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Jüdisches Volksblatt · 1902-04-04 · 14 (4.4.1902) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
14 (4.4.1902)
Date
1902-04-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 14 Wien, Freilag Indisches Volksblatt 4. April 1902 Seite 3 Me „Mischt UolKspartei" in Jljffon). (Eigenbericht.) Muthig und entschlossen, mit jugendlicher Kampfeslust ist der lunge, kaum einige Monate alte Jüdische Volksverein in Rzezow in die Action getreten. Von dem richtigen Standpunkte ausgehend, dass man erst im eigenen Hause Ordnung machen muss, um sorglos urid mit Aussicht ans Erfolg den Kampf für das Wohl der Allgemeinheit anfnchmen zu können, ist dieser wackere Verein in den Wahlkampf der Cnltusgemcindc getreten. Mit Recht sagt der Wahlaufruf des Rzezower Volksvcreins: „Es soll, liebe Brüder, diese Cnltnsivahl nicht als eine Kleinigkeit betrachtet werden. Die Cnltnsverwaltnng ist der einzige Rest der jüdischen Herrschaft, wo sich noch der Jude zuhause fühlt, trotz aller Verfolgungen seitens der Antisemiten, seiner verbissenen Feinde. Eine ehrliche und thatkräftige Cnltusverwaltnng kann noch heute sehr viel beitragen zu unserem materiellen und geistigen Wohle, sic kann, wenn sie nur tvill, unser tvahrcr Vertreter sein nach innen und außen." Ter ganze Aufruf ist überhaupt ein mnstergiltiges Documcnt dafür, dass Selbstbelvusstfein uub Thatkraft immer auf Seite des Rechtes ist und dass der Sieg auch der cjutcn Sache nur dann gu gewärtigen ist, wenn Männer für dieselbe eintreten, deren Thatkraft iin Kampfe gestählt wird und nicht erlahmt. „Wenn mau aber fragt," heisch cs u. a. in diesem umfangreichen, mit treffenden Hebräischen Ci taten gewürzten Aufrufe, „wieso iverden wir dieser (jetzt herrschenden) Partei die Herrschaft entreißen können, da sie doch am Ruder ist und kein einziges Mittel scheut, um sie auch zu erhalten? So antworten wir ganz kurz: Dtirch Verstand und durch Einigkeit. Wen» wir nur verstehen iverden, dass der Wnhlzettel td» einfaches Papiers!ück ist, das man um ein Glas Meth Umtauschen kann, hass die Bedeutung eines Cnltnsrathes nicht so gleichgiltig aufzufassen sei, dass der erste beste Großhändler oder Bankdireetvr (tont comme chez uousl Red.) dazu die Qualification besitzt, »ud dass ferner nicht jeder reiche Alaun oder Wucherer für fähig gehalten iverden kann, eine jüdische Gemeinde, gross oder Rein, unter den gcgeuivärtigen schivierigcn Verhältnissen würdig und nützlich zu verwalten. Wenn wir das alles verstehen tind dazu einig sind, so müssen wir siegen, denn Einigkeit macht stark und fähig, Einigkeit ist mächtig genug, um auch Eisen zu durchbrechen." „Und wenn wir auch diesmal nicht als vollständige Sieger hervorgehen werden, ist cs noch kein so großes Unglück: eine ehrliche Partei hat nicht die Pflicht, zu siegen, sie hat nur die Pflicht, zu kämpfen, und kämpfen müssen wir, so lange wir noch einen Funken von Redlichkeit und Biederkeit besitzen . . . ." „Die Volkspartei, die es sich zur Aufgabe machte, der Wahrheit zum Siege zu verhelfet» wusste cs im Vorhinein, dass dies kein kleines Unternehmen ist. Sie lvusstc es vorher, dass man ihr mit den größten Verleumdungen und Verdächtigungen entgegentretcn Ivird, sie ivusste, dass wir jetzt im Zeitalter der Corruption und Unterdrückung leben, aber sie schrickt nicht zurück, setzt ihren Kamps fort, denn sie' hat die ehrliche und heilige Aufgabe, das Volk zu erwecken und sein Selbstbewusstsein wachznrnfen. Das jüdische Volk empfindet, und wer empfindet, der zeigt, dass sein Geist noch lebendig ist, dass sein Ehrgefühl noch nicht ganz erstorben und dass noch