Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 12 (21.3.1902)
- Date
- 1902-03-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 21. März 1902 Seite 3 vertierung zu präparieren. Mau kann sich wohl keinen größeren Barbarismus denken, als diesen, Eltern ihre Kinder zu rauben und dltrch lliwerzeihliehe Proselytenmacherei zu entfremden. Mit Recht bemerkt Abgeordneter Dr. Straucher, eine solche Seelenfängerei sei nüt der gwßen Kirche in> Oesterreich nicht vereinbar und witcs darauf hin, dass sich sogar Päpste in Hirtenbriefeil gegen derartige Attentate auf das heilige Recht der Eltern in Bezug auf die Erziehung ihrer Kinder ausgesprochen haben und dass es den Klöstern nicht gestattet werden dürfe, die ihnen zugeführten jüdischen Kinder gewaltsanrer znrückzuhalten unter dem, Vortvande, sich der verirrten Seelen anznnehmen. Der Abgeordnete Pastor unterbrach den Abgeordneten Dr. Straucher in diesem seinem Herzensergüsse mit der Apostrophe: „Dies sei der Beruf der Klöster". Der Abgeordnete Pastor ist ein Priester der katholischen.Kirche und diese seine Stellung legt uns eine Reserve auf, die wir zu beobachten, nicht unterlassen werden. Das „Jüdische Volksblatt" nimmt in Glaubenssachen, den. gewiss nicht anfechtbann^ Standpunkt ein, dass es jedem Staatsbürger möglich geinacht werden solle, seiner Glaubenspflicht zu obliegen und nach seiner Facon selig werden 31t können. Allein unser Selbsterhaltungstrieb legt uns die Pflicht auf, gegen Ausschreitungen mit aller Entschiedenheit, mit allen 31L Gebote stehenden Mitteln feierlich Einsprache 31t erheben. Die katholische Kirche ist mächtig und groß genug, dass sie der Proselytenmacherei entrathen kann, namentlich, wenn es sich um den Seelenfang und den Raub von in zartestem Alter stehenden jüdischen Kindern handelt. Das Judenthum perhorresciert keinen anderen Glauben, aber jede wie immer geartete Propaganda fide. Das Judenthum ist sich selbst genug und findet die höchste Befriedigung in der intensiven Bethätigrmg des jüdischen Glaubens. Das Judenthum verschmäht jede Handlung, die zur Deutung geeignet wäre, die Genossen anderer Culten zu gewinnen. Man wird es uns aber nicht verübeln dürfen, wenn wir mit argwöhnischer Vorsicht dieselbe Uebung und Gepflogenheit auch von anderen Religionen gegenüber dein. Judenthuine beanspruchen. Was dem einen recht, muss dein ctnderen billig sein. Die „Los-von-Roin"-Bewegung, mit welcher wir, wir betonen dies ausdrücklich, durchaus nicht sympathisieren, ist nur ein Ausfluss des von unberufener katholischer Seite ausgehenden Seeleufanges, und die katholische Religion kommt bei diesem Seelenfange gewiss nicht auf ihre Rechnung, denn auf das Dutzend geraubter jüdischer Kinder kommt der Abfall von 20 000 katholischer Seelen zum protestantischen Glauben. Das tief beklagenswerte und traurige Schicksal der christlichen Missionäre irr China ist Wohl auch geeignet, für die übereifrigen Proselytenmacher ein Memento mori zu fctir. Wir sind wohl vor dem Vorwurfe gefeit, dass wir in der „Los-von-Rom"- Bewegung und in der Niederiuchelung glaubenseifriger christlicher Priester in China eine Ursache zur Schadenfreude zu finden vermögen. Wir haben diese beiden in der Natur der Sache liegenden Contrabewegungen, nur als Beispiele angeführt. Allein wir hegen die Befürchtung, dass bei. Individuen a la Abgeordneter Pastor exempla trahunt nicht anwendbar! ist.' Es gibt eben. Menschen, und