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Jüdisches Volksblatt · 1902-03-07 · 10 (7.3.1902) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
10 (7.3.1902)
Date
1902-03-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Kr. 10 Jüdisches Volksblett 7. März 1908 Wien, Freitag Seite 3 Beseitigung tvohl niemand etwas einzutvendm haben wird. Man lvill sich aber antisenntischerseits damit allein nicht begnügen, »um will vielmehr die Wiener Getreide- und Frachtbörse mit Stmnpf und Stiel ausrotten. Dies ist nur im Wege der Gesetzgebung möglich. Die antisemitische Partei ist in dieser Richtung an die Negierungskreise herangetretcn, welche, das Unsinnige bcffcu anerkennend, sicklange Zeit ablehnend verhalten hat. Einer Beweis von dem Terror!snrus, den die antisemitische Partei auf allen Gebieten arrsübt, liefert wohl zur Genüge der Umstand, dass — horribile dictu — die Negiomurg eingelenkt ist rmd derrr. Abgeordnetenharlse einen Ncgierungsentwurf unterbreitet hat, der nicht nur den Ternrinharrdcl, sondern auch überhaupt jede geschäftliche Thätigkeit der Wierrer Getveidennd Fruchtbörse lahmlegt urrd unterbindet. Dev Sachlage nach kann angenommeir lverden, dass der erwähnte Gesetzentwurf möglicherweise mit einigen unwesentlichen Amendements Gesetzeskraft erhalten wird. Dadurch wird erreicht werden, dass wieder einige hundert arme Juden brotlos gemacht werden. Handelt es sich doch einzig und allein nur darum, die Juden von aller: Gebieter: zu Verdränger:, auch vor: dern Gebiete des Harrdels, auf den: sie sich sogar in den vormärzlichen Zeiten, in der Aera der finstersten Neactiorr unbehindert zu bethätigen verrrrochten. Wahrlich, besäßen wir den Cyrrisrrms und die Frivolität rmserer Gegrrer, mar: könrrte nrit Schadenfreude zrrrückblicken. Die Vernichtung der Wiener Getreidebörse durch die Lahmlegung aller geschäftlicher: Thätigkeit wird nichts weiter erzielen, als dass der reich entfaltete Getrei'deharrdel in Wier: arrfhörerr und rricht mehr Wien, sonderr: Budapest das Getreide-Emporium sein wird. Ein Schlag für Men, das durch diese Decapitalisieruirg eine tief einschneidende materielle und moralische Einbuße erleiden wird. Es heißt freilich, die Regierrurg ineine es nrit derrr im Abgeordneterrhause eingebrachten Gesetzentwürfe rricht ernst, und sie hat dieser: Entwurf nur deshalb so drakonisch ausgestellt, um die antisemitische Partei ad absurdunr zu führen. Allein alle diejenigen, die dieser Ansicht, scheinen die Geschichte der antisemitischen Aera entweder nicht zu kennen oder bereits vergesse:: zrr haben. Wer hätte je gedacht, dass wir in Oesterreich wieder zu zürrftlerischerrr Zopfwesen gelangen Werder:. Auch hiebei hat die Gesetzgebungsmaschine hilfreiche Harrd geboten urrd trotz des lächerlichen „Heiße Würstel und lederrre Hosen"-Krieges, der Oesterreich zu einer abderitischer: Berühmtheit genracht hat, bewegt sich die Gesetzgebung eorrtinuierlich auf abfallerrderr Wegen rmd leiht ihrer: Arn: dazu, rroch weiter rückschrittliche Einfchränk:n:gen zu stipulieren. Die Gefchgeburrg, deren Aufgabe es sein sollte, die höchster: Ideale arrzustreben, die geltender: Gepflogenheiten und Anschauungen zu codificieren, gibt sich bedauerlicherweise ir: der Aera des Antisemitismus zürn Büttel her, um Nachegelristen einer herrschender: Partei zu fröhnerr. Wir Haben es irr Oesterreich in dieser- Richtung herrlich weit gebracht, rrur rroch eine kurze Zeit weiter auf diesen: Wege und wir werden uns in