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Jüdisches Volksblatt · 1902-04-04 · 14 (4.4.1902) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
14 (4.4.1902)
Date
1902-04-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite* $ •Jüdisches Volksblatt 4. April 1902 Nr. 14 Wien, Freit;it’ feit eilte strafwürdige Ehren beleidiflmifl ist. Es ist daS Verdienst uusercs GesiiiuuuflSflenosicu Dr. stöhn, diese principielle Entscheidung provociert zu Huben, da der Richter geneigt tvar, die Angelegenheit sub spccie einer harmlosen Studeuteurauferei zu behandeln. Dadurch ist jcöcin ^taiuiueSgenossenj die Möglichkeit und zugleich auch die nwralische P stich fc erwachsen, iit dein Falle, als ihm unter dem Vorivan de der SntissactiouSnufähiflkeit die Eenugthunng verweigert wird, bei Gericht sein Recht ztt holen. Aeir hoffeit, dass dieser Appell nicht ungehört verhallen wird, denn die Ehre unseres Volkes muss nicht mlr auf dein Fechtboden, sondern auch in dem Gerichtssaale verteidigt werden.^ Wir sind überzeugt, dass die jüdischen organisierten Studenten auch dieser Pflicht Nachkommen werden. Zrrrrr Capltel der Taufen. In der jüngsten.' Zeit sollen Austritte aus deut Judenthnnr stattgefunden haben, die die normale Zahl weit übersteigen. Es verlautet sogar, dass Convertierungeir eit Masse stattgefnndeu haben sollen, ein Gerücht, dass wir auf seilte Richtigkeit nicht überprüfen »vollen. Die Thatsache steht fest, dass Eonvettierungen vorgekomnten sind, imd »vir können, so schwer utts dies auch fällt, nicht umhin, uns mit dieser Landplage zu deschöftigeit. In der Budgetdebatte hatte llnterrichtsnünister Dr. v. Härtel gelegentlich der Berathung des Etats für das Mittelschulivesen der Klage Ausdruck verliehen, dass der fühlbare Mangel anMittelschullehreru, resp. der.Rachivuchs an Supplenten unb Lehramtseandidaten es unmöglich mache, die bestehenden Mittelschulen mit den allernöthigsten Lehrkräften zu versehen, und dass es einDing der Unmöglichkeit fei, an die Erlveiterung, geschweige denn Neueinrichtung dieser Unterrichtsausialten zu schreiten. Uuterrichtsminister Dr. v. Härtel hat aber nicht beit Math und die Aufrichtigkeit besessen, dem Abgeordnetenhause bekannt zu geben, dass Aspiranten für den Mittelschulunterricht »vohl vorhanden seien, dass er auf diese nur deshalb nicht refleetiere, »veil sie nicht in der Lage sind, einen Taufschein ihrem eurrieotmn hitac beilegen zu können. Unserem Lesern ist diese Zwiespältigkeit des Unterrichtsministers nicht neu, wir haben sie wiederholt geschildert. Wir sind selbstverständlich außerstande, Herrn Dr. v. Härtel dafür zur Rechenschaft zu ziehett, dass er die von ihm beschworenen Staatsgrundgesetze umgeht, jüdische Lehrkräfte perhorreseiert. Nur das Parlament, dem der Unterrichtsminister verantlvortlich ist, vermag ihn zur Rechenschaft zu ziehen und ihn nöthigeufalls auf die Anklagebank zu bringen. Der Abgeordnete Tr. Straticher hat in seiner vielfach citierten, denkwürdigen Parlamentsrede das Thema wohl zur Sprache gebracht, allein er hat keinen Beistand gefunden, und so ist es dem Unterrichtsminister tveiterhiw möglich gemacht, die Staatsgrundgesetze zu umgehen und den Eid, den er auf die Einhaltung derselben geleistet hat, zti brechett. Aspiranten, die sich, so lange sie Juden gewesen sind, erfolglos alle erdenkliche Muhe geben, eine Supplentenstelle zu erlangen, lixueit