Hoffnung auf bessere Zeiten, auf Zeiten, in denen das Volk wirklich erkennen >vied, wer seine echten Freunde und wer seine Feinde sind und sich nicht mehr tvird führen lassen von seinen falschen „Wohlthätern", wie der Blinde sich seinem Führer auf der Straße überlässt." Dann schließt der Ansrnf mit folgender zündender Aufmunterung: „Brüder! Keiir Mann von Euch soll sich der Abstimnrung enthalten! Jedes Enthalten wird als ein Mord an der Wahrheit betrachtet iverden! Organisiert Euch! Wehret Euch! Wehren bringt Ehren! Nicht bloß zum eigenen Nutzen und Frommen, sondern im Interesse der Juden iin ganzen Lande fordern wir Euch mtf, Eure Pflicht zu erfüllen. Ihr sollt der Judenschaft im ganzen Lande als Beispiel dienen: .Schließet Euch alle der Action der Volkspartei an! Wählet Männer, die ihren Beutel offen halten, nicht gerade, wenn cs sich um fremde Zwecke handelt, sondern auch wenn gefordert wird, dass sic jüdischnationale Stiftungen unterstützen .... Wählet Männer ans dem Volke, voni Mittelstände, nicht von den extremsten Parteien, wie cs bis nun der Fall war, Männer, auf die wir stolz sein können und sagen: „Dies sind Deine Häupter, Israel! Daun ivird Friede herrschen in unseren Zelten, der Streit ivird iveichcn aus unseren Lagern und Gott ivird uns beistehcn!" Die muthig kämpfende „Jüdische Volkspartei" in Rzezoiv lässt eH jedoch nicht nur beim Versprechen bewenden. Er lveist auch auf seine bisherigen Erfolge auf dem Gebiete der Erziehung der dortigen Inden zu wackeren Jüdisch-Nationalen hin und fährt dann fort: „Der Volksverein hat aber außer diesem moralischen Sieg auch noch mehrere praktische Erfolge anfzuweiscn. Durch se' ... dc wollte pla Veranlassung ist ferner der überflüssige Rabbiner, der höchstens So extrem conservativ verhielt sich Sparta nicht nur in seiner -Lpecialität im Kriegswesen, sondern in seinem ganzen politischen unb socialen Leben. Lparta beharrte bei dem Landbau, bei seiner Eisenwährung, während fast alle anderen Staate»:, vor allem die Seestädte, zu immer lebhaftere», industriellen und eommcrziellen Thatcn kamen/') In ihren staatlichen Einrichtungen hören ivir von der Zeit Lnkurgs und Ebeilons an durch viele Jahrhunderte von keiner Veränderung. Die Erhaltung Spartas als offener Stadt lvar eine der tiegeivfurzeltsten und liebsten Lpkurgischen lleberlieferungen, ein treffender Beiveis der furchtlosen Haltung und des Selbstvertrauens der Spartaner gegen Gefahren^von außen (Dnnker). Sicher lvar aber die Erhaltung der offenen Stadt in einer Zeit solcher Gefahren, wie es die Zeit der Perserkriege und der großen griechischen Bürgerkriege lvar, lvo die Athener daran giengen, ihre langen Mauern zu bauen, nicht nur ein Zeichen hohen Mnthes und stolzeil Scstbstvertrauens, sondern auch ein Z,eichen starrcil, coilservativen Sinnes. Wie sehr aber dieser konservative conseguente Charakter uild der zur Durchführung des von ihm Gewollten nothlvendige Fanatismus gefürchtet und respectiert lvurde, dafür ist der beste Beiveis, dass Epaminondas mit seinem siegreichen Heere wohl um die offene Stadt heruulzog, es aber nicht lvagte, den fanatischen Geist der Spartaner zu wecken und ziveimal abzog, ohne die offene Stadt energisch anzugreifen?) Wie überall iin Leben die Extreme sich berühren und vom Erhabenen zum Lächerlichen nur ein Schritt ist, so fehlt auch dem extrem coilservativen Charakter der Spartailer dieser Zug nicht. Der spartanische Geist erstarrte infolge der exclusiven Inzucht so sehr, dass er auch in kleinliche», gleichgiltigen machen jeder Veränderung abhold lvar, ja überhaupt jeder Neueruilg priucipiell eiltgegentrat. Als der Musiker Phrtis aus