zu denen gehört auch, der Abgeordnete Pastor, die aus der Geschichte nichts gelernt und nichts vergessen haben. Drnck erzeugt Gegendruck. In ihrer vieltausendjährigen Geschichte haben die Juden gelernt, zu leiden und zu dulden. Am Beginn des 20. Jahrhunderts, in der Epoche des ungeahnten Fortschrittes auf dein Gebiete der Naturwissenschaft und des Verkehrswesens wird nmn es begreiflich finden, wenn wir uns gegen alle Schmach und Bedrückung nüt aller Macht zur Wehr sehen, und dass wir diejenigen stigmatisieren und brandmarken, welche ihre Befriedigung darin, suchen, das jüdische Volk mit Schmach und Schande zu überhäufen. Dorträge und Versammlungen. Montag den 24. März, Versammlung des Jüdischen Volksvereines für den 16. und 17. Bezirk. Vortrag des Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Karl Lifczis: , Jüdische Politik*. Ort: Restaurant Müller, Hubergasse 10. — Mittwoch, den 26. März, Vortrag des Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Jakob Kohn: Ueber Dr. Rosenmanns „Jüdische Realpolitik". Ort: Festsaal des „Jüdischen Volksvereines". Zeit: 8 Uhr abends. — Donnerstag, den 27. März: „Jüdischer Bolksverein" für den 8., 9. und 19. Bezirk. Vortrag des Dr. P. H. Chajes: „Altjüdische Namen". Ort: 9. Bezirk, Seegasse 7, Restaurant Wendlinger. Kleine Chronik. Inland. Historisches. 19. 1831 Julius Glaser, Jurist und österr. Staatsmann, Convertit, Posteiberg, geb. 1832 Hermann Vambery, Forschungsreisender, Convertit, Szerdahely, geb. 1873 Wilhelm Stahl, Nationalökonom, Convertit,Gießen, geb. 21. 1901 Josef Deckert, antisemitischer Agitator, Wien, gest. 23. 1811 Friedrich Karl Stahl, Psychiater, Convertit, .München, geb. . 1828 David Friedenhausen, erster Anreger wissenschaftlicher Rabbiner-Seminare, Gyulafehervar, gest. 20. 1860 Hugo Neinhold, Bildhauer, Oberlahnstein, geb. 1901 Ludwig Letvysohn, Rabbiner, Stockholm, gest. 27. 1862 Siegmund Kornfeld, Financier und ungarischer Magnat, Jenikau, geb. 28. 1850 Wilhelm Beer, Banguier und Astronom, Bruder Meyerbeers, Berlin, gest. 1901 Max Ring, Dichter, Berlin, gest. 29. 1602 John Lightfoot, christlicher Hebraist, Stoke, Trent, geb. 1832 Theodor Gomperz, Philologe, Universitäts-Professor und Herrenhausmitglicd, Brünn, geb. Jsr. Theol. Lehranstalt Wien. Die Vorlesungen des Sommersemesters nehmen Donnerstag den. 1. Jlmi ihren Anfang. Die Aufnahmsprüfungen finiden Mittwoch, den 30. April statt. Der Rector Prof. Dr. A. Schwarz. Jüdischer Volksvercin für den 8. und 9. Bipirk. Am letzten Donnerstag hielt Alois Munk eine Conferenz über Stefan Zweig. Zuerst schilderte er in gedrängter . Weise die Eigenart des Dichters, dessen hervorstechendster. Zug eine Melancholie ist, die seltsam mit fcnnei Jugend und seiner Schaffenskraft contrastiert; sie ist mir 31t erklären als Erbtheil des jüdischen Stammes. Hierauf Zitierte der Vortragende in wirkungsvoller Weise einige Gedichte ttiiD .Novellen von Stefan Zweig. Wochen-Programm der Jüdischen Toynbee-Hallie. 20. Bez., Karajangasse 20. Sonntag den 23. März: Hermann Berliner: „Purim". Montag den 24. März: Dr. Martin Engländer: „Vom geistigen Hören". Dienstag, den 26. März: Dr. Siegfried Rumpler: „Das Recht auf Wahrheit". Mittwoch den 20. März: Dr. Arnold Ascher: „Me verschafft man sich sein RechtV" Donnerstag den 27. März: ’ Primarius Dr. Kornfeld: „Ans der Seelenlehre". Freitag den 28. März: Arthur Schwarz: „Bibel, Erklärung der Sidra". Samstag den 29. März: Eoncert: Musik, Gesang. Sonntag den 30. März: Simmel Wertheim: „Der Suez- Canal und die Pacific-Bahn". Montag den 31. März: Dr. I. Sadgcr: „Ueber Kunst und Künstler". Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Sonntag, den 9. März, sprach Herr cand. med. Abraham Feuerring iiber „Cultur und Judenthum". Der interessante Vortrag bot ein getreues Spiegelbild der verschiedenen Zeitepocheu und ihrer Eultnrverhältnisse, sowie deren Beeinflussung durch die ewig wahren, grundlegenden Ideen des Jndenthums. Der Vortragende verstand cs auch, eine Fülle in sein Fach schlagender, sachgemäßer Bemerkungen in seinen mit allgemeinem Applaus ausgenommenen Vortrag einzuslechten. Lcrite. Die jüdisch-akademische Verbindung „Veritas", Brünn, ersucht uns, zu constatieren, dass die mit obiger Spitzmarke gezeichneten Artikel nicht von einem Mitgliede der Verbindung herrühren. (Erschwerungen des Hausierhandels.) Der Gewerbe-Ausschuss des Abgeordnetenhauses beschäftigte sich mit dem Berichte des Referenten des Sub-ComitceS, Abg. Foerg, über die Regierungsvorlage, betreffend bcu Hausierhandel. Bevor die Mitglieder des Ausschusses in die Debatte über das Referat eingieugen, hielt Handelsminister Frhr. v. Call eine Rede, in welcher er darauf hinwies, dass die Regierungsvoralge das Ergebnis langjähriger, gründlicher Erhebungen sei, und dass die Regierung sich als ersten leitenden Gesichtspunkt eine mit den allgemeinen volkswirtschaftlichen Bedürfnissen vereinbarliche Einschränkung des Hausierhandels vor Augen hielt. Die Regierung kann aber dessen gänzliche Aufhebung aus humanitären wie aus volkswirtschaftlichen Gründen sich nicht znm Ziele setzen. Der Gesetzentwurf enthalte somit Einschränkungen und Erschwerungen des Hausierhandels in Bezug aus die Ertheilung, Ausübung und den Umfang der Hansierbewiltigungen. Verschiedene Anregungen und Abänderungen des Sub-Comitees konnten seitens der Negierungsvertreter acceptiert, ja als wertvolle Verbesserungen begrüßt werden. In Bezug ans einige andere Punkte zweifle er nicht, dass es dem Gewichte der streng sachlichen Argumente, welche die Regierung für ihre Stellungnahme Vorbringen kömie, gelingen werde, die Zustimmung deS Ausschusses zu erringen. Dies gelte insbesondere bezüglich jener Bestimmungen des Entwurfes, welche mit den Grundgedanken des bestehenden Verhältnisses zur jenseitigen Reichshälfte in unlöslichem Zusammenhänge stehen, indem die Regierung, schon aus volkswirtschaftlichen Gründen, die Aufrechterhaltiiiig des einheitlichen Zoll- und Handelsgebictcs, wie es bisher auch in Bezug ans den Hausirhandel bestanden hat, für nützlich halte. N'ach einer Debatte, an der sich die Abgeordneteii Dr. Schücker, Böheim, Glöckner, Tambosi, Dr. Weiskirchner, Dr. Damm, Dr. Sichern und der Regierungsvcrtreter Scctions-Chef Freiherr v. Wcigelspcrg betheiligten, wurde das Eingehen in die Specialdebatte über die Vorlage des Sub-Comitees (Berichterstatter Foerg) einstimmig beschlossen. Die Paragraphen 1 und 2 wurden im wesentlichen nach den Referenten-Anträgen angenommen und hierauf die Verhandlung abgebrochen. Abg. Schneider legte in der Sitzung das fertiggcstellte Referat über den Gesetzentwurf, betreffend das Vorzugspfandrecht der Bauhandwcrker, vor. — Der in der heutigen Sitzung in Berathung gedie silbermen Thora-Bekrönungen, Schilder usw. geweckt und angeregt. Finden sich also in der Synagoge tvie