Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1902-03-28 · 13 (28.3.1902) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
13 (28.3.1902)
Date
1902-03-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2432763-2432917-2432930--1409-2435163
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 28. März 1002 Nr. 13 [eben, aber mich öffentlich bekennen und die Neqienmsisfnfiiflfoit eine* selchen Programm* proklamiert wissen ivolten. Die Geschichte de* Leopoldstädter Casino* in Budapest Hai die Inden in Ungarn darüber belehren müssen, das* c* mit dem AntiseiuitiSninS nnnmehr ernst werden soll und das* sie von keiner Seite in dem bevorstehenden .Kampfe ans Hilfe rechnen^dürfen. Auch für sie Nürd e* nur eine Hilfe geben: die Selbsthilfe. Sie werden, zn einer politischen Organisierung ihrer zerklüfteten Reihen gedrängt, einseben lernen, ob sie mm Wollen oder nicht, das* die '?lssimilation*serie zu keinem guten Ende führen könne, denn mit dein Eonrnrse der Tiszo-Politik ist auch die Assimilationspolitik unhaltbar geworden, und e* wird gut sein, wenn die Inden in Ungarn sich rechtzeitig sammeln, mit in dein bevorstehenden Nationalitätenkampfe, dessen Ausbruch über kurz oder lang nunmehr unvermeidlich erscheint, nicht zur Beute der streitenden Elemente zu werden. An Beispielen kann e* ihnen nicht mangeln; Europa hat ihnen deren genug geliefert. — Lilli und pifftto. Hannibal ante portaS! Ter Ausfall der bekannten, vor Beginn der Osterferien im Parlamente stattgetnndenen Abstiinnumg über die Resolution de* Abgeordneten Grafen Stürgktz in Sachen de* Eillier Ghntnasinm* hat in parlamentarifchen Mveisen die schon! einigerntaszen beruhigten Gemüther wieder in hellsten Aufruhr verseht, ^n der Hitze des Gefechte* find wieder Drohungen mit der Ob|truction laut geworden. Ob man sich so weit versteigen wird, kann derzeit^mit Gelvissheit noch nicht vorausgesagt werden. Allein Thatsache ist, das* sich die gegnerischen Parteien tu KrKgspositur verseht haben und das* die Stimmung eure solche gewesen ist, das* die Aussichten, auf eine ruhige rz-ortsehnng der parlamentarischen Verhandlungen nach den Oiterfeiertagen eine starke Beeinträchtigung erfahren hat. Was ist nun geschehen? Die deutschen Parteien fanden sich in ihren nationalen Gefühlen dadurch verletzt, dass das Gymnasium in Eilli utraquisiert worden und dass die von diesen deutschen Parteien gestellte Resolution,! dahin gehend, das* die Zweisprachigkeit einem rein deutschen Unterrichte an dieser Mittelschule Platz mache, gegnerischerseit* abgelehnt worden ist. ' '! Wir. dürfen voranssetzen, dass der Standpunkt, den das „Jüdische Volksblatt" iVi nationalen Fragen einnimntt, l derart bekannt ist, das* tvir rrn* über da* gewiss gerecht-! fertigte Verlangen in puncto de* Eillier' Gymnasiums nicht erst verbreiten müssen zu glauben. Man hätte den! vereinigten deutschen Parteien uinsonwhr Entgegenkommen! bezeigen können, als ja die Resolution mehr akade-' Mischer Natur ist, und die Deutschen während der ganzen Parlamentssession vielfach Beweise von Mäßigung an den Tag legten. E* ist daher im allgemeinen Interesse auf* tiefste^ zu bedauern, dass im Parlamente zwischen Freund und Feind, zwischen welchen ja anstatt eine* modu* vivendi» ein modu* provocandi platzgegriffen hat, ein Zankapfel geworfen worden und dass eine Erbitterung der Gemüther, ein getreten ist, die zu beruhigen die