Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 9 (28.2.1902)
- Date
- 1902-02-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 28. Februar 1902 Nr. 9 mpclnerein ftaftfanö. Auo Baden!var eine Deputation deftehend aus Herrn Rabbiner Dr. Reich und Vorsteher Dr. Raab erschienen. AIS Ehrengäste fände,r sich ein Herr Dr. Joses Bloch, OrkSschulralb S. Heit, Obercantor Bauer, LandeSgerichtsratb Dr. Fischer, ein Vertreter der Bezirksvorstehung Wieden u. v. A. Präcise halb 0 Uhr erschienen Se. Exeellenz FML. Baron v. Jonak in Vertretung Sr. kais. u. königl. Hoheit des Herrn Erzherzog Rainer und ein ©fcrft des Generalstabes in Vertretung der k. k. Landwehr. Obercantor Herr S. Dünmann brachte iin Vereine mit denn vorzüglich geschulten Chore des Mariahilfer Tempels eine von ihm selbst compoilierte, vom Vereinsschriftführer Franz Frankl verfasste Jubelhymne unter der meisterlösten Orgelbegleitung des Organisten Herrn Prof., Herz zur Aufführung, welche alle Zuhörer mächtig ergriff. Die hierauf vom Vereins-lltabbiner Herrn Dr. Reich gehaltene Festrede zeichnete sich durch jene Klarheit und Gedankentiefe ans, welche unserem Rabbiner als hervorragenden Gelehrteil und Talmudisten eigeil i]t. Das daran schließende Gebet für den Landesvater und das erzherzogliche Jilbelpaar schloss mit der Absingung der Volkshynine. Am Schllisse der allen Theilnehnlenl gewiss^ imvergesS- Uchen Feier beglückwünschte Se. Ercellenz Herr FML. Baron v. Jonak den Obmann des Vereines, Herrn Hoff mann, mit den. Worten: „Ich bin tief ergriffen von dieser schönen, patriotischen Feier, uild ich iverde nicht ermangeln, Ihren kaiserl. und königl. Hoheiten genaueri Bericht zu erstatten." Der Tempel selbst prangte in reichem Festschmucke, welchen der k. k. Hof-Tapezierer Herr,Sigmund Jaray in zuvorkonmrendster Weise kostenlos beistellte; die Decorierung und Anordnung führte Hof-Tapezierer Herr Gustav Banlbergler, unterstützt vorn Vorstandsmitgliede des Vereines, Herrn Adolf Löwy, ebenfalls kostenlos durch. Den reichen Teppichbelag stellte Vorstandsmitglied I. Berger zur Verfügung. Ein Festmahl vereinigte abends den gesannnten Vereinsvorstand und seine Frauen in Diamants Restauration, dem eine Anzahl geladener Festgäste, u. A. Herr Redacteur Dr. Bloch, Rabbiner Dr. Reich aus Baden, beiwohnten. Dem vom Obmanne Herrn Adolf Hofmann ausgebrachten Toaste auf Sc. Majestät und auf das erzherzogliche Jubelpaar folgte eine Reihe therls humorvoller, theils poetischer Toaste von den Herren Rabbiner Dr. Reich aus Baden und Vereinsrabbiner Dr. Reich, Wien, beide Meister der Rede, ferner von Herrn Dr. Josef Bloch, Redacteur Adolf Lichtblau, Präses des Synagogenbau-Vereines Dr. Stransky, Fabrikant Buchlvald u. a. Ein vom Vereins-Schriftführer Franz Frankl verfasstes und vorgetragenes humorvolles Festgedicht, welches in einen Toast auf die Vereinsmitglieder und Festgäste ausklang, fand jubelnde Aufnahme. In später »Nachtstunde endete das schöne Fest, welches demnVereine gewiss zahlreiche neue Mitglieder und Gönner züführen wird. Anlässlich der goldenen Hochzeit Sr. kaiserl. nnd königl. Hoheit des Herrn Erzherzogs Rainer rmd dessen durchlauchtigsten Gemahlin Erzherzogin Marie wurde am Samstag, den 22. d. M. in allen Vethäusern der israelitischen Cultusgemeinde sowohl bei den allgemeinen als auch beim Jugend-Gotesdienste vor offener Bundeslade in das Gebet für den Landesvater der Segen für das hohe Jubelpaar eingeschaltet. Heimatsrecht für Ausländer (Ungarn). Wir bitten alle Ausländer, die das Heimatsrecht zu erwerben beabsichtigen, sich an uns zu wenden, um eine Massenagitation gegen die unrichtige Auslegung des Gesetzes einleiten zu können. H eim a ts rech ts- B u r e a u des Jüdisch enVolksve reines, 2. Bez., Leopoldg. 