Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 12 (21.3.1902)
- Date
- 1902-03-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien. Knn'fag Jüdisches Volksblatt 21. März 1902 Nr. 12 3oyeuc des Referenten schlägt verschiedene Erschivernngcn vor, unter denen die ivcscntlicbstc die 3lnSschIicßimg bestimmter Orte und Gebiete nenn Hansierhaiidel betrifft. Die 3lcgicr>mgSvorlage hatte verfügt, dass in Landeshauptstädten, itt Städten mit eigenem Statut und in Ortschaften mit mehr als 5000 Einwohnern, in Curorten und im Falle besonders rücksichtslvürdiger Umstäitde auch in Orten tinter 5000 Einwohnern auf Grund eines Beschlusses der Gemeindevertretung der Hausierhandel untersagt iverde» kattn. Der R e f e r ent b e a n t r it g t e i n e ’i’T enderung , w o - n a ch i n j e d e r O r t s g e in e i n d e de r H a it f i e r Hand e l f it r alle o d e r f ü r g e iv i s s e W a r eit auf nabest i m m t e oder b e st i in nt t e Feiten v e r b o t eit iv e r d e n kann. Die Regierungsvorlage enthielt ferner die Bestimmung, dass derartige Verbote der Genehmigung de.- HandelsininistcrS bedürfen. Der Referent beantragt, dass' die politische Landesbehörde ein Verbot des HatlsierhaiidelS zu genchmigen hat, mtd dass es der politischen Landesstellc Vorbehalten sei, die Handelsuitd Geiverbekautnter und den LatideSaussehnsS einzuvernehmen. Bewohner von Orten, für welche eilt Hanfierverbot erlassen wordelt sei, sollcit ttach dem Refereiiteit-Entlvnrfe von der Erthcilung eilter Hansierbeivilligung für aitdere Orte ausgeschlossen werden. Zu den vom Hausierhandel überhaupt anSzuschlicßenden Warengattungen ivurdeit hinztlgefügt: Brot- und sonstige B ackert raren, Zuckcrwaren, Oleo-Margarine, Margarincschmalz, Margarinkäse uitd Knitstschiveinfett. Im Gegensätze zur Regierungsvorlage hält das Referat des Sub- Comitees daran fest, dass die Beziehungen Oesterreichs zu Ultgarit und zti Bositien iitbeztig auf dctt Hausierhandel vertragsmäßig so geregelt iverdeit sollen, dass jeder Vertragstheil den Hausierhandel selbständig ordnet. Der Gewerbe-Ausschuss setzte die Speeial- Dcbattc über daS Hausierhandelgcsetz fort. Dabei ercigtteten sich mehrere nterkwürdige Vorkommnisse, wie sie anffalleuderiveise intmer dann einzutreteit pflegeit, wenn die christlichsociale Partei ihre Hand im Spiele hat. Nach § 3 der Regierungsvorlage darf die Bewilligung zum Hausierhandel ntir solcheit Persoiteit ertheilt werdett, die nebst verschiedenen attderen Bcdiiigungen atich die zu erfüllen hätten, dass sie „in moralischer Beziehung tadellos uitd vertrauenswürdig sind". Man kamt sich nun leicht vorstellen, welche Personelt von der Wiener Gemeinde als iticht moralisch, tadellos und vertratienswürdig betrachtet iverdeit dürftelt. Im Snb-Comitee ivurde nuit auf Arttrag der Czecheit diese Bestimmung gestrichelt und eilte etwas mildere Fasstntg acceptiert, wottach es heißt: Personen . . . „gegen welche nichts vorliegt, was sie vertrauensunivürdig erscheinen lässt". Trotzdem die Christlichsocialen im Sub-Comitce für diese tllbäitderung gestimmt hatten, stimmten sie heute im Ausschüsse dagegett. Ihr Votum gab den Ausschlag, dass mit 14 gegen 10 stimmen beschlossen wurde, die Regierungsvorlage zu