in der Lage, in dem Momente, als sie das Bad in Jerichowasser hinter sich hatten, Victoria zu rufen, denn itmt wurde ihnen das Patent als wohlbestallter Mittel schul lch reg upplent unbehindert ausgefolgt. Dieselben Schwierigkeiten haben wir auch auf aitderen Gebieten, in die die S p h ä r e der Regierung hineinragt, zu bestehen . schasr „Natur" und darum: „Naruram eppellas furra, tamcix nsqne rccuri'cf." Wie iväre c-c> einer Erziehung allein möglich, eine derartige Wirkung auf den politischen Charakter eines Einzelindividunms, einer haste hervvrznpringen und z. B. eine solche aufopserungssähige Vaterlandsliebe zu züchten, wie wir sie an zahlreichen Beispielen der alren Oicfchirfuc vor uns haben. Dies ist nur möglich, wenn die Erziehung durch angeerbte und durch Pieljährige Inzucht fest sirierie Gefühle innerstützt wird nird im ererbten Blute schon der geeignete Boden vorliegi, Ivo dann Erziehung und Milien die im Volle oder in der .staste mit Vorliebe gezüchteten Charaktere zur höchsten Reise bringen können. Im Alterihnm, wo Inzucht und Vermischung fast innner in errremer Weise anfrrat, haben Ivir auch die Wirkung derselben ans den politischen Charakter in ertreinster Weise vor uns. Die beiden Miister-Inznchtvölker des Alterthums — die Aegyvrer und alte n Jude n — haben darum auch den eonservarivsten politischen Charakter auszuweisen und so inachte sich derselbe, da die Religion bei beiden Völkern im Staatswesen eine so hervorragende Rolle spielte, hier auch am meisten geltend. Bekannrermasten beleidigte und empörte stambyses die Aeghptcr durch iticlns mehr, als durch die mutwillige Tödtnng des heiligen Apis. Alle späteren Eroberer und Herrscher Aegvpkens, die Ptolomäer tind Römer, Hanen als oberstes Regierungsprincip vor allem die Schonung der conservaiiven, durch eine unendliche Reihe von weneraiionen fest filierten religiösen Gefühle im Auge. Das Gleiche können tvir an den alten Jude n beobachten, nachdem durch die strengen Inznchlgesehe des Esra lEsra, lO. Cap., 2 und 1 ' I I und Aehemia, EaP. 10, 2!») jede fremde Blut- Mischung ausgeschlossen Ivnrde. Die Pharisäer bildete» die ans strengster In picht basierte conservative politische Partei, während die Laddneäer, ivelche mehr römisches und griechisches Mischblnt in sich hatten, die freisinnigere liberale Partei darstellten. Von allen Theilcn Palästinas war aber Galiläa die am stärksten gemischte Provinz, darum auch der vrlhodore Inznchtjnde verachtungsvoll fragte: „Was kann kg,,res ans Galiläa kommend" und schon den Namen „Galiläer" svracb der alte Inznchtjnde eben wegen dieses Blt'tgegensaves uni einer getvissen Verachtung ans. Christus selbst und alle seine Jünger, mit Ausnahme des Judas, stammten l>ekanntlich ans dieser Provinz. Dass der Reformversnch. den Christus an der bereits vollkommen erstarrte» jüdischen Religion versuchte, bei den Inden selbst im arosten und ganzen misslang, lag an dem bereits ansterordemlich fest silierte» conservative» Charakter der alte» Inznchtjnden, welche jeder Veränderung und Anpassung ebenso abhold waren, nie es heute noch die echten Vvllblntjnden sind. Es hat stets im jüdischen Volkskörper etwas Mischblnt gegeben, Ivelches. nie di.' Daddncäcr. die Galiläer und Samaritaner, mehr beiveglicheren Geistes und fiel) veränderten Verhältnissen leichter anznpassen imstande war, während der orihodore Inznchtjnde stets mit der