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Jüdisches Volksblatt · 1902-04-04 · 14 (4.4.1902) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
14 (4.4.1902)
Date
1902-04-04
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 4. April 1902 Nr. H Welche ganz von ihrem Volke losgelöst sind und die Mehrheit unter der Wiener jüdischen Jugend ausmacheu, verdanken dies den Instructionen der jüdischen Cultusgemeindc. DieHerrenl)<ibenjedoch zurVeruhigung ihrer Seele eine neue Vertheidigung gesunden, das ^chlaglvort von dem „Kanipf zwischen Schule und Hans". Die Schule thut nämlich das Allerbeste, aber das Hans verdirbt und zerstört alles, ioas die Schule in harter Bemühung dem Kinde beibringt. Ich weih nicht, wie ux'it die Herren diese schöne Phrase cmft nehmen, aber sicherlich lachen sie int geheimen über diesen sogmannte,r „Kainpf zwischen Schule und Hans". Denn iveshalb sollte denn ein Kainpf zwischen Schule und Hans stattfinden, »nenn die Eltern selbst ein Product der Erziehung der Schule sind? Wenn in der That im Wbsten das jüdische Hans „nnjüdisch" ist, so ist es doch nur deswegen, weil man es in der Schule mit der jüdischen Erziehung nie ernst genommen hat. Woher soll im Hause die Fran oder der Mann die jüdische Tradition fortpflanzen, wenn sie selbst in der schule als verkrüppelte und verstümmelte Juden herangewachsen sind? Ein Hans kann nur dann jüdisch sein, wenn es als Hausfrau eine jüdische Mutter und als Hausherrn einen jüdischen Vater hat, aber für derartiges sind die jüdischen Schulen mit ihren Lehrplänen nie eingerichtet gewesen. Die jüdische Erziehung, oder wie cs bei der Cultusgcmeinde officiell heißt, die religiöse Erziehung ist eine klaffende Wunde bei den Cultusgemeinden des Westens, eine Wunde, welche bei jeder Berührung schmerzlich aufschreien macht und einen doppelten Protest vernHacht, einerseits von, jüdischen Gefühl, welches sich gegen die unaufhörliche Erstickung desselben aufbänmt und andererseits von den abgetödteten Gliedern selbst, welche angesichts des ndnen Windes, der über das Judenthum bläst, nicht ganz sterben können und doch zu wenig jüdische Seele in sich haben, um leben zu können. Alle diese Empfindungen hatten wir beim Lesen derDebatten über den neuen Entwurf. Auf der Tagesordnung stand, wie bereits bemerkt, der neue Lehrplan für das siebenclassige Mädchengymnasium. Wie alle neuen Lehrpläne, ist auch der jetzige Lehrplan dadurch charakterisiert, dass die Autoren desselben großen Wert auf die Eliminierung und Reducierung des bestehenden Lehrstoffes gelegt haben, früher hatte man den Lehrstoff für das Knabmgymnasinm reouciert und diesen reduzierten Lehrplan haben die Pädagogen der Cultusgemeiude nun. lveiter reduciert, und so geht es immer fort: Reformieren bedeutet bei der Cultusgemeiude so viel als Reducieren. Wie der Berichterstatter selbst in bescheidener Weise hervorhebt, verlangt der neue Lehrplan nicht viel, es komme nur darauf an, den Mädchen jene Anregung zu geben, dass sie sich mit Interesse in das Wesen des Judenthums vertiefen, dass sie Kenntnis von unserer Geschichte, von unserer glorreichen Vergangenheit und eine Ahnung von der Schönheit der hebräischen Sprache erlangen. Mali muss annehmen, dass dieser Berichterstatter ein geriebener Spaßvogel ist, welcher sich über die Schlafmühen der Cultusgemeiude lustig machen wollte, sonst hätte er sich nicht erlaubt, sich in solch pompösen Phrasen über einen derartigen nichtssagenden Lehrplan zu ' ergehen. Ein Beispiel möge genügen, um die übertriebene Bedeutung, welche der Berichterstatter diesem Lehrplane gibt, zu kennzeichnen. Der Lehrplan soll die Mädchen dazu anregen, sich in das Wesen des Fudenthums zu vertiefen, Kenntnisse von unserer glorreichen Vergangenheit zu erlangen und die Schönheiten der hebräischen Sprache zu ahnen. Wie es nun mit dieser Ahnung sich verhält, erfahren wir vom Berichterstatter selbst, welcher erzählt, dass nach der Instruction eine mangelhafte Kenntnis des Hebräischen ohne Einfluss auf die Classification bleibt und dass der Lehrer die Kenntnis der Bildung der Mehrzahl, der Vergangenheit und Zukunft nicht verlangen darf. Daraus können wir entnehmen, wie es mit den Mitteln zur Vertiefung in das Wesen des Judenthums und zur Kenntnis unserer glorreichen Geschichte aussieht. Tie Empörung des jüdischen Gefühls fand einen scharfen Ausdruck in der Rede Dr. Spitzer s, welcher in trefflichen Worten die Tendenz in der Erziehungsmethode der Wiener Cultusgeineinde bezeichnet Hat, eine Tendenz, lvelche ein kosmopolitisches, verschwommenes, verflachendes Judenthum gezeitigt hat ohne Rückgrat ltnb ohne jeden inneren Halt. Ter Religionsunterricht der letztem Jahrzehnte sei Gift für das Judenthum gewesen. Aber auch jene andere Stimme, die Stimme der abgetödteten Glieder, welche sich dagegen wehren, dass man sie in ewiger Agonie lässt und sie nicht ruhig sterben kömren, erhob sich. Mag die Cultusgemeiude immerhin eigene Beamte besolden, um Noten an die Schüler auszutheileu, aber mit den Lehrplänen und Instructionen möge sie doch aufhören, um das arme jüdische Gefühl, welches bereits im Erlöschen begriffen ist, nicht immer wieder auzusachen und zu martern. Ein Hern meinte in seiner Rede, und diese Meinung ist wahrscheinlich die vorherrschende in der Wiener Cultusgeineinde, dass es bei den modernen Ansprüchen der Bildung an die Jugend unmöglich ist, dieselben noch lveiter mit — jüdischem Wissen zu belasten. Wir sagen dem. geehrten Herrn Cultusvariteher aufrichtig Tank für seine Offenheit, denn wenigstens lverden jene Elteru, lvelche ihre Kinder wirklich jüdisch erziehen wollen, nunmehr wissen, was sie von der Cultusgemeiude zu erwarten haben. Solche Elteru lverden begreifen, dass, lvenn ein Kampf zwischen Sckplle und Haus besteht, dies einzig dein Vorstande zu verdanken ist, welcher, die jüdische Erziehung als Belastung für die Jugend ansieht, ein Kampf, welcher unvermeidlich ist. weil das jüdische Haus seine Kinder ehrlich jiidisch erziehen will, während die Schule systematisch darauf ausgeht, die jüdische Seele zu verziehen. A. Loubehky. Mische Mshlfahttsemrichtmse« in Wien. (Schluss.) Am 16. Dcccmber 1872 fand die Aufnahme der ersten Zöglinge statt. Diese Non ihren Eltern und Verwandten zugeführten Zöglinge wurden von Dr. Stock, Docenten der Augenheilkunde, und von dem praktischen Arzte Dr. Sigmund Pollak untersucht und zur Aufnahme geeignet befunden. Die ursprüngliche Anzahl betrug 13 — 7 Knaben und 6 Mädchen — und recrutieren sich diese ans Wien, Mähren, Galizien, Rumänien und Russland. Als erster Oberlehrer wurde bon 86 Bewerbern der bewährte Pädagoge Herr Leopold Oestcrreicher gelvählt. Es wurde das gesammte Lehrpersonalc und die Dienerschaft angestellt, und eine reiche Sammlung bon Lehrmitteln angeschafft. Mit Begeisterung und Verständnis gieng Herr Oesterreicher an sei»! Werk. Schon waltete nach einem halben Jahre des Bestandes eine geordnete Thätigkeit, als ein schmerzlicher