49. .. Vortrag Baurath Stiassny. Vor einen: dichtgewllten Auditorium hielt Baurath Wilhelm Stiassny am Ichtw Mittwoch einen Vortrag über das „Jüdische Mutsch, - 3m Eingänge schilderte er die Entstehungsgeschichte der „Gesellschaft für Sammlung und Conservierrmg von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" und gedachte der besonderen Verdienste des Architekten Fleischer um das Zustandekommen des Institutes. Hierauf Mb er m großeir Zügen ein Bild von der Reichhattiakeit des Museums, das in Kürze im 1. Bezirke, Kmgerstraße, m neuer ünd vergrößerter Gestalt erstehen Ivird.' Reicher Beifall lohnte den Vortragenden. Mr Achten an alle Gcimnungsgenosfen den Appell, das Museum nach Kräften gu unterstützen. Jüdische Alterthümer. An anderer Stelle gedenken wir eines Bortrages, den ein verdienstvoller Gelehrter über das „Jüdische Museum"^hielt. Das Museum ist eines Ruhm es Halle sowohl für seine Gründer, als mich für die Schaffensfreude und Schaffenskraft unserer Vorfahren; aber leider auch ein Denkmal der Schande für unser entartetes Zeitalter. Denn nicht nur ein Stück, sondern ein sehr großer Theil der Miseunisgegeristäiide verdankt seine Aufstellung nicht der Opferwilligkeit der früheren Beftber, oder der Findigkeit des CuratorinmS. sondern vielmehr dem Umstande, dass das letzte (Ried einer jüdischen Familie, der dem .Glauben seiner Väter treu geblieben war, die Objecte der religiösen Andacht dem Museum überantwortete, da alle seine Nachkommen getauft waren. Oft geschieht es anonym, und der verehrte Präsident der Gesellschaft erzählte, dass fast nach jedem Besuchstage in den Räumen des Museums Gebetbücher von hohem Alter und historischem Werte gefunden werden, die für die jetzigen Inhaber keinen Wert mehr haben. Solche Zustände regen zum Nachdenken an. Vielleicht ist doch nicht alles gesund in der vielgepriesenen Wiener Cultusgemeinde, wenn Fahnenflucht zur Regel wird, wenn die Witwe eines Predigers Mannheimer vom Judenthume abfällt, nnd das Ehrengeschenk der Wiener Cnltus gemeinde zuin Trödler wundert und nur durch Zufall durch eine Ehrenmann gerettet wird! Ja, es ist vieles faul in dieser Gemeinde nnd das kann nicht durch Museen gebessert werden, so verdienstvoll dieses Wirken auch ist; nein, lebendig muss das heutige Juden tlnun werden, dann werden wir eitt Rtnseum haben, das nicht unsere Schande verkündet, sondern das in leuchtenden Lettern und gleitendem Marmor das Schaffen der jungen Generation um schließt, für die das Jndenthnm nicht eine pietätvolle Erinnerung und eine Ablagerungsstätte ritueller Gegenstände ist, sondern ein Heister, lebensvoller Odem, das ihr ganzes Sein dnrchdringt. Israelitische Cultusgemeinde Wien. Sonn tag den 2. März 1902, vormittags 10 Uhr, findet im Sitzungssaale der israelitischen Cultusgemeinde (1., Seiten stettengasse 4, II. Stock) eine öffentliche Plenar s i tz u n g des CultnsvorstandeS statt. Borträge. Montag den 3. März: Versammlung des „Jüdischen Volksvereines für den XVI. und XVII. Bezirk" — Mittwoch den 6. März: Bor den Wahlen (Referent Hof- und Gerichts-Advocat Dr. Jacob