bei der Abstinnmmg über die Resolution Stürgkh nnd an: soeialdciuokratischen inederösterreichischer: Parteitage loird _ die Allianze angekündigt mit den deutschnationalen und „fortschrittlichen" R'eaclionä'rei: gegen die —_ Christlichi- Soeialeu. Ja, um was sind die Herreu Deutschnatioualen und Alldeutscher: freiheitlicher als die Christlich-Socialen??. Pack schlägt sich und Pack verträgt sich ir: der „deutschen Gemeinschaft". Dieselben „nationale::" und „freiheitlichen" Politiker, ioelche das Parlament tvieder zertrümmern ioollen, den K a m p f bis a u f das Messer gegen da s Ac inist eri u :n P r0 e l a::: tere::, fordern in einem Athemzuge — einen deutschen Laudsmauuminister! Tifficile est, satiram ::on> scribcTe! Es ist Äe Grundlage eines jeden Parlan:ei:taris:::us, dass in einen: Parlainente die Minorität sich den Beschlüssen der Majorität fügt, wenn — eine solche vorhanden ist. In: österreichischen Abgeordnetenhanse existiert aber d a u e r n d keine ho:::ogene Majorität, und wenn iiberdies die jeweilige Minorität wegen jeder Lappalie zur — Obstruktion greift, bann brechen eben die bestehenden Parteien über diesen Parlainentarismus :n:d ir: lveiterer Linie üb er s i ch s e l b st den Stab. Uns Inden rnag es recht sei::, lvir haben von diesen: Parlamente und seinen Parteiei: nichts zn erwarte,:; wir haben für keine einzige derselben Ursache, uns zn engam .Hl II .... . — faitum der Inseln und der kleinnsintischen .stüste des ägäischen Aieeres beiheilipten. Dieser starke Znslnss von stammverirandtem, bereits hocbcnlt'iviertem nnd doch mit etwas ver'sthiedenen Charakteren versehenen Blnie war in der Foipe von ähnlichem aiinstigen Cinflnss nnd Hane inbeznp auf die güchtnnp genial beweglicher, liberaler Charaktere dieselbe Wirkung, >vie sie z. B. der Zufluss nnd die Vermischung des inrelligenteii^ Blncenischtages harte, der ans allen Theilen Decilschlands und Frankreichs infolge der Uieforinationsslürine und Verfolgung der Protestanten nach .Holland geflüchtet ivar. Während also der spartanische Perrensiand von vornherein einheitlichen Blutes ivar und es auch fernerhin blieb, ivar die attische Ulristotratie frühzeitig einer starten Blntmlschung misgeseüt, tind ivcnn auch später bei ihr, lvie bei jeder Aristokratie, die Inzucht in der eigenen Naste Regel blieb, so nahm dieselbe nie^eine so exclusive Form wie in Svarta an, umsoweniger, als seih «rolon das Pribileginin der Geburt ausgehoben tind auch dem Uieichthnm der Ciutritt in die sübrende Baste geöffnet lvnrde. Dadurch drang immer so viel bürgerliches Blut in die attische Aristokratie, dass dieselbe bei allem Voriviegen des conserpaliven politischen Charakters doch immer von der schädlichsten Folge der engeren Inzucht, der Erstarrung der Charaktere, verschont geblieben ist. .. . Schön Pcritles hatte durch Wiederaiifnahine der Coloimation und Aiissendling zahlreicber Bleruchien das attisclie Vollblut geschwächt. Eine noch stärtere Schwächung erfuhr das noch mehr con - scrbative attische Vollblut, als die Pest viele Tausende PI000 ln? f.ooo) von den atlischen Bauern, die während der Belagerung hinter den langen Mauern caimnerien, hinivegrafste. Den stärksten Aderlass aber'erlitt das asiatisclie Bollvlut durch das siziliamscbe Ulbrntener. Droliscn bereclmet die Verluste der Athener aus 00 000 Wieviel davon attisches Vollblut ivaren, lässt sich naiürlitli nicht bestiiiimen, aber dass die Verluste desseiden bei der verhältnisitiäsgg Ileinen Fahl der eigenilicben Bürger l enorm ivaren, nt einleuchtend. Dazu kanien die grasten üvrige» Verluste der vielen Schlachten des peloponnesischen Brieges. Da iviir aber direct von einer Abnahme der Bürgerzahl nichts hören, Beloch sogar _ annimmi, dass die Z.ahl der Bürger am Ende des peloponnesischen Brieges am höchsten Ivar, die Generationen damals aber nicht schneller beranwnclisen als heute, so bleibt lein anderer ^cblnss, als dass diese enormen Verluste des aitiselien Volldlutes duräi Aust »ahme von UA'etoiien und Sclaven fortlväbrend ersetzt lvurden.^ Das ivar auch ihatsäcblicb der Fall.A Ein solcher starker Bltikeiincblag von den verschiedensten Charakteren musste schon in einer OUm" ration eine enorme Wiiinng inbezng auf die Veränderung der politische» Charaktere der attischen Bürgerschaft Hervorrufen. Da mn diese ßeir der Demos ganz die Machi in Händen haue nnd in