eiinem Abgrunde befirrden, aus dem eine Rettung nicht mehr möglich ist, rmd das hat die christlicht-sociale Partei nrit ihren: Antiseinitismus verschuldet. In kn Gmkiudklllths«llh!k«. Erste jüdische Wählerversammlung. Die Jüdische Volkspartei erachtete es als ihre Pfl-'cht auch in der Gcmemderathsfrage dem jüdischen Volke in Wien die Directive zu geben. Deshalb veranstaltete sie ant letzten Mittwoch eine jüdische Versammlung im Festsaale des „Jüdischen Volksvereines". Die Bürgerschaft des zweiten und neunten Bezirkes war in Massen diesem Rufe gefolgt. Herr Cultnsvorsteher Hermann E l t b o g e n eröffnet«, beifällig begrüßt, die Versammlung und erklärte, daß trotz anfänglichen Widerstrebens unter allen Inden die Ansicht zum Sieg« kommt, daß es eine Ehrenpflicht sei, sich zu wehren; sich wehren heißt sich ehren. Wir haben die jüdische Wählerschaft zu einer Wahlbesprechung geladen, um die jüdische Wählerschaft aus ihrer leider so großen Apathie, aus der Gleichgiltigkeit zu wecken und den jüdischen Wählern vor Angen zu fuhren, welche große Macht in ihren Händen liegt, wenn sie von dem Stimmzettel richtigen Gebrauch machen. Pflicht eines jeden Inden ist es, in den Wahlkampf einzutreten, damit uns die Rechte und speciell die Gleichberechtigung als Nation und Constssion gewahrt werde. Vor wenigen Tagen hat ein deutscher Gelehrter in einem jüdischen Vereine einen Vortrag gehalten, in dem er über die Rechte und Pflichten der Juden sprach und die Gründung einerjüdischen Partei als Ehrenpflicht aller Inden bezeichnete. Hierauf ertheilt der Vorsitzende dem Candidaten Hermann P l a s ch? c s das Wort. Derselbe weißt darauf hin, dass er im Bezirke bekannt sei und daher es eigentlich nicht nothwendig sei, ein Programm zu entwickeln. Er thue dies aber doch, und sei auch in Zukunft bereit, jedem Neve und Antwort zu stehen. Von armen Eltern geboren, kenne er die Noth des kleinen Mannes aus eigener Anschauung und am eigenen Leibe. Er werde besonders in der Wohnungsfrage und Heimatsrechtsfrage feine Stimme erheben; sein Hauptaugenmerk werde er dem Armenwefen znwenden. Deshalb werde er aber die Lage der intelligenten Classe nicht vergessen; besonders die Lage der Unterlehrer sei dringend der Reform bedürftig. Wenn auf nichts, könne man sich auf seinen Charakter verlassen. (Bravo!) Hierauf ertheilte er dem Referenten, dem Hof- und Gerichtsadvoeaten Dr. Karl L i f c z i s das Wort. Der Referent wies darauf hin, dass es uns Inden nicht gezieme, hohe Politik zu treiben und sich über Zweibund- und Dreibundpolitik den Kopf zu zerbrechen, denn darauf haben wir Juden keinen Einfluss. Unsere Aufgabe ist es, in den kleinen Kreisen im Gemeinderathe und im Bezirksrathe uns Geltung zu verschaffen. Hier in diesem Bezirke, wo die Judenschaft weit über die Hälfte der Bevölkerung ausmache und die große Steuerlast trage, hat die Judenschaft das Recht, wenigstens einen Theil der Candidaten selbständig aufznstcllen. Bis jetzt hat in diesem Bezirke ein Comitee die Wahlen gemacht, welches aber nicht der natürliche Ausdruck der Wählerschaft ist. Deshalb har der Ausschuss des Jüdischen Volksvereincs es für seine Pflicht angesehen, selbst einen Candidaten aufzustellcn. Dieser Candioat ist Hermann P l a s ch k e s. (Allgemeiner Beifall.) Hierauf kam ein Socialdemokrat zum Worte, der meinte, dass noch nicht die Zeit sei, eigene Candidaten aufzustellen. Dr. Arn o l d A scher bedauert, dass auch in dieser Frage durch die Socialdemokratie eine