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Jüdisches Volksblatt · 1902-03-11 · 11 (11.3.1902) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
11 (11.3.1902)
Date
1902-03-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 14. Mürz 1902 Nr. 11 fifynncit [io nicht zu beachten. Die reichen Inden haben umso größere Pflichten, zu erfüllen, als sie es sind, um dereNvillen die Armen leiden. Dr. Maycr 15dm unterlässt es nicht, darauf tzinzn- Iveisen dass trotz aller Leiden,, welche die Inden jetzt zu. erdnlden haben, doch gegen früher ein großer Fortschritt zu verzeichnen ist. Umsomehr gelte es, das Erreichte festzubalten. Man dürfe nicht sagen, die Abtvehr der Gefahren nütze ja doch nichts. Das sei nur eine Ausrede, ein Vortvand für Trägheit und Geiz. Jedes Gefühl hat nur so viel Wert, tvie die Thal die es hervorbringt. So lange sich tiicht die Juden in Deutschland tvie in Oesterreich die Frage beantworte::: „Wie viel thut uns der Antisemitismus Leides?" werden sie sich auch nicht Rechnung oblegen, tvie viel Kraft sie zur Abwehr anftvenden müssen. Sich tvebreu heißt sieb ehren. Nach diesen: Grundsätze muss vorgc> gangeir werden; das ist Pflicht der Juden als Jude::, ebenso tvie als gute Qesterreicher. Die Jüdische Volkspartei hat, wem: auch mit andere:: Worten, schon lange diese Ideen vertreten. Auch jetzt bei den Genteinderathstvahlen hat sie das Banner des jüdischen Volkes entfaltet. Wir tverden sehen, ob die Rede des Dr. Mayer Cohn auf die Kreise, auf die sie getni'n:zt tvar, belehrend gelvirkt hat, oder ob sie wieder in den gewohnten Schlendrian verfallen werden. Kleine Chronik. Inland. Nnd actio nelle Mittheilung. Der bisherige Chefredacteur Herr Alois M unk scheidet mit dieser Nummer ans dem Verbände des „Jüdischen Volksblattes" und tritt iii.. einen _ neuen _ Wirkungskreis ein. Es wäre überflüssig, die Verdienste des scheidenden Leiters hervorzuheben; sind uns doch wiederholt aus unserein Leserkreise Zeichen der Anerkennung für den Aufschwung den das Blatt unter feiner Leitung genommen hat, zutheil geworden. Die Redaction kann nur versichern, dass das „Jüd. Volksblatt" auch in Zukunft seiner Aufgabe getreu bleiben^ wird, ein_ energisches Kampfblatt' für die Interessen des jüdischen Volkes, als auch ein unermüdlicher Wecker der nationalen Idee zu sein. Jüdischer Volksverein für den 10. nnd 17. Bezirk. Am 10. d. M. fand in der Restauration Müller, Hubergasse 10 die constituierende Versammlung des Jüdischen Volks- Vereines für den 16. und 17. Bezirk statt. .Nachdem Herr Heinrich Kornmehl als Vorsitzender der Versammlung" die in überaus großer Zahl erschienenen Anwesenden, unter denen sich auch eine Anzahl Damen befanden, begrüßt hatte, erstattete er die Meldung, dass die Statuten des Vereines durch hohe k. k. Statthalterei bereits genehmigt Nmrden, wodurch der Verein als gegründet erscheint. Hierauf erhielt Herr Dr. Paul Weisengrün zum Referate das Wort. Nach einer kurzen Begrüßung des jungen Vereines in: Namen des Centralvereins und der Jüdischen Volkspartei entwickelte der Referent unter wiederholter Veifallskundgeb::ng in klarer, anschaulicher Weise das Programm der Jüdischen Volkspartei, auf Grund desser: sich auch der neue Verein gegründet hat. Unter dem Eindrücke dieses Vortrages meldeten sich fast sämmtliche Anwesenden als Mitglieder des Berlins. Hierauf begriißte Herr Jakob Krausz Namcivs des Jüdischen Volksvereins für den 8., 9., 18. :md 19. Bezirk den neugegründeten Bruderverein. Nachdem der Präsident des „Vereins Jüdischer Studenten", Herr pud. jur. Mar Diamant den Gruß feiner Verbindung darbrachte und die Erklärung abgab, dass