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Jüdisches Volksblatt · 1902-03-28 · 13 (28.3.1902) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
13 (28.3.1902)
Date
1902-03-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 Seite 3 Wien, FYeita# Jüdisches Volksblatt r?8. Marz 1902 blicke aus au licht, fo üct'öcrblid) kamt sic wirken, namentiich in den nngebildeten Volks kreisen auf dem Lande. Die vervielfältigende Munft in allen ihren Spielarten im Dienste der Jndenhetze erlangt eine umso grossere Wichtigkeck und Bedeutung, als die drecken Bevölkertnigsschichten der Druckerpresse eine Autorität und Notorität znschreiben, Iveit man richtig combim'ert, dass sonst die Verbreitung behördlich nicht gestattet lverdeir würde. Die Einfalt! vom Lande glaubt noch vielfach alles, was gedruckt ist und schlvört einen heiligen Eid auf die Dichtigkeit bcffcn, was in irge11d einer obseuren Leitung oder in einem Flugblatte t)u lesen ist. Selbstverständlich ist die antisemitische Partei gerne bereit, ein solches Machtmittel intensiv und extensiv nach jeder R'ichtnng hin eniSznnntzen. Die Pressbehörde dttldet unbegreiflicherweise diese verderbliche und höchst gefährliche Jndenhetze, und wenn sie auch über unsere Intervention sich bemüßigt findet, hie und da ein.znschreiten, so, ist es in der Pegel schon ,)u spät, baut nachdem die weiteste Verbreitung schon stattgeftmden hat, ist das Unheil schon aitgerichtet und das Geschehene nicht Mehr gut zu machen. Die vielen während der antisemitischen Aera vorgekommenen Plünderungen, Berandungen und Brattdschatzungen der Inden sittd nt erster Linie der Verbreitung jtidenheln^ischer Deckungen nnd Druckschriften znizue schreiben. Das objective Verfahren gegen die judenhetzertschen Press-Erzenginsse kann nur Dann von voller Wirkung sein,^ Ux’.nit die Eonfiscation derselbett derart rechtzeitig stattfittdet, dass die Verbreitung unmöglich gentacht tim*b. Dass der Eonsis ca t io>i s-Apparat a tempo in Betvcgnng gesetzt wird, rasch ftntetiotticrt, das zu erreichen war bisher nicht möglich. Nur in den allerseltensten Fällen rafft sich die Pvessbehörde dazu auf, auch die snbjective -Anklage zu erheben nnd, horribele dietn, auch da gehen die Gerichte nt.it Freispruch vor. Einen seltenen Ausnahmsfall in dieser R'ichttmg möchten, wir deshalb erwähnen, weil er eine besondere Bedeutung besitzt und unS zur Richtschnur dienen kamt, wie naiv vorkonnnendenfalls uns vor den durch die Druckerpresse erfolgten Angriffen unserer Gegner zu schützen vermögen. Der Fall ist folgender: < V e r b o> t e >t e A n sn ch t s f a r t e n.) Das Justizministerium hat den Ge richtsstellen eine oberstgerichtliche Entscheidung bekaimtgegeben, durch welche etttschiedeit tvird, dass Ansichtskarten lttit politischem Inhalte von der Begünstigung des allgenteinen Verschleißes ansgeschlossen sind nnd nur mit pressbehördlicher Bewilligung in Verschleiß gebraclst werden dürfen. Es hatte sich ttämlich ein Papierhändler mit dem Verkaufe von Ansichtskarten befasst, ans denen'nebst einem „Antisemitischen Gruße" auch „Zehn antisemitische Gebote" abgedruckt sind. In denselben tvird der Abbruch jedes socialen und geschäftlichen Verkehres mit den Juden anempfohlen und eine Reihe von Verhaltungsmaßregeln aufgestellt, die hiezu führen sollen. In erster nnd zweiter Instanz war> der Papierhändler, welcher angeklagt war, diese Ansichtskarten ohne pressbehördliche Bewilligung verkauft zu haben, freigesprochen worden, weil die Gerichte der Ansicht waren, dass es sich nicht um solche Presserzeugnisse handle, deren Verkauf behördlicher Bewilligung bedarf. Der Cassationshof entschied, dass durch dieses llrtheil das Gesetz verletzt worden sei, da diese Aitsiehtskarten, der antisemitischen Propaganda dienend und in das politische