Schlag unerwartet die Anstalt traf. In der Rächt des 20. Juni 1878 wurde Herr Oestcrreicher plötzlich vorn Tode dahingerafft, nachdem er noch abends iin Kreise der Zöglinge heiter verkehrte. Nach diesem schmerzlichen Verluste fmu ein viermouatliches Provisorium. Da gelang es daun dem Curatorium, für das verwaiste Institut Herrn Simon Heller gu gewinnen, welcher noch jetzt nach 28 Jahren dasselbe mit nngebrochener Kraft leitet. Fürwahr, der Anstalt war zur Acguisition dieses Mannes zu gratulieren. Von kleinen Anfängen, als Hauslehrer beginnend, wurde er durch seine pädagogischen Vorzüge Director der Fortbildungsschule des Mädchen-lliiterstützuiigsvereins. Hier lernte ihn Dr. Ludwig August Frankl kennen, und schätzen und engagierte ihn für das Blindeninstitnt. Bald wurde er eine Eapaeität allerersteil Ranges in: Fache der Blindenlehre. Sein Name ist in ganz Europa bekannt. Zu allen Bliudeu-Cougresseu, die in den verschiedenen Ländern stattfiuden, wird er geladen, und seine Vorträge, seine immer neuen Entdeckungen und auf Erfahrungen gegründeten Lehren sind epochemachend und finden Anerkennung und Succurs. Mit seiner genialen Begabung für die Blindenbildmig und mit einem väterlichen Auge prüft er die Anlagen jedes Einzelnen, bestimmt er das Mas; des zu Erlernenden und wird nimmer müde, bis derselbe erwerbsfähig wird. Ter körperlichen Pflege wird alle Sorgfalt gewidmet. Reichliche, nahrhafte Kost, fleißige Bewegung im Freien, regelmäßiges Baden und rationelles Turnen geben denPfleglingen gesundes, kräftiges Aussehen. Eiiie besondere Weihe wird den religiösen Festen gewidmet. Am Sabbath uiid all Feiertagen wird im Betsaale mit Gesang der Gottesdienst abgehalten. Am Neujahrs- und Versöhnungstage ist der Gottesdienst öffentlich und wird die Andacht im Vereine mit einer größeren Gemeinde perrichtet. Das Channkah-Fest gestaltet sich zu einem wahren Frendentage und werden die Kinder dabei beschenkt. Der Religionsunterricht bringt ihneil bei die biblische Geschichte, vermittelt den Begriff von Gott uild seineil Eigenschaften, eiitivickelt die Liebe znm Guten und Wahren, lehrt die Bedeutung der Feste und die religiösen (Gebräuche, lehrt sie Beten in der Ursprache nnd Uebersetzen ins Deutsche. Der Anschammgsnnrerricht behandelt die Geräthe des täglichen Lebens, die Theile des menschlichen Körpers, die Nahrung, Kleidung ulld Wohnung, die Haildwerke mrd deren Werkzeuge, durch systematische Ailleitnug gelingt cs, sie zur Wahrnehmung aller dieser Gegenstände durch Betasten zu bringen. Im Lesen des Stacheldruckes wird Geläufigkeit uild Bcrstäildnis des Gelesenen erzielt. Auch das Drucken vermittelst Stachcltpen wird ihnen beigebraeht, uild tönrien sie Sätze und Lesestücke fehlerlos zum schriftlichen Allsdrnck bringen. Aus der Natnrkllllde bringt man ihneil bei die Beschreibung des menschlichen Körpers, verschiedener Thiere_ nach ansgebälgten Exemplaren, voll Pflanzen,!vic sie die Jahreszeiten bieten. Große Sorgfalt wird angcwendct ans die Gestaltnngsfähigkeit der Hand. Sie bekommen große Fertigkeit in der Bearbeitung bon Holz lind voil Pappe. Sie stellen mit Geschicklichkeit allerlei Lehrmittel her, wie eine Scheune, einen Stall, einen Wagen, einen Taubellschlag, ein Segelschiff usw. An Lehrmitteln wurden Ferner angeschafft: Ein plastischer Plan der Hohen Warte, des Kahlengebirges und des Donangebietes, eine terminologische Karte der wichtigsten geographischen Begriffe, eine zerlegbare Karte, en rclicf von