ganzen fortschreitenden Bewegung wegen seines starren Festhaltens am Hergebrachten in fortwährende Conflicte gerathen musste. Auch heute ist der jüdische Volkskörper in zwei Lager getheilt, in die Zionisten und ihre Gegner, wobei die Zionisten die Es ist ein öffentliches Geheimnis, dass den Iudeit der Eintritt in den RLchterftand verschlossen ist. In neuester Zeit lverden sie auch in die militärärztliche Earriere nicht zugelasseu. Das Militärauditvriat ist judenrein' und fürchtet, durch den Eintritt.eines Juden ein Sacrileg Zll thun. Dieser weife ist ihnen der Eintritt in alle staatlichen Stellungen versagt. Was Wunder, »venu die jungen Leute, ungeduldig lverden, ivenn sie die Eitelkeit, der Ehrgeiz und in den meisten Fällen der. Hunger zwingt, zur ultima ratio zu fl reffen und den schimpflichen Schritt, den Abfall vom anflestammten Glauben zu thuu. ES kann nicht oft flemtfl darauf hinpewiesen lverdeu, dass die Verluste, ivelche dem Iudenthllin auS dieser Seelenfänflerei erivachs.eu, von. tief einschneidender Bedeutung sind. Deim eS ist oft die Blüte unseres Volkes, die der jüdische Stamm verliert. Die Sache wächst sich nachgerade zit einer Ealamität aus und bedarf dringend einer schnellen Remedur. Das ist »vohl ein dankbares Feld der Thätigkcit für alle diejenigen, welchen die Wahrung der Interessen deS IudenthumS anvertraut ist, und auch für diejenigen, die sich diese Währung -- ob mit Recht oder Unrecht, bleibe dahingestellt — arroflieren. Die Rechtsschulzbureaur lverden bald schon nichts mehr zu thun haben, iveil es vielleicht keine Juden mehr geben wird, die sich derselben bedienen können. Blau muss sich_ endlich zu einer Thal aufraffeu und daS Unglück radical ablvehren. Es steht zu befürchten, dass sonst eine Masseuflucht stattfinden dürfte, die uns unserer besten .Kräfte beraubt. Unsere jüdischen Gemeiudepolitiker scheinen den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen, oder sie beobachten die Taktik des Vogel Strauß, der, um der Gefahr nicht ins Auge sehen zu müssen, den stopf in den ^and steckt. ES kann nicht oft fleititfl betont werden, dass bie Aufgabe des Eultusvorstandes der Wiener Iudenaemeinde mit der Führung der specifischen Gemeindeverlvaltuug und Gemeindewirtschaft nicht erschöpft sein kann.. ES steht Höheres auf dem Spiele, als z. B. die Firiemng des Gehaltes eines Anshilfsbeamten oder die Ans'tellunfl eines st'anzleidienerS. Minima non citra praetor. Wir richten daher an den Eultusvorstand der Wiener israelitischen. EultuSgemeiude und an alle Großen nnsercS Glaubens den ebenso warmen als eindringlichen Appell, die geschilderte Ealamität »vohl Zu beachten, derselben mit alter Bcacht und Entschiedenheit zn begegnen, ehe sie für das Iudenthum zu einer statastrophe sich auSUwchSt. G«!izischc Prossverhii flfe _ Die Handhabung des Pvessgesetzes mit allen feinen Eenskirunb EoufiScationSbestimiuungen hat in Oesterreich schon manches Lchildaftüökchen > gezeitigt. Hauptsächlich aber war es immer diejenige Bestimmung deS Gesetzes, Ivouach die Feststellung davon, dessen. Weiterverbreituug verboten werde, dem subjectiveu Ermessen der staatsaMvaltschafttichen Fuuctiouäre überlassen bloibt, ivelche geradezu zu den lächerlichsten Verfügungen führte. Das „fubjective Ermessen" hat sich in vielen Fällen als sehr unverlässlich, gar oft als sehr naiv erlvieseu. Dass mancher Eeusor in seinem eigenen