Getriebe direct eingreifend, nicht zu jetten Druckschriften gehören, die einen strafgesetzwidrigen Missbrauch der Presse von: vornehereiit nicht besorgen lassen. Der Abbruch aller socialen nnd geschäftlichen Beziehungen zu den Angehörigen einer im Staate gesetzlich anerkannten Religions-Genossenschaft gehe über örtliches mtd gewerbliches Jitteresse weit hinaus, die frag- Federn geschmückt haben soll.'') Erter hatte den Math, die ganze moralische Fäulnis der damaligen Führer der galizischen Judenheit schonungslos aufzndecken und die gebildeten Kreise zum Kampf«? gegeir alle Gebrechen nnd Schäden im fociafcti und religiösen Leben anznsporncn. Er hat es gewagt» mit beizender Satire nnd ätzendem Humor alle zersetzenden Elemente im öffentlichen Leben an den Pranger zu stelle» und die in den chassidischen Kreisen herrschende. Banalität, Unwissenheit nnd Verwilderung der Sitten mit unsichtbaren Thränen in den Angen zn verhöhnen und zn verspotten. Er holte sich seine topischen Gestalten aus dem tristen Milieu der galizischen Juden, um mit photographischer Treue alle ihre Gebrechen, Schäden und moralischen Defecte darzustellen. In seinen, der ihn umgebenden Wirklichkeit entnommenen Aufsätzen hat er ein farbenreiches nnd vollständiges Bild des gesammten socialen Lebens und der culturellen Atmosphäre des damaligen Galizien geboten, er hielt seinen Landsleuten einen Spiegel vor, in welchem sie ihr Angesicht erblickten ... So hat er es vermocht, die neuhebräische Literatur zum Spiegel der unmittelbaren Wirklichkeit, somit zn einer national e n Literatur zn machen. Wie ein echter Dicliter Mac Erter bei der Vertheilnng der Erdengüter zu spät gekommen und hatte mit Nach zn kämpfen. Um sich dennoch eine halblvegs gesicherte Existenz zu verschaffen, gieug er im Jahre 1825, als dreiunddreihigjähriger Mann, als er bereits heiratsfähige Töchter hatte, nach Budapest, um die Arzneikunde als Brotstndinm zn erlernen. Nach absolvierten Studien, die volle fünf Jahre in Anspruch nahmen, kehrte er nach Brodh zurück, um da von nun an unabhängig seinen Beruf treu ansznübeu. Neben seiner vielseitigen Beschäftigung mit der profanen Wissenschaft für seinen Geist und mit der Arzneiknnst für seine leibliche Existenz lieferte Erter der nenhebräischen Poesie gelungene Dichtungen und literarische Aufsätze, Denkmäler seiner reichen Begabung, ihn nnd die Zunge, in der sie geschrieben, sind, zu verewigen geeignet. In seinen naturtreuen, ergreifenden Schilderungen liegt zauberhafte Poesie und Humor, die, lvie die Kinder der Heine'sche» Laune, anziehen und fesseln, lleberhaupt hat Erters hebräischer Stil vielAnlähnlichkeit uiitHeines, ohne dass er ihn gekannt hat, mit dem Unterschiede, dass Erters Satiren gleichzeitig ergreifen und erschüttern und die von ihm entlvvrfenen Bilder menschsicher Dummheit und Nichtigkeit eher Thränen als Lache» entlocken '*) Diese, seine Satiren und Schilderungen, wie auch dessen Briefe und sonstigen Dichtungen sind nach seinem Tode von Lettens gesammelt und unter dem Titel „Hazofeh lebeth Israel" (Wien 18k>2) herausgegeben lvvrdeu. liche Druckschrift dürfe daher pressbehördlicher lieber wachnng nicht, entzogen werden. Die maßgebenden Kreise, die mit der Wahrung der Interessen und Rechte des Jndenthnms betraut sind, besitzen in der Regel weder Mulch, itoch Thatkraft, sofort eiitzuschreiten, wenn es gilt, die gegen uns gerichteten Angriffe zn parieren. Es ist daher ein Gebot' der Nothwendigkeit, dass jeder in seinem Wirkungskreise Mannesinnth genug an den Dag legt, den Ausschreitungen der antisemckischeit Partei in wirksamerer Weise zti begegnen. Gin Hoffnungsschimmer. In der finsteren N'acht, die sich über Juda zusamtnenzuziehen scheint, mitten in den Hiobsposten, die alis Rumänien kommen, taucht ein