Oestcr-! reich-Ungarn nnd Gesammt-Europa, Modelle eines Heizofens, eines Bergwerks, einer Dampfmaschine, eines Telegraphen, eines j Uhrwerkes uild dergl. Der geometrische Unterricht beschränkt sich auf das Erkennen ' der Formen lind das Messen bon Linien lilid Flächcil. j Der musikalische Unterricht hat das Clabicr, die Zither, die ' Harmonielehre, sowie den Gesang zum Gegenstände und es ist er- ' stamilich, lvelche großartigen Fortschritte sie darin machen. Es be- : währt sich da wieder die Erfahrung, dass der fehlende Sinn des i Sehens dlirch ben verschärften und verfeinerten^ Sinn des Gehörs einigermaßen ersetzt wird. Fast alle Zöglinge sind musikalisch bej gabt, manche sogar künstlerisch talentiert. Oft kann mail all Som- 1 mertagen, vor dem Hause vorübergehend, die entzückendsten Musikstücke'spielen hören. Mehrere der an der Anstalt Herangcbildcten sind tüchtige Musiker geworden nnd haben dadurch ihre» Lehens- Hinterhalt gewonnen. Zlvei haben je eine Musikschule etabliert,! welche eine stetig wachsende Anzahl von Schülern aufweisen. ES sind dieses die Herren Salomon Storch lind Josef Herz.! Der Handwerksniiterricht limfasst die Bürstenbinderei, die Korbmacherei lind das Sesselflcchteii. Dieser Unterricht wird gefördert durch eine erprobte Lehrmethode der Meister nnb die besonderen Werkzeuge für Blinde. Keiner der jungen Handwerker tvird arrs dem Verbände der Anstalt entlassen, ehe er nicht seine Lcistungsihnl in dem Gebiete, wohin er sich begibt, Freunde und Förderer aiigetvorben, die ihn bei denl Absätze seiner Erzeugnisse unterstützen. Den Zögliilgen wird alich manche Freude bereitet. Sie besuchen unter Leitung oftlilals Schallspiel, Oper, Conccrte, unternehmen Alisflüge in das Kahlcngebirge, machell Fährte»l auf der Dona» oder mit der Eisenbahn. Seit dem Beginne des Institutes haben 100 'sögt in ge die Anstalt verlassen nnd haben als Haudtverker oder Musiker, sogar ztvei nach Absolvierung der Universität als Juristen ihre dancriide Erwerbsthätigkeii gesunden. Hierbei muss coiiskatierk werde», dass keiil einziger während der ganzen Zeit wegen eines Sittlichkeitsdelictes oder Ivcgeu Bildlulgsuilfähigkeik entlassen tverdeil musste lind dass draußen im Leben auch nicht einer von dem Wege der Ehrenhaftigkeit abgetvicheii ist. Als Stifter der Anstalt nach den von ihnen in den anfeinauder folgenden Jahren gespendelen Sniilmen sind folgende verzeichnet: Jonas Freiherr v. Königswarter 1870 das Haus für die Zöglinge Friedrich Freiherr von Schch Gottlieb Frankl Ignatz und Helene Trebitzth Eduard Ritter von Welte» Anton Schch Ans dem Nachlasse Frau Bettin v. Rothschild Moritz Frcih. v. Königswarter Derselbe Fran Clara Baronin Hirsch Frmr Emilie Singer Herr Josef Seiberlillg 1870 mono Gulden 1870 15 000 1872 7 200 1 870 5 000 1880 10 000 1880 7 160 1800 20 000 1802 8 nno 1804 10 000 180 fi 00 000 1800 50 000 1807 20 000 1808 7 200 Znsammeil 266 760 Gulden Stammvermögen. '! 457 Mitglieder leisten fortlaufende Jahresbeiträge voll zusammen 8000 Gulden. Dann kommen noch Spenden bei verschiedenen Anlässen 8000 Gulden, auch Fonds für ausgetretene Zöglinge und andere spcciclle Zwecke. Die Zahl der Zöglinge war ans 00 gelvachsen, wovon ein Theil Stiftlinge, ein Theil unentgeltlich Aufgenommcne, nnd die übrigen Zahlende fiub. Von mm an wurde auch eine kleine Zahl später Erhlindctcr ausgenommen. Der Lehrkörper besteht ans dem Director, zugleich Oberlehrer, einem zweiten Lehrer, je einem Lehrer für