Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1902-03-21 · 12 (21.3.1902) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
12 (21.3.1902)
Date
1902-03-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2432763-2432917-2432929--1403-2435156
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 12 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 21. März 19r>2 Seite 5 geheiligten Institutionen — trotz theillveise geschwächter Opferfähigkeit ans der Mitte des Judenthums nicht geschwunden ist. Der Bericht ist in allen seinen Theilcn modern, und so repräsentiert sich das hiesige jüdische Gemeinwesen trotz seines streng orthodoxen Charakters als eine ganz moderne Institution, die anderen gleichartigen Körperschaften als nachahmcnsivertes Beispiel dienen' kann. Von einer Stärkung und Zunahme des conscrvatwen Geistes gibt Zeugnis die erhöhte Einnahme ans bcu Fleischtaxen, nachdem diese Einnahmequelle mit einer cardinalcn Bestimmung des jüdischen Religionsgesctzes —- der Speisegesetze — in engem Zusammenhänge steht. Die Einnahmen ans den Flcischtaxcn betrugen im Jahre 1901 die Summe von 20072 K. gegen 23053 K. ans dem Jahre 1899. Abzüglich eines Cassavorrathes von 0148 K. 47 H. betrugen die Gesammtcinnahmen 53010 K. 45 H., welche abzüglich eines Cassavorrathes von 10383 K. 6 H. verausgabt wurden. Ausland. Jüdische Künstler. In dem für jüdische Maler aller Fächer ausgeschrüebenen Wettbewerb mir das Stipendium der Ersten Michael Beer'schcir Stiftung im Betrage von 2230 Mark gu einer einjährigen Studienreise nach Italien erhielt der Maler David Moses (genannt Mose) ans Wien, zur Zeit in Venedig den Preis. Prätorierung eines jüdischen Privatdocenten. Nus Berlin wird geschrieben: Der Austritt eines Privatdocenten ans der medicinischen Facriltät lvird in Aorztekreisen lebhaft besprochen. Es handelt sich um den hiesigen angesehenen Nervenarzt Dr. Oppenheim, welcher seit 1880 Privatdocent war. Professor Oppenheim war im Laufe des letzten. Sommersemesters von der medicinischen Facultat einstimmig für die außerordentliche Professur vorgeschlagen worden. Da eine Bestätigung bis jetzt nicht erfolgt ist, so glaubt Dr. Oppenheim, umso mehr eine Zurücksetzung erblicken zu müssen, als er bereits vor 12 und 14 Jahren mit der Vertretung des bekannten Nervenarztes Professor Wellphal in der Nervenklinik der Charitee beailftragt worden. Den Grund anzugeben ist überflüssig; Dr. Oppenheim ist nämlich — Jude. 'Nene Gemeinde in Schweden. Die jüdischen Einwohner in der Universitätsstadt Llmd haben eine Petition an den König gerichtet, dass es ihnen gestattet sein möge, eine Cultusgemeinde zu bilden. Aus der hessischen Kammer. Ein ungewöhnliches Schauspiel bot die hessische ziveile Kannner in ihrer Dienstag-Sitzung; die Antisemiten richteten einen scharfen Angriff gegen den Jnstizminister Dr. Dittmar. - Sonst hat sich der Herr Justizminister in der Regel der Zustimmung dieser Herren zu „erfreuen", denen er namentlich in seiner bisherigen Haltung in Sachen der Anstellung jüdischer Richter ausnehmend gefallen hat. Der Anlass lvar dazu ein „zwingender". Die „Deutsche Volkswacht", das Leibblättchen des hessischen Antisemitensührers Köhler-Langsdorf, ist wegen Jude nbcleidigung angeklagt worden, und zwar ans „Gründen