HoffnungsschUmnter, ein erster Rettungsstrahl auf. Er kommt aus Russland. Dort seufzen fünf Millionen unserer Brüder unter der Knute eines Willkürregimentes. Sind auch in den letzten Jahren keine, besonderen Excesse vorgekomnteit, so ist doch das stets gleichbleibende Maß der antokratischen Ungerechtigkeiten so voll, dass unsere Brüder in Russland oft Verzweiflung und Entinuthigung befällt. Von allen Seiten!mehren sich aber die Anzeichen, dass das autokratische Shstent in Russland ernstlich bedroht ist. So hat kürzlich der Adelsntarschal! des Gouvernements Orel, Michael Stachowicz, in einer flautmeuden Rede der Reaction den Fehdehandschuh hiitgelvorfen und sich für freiheitlicheReformen ausgesprochen. Das Auftreten. Stachowicz' rief in Den Reihen des russischen Adels begeisterte Fustimmllng hervor und auch Fürst llchtomsky, der persönliche Freund des Czaren, stellte sich in dem von ihm herausgegebencil Journal „Peterslutrskie Wjedomosti" auf die Seite Stachowicz'. Die Regierung drückte Herrn Stachowicz amtlich das Misstrauen ans nnd zlvang ihn zur Demission. Aber die Adelsversamntlung des Gouvernements Orel gab dem Minister eine prompte Antlvort, indem sie ungesäumt mit Einstintmigkeit die Wiederwahl stachowicz vollzog. Die Regierung antwortete darauf, indetn sie int amtlicheu „Pralvitelstwemth Wjestntk" l „Regierungsboten") folgende Note erscheinen ließ: ..Das Journal „Petersbnrskie Wjedomosti" hat eine schädliche Richtung bekundet, welche namentlich in den Artikeln „Anlässlich der Rede Stachowicz'" und „Nochmals über Gewissensfreiheit" zutage tritt. Angesichts dessen! hat der Minister, des Innern verfügt, dass Dem Journal „Petersbnrskie Wjedomosti" in der Person des Herausgebers und Redakteurs Fürsten Esper Uchtomskv eine ernste Verwarnnng ertheilt werde." Allein mm. erschien die unter dem Präsidium des Großfürsten Konstantin Konstautinowitsch stehende „Kaiserliche Akademie der Wissenschaften" auf dem Plan, indem sie den freistnnigsten Schriftsteller Russlands, Maxim Gorkis, den Schüler Leo Tolstojs, zn ihrem. Ehrenmitglied wählte. Das tvar eine umso auffallendem Demonstration, als Marim Gorkis kürzlich unter polizeiliche Aufsicht gestellt mtd wie Ovid itach Tonti in eine Einöde in der Krim verbannt worden war. Als er in seinen Im terniernngsort fuhr, musste er eine Station vor Moskau aussteigen und da ans einen anderen Ing warten, da sich die Moskauer Studentenschaft en masse auf Dem Bahnhof eingefunden hatte, um ihm eine Ovation zn bereiten. Und diesen Maxim Gorkij wählte die „Kaiserliche Akadeinie der Wissenschaften", eine Corporation, in der die Veteranen der Wissenschaft beisammen sitzen und an deren Spitze sich ein kaiserlicher Großfürst befindet,, zu. ihrenr Ehrenmitglied! Eine eelatantere Kundgebung gegen das herrschende System ist in Russland geradezu undenkbar. Fürst Meschtschersky schrieb denn auch im „Grazdattin": müssen. Und darin liegt die Originalität Erters: seine Ironie, sein Humor werden stets von dem Gefühle tiefster Wehinuth besiegt. Die llistige Stimmung verschwindet, an ihre Stelle tritt das Mitleid mit diesen in ihrer Dummheit entarteten Menschen, der nagende Schmerz über diese Lebenserscheiicung und ihre Ursachen . . Die Zeit, die er^ für Verjüngung der hebräischen Sprache verwandt, musste, er dem Ächlafe rauben, und in den letzten Jahren, als er „och voll dichterischer Schöpferkraft tvar (er schrieb damals gerade seine gelungene Einleitung zum Chalnz), raffte ihn der Tod hiil. In der Nacht zum 1. April — vierten Petz ach tage — 1 Sf>2 ist er ge - starben. Akan legte getvöhltlich die hebräische Sprache zn den Tvdren. J'n Erter war sie. lebensvoll, frisch, jugendlich rein nnd tvohlklingend. Er behandelte sie wie ein gefügiges Instrument und entlockte ihr sütze Töne und einschmeichelnde