im Privathanse die verschiedensten Anregungen zur Verwendung und Wertschätzung kunstgewerblicher Arbeiten, so ist doch die Ausführung derselben leider nicht immer die lobenswerteste. Znm großen Theil sind nämlich die Gegenstände des Cultus, welche doch nach einer künstlerischen Ausstattung geradezu verlangen, handwerksmäßig hergestellt, prunkend anssehende, aber innerlich völlig gefühllose Fabriklvnre, sie sind im Laden nach dem Katalog gekauft lind Käufer wie Verkäufer hatten es gleichmäßig bequem. Es ist aber durchaus nicht gleichgiltig, was in der Synagoge gezeigt wird. Unwillkürlich hebt sich das Gemüth, wenn inan an den beiden Sonnabenden, an denen die die zehn Gebote enthaltenden Thora-Abschnitte vorgetragen iverden, Vorhänge mit Abbildungen der Gesetzestafeln sieht. So würden auch die Gegenstände des früheren Tempels oder die Wappen der Stämme, die Symbole der Festtage, sicherlich viel mehr zur Frömmigkeit unv znm Stolz auf unsere Vergangenheit anregen, als die längsten Inschriften, die schönsten aber beziehnngsslosen Alleriveltsarabesken, die mit unserer Art und unserer Religion gar nichts 31t thun haben. Wer es seit den letzten sechzig Jahren zuerst aufgebracht hat, die goldgestickte Midmungsinschrift ans den Vorhängen vor der heiligen Lade als Hauptdecvrntion hinznstellen, ist natürlich schwer zu sagen; neu ist dieses Bestreben übrigens auch nicht. Eil: vor ca. 300 Jahren auf Leinen gestickter, in Emden befindlicher Vorhang ist auch schon so reichlich mit Schrift besäet, dass er gut von einein der neuesten Meister herrühren könnte, bei denen die die Herrlichkeit des Gesetzes symbolisierende Krone auf den überfallenden oberen Theil steigen muss, >veil ans dem Vorhang kein Platz mehr für sie vorhanden ist. Mail vergleiche aber beispielsweise in dein Katalog einer Silberwarenfabrik die Zeichnungen für jüdische lind für katholische Cilltiisgegeiistände. Bei letzteren die geschmackvollsten Eiittvürfe, bei jenen dagegen die Schilder mit in der Luft schwebenden Säuleii, ails denen Löwen ziini Hochspriiiig aiisetzen, uiiigeben voll Ornamenteii, tvie sie vor 40 Jahren gezeichnet wurden iislv. Nach solchen Katalogen!vird aber verkmlft, ja die Fabrikware lvird als eigeiles Kunstwerk ansgegeben. In den Händen der Goldschmiede liegt der größte Theil des Verkaufs der privaten und synagogaleii Paramente, aber welcher Goldschlnied Hai sich in deii letzten Jahrzehnten für einen Ethrog-Kasten zu einer anderen Forni als zn einem vergrößerten Ethrog ailfgeschwuilgeiiV Sollte man es glauben, dass eine der Hanptsynagogen Hamburgs vor ilicht langer Zeit eilte silberne Aiantie und ein silbernes Becken geschenkt bekam niid alich ailiiahin, die bar jeder Berziermig, nichts anderes als die allereinfachsten und zlvnr langtvciligeil, ilicht die edel aiilililthigeil Formen der Steingut-Wäschgeschirre nnfwiesen? Der Grad der Achtung des Verkäufers für seilte Knuden prägt sich in der Art deS Angebots mis, diese geschmacklosen Kataloge zeigen nns, >vie niedrig die Fnbriknllten unser Kmistverständnis einschätzen. Die Gesetze des Judenthlims und die Lehren unserer Weisen sind dem Kniistgewerbe mir freundlich gesinnt. Wird das Handwerk an sich scholl hochgeachtet, so lvird neben der guten Arbeit, der richtigen lind schllellen Bollführnng auch die schönste Ausführlkilg, der Hiddllr, bei jedem Gebote empfohlen. Einen Klinsthandtverker lvie Bezalel, den Verfertiger