des öffentlichen Rechtes", ans Grund des Scylippe'schen Gesetzes. Dieser mn 20. December 1890, also vor dem Amtsantritte des jetzigen Justizministers vorn Gencralstaatsanwalte Schlippe herausgegebene Erlass lveist die Staatsbehörden an,. die damals im Odenivalde sich breitmachende Demagogie im Auge zu behalten und, wenn durch sie der öffentliche Friede bedroht erscheine, von Amtswegen die Beleidigungsklage zu erheben. Das erschien dem Abgeordneten Köhler so ungeheuerlich, dass er dem Justizminister den Vorwurf machte, er lasse den Bauern ungestraft beschimpfen, den Juden aber nehme er in Schutz. Die sachliche Begründung durchs den Jnstizminister war für jeden anderen als die Antisemiten überzeugend. Der Eid der Juden, so schreibt inan dem „B. T." aus Nichterkreisen, ist seit einiger Zeit wieder ein Lieblingsthema der Antisemiten, insbesondere ihres Führers Liebermann v. Sonnenberg (vergleiche die Reichstagssitzung vom 13. März). Es dürfte deshalb von Interesse sein, was der vor einiger! Jahren verstorbene Landgerichtspräsident Leopold v. Kunowski, der Bruder des Präsidenten des Oberlandesgerichts zu Breslau, ein Hochconservativer und Anhänger Stöckers, schreibt, der 50 Jahre in verschiedenen richterlichen Stellungen in Oberschlesien, Sachsen, Ostpreußen, Westfalen und Westpreusien gewirkt hat, also die Bevölkerung vieler Provinzen als Richter, insbesondere ihr Verhalten zürn Eide, genau wie kaum jemand kennen gelernt hat. Seite 98 seines bekannten Buches „Wird die Soeialdemokratie siegen (erschienen in 0. Auflage bei Belhagen und Klasing iin Jahre 189l) heißt es: . . Auch muss bei offenem Auge zugegeben werden, dass ein großer Theil dieser Bevölkerung (nämlich der jüdischen) neben einem meistentheils frommen Festhalten an ihrer Religion und manchen achtbaren Tugenden, zu denen wir namentlich eine musterhafte Hochachtung der Kinder vor ihren Eltern und eine tiefe Scheu vor dem Meineide zählen . . In der That lehrt die Criminalstatistik, dass an dein Verbrechen des Meineides die Juden nur mit einen! verhältnismäßig geringen Percentsatze betheiligt sind. Juugtiirken. Ans Constantinopel lvird gemeldet: Der vor einem Monat stattgefuiidene jungtürkische Congress hat hier an maßgebender stelle eine größere Beunruhigung hervorgernfen, als er es verdient. Da diese Stimmung mannigfache Folgen zeitigte (diplomatische Intervention, die jüngsten Verurtheilungen beziehungsiveise Haftbefehle), dürfte es angezeigt sein, ans Grund authentischer Nachrichten ans den Congress znrückznkommen. Einberufen lvurde derselbe vorn Prinzen Sabateddin Beh, dem Söhne des Schlvagers des Sultans Dainad Mahmud Pascha, im Einvernehmen mit anderen Flüchtlingen. Die Pforte hatte die ineisten Flüchtlinge als staatsgefährliche Revolutionäre bezeichnet, lvelche mit Anarchisten enge Verbindung unterhalten, und deren Ausliefernng und Auslveisnng verlangt. Der Congress sollte schon nach London verlegt lverden, als es einigen französischen Deputierten gelang, die Zurücknahme des Verbotes zu erlvirken. So fand der Congress in Paris statt. Er begann mn 4. d. M. in den! Salon der Ms. L e s e v r e - P v r t a l i s, Mitglied des Instituts, und lvurde nach sechs Sitzungen beendigt. Theilgenommen haben 47 Personen (Jnngtürken, das heißt