Spaltung in die Jndcnschaft hincingebracht werde. Wenn nicht jetzt, wann denn müssen die Juden Stellung nehmen? Dr. Jakob K o h n weist darauf hin, dass nach authentischer Aussage des Führers der Socialdemokratie die socialdemokratischc Partei keine Candidaten aiifstcllcn werde. Es sei daher nur eine böswillige Verdrehung, wenn man die socialdcmokratischen Candidaten gegen den jüdischen mrsspiele. Hierauf gab er in scharfen Zügen ein Bild der Entwicklung der politischen Situation. Wir sind die Generation, die das Seufzen nicht mehr als Selbstverständliches hinnimmt, sondern muthig auf den Kampfplatz tritt. In diesem Kampfgewühle könnten daher Salonfiguren, wie Dr. Vogler e tutti quatiti, sich keine Anerkennung verschaffen, nur robuste, kräftige Naturen, wie unser Hermann Plaschkes, passen jetzt in den Gcmeinderath. Im Namen der Socialdemokratie erklärt Altberger dass die Socialdemokraten für den Candidaten Plaschkes stimmen werden. (Allgemeiner Beifall.) Hierauf beantwortet Hermann Plaschkes die an ihn gestellten Anfragen zu allgemeiner Zufriedenheit. Unter allgemeinen Hochrufen auf unseren Candidaten schloss diese denkwürdige Versammlung. Jud'en, wähletEnrenCandidatenHermann Plaschkes, II., Pillersdorfgrasse 8. W Lhlerversammlrmg. Im „Goldenen Widder" II., Taborstraße 36, findet Samstag, 8 Uhr abends, eine Wähler- Versammlung mit folgender Tagesordnung statt: G e m e i n d er a t h s w ah l. Referenten: Dr. Jacob Koh ir. Carrdidat: Hermann Plaschkes. Die Herren Wähler werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Die Jüdischnationalen außerhalb GefterreichZ. III. I» Russland. Nach einer allerdings nicht ganz genauen Statistik zählt die grsanlmte Erde 11 Millionen Inden. Davon entfallen nicht weniger als 5 Millionen auf das europäische Russland. Diese nackte Ziffer allein verräth die Bedeutung unserer russischen Stammesangehörigen innerhalb des gesammten Organismus des jüdischen Volkes. Aber sie spielen im gewaltigen nordischen Kolosse nicht nur eine quantitative Rolle. Wenn sie auch auf geistigem Gebiete trotz ihrer Regsamkeit und Thätigkeit nicht eine solche spielen wie die Inden in Oesterreich und Deutschland, und ans jeden Fall nicht eine ähnliche Stelle unter den »Jntlleectuellcn" ihres Landes einnehmen, so spielen sie im wirtschaftlichen Leben des russischen Staates kaum eine geringere Rolle als die Juden der westlichen Nachbarreiche. In Russisch-Polen beherrschen sie nicht nur Bank, Börse und Handel, sondern auch einen großen Theil der Industrie. Besonders in der Manufacturbranche sind sie vielfach ausschlaggebend. Auch in Südrussland an der Kiewer Znckerindustrie sind die Juden stark betheiligt. Man sieht daraus, welch bedeutende Rolle im jüdischen Volksleben diese 5 Millionen Menschen spielen. Wie ist ihnen nun zu helfen? Was für indirecte Winke kann hier das Programm der Jüdischen Volkspartei geben? Eine vorbereitende politische Thätigkeit analog der in Rumänien ist hier mit viel größeren Schwierigkeiten verbunden. Ist sie nun ganz aussichtslos? Es erscheint zumindest fraglich. Man braucht kein Anhänger der materialistischen Geschichtsauffassung zu sein, um anzunehmen, dass die wirtschaftlichen und socialen Triebkräfte auch eine innere politische Aenderung berbeiführen könnten. In der That! Wenn es sich Herausstellen wird, dass die wirtschaftliche Zukunft des Reiches sich nur mit einer größeren Herrschaft der Bourgeoisie vertragen könnte, dann wird auch der Absolutismus zu