Wirkungskreise mit seiner subjectiveu Anschauung im großen Publicum eilten Heiterkeitserfolg erzielte, wie. sich dessen der größte Humorist oder Komiker nicht leicht erfreuen kann, musste mau endlich und schließlich über sich ergehen lassen,, denn diese fubjective Auffassuug ist ja doch nichts anderes, als die Anwendtutg des stramme nationale eonservatipe Partei repräseinieren und ihre Gegner die mehr liberale. Ich bin fest nberzengr, dass auch hier für die Zugehörigkeit zn den beiden Lagern im tiefsten Grunde das Blut den ausschlaggebenden Factor bildet. Wenn man die Ahnentafeln der Generationen der beiden Parteien vor sich hätte, so würde sich für die tUvnisten ergeben, dass sie viel mehr Vottblntjnden sind, als ihre Gegner. Das klassische Beispiel für den Einfluss der Blnkmisclmngs' perhältniste ans den politischen Charakter einer Bevölkerung waren im Alterthnm die zivei führenden Volksskämme der Griechen: die Spartaner und Athener. Sie sind für unsere Frage gleichsam v.'ie ein dtatnrerperimeiN. Nicht nur sind die beiden Volksstämme i» genealogischer Hinsicht Bruderstämme, also in ihren Stammeseharakkeren Ponhanse ans sehr ähnlich, sie haben auch unter ziemlich gleichen änst,erlichen ltimatisehen und Politischen Verhältnissen ihren stampf nms Dasein geführt. Nur bezüglich ihrer Blntmischnng haben sie sich ganz verschieden gehalten und darum war auch ihr politischer Charakter ein ebenso verschiedener. Cs ist in der ganzen Geschichte der Menschheit lein ähnlicher Fall bekannt, dass zwei Brndeeskämme, welche kaum ein paar Tagreisen von einander siedelten, im Verlaufe weniger Generationen einen solchen diametral verschiedenen Nationalchnrnkter gezüchtet haben, wie diese beiden Stämme. Bisher ivnrde, was die Spartaner betrifft, das Aceck loürdige dieses eigenthümliehen Nationalcharakters der Einwirkung der Gesetzgebung des Lyknrgns, also als das Resultat der spartanischen Staatserziehnng angesehen. Der Einfluss eines so eingreifende» ErziehnngSshstems soll nicht geleugnet lverden. Damit aber eine Erziehung ei» so gleichwertiges stkesnltat erzielen kann, wie Ivir es in dem spartanischen Hcrreustand vor uns haben, muss dieser Erziehungsanstalt midi ein gleichwertiges Rohmaterial zngeführk werden, denn bei aller Crziehnngsknnst bleibt, wie bei jeder anderen Kunst, dveh die natürliche Anlage die Hauptsache. Das Ivar bei dem spartanischen Herrenstände im hohen Grade der Fall, und zwar Ivnrde dieses Gleiehmas', der Anlage hervorgebracht durch eine ecclnsive Inzucht innerhalb desselben, wie Ivir sie in dieser Crelnsivitäl bei keinem anderen Griechenstaunue finden. Der aiisterordentlicb scharfe stampf, Ivelcber bei der Eroberung von Lakonien und Messenien staktfand, hat die stlnft zwischen Sieger und Besiegten von vornherein so tief gemacht, dass hier, eine kastenmässtge Abschliestnng derselben von Anbeginn eintrat, wie wir sie sonst nirgends in dieser Schärfe bei den Grieche» beobachten können. Zivischeu diese» beiden staslen war also eine Blutbermisehung überhaupt ansgeschlossen. Aber auch eine Blntmischnng mit Familien anderer listnechenstämme war fast unmöglich, weii frühzeitig das Gesell gegeben wurde, dass zur spartanischen Vollbürgersclinft die Abstammung von einem spartanischen Vater und einer spartanischen Mutter nöthig sei. Dazu kam, dass von Zeit z» 'seit alle Fremden ans Svarta ansgewiesen lvnrden und einem