Kohn) Ort: F e st s a a l des „Jüdischen Volksvereines", H., Leopolds gasse 49. — Donnerstag den 6. März: Conferenz über Arthur Schnitzler, mit Recitationen. Vortragender Herr Hernfeld im „Jüdischen Bolksverein für den VIII. IX. und XVlll. Bezirk". Ort: Restaurant Wendlinger, IX., Seegasse 7. „Verein jüdischer Studenten." Am 25. d. M. wurde die Eröffnungsfeier des „Vereines jüdischer Studenten" in würdiger Weise abgehalten. Der Vicepräsident Herr Max Diamant begrüßte die Erschienenen, unter anderen die Vorstandsmitglieder der „Jüdischen Volksvereine", die Herren Hof- und Gerichts-Advocaten Dr. Jacob Kohn, Dr. Paul Weisen grün. Hof- und Gerichts-Advocaten Dr. Wilhelm Klein, M. P l a s ch k e s, Jacob Kraus und I. Hernfeld, den Director des Creditinstitutes für jüdische Gewerbe treibende und Beamte Herrn Max Pappen heim, den Obmann des „Jüdischen Schulvereines für den IX. Bezirk" Herrn Primarius Dr. S. Kornfeld, das Präsidium der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler, die Schriftsteller Adolph Donath und Bernhard Tag. Chefredacteur Munk, die Herren Dr. Sofe r, Dr. Kadi sch, Dr. Kn echt und die anwesenden Damen, .jur. Arthur Gerber sprach hierauf in fesselnder Weise von den Aufgaben des jungen Vereines, dessen Arbeitsprogramm .jur. Max Diamant in kernigen, stürmisch acclamierten Worten darlegte, med. Sigm. D. Schnirer dankte denjenigen, welche im „Vereine jüdischer Studenten" vorgetragen hatten, und gelobte namens seiner Commilitonen, den Zielen, die sich der Verein gesteckt hatte, treu nnd beharrlich zuzustreben. Dr. Weis engrün und Dr. K a d i s ch sprachen namens der Apostrophierten. Im inofficiellen Theile des Abends brillierte die Schauspielerin Fräulein Groß Hand durch -den ausgezeichneten Vortrag heiterer Gedichte, Herr Neumann entzückte durch den Wohllaut seiner Stimme, Herr Faust trug, von seiner Frau begleitet, mit schönem Erfolge einige Lieder vor, Herr Jacob Krauß weckte durch sein »Ueberblättl" nicht endenwollende Heiterkeit. Herr Nagel stock belustigte durch seine ,Geographie-Stunde". Die Anwesenden blieben in der animiertesten Stimmung bis in die frühen Morgenstunden zusammen. /Verein jüdischer Studenten", vivat, crescat, floreat! Rumänische Fußgeher in Krakau. Zu Beginn hieses Monats erschien in Krakau der bekannte Bukarester Student Wassili Geor gescu, der, wie bekannt, infolge einer Wette sich unterzogen hat, in zwei Jahren acht Monaten ohne jedwede Barmittel ganz Europa zu durchwandern und ohne sich der beiden von ihm beherrschten Spra chen, rumänisch nnd französisch, zu bedienen. Georgescu, der sich bereits seit 10 Monaten auf seiner Fustreise befindet, hatte in zivischen ganz Rumänien und Galizien durchwandert und verblieb in Krakau acht Tage, tvo er fast jeden Tag der Gast der Juden war. Er wurde reichlich mir Geld beschenkt und fand kaum die Zeit, um alle Einladungen, die er erhielt, anzunehmen. Ein Jude bezahlte für ihn die Kosten des Hotels, von anderen erhielt er Geschenke in Geld und Wertsachen, und hunderte von Juden begleiteten ihn bei seiner Abreise bis außerhalb der Stadt und alles drängte sich an ihn heran, um ihm zum Gelingen seines Vorhabens Glück zu wünschen. * Vier Tage nachher kamen nach Krakau s e ch s r u m ä n i s ch e Juden, die gleichfalls zu Fuß von Rumänien eine Fußtour unternahmen, aber nicht zu Sportzweckcn oder um eine eingegangeue Wette zu gewinnen, sondern ans purer Noth. Diese