volle Kraft eines ge-! wiegten Staatsmannes bedürfen wird. , Bemerkenswert in dem frisch entfachten Nationalitäten streit ist der Umstand, das* die Deutsche Fortschrittspartei^ die mit den deutschen, dem Antisemitismus immer mehr fröhnenden Fractionen politisch nur lose verbunden gewesen ist, sich nun entschlossen hat, in ein offenes Bündnis mit diesen einzutreten. Es wirft sich nun die Frage auf: Ist die große, weltbewegende Frage von Eilli wichtig ^genug, einen casns belli entstehen zti lassen, in enge Verbrüderung mit den antisemitischen Parteien einzutreten, um mit letzteren. Schulter an Schulter zu kämpfeni? Wir tverden. selbstverständlich verzichten, auf diese Frage eine Antwort zu geben, denn für die Leser de* „Jüdischen Volksblatt" ist es nicht nothwendig, da sie sie voraussehen känneir und für unsere Gegner, zu denen wir nun auch die Deutsche Fortschrittspartei zu zählen, bemüssigt sind, wäre die Beantwortung zwecklos. Für den großen Kreis der Inden, namentlich für die jüdischen! Wähler Wiens, wird der Vorgang der Deutschen Fortschrittspartei im. Abgeordnetenhaus tvosil ein FingerPiI sein, wie sie; sich iit Hinkunft gegenüber den Lockungen und Schönredereien derselben zil verhalten haben. Bei der jüngsten parlamentarischen Affaire hat es sich einfach darum gehandelt, ob in dein Gymnasium in Eilli neben der deutschen auch die slovenische llnterrichtsspräche als Lehrgegenstand gepflegt tverden. stille. Tie Deutsche Fortschrittspartei hat sich in diesem Falle mit den deutschen antisemitischen Parteien solidarisch erklärt und die von den Gegnern bereitete Niederlage als eine Kriegserklärung hingenonunen. Ganz ander* war das Verhalten der Deutschen Fortschrittspartei gegenüber der I u d e n f r a g e, in welcher es sich nicht um eine Lappalie, tvie es di!e Unterrichtssprache in Eilli doch immerhin ist, sondern um die Verhetzung, Bedrückung und moralische und _ materielle _ Aushungerung von ü b e r e i n e r Bi i l l io it, j üdisch er S t a a t * b ü r g e r handelt. Wenn es darum zu thun ist, die Stimmen der i Juden bei ben Wahlen in die öffentlichen Körperschaften i zu erlangen, die Juden, zur .Heeresfolge zu captivieren, j in solchen Momenten erinnert man sich unser, da tverden? uns alle möglichen Versprechungen gemacht, da sind wir! die vielumworbenen, geehrten. Mitbürger, allein tveirn es! ruft uns in der Bertheidigung unserer bedrohten und vielfach verkürzten Rechte beizustehen, da vergisst man unser, da eristieren tvir einfach nicht. Es mnf* nun! unsere Sache sein, ja es ist unsere Pflicht und Schuldigkeit, aus der treuesten Slffaire die Moral zu ziehen. Wie dies zu bewerkstelligen sei, hat das „Jüdische Volksblatt" wiederholt in ausführlicher Weise angedeutet. In allereMer Linie ist es dringetrd geboten, das* tvir uns in jüdisch-nationaler Richtung organisieren, dantr tverdett wir nicht mir ein vielumworbener, sondern auch ein mächtiger, ausschlaggebender Factor sein. hoch yohenzoüern! Es ist für das deritsche Volk unendlich beschämend, dass die Partei, welche den Tiefpunkt politischetr Geistes erreicht hat, eine deutsche ist und zudem diejenige, tvelche das unverfälschte Deutschthrtin gepachtet hat. Wir haben wiederholt auf die verlogene Rolle hingewiesen, die Schönerer, Wolf u. Eo. spielen, auf diesetr bewussten Jesuitisnrus, der mit dem Maule täglich im Kampfe gegen die schwarze Nacht auf dem rothen Schlachtfelde