Weisen: er verjüngre sie, verlieh ihr eine seltene Lieblichkeit, kurz er ivebte in ihr, als hätte sein Ohr die vollen Töne der jesajanischen Beredsamkeit mit vollen Zügen ei>>- gesogen. Mit Erter beginnt gleichzeitig eilte neue Epoche des hebräischen Idioms, das tu oder n e H e b r ä i s ch hat er geschaffen. Es mag seine Wurzeln bei den „Measfim" zn suchen haben — Erter hat den Baum in die Höhe getrieben, dass er bald aufrecht stand, mächtig im Stamm und voll in der Krone. Erter hat viel für das Jndenthnm geleistet. Doch es fehlte ihm der brausende Zuruf der Menge, er besatz nicht jene breite, stürmische Popularität, die tvie ein Bkeer mit hochschämnender Brandung um die Vertreter der Anftlärnng in Deutschland seiner Zeit wogte. Von seinen Gesinnungsgenossen ward er nur wenig geehrt nnd von den Fronlinen Zeit seines Lebens gelästert nnd geschmäht. Bei den letzteren sielst Erter noch henke in üblem Anse. Wie sie vor mehr als fünfzig Jahren gegen feilte erste Apologie für die Civilisiernng der Jndenheit anftraten, so stemmen sie sich noch henke gegen jede »och so nitschädliche Nenerttng tind treten ihr mir blindent Eifer entgegen. Sv lverdeir seine Schrifteir von ihrren rroch jetzt verdainmt und angefeindet nnd deren lvenige' Belvnirderer verschrien nnd verfolgt. Ans dem jüdischen Friedhofe zn Brodh aber erhebt sich auf einem kleinen Sandhügel ein alter Vertvitterter Stein nrit einer kaum leserlichen Inschrift. Er wendet der Stratze den Rückett; der Lärm des Tages, das Hasten rurd Jagen der Menschen berühren ihn nicht. Hier ist es schön. Uird bisweilen bleibt ein Spaziergänger dort stehen rind scharit einen Augenblick empor zn diesem Stein mit der hebräischen Inschrift: e r thnt dann, lvas lv i r heute thiur: er huldigt de m G e d ä ch t n i s de s I s a t E r t e r. „Als ich die Nachricht las, wurde es ntir fittsler vor meinen Aupeit. Es schieu mir, als hätten sich ntir die Stinte vertvirrl. So menin konnte ich es planben, dass die Akadentie es petvagt hat, Maxim Gorkij zn ihr ein Mitstliede zn wählen. Dantik hak die Akadentie das ganze, czarentrene Russland heransgeforderk nnb ihrer, eigenen Vergangenheit iits (Besicht geipieit, hak sie alles mit Füßen getreten, was dent wahren Russen heilig nttd kheuer ist." — Natürlich hak die Regierung die Wahl Gorkijs zum Akademiemitglied annulliert', allein, die Kundgebung der Kaiserlichen Akadeinre der Wissenschaften als solche lässt sich durch kein Decret annullieren. Sieht eS so in den Kreiselt der Bourgeois aus, so macht sich bei den verbündeten Studenten und Arbeitern die. Empörimg in Revolten Lust. Wahrlich, diese unerschrockenen Kämpfer für Freiheit ltnd Recht verdienen ein Lorbeerblatt im Buch der Geschichte. Frühlingsstürnre brausen, durch das Lands es will auch ein heiliger Frühling für das geknntete Land der. kRenßen tverden. E t it I it n g - it. tt d N c it r n. s s l a u d will erstehen. Wie groß der llntfattg der Bewegung ist, ersieht matt, ans dem o f f i c i'ö s e n Berichte des „Negiernngsboten'", da sonst die Regierung das Prineip hat, die Unruhen todtzu.- schweigen. Das Blatt stellt fest, dass seit Ende 190.1 unter den. Hörern der Hochschulen eilte regierungsfeindliche Bewe^ gnng ausgebrochen ist. Die Leiter der Bewegung beschränkten sich tticht mehr wie früher darauf, verschiedene Refornwn im. Hochschulwesen, zu verlangen, sondern sie bemühen sich, in Reden auf verbotenen Versatumlungeu, in geheimen Llnsrnfen nnd Proclamationen die studierende Jugend in die politische Bewegung hckreiitzuziehen, iudent sie offen erklärten., dass die Form der jetzigen Regierung geändert tverden müsse. Fugleich -machten die Leiter der Bewegung in der Gesellschaft und unter den Arbeitern in den großen Städten für die Bewegung Propaganda. Um diese' Bestrebungen