der „Verein jüdischer Studeiüen" sowohl den Centralverein als auch die Bezirksvereine der Jüdischei: Volkspartei ii: allen Fällen nach Kräften unterstützen werde, sprach noch Herr Dr. Hermann Kadisch unter großem Beifall über das Verhältnis der Juden als Nation zu den anderen Nantioualitäten und lieferte den Beweis, dass die natioiwle Bewegung der Juden keineswegs ausschließe, sondern einschließe die Cooperation mit den national-autonomistischGesinnten aller übrigen Völker Oesterreichs im Zeichen des socialen Fortschrittes. Darauf ergriff Herr Dr. jur. Hugo Medak das Wort, um seine Freude darüber auszuorücken, dass sich in den zwei Bezirken, in welchen die Bestrebungen des Jüdischen Volksvereines schon längst sehr viele Anhänger bat, nunmehr diese Gleichgesinnten zu einen: thatkräftigen Vereine zusaiumengefundeu haben. In gleichem Sinne sprach auch Herr Thierarzt Samuel Reiß, worauf zur Wahl des Vorstandes geschritten wurde. Es wurden gewählt als Ausschussmitglieder die Herren: Heinrich Kornmehl, Salomo:: Fuchs, Sigmund Schickler. Jakob Holzer, Osias Pudles, Thierarzt Sainuel Reiß, Dr. Leo Sofer, Ephraim Silberstuin, Samuel Fischer. Als Beiräthe die Herren: Moritz Medak, Dr. Hugo Riedak, Oscar Löbl und I. Hager. Jüdischer Volksvercin für den 8., i)., 18. und 10. Bezirk. Eine literarische Confereuz war das Ereignis des letzten geiuüthlicheu Abends, der von einem zahlreichen, distinguierten Publicum besucht war. Herr Mar Hernfeld skizzierte in kurzvn Worten das Wesen der Schnitzlerschen Muse das Wienerische in seinen: Schriftthun: und versuchte, seine Ausführungen durch Eitierung literarischer Größen autoritatives Gepräge zu verleihen. Zum Schlüsse las Herr Hernfeld „Lebendige Stunden" aus Schnitzlers neuestem, gleichnainigen Einactercyklus, wofür ihm lebhafter Beifall gezollt wurde rant Wählerversammlungen. Am 8. d. M. fand im Restau- „Zum goldenen Widder" eine stark besuchte Wähler - Versammlung statt, in lvelcher der Candidat der Jüdischen Volkspartei, Herr Hermann Plaschkes, sein Programm über alle actuellen Colinm-malfragen unter großem Beifalle der Anluesenden entlvickelte. An: 12. d. M. fand eine Wählerversammlung in: Festsaale des „Jüdischen Volks- Vereines" statt. Der Candidat Plaschkes gibt die Geschichte seiner Caudidatur und betont, dass er und mit ihm die Partei nur dann ein Mandat in einer Körperschaft übernehmen könne, lvenn es dem Gelvählten auch möglich bleibt, ii: der betreffenden Körperschaft die wirklichen Interessen des Judenthums vertreten. Und als Nur zu den Gemeiudera-thswahlen Stellung »ahmen, thatei: wir es in erster Reihe, :un mit unseren Ideen in die Massen zu dringen. Aber in uns rollt noch dasjenige jüdische Blut, das unsere Volksgenossen in den Märztagen in den Freiheitskalnpf trieb, weil sie damit den: Judenthum dienen wollten. Wir wollen nicht das Odium auf uns laden, dass wir durch unser Eingreifen die nach unserer Ansicht jedenfalls^ sehr schwachen Aussichten der antireactionären Parteien schwächen. Ich lege daher die Caudidatur in die Hände meiner Wähler zurück. Wir w,erden uns stärken, denn unsere Idee:: gewinne:: inuuer mehr an Boden unter unseren Volksgenossen, und unsere Partei ist schon heute ein Factor geworden, und es lvird fürderhin keine Wahlactioi: mehr inöglich sein, ohne die „Jüdische Volkspartei" mit in Coinbination zu ziehen. I:: der hierauf sich entspinnenden Disenssion, in lvelcher dem abgetretenen Candidate:: für seine Haltung während der ganze:: Campagne der Dank ausgesprochen lvurde, betheiligten sich die Herren Dr. Carl Lifczis, Dr. Arnold Ascher und Dr. Hermann Kadisch, tvelche übereinstimmend