der goldgetriebenen Geräthe lind der kunstvoll gewebten Tcpviche für die heilige Stifthütte, nennt die Thora: vom göttlichell Geiste beseelt, von seinell Gehilfen betont sie, dass sie ihr Herz gewidmet, d. h. mit Liebe zlir Sache gearbeitet hatten. Unter diejenigeli, welche die Stütze Judas misinachten, zählt Jesaias den Kunstverständigen; unsere Weisen rathen im Talmud, Cap. 33, Pesachim 114: „Spare Dir's an Speise und Trank ab lind tuende um so mehr mis Deine Wohining." Bei einzelnen Geboten wird ja auch jetzt noch viel Wert ans die möglichst schöne Ausstattung gelegt, welche verhältnismäßig Hoheit (Summetx werden z. B. für eine schöne Garnitur der vier Arten im Feststrauße anl Lailbhüttcufeste ansgegebenl Wenn das Gesetz aber die hübsche Ausstattnllg wüilscht, kann die jetzt so oft unschöne Gestaltung nur an der lliikeiintnis der Gesetzestrenell liegen oder an ihrer Gleichgiltigkeit. Und wahrlich, weilil mail nllr einen Theil der Sorgfalt, mit lvelcher der Hausherr die Tapeteil passend zlim Mobiliar anssncht, welche die Dame des Hauses für die Ansivahl ihres Winterhntes llöthig hat, mich bei dem garnicht so feiten borkommendeii Kmife für rituelle Zwecke verwenden würde, lvie prächtig könnte sich das Kunsthaildwerk entfalten. Die die Verhältnisse liegen, ruht die Anfertigung der Cilltnsgegenstäiide größteiltheils in ilichtjüdischen Händen,' und die jüdischell Arbeiter, welche mit lnehr oder lveiliger Recht über mangelnde Unterstützung klage», haben oft mehr Interesse für Halsgeschmeide als für Thora-Silberschinnck, mehr für Fahilen oder Tischlänfer, als für Thora-Mäiltelstickerei. Da gilt es also, bei jeder Bestellung selbst herailziitretell rmd anzlifellern, dem Arbeiter die Gedanken mitzutheileii, lvelche die Berivendimg veranlassen lind bei der Ailwendung in Betracht kommen, die Sprüche n>ld Symbole zu erklären, uub wir können sicher sein, dass, loeiin in dein Arbeiter etwas von einem Künstler liegt, ihlil bei der trockellste» Aufzählung ein Bild vor die Seele getreten ist, das festziihalten ihm später ilicht zu schlver falleil wird. In deil meiften Fällen lvird es ail mustergiltigen Vorbildern fehlen, aber gerade der Mailgel nniss zll originalen Schöpfimgen sichren, lvelche anregend nns den spätereil Beschmier lvirken. Größteiltheils liegt die Sache freilich so, dass die Herren Arbeiter lind Fränleill Stickerinnen mit Gewalt in neue Bahnen gedrängt werden müsseil, ehe sie die ausgetretenen Wege der Gewohnheitsarbeit verlassen, über wer sich ein wenig von ihrem Beharrungsvermögeii selbst aneigiiet, dringt doch durch. Der Fehler fängt ja alich nicht bei den Paraineilten nii, sondern scholl viel früher; lvie bei jouent Architecten, der eine Stulagoge so streng im mmirischen Stil bullte, dass er das sechseckige Schild Davids nicht nngewendet hätte, lvenn er diese Verzierlmg nicht noch glücklicherweise in einer mmirischen Zeichnung gefunden hätte, oder bei den vielen Architekten, die vor 3.0—40 Jahren nur im griechischen Stile Synagogen erstehen ließen. Wenn aber schoil der maurische Stil nichts mit dem jüdischen Gottesbmise zll tbiin hat, so gibt es keilte größeren Gegensätze als Jlldenthllm und Griechenart. Mt der Ausschmückung der Synagoge haben die Vorsteher gar oft uild zwar mit ben verschiedensten Arbeitern zu thllii, lind nicht nur bei der Erbauung derselben. Bald ist es eine festliche Decoration für einen Feiertag oder für