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Jüdisches Volksblatt · 1902-02-28 · 9 (28.2.1902) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
9 (28.2.1902)
Date
1902-02-28
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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/ -Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 28. Februar 1902 Nr. 9 rigftefjcitbe und ökonomisch ans;erst hilfsbedürftige Gruppe dar, deren Lage durch eine rationelle Colonisationswirksamkeit erheblich uiw dauernd verbessert worden köimte. Ferner hat sich in den letzten Jahrzehnten eine spontane und überaus rege Emigration nach dein Orient entwickelt, die mangels einer einheitlichen, planvolleil Leitung dazu geführt hat, dass Hunderte und Äberhunderte von Familien beschäftigungslos und unterhaltslos gelvorden sind. Auch für diese nniss gesorgt werden. Aber der Strom der Emigration ist noch lange nicht versiegt. Trotz der Schwierigkeiten, mit denen sie bei der Ansiedelung zu kämpfen haben, ivandern jahraus jahrein zahlreiche jüdische Familien, von den unhaltbaren Verhältnissen in ihren Geburtsländern gedrängt, nach dem Orient, zumeist ohne irgend welche verbürgte Jnforinationen zu besitzen, Und neben Individuen, neben Familien, sehen wir ohne Unterlass ganze Eoloinsationsgenossenschaften in Palästina Fuß fassen und Colonien auf unsicherer Grundlage ins Leben rufen. Endlich muss erwogen lverden, dass bei der erwähnten Unhaltbarkeit der Verhältnisse, bei der immer unabweislicheren Nothlvendigkeit einer radicalen Lösung der jüdischen Frage, die Eventualität von Massenauswanderungen und einer Ansiedclungsthätigkeit in großen: Stil ins Auge gefasst lverden muss. Für die rationelle und er-folgreiche Leitung aller dieser Eoloinsationsarbeiten erscheint eine möglichst genaue, möglichst zuverlässige, möglichst wissenschaftliche Erforschung Palästinas und der Nachbarländer unerlässlich. Die in Gegenwärtigem vorgeschlagenen Erforschungsarbeiten haben also den Zweck, zunächst für die ersprießliche Fortsetzung der inneren Colonisation (Ansiedelung der im Orient bereits lebenden jüdischen Bevölkerung), ferner für die rationelle Regulierung der weiteren Einzeleinwanderung und der Colonisation in kleinerem Maßstabe, endlich für eine eventuelle, erfolgreiche Anbahnung von Mastenansiedelungen eine zuverlässige Jnforimations-- grundlage zu schaffen. 2. Es soll zugegeben werden, dass manche Fragen der Eolonisationsthätigkeit sich nicht durch eine theoretische Erforschung des Landes, sondern ausschließlich auf dem Wege praktischer Versuche an Ort und Stelle entscheiden lassen. Aber es bleibt andererseits ebenso unanfechtbar, dass viele verhängnisvolle Fehler vermieden worden wären, wenn man der Colonisation wissenschaftliche Erforschungsarbetten in modernem Stil hätte vorangehen lassen. Alles, was bisher von jüdischer Seite und für die Zwecke der jüdischen Colonisation in dieser Hinsicht geleistet-wurde, steht auf der niedrigsten Stufe colonialpolitischer Arbeiten. Es sind subjectiv gefärbte Reiseberichte von Leuten, welche die geschilderten Gegenden und Verhältnisse nur äußerst kurze Zeit beobachtet haben und zumeist keine Fachmänner warm. Wie reichhaltig auch die betreffende Literatur ist, sie bietet doch weder dem Einzel-Emigranten noch den