reftittiiereit. Im weiteren Verlaufe der Special-Berathuug wurde eine weitere interessante Thatsache constaticrt, die für die Art der clcricaleit Gesctzmacherei höchst bezeichnend ist. Der Regierungsvertreter Sections- Chef Freiherr v. Weigelsperg machte nämlich darauf aufmerksam, dass der Wortlaut der 88 5 und 6 nach dem Referate des Abg. Foerg mit dem vom Sub-Comitce beschlossenen Wortlaut dieser Paragraphe nicht übereinstimmt. Das Sub-Comitce hätte den zweiten Absatz des § 5 in folgender Fassung angenommen: „Die Bewilligung zum Hausierhandel wird entweder bloß für den eigenen oder auch für mehrere oder alle Bezirke desselben Verwaltungsgebietes ausgestellt." In dem Referat des Abg. Foerg heißt es aber: „Die Bewilligung ivird entweder bloß für den eigcnelt oder auch für mehrere oder alle Bezirke desselben Verwaltuitgsgebiekes ausgestellt." In Abgeordnetenkrcisen wurde zwar behauptet, dass der Referent die letztere unklare und zti mannigfachen Missdeutungen geeignete Fassung nur „aus Versehen" in feinen EntwurfZhineingenommen habe. Jedenfalls gab dieser Vorfall den Anlass, dass die Sitzung vertagt wurde, bis eine Revision des Referenten-Entwurfes vorgenommen sein tvird. lieber den Verlaus der Sitzung liegt folgender Bericht vor: Die Specialberathung wurde bei 8 3 (Erfordernisse zur Erlangung einer Hausierbewilligung) fortgesetzt. Dieser 8 3 lautet ttach dem Anträge des Sub-Comitecs: „Die Bewilligung zum Betriebe des Hausierhandels darf nur Personen ertheilt werden. Welche a) die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen: b) das Alter von 33 Jahren erreicht haben tind eigenberechtigt sind; c) in dem Bezirke der zuständigen Gewerbe-Behörde seit mindestens einem Jahre deit Wohnsitz haben; d) laut Gutachten des Amtsarztes nicht mit einer ansteckenden oder ekelerregenden Krankheit behaftet, noch in abschreckender Weise entstellt^ sind; e) unbescholten sind und gegen ivelche nichts vorliegt, was sie vertrauensunwürdig machen tvürde." Dieser Paragraph ivurde nach längerer Debatte mit der Abänderung angenommen, dass Punkt e) zu lauten hat: „unbescholten rmd vertrauenswürdig sind". Abg. Gemeinden stehen mindestens 5000 Vorsteher tmd 3000 Lehrer. Namentlich letztere haben dett größten Einfluss auf die eitizelncn Mitglieder, zumal in den kleinen oder kleinsten Orten. Soivohl von den Vorstehern wie von den Lehrern kann man aber mit Recht sagen, dass sie den besseren Kreisen angehören, dass sie Verständnis für Kunst itt gewissem Sinne besitzen. Von diesen Kreisen aus müsste die Initiative zur Bessertmg ausgehen. Unter den 8000 Personen dürften doch ivenigsletts achtzig sein, die dem jüdischen Kunstgeiverbc eine höhere Stellung gebett möchten, wohl acht, die selbständig in ihren Kreisen wirken könnten. Was Vorsteher uitd Lehrer leisten können, zeigt sich ja in schönster Weise in ihren Bestrebungen für würdigen Gottesdienst und für Chorgesang. Wo ein tnnsikverständiger Lehrer weilt, bildet sich mich in kleinen Gemeinden eilt so schöner Chor, dass viele größere Gemeinden beschämt darauf blicken müssen; Ehrensache für jcdeit mir ebett Stimmbegabtcn ist es, deut Synagogcitchor aitzngehören, uitd Freude tmd Attdacht kommett int Gefolge. Ebenso tvirksam und mit ebeitso