Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 10 (7.3.1902)
- Date
- 1902-03-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Jüdisches Volksblatt 7. März 1902 Nr. 10 Wien, Freitag Juoenfreqtlenz «iiflucifcn, wird sofort über die allgemeine Verjnduttg gejammert. Ja, ja! Wir Juden habett es gut!? Wo nur Hinschauen, sind wir. obenauf! Volks- und Mittelschullehrer. sind Juden, nämlich verschwindend wenige. Post-, Telegraphen-, Finanz-, Steuerbehörde sind verjndet! Briefträger natürlich auch! Kurzum, in jedent Amte stützt uralt auf uns. Ja, richtig! Die Polizei hätte ich beinahe vergessen. Da sind wir leider wirklich vertreten. Warum? Weil uralt sich dort unserer gerne bedieitk. Hub dort ist rächt einmal das Taufwasser nöthig, ttm es bis zum Polizeirath zu bringen. Ja, ich bin objectiv genug, zuzugeben, dass es da höhere Bearnte gibt, die die Lieblinge der „Eoncordia" sind und mit ihrer Clique uitd Claque eilte primadomtenhaste Reclante betreiben. Schon lange ist es ein öffentliches Geheimnis, dass die nnlitärärztliche Carriere unserm Stamntesgenossen fast gänzlich versperrt ist, trotzdem es ntassenhaft freie Stellen gibt utld erst neulich eilte größere Anzahl Stipendien ansgeschriebert wurden. Malt täusche sich bei den Ernennungett nicht. Jüdisch kliltgeitdert Familiennamen sind gewöhnlich zwei Vornamen vorgesetzt, der eine, Franz, Anton usw. ist der — Taufname. Wie es mit der richterlichen Laufbahn aussieht, davon tonnen die jungen Rechtspraktikanten ein Liedchen singen. 3hm ist seit einigen Jahrert eine starke Strömung gegen das Lateinstudimn unter dm Juden vernehtnbar. Sie wollen Ingenieure, Elektriker, Techniker, Chemiker werden, lveil ihnen da das Ausland offm steht und sie leichter eine Existenz filiden. Die angebliche Verjttdung ist ein antisemitisches Hirngespinst. Man vergleiche doch die Frequenz an der böhmischen Universität in Prag, dm Universitäten in Krakau, Lemberg, Graz, Innsbruck, die fast judenrein ztt nennen sind, während die Wiener Universität schoit deshalb ein -Zuströmen der oft sehr armett jüdischen Studentm von auswärts aufzuweisen hat, weil dieselben durch mühseligen Privatunterricht ihr Fortkonnnen in Wien viel eher zu finden hoffm. Der „Volksblati"-Statistiker möge doch einmal Umfrage halten über die durchschnittliche Studiendauer, und er wird härm, dass der jüdische Student meistens früher rigorosiert als der arische, weil er nicht so viel Löwenbräu consumiert, weil er von seinem Papa, der nur zu oft ein armer Schlucker ist, keine monatlichen Postanweisungen zu erwarten hat, und sehr oft ältere Geschwister ihn studieren lassen. Zehn jüdische Advocaten haben noch nicht das Einkommen eines christlichen geehrten Herrn College». Die Vertretungen großer Gesellschaften, Klöster, Herrschaften und des Adels/die Verlassenschaftsabhandlungen liegen tit ben Händen christlicher Advocaten. Dem Juden bleiben die „kleinm Sachett" uitd die Bertheidigungm. Das ist auch ein wunder Punkt. Die Mörder überniinntt man, um genannt zu werden, tmd die Cridatare mit „einem Monat strengeit" macht man gegen ein usuelles Fixum; „herartsgerissen" wird selten einer. Die Hälfte der jüdischen Advocaten tväre froh, wenn sie nicht „Studierte" wärm, und diese Ansicht hat sich unter dm Vätem der Heranwachsenden Jugend, Gott sei Dattk, Bahrt gebrochen. Bei der notorischen Verjttdung!? des Großgrundbesitzes ist es selbstverständlich, dass