Colonisations- Genossenschaften — von einer Colonisation in großem Stil ganz zu schweigen — einen verwendbaren, praktischen Anhalt. Erwägt man aber die enormen praktischm Vortheile, welche eine umsichtige und präcise Erforschung von Ländern und Verhältnissen — um nur ein Beispiel zu nmnen — den Deutschen in Amerika, Afrika und im Orient gebracht, so erscheint cs dringend nothtvendig, den jüdischen Emigranten auf demselben Wege die Ansiedelung in ihren nmen Heimstätten zu erleichtern, die Möglichkeit, gesicherte Existenzen zu gründen, an die Hand zu geben. 3. Bei der Normierung des Planes der Erforschungsarbeiten muss man sich die gegenwärtige Phase der Colonisationsbewegung und die voraussichtlichen Fortschritte derselben in dm: nächsten Jahren vor Angen halten. Es wäre verfehlt, von einem Extrem ins andere hinüberzuspringen. und heute, wo es noch an einem primitiven Führer für jüdische Emigranten gebricht, an eine Erforschungs-Expedition in größtem Süle zu denken; um die Zeit, wo man sich noch erfolglos bestrebt, einen Shell der Oberfläche des Landes für arme jüdische Ansiedler zu gewinnen, etwa weitgehende geologische Forschungen ins Werk zu setzen, in der Art, wie sie für Kapitalisten- Consortien nöthig sind, welche eine Groß-Jndustrie schaffen und die Schätze des Erdinnern explodieren wollen. Von dem Princip ausgehend, dass die theoretischen Vorbereitungen sich den Praktischen Bedürfnissen anpassen müssm, soll vielmehr zunächst alles das eruiert und in präciser, leicht fasslicher Form zusammengestellt werden, was der Einzetemigrant, sowie kleinere Emigrautentruppeu unbedingt wissen sollten, bevor sie sich nach dem Orient wendm. Also, um nur eiiüge Hauptpunkte zu nennen: Reisekosten und Verkehrsverhältnisse; die wesentlichen Bestimmungen der türkischen Gesetzgebung und die in der Praxis bestehenden Nechtsgebräuche, betreffend die Einwanderung und Ansiedelung; die geographischen, hygienischen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Möglichst genaue Angaben, in welchen Gegenden und unter welchen Bedingringen landwirtschaftliche Ansiedelungen an: vortheilhaftesten zu bewerkstelligen wären, an 'welche Vereine oder Persönlichkei'len man sich hiebei zu wenden hat usw. Es wäre aber darauf Bedacht zu nehmen, den Rahmen der bisherigen Eolonisationsthätigkeit zu erweitern, und zwar nach zwei Richtungen. Die Eolonisation soll nicht nur eine arisschließlich landwirtschaftliche sein, vielmehr soll der Strom der Eurigration auch nach den Städten geleitet lverden. Handwerk und (bewerbe, Handel und Industrie, alle freien Berufe (Technik, Medicin, Rechtskunde, Jorlrnalistik usw.) solleir von den Emigranten als Erwerbsquellen ins Auge gefasst lverden, und die geplärrten Erforschungsarbetten hätten die Angaben hierfür zu liefern, in welcheir Gegenden Berufe dieser Art mit Erfolg ausgeübt lverden können. Es wäre zu untersuchen, ob etwa Arbeitergenossenschaften nach Art der russischen Artjels im Orient Beschäftigung finbeu könnten, welche Ausychten die Industrialisierung der Landwirtschaft böte, ob durch Anlage von klimatischen Frühjahrsmtö Winterstationen der Zuzug von Fremden vernrehrt und hierdurch zahlreiche Existenzen auf sicherer Basis geschaffen lverden körrnten. (Schluss folgt.) Auszeichnung. Die Leipniker israelitische Gemeinde heit unter anderen