Lesbos mit einer nennsaitigen Kithara nach Svarta kam, schnitt ilun der Ephor Ekprepes zivci Saite» ab: ebenso lvurde dem Timotheus von Milet seine elfsaitiae Kithara von deil Ephoren iveggenomineu: Ulan blieb bei der siebensaitigcn Kithara des Terpandros. So sehr die übrige» Griechen über ein derartiges altmodisches Wesen und über andere von ihnen stark abiveichende spartnische Sitten und Gebräuche sich lustig machten, der stramnl gezüchtete lind in jedem Spartiatcn gleichmäßig vorhandene politische Charakter imponierte doch alle», je beweglicher unb darunl iveniger charakterfest dieselben besonders in deil großen Handelseentren bereits zll Iverden anfiengen. Die Spartaner standen noch bis gm- Schlacht von Leuktra unbestritten im Krieg und Frieden im höchsten Ansehen. W>ie aber ihre engere Inzucht anfangs die Ursache der Züchtung ihrer über die übrigen Griechen hervorragenden Charaktere, fünf Bürgern der Stadt befriedigen kann, beseitigt worden, und ivas jedoch das Wichtigste ist, der Volksvcrein hat cs durchgeseht, dass die Wählerliste, die immer nur ein Häuflein Wähler enthielt, diesmal 1100 Wähler anfwcist. Dies alles beweist, dcrss, trotzdem wir noch eine junge Partei sind, mmr mit uns bereits rechnen muss. Wir haben unsere Candidatcn nicht wie unsere Gegner unter verschiedenen Pressionen aufgedrängt, denil sic haben ihr wunderbares jüdisches Programin bereits entwickelt, ein Programm, welches jeder wahre Jude, der jüdisch fühlt und denkt, mit vollem Herzen illlterschreibcii darf. Unsere Führer meiileil es sehr ernst mit ihrem Judenthlime und der Gemeinde, sie wollen frisches Leben, frischen Geist iil ihre blutarmcil Adern flößen, und wer nur ein bisschen Elirlichkeitsgefühl in sich hat, Ivird sich gewiss auf unsere Seiie stellen." Das Herz hüpft einem vor Freude, wenil man diesen schlichten, ehrlichen mannesmuthigen Ton hört! Wer will die Hoffnung auf einen Sieg unserer guten Sache aufgebcn, wenn ans dem verkümmerten Boden beinahe trostloser galizischcr Zustände solch edle, kräftige Bäume emporzuschicßen vermögen, wer will gegenüber solchen Worten der Begeisterung den Muth zu weiteren Kämpfen verlieren! Eine ehrliche Partei hat die Pflicht zu kämpfen, zum Kampfe anszurütteln. die Wunden aufzudccken, wenn der Anblick auch das Herz zerreißt, denn der Schmerz ist die Triebfeder alles Edlen. Und die Rzezower Gcsinnnnasgcnossen haben sich fürwahr keinen leichten Kampf ausgesucht. Mit welchen Mitteln gegen sie gekämpft Ivird, aeht am deutlichsten ans einem mit der Zeichnung ,,M. R. N." versehenen Briefe an die „Drohobliczer Zeitung" hervor, welchen das genannte Blatt in keiner jüngsten Nummer veröffentlicht, und in welchem es u. a. heißt: „Zu den aegenivärtigen Cultn?- aemeinde-Häuptlinaen in Rzezoiv gesellte sich in letzter Zeit ein Mitarbeiter des „Machasike Hadas", der sich aelvöhnlich „M. I. ben Jka" nennt und dcx den Leuten von der Volkspartei in den Rücken kalkt. Wir unsererseits geben auf das Geschnatter eines solchen Menschci' aaruichts: die Herren in Rzezoiv lassen sich aber mit ilun in eine Polemik ein, Ivcshalb wir uns zu einigen Bemerkungen über dieses Individuum veranlasst sehen. M. I. ben Jka Ist ein eigenartiger galizischcr Tvvus. Anderswo könnte eine solche Pflanze garnicht gedeihen. Seit einer Reihe von Jahren ist er Mitarbeiter des „Machasike Hadas", trotzdem er zugleich Mitarbeiter d-s jetzt nicht mehr erscheinenden Missionär-Blättchens „Eduth- Liilrael" war. Eine lange Zeit schrieb er auch dieselben Artikel für beide Blätter. Er mgchte nur den kleinen Unterschied, dass er in seinen Artikeln im „M. H." von jüdischer Frömmigkeit sprach, während