gewiffen constitntü-- nellen Formeln greifet!, und wer weiß, ob nicht einmal eine halbliberale Regierung auch den Juden bürgerliche Rechte wird einräumen müssen, nicht ans Liebe für die Juden, sondern im Interesse der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Außerhalb des Bereiches der Möglichkeit liegt eine solche Entwicklung nicht. Wenn nun die unzähligen Juden, die bisher im Nihilismus, in einem „russisch-politischen" Radikalismus ihre ganze Kraft verpufft haben, wenn nun diese Juden der minder gefahrvollen Aufgabe der nationalen Aufklärung ihres Volkes sich widmen würden, so würde eine eventuelle Aenderung der innerpoliLlsch-russischen Cvnrsts die Massen unserer östlichen Stammesgenossen besser vorbereitet für ein politisches Leben finden. Aber wie dem auch stin mag, es soll zugegeben werden, dass wegen der unendlichen Schwierigkeiten diese vorbereitende, erzieherische politische Thätigkeit einstweilen in den Hilttergrnnd treten müsse. Nicht so verhält es sich aber mit der wirtschaftlichen Gegenwartsarbeit. Es gibt kein Land, wo sie so dringend vonnöthen, wo sie auch verhältnismäßig so leicht möglich ist als in Russland. Schon ans Gründen des Menschenmaterials, Gründe, die sehr schwer in die Wagschale fallen. Das galizische Menschenmaterial amu Beispiel ist ein sehr elendes. Fast eine halbe Million Juden sind in einer so schweren körperlichen Decadenz, dass eS jahrelanger reformatorischer Arbeit wirb bedürfen, um sie als Gesammtheit somatisch und psychisch zu heben. Die Inden Rumäniens sind körperlich besser daran, haben in ihrer Mitte einen tüchtigen Handwerkerstand ausgebildet, der sich sowohl in Westeuropa — sogar in den Luxusindustrien von Paris — als auch in New-Aork bewährt hat. Aber außerhalb des Handwerkerthums fehlt hier jede gesunde wirtschaftliche Basis. Einerseits sind die Nichthandwerker viel zu sehr verwachsen und verquickt im Zwischenhandel, andererseits fehlt selbst den körperlich tüchtigen Elementen bei der mangelhaften Entwicklung der Industrie die Möglichkeit einer intensiven wirtschaftlichen Bethätigung. Anders, ganz anders in Russland. Das Menschenmaterial ist nur in sehr wenigen Gegenden identisch mit dem galizischen, in vielen anderen Landstrichen ungefähr von derselben somatischen Beschaffenheit wie in Rumänien. In manchen Provinzen kann man sogar direct von einer blühenden Gesundheit der russischen Massen sprechen. Das Reich ist gewaltig groß. Im Gegensätze zu Galizien und Rumänien macht sich überall eine wirtschaftliche Expansion fühlbar. Gewaltige Industrien, die zwar momentan darunter leiden, dass sie zu rasch in die Höhe schossen, die aber doch eine große Zukunft besitzen, sind vorhanden. Kurzum, bier ist die Möglichkeit zu einem wirtschaftlichen Zusammenschluss auf der ganzen Linie gegeben. Genossenschaften, Gewerkschaften, Credit-Jnstitute, moderne Ausbildung des Handwerkerthums, viele Bedingungen unseres Programmes sind viel leichter erringbar als selbst in Oesterreich. Hierzu kommt noch ein gewichtiger Umstand. Ein Theil des russischjüdischen Menschenmaterials eignet sich vortrefflich zur landwirtschaftlichen Bethätigung. Nicht in Palästina, sondern in Russland sollte man es zunächst mit Siedlnngsgenossenschaften im großen Stile versuchen. Dieser Punkt unseres Programmekönnte hier, da die Bedingungen viel besser vorhanden sind, viel rascher verwirklicht werden, als so mancher glaubt. Die vollkommene Ausbildung einer Nation kann nicht auf künstlichem