die Hochschule für Bodencultur — judenrein ist. Man nehme' doch die Wählerlisten des ftdeicomntissarischett und Landtafel-Großgrmtdbesitzes zur Hand. Wo sind da die Jttdm? Dm Rothschild reiben sie uns immerfort unter die Nase, diesen tierungen. Mit Letzterem will ich mich hier näher befassm und meinem Erstaunen Ausdruck geben, dass ihn Vuber in seiner herrlichen Rede unerwähnt lassen konnte. Alle Werke des jungen Dichters tragen dm Stempel seiner Abkunft und feiner: Kämpfe. Sie sind von Frageit und Klagen durchzittert, von der Blässe der Reflexion ein wenig angekränkelt und haben graue Kleider an/ wie hagere Juidenmädchen, _ die im Morgengrauen in die schwüle, tödtmde Schwefelzündhölzchmfabrik eines düsteren galizischm Städtchens eilen. Das markanteste, interessanteste, bekannteste Werk Langmamts. Bartel T u r a s e r, ist unstreitig das Jüdischste dieses Dichters. Das Jüdische steckt in der markerschütternd geschilderten Roth des hungernden, arbeitslosen Volkes, in der wühlmdm Zerrissenheit^ in der brütenden Gedankentiefe, in der sinnigen Schwermuth, die seine Schleier über das Ganze mirft im faltenreichen Lebmsernst und in der biblischett Auffassung, der Stellung der sündigen Menschen zum Gott der Rache '- Lcmgmann ist einer von benett, die Adolph Stand in seiner „Jüdischen Moderne" (im „Jüd. Jahrbuch" erschienen) träumt und herbeisehnt: der jüdische Uebermensch, weitn auch einstweilen nur im Keim, verkörpert sich in bent kraftstrotzenden, trotzigen, mährisch ett Juden. „B a rt c I urase r" ist das hohe Lied der Elternliebe und der Gewissensbisse. Und auch dieser Widerspruch allein ist schon jüdisch. Die Noth des Lebens steht vor uns ins graue Tuch gehüllt und lvinkt mts mahnend zu. Das Tuch fällt — wir sehen das nackte, schauererregcnde Elend. „Wir sind arme Leute." Cs gibt aber noch einen leisen Schimmer von Hoffnung. „Vorwärts!" ruft der wackere Doctor. Wann wird diese Noth ein Ende nehmen? Wattn? Siehst Du den Berg in der Ferne? Auf ihn marschieren besser verschiedene Colonnen, als auf deit nahen Baum. Das sagt ein „Alter", und der „Junge" möchte ttur gleich ein Ende machen. Wmt? ... Er weiß ttoch nicht, „dass es nur langsam geht," er ist ja jung. Ein junger Soeialisi ist eben grün und — gut. Wie sind die älterm? Eher schlecht. Die Noth macht sie schlecht. Die Noth macht sie zu Lügnern. Bartel hat es an eigener Haut erfahren und erlittm — zu stark sogar. Die Gewissensbisse sind Millionär, der von seinem Besitze einen mindestens so noblen Gebrauch macht, lvie der.Fürst Schwarzenberg. Die Rothschilds waren für uns keilt Vortheil; gäbe cs aber keine, es tväre trotzdent um kein Haar besser. „Deutsche Frauen und Jungfrauen, hütet Eure Ehre!" So schrieen sie sich heiser. Wir rufen uns zu: „Taschen ztt vor deutschst Gaunern mtd Defraudanten!" Wo war die „deutsche Treue", als es voriges Jahr „draußen" in allen Fugen krachte tmd trotz aller gonvernementaler Pölzung noch immer knistert!? Die Zuchthäuser werden zu klein, denn auf eilten solchenMasseitait-drang von Batmerträgerit deutscher Ehrlichkeit war man nicht vorbereitet. Dresden mtd Leipzig, diese Hochbnrgett des Antisemitismus, marschieren natürlich an: der Spitze nttb wir sehen, dass uns der „deutsche Bruder" auch hieritt weit, weit über ist. Wie ntem es auch macht, ist es nicht recht, iumter werdet Ihr rabulistischc Gründe gegen uns finden, und weil an der Akademie