Türken, Albanier, Araber, Tscherkessen, Kurden, Arnienier, Inden, Griechen; Wallachen und macedonische Slave»! lvaren nicht vertreten. Das Bemerkensiverte ivar eine Spaltung unter den Mitgliedern, die durch die in der zlveiten Sitzung mif die Tagesordnung gekommene Hauptfrage hervorgernfen lvurde, auf lvelche Art und Weise die Ziele der Bewegung zu verfolgen seien. Während die Majorität, der' Vorsitzende, der gewesene Generalgonvernenr von Tripolis und Staatsrath Ismail Kemal Beh und andere Türken, solvie Griechen und Arilienier dies durch eine Intervention der Mächte anstreben wollten, bekämpften Ahlned Riza, der Herausgeber des „Meschveret", der bekannte politische Flüchtling Halil Gauen», und andere jedtvede auswärtige Intervention, da sie nur ans Wiederherstellung der Midhat'scheu Constitution hinarbeiten ivollen. Die Debatte blieb' erfolglos. Die von der Majorität angenommene Resolution lautete: „Die Vertreter der Völker des ottomanischen Reiches, lvelche aili 4. Februar 1900 in Paris bei»! Congresse zusammenkamel», protestieren gegen» das gegenlvärtige Regime der Türkei und verlangen, dass 1. das gegenlvärtige Regime in ein System des „Rechtes und der Freiheit, lvelche die Wiederherstellung der Constitution gestattet, nmgelvandelt werde; 2. die europäischen Mächte an ihre Pflichten und an das allgemeine Interesse der Humanität zit erinnern, dass die Verträge und internationalen Acte zwischen ihnen und der Türkei erfüllt lverden, dainit alle Theile des Reiches davon profitieren können." Die Armenier machten gelvisse Vorbehalte; schließlich aber erklärten sich die Vertreter der armenischen Comitecs „Troschak" und „Hintschak" bereit, mit den ottomanischen Liberalen znsaininenzilwirkcn und nur die Verwirklichung des Memorandums vom 11. Mai 1895 zu fordern. In der Schlusssitzung des Coinitecs lvurde ein permanentes Comitee eingesetzt. Die Minorität beschloss die Auflassung dreier Blätter und die Gründung eines neuen zlveimal monatlich erscheinenden Blattes in türkischer Sprache „Schurai-Unmieth". Antisemitische Aussprüche in einem rumänischen Schulbuche. Zur Kennzeichnung der in rumänischen Negierungskreisen herrschenden antisemitisch e n T e n d e n z e n dürfte folgende, uns zugegangene Zuschrift dienen: „Frankfurt a. M., 12. März. Vor uns liegt die in rumänischen Secundärschulen eingeführte Grammatik von I. Suchianu. „(Irnrnntiou Romana Escercitii. Bucuresct 1898“. Dieselbe enthält folgende Beispielsätze: Seite 11: „Pe jidan su mil credi mci cand isi da sufletul“. Zu deutsch : „Glaube dem Juden nicht, auch wenn er seine Seele anshaucht." Seite 37 : „Ovreiul pina nu insala nu mananca“. Zu deutsch: „Der Hebräer speist nicht, bevor er nicht betrogen hat." Seite 40: „Mai in tote satele Moldovii erismile sint tinute de Evrei, cari, ca niste Jipitori sug avutiile teranilor indernnandu i la betie.