er im „E. L." dieselben Sätze mif christliche Frömunak-it nwwandelte, Die Artikel waren auch verschieden in jhr-r Unterschrift. Seine Aufsätze im „M. H." trugen die Untcrscb'nft „M. I. ft™ Jka Mereschc". während dieselben Sachen 'm . L." mit , Maainin Rabbani" gefertigt waren. Diese Maniw'lation war, wie wie nut Bestimmtheit glauben, in der Redaetion bei der Blätter ziemlich gut bekannt. Man wusste also in der Redaetion des ..M. H.". dass Herr b-n Jka für die Verbreitung des christlichen Glaubens unter den Juden thätig ist. dennoch wurden Eine Aufsätze a-eepttget." Wie fügen nur noch hinzu, dass die Redaetion der „Drohobvezer Zeitung" ihren Corrcsvondenten als ehrenhaft und wahrheitsliebend kennt, in dessen Worte kein Zweifel zu setzen sei. R z r s z n w. (Dng.-Delcax. d. ..Iüd. Bolksbs") Bei den Wahlen drangen unsere Gesinnungsgenossen Dr. Koppel, Dr. Wachtel und Tcitclbamn durch. Dir Handelskammrrivahlen. Von Alfred Zweig, ir. Wenn dos fortschrittliche Eentwlwatzleomitee jetzt noch Abschluss der Wahlen in. die Handelskammer, doron gebt, seine Bilanz zu ziehen, so kann, es recht zufrieden sein. Dos Resnllai iff ein bedeutend günbioeres, ols 1110n noch den Niesen Misserfolgen. der Liberalen hätitc «erlvorten können, es ist ein. besseres, ols es speeiell dos liberale Clione-Comiiee verdient bötte, dos jo, wie lnh' in Ar. 11 dorgelegt boben, bestrebt war, mehr auf den Gegner Rll'icksichi zu nebineii!, als einen wirklich freisinnigen Stondvhinkt zu beobachten. Zur tlebermsebunsi der Liberalen selbst boben beide Deetionen der ft. Koteoori'e fortichrkttlich gewäblt, und, was besonders wichtig erscheint, auch die Kleinaewerbetreibmdon Niederösterreichs außerhalb Mens (6. Kategorie) haben in beiden Sectionen für die liberale Liste gestimmt. Nur die Hansels- und Gewerbesection 4 wird durch christlichsociale Kamrnerräthe vcrtveten sein. Hier wurde nämlich den Christlichsocialen kampflos das Feld überlassen, da sonst am Ende ans natürliche Weise kein officieller Antisemit in dieflammet* hätte kommen können. Die acht Mandate mussten den Herren Michael Adler und Genossen durch conciliantes Entgegenkommen eingeräumt iverden, denn solch tüchtige, intelligente Leute wie die Erkorenen der antisemitischen Genossenschaften hätte man ja im eigenen Lager gar nicht auftreibon können! Speciell in der 4. Handelssection wären die Chancen für eine fortschrittliche Candidatenliste nicht ungünstig gewesen. Mangels geeigneter Mandatswerber waren hunderte von fortschrittlich gesinnten Wählern nicht in der Lage, ihre Stimmen abzugeben, und dies findet auch darin seinen Ausdruck, dass kaum ein Drittel der Wählerschaft von ihrem Stimmrecht Gebrauch machte. Die Vorgänge bei den zur gleichen Zeit stattgefundenen Gemeinderathswahlen illustrieren aut besten, wie lächerlich es ist, eine solch weitgehende Coulance einem Gegner gegenüber 51t bethätigeni, welcher, wo er die Macht in den Händen hat, die brutalsten Mittel nicht scheut, um seine Stellung zu behaupten'. Sonst bietet der Ausfall der Handelskannnerwahlen, wie anfangs bemerkt, ein erfreuliches Ergebnis; es i[t der erste Lichtblick nach! langer Zeit. Die Liberalen können freilich herzlich wenig dafür, aber es zeigt sich doch, dass speciell die Kleingewerbetreibenden, des Landes sich in großen Massen von den Männern abgewendet haben, deren treue Gefolgschaft sie bisher bildeten. Diese Erscheinung darf man als günstiges Symptom für künftige Wahlen auffassen, denn bn uns bildet schließlich dos Kleingewerbe ols Wählermasse doch den maßgebendsten Factor; die Kleingewerbetreibenden sind vorläufig numerisch noch immer ausschlaggebender als selbst