für''das goldene Sonnenlicht der deutschen Freiheit stirbt und dabei liebevoll alle Fehler des deutschen Volkes, besonders die Fractionssucht, hegt, und vor allem da* Deutschthum schon dadurch schädigt, dass man e* unsterblich lächerlich macht und allen unabhängigen Geistern einen Ekel vor jeder Politik einflößt. Rosenau locutum est, res finita. Das ist der Weg „durch Reinheit zur Einheit", den Schönerer befolgt und seine Unbedingten befolgen tnüssen, nolen* volens unter dem Gewissensztvange des Scheines, den sich der Herrn von! Rosenau von dem grünsten Jungen ausstellen lässt. E lasst sch ist auch ihre Haltung in reli- Geringes, um ein vollendeter Dichter zu sein, etwas, was ftuun bezeichnet werden kann, vielleicht das Ebenmaß oder das Geheimnis der Einfachheit in der stille. Sonst standen ihm alle Zanbermittel der Poesie zu Gebote: Wortsülle und die .grinst der Malerei. Erter hat eigentlich nur die Verkehrtheiten der polnischen Indenheit, den Wust von Aberglauben und Gelehrsamkeit — lvie Gractz richtig sagt —, die chassidäischen Gemeinheiten geißeln wollen, und er hat mit der gediegenen schönen Forin, in die er seinen Spott und seine ssttliche Entrüstung brachte, die Unsterblichkeit der hebräischen Sprache uird des hebräischen Sprache und des hebräischen Stammes benrknirdct. Isak Erter ist geboren im Jahre 170:2 in einem kleinen Dorfe bei Przemysl in Galizien, als Sohn armer und streng religiöser Ettern. .gaum war er den Kinderjahren entivachsen, begannen sie für die Zukunft dieses, damals einzigen SohneS zu sorgen. Was Wunder, dass sein Baker, der mit einer tvahren, »ngehenchelten Frömmigkeit einige Kenntnis im Talmud und in der heiligen Schrift verband, auch seinen Sohn siir einen religiösen Beruf bestinnnte. Tie Grenze seiner Wünsche und der seiner ihn zärtlich liebenden Mutter war, ihn dereinst als Lehrer in Israel zu sehen. Nach dieser Richtung lenkte der Vater mit aller Sorgfalt seine Erziehung. Schon in seiner Kindheit äußerte sich an ihm eine außerordentliche Strebsamkeit und Wissbegierde, besonders aber ein Hang zur Knust und Poesie. Schon in seiner frühesten Jugend war er für die hebräische Sprache rmd Erweckling ihrer Stammgcnossen erglüht. Allein seine Eltern hatten kein Verständnis für seine Fähigkeiten und Natnranlagett und als er daS dreizehnte Lebensjahr erreicht hatte, legte ihm sein Vater die Fessel der Ehe auf mit der Tochter eines kleinstädtischen Rabbiners, und sechs Monate darauf Ivurde er nacheinander Witwer und Ehemann einer zweiten Frau. Sein zweiter Schwiegervater betrog ihn um das Wenige, das er ihnr versprochen hatte, und so musste Erter schon in seiner zartesten Jugend Entbehrung und Hunger leiden. Die Noth, die blasse Sorge ums liebe Brot, ist ihrn seit dieser Zeit niemals von der Seite getviehcn. In Galizien hatte gerade zu derselben Zeit in dieser Gegend bei der Ueberspannung, tvelche die Kabbala des I s r a e l Baal - s ch e m und dessen Nachfolgers B e e r M i z r i c z erzeugte, der Chassidismus eine überraschend große Ausbreitung gefnndei'. Es lebte und tvebte dort die Phantasie in ben Juden im Außerordentlichen und Außergetröhnlichen wie in einem natürlichen Elemente. Die Lust, welche damals in den Ghettos tvehte, war mit kabbalistischen Stoffeit geschtvängert. Die ungesunden Säfte, tvelche dem Organismus des Iudenthums durch Trätimel nitd Betrüger fast ein ganzes Jahrhundert