“ Zu deutsch: In beinahe allen Dörfern der Moldau sind die Schaukwirtschaften von Hebräern gehalten, welche wie Blutigel das Hab und Gut der Bauern saugen, indem sie diese zum Trinken verleiten." Dieses Schulbuch ist in den öffentlichen rumänischen Schulen eingeführt, also unter Zustimmung der Negierung. Die Gemeinderathswahl in Lemberg. (Fortsetzung.) B. Wir sehen, dass der Lcmberger Gemeinderath, welcher doch eine Entente cordiale mit dem Wiener Stadtoberhaupte pflegte, nicht gut genug bei den „Wiener Koltuny" in die Schule gegangen ist. Man sicht es ja augenscheinlich, dass die Deutschen doch mehr Geist wie die Polen besitzen. Annes Leutberg I Da muss der eiserne Koltnnring ja jämmerlich in die Brüche gehen — rein aus Mangel eines schönen Karlchens, auf den die Lcmberger Frauenwelt eben so viel geben lvurde, wie auf den junggeselligen Wiener. Weshalb verschrieb sich die Lcmberger Gemeinderepräsentanz nicht einen derartigen Speci? Haben wir etwa Mangel an antisemitischem Geld, um eine clericalfeudale Bande zu organisieren? Bewahre! Dass die Lcmberger Stadt nicht verwaist ist an Antisemiten ärgsten Catchers, lehren doch die mit Wahlaufrufen gezierten Wände. Da kann jedermann roth auf lveisz lesen, wie die ivahren Katholiken und eine zweite Kategorie, die Christlichsocialen, den Wählern aufs Gewissen binden, ja keinen Juden zu lvählcn, damit sie ihr Land dem Christenthume, dem echten und rechten Polenthume erhalten für ihre Enkel und Urenkel! In eben diesen Plakaten rühmen sich diese heiligen Antisemiten, seit ihrem zehnjährigen Regime judenrein gewählt zu haben. Wo also blieb bei sothanen Ilmständen bcr antisemitische, richtiger der asemitische Kronrath? Lembergs Lueger, wo weiltest Du, als Deiner eine glänzende immerwährende Herrschaft über die Hauptstadt des Jngelloncnrciches wartete? Nun will es mir scheinen, dass dieses ein Verdienst des so treuergebeneu Anhängsels, unserer Cultnsvorstandspartei ist, die ja am leichtesten zu ertragen und die geringsten Ansprüche auf Mithcrrschaft der Verlvaltung der Geineinde erhob. Es lag ferner auch — und daS zu allermeist —> au der Furcht vor dern Durchbruche jener polnischen Elemente, der kaum aus der Stadtherrschaft verdrängten Jntelligenzpartei. Wir wollen uns nun von den äußeren Umständen abwenden und jenen inneren unsere Aufmerksamkeit widmen, die zur Umgestaltung des Gemeinderathes führen dürften. Die Matadore des gegenwärtigen Gemeinderathes bilden zwei Parteien, zunächst die alte demokratische, unter Relvakowicz, und die jüngere intelligentere, unter Romanolvicz und dem Redncteur des Sparcassenblattes „Slowo pölskie". Letzteres Blatt besitzt wegen seiner etlvas liberalen, also minder antisemitischen Tendenz, ein gewisses Anrecht auf die jüdische (polonisierte) Richtung in Galizien. Beide christlichpolnischen Fraetiouen mit ihren Anhängern lvaren untereinander gespalten, obschon geeinigt in» Bestreben zur Entthronung jener Koltunhclique. In diesen» Statu nascendi pflegt es oft zu geschehen, dass selbst Pan-Polakolvski seine Faust in die Tasche steckt und die jüdischen Wähler als Brüder in partibus fideliun» für sich stinunen lässt. Diesre Eth razon »nüsste also auch unserer (jüdischer) seits ausgenützt lverden. Wie sollte es nun geschehen? Der Verein Schomer Israel berief eine Versanunlung jener jüdischen Männer ein, lvelche mit jenen demokratisch polnischen Kreisen deS „Slolvo polskie", lvie des „Kurier Lwolvski", Fühlung haben, die Oppositionsparteien gegen die Stryzelnieaeligue. Dieselben Männer stehen aber auch mit der Vorstandspartei in Fehde und haben die Cultus-LandtagSeandidnten zu Falle gebracht. Mau lvird uns verstehen, so lvir Jüdisch-nationale und