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Jüdisches Volksblatt · 1902-03-11 · 11 (11.3.1902) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
11 (11.3.1902)
Date
1902-03-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Wien, Freitag Seite 5 Nr. 11 Jüdisches Volksblnt.t I I. Marz 1002 ligionsnuterrichtes sollen Bezirksrabbiuate gebildet werden. — Bezüglich der Errichtung von Bezirksrabbiuateu hatten besonders die süddeutschen Delegierten darauf hingewiesen, dass sich diese Einrichtung bei ihnen bestens bewährt habe. Eine Petition der Cultnsbenmten, in der die Aufstellung eines Normalvertragcs unter besonderer Berücksichtigung der Anstellungs-, Kündiguugs- und der Unfallusw. Versicherungsverhältnisse gefordert lotrb, wurde dem Ausschuss des Bundes zwecks näherer eBrathung überwiesen. Die ecnniäre Lage des Bundes betreffend wurde beschlossen, die Bunesgemeindeiö aufzufordern, ihre Beiträge thunlichst auf 1 Procent ihres Steuercinkommens zu erhöhen. Zum Schlüsse wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, in kiirzerer Zeit als vier Jahren und möglichst an wechselnden Orten zu tagen. Nachdem durch Znnif der bisherige Vorstand wiedergewählt war, wurde Vertagung beschlossen und die Sitzung mit einem Hoch auf den ersten Vorsitzenden Professor Dr. Philippson geschlossen. Russische Maßregeln gegen die Juden taufen. Aus Petersburg wird gemeldet: Dw drakonischen Ansnahmsgesctze in Russland haben in den großen Städten ivahre Massentanfen von Inden zur Folge gehabt. Um nun diesem Nebel" zu steuern, wurde ein llkas erlassen, kraft desien jeder Nebertritt dein Miinster des Innern anznzeigen sei. Durch diesen Nkas lvird der plötzlich ausgebrochenen Tauflmith ein Damm gesetzt, da von nun an jeder Tauflustige auf die Erlaubnis des Ministers wird warten müssen. Inzwischen jedoch wird er als Jude wahrscheinlich ansgewiesen iverden und auf die Taufe verzichten. Jüdische Eolonistcn in Palästina. Ans Jaffa wird gemeldet: Während der letzten zwanzig Jahre sind von Juden in Palästina bl 640 Hectar Land erworben und auf demselben 20 Dörfer und 13 Plantagen errichtet Irorden. In den Eolonien leben in 807 nach europäischem Muster errichteten Sieinhäusern 1206 Familien mit 4036 Seelen. 4310 Hectar sind deut Getreide-, 1267 Hectar dem Wein-, 1330 dem Obst- und 246 dem Gemüsebau gewidmet. Der Viehstaud zählt 1676 Stück Arbeitsvieh, 1171 Kühe und 2686 Ziegen und Schafe. Die Einnahmen der Winzer beträgt zlvischett 610 und 246 Francs pro Hectar. Die Colonisten sind zumeist ans Russland eingewandert. Iung-Iuden und Iung-Gesterreich. Von Dr. Hermann Kadisch. (Schluss.) Die langjährigen Kämpfe innerhalb beider Reichs- Hälften der österreichischen Monarchie habeil den klaren Beweis erbracht, dass auf Grundlage der bisherigen dualistischen Verfassung und der vollständig veralteten ungerechitlcuj Wahlordnung ein der Parlamentarismus dieses Reiches niemals ver Allsdruck des wirklichen Volkswillens dies- und jenseits der Leitha sein wird; er wird stets nur ein Hemmnis bilden für die uatioilale und sociale Entwicklung aller Völker Oesterreichs, sowie der nun unumgänglich nothwendig gewordenen Neuorganisation des gesammtöstevreichischen Staatswesens. Die derzeitige Verfassung beruht auf der falschen Voraussetzung, dass Oesterreich ein deutschullagyarischer Staat sei, was ebenso unrichtig ist, wie die Anschauung anderer, Oesterreich sei ein slavisch-magyarisches Reich. — Allerdings ist Oesterreich seit feinem Ausscheiden aus Deutschland im Jahre 1800 fclfn vorwiegend deutscher Staat mehr; aber darum auch noch lange feilt slavischnmgyarisches Staatswesen. Oesterreich, welches nach dein Ausspruche Bisnrarcks, Crispis und Palackys (eines Deutschen, Italieners und Slaven) geschaffen werden müsste, wenn cs