Clabicr, Orgel, Harmonielehre, einem zweiten für Clabicr, einem zweiten für Violine, einem Gesangslehrer, einer Lchrerein für Zither» einem Lehrer für Modellieren, einem für Handfertigkeit, einem Turnlehrer, einem Meister für Bürstenbinderei, einem für Korbflechterei, einem Fräulein für weibliche Handarbeiten. Bemerkenswert ist, dass zwei der Musiklehrer selbst Blinde sind. Der eine ist Herr Josef Labor, ein in der Musikwelt bekannter Künstler, Orgelvirtuose und Componist blind geboren: der andere der schon früher erwähnte Musikschnl-Jnhaber Herr Salomon Storch, gewesener Zögling dieser Anstalt. Wenn ein Zeitgenosse des 18. Jahrhunderts wieder zur Wett käme, wenn er alle die großartigen Errungenschaften der Wissenschaften und des Erfiiidmigsgeistcs der Jetztzeit betviuidernd. auch dieses Blindeninstitnt sehe» würde, müsste er vor Erstaunen fassungslos sein. Wie hilflos und elend damals diejenigen waren, denen die Natur das Augenlicht versagt bat, die sich mühselig, von fremder Hand geführt, nur durch Anregung des Mitleids sich erhalten konnten, wie sie körperlich nnd geistig verkümmern mnssren, und jetzt sieht er da, >vas in dieser Anstalt aus ihneil gemacht wird, wie den Kindern mit nmnachteteil Augen der (Geist mit lichtvoller Erkenntnis erhellt wird, wie sie die Fälligkeit betoiiiinen, sich selbstständig und ehrenvoll ihr Brok zu verdiene», Ivie ihr Geist gebildet, ihr Jntcllcct gehoben wird, ivie sie lesen, schreiben, drucken und allerlei Hantierung betreiben, in den Wissenschaften unterrichtet tverden, mithin trotz ihres Gebrechens ihren Platz in der menschlichen Gesellschaft zu erringen vermögen. Wenn wir dieses alles sehen und betrachten, muss ein Hochgefühl uns beseelen über bm Fortschritt des menschlichen Forschungsgeistcs und über den Edelsinn unserer jüdischen Mitbürger, die das geschaffen haben. Bucher-Emlans. Die Socialistischen Monntsliefte (Administration Berlin W.» Liitzowstr. 85 a) haben soeben das Aprilheft ihres 8. Jahrganges erscheinen lassen. Aus dem Inhalt desselben heben Ivir hervor: Adolph von Elm: Socialdemokratie und Arbeiterschaft. —■ Cen.ird Bernstein: Zur jüngsten Entivicklung der srauzösischeu Soeialdemokratie. — Woksgang Heine: Neuestes von unserem Vereins- und Versammliingsrecht. — Paul Göhre: Das religiöse Problem im Soeialismns. — Dr. Hugo Lindemaim (C. Hugo): Zur Kritik der socialdemokratischen Commiinalprogramme. — Helma Steinbach: gefährliche ^Strömungen in der Gcnossenschaftsbcivegiing. -- Dr. Albert ^üdeknm: Tie Zuckergesetzgebimg Frankreichs. — Heinrich Möller: Zur Verstaatlichung des Bergbaues. —• Fan uh Jmte: Die Arbeitsloseninnerstiitznng in den deutschen Gewerkschaften. -- Rundschau: Politik: von Richard Calwer. — Wirtschaft; von Mar Schippet. — Socialistisehe Bewegung; von Dr. Ladislaus Gumplowicz. — Geinerkschaftsbewegnng; von Heinrich Bürger. — Genoss enschaftsbeweg»ng; von Gertrud David. — Sociale Comnnlnalpalitit: von Dr. Hugo Lindemaim. — Francubewegung: von Henriette Fürth. — Bücher: von Dr. Hugo Heinemann und Dr. Ladislaus Gumplowiez. — Der Preis des Heftes beträgt 50 Pfg., pro Quartal 1.50 Mk. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Colportcure und Postanstalten (Postzeituitgs-Kätalog Nr. 7188), ferner direct bei der Expedition der Socialistischen Monatshefte, Berlin W. 86, Lützowstr. 