Zionisten eine Pflicht politischer Selbstverleugnung üben in einem Momente, ivo das jüdische Gesammtinteresse es erheischt. Gerne ivürdeu lvir überzeugungstreue Juden candidiert haben, doch die nationaljüdische Partei erlveist sich noch nicht als - flügge. Wir hielten daher das Gemeinschaftliche, lvelcheS die Söhne unseres Volkes miteinander verbindet, außer dein Gotteshanse als Maßstab für unsere Aetion, die Wahrung jüdischer Interessen politischer, ökonomischer und socialer Natur. In einer von Dr. N. Vierer einberufenen Versammlung, lvoriu die Auseinandersetzung mit den Vertrauensmänner der Autikahalisteu und den Schomeristen stattfand, lvurde deutlich hervorgehoben, dass cS die Ehre jener Männer, die der Schomer Israel als seine Candidaten unterstütze, erheischt, die Interessen der jüdischen Gemeinde ans das beste zu ivahren, das ihnen znfallende Ehrenamt nicht als Paradeamt zu betrachten, sondern als den fixen Punkt, von bei»! aus die rückständigel» Angelegenheiten der Lcmberger jüdischen Gemeinde vor das Formn der Oeffentlichkeit mnthig, beredt und energisch zu bringen. Die jüdischen Gerueinderäthe sollen sich zu einen» Club gruppieren, mn gemeinschaftlich die himmelschreiende Ungerechtigkeit der Judenreinheit in der Stadtverlvaltuug der Lernberger Gemeinde zu bekämpfen, jüdischen Arbeitern Arbeit zuznwcisen, für die Anstellung jüdischer Lehrkräfte an den Gemeindeschulen einzutreten. Es bleibt den» Vereine Schomer Israel der Weg zu jenen Gemeinderäthen stets offen, die sich gegen diese Vereinbarungen renitent verhalten ivürdeu, der Weg der Berufung an die Vereins¬ oder Volksversammlung. Nach diesen »mb ähnlichen Vorbesprechungen, schließlich nach dem Anträge des Herrn Hochfeld, die gewählten jüdischen Gemeinderäthe mögen den im Magistrate erliegenden Protest der conservativen Gemeindemitglieder gegen den Vorstand an das Ministerium leiten, lvurde zur Wähl zweier Vertranenspersonen geschritten, um in Unterhandlung mit der» polnischen Wahlamtseandidaten zu treten, und zwar Re ztvei hoch angesehenen jüngeren Advocaten Dr. Aschkenasi und Lilien. Mittlerweile hatten sich auch noch andere jüdische Wahlcomitees^gebildet und da die Gefahr nahe lag, dass bei einer derartigen Freibeutereitvahl die Juden ganz ausfalleu könnten, daher »lichte man eine Einigung auch mit den anderen herbeiznsühren, niid nahm der Verein Schomer Israel die Ihnen vorliegende Liste von neun jüdischen Candidaten an. Gerne hätten lvir uns genehine Candidaten in die Liste nufgeiiommen, allein ein Compromiss verbot es nns. Indes hat unsere Candidatenliste nicht allseitig befriedigt. Die Socialdemokraten stellten neben zwei anderen Hnder, Buchdrucker und Hankielvicz, Jouriialist, noch Dr. Hermann Diamond ans, den soocialisteu mit der feuersicheren Casse, lvelcher seine Rednergabe in den Dienst der Socialdemokratie gestellt (als ob daS Judenthnm in seinen vitalen und vitalsten Interessen keines Fürsprechers mehr bedürfen ivürde). Wir Ivürdeu ihn freilich allen Antisemiten Vvrziehcn, stießen aber bei den polnischen Demokraten aiif unüberlvindliche Hindernisse. Wie vorausznscheu lvar, haben seine Freunde es sich nicht nehlnen lassen und wählten Dr. Diamond als Bereicherung unserer Candidatenliste. Znsainmen dürften etlva 15 jüdische