eilt Jubiläum, bald eine Trauerdecoration oder Renovierung. Der moderne Stil ist der Wiederaufnahme eiilfacher alter Formeil sehr geneigt, man könnte vielfach auf die bekaililten althebräischen Kunstwerke zlirückgreifeli, und wenn's auch llur Ornaiilcnte sind, lvie Sänlencapitäle nnb dergl., mit ihrem ^naturalistischen Dccor passen sie prachtvoll in Misere Zeit. Die jetzt oft nöthige Unlivaudlniig der Beleuchtungskörper in solche für elektrisches Licht müsste den Vorstehern Gelegeilheit geben, nuf ganz neue Formell zll dnilgen, welche charakteristisch für die Synagogen sein köllntell. Bis jetzt sind iloch keine nnfgefnnben, aber mit welch entsetzlichem Ungeschicke sind in vielen Gotteshäusern die Gasbrenner für Alierlicht nmgeivandelt worden! Wie freundlich, würdig und doch nicht viel theurer kamt alich die Spnagoge gemalt feilt., wenn daS Auge des Vorstehers von der ersten Skizze bis zur Fertigstellung über die Arbeit wacht, welche gefälligen Formen fünnen die einfachsten Ständer und jedes Pult bei imr einiger Sorgfalt in den Schnitzereien annehmen. Die neuerdings wieder zll hohem Flor gelangte Glasmalerei könnte auch mehr, als c£ bisher der Fall ivar, zur Alisschmückling herailgezogeil werden. Wie feilte Wirkungen mürben z. B. in Glasmalereien misgeführte Gesetzestafeln erzielen, wcilii ein Strahleilkranz hinter denselben in den modernen Glasflüssen, Opalescent-Gläsern nsw. erglänzte, Abbildungeii des Tempels oder des Heiligthums in der Wüste würden nächstliegeiide Motive für Glasmalereien bildeil, aber sicherlich nicht die einzigen. Die noch erhaltencil Reste der Königsbnrg, der Grabdenkmäler der Könige, Äbsaloms nfm. mürben einem dem Gegenstände sich nnt reinem Interesse ividlllenden Architekten ebenso genügen, dieselben in begründeter Weise zu restaurieren, wie es bei Burgen ^und Altären anderer Nationen geschieht. Es wäre nu’fn-. als wünschenswert, es wäre zeitgemäß und theilweise höchste Zeit, wenn inan jeden Versuch, die noch in Palästina befindlichen Reste alljüdischer Architektur und Ornameiltik im Bilde festznhalten, unterstützte, wenn in den Budgets der größeren Gemeinden sich ein Posten zur Ennunterung ähnlicher Bestrebungen, für Stipendien an junge, strebsame israelitische Künstbaiidwerker fände. Die besten, typisch-jüdischen Lösungen von GebranchSgegenständeii für Synagoge und Privathans sollte man pnblieieren, es offen zeigen und anssprechen, wie viel Schönes wir Israeliten zu allen Zeiten geleistet haben und noch leisten. Wie befruchtend würde eS wirken, ivenn Gemeiiiden oder reiche Gönner PreiSansschreiben für die verschiedensten Zweige llnd Zwecke sachgemäß stellen würden! Zn den Festen z. B. würde die sinnige, geschmackvolle Anordnung eines Seder-Tisches ebenso schwierig sein, wie die schöne gärtnerische Ailsschmückung einer Synagoge am Wochenfeste. Die beste Deeoriernng einer Laubhütte in gegebenen _ Größeiiverhällnissen könnte ebenso gut einen Preis verdienen, wie das zierlichste Geflecht, um Myrthen und Weiden am Palnlenztveig zu befestigen. Würde eine neue Lenchterform znm Chainikn, eine hübsch'' Grnppienmg der sieben Früchte des heiligen Landes znm 16. Schewat, ein originelles Costüm .znm Purim prämiiert, man würde erstanneli, wie viel schlummerndes Interesse mir gelvcckt zu tverdcn braucht. Im Deutschen Reiche gibt eS fast 2600 jüdische Gemeinden, ill denen viel für ideale Zlvecke geschieht; an der Spitze dieser