Svartialen nur in Staatsangelegenheiten erlaubt Ivar, längere Zeit int Anslande z» verweilen. Wir haben es also hier mit einer geselllich boc- Gesetzes, und daS Gesetz rnnsS refpectiert werden. Aber man sollte nun glauben, dass die fubjective Auffasstmg, fügen wir, des Wiener skaatsanlvalkschastlichen FttnctivnärS, da sie nun.eiuuml Gesetzeskraft besitzt, nicht nur voin | Publicum, zu dein auch der Herausgeber eines Blattes gehört, refpectiert lverden sollte, souderu auch von dem, nehmen wir an, galizischeu Collegen des Wiener Beamteit. j Doch es kommt anders, wie wir das erst vor ciuigen Tagen . erfahren mussten. j In Nr. 11 des „ Jüdischen Volks bl ist" widmeten Ipir. dem derstorbcueu Dr. st a Post einen .Nachruf und konnten es uns nicht versagen, darauf hinznweisen, dass Dr. Kaposi auch eines jener vielen Beispiele war dafür, wie die größten Geister deS Judenthums durch unausgesetzten. Druck von oben, durch consegueute Präterieruug früher oder später vor die Alternative gestellt lverden, entweder seine Ainbition, in seiner Laufbahn iveiterznkommeif, zu unterdrücken, oder feiit’eit Glauben zu verleugnen, seine Religkon zu verlassen. Wir haben diese Thatsachen uimmltnmdeu ausgesprochen, denn sie beruhen auf Wahrheit, und daS praktische Leben brmgt täglich die traurigsten Belege dafür, dass die in. den StaatSgrundgesetzeti zllgesicherte Gleichberethtigunfl aller Eonsessioneir und Nationalitäteit aus die Juden nur daun Anwendung finden, wenn eS sich tun beit Autheil an Den Lasten des Staates handelt. _ Die in diesem Sinne gehaltene Notiz hat die hiesige Eensur — wie es anders nicht einmal hätte geträtnmt werden toninen — anstandslos passiert. Und mm kommt daS Abderitische! Unser College, der „Hamagid", liest unsere Notiz, schließt sich Miseren Ansführnngen am glattbt dieselben seinen Lesern nicht vorenthalten zu dürfen., drtickt sie mit einigen im gleichen. Sinne gehaltenen Benterktmgen ab.^ Da regt sich plötzlich in der streukauer Ceusur die fubjective Anschauung und confiSciert, unbekümmert darum, dass der „Hamagid" die Omello citiert und dass die Wiener StaatseMvaltschaft in dem Artikel nichts Anstößiges gefunden hat, den betreffeudeu Artikel. Die Eoitfiscatiou hat Rechtskraft erlangt, sie ist nicht ntehr rückgäitgig zu machenaber mit Verlaub, Herr Morelowski, die eine Frage: Wozu diese Höllenangst^ Ist eS denn nicht wahr, dass die Juden ihres Judenthums wegen ztt leiden haben? Und hat ein ehrlich jüdisches Organ nicht die Pflicht, jede Gelegenheit zu ergreifen, um die Juden zum. AuSharreu auzueifetm und ihnen, vor Augen zit führen, dass die Taufe daS verloerflichste AuSkmtftSmittel sei in diesem ungleicheit .stampfe zivischeu tllecht und Macht? Und ist diese Ermahnung nicht gerade iitmitteu der hmtgerudeu, bedrückten galizisch-jüdischem Masse die heiligste Pflicht der jüdischen Presse? AlS wir dem „Hamagid" mit der großem Lücke au Stelle des eoufiSeierteu Artikels ztt Gesichte Mont eit, da schien es unS, als gähne tms jene große Lücke, in den StaatSgrtm'dgesetzeu, jener tiefe Abgrund im Staatsleben entgegen, der mit dem. Sammelnameit „Jitdenuoth" bezeichnet Ivird, mtd wir fühlen mit dem: „Hamagid" mit, wenn er bitter ausruft: „Der galizische Jude hat unter der doppelten Judeimoth zu: leiden, unter dem allgemeiiteu GoluS und unter der speeififch galizischeu Judeuuoth .... und wir fügen uns dem Verbote, »vie