erklärten, dass in Zukunft die Jüdische Volkspartei in den politischen Kampf einzutreten und ihn mit aller Energie zu Ende zu führen entschlossen sei. Zu den Gemeindcrathswahlen. Herr Altberger ersucht uns zu constatiereu, dass er nicht in: Nainen der Partei gesprochen hat, wie in: letzten Berichte erwähnt lvurde, sonder:: nur im eigenen Namen. Die Paragraphen 59 und 60 der Gewerbeordnung sanctionürt. Heute vormittags erschien eine Deputation deutscher Gewerbetreibenden aus Eger und Troppau unter Führung des Abg. Böheim bei::: Ministerpräsidenten Dr. v. Koerber und drückte die Bitte ans, dass die von: Abgeordnvtenhause ::r:d Herrenbause erledigte Aenderung der Paragraphen 59 und 60 der Gewerbeordnung rasch zur Sauctiou unterbreitet werden mögen. Ministerpräsident Dr. v. Koerber erwiderte, dass die Sauctiou bereits erfolgt sei. Jeder Connneutar ist überflüssig. Vorträge. Dienstag den 18. d. M. findet im „Vereine jüdischer Studenten" eine literarische Conferenz eiw geleiret von Herrn Alois Munk, statt. — Mittwoch, den 19. d. M. findet in: Festsaale des Jüdischen Volksvereines, 2. Bez., Leopoldsgasse 49, der wegen der Wahlen verschobene Vortrag des Elektroingenieurs Löwenbein: „Wunder der Zukunft" mit Demonstrationen statt. Vortrag Adolf Gelber. Im Jüdische:: Volksverein für den 8., 9. und 19. Bezirk hielt Herr Schriftsteller Gelber an: vergangenen Sontag einen Vortrag, betitelt „Tausend und eine Nacht". Wir lvollen hier nicht die Vortragskunst Gelbers hervorheben; dies hieße Eulen nach Athen tragen; mit dramatischer Kunst zaubert er die Gestalter: der Dichtung hervor, so dass sie nicht mehr blasse' Scheinen, sonder:: Mensche:: von Blut und Mark scheinen; an: Schlüsse seines Vortrages konnte man sich ii: ein arabi-: sch es Kaffeehaus versetzt wähnen so andächtig lauschte das! Publicum dein Märchenerzähler in ihrer Mitte; nein —j lvir lvollen viel:::ehr die Anschauung Gelbers hervorheben, j der in „Tausend und eine.Nacht" nicht bloß eine kunstlose Äsneinanderreibung von schöne» Märchen sicht, sonder:: ein : dramatisch bewegtes Epos, in den: die Märchen nur Epi-I seden zur Illustrierung von hervorragenden Herrscherei gen- > schaftcu sind, während der Hauptsaden, der stumme Kampf! Scheherezades mit den: Despoten uiulnterbrochen lveiter-, läuft. Man kennt die Geschicklichkeit Gelbers, aus einenb Worte, aus einer Silbe, aus einer Handbelvegung eine! ganze Situation anszubanen; er hat diese Fähigkeit auch diesmal glänzend bethätigt, aber auch diesmal lvird es ihn:; nicht gelungen sein, jeden Zweifel ans der Brust seiner, Hörer zu bannen. j Grundsteins', gnng eines Tempels. Der Vorstand der isr. Cultnsgemeinde Wr.-Nemtadt begeht Sonntag d. 16.d. M. nachmittags 8 Uhr die Feier der (Grundsteinlegung des neuen Tempels in Wr. Neustadt. Das Programn: der Feier lautet: 1. In: alten Beihause: 1) Mah toulvu, 2 ) Predigt; 8) Minchah. 2. Ans dem Bauplatze:!) Psalm 127 (Wem: (^ott das Haus lüchl baut), 2 ) Ansprache des Cultnsvovitehers, -' ) Ansprache des k. k. Baurathes Herrn W. Stiassny. Silberne Hochzeit. Aus Floridsdorf lvird geschrieben: Eine Reihe froher Tage lässt unsere Gemeinde jetzt an sich vorüberziehen. Anlass hiezu bot die silberne Hochzeilsfeier unsercs verdienstvollen Vieepräses Herr:: Emauuel Grünlvald und seiner Frau Gemahlin Henriette Grünlvald, gcb. Tausky. Freitag Abend hatte sich ein distinguiertes Publicum in: bellstrahlendei: (Foltesbause ei'ngefunden. Das vom Jubilar gespendete Sefer Thora lvurde aus der Bohnung Sr. Ehrlv. des Herrn Bez.