kleinen Mitteln könnten dieselben Vorsteher- und Lehrer-Kreise dafür wirken, dass die Ausstattung der Synagogen nicht nur gut, sondern mich geschmackvoll sei, dass bei Neuanschasfuitgeti seitens Privater das competente Urtheil der Sachverständigeit zuerst attgehört iverde, tntd dass nicht ttur mtf den Wert, solidern auch auf die erst Würde gebettde Form geachtet werde. Fast rathloS steht man aber der Gleichgiltigkeit bei deit vielen Anschaffungen für das jüdische Privathatis gegenüber! Die Sabbathlampe ntusstc mit der besseren Beleuchtung verschwiltden, aber keilt ttur irgendivie charakteristischer silberner oder metallener Leuchter ist an ihrer Stelle entstanden, den entzückenden Formen älterer Gewürzdosett siitd unglaublich reizlose Geivürz-Thürine gefolgt. In deit gestickten Decken für die Brote, dett Taschen für die Gebetmäntel ivird das Seltsantste geleistet. Weiittranben, ivelche wie Johannisbeeren oder Pflaumen aussehen, plump gezeichnete, unmögliche Löwen, die höchstens ungemeine Aehnlichkeit mit Hunden haben tntd statt der Zunge eine Cigarre im Maul tragen; Buchstaben, die dtirch kleine Verlängeriiugen deut Satze einen ganz anderen Sinn geben, sind an der TageSordnnng. Aut schrecklichsteit sind aber die gestickten Tischlätifer mit Abbildungen des Weisen, Bösen, Frominen' tind Unaufnierksanten, mit Zeichnungen nach Oppenheimer'schen Bilder,t usiv., denn iveim unter hundert Berufsftickerinnen noch nicht eine ist, ivelche ein Gesicht gut ansführen kann, ivie selten ivird eS danit unter Privatdanten der Fall sein. 'Es ist freilich zti erivarten, dass man auch in jüdischen Kreisen daratif atifmerksam ivird, zti ivelch bedeliteild höherer Stufe in der Kunst sich der moderne DilettaiitismuS eutporgeschivungeti hat, und hoffentlich erstehen tins bald Liebhaber-Stickerinnen, die MustergiltigcS leisten. Hoffen ivir auch, dass die Vorlagen der Verkättfer zeitgemäßer werden, dass die reiche Aussaat, ivelche in Museen, Kuustzeitschrifkett, Kunsterziehmtgstageii usiv. anSgestretlt ivird, auch hier ihre Früchte trägt; eS ist hier noch gar viel zu thun. Bor allein iväre es nöthig, und Lehrer und Vorsteher köunteit hierin am besten Helsen, dem Publicum Bescheidenheit zu lehren. Bescheidenheit insofern, als dem Bestreben, stch oder eilten zu ehrenden Verwandten an hauptsächlichster Stelle genannt zu sehen, die Zurückhaltung früherer Dr. 3t. v. Placzek nahm diesem Beschlüsse gegenüber die — seinerzeit über seinen Antrag — vom Snb-Comitee beschlossene Fassung wieder auf und meldete sie als Minoritätsvotum an. Es ivurdeit sodann noch die 88 4, 5 (Ansfertigung des Hatisierbuches) und 6 (Verlängerung der Hausierbeivillignng) int ivesentlichen itach deit Anträgen des Snb-ComitceS angenoutmen. Da indes im Latife der Debatte hdrvorgehobeii ivurde, dass der deut Atisschusse im Drucke vorliegende Entivnrf an einigen Stellen sich nicht mit dem itt deit Berathuugeii des Sub-Comitees beschlossenen Wortlaute decke ttud außerdem mehrere Druckfehler enthalte, so ivurde beschlossen, eine Revision des Wortlautes der einzeltteit Paragraphe vorztinehmen tind den Entivnrf uenerdings in Druck legen zu lassen. •— Die nächste Sitzung des Ausschusses ist für Dienstag in Aussicht