Candidaten ausgestellt tvorden fein, was nur sehr gerecht erscheint gegenüber der Anzahl von 60 zu lvählenden. Vorläufig sollen drei Candidaten als gesichert erscheinen, närnlich Apotheker Beiser, Dr. Lilien und Optiker Adolf Silberstein. Das grotze Streichen, lvelches seitens der Bürger gehaudhabt lvurde, führte zu einer Stinunenzersplitterung, und sollten über mehr als zlvanzig Candidaten engere Wahlen nöthig lverden. Der Cultusvorstand verhielt sich diesesmal über Anordnung des Herrn Dr. Emil Byk scheinbar passiv, um zu zeigen, lvie unzertrennlich die politische Führung der Lembcrger Judenschaft vom Cultusamte ist. Diese Herren legten mit diesem Entschluss eher einen Schritt nach vorwärts als nach rücklvärts zurück. Vielleicht dürste dieses Vorgehen dem Wahlschacher und der Erniedrigung ein Halt znrufen. Auch das darf als ein Sieg des Vereines Schomer Israel betrachtet lverden, der Vorstand senkt seine politische Fahne, der Verein Schomer Israel hebt sie hoch — Hoch Israel! Personal- und Vereinsnachrichten. Wien. Der humanitäre Frauenverein „Krankenpflege" veranstaltete am 8. März d. I. in Gut h s Restauration, 2., Stefaniestraße, einen Vortragsabend mit daranschließendem Tanzkränzchen, der einen außerordentlich animierten Verlauf nahm. Unter den reichen künstlerischen Genüssen, die der Abend bot, verdienen besonders hcrvorgehoben zu lverden die Declamationen des Fräulein Elsa K a tz, das treffliche Männerquartett, bestehend aus den Herren Striks, M e n t h e, Edelmann, 51 ästen bäum, die ganz Vorzügliches leisteten; die humoristischen Vorträge des Herrn Hugo E t l i n g e r, die ausgezeichneten Gesangsleistungen der Damen L e i t n e r und Bebe und des Herrn Professor Herz, die allgemeinen Beifall errangen. Den Höhepunkt des Abends bildete jedoch die Solo-Nummer des Herrn Striks, der durch seine prachtvolle, schöne Tenorstimme und sein großes musikalisches Können mit seinen Vorträgen ungetheilte lebhafte Anerkennung fand. In besonders trefflicher Weise brachte er die Arien aus den Opern „Die Jüdin" und „Bajazzo" zu Gehör und wurde von dem beifallslustigen Publicum zu mehreren Zugaben stürmisch genöthigt. Am Clavier begleitete ihn in verstmrdnisvoller Weise die Pianistin Frau Rcgine S ch lv a g e r. Ilm das Gelingen des Abends haben sich besonders die rührige Präsidentin Frau Doctor Blech, sowie die Anstandsdmnen Dr. Lifczis, Liebling, Sichere r, S ch ä ch t e r, Rosenberg verdient gemacht, die für die Unterhaltung der zahlreichen Gäste nach Möglichkeit sorgten. Die artistische Leitung lag in den Händen des Herrn Striks, der Reingewinn fließt wohlthätigen Zwecken zu. Wien. (K r a n k e n - U n t e r st ü tz u n g s v e r e i n „L i w i a s C b e n".) Bei der am 9. März abgehaltenen XV. ordentlichen General - Versammlung, und bei der am 16. März stattgefundenen Constituierung "wurden folgende Herren in den VereinSvorstaud gewählt: Als Obmann Leopold Gold; als Obmann-Stellvertreter Samuel Ungar; als Cassier Anton L o e w; als Schriftführer Isidor Kerner; als Schriftführer - Stellvertreter Paul Herches; als Controlor Josias Goldschmidt. Als Ausschussmitglieder die Herren Sal, T r i e g e r, Jacob März, Leopold Kl allsner, H. Schiff mann, M. Min gl grün und M. K in tisch. ' Als^ Ersatzmänner die