-Rabbiners Dr. R'osenniann von: Eultusausschusse in den Tempel abgeholt, an dessen Eingang vom Herrn Präses der (Gemeinde Tr. König nnd dem Herrn' Rabbiner überiiommei: und unter Begleitung des Enltnsrathes Herrn I. Buchlvald, des Herrn Obmann der Eheivra Kadischa M. Nemnann, des Herrn Obmann der Talmud Thora Dr. L. Grüuwald, welch letztere zlvei Herren Scforin: trugen, solvie der anderen Ausschnssmitglieder in die Bundeslade gebracht; lvährcnd dessen trug Herr Obercantor M. Lölvy unter Chovbegleitung den 24. Psaln: feierlichst und stimmnngsvoll vor, und sprach sodani: Herr Bez.-Rabbiner Dr. M. Nosenmam: vor offener Bundeslade ein diesen: Älnlass entsprechendes Gebet. Jsraelitislfie Allianz zu Wien. Von Seiten der Israelitischen Allianz zu Wien tverden lvir ersucht, svolaendcs bekannt zu neben: Seit einiger Zeit A'hen teilte in Wien und verinntlilich auch in anderen Städten mit Spenden-Sammelbücheru znaunsten der bedriickten rnmänischen (sUanbensneiwsscn herum; die Sanunelbücher sirid auneblich vou eiuern Verein „Schomer Israel" in Bukarest ausaestcllt und traaeu eine Stanipiglie dieses Vereines in hebräischer, delNschcr und rumänischer Sprache. Nach eiunezogenen zuverlässiaeu Erkundiguuaeu hat der unter crlvähutem Namen in Bukarest bestehende Verein niemand beaufiragt, Spenden zu sammeln, so dass mau cs in diesem Falle mit einem Bctnlge z:: thun hat, durch lvekchcu das Mitleid mit unseren in der That unter einer immer grausamer lverdendeic (Gesetzgebung der fnrchtbarsten Noth prcisgegebenen Ollanbensgenossen in Nmnänien nicht ohne Erfvlg ailsgebentet werde. Die Israelitische Allianz nimlnt Speirden für die von ihr seit dem Jahre 1900 ununterbrochen geleitete rumänische Hilfsactivn jederzeit mit Dank entgegen. Eine wichtige principielle Entscheidung hat in jüngster Zeit der Verwaltungsgerichishof getroffen. Ein Wiener Arzt, der während der Somincrmoicate in Karlsbad prakticicrt, wrlrde von der dortigen Cultusgemeinde zur Zahlung einer Cilltussteiler cnlfgefordcrt. Der Arzt, der in Wien seinen ständigen Aufenthalt hat imt> daselbst seine Cultussteucr zahlt, weigerte sich, tu Karlsbad der Aufforderung zt: eutsprechett und rccurrieric gegen jede Vorschreibuug. Alle Instanzen, zuletzt das Cultnsministerinm, wiesen ihn ab, weshalb er die Beschwerde an deit Vcrwaltnngsgerichtshof erhob. Der VerwaltungsgcrichtShof wies jedoch vor einigen Tagen die Beschlvecde mit der Motibicrnng ab, dass ein Jude, der an mehreren Orten eitlen ordentlichen Wohnsitz hat nnd Erwerb findet, auch an diesen Orten die Ctilttissteuer zu entrichten habe. Kirche und Politik. In aller Stille hat sich ein itttecessantes Ereigitis vollzogen: 23 Presbyter der Angsbtirger jl'irche haben ihre Stellen niedergelegt. Es bedeutet dies, so paradox es klingt, eitt Eindriitgen des Jcsuitismns in die protestantische Kirche. Anlässlich der letzten Pfarrerwahl stattden sich zwei Candidaten gegenüber; der eine eilt Doctor von vier Facnltäten, ein eitropäisch gebildeter Mann, der andere ein ttiedcrösterreichischer Lmrdpfarrer, dessen geistiger Horizont sich mit dem Sprengel, den er bisher ittnehatte, deckte; dafür aber hatte Pfarrer Beck immer intimen Umgang mit den christlichsocialen Parteigrößen gepflogen, und als Candidat geitosö er die Unterstützung der gesammten Wiener christlichsocialett Presse. Nur die „Ostdeutsche" stand cmfänglich abseits; schließlich siegte die Erwägung, dass das bisherige Presbyterium, das auf Seite des Pfarrers Nittelmaycr stand, sich uegen die „Los von Nom"-Bewegung besonders in puiteto Ejeldnitterstützung sehr spröde benotiimen Hai; Pfarrer Beck scheiitt mm nach rechts — Lueger — und links — Wolf — Versprechungen gemacht zu haben; nnd so siegte schließlich Beck durch Unterstützuitg