genommeit. M a n iv i l l als o a ti f d e m Weg e d e r G e setzg n i l l o t i n e 17 000 M e n s ch e n u m i h r e n E r w e r b b r i ng e u. H aus! e r e r, iv e h r t e u ch I Eine kleine Abrechnung. Die Wahlen sind vorüber und es ist Zeit, eine kleine Abrechnting ztt halten. An anderer Stelle pflegen ivir sie mit den „Liberäulen", an dieser mit unserer jungen Freundin, der „Arbeiter-Zeitung". Man kann über sie nicht sprechen, ohne satirisch zu iverdeit, denn die Wäsche, die selbst deit Freisinnigen zu schmutzig war, fiel der „A.-Z." zu, und sie entledigte sich der Aufgabe, Verdächtiguttgeu tind Verlcumdungeu in die Welt zu setzen, mit gclvohnter Meisterschaft. Bewttsst log sic von der Caudidakur der Zionisten, ivähreitd sie ivissen musste, dass die Candidatur von der Jüdischen Volkspartci ausgieng; tnit derselbeit Perfidie ivarf sie utts mit Alldeutschen, Allslaveu usw. in einen Topf, während sie ivissen musste, dass wir iiil Gegeitsatze ztt diesen Gruppen dem socialen Momeitte dieselbe Wichtigkeit beimessen, ivie deut nationalen. Liebevoll empfahl sie die liberalen Bourgeoiscandidatcu, in derselben Notiz, ivo sie tnts verdammte. Ja, cs naheit die Landtagsivahlcn, die Liberalen brauchen Mandate und die Socis Geld; mtd ivemt man sich auch mtter den Linden iticht grüßt, eventuell sogar beschimpft, im stillen Kämmerlein ist man gut Freund. — Wir wollen der „A.-Z." keine Vorivürfe machen, utuss es ihr doch einen bitteren Schmerz bereiten, ivcnn wirkliche Proletarier sich für den Caudid a t c tt der I ü d i s ch e u Volkspartci erklären, und ihn auffordern, ztir Socialdemokratie überzttgchcn, wie es wiederholt in unseren Wählcrversammlungen geschehen ist; nichts ist natürlicher, als dass die Tintenkulis in der Redaktion der „A.-Z." diese Proletarier, von denen manche mit Stolz erklärten, dass sie schon über 10 Jahre für die Partei arbeiten, für „sogenannte Socialdemokraten" erklären und im Namen der unverfälschten Socialdemokratie für die liberalen Bourgeois Stimmung machen. Wir fürchten aber, dass es einmal aus der Mariahilferstraße fürchterlich zum Himmel stinken wird. Todesfall. Nin 13. d. M. starb in Goltsch-Jenikau in Böhmen Herr Marens Kornfeld, der Vater unseres Gesinnunqsqenossen Herrn Primarius Dr. Sigmund Kornfeld. (Todesfall.) Am 14. d. M. verschied hier nach längerem schwerem Leiden Frau Eva Steiner geb. Boog, Gattin des Bauunternehmers und Vicepräsidenteu des „Jüdischen Volks Vereines für den IX. Bezirk", Herrn Josef Steiner. Die Verstorbene war wegen ihrer Bescheidenheit und Mildthätigkeit hauptsächlich im IX? und XX. Bezirke bekannt, was sich auch durch die außerordentl'ch starke Betheiligung an ihrem, am 16. d. M. stattgefundenen Leichenbegängnisse kundgab. Unter den Trauergästen, die der Verblichenen das letzte Geleite bis in den Gottesacker gaben, sahen wir die Herren Cultusvorsteher Hermann Eltbogen und Hermann Pläschkes als Präsidenten des „Jüdischen Volksvereines" im II. Bezirke; ferner die Herren Director Max Pappeuheim in Vertretung des „Ereditinstitutes für jüdische Gewerbetreibende und Beamte", Jakob Krausz, Vorstandsmitglied des „Jüdischen Volksvereines für den IX. Bezirk", Vorstandsmitglied des „Jüdischen Schulvereines für den