auch den Direetor der Landes-Oberrealschule in Lcipnit, Herrn Adolf Oborny ßu ihrem Ehrenbürger ernannt. Dies ist Au Beweis, dass es an der hiesigen Mittelschule den jüdischen Schüler» nicht so ergeht, wie tu Wien, Ivo ein Spika wirkt. Lcichenbegüngnis. Am 19. ds. ivurde hier die durch ihren Wohlthätigkeitssinn und ihre strenge Religiosität iu iveiteu Kreisen rühnilichst ebkannte Frau Rosa HUdesheimer, geborene Brodskh, zu Grabe getragen. Im Trauerhause hatte sich .Herr Oüerraübiner Dr. Güdemnnn und ein überaus zahlreiches Publicum cingefunden, das von den ergreifenden, oft von Schluchzen unterbrochenen Abschiedsworten des Herrn Rabbiners Dr. B. Hildesheimer-Berlin, Schwagers der Verblichenen, der namens der Familie sprach, tief erschüttert wurde. Die Leiche ivurde sodann, einem letzten Wunsche der Verstorbenei: entsprechend, nach Prcssburg überführt. Die Hinterbliebenen, die Familie und viele Freunde des Hauses, darunter eine Abordnung der Schiffschule mit Herrn Rabbiner Fürst, der Schönlaternschule mit Herrn Cultusvorsteher Dr. Berger an der Spitze, begaben sich mittelst Sonderzug nach Pressburg, um der Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. Unter anderen waren anwesend die Brüder des Herrn Leo Hildesheimer, Herr Dr. Hirsch Hildesheimer, Eigeuthümer der „Jüdischen Presse", Herr Director Moses Hildesheimer, Herr Aron Hildesheimer, Herr Aron Hirsch Halberstadt, Frau Professor Mautner, Herr Prof. Dr. Barth-Berlin, Dr. Munk-Lemberg, Fmnilie Bondi-Wicn. In Pressburg ivurde der Zug vom Gcsammtborstande der orthodoxen Gemeinde crivartet und eine zahllose Menschenmenge folgte trotz sehr ungünstiger Witterung dem Leichcnzuge. Be re in für jüb. Geschichte und Literatur. Sonntag den 23. Februar hielt Herr find. phil. Max Eisler im Festsaale des „Jüd. Volksbereines" einen Vortrag über das Thema „Zur Entwicklungsgeschichte der ncujüdischen Literatur". Der Redner begann mit einer in klarer und lichtvoller Weise gehaltenen Einführung in die Sphäre der neujüdischcn Literatur und führte ein Product derselben, Börrics Freiherr von Münchhausens „Juda", vor, auS welchem er, nachdem er es eingehend gewürdigt und seine Entstehungsgeschichte besprochen hatte, unter lebhafter Spannung des zahlreichen Auditoriums mehrere Gedichte mit diel Gefühl und tiefem Verständnis reciticrte. Das Jitteresse an seinen: Gegenstände, das er gleich zu Beginn seiner Ausführungen zu erwecken wusste, verstand er bis zum Schlüsse seines mit reichem Beifall aufgenommenen Vortrages wach zu halten. Der nächste Vortrag findet Sonntag, den 2. Marz, dreiviertel 8 Uhr abends statt; Thema: „R. Moses Sofer und seine Zeit." Wocheu-Programm der „Jüdischen Tohirbee-Halle", 20. Bez., Karajangasse 20. Sonntag den 2. März: Adolf Steinschneider: Wien von 00 Jahren. Montag den 3. März: Dr. I. Frieser: Aus dem Gebiete der Naturwissenschaften. Dienstag den 4. i?,: Heinrich Diamant: Die Pshchologw der Bibel. Mittwoch den 0. März: Arthur Schwarz: Jüdische Staatsmänner im Mittelalter. Donnerstag den 6s März: Dr. Paul Otto Gerber: Lebensvorgänge im gesunden und kranken Körper. Freitag de>: 7. März: Dr. Julius Löwenstein: Bibel, Erklärung der Sidra. Samstag den 8. März: Concert: Musik, Gesang. Anmeldungen zu Vorträgen beliebe mau zu richten an Dr. I. Sadger, 0. Bez., Liechtensteinstratze 