wir tms dem vielen anderem fügen, denn. - wir sind geknechtet, wie unsere Vorfahren im Erodu.S es waren." Nestbiicbenen Inzncbl von derartiger Epelnsivilät zn thun, wie sie nur bei dem Volle der allen Inden seit Esra und bei den römiscben Patriziern bis zur Anftiebniig des Verbotes des Eonnnbinins zivischcn Patrieiern und Plebejern vorgekonnnen ist. Da der spnrknniscbe Herrenstand anfangs aus 8000—10 000 Familien bestand, im Verlaufe der Jahrhunderte aber stetig an Zahl abnahin, eine Thatsache, die wir uns nur als eine Folge des Aacvlasseus der geschlechtlichen Neprvdnctionskrafl infolge fortwährender Inzucht erklären können,") so mussten hier die Folgen der ereclnsiven Inzucht viel schärfer und schneller zutage treten und dies umso mehr, je größer im Verlaufe der Generarionen die Almenverlnste waren?I Frühzeitig zeigte sich daher der Einfluss der epelnsiven Inzucht auf den politischen Charakter der Spartaner in einer conserpativen Gesinnnng von geradezu auffallender Stärke. Immer mehr, je länger die Inznehr ivährt, gerathen die Spartaner in einen Gegensalz inbezng auf Sitte und Gebräuche und inbezng auf das. was allen Griechen-Stämmen gemeinsam und das einigende Band derselben ponhanse ans geivesen war. Wir haben über diesen Gegensatz in dem politischen Charakter im Vergleiche mit den übrigen Griechen, besonders über den mit den Vertretern der liberalen Richtung, den geistig so beweglichen Athenern, eine treffliche Schilderung bei Thntudides in der Rede des korinthischen Gesandten: „Die Athener sind ''Neuerer, rasch im Bedenke» und rasch im Ausfuhren dessen, was sie. beschlossen haben. Ihr (Spartaner) loollt bewahren, was ihr habt und darüber hinaus nicht einmal das Unerlässliche erivägen und ins Werk setzen. Die Athener wagen über ihre straft hinaus und suchen unverständig die Gefahr und sind voll guter Hoffnung, auch wenn es übel steht. Eure Art ist hinier eurer Räicht zurückgeblieben, selbst der sicherste» Meinung nicht zn trauen und anznnehmen, dass die Schwierigteilen niemals anfhören. Wer alles in allem znsammenfassend behauptet, der Athener Wd sei. weder selbst Ruhe zn halten, noch anderen Menschen Ruhe zn lassen, trifft das Rechte." Diese Rede Ivnrde gehalten zn einer Zeit, als die confertiatilu' politische Gesinnnng in Sparta schon längst den^ gesunden goldenen Mittelweg verlassen hatte und die Folgen der Erstarrung des eonserpativen Charakters anfiengen, den Spartanern selbst und ihren Bundesgenossen schädlich zu werden. So halten sie zur Zeit der höchsten Gefahr für ganz Griechenland, trotz der dringenden Bitten der Athener, es nicht über sieh vermocht, von ihrer alten Gewohnheit inbezng ans das Ausziehen in das Feld abzugehen» und waren darum auch zur Schlacht bei Mirathon zu spät gekommen. Aber die ganze Geschichte des spartanischen Staates ist voll von Beispielen ähnlicher schwerfälliger/ conservatiper ChacaAerznge. Wie oft haben die sparlanischen Heerführer offenkundige Vortheile anfgegeben. Iveil sie durch religiöse conservative Bedenken dazu bewogen wurden oder niclil imstande waren, ihre Entschlüsse den gegebenen Verhältnissen anzupassen. Sie glichen hierin den vrthodoren conservativ erstarrten alten Juden, Ivelche auch lieber ihre Städte erobern ließe», als dass sie dieselben, wenn sie am Sabbath angegriffen Ivnrde», verlheidigt hätten.

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