IX. Bezirk" Bezirks-Schulrath Heit tt. a. m. In der Leichenhalle am Centralfriedhofe hielt Oberrabbiner Dr. S. Gelbhaus der Dahingeschiedenen einen warmen Nachruf, in welchem er Frau Steiner als Mutter, Gattin mtd Wohlthäterin der Armen schilderte. Den gesanglichen Theil der Trauerfeier besorgte im Trauerhause und in der Leichenhalle Obercantor Kläger mit Chorbegleitung, tvährend Herr Obercantor Oestereicher aus dem XX. Bezirke in wirklich meisterhafter, herzergreifender Weise am offenen Grabe das „Gebet für die Todten" vortrug. Die Handelskammcrwahlen in Galizien. Aus Lemberg wird gemeldet: Am 15. April l. I. werden die Handelskammerwahlen vorgenommen, und die bekannten Todtengräber machen sich bereits viel zu schaffen, um dieses so wichtige Institut zu derselben großartigen Gntfaltnug zu bringen. Verfolgt man die Thätigkeit dieses Centrums für den Schutz des Handels und des Gewerbes, findet man wie die Handelskammer in Lemberg den Schlaf der Gerechten schlief, als es sich darum. handelte, die Aenderung der 88 50 und 60 in aseinitischer Leutseligkeit im Neichsrathe durchzupettschen. Aehnliche Energie werde sie gewiss entfalten bei den neueren C a l l's ch e n G e s e tz e s v v r l a g e n, betreffend die Aufhebung des Terminhandels re.... Bereits sind die handelsratslustigen Agenten auf den Beinen, um dann die Mandate unter den Destillierten für Geld und gute Worte zu versteigern. Es liegt im Interesse des jüdischen Handels- und Gewerbestandes gerade bei dieser Wahl eine rühmliche Ausnahme zu machen, und Männer, nicht Memmen, nicht Sitzhalter, sondern Kopfhalter in in das so wichtige Institut zu wählen. Je größer der Hamanismns, desto kräftiger muss der Mordechaismus sich geltend machen. Der Kaufmann und der Gewerbsmann müssen bedächtig bei der Wahl ihrer Delegierten vorgehen. Ungarisch-spanische Gesänge. Die Brigade stirbt, doch zahlt sie nicht. In der Aula von Toledo Hört mau jammern, weheklagen, Denn es fiel die Propaganda Schmählich in den letzten Tagen. Bänder, Flaggen, Gassentafeln Haben gar viel Geld verschlungen, Aus dem Mantel des Hidalgo Ist ihr Führer längst entsprutigen. lkexe—mety, großer Streiter, Springe ein mit Wehr und Waffen! Unser Ringen war vergebens, Demi nur du weißt Geld zu schaffen. Einmal hat ein edler Schwarzer Uns zur Hetze Geld gegeben, Tödteu sollten tvir den Juden, Doch es gieug uns selbst aus Leben. Trotz der Salbung, trotz des Segens, Von Geweihten und Zeloten Fanden ivir ein schmachvoll Ende, Zählen nunmehr zu den Todten. „Nationale Ideale", Vorbild aller edlen Necken, Mit der unbezahlten Meute Deinen Sarg ivir nun bedecken. Ach, zu spät kommt uns die Einsicht, lind erst jetzt ivir es begreifen, Dass in Hainaus hoher Schule Alle für den Galgen reifen. Hcil'gcs Wasser, höllisch Feuer Konnte Judn nicht vernichten. Umso Iveniger eine Bande Von so hohlen, kleinen Wichten. In der Aula von Toledo Fehlen viele tausend Gulden, Mit dem Schwinden ihrer Ehre, Wuchsen an die Ehrenschulden. Geschlechter gegenüber gestellt iverde» müsste. Nicht etiva als ob eine Widmung ganz fehlen sollte, sondern ivir köiinteii ans den älteren Vorhängen, Decken, Mänteln aus unserer Großväter Zeit lernen, in ivelcher Weise eine eveutl. Inschrift ertheilt