die organisierte Arbeiterschaft. Wenn )vir von unserem Standpunkte ans die Sachlage betrachten, so wäre es eine Selbsttäuschung, wenn wir daraus auf einen plötzlichen Rückgang des Antisemitismus im allgemeinen schließen würden. Die Christlichsocialen hoben sich nur das Vertraue,n eines großen Theiles der Wählerschoft verscherzt, weil sie die materiellen Interessen derselben nicht in der Weise vertretenhaben, ols sie es seiner Zeit versprochen hotten. Dos materielle Interesse abr geht — und das will viel sogen — dem kleinen Mann noch über den Antisemitismus. Der national-sociale Gedanke in Im Jahre 1897 constituierte sich der „Allgemeine Jüdische Arbeiterb'nnd in Russland und Polen" und gleich darauf fand ein! Congress statt, an welchem die Prineipien und leitenden taktischem Gesichtspunkte dieser so interessanten Gruppe festgelegt wurden. Seitdem, hat sich die Partei noch mancherlei Richtungen entwickelt und sogar, Ivos nicht wenig besagen will, die Auftnerksmnkeit der , morrgläubigen Brüder" in! Deutschland erregt. Die letzte Nummer der „Neuen Zeit" bespricht in ziemlich ausführlicher Weise die neue russisch-jüdische Arbeiterpartei, imd wir möchten gerade an diesen Aufsatz einige kritische Bemerkungen anknüpfen. dieselbe eeetnsive Jnzncbt die Uesacbc. dass diese hervorrapenden Etzarattece rin Verkaufe der Generationen ins Extrem gezüchtet und dcrart tiriert nnirden, dass sie die Eigenschaft niclvandelbarer Starrheit annahmen. Nun ist es ein Gesetz, welches durch die ganze belebte Natur zn beobachten ist, dass alle ins Extrem gezüchteten Ebarattere schließlich selbst schädlich werden und' ihr Zugriindeaehen selbst verursachen. Das trat auch bei den Spartanern ein. Sic giengen nicht, wie andere Aristokratien, an der körverliehen und geistigen' Degeneration infolge des Reicksthnmes und des Nichtgebranches ihrer Charaktere znarnnde, sondern a>> den Folgen ihre.? ert''e>n com'erbaiiven Charakters und der exclusiven Inzucht. Wesentlich in allen ihren politischen »nd militärischen Einrichtungen stehen bleibend n>»d altmodisch, wurde die Lvknraische Disziplin von der fortschreitenden ^militärischen Bildung anderer Staaten übertroffen. Dieses Ereignis wurde ben Spartanern sechzia Jahre früher von den Korinthern") voransgesagt und verlvirkliehte sich nun zur lieberzcngnng von aanz Griechenland auf dem Schlachtfelde von Lenktra. Aber nicht nur an sich selbst hatten die Spartaner das einzig riebtiae natnrivissenschaftliche Mittel angewandt, mit bestimmte, gewünschte politische Charaktere zu züchten und durch exclusive Inzucht zu fixieren, sondern auch bei ihren llnterthanen, den Heloten. Wie bekannt, lvar die Eroberung von Lakonien und Messenien sehr scblvierig und hartnäckig, und zog sich der Kampf durch viele Jahre^ hin. Die Folge war, wie aesagt. nach Beendigung des Kampfes eine viel strenaere kastenmäßige Ahschsießnng des HerrenstandeS von den Unterjochten, als die? sonst in (Griechenland nach der dorisetzen Wandernna und Oecnvation der Fall getvesen lvar. Da das PovnlationS-Verhältnis des Herrenstandes zu den Besiegten höchstens 1 : i?0 war, so waren fortwährende Aufstände zu erwarten, ivenn es nicht gelang, einen Geist der Unterlvürfigkeit z» züchten und dein'ell'en zu vererben. Das erstrebten sie auch und ivandten die gleiche Methode an. wie es Thierzüchter von jeher ge- Gan habe», um bestimmte gewünschte Charaktere zu züchten. Es nt ilnien auch derart gelungen, dass mit Ansnabme der erfolalosen Vcrschlvörmig des Kinadon von der Seite der Heloten trotz des stets gleicb vlei>'-'nden Druckes und der Grausamkeit ihrer Herren nietnals ein Versuch der Al'schiitielnng dieses