15. Toynbee-Halle. Dis Concerkabendo der Toynbee-Halle erfreuen sich immer rnetzr reger werdenden Zuspruchs, es ist aber auch wahrlich rein. Wunder, wenn der ziemlich geräumige Saal eine fast beängstigende Fülle anfweist, wie dies am vergangenen Samstag der Fall war; denn Fräulein Mnnja S v e d r o v s k y, selbst eine begabte, feinfühlige Pianistin, bei deren bloßem Erscheinen auf dem Podium schon wahre Beifallsstürme durch den Saal erbrausen, war die Leiterin des am Samstag den 22. Februar in der Toynbee-Halle stattgefnndenen Coneertaüendes. Den Anfang nahm dasselbe mit der von Frl. Svedrovski meisterhaft gespielten Piece „Am Genfer See" von Bendel, und „Elegie" von Ernst, woraus ein Trio von Kudelski, sowie eine „Gondoliere" von Ries, ausgeführt von zwei vorzüglichen Violinisten, sammt Klavierpart des Frl. Svedrovsky zun: Vorträge gelangten. Den Höhepunkt des Abendes bildeten jedoch die von Herrn Dr. Eugen Lainberti dargebrachten glänzenden Gesangsleistungen. Dieser Sänger, mit einem prachtvoll schönen Bariton begabt, trug mit klarem Verständnisse und Präcision die Arie aus der „Zauberflöte" von Mozart „In diesen heil'gen Hallen", ferner „Die beiden Grenadiere" von Schumann, und „Der Doppelgänger" von Schubert vor und entzückte mit jeder Nummer die Zuhörer vollends. Mit einem humoristischen Liede „Das Fräulein vor der Himinelsthür" von Richard G e u 6 c, welches Herr Dr. L n m b c r t i in charakteristischer Art zu Gehör brachte, schloss dieser schöne und genussreiche Atzend, für dessen Arrangement, sowie auch für dessen feinfühliges Aceov.'.pagnemeut Frl. Mauya Svedrovsky der gebärende Dank gezollt werden muss. S. D. Zur goldenen Hochzeit des Erzherzog Rainer. Eine Abordnung des Humanitären Vereines „Marpe Lanefesch", 2. Bez., Glockengasse 4, überreichte Sr. k. n. t. Hoheit Erzherzog Rainer auS Anlass der goldenen Hvchzeitsfeier eine kunstvoll in hebräischer Sprache ausgestattete Adresse. 0 Tnlrnud Thora. Sonntag den 2. März l. I., abends halb 0 Uhr, veranstaltet der Verein ans Anlass seines 26jährigen Bestandes in: Bethause, 2. Bez., Malzgasse 10, eine Tempelfeier, ivobei Ehriv. Rabbiner Krarner die Festrede halte:: lvird. Generalversammlung. An: 8. Februar ivurde in Leipnik die Generalversauunlung des „Vereins zur Bekleidung armer jüd. Schulkinder" (Malbisch-Arnmim) abgehalten, in welcher der Vereinsoblnann, Herr Fabrikant David Spitzer den Rechenschaftsbericht über das abgelanfene VereinSjnhr zur Verlesung brachte. Demselben ist zu entnehmen, dass die Mitgliederzahl ivieder zugenommen hat, dass aber auch die Anforderungen, die an den Verein gestellt ivurden, eine bedeutende Mehrausgabe gegen das Vorjahr veranlasst haben. Es iourden säinintliche armen Schulkinder mit Schuhen und Kleidern betheilt. Die Mittel hiezu ivurden durch regelmäßige Mitgliederbeiträge, durch Tempelspenden und Spende:: auswärtiger Wohlthnter zustande gebracht, wie z. B. von Herrn Dav. Ritter v. Gnttmaim und Geiverbeinspector Knlka usiv., die als Leipniker jährlich den Verein nnterstützen. Zum Schlüsse Ivurde allen Mitgliedern und Spendern der Dank der Versammlung votiert, lvie auch den: rührigen Qb:nam: Herrn Dav. Spitzer, der unermüdlich für den Verein thätig und denselben auf jede mögliche Weise zu sörderi: bemüht ist. « Girre Palästina-Zeitschrift. Angesichts