hindurch zugeführt worden waren, die jämmerlichen Vorgänge durch S a l> b a t a i Z e to i uitd seine Prvpherenschar, durch Kardosa, Mordechai von Eisenstadt, Inda Ehassid, Chaitn Malach, Chajon und niehrere andere, traten seht als hässliche Ausschläge an die Oberfläche, tvas freilich auch als Vorzeichen' ' beginnender Genesung angesehen tverden konitte. Die Verderbitis hatte auch schon edle Theile ergriffen.! Erter hatte früh dieses lärmende und übermüthige Treiben der galizischen Chassidim kennen geleritk, tind um seine nagendeit Sorgen zu verscheuchen, konnte er nichts Besseres thun, als sich diesem Bruderbund, diesem leichtlebigen Orden aitznschließen. Dorr fand er iij_ bei* Thal einige Hilfe in der Noth. Doch das ihm angebvrenc SchönheitS- und Sittlichleitsgefühl empfand Ekel vor denr wüsten und unsauberen Treiben dieser Fanatiker und erfüllte ihit mit lcideiischaftticheln Hasse gegen dieselbeit. Mit einem gewissen j Schaudern erinnerte er sich später seiner „guten Tage". Im Jahre; 1S12 entrann er dieser Hölle und er stand mm vereinsamt, mit | stolzem, anspruchsvollem Geiste, mit der heißen Sehnsucht nach Ergründung der Wahrheit, aber ohne Stab tind Stühe, lvohl auch ohne : die hinlänglichen Mittel, um sich eine feinen Kräften und Besirebnn-! gen entsprechende Laufbahn zu eröffnen. j Da fügte es sich, dass in seiner nächsten llnigebnng ein hoch- Rntelligenter, keiintnisreicher Mann nameiis Abraham G o l dberg lebte, der alsbald die Aufmerksamkeit Erters auf sich zog. Sie lvurden auch bald bekannt und jener führte Erter in die soeben flügge gewordene Wissenschaft des Iudenthums und in die hebräische Literatur ein. Auf dessen Veranlassung zog Erter nach Lemberg, nii! sieh dort tveiter zn bilden. Hier fand er in der Thal einige strebsame Altersgenosse», tvie R a p a p o r t, S\ r o ch in a l, M i s e s, Pastor und N a t k es, die ihr ganzes Trachten auf die Pflege des Geistes richteten. Er fühlte sich pon ihnen gleich angezogen und pflegte gerne mit ihnen Umgang. ES lag ein eigner Zauber in dem Umgänge dieser tvissensdnrstigen jungen Männer, die einander znnleich Lehrer und Schiller waren, und die, >vas sie Schönes und Wahres in der europäischen Literatur fanden, für sich und andere im hebräischenGeisie verarbeiteten und überhaupt dieseSprache lvie eine lebende gebrauchte». Dieses lvissenschaftliche, idlillische Znsainmenlebe», ivelches drei Jahre dauerte, entschied Erters Geistesrich - tiing und drängte ihn in die Schule der Aufklärung. Dieser Einfluss ist in allen seinen späteren Arbeiten nnverlennbar. Aber ihre Beschäftigung mit der Prvfan-Literatur, ihr Thun und Treiben gab großes Aergernis. Die öffentliche Meinimg war damals so sehr gegen jedes außerlalmndische und außerkabbalistische Wissen eingenommen, dass selbst fronnne Rabbiner es verheiinlichen mussten, ivenn sie sich auch nur in Mußestunden damit einlasseil lvvllteii. Erter hat m einem Briefe sehr anschanlich den Schmerzensiveg beschrieben, den er und seinesgleiche» beschreiben muss ten, uni zum Baume der ErtennlniS zu gelangen. Schlver lvar es, ein lvissenschaftliches Buch überhaupt, noch schlverer ein in einer der europäischen Sprachen verfasstes zu erlangen. Der Inder verbotener Schriften in der öffentlichen Meinung lvar viel umfassender al-:> der päpstliche. Hatte einWissensdursliger sich ein solcheSBuch auf Schleichlvegen verschafft, und erriethen mit