bloß 17 Juden inscribierk sind, lvird hiervon sofort unsere Talentlosigkeit abgeleitet. Geittach, Ihr Herren! Deti bedauernswerte Seribeut des „D. V." hat freilich keine Ahnung von der Stellung des Judettthtuns üt der bildenden Kunst. Ihn zu belehren, wäre Thorheit, aber unseren Glaubensgenossen nmss man Namett nennen, die die ganze gebildete Welt kennt, damit wir mit Stolz daraus Hinweisen können, tvas wir in der kurzen'Spamte Zeit von fünfzig Jahren auch auf diesem, uns früher verschlossen gewesenen Gebiete geleistet haben. Jtt Venedig fand ich in (einem; kleinen Albergo, aus der Riva Sciavone, Sttldieirblätter aus den Sechzigerjahren, von ^— Eduard H a r I> u r gor, dem heute berühmteit Zeichner dev „Fliegenden Blätter". Der früh verstorbene Adant Cohn begegnete tms oft unter bent Pseudonym Conadant als Zeichner pikanter Salonsceneit in den „Fliegenden", ebenso N. (Nathan) Sichel mit stimm weiblichen Studien köpfen. Professor Paul M eye rh et m pst der bekamtie Thiermaler, tmd O p p e n h e i m und L ö w y sind geschätzte Darsteller jüdischen Kleinlebens, Letzteren kennen wir noch besonders aus seinen Bildern: „Kol uidre" und „Jom Kipur bor Metz 1870". M. G o 1t1 i cb , aus Drossbicr, Schüler Makarts, bekannt durch sein Bild: „Uriel Acosta und Judith van der Straaten" raffte der Tod in jungen Jahren dahin, ebenso starb von einem oder zwei Jahvcn in der Blüte seines Schaffens der berühmte Portraitist des Deutschen Kaisers, M a x K o tt e r. Adolf unb Isidor K auf nt a tt it weilen unter uns und nun gar die „Schwergeschütze": Leopold H o r o w i tz, Portraitist unseres erhabenen Monarchen, Ad o l f H i r s che l foRvmprcis mtd goldene Medaille), W e r t h e i m e r in Paris, : E m a n u e l Spitzer: (Die Lehrerin kommt", „Der avisierte Eisenbahnunsall"). A r t h u r Straf fers Gruppe (Paris, goldene Medaille) können wir täglich vor dem Gebäude der „Sezession" bewundern. Löwiith in München wurde netüich zum Professor ernannt; T i n a B l a tt kennen wir als „Praterspecialistin" und wer tutr halbwegs Anspruch auf Bildung »nacht, weiß, wer Professor Lieber m a n n in Berlin und I s r a e l s in Holland ist. Vont Russen S c \v i t n a sahen wir in der letztett „Sezession" eine ganze Collection tmd den ersten Preis siir das Bismarck-Denkmal in Hamburg erhielt —■ Hugo Lederer in Berlitt, aus Z n a i m. Die Wiener Akademie bedeutet in der Kiunstwclt nicht gar ztt viel, da leistet ja Krakau fast mehr unb wer feilten. Weg machen will, muss in München, Paris oder selbst Berlin gcwesett sein, daher kommt es auch, dass die Wiener Akademie weder große arische itoch jüdische Frequenz anfzuweisen hat. Manchen bedeutenden Künstler mag ich übersehen haben, mtd andere, wie ben jetzt öfter genannten Zeichner und Radierer Emil O r l i k, rechne ich ttoch nicht dazu, U>eil mit: dessen jüdische Abstammung ttoch nicht zweifelsohtte ist, ebenso den verstorbenen „I tt validen- Fried! ä tt d er", so benannt, tveil die humorvolle Darstellung des Jtwalidenlebeus seine Spocialität war. Die Kunst, in jeder Form, ist noch das einzige Gebiet, too sich der Jude frei bethätigen darf mtd kamt, ohne nach dem Taufschein gefragt zu werden unb je mehr uns der moderne Staat alle öffentlichen und staatlichen Aemter verschließt — denn die paar Pavadejuden, die es bis zum Landesgerichtsrath gebracht haben, beweisen tticht das Gegmtheil —, desto mehr suchen wir Eingang