der Bedeutung, lvelche Palästina, unsere alte Heimat, für die Emigration unserer Glaubensgenossen gewannen hat, bedeutete der Mangel einer Zeitschrift, die speciell der Sache der wirtschaftlichen und enkturellen. Ncuerschließung des heiligen Landes ■ durch die Juden gewidmet wäre, eine empfindliche Lücke. Nur hie. nnd da fand man in Organen, lvelche die gesammien Interessen des Jndenthmns vertreten, einen mehr oder minder sachgemäßen Aufsatz über Palästina als Colonisationsgebiet. Um nun die wirtschaftliche Erforschung Palästinas in systematischer Weise zu betreiben und mit den gewonnenen Resultaten die jüdische Gesammtheit bekannt zu machen, hat sich in Berlin ein Comitee gebildet, welchem die Herren Prof. Dr. Leopold Landau, Leo Mozkin, Dr. Alfred Nossig, Prof. Dr. Martin Philippson, Dr. E. Simonson, Davis Trietsch, Prof. Dr. Otto Marburg, ferner Rev.D.Moses Gastor in London, Vernard Lazare in Paris, U. Ginzberg (Achad Ha'am) in Odessa, Dr. S. Kornfeld, Dr. Alexander Mintz, Richard Rappaport, Baurath Wilhelm Stiassny, Leo Weiß in Wien und A. Aarousohn, Do. Sellin, Dr. S. Soskin, Dr. H. Uofe, I. Treidel, A. Meyerowitz in Palästina angehören. Im Aufträge des Comitees zur wirtschaftlichen Erforschung Palästinas und unter der Redaction von Dr. Alfred Nossig erscheint eine Zweimonatsschrift „Palästina", deren, erstes Heft uns eben vorliegt. Diep geschmackvoll ausgestattete Zeitschrift zeichnet sich durch einen streng sachgemäßen, lvissenschaftlichen Ton aus und bringt ausschließlich Beiträge, die auf fachgemäßem Wissen und tiefereni Erfassen der Gegenstände beruhen, ohne hierbei die populäre Darstellung aus dem Auge zu lassen. So werden alle Palästinafreunde mit Nutzen und Interesse den Plan von systematischen Ersorschungsarbeiten in Palästina (Dr. A. Nossig), das Project einer Plantagen-Actien-Gesellschaft (Dr. Soskin), die Arbeiten über die Aufbewahrung van Weintrauben (Prof. Dr. Marburg), über die wirtschaftliche Lage des Bezirkes Gaza, sowie die neuesten Berichte über den äußersten Südwesten Palästinas (D. Trietsch, Rev. Strange nnd A. R. Guest) zur Kenntnis nehmen. In der Zeitschrift „Palästina" ist ein insormierendes, anregendes und unabhängiges Organ populär-wissenschaftlichen Charakters zu begrüßen. Man abonniert die Zeitschrift in der Expedition von „Palästina", Berlin-Halensee, Ringbahn- 'traße 125. (Jährlich 6 Hefte von durchschnittlich 40 Seiten Umfang; Jahresabonnement 3 Mk., im Ausland 3,60 Mk., bei franco- Zustellung. * Von der Wiener Wochenschrift „Die Zeit" (Herausgeber: Prof. Dr. I. Singer, Dr. Max Bnrckhard, Dr. Heinrich .Kann.er; Redation für bildende Kunst: Prof. Dr. Richard Mnther) ist soeben das 380. Heft erschienen. Ans dem Inhalt desselben heben ivrr hervor: Triester Lehren. . Von K. — Die österreichische Anti-Duell- Bcivegnng. Von Aernilian. — Die Reformen in der Türkei. Von A. H a tz d a r M : d h a t. — Unser autonomer Zolltarif. Von Dr. R. H o t o Iv c tz. — Vom Spiel des Llindes. Von Rector Christian U s e r. — Vitor Hugo. Von Camille M a u e l a i r. — Ursprünge des Gcsnndbetens. Von Dr. Siddh Pal. — Wiener Mnsikanfführnngen. Von Richard W a I l a s ctz e k. — Die Woche: Volkswirtschaftliches; Kunst nnd Leben. — Bücher. — Rebue der Reimen. — Phokas. Von Reiny de Gourmont. Abonnements m:f diese Wochenschrift, vierteljährlich 0 Kronen (5 Marks, nehmen die Post, alle Buchhandlungen und die Adininistrnc.'oii, Wien, 0/3, entgegen. Einzelnummern 00 Heller (60Pfg.) —• Probennmmer gratis und franco. Lehrbuch der samaritamschen Sprache und Literatur. Von I. R o s e n b e r g , Professor für moderne und semitische Sprachen. 