einem eigenen Sl'ürorgan seine Llerleandte» oder Freunde das auch noch so streng be- ’ßiöfat Sinnen; eiitevfcit* beschtvert sich die „Ostdeutsche'" bitter beim UnterrichtSminister, das* der Bürgernreisker bvn> Wien protestontisehe Alldeutsche nicht atrstellt, entyeyen seiimn Eide und entgeyen dem Staatsyrnndgesehe, do* die Bekleidntlg eine* Amte* uncibhängin macht von. dem Religionsbekenntnisse, andererseits sehreit sie Zeter und Mordio, tvenn ein Ande Privatdoeent oder gar Bezirksriehter oder aetiver Ossieier wird. Gassenjnngenpolitik. — Ein solcher Gassenjungenstreich war auch die Rede Sehönerer*, in der er ganz unvermittelt ein Hoch ans da* Halis Hoheitzollarn ausbrachte. Wenige Tage vorher hatte er einen Antrag eingebracht, da* Hotel, in der die nnglüekliche Elisabeth von einem Wahntvihigen gemordet wurde, von StaatSwegen anzlikaufeii und zu einer Stiftlmg umzugestalten, ein Au^- trag, der die „N. F. P." zu einem Lob ans die dynastische Gesinnung Schönere>r* begeisterte. VortvurfSboll rief sie an*: Da* ist die Partei, der man antidynastisehe Tendenzen zuschreibt! - Paar Tage später: Heil Hohenzolleru! Mau sieht, es heißt dieser Partei viel zu viel Ehre anthuu, loeitit man gegen sie polenlisiert. Mit Gassenjungen, denen e* nur darauf aukommt, Aufsehen bei den Zuschauern zu erregen, streitet man nicht. Ein. solcher Gassenjunge ist allch Herr Franz, genannt Franro Stein; im Parlamente heißt er allch der „wahnsinnige Semaphor". Anlässlich der Rede Do. Stralicher* zeichnete er sieh durch freche Ztoischeilrnfe aus, die feinem alkoholisierten Gehirne zu zn sch reiben sind. Kurz darauf war die berühmte Scene Dr. Dyk-Stein, Revolver gegen die HnndSpeitsche. Al* rechter Prahler dachte cm: Wenn ich ansang — ich fang aber nicht au. Gleich einer Windmühle machte er mit seinen langen, dreschflegelähulichen Händen drohende und drehende Bewegungeti; mit wilden Gritumasseik toollte er ans den Sohn Libnssa* stürzen, — der Schlallchert, er tvnsSte, das* die parlamentarischen Ordner in der .Nähe stehen, die ihn zurückhalten tverden. Halt'* mich zurück, sonst g'schieht ein Malheur, tvie der Wiener sagt. Das ist jener Edle, für dessen Wahl seinerzeit sich dcntschbvhmische — Juden ein* sehten. Eine solche grüne Politik treiben uuscre lieben Stammesgenossen. E* ist nicht linsere S-ache, uns für die Dentschcn den Kopf zll zerbrechen; aber tvir müssen, von Zeit zil Zeit die Gesellen annageln, die sich ntltersangcn, über im* Inden hochmüthig'zn Gerichte zu sitzen, und sie in ihrer Sündenblüte dem verehrten Publicum zu zeigen, da die Wiener liberale Tagespresse tvegcn einiger atikiclericalen Aintzchen die Alldentschcn liebevoll verhätschelt, während sie in Wirklichkeit da* größte Hindernis für die Gesundung Oesterreichs darstellen. Antisemitische Pamphlete. In der Rüstkannner der antisemitischen Partei ilst tvohl die schärfste Waffe, welche in dem Kampfe gegen das Fndcnthnm verlvendet wird, die Druckerpresse im spcciellen und die vervielfältigende Kunst im allgemcinen. Man bedient sich gegen uns Inden! nicht nur der Zeitungen, in denen Tag für Tag Gift und Galle gegen uns abgelagert wird. Man nimnck noch zn allerhand anderen Acitteln die Zuflucht. Datverden Broschüren und Pamphlete in Hunderttausenden von Eremplaren! unter beti niedrigen Bevolkernngsclassen verbreitet und in die Volksseele Hass, Ztoiekrachi ''und Feindschaft gegen uns geweckt und gesät. In allernenester Zeit hat man auch die harmlose Attsiehtskarte als ein Angriffsobjeet gegen uns Juden auserkoren. So simpel sich eine solche Ansichtskarte vom ersten An- Ivnhrte Gc'hcimiiiS. sv beschlvoren sie ihn, davon, abzulasson oder cvnsiScic'rton eiaoumächticz das verkoßerte Bnch, um ihren Verivandten oder Freund nicht der fanatischen Heüjazd von Seiten der Zeloten anszeseht zn sehen (verak. die gerechte .