86 a. (Zusendung unter Kreuzband oder m geschlossenem Coiwert.) Probehefte und Verlags-Kataloge gratis und franco. Das Avrilhcft der von Ed. Bernstein yerausgegebenen „Documente des Socialismus" bringt an erster Stelle ein Capitel ans einer bisher völlig iinbeaehtet gebliebenen, sehr interessanten Schrift von I. B. Schiveitzer, derii hochbegabten Nachfolger Ferdiiiand LassalleS in der Leitung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereines. Die Schrift handelt vom italieiiischeli Krieg von 1850 und niiiiiiit zu ihm einen dem Lassalle'schen direct entgegeligesetzten Standpiiiikl ein. Ein zweiter Artikel berichtet über ein vor achtzig Jahren — 18211 — von Robert Owen ansgenommcnes Project einer Haiisivirtschaftsgeiiosseiisclinft, das mit den heute ans der Tagesordimng stehenden ähnlichen Projeeken interessante Bergleichungsvnnkte anfweist. Ali ihn schließt sich der Albdruck dcS Artikels von W. Wolfs über den schlesischen Weberanfskand von 1845, der dem Dichter Gerbart Haiiptmann den Grundtext zu seinem epochemacheiiden Drama „Die Weber" geliefert hat. Dem Artikel sind sämmtliche von Wolfs mitgekheilte Verse des Liedes der aufständischen Wiebcr beigegeben. Als „llrkiiiiden des Socialisniiis" werden der Programmentiviirf nnd daS auf dem CongrcsS zu Tours beschlossene Programm lPrineipienerklärnng undRefonnprogramm) der französischen Tocialiske» ihrem vollen Wortlaut nach znin Abdruck gebracht. Die kritische Bibliographie der zeitgenössischen Literatur des Soeialismns. Anfragen, Nachweise und Notizen perpollständige» das iiitcressanle Heft. Die „Dociimente des Socialisniiis" kosten pro Quartal 8.75 Mk. lEinzelhefk 1.25 Mark); eouibiniert mit den „Socialistischen Monatsheften" sind sie znm ermäßigten Preise von illSgesaillmt Mk. I.— pro Quartal zu hnbeli. Z>u be ziehen durch alle Buchhandliiiige», Colporteure und Poslanstalte» (Postzeitungs-Kalalog Nr. 2060 a, bezw. li061 a), ferner direct durch de» Verlag der Socialistischen Monatshefte, Berlin W. 85, Lützowslraße 85 a. lZuseiidiing unter Kreuzband oder in geschlossenem Convert) Probehefte kostenfrei durch die Expedition. Htimmkn ans dem Firma Adolf und V. Hofbauer. Die bekannte Modeivaren firma, die seit mehr als einem Vierieljahrhnndert im Zollerschen Skifklliigshaiise, l.. Tuchlmibe» Nr. 24/20 (Winkerbierhans) etabliert war, übersiedelt wegen Niiiban nach 1., Bauernmarkt 10, mii nach Volleiidiing des Neubaues, der »ach Angabe und den Bedürfnissen dieser Firma entsprechend _ aufgeführt werden lvird, ivieder i» dasselbe zurückzukehre». Wie es bei einem so alten Geschäfte »licht anders möglich ist, hänfen sich im Laufe der Jahre biele Artikel, solvohl in Seidenals auch in Modewaren aller Art. ivelcbc ins provisorische Local nicht milgenommeii lverden, sondern nocl). im Tnehlanbeii-Loeal so rusch als möglich zu besonders redlieierteu Preisen vertäust lverden, da die Deinotierimg demnächst beginnt. Der Schlüilki. E r z n h l « n g bon E d tt n r d K ulke. (Fortsetzung.) Ein Fanatiker. Roth Chancle wusste nicht, dass sie sich bei einem Mannt wie Bärl Lederer mit der Hinterbringllllg ihrer Nachricht mir gründlich lächerlich gemacht hatte. Eine Lüge mit eine»! Wortzeichen (Wahrzeichen) argiimeiitierte der feste Mnnn - ein „Merocho" (der beste Belveisi, mein Röseleben denkt ein ganz Jahr nit an Rel, Salve!. Was sollt sie bei Reb Sawel machend Soll sie bei chm ein Stücke! Gemoreh lernend „Sorah-Bvcher" (die gelehrte Sarah) ist sie geworden^ He'k Fällt der meschuggenen Mad ei», Stunden »ehineii! Als wie, wen» Rösele »och etlvas zu lernen braucht! Ich

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