13 Vogen. Oetav. ltzcbnnden 2 Kr. 20 H. (2 Mark). Eine lcichtfassliche Darstellung der samaritanischen Sprache und Literatur ist ein längst gefühltes Bedürfnis. Das alte nnd neue Testament, dic^ Kirchenvater und der Talmud befassen sich oft nnd eingehend mit den Saniaritanern, den Pentateuch besitzen die Sainaritaner in einer älteren Recension als unser massoretlnscher Kanon, in der samaritanischen Literatur hat sich die hebräische und aramäische Sprache ganz unabhängig und abiveichend vom massorethischen Hebräisch entivickelt, Ursache genug, ::::: die Religionslehrer, Äjeologen nnd Orientalisten für diese mcrkivürdigc Sprache und Literatur zu interessieren. Und dennoch ist die Zahl derer, die sich mit diesen: Literatnrzlveig befassen, verhältnisnmszig gering, ioohl nur deshalb, weil das Material, in seltenen und kostspieligen Werken und Zeitschriften zerstreut, schiver Zugänglich ist. Im vorliegenden Werke ist nun für den Anhänger alles Nöthige übersichtlich nnd leichtfasslich dargestellt, nnd eine ausführliche Bibliographie ivird den Lernenden in den Stand setzen, seine samaritanischen Kenntnisse nach jeder Richtung zu eriveitern nnd zu vertiefen. Der Verleger hat keine Kosten gescheut, nn: das Buch nett nnd gefällig ansznstatten und der am Ende des Buches beigefngte Brief des gegenwärtigen Hohenpriesters der Samnritaner zu. Nablus ivird geivifs auch als eine interessante Beilage seitens des Lernenden freudig begrüßt werden. Die hp.qienische Cultur im 19. Jahrhundert. Von Dr. Alfred Grotjahn. (An: Anfang des Jahrhunderts, 9. Heft.) 1902. Verlag Aufklärung, Berlin W. 35. Preis 30 Pfg. In knapper Form versnchk der Verfasser ein Bild davon zu geben, in ivelch einerseits erfreulicher, andererseiis aber auch beschranlter Weise das neunzehnte Jahrhundert die hhgienische Cultur innerhalb der Völker des europäischen Cnltnrkreises gefördert hak. Die erfolgreichen Käinpfe gegen die fremden Seuchen nnd die einheinnschen Jnfectionskrank- ^eiteu, die AssninernngSarbeiten in den Städten., die Hygiene der Kleidung, Wohining, Nahnmg und Gennssmittel einschliesstictz der alkoholischen Getränke nnd endlich die Leistlingen ans dem Gebiete der Verhütung von Unfällen und Gewerbekrankheiten tverden kurz, aber ohne Auslassung ivesentlichcr Züge geschildert. Den Beschluss macht eine kritische Betrachtung der öffentlichen Gesnndheitspflege, lvie sie :nn die Jahrhnudertivende in den inichtigsten Cnltnrländern gehandhabt wird. Hinsichtlich der zukünftigen Eutioicklnng hygienischer Cultur gibt der Verfasser der Anschauung Raum, dass die Gesundheitspflege in: zlvanzigsten Jahrhundert ».'.ehr als die des neinizehuten in: Zeichen der socialen Hygiene stehen ivird, da allein diese ilnstande ist, die schönen Errnngenschafien der hygienischen Wisfenschnft in die Praxis zu übersetzen nnd der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Dem Büchlein ist die iveitesie Verbreitung zu ivünschei!.

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