des proicstaitiischen kleinen Mannes, der in politischer Bcziehting eben christlichsocial ist, ohne zu bedeitken, dass itach den Jndeit die Protestanten die nächsten Opfer der Schneider'schcn Laune sind; die Itttelligenz, die weiteren Erwägungen zugänglich ist, nitterlag und zog durch ihre Demission die weiteren Coitseguenzeit. So wird P. Abel tticht bloß im Wiener Gemeinderathe und in der fürsterzbischöflichett Kanzlei, sottdern atich iit dem Presbhterinm herrschen. Aus dem Gemeindcleben. Aus Marienbad wird gemeldet: Soitntag den 23. v. M. fattd der letzte jener schönen Vortrags- Abende statt, die in diesem Winter unsere Gemeiitdemitglieder mit ihren Familien stets fast vollzählig ztir Pflege edler Geselligkeit vereinen. Die bisher veranstalteten Abende waren der Behandlting ernster jüdischer Themen gewidmet. Den Neigen der Vorträge eröffnete am 23. November unser vom Geiste des Judeitthunts ebenso wie vom Geiste der Zeit erfüllter Seeletthirte Sr. Ehcwürdett Herrn Nabbiiter Dr. Ph. Goldberger mit eiitem gleichertnaßen popnläreit wie itthalisreichcn Essap: „Volksideale tntd Jdealüotf". — Am 15. December folgte Herr Dr. Ruff ans Karlsbad der mt ihn ergangenen Einladmtg uttd bot eine gemüthstiefe Darstellung jüdischer Sitten uitd Bräuche in seinem Vortrage „Leid und Freud im jüdischen Hause". — Am 29. December würdigte unser Borsteher-Stellbcrtreter, Herr Lllois Kohn, Redacteur der „Marienb'ader Zeittmg". anknüpfend an die Denktnnlsenthüllttng in Paris „Heinrich Heine" als detitscheit Dichter, den wir nnt Recht den tinseren nennen könne,t. — Am 20. Iaituar gab uns unser Getiteindemitglicd. Herr J.-U.-Dr. Josef Steiner eine lleberstcht über „NechtSverhälinisse der Inden mit besonderer Bernckstchttgnng des Privatrechtes", die lebhaftem Interesse bcgegtiete. — Am 23. Febr. endlich solgtc der crlvähntc Vortrags- und Ilnterhaltnitgsabend, an — Vfn den Vorirägett warett beiheiligi: Frau Catttor 6)oldenberg, bereit geradezu classisches Clavierspiel besondere Eriväh.tnng verdiettt Ferner Frls. FantcS Hermiite, Hecht Lomse, Kraus Hedwig, Kraus Bertha, Lang Älitita. Pichl Sophie, Schnetder Louise, Steiner Elsa, Stent Louise und Herr Cantore Goldenbcrg. — Hierauf las Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Goldberger nach einer kurzen llterarisch-ylstorischen Einleitung eine Auswahl von „Inda, Oie sänge von BörricS Frhr. v .Münchhausen , tue durch bte if)nen eigene kraftvolle Sprache ebenso tvie durch die dttrchdachte Reeitatioit tiefe Wirkung hervorbrachten. Z'lttch das Verdteiist des tvesendett noch bis laitge nach Mitternacht beisammen. Die Leitnttg dieses Abends lag in deit bewährten Händeit des Herrn Redactetirs Alois Kohti, lvähreitd um die Veraitstalinng der früheren Abende der dzt. abtoesende Genteindevorsteher Herr Etnil Barnch sich etfrtg betnüht hatte. Sttrajevo. Am >. März fand ein Geselliger Al'end der „Selbstbildnngsgesellschasi der israelitischen Jugend in Saraievo statt. Arrslemd. Isrnelitischer Gemeiudetag. Von Berlin lvird geineldet: Der neunte dentsch-tsraekitisehe Gemeittdetag wurde int Veeetnshmlse der Grvßlogc, Wikhelntstraße 113, abgehalten. Ans Uielen Städten Deutschlands waren Delegierte entsandt ivordcn. Vertreteit waren iiibifciio Wcmciuben. Den ^ovj’ib nnind Lachmann-Berlin. Als ivichiigster Punkt der Tagesordimitg gelangte nach längerer Debatte folgender tnobifuuerter fl,Urop dev Rabvinerverbandes in Denischland zur Annahme: 1. Bet Verhandlungen über religiöse Angelegenheiten ist der Rabbiner zttznztehen. der religiösen Angelegenheiten tlnd Znr Hebilng dev Ne-

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