Joches gemacht »mrd-'. Man vergesse bei dieser merkwürdigen Thatsache nicht, dass die Heloten vonhanse ans ebenso Griechen waren mit den allen griechischen Stämmen eigentliümlichen Charakteren, worunter in erster Linie ein großer Freiheitssinn zu nenne,, ist. Geivalt wäre allein nic ivistande getvesen, ans einem freiheitsliebenden Volke eine so bUndisch-ilnterwnrfige Raste zn machen, wenn diese Geivalt nicht ebenso wie bei der Uintvandlnng der ursprünglichen Charaktere unseres Havshnndes durch künstliche Zuchtwahl und engere Inzucht also die Onelle ihres Ruhmes und ihres Ansehens lvar, ebenso tvardnreh viele Generationen unterstützt worden wäre. Zur Ehre der Menschheit sei hervorgehoben, dass ein derartig nnterivürfiger politischer Charakter, ivic er uns von den Heloten! geschichtlich' überliefert ist, dem Menschen niemals und nirgends ' vonhanse ans angeboren ist, selbst nicht bei den auf niederirer! Stufe der Cultur "befindlichen Völkern. Er ist stets ein küngllches Züchtungsproduct, wie der Charakter des Haushundes, der d,e l Hand leckt, die ihn schlägt und quält.. Nur dort, wo en, Herreu- ' stand seinen Untergebenen gegenüber die gleichen Züchtungsmarimen in Amvendung gebracht hat. wie der spartanische Herrenstand. finden wir einen ähnlichen hündisch-unterwürfigen Charakter, wie bei den Heloten, so z. B. bei der niedersten Kaste in Indien, den Sudra und den leibeigenen Bauern in Russland. : Die Maximen, welche die Spartaner zum Zivecke der Züchtung dieses unterwürfigen politischen Charakters anwendeten, tvaren folgende. Ebenso wie der Herrenstand, war der Helotenstand ans die exelnsivste Inzucht angewiesen „nd haben bezüglich der Ehe der Heloten die Spartaner es sicher ebenso gehalten, wie, die russischen Adeligen zur Zeit der Leibeigenschaft mit ihren eibetge- „en „Seelen". Auf diese Weise lvar das zahlreiche Volt der Heloten in viele kleine Jnznchtherde von wenigen Jnzuchtsamilieii w'theilt, ivodurch die Wirkung der Inzucht mbezng ans die Vererbung des Charakters in wenigen Generationen eiMrcten »miste, icne das bei den Thierztichtversnebeii auch stets der /vall nt.J) Die Heloten sollten ferner durchlvegs verschieden vom vereenstande sie in/ ES wurde ihnen verboten, eine andere Tracht z» tragen als die Lederkappe und das Schaffell. Jede gmnnastnche und ritterliche Uebnng wurde ihnen nntersagr. ja sogar verboten, die Lieder Terpandros zn singen. Das wichtigste,iwbü der eiigereil Inzucht lvar aber die Krvpteia. Es war dies eine Institution zur shsteinatische» Ausrottung der Kühnsten. Tüchngsten. ffretherwlicbendsten unter den Heloten, also das nämliche Buitel, welche^ Thierzüchter anwenden, um nnerwnnschte Charaktere ans einer Herde ansznmerze». Dadurch fehlte es den Heloten stets an Führern, da ja alle hierzu Befähigten durch die Kruptcia be,eitigr lvurde». .... . -l *4?liif diese Weise bracbte cs der svartaniiche Herrenstand dahin, dass seine llnterthanen in ivenigen Generationen schon wetze . und besser durch die Bande der angeerbten und ftrierten Charaktere in ihrer Stellung gehalten ivnrdeii. als durch die offene Gewalt, ^iese Bande der Natur ivaren. nachdem die ^n,zuckst durch vnle Generationen ihre fixierende Wirkung ansgeübt hatte. ,0 stark. dn,v . selbst daS große nationale Unglück, welches deii svarrannckien >?errenstand bei Leuktra traf, die Heloten in ihrer Mehrzahl nicht belvc^rn konnte, ihren grausamen Herren untren zu werden, ähnlich -.em Hunde, der bei seinem Herrn bleibt, wenn derselbe auch zum vmler geworden und es schmale Kost und viel Sckilaae zi, erleicen gibt. l ackst»)s folgr.)

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