in K'mtst, Knnstgewerbe mtd die technischen Disciplinen. Es wird wühl auf die Charakterlosigkeit eine Prämie gesetzt, unb es lvird immer schtvächliche Streber geben, die sich über das Taufbecken hinbeugen, um, über die steifen Nackeir triumphiorettd, Carriere zu machen. Vor solchen Renegatett möge uns der Staat schützen. Besser keine Juden anstellen, als „getaufte", demt die sitrd gewöhnlich schlechter als zehn Antisemiten, tveil sie ihren „Wechsel" nach „oben hin" glaubhaft machen ntüssen und uns erst recht drangsalieren. Fast fürchte ich, dass der Kurtstwcise des „D. V.", weil ich ihm in feilten Kenntnissen nachgeholfen und bewiesen habe, dass die Kunst nicht judenrein ist, jetzt schreien wird: Die Kunst ist verjndet. — Die freie Kunst kann und tvird nicht judenrein sein, höchstens die „coimnattdierte". —■ ver Butt aus die wiener Getreidebörse. Ton antisemitischen Radaubrüdern in Stadt und Land ist die vorzüglich organisierte Wiener Getreidebörse seit jeher ein Tont im Art ge gewesen. Die Wiener Getreidebörse ist, man kann dies behaupten, ohne auf Widerspruch zu begegnen, vott Inden gegründet worden und tvird seit ihrem Entstehen in der großen Mehrzahl von Inden geleitet und verwaltet und ztvar in einer über jedemLob stehendenWeise, so dass sie ein. Muster gewesen ist für andere, längere Zeit bestehende Schwesterinstitutionen, sowie auch bei neu ztr errichtenden Fruchtrmd Getreidebörsen als Beispiel gilt. Dass «eine öffentliche, von Juden speeifisch geleitete Jtrstitutton, wie cs die Wiener Getreidebörse ist, die sich allgetttcmeit Beifalles erfreut und der für ihre erfolgreiche Thätigkeit seitens der officiellen Kreise unzweifelhaftes Wohlwollen und Anerkennung zutheil geworden ist, den antisemitischen Parteien im Wege steht, dies dürfte si'tglich nicht befremden. Auf der Wiener Getreidebörse tvird, wie auf allen Schwesterinstitutionen, auch der Tcrntinhandel gepflegt. Es kamt nicht unsere Aufgabe fein, uns über die Nothwendigkeit unb Ersprießlichkeit des Termmhandels in eine Discussion einzulassen, Darüber sind schon Folianten geschrieben worden, und die größten Autoritäten auf volkswirtschaftlichem und handelspolitischem Gebiete haben sich für die Nothwendigkeit des Terminhandels in bejahendem Sinne ausgesprochen. Nun hat allerdings der Termin- und sogenannte Bianeohandel feine: Schattenseiten, und es kommen Austvüchse mtd Ausschreitungen vor, gegen deren „demgemäß" stark, vielleicht zu stark. Aber kattn demt ein Arbeiter nicht ein solch „feittes" Gewissen haben, wie cs Turaser aufweist? „Wir sind ehrliche Leute . . . Man muss als ein Schuft geboren werdett." Das kattn in jedem Staude verkommen. Wie hätte ein anderer an Bartels Stelle in seiner Lage gehandelt? Leicht porherznsehett. Aber tticht jeder ist ein Seelenkümpser. Wie ent moderner K l e i n - M a c b e t h steht vor uns Turaser mit seiner Lady Albin im ersten Acte. Dass sich doch Herr Satan immer wieder in eine Schürze verkriecht, Und dazu sind nvch die Kinderchen tothungrig und krank. Ach, lvie liebt Bartel diese seine Würmchen, die unschuldigen, hilflosen, hungrigen „Eichhömchen". Wenn das nur mal klettern köttnte. Hoch hinauf sollte es gelangen! Aber eittstweilen umsste es essen. Hub das konnte nur er verschaffen. Ein Wort nur, mtd er hat Geld und A-erzte. Im Prveess der Marie gegen Kleppl sollte er „zu Lästert der Zelber Marie aussagen", das wollte Kleppl, Satatt