iverdeit sollte. Die hebräische Schrift ist nämlich durch ihre quadratische Form überaus deeorativ ivirkeud, ja geradezu eine der deeorativ wirksamsten Schriften, die es überhaupt gibt. Der Gesautmteiiidruck selbst gerader Reihen Schrift ist der bou Borden und Arabesken, ähnlich ivie bei der arabischen, die in der Alhambra usiv. usiv. so ivunderbolle Verwendung gefimden hat. lind oberhalb am Fuße oder zu beiden Seiten der als Hauptberzierimg die Mitte einiiehmeiiden Darstellung aus der heiligen Schrift, den Gesetztafeln, Kronen usiv. ivirken die Inschriften auf den älteren Vorhängen mit an der prächtigen Ansstattnng. Indem aber nufere Voreltern die Inschriften in die Gesamuitdecoration eiliordneteii und nie den Hauptzweck, die Berschönermig des Gotteshauses, vergaßen, sicherten sie tiubeivusst auch die ewige Eriimeruiig an die Gabe. Denn iveim nach einem Jahrhundert oder später der Stoff von öfteren Gebrauch schadhaft, ist die Stickerei meistens noch musterhaft erhalten. Tritt die Ernenernngsfragc aber an den neuen Vorstand heran, der den Spender nicht mehr kennt, oder nicht kennen will, so ivird, ivie die Erfahrung lehrt, die thenre ApplicationSarbeit mir der geschmackvollen Verzierung halber beivilligt, nie aber den Buchstaben allein. Bescheidenheit iväre auch am Platze denjenigen Kmisthandiverlern gegenüber, ivelche mit vollem Herzen bei der Sache sind, am rechte» Schaffen aber durch sachverständig sein wollende Anftraggeber gehindert iverde». ES ivird dem kimstgeiverblichen Arbeiter oft schwer, Belveise dessen vorzulegen, was er darstellen könnte tmd möchte. Selbst bei eveutl. Probearbeiten ziviugt ihn die Noth des täglichen Eriverbes an die Vcrkanfsmöglichkeit zu denken und der TageSmode Concessionen z» machen, die er bei freiem Schnffeit nie beivilligt hätte. Da heißt es Vertrauen zu haben und zit zeigen, um fast immer den Lohn zu ernten, bei späteren: Gebrauch Freude an der einzigartigen Originnlschöpfimg zu empfinden, Ivie etwa bei detti jedesmaligen Anblick eines uns gehörigen Oelgemäldes eines alten Meisters. Und ivahrlich, nicht mir an die Lehrer und Vorsteher allein ergeht die dlnffvrdernng, durch Aufmerksamkeit, eigene Hilfe tmd Nathschläge daS Kimstgeiverbe im Jndenthmn ztt heben, an jede einzelne Privatperson ist sie gerichtet. Wird das Hatis zur Vereinigung im Gebet kleines Heiligthmn genannt, ivird in jedem Privathatis die dtirch den Dank gegen Gott geheiligte Tafel mit dem Altar verglichen, so möge uns die Ansfi'chrlichkeit, tnit Ivelcher die in Größenerhältnisseit und Stoffen beziehmigsvlle, prächtig schöne Her- 'stelltmg der Cnlttisgegenstände für die Stifthütte und de>t Tempel SalomvS beschrieben ist, eine Anspvrmmg sein, die für unsere Synagogen und unser Heim gefertigten Gegenstände gleichfalls in möglichster Schöne, in bestem Material, mit peinlichster Sorgfalt ztt gestalten. Sicherlich ivird sich dann das Ktmstgeiverbe im Jndenthum ivieder zu eitler höheren Sttlfe erheben, tms mtd folgenden Geschlechtern zur Erhebmig tmd zur Freude. Seid getrost, v ive'mt nicht wegen DeS Bankerotts der Nationalen, Die Kiiruzen-Brigadiere Sind ja schon gar oft gefallen. D. Uitg. Israelit.) Nationale Ideale. Die Leser unseres Blattes iverde» sich