ülape über die .Lcizerriecherei in Galizien.üerem Eheined 1, S. 71 und Graetz Bd. 11, S. ä8V). Allein je mehr die Stockkalinndisten lind die chassidäischen Ketzerriecher jedem nachspürte», der sich mit der profanen Wissenschaft befasste oder ein ilichkhebräischeS Buch zur Hand nahm, um ihn in der ösfentlichen Meinung zn brandmarken, desto süßer schnieckte Erter und seinen Gesinnimusnenosseli dieses verstohlen aenossene Brot. Einige Fröinuller hatten jedoch Wind davon bekommen und perbreiteten es in der zahlreichen Gemeinde bon Lemberg, um die Menge gegen sie zu Hetzen. So traten bald die chassidischen Eiferer zusammen, mit energisch gegen diese gefährlichen Neuerer eiuzn- 'schreiten. Ans Veranlassung des Lemberger Oberrabbiners Jakob O r n st e i n richteten das iRabbinat und der Vorstand ein Sendschreien an sämmtliche Frommen Lembergs, die Neuerer in den Ban» zn legen und ein scharfes, wachsames Auge über sie zn halten, bis sie bon'ihren Verkehrtheiten lassen tvürden. Ihre Zusammenkünfte wurden fortan gesprengt und perjagt, die Pier Apostel der Eultur: Erter. Rapaport, Natkes und Pastor, legte mau am Sabbath im Beisein der ganzen Gemeinde in den Bann und erklärte sie als .lietzer und Abtrünnige. Indessen vermochte dieser Sturm sie nicht ganz iiiederzniverfen'; sie kümmerten sich nicht um die gegen sie geschlenderten Bannstrnhlen, der Kampf verlieh ihnen Schlvung und neuen Mnth. , ’ r r iliiuder arme Erter fühlte sich von die>eni Schlage sehr betroffen, da er vom Unterrichte sein lind der Seinigen Leben fristen milssre und viele Väter seit dem ruchbar gewordene», über ihn verhängten Banne ihn, ihre Kinder nicht mehr nnvertranen mochte». Tief gedemüthigt und um seine Hoffmuig betrogen, nillsSte er abermals zum Wanderstab greifen und begab sich nach Brodh. Aber er hat sich an Ornstein und den Fanatikern einpfindlich gerächt; ihre Geistesbeschränktheit und Schlvüche Hakler für alle Zeiten durch die Poesie tvie in Erz veretvigk. Der Schmerz und der Untvllle. sich von solchen Plagegeistern verfolgt z» sehen, hatten chm de» Griffel in die Hand gedrückt, und dadurch enrstanden Erters Meisterschildermigeii und geistvolle Satiren, in denen er sich sehr oft an der Person OrnsteiiiS vergreift. Jede Zeile seiner Zllckikdichtnngen lvar ein Fanstschlag, jedes Work ein Geißelhieb. In eiiiein poelischeu Trannigesichle — das war seine Lieblmgsemkleldniig schilderte Erter ein Schangerichk, ivelches die Werte der Gegenstände ganz anders bestimme, als sie in der lvirklicheu Welt haben. Bücher'bon dickbänchigeni Umfange schrnnipfen in uichts zusammen, toeil ihr Inhalt sich als znsammengeraffl ertveisk. und der geistige Diebstahl enldeclt tvird; nur das Titelblatt bleibt in mesem Fall als Eigenlhnm des Verfassers znriick. Dieses satirische Gesicht lvar ans Ornstein gemünzt, der ein bielbändige.s Werk unter dem Titel „Ieschnvth Jakob" veröffentlicht hatte, das er mit fremden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.