knndzugeben, veranstalteten die Agitatoren in verschiedenen. Städten Straßettdemonstrationen. In Moskau fanden anr 22. Februar und am 2. März Kundgebungen statt, wobei im ganzen 682 Personen verhaftet wurden. Die Verhafteten sollten theils wegen Vorbereitung der Kundgebungen oder wegen Theilnahlme daran, theils wegen 'ihrer' pokitifchen Gesinnung der Bestrafung zngeführt werden. Anfangs tvar beabsichtigt, alle diese Personen in entfernte Gegenden des Reichs zn verschicken, wo sie unter Polizeiaufsicht fein sollten. Der Kaiser befahl jedoch, nur die Hauptschuldigen, in das Generalgouveruenreut Irkutsk (Sibirien ) zu verbannen und die übrigen Theilnehmer mit drei bis sechs Monaten Gcfängnis zn bestrafen. Demnach wurden 96 Personen fiir die Däner von zwei bis fünf Jahren ins Generalgouvernement Irkutsk verbannt, 667 Personen mit drei bis sechs Monvten Gefängnis bestraft, sechs Personen an Orten, wo ihre Eltern oder Verwandten leben, für die Dauer eines Jahres unter Polizeiaufsicht gestellt und gegen 14 Personen das Verfahren eittgestellt. Unter den. Betheiligten befinden sich 637 Studenten der Moskauer Universität, 66 Studenten anderer Hochschulen ttnd Institute, 66 Hörerinneu verschiedener Cnrse und 34 Personen anderer Stände, darmtter mehrere Frauen. Die meisten werden ihre Gefättgnisstrafe in Archangel verbüße>r. „Dailn Express" berichtet ans Petersburg vorn 16. d. M.: Seit einigen Tagen waren Flugblätter in Potersbtirg attsgestretti worden, durch die das Volk aufgefordert tvurde, sich heute vor der Kasankathedrale zu verscnnmeln. Hetite Morgen tva.r der ganze große Platz von berittener Gendarmerie itttb Truppen besetzt, die während der.Nacht eingerückt wareit, um die Versammlung zu verhindern. Weitere Truppen waren bereit gestellt, um zn verhi-ndern, dass die Arbeiter von Schlüsselburg uird anderen Fabrikscentren ans den Platz kämen.. Das MilMranfgebot aus dem Newskiprospect war großartig. Dabei waren noch viele Truppen in öffentlichen Gebäuden unb Seitenstraßen versteckt, ausgestellt. Trotz aller dieser Vorsichtsmaßregeln versammelte sich eilte große Anzahl von Studenten m den Seitenstraßen des Nelvskiprospekts und marschierte von dort, tttit rothen Fahnen nach der katholischen Kirche.^ Nngehrnre Volksmengen, die von allen Seiten ztiltrölnten, fammetten sich auf hont Platze. Es waren znmeitt Arbeiter. Kavolleriealltheilnngcn sprengten zwischen die Menge und drängten die Leute in die Seitenstraßen. Die Kosakeir gebrauchten bei dieser Gelegetlheck fleißig ihre mit Metallspitzen versehenen Knuten. Eine berittene Truppe um« zittaelte einen Hansen Studenten nnd Stndeittinnen rntd griff bann, mit der blanken Waffe hauend und stechend nnd die Leute itiederreitettd, die Umzingelten an. Viele hundert. Studenten lvnrden vemmndet und dann in die Keller der Hotels nnb Läden in der Nachbarschaft geworfen, lvo mau sie ohne ärztliche Hilfe mtd Nahrungsmittel bis zum Abend eingesperrt hielt. Am Abend tut toben sie zur Polizeistation gebracht. Unterdessen, lvar vor der Stadthalle ein heftiger Kamps entbrannt. Hier hatten sich etlva 6000 Arbeiter' unter Führung ftioit Studenten versammelt. Die Gendarmen mtd die Kosaken griffen .immer wieder^ mit Säbel und Knute an und lvnrden ihrerseits tttit emem Steinhagel empfangen. Viele Polizisten wurden, verwundet ttttd ent Officier aetöbtet. Von den Fuschauern mürben ebettsalls viele verletzt. 280 Studenten, unter denen sich inehrere Studentinnen befanden, wurden verhaftet. Gegen 1 Uhr lvar der Nelvskiprospekt geräumt, aber, kleine Menschemnassen machten beit; Behörden in den Seitenstraßen imtner nach zn schaffen. Der „Times" tvird ans Petersburg gemeldet, dass dort ans verschiedenen Theilen Russlands fast töglich A'ach

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