Herren Isidor H irsch, S. F e u c r, Jacob ringer, S. L. Drechsle r. Cb. S e ch er, M. S o b e l,. Ferner wurde die Gründung eines Witwen- und Waisenfonds im Nahinen des Vereines beschlossen. Wien. Die fünfte Generalversannnlung des Jünglingsvereines „Tifereth B a ch u r i m" lvurde am 8. d. M. im Clublocale des Cafe Blau bei zahlreicher Betheiligung abgehalten. Schriftführer Leit n e r verlas den Jahresbericht, nach welchem die Zahl der Mitglieder 130 beträgt. — Die Einnahmen belaufen sich auf Kr. 4 00.—-, während die Ausgaben, Subventionen an Jünger einer ungarischen Jeschilva, 300 Kr. betrugen. Nachdem dem Vorstände das Äbsolutorimn oinstimnug eriheilt lvurde, schritt man zur Nenlvahk, die folgendes Resultat ergab: Rabb. Dr. Daniel F i n k, Obmann, Bela K a tz, Schriftführer und Ac. R o s n e r, Kassier, Bk. Lettner, L. Varkauy, Ferd. K o h n, Eman. Deutsch als Ausschussmitglieder. Dr. Fink dankte für das ihm geschenkte Vertrauen, schilderte in knappen Zügen die großen Gefahren, lvelche ans die Jugend in der Großstadt lauern, zugleich diesen schönen Verein als Sainmelpuukt für ideale Gesinnung der jüdischen Jugend hinstellend und an deren Opserwilligkeit lvie religiöse Gesinnung appellierend, welche auch in» praktischen Leben sich bethätigen mögen. Verein der israelitischen Berkehrsbediensteten. Der Verein der israelitischen Verkehrsbediensteten veranstaltet am 22. d. M. in den Sälen des Hotel „Bayrischer Hof", Taborstraße, einen Wohlthätigkeits-Ball, verbunden mit Juxbazar. Verein „Veth-Jsrnel". — Tvhnbee-.Halle Kolonien. Dank der unermüdlichen Thätigkeit des Vereinspräsidenten Herrn Dr. R o s e n h e ck und Vice-Präses Herrn Löbl Taubes erfreuen sich die Abende der Topnbee-Halle eines immer reger lverdenden Zuspruches. Die Vereins-Localitäten, die mehrere hundert Personen fassen, sind stets noch vor Eröffnung der Vorträge erdrückend voll. Sainstag den 8. März um 8 Uhr abends fand in Zer Toynbee-Halle ein Vortrag vom hiesigen Lehrer der Baron Hirsch-Schule über „Die Erziehung der jüdischen Mädchen" statt. Dieser Vortrag eriveckte bei den jüdischen Müttern ein solches Interesse, dass hunderte Mütter mit ihren Töchtern diesem Vortrage beiwohnten, und der Vortragende verstand gleich zu Beginn seiner Ausführllllgen Interesse zu' erivecken, für lvelches er zum Schlüsse mit reichem Beifall belohnt lvurde. Leider aber mussten sehr viele Dan»en, die gekommen lvaren, diesen Vortrag anzuhören, wegen Platztnangel mit betrübten» Herzen fortgehen. Der Andrang tvar so groß, dass der Vereinspräsident Herr Doctor Rosenheck mit schwerer Mühe im Saale Einlass bekonnnen konnte. Nachdem der Vortrag beendet war, Ivnrde znm Servieren des Thees — welcher gratis verabfolgt lvird — geschritten, nnd gebürt der Dank für den guten Thee der Frau T a u b e s, die alle Hände voll zn thun hatte. Sodann fand über den Vortrag eine Discussion statt, die von Dr. R o s e n h e ck eröffnet lvurde, und bei lvelcher an die jüdischen Mütter^ appelliert lvurde — zum zweitenmale; der erste Appell lvar leider bisher ohne Erfolg — ihre Töchter ans jüdisch-nationaler Basis z»l erziehen. ES tväre sehr tvünschenslvert — nnd hoffen lvir, dass die jüdischen Mütter diesen Appell beherzigen werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.