ivohl ttoch an das Treiben eines geivissen Theiles der Budapester Universitätsjugend erinnern, ivelcher die Leitung des seit 30 Jahren bestandenen Uitiversitätselubs ait sich riss tmd diesen Club in decidiert reaetivnäre >md antisemitische Richtung drängte. Der reactio- »ären Partei zuliebe wurden in der Universität die Kreuze abgebrochen und die auf daS Commando des zobclverbrnmten hochivür-! digen Herrn Mvlnar Janos harrenden Blätter, soivie chereir ivelt-! sicher tmd geistlicher Heerbann machten die Jtideit für jene Ab- , schenlichkeit verantivortlich tmd jene Verleumdungen nahmen erst! dann ein Ende, als die Polizei energisch nach den Thätern und nach den Ansivieglerit recherchierte, denn mit einentinale ward eS stille, und man flüsterte eS sich ganz offen zu, dass bei der Sache viele! fromme, geistliche und aristokratische Kreise cvmpromittiert erscheinen und mit Oiiicksicht uns die eompromittierten Kreise Se. Exeellenz der ultraliberale Ministerpräsident es angeblich nicht zugcben ivollte, dass das Ergebnis der Untersuchung veröffentlicht imd die Sache fortgesetzt iverde. So viel jedoch ivar gewiss, dass bei der ganzen Sache 'lein einziger Jude rompromittiert erschien, denn mait' hätte sonst nicht solch zarte Rücksicht walten lassen, weil in einem solchen Falle eben die Inden es sind, ivelche eine strenge Bestrafnng des Schuldigen fordern. Dann kam. die von „tausend Jünglingeit" unterfertigte Broschüre „Nemzeti Ideal". Alt der 'Spille jener „tausend Jünglinge" stund der mit besonderer Fingeri fertigkeit begnadete KeeSkemeti Gpözö, der jedoch seine Fiuger-! fertigkeit nicht uns dem Clavier, sondern in den Taschen der Budaj pester Steuerträger erivieS und zeigte, ivie daS Ideal eines reaetio-! nären Jünglings sein müsse. Mit einem kühnen Griff stahl er mehr 'als eine halbe Million Kronen, ivayrscheiiilich aus Verziveifltmg darüber, „merk nein boldog a mngpar", welches den Refrain jener oben erivähnten Broschüre anSmachte. ES stellte sich ivohl heraus, dass ein großer Theil der NameiiSniiterschrifken. der „Tausend Jünglinge" gefälscht war, allein derartiges ficht einen reaetionären Jüngling nicht an, denn dieser Jugend ivird von ihren geistigen Führern rechtzeitig eingeimpft: „Der Zweck heiligt die Mittel." Dass unter solch bewandten Umständen die besseren und ihren Studentenbernf ideal auffassenden Universitätsbürger sich von dem Club zurückzoge», ist mir selbstverständlich, und endlich trat es ein, das „Mene Tetel": Der UniversiiätSrlnb ist ruiniert. Die clericale Studentenschaft hat Schulden gemacht, die sie nicht bezahlen kann, MitgliedStnren fließen nicht, und man ist am Rande des Cvnenrses, denn diejenigen Kreise, ivelche die Jugend verführten und sich ihrer bedienten, mn für sie die Kastanien aus dem Feuer zu holen, habe» sich in ihre Schlupfwinkel zurückgezogen, ivie es daS renetionäre Demagogenthum noch zu allen Zeiten gemacht hat. Die ifr. CultuSgemeiude Neutra veröffentlicht ihren Bericht über das jüngste Verivnltimgs-Trieimium tmd die Schlussrechnuugeii über das mm abgelaufene Verwaltungsjahr. Der Bericht — tknseres, Wissens in seiner Art der erste — ist ein Bild, welches beweist, dass die Opferfretidigkeit für die durch Gesetz und Tradition