Wege herbeigeführt werden. Sie ist ein organischer, natürlicher Process. Das jüdische Volk kann daher, gemäß unserem Programme, nicht durch eine noch so kunstvolle Staatsbildung, selbst wenn sie gelingt, gerettet werden. Eine nationale allmähliche Erziehung des Volkes ist nothwendig; langsame, aber intensive Culturarbeit ist vonnöthen. Auch hierfür eignet sich der russische Boden vielleicht am besten. Nirgends sehnen sich die Massen des jüdischen Volkes so sehr nach der westlichen Cultur und nirgends wird diese so sehr verbunden mit einem Nichtaufgeöenwollen echt jüdischer Gesinnung. Die moderne Pflege jüdischer Sprache und Geschichte, die Gründung von Schulvereinen ans nationaler Basis, alle Bestrebungen auf Cultivierung eines lebendigen JudenthumS gemäß unserem Programme, hier werden sie einen mächtigen Rückhalt in den tiefsten Schichten der Bevölkerung finden. Wie man sieht, kann unser Programm auch gewisse Winke geben für so verschieden geartete Länder, wie für Runiänien, Deutschland und Russland. Wir wollen in einem Schlussartikel in aller Kürze zeigen, dass es auch außerhalb des Gedankenkreises des polirischen Zionismus gewichtige, allgemein jüdische, über die Bestrebungen einzelner Länder hinausgehende Ideen gibt. Kleine Chronik. Irüawd. Vorträge. Sonntag den 9. d. M. Herr Redacteur Adolf Gelber, Thema: „Tausend und eine Nacht", IX. Porzellangaffe 50, „Stroblhof", Zeit: 8^ Uhr abends. — Montag den 10. d. M. Versammlung des »Jüdischen Volksvereines für den XVI. und XVII. Bezirk", Restauration Müller, XVI., Hubergasse 10. — Dienstag den 11. d. M. „Verein jüdischer Studenten", Herr Hof- und Gerichts-Advocat Dr. Karl Lifczis: „ Civilisation und Judenrage." Ort: IX., Seegasse 7. — Mittwoch be.n 12. d. M. Vortrag des Elektro-Jngenieurs Löwenbein: „Wunder d e r Z u k n n f t", mit Demonstrationen, Fesisaal des „Jüdischen Volks Vereines". — Donnerstag den 13. d. M. Gemüthlich er Abend, Wendlingers ^Restaurant, IX., Seegasse 7. „Jüdischer BolLsverein für den VIII. und IX. Bezirk". Herr Hof- und Gerrchts-AdvocatDr. Karl Lifczis hielt am vergangenen Mittwoch im obgenannten Vereine einen Bortrag: „Jüdischer Pit aval." An der Hand einiger brstorischer Prvcesse entrollte er mit meisterhafter Hand ein Bild ans der Leidensgeschichte unseres Volkes, die zugleich eine bl> tige Kritik ist für das Cultnrniveau der arischen Zeitgenossen. Reicher Beifall lohnte dentemperamentvollen Redner. Wiener israelitische Cultusgemeinde. In der ans die öffentliche Sitzang folgenden vertraulichen Sitzung gelangten zunächst Stiftungs-Verleihungen gemäß den Anträgen des Vertreter-Collegiums zur Erledigung. Die Erträgnisse des Dr. Salomon H a y u m G o l d s ch m i d t'schen Legates per 1902 im Betrage von rund 47.000 Kronen werden im Sinne der widmungsmäßigen Anordnung, wonach „die jährlichen Ernkünfte unter vcrscbiedene israelitische Wohlthätigkeits- Jnstitrrte der Stadt Wien, vorzngstveise Lehranstalten" zu theilen sind, einer Reihe besonders förderungswürdigcr jüdi'chkonsessioneller Unterrichts- und Wohlthätigkeits-JnstitutiM.en der hiesigen Cnltnsgemeinde zugewendet. Aus den Stiftnng-.'- z'nsen der Dr. Adolf Sacks'schen Stiftung für Herz- und Aortakranke werden über das von Herrn Docent Dr. G r ü nf c l b namens des Comilös für diese Stiftung und consorm den Beschlüssen des Vertreter-Collegiums erstattete Referat an 7 Competenten ganze Stlflplätze per je 600 Kroncn und

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