Nr. 2, ein leibhaftiger Herr Satan. Frau Albin leistet ihm Succurs mit all ihrer Zungenfertigkeit und Zärtlichkeit für die — Kinderchen. Die Festung wird genommen lverden. Denn erstens würde Bartel Niemandem schaden und sich helfen. Und bann — ist denn wirklich die Marie eine solche Heilige?. . . „Du kennst die Mädel nicht." Was ist schließlich daran, dass eine Leichtfertige sitzett wird? Sterben wird sie nicht daran. Dafür hätten sie, die Würmchen, tvas izu beißen, und sie, die Eltem, könnten mit Kleppls 300 Gulden sorglos leben. Sorglos? Dos ist es eiten! Das befürchtet Bartel, dass die Sorglosigkeit ausbliebe. Und ttoch mehr fürchtet er einsttveilcn das Gerede der Leute. Ob es wie Wasser abläuft? Wer weiß.. Bartel zittert um sein Gewissen, seinen guten Namen, seine Ruhe. Und er thui das Schlechte doch. Die Versuchung war gar zu rnäch- Ug. Schließlich mochte er sich leicht einreben, wirklich nichts gehört zu haben . . . Kleppl mtd Albin wiederholten es ihm so oft und eindringlich: „Du hast nichts gehört, was Kleppl der Marie gesagt." Kleppl ist ein Schuft. Aber Albine? Oh, die Weiber! Der Anblick des Geldes raubt ihnen den Verstand. Und doch besitzen sie noch so viel davott, um den des Mannes zu bethören. Wie schwach doch der Mann sein katm. Bartel thut in seiner Schwäche den bösen Schritt und verwirkt seine Ruhe. Strafe genug. Dass er noch auf andere Weise und zlmr durch ben Tod der Kinder heimgesucht wird — klingt wie eine Predigt. Der einzig« Punkt, der missfallen hat. Auch wäre manches an ben Monologen Bartels auszufetzen. Sein Gewissen spricht nni flammenden Zungen. Hier ist das Jüdische zu suchett. Nicht jeder arische Durchschnittsarbeiter hat in sich das Zeug, derart zu grübeln und zu philosophieren. Sentenzen, Fragen, Erörterttngett, Selbstvorwürfe, wie sie Turaser vorbringt, sütd speeiell jüdischer Art. „Alles kattn man kaufen. . Gesundheit und Leben. Alles, nur nicht das gute Gewissen . . . Die Leute haben jeden gern, der Geld hat. Aber lvenn einer ein schlechtes Gewissen hat, das wurmt und bohrt ittwendig. Ist es demt um's Essen und Trittkcn allein? Die Reinheit brauchts!" Am Ende steht er vor mts da lvie ein Held, wie K a r l M o o r. Er überliefert sich der Gerechtigkeit, will die Unruhe los lverdett und dann von Anfang ein nettes Leben beginnen. Daritt ähnelt er dem Josele in meiner Novelle ^,Der jüdische Mörder." Er sagt an einer Stelle: „Wir müssen ja alle das Lebett abbüßen." Wenn ein Jude ein Verbrecher ist, so ist er sicher der contpliciertefte und subtilste. So einer ist auch er, der arische Arbeiter Bartel. „Beinah alle Verbrechen schreibett sich von der Noch." Das lehrt uns das lvahre tmd tiefe Drama Langmanns. Mögen die T r ä tt m e r unb Ringenden unter uns aus derartigen Werken schöpfen und lernen, und sie lverden den Weg zur jüdischen Kunst leichter finden. „Bartel Turaser" ist jüdischer als Nord aus farbenreicher, herrlicher „Dr. Kühn" oder das visionäre, wirksame Drama „Moses Blttm" von ^David Malz. Und von den Ringenden und Künstlern hängt es ab,( „ob die jüdische Kunst lvie ein verkanntes und vernachlässigtes Stiefkittd in einer Ecke dahinwelken soll, oder ob die Thore weit anfgentacht werden, dass sie einziohe in ihr eigenes Reich, die junge, holde Königstochter mtd sitze ans ihrem Throne und allen, die ihr Angesicht schauen, Sonne und Segen schenke." (Martin Bubers Worte am 6. Congvess.)