nicht schon bestünde, ist ebenso eine Nothlrendigkeiit für Europa, wie für alle Völker, die derzeit unter dem habsburgischen Scepter vereinigt sind; aber wohlgemerkt, nur ein modernes Oesterreich, das auf der nationalen, coufessionellen und socialen Gleichberechtigung aller Oesterreicher alifgebaut ist. Dementsprechend hätte Oesterreich im Jahre 1807 eine auf einem Generalausgleiche aller Völker des Reiches basierende, national-autononlistische Reichsverfassung erhalten sollen; es wären dann der Monarchie 33 Jahre unfruchtbarer, staatsrechtlich-nationaler Kämpfe in und zwischen ■ beiden Reichshälften erspart geblieben. iLtatt dessen erschuf man den. Dualismus, der seit seinem Bestände bis zum heutigen Tage von den Slaven und Rumänen, der Majorität der Bevölkerung in beiden Reichs- Hälften bekämpft und nur von einem Theile der Deutschen und Magyaren gestützt lvird. Der Dualismus ist also keineswegs das Arcanum gewesen zur Gesundung Oesterreichs. Die Anerkennung des ungarischen Staatsrechtes durch die Decemberverfassung weckte vielmehr all die Aspirationen auf Wiederherstellung des böhmischen und croarischen Staats rechtes. Es ist eine historische Thatsache, dass seinerzeit Palacky, der berühmte czechische Wortführer, eine Eintheilung Oesterreichs in eine deutsche, czechische, polnische, ruthenische, rumänische, italienische, südslavische und magyarische Ländergruppe vovschlng. Erst als durch den famosen österreichisch-uiigarischen „Ausgleich" vom Jahre 1807, um die Slaven an die Wand zu drücken, von Herrn Beust der Dualismus geschaffen wurde, erscholl von czechischor Seite der Ruf nach dem böhmischen Saatsrechte. Die föderalistischen Bestrebungen dies- und jenseits der Leitha mussten gerade infolge des Dualismus an Boden gewinnen; es ist ja doch der Dualismus, in dessen Rahmen wieder Galizien und Crvatien eine Sonderstellung einnehmen, nur eine Abart des Föderalismus, der alle Nachtheile des Ecntralismns, geschweige des Doppelcentralismus mit allen Nachtheilen des Föderalismus, ohne deren beiderseitige Vorzüge vereinigt. Es lvürde hier zu lveit führen, all die schädlichen Eonsequenzen des Dualismus für die äußere und innere Politik der österreichischen Monarchie darzulegen. Wir wollen uns deshalb darauf beschränken, auf den engen Zusammenhang hinzulveisen, der zwischen der akuten politischen Kriese in Westösterreich und der Erneuerung des ungarischen Ausgleiches besteht. Bekanntlich wurden die Sprachenverordnungen Badenis nur darum erlassen, um die jungczechischen Stimmen für den ungarischen Ausgleich zu gewinnen und ebenso wurden die Sprachenverordnungen wieder aufgehoben, wieder nur, um sich die deutschen Stimmen für die ungarischen Ausgleichsvorlagen zu sichern. Die deutsche und später die czechische Obstruction waren die Consequenzen jener unglücklichen Politik, die mittelst nationaler Eoncessioneu an die eine oder andere Gruppe Westösterreich unter das Joch des Magyarenthums od'ov, wie es Int, antisemitischen Jargon heisch, unter das judäomagyarische Joch beugen wollte. Ja, welcher Zusammenhang besteht aber zlvischen dieser verkehrten! österreichischen Politik und der Politik der Indens Ein sehr ilnnigvr und sehr trauriger. Das assimilatorischq Judenthum, bar des eigenen Nationalgefühls, entbehrte des Verständnisses für das erwachende Nationalgefühl der kleineren Völker der habsburgischen Monarchie und war eine Hauptstütze des Dualismus und der Unterdrückung aller nationalen Minoritäten. Es stand aus Seite d>cs Deutsch-Liberalismus gegen die Czcchen, es unterstützte und unterstützt noch immer die polnische Schlachta gegen die Rnthenen, die Jtalianissimi gegen die Slovenen und endlich das Magyarisierungs-System gegenüber den ungarischen und siebenbürgischen Deutschen, Slaven und Rumänen. Durch diese verkehrte und selbstmörderische Politik hat die alte jüdische Generation nicht etlva nur dazu beigetragen, die Consolidierung der österreichischen Monarchie zu verhindern, die Nationalitätenhetze zur Gluthitze anzufachen, sondern auch den Hass aller national und social Unterdrückten auf sich zu laden und so den Nassen- und wirtschaftlichen Antisemitismus zu züchten. Diese Politik wäre ganz unerklärlich vom nationaljüdischen Standpunkte aus, sie ist nur dadurch zu verstehen, dass die politisch ma sieben den jüdischen Ksreise Handlangerdienste andersnationalen Parteien leisten zu müssen glaubten, um ihr österreichisches Staatsbürgerrecht zu bethätigen und zu diesem Zwecke im nationalen Chanainismus die Extrem-Nationalsten aller Völkerschaften übertrumpften. Discite moniti! Die Iung-Iuden möchten eine in jeder Richtung entgegengesetzte politische Haltung einnehmen; sie müssen der Parole Adolf Fischhofs gemäß sich bethätigen: Als treue Söhne ihres Volkes, ihres Vaterlandes und ihrer Zeit. Als Söhne ihres Volkes müssen die Iung-Iuden die Repräsentanten eines modernen, geläuterten, von socialem Geiste erfüllten .Nationalismus sein; sie müssen sich darüber, klar sein, dass national sein heißt, für sein Volk rintreten und in erster Linie daran arbeiten, dass nicht um: die eigene nationale Individualität sich frei entfalten könne, sondern dass auch vor allem für die tausende Enterbetr unseres Volkes, die noch in einem viel größeren Elend schmachten, als die Armen und Elenden aller übrigen Völker, ein menschenwürdiges Dasein erkämpft wird. Unsere nationale Bethätiguug muss in eAter Linie eine sociale sein; denn unser Nationalismus wird entweder ein socialer sein oder er wird überhaupt nicht zum Durchbruche gelangen. Durch die sociale Bethätiguug erfüllen Ibir aber nicht nur unsere vornehmste nationale Pflicht als Iung-Iuden, sondern wir schlagen auch die Brücke zu den Gleichgesinnten aller übrigen Volksstämme Oesterreichs, wir bethätigen uns als Vertreter der neu-österreichischen, der social-österreichi sch e n flf ei chs i b de.. Die Staatsidee des vielsprachigen Oesterreich kann nicht dieselbe sein, wie die der Nationalstaaten. Der österreichische Staat darf, wenn er seine Lebensbedingungen nicht verwirken will, nicht dazu dienen, die Herrschaft einzelner Nationen, Religionen und Classen über andere zu stützen. Der österreichische Staat muss vielmehr allmählich sich entwickeln zu einer Genossenschaft freier Individuen und auf Grundlage der nationalen Autonomie, sich frei entfaltender Volksstämme zum Zwecke der Förderung ihrer geistigen und materiellen Interessen. Das ist die Aufgabe der neuen Zeit nnd dieser Aufgabe müssen alle gerecht werden, die ihre Zeit verstehen und als Söhne ihrer Zeit gelten wollen. Die Forderungen, die wir in unserem Programme niedergelegt haben, sind also nicht nur eine Lebensfrage für unser Volk, nein/ unsere national-socialen Postulate müssen auch realisiert Iverden im Interesse Oesterreichs und aller seiner Völker, damit au die Stelle des ziellosen Kampfes aller gegen alte ein möglichst harmonisches Zusammenwirken jm Interesse des Ganzen und alter seiner Theile trete. Endlich muss doch eine vernünftigere Auffassung des nationalen Gedankens platzgreisen. Nicht derjenige liebt sein Volk am meisten, der den Kampf und den Hass gegen alte übrigen Völker predigt, sondern der, welcher unbeugsam für das Recht seines eigenen Volkes kämpft, gleichzeitig aber die Rechte aller a n d e re n Völker respectiert und nie das letzte Ziel aller menschlichen Entwicklung außer Augen lässt — den culturellen und socialen Fortschritt aller. Der Sache dieses cnltnrellen und socialen Fortschrittes aber wollen wir im (Gegensätze zu den Assinülanten dienen, als treue Söhne u u s e r e s Volkes, und der Sache der Menschheit dienen wir, Iveun wir in Oesterreich, das eine Welt im kleinen bildet, auf dessen Boden Deutsche, Slaven, Romanen und Magyaren wohnen, dafür eintreten und alle jene Bestrebungen unterstützen, die dazu führen, aus dem alten Oesterreich hadernder Nationen, Eon- ' fessionen und Classen ein N e u - O e st e r r e i ch freier, gleichberechtigter Völker zu schaffem Wir allein vermögen diese Aufgabe allerdings nicht zu lösen, aber wir dürfen nicht, wie es die assimilatorische Politik gethan hat, andere daran hindern. Wir wollen aber andererseits es auch nicht hindern, sondern vielmehr fördern, dass für unsere heimatlosen Brüder in Osteuropa eine Heimat geschaffen wird, für uns aber in Westeuropa und spcciell in O e st e r r e i ch muss es vor allem als oberste Aufgabe gelten, uns in unserem^ Vaterlande Österreich eine wirkliche Heimstätte zu schaffen, für uns und alle übrigen Völker dies- und jenseits der Leitha. Dieses Ziel können wir nur erreichen, wenn wir einerseits eintreten für die Realisierung unseres Programms, wenn wir uns andererseits freie Hand behalten gegenüber den bestehenden Parteien, wartend auf den Moment, wo auch bei den übrigen Völkern Oesterreichs Fraetionen mit diesen Anschauungen sich bilden, denen wir die Bruderhand reichen können. In diesem Sinne wollen wir wirken als Iung-Iuden und Jung-Oesterreicher. Einweihung des Hospitals „Schaare-Zedek" in Jerusalem. Das neue Spital wurde am 26. Jänner eröffnet, nnd zwar in Gegenwart von Djewad Pascha, dem Gouverneur von Jerusalem, dem städtischen Bürgermeister, dem deutschen Consul Dr. Schmidt, dem Chacham Baschi I. S. Eljaschar, dem Oberrabbiner Salant und dessen Delegierten, Rabbiner Rabinowitz. Die Gäste wurden empfangen von dem Arzte Dr. W a I a ch, dem Architekten Baurath ©anbei, den beiden Comiteemitgliedern Rabb. Ch. Svnnenfeld und Rabbiner Ch. Eljaschar, dem Hausverwalter Herrn Marx und dem Apotheker Herrn Ch. tz a u s d o r f. Nach einer gründlichen Besichtigung wurden Gebete für den Sultan, sowie für den deutschen Kaiser von dem Chacham Baschi gesprochen und Erfrischungen gereicht. Die Feier war sehr einfach und nicht öffentlich, wegen der Abwesenheit eines Mitgliedes des Centraleomitees, auf das man sicher gerechnet hatte. Die eigentliche Eröffnung zur Aufnahme von Kranken findet am 28. d. M. statt. Gegenwärtig sind 20 Betten vorhanden und diese nur für den Gebrauch von Frauen und Kindern bestimmt. Wünschenswert wäre ein Capital, dessen Ertrag hinreichte für laufende Ausgaben. Da die vorhandenen Mittel für Bauzwecke nöthig waren, so wird die Vermehrung auf 40 Betten lediglich von dem Eingang der jährlichen Beiträge abhängen. Die freien Räume tvürde sich sehr für eine Augenklinik eignen. Der Mangel einer solchen ist trotz des brit. Augeuspitals der Johanniterritter noch sehr fühlbar. Das Gelände des neuen Jerusalemer Hospitals, wie cs oben dargestcllt ist, soll fortan den Namen Shaare-Zedek tragen. Es wurde im Jahre 1897 begonnen, nachdem vorher drei Negenwasscrcisternen mit einem Cubikinhalt von 1800 Metern gebaut worden waren. Der eigentliche Beginn datiert auf das Jahr 1884 zurück, als die Herren Rabbiner S. B. Bamberger s. A. Würzburg, S. R. Hirsch f. A.—Frankfurt a. M., Akiba Lehren s. A.—Amsterdam und Dr. M. Lehmann s. A.—Mainz ein Comitce bildeten mit dem Zwecke, ein großes israelitisches Spital in Jerusalem zu bauen und zu unterhalten. Während einiger Jahre wurden nun Gaben gesammelt, bis vor 11 Jahren die Nachfolger des ersten Comitees das Werk theiliveise zur Ausführung brachten. Das Hospital-Comitee versicherte sich eines Baugrundes, errichtete auch in der Stadt eine Apotheke mit einem Arzte, erivarb die Bauconcession und ließ das Gebäude aufrichten. Obwohl die drei vorhandenen jüdischen Spitaler „Notschild", „Bikur Cholim" und „Misgab-Ladach" die Zahl ihrer Betten auf 130 erhöhten, so blieb doch noch das Bedürfnis nach einem weiteren Spital vorhanden, welches noch 60 Patienten aufnehmen könnte. Der Grund davon ist, dass die klimatischen Verhältnisse hier, verbunden mit Armut und Wassermangel, die Krankheiten begünstigen, nnd dass die ärztliche Hilfe bei der Behandlung der Armen in ihren Häusern, wo cs vor allem an reiner Lrift fehlt, nicht das bewirken kann, was in einem guten Spital zu ermöglichen ist. Das Gebäude steht etivaö entfernt von dem jüdischen Viertel, aber auf der Javastraße an einem hoch und gesund gelegenen Platze, mit dem Wagen leicht erreichbar nnd mit einer Ausdehnung von 10 000 Quadratmetern, sowie geschützt gegen die hier herrschende tvcstliche Windrichtung. Die Bauarbciten sind größtentheils von Juden ausgefülnck, was ein günstiges Licht auf deren Geschicklichkeit lvirft. Die Mauern sind von Kalkstein bester Art hergcstellt, dieselben tvcrdcn von den Eingeborenen Misi Jehud, d. i. Fels der Juden, genannt, als ein Zeugnis für die jüdische Festigkeit. Da es in einem der Malaria ausgesetzten Klima ungesund ist, Parterre zu ivohnen, so ist dieser Gebäudetheil für die Shnagoge, Consultationsziinmer, Apotheke, Küche nslv., der obere Theil dagegen nur zu Hospitalzwecken bestimmt. Eine andere gesundheitliche Vorsichtsmaßregel besteht in der Unterkellerung des Gebäudes und der Anwendung von Asphalt zwischen dem Fundament und den oberen Mauern, so dass die Feuchligteit nicht hindurchdringen kann. Das Spital steht mir der mächtigen Front nach Norden; au der Westseite befindet sich ein Flügel mit zwei geräumigen Wartezimmern, eines für Frauen rmd Kinder, ein anderes für Männer. Der vorragcnde Theil des sich an diesen Flügel anschließenden Ge- , bäudeS enthält das Consnltationszimmcr des Arztes. Es erhält! Licht nnd Luft von drei Seiten und steht mit einem kleinen Zimmer für mikroskopische Versuche in Verbindung. Die Räume der Apotheke nebst einem geräninigeri Laboratoriunr besindcu sich ebenfalls hier. Jm Hauptgebäude verbindet eine große Vorhalle die prächtige Shnagoge, welche eine getrennte Galerie für Frauen hat. Jm Anschluss an die Sunagoge sind verschiedene luftige Zimmer; der südliche Flügel enthält die großen Küchen. (Milch- und Fleischkiiche sind getrennt.) Man hat den Küchen ebensoviel Raum zugemessen, als den Heilstätten für Medicin und Laboratorium, da es augenscheinlich ist, dass eine sorgfältige Ernährung ebenso wichtig ist,' als die mcdieinischen Mittel. Dies ist hier umso wichtiger, als die meisten Leute durch zu geringe Nahnmgsanfuahme geschwächt sind. Das erste Stoctlverk, zu ivelchem man auf zwei Seiten gelangt, enthält die Zimmer der Patienten; ivestlich die Zimmer der Frauen, in der Akitte die der Kinder nnd östlich die der Männer. Die vier großen Krankenzimmer, jedes für sechs Betten berechnet, empfangen Licht nnd Luft von drei Seiten, und berechnet sich auf jedes Bett ein Cubikinhalt von 40 Metern. Zlvischen den großen Zimmern sind verschiedene kleine mit zwei oder drei Betten. An der Südseite des Geländes befindet sich gegenüber der iveiblichen Abtheilnng ein großer Hof für die Frauen und gleichfalls gegenüber der männlichen Abtheilung, ein für die Sukkah geeigneter unbedeckter Hof. , . Ein mit Oberlicht versehenes Zimmer au der Nordseite ist für chirnrgisck'e Zivecke ausgestattet. Außer dem Hmiptgebäude sind noch zivei Nevengebände für ansteckende Krankheiten vorhanden. Wollte mau die Beschreibung der architektonischen und hbgicnischeu Einrichtung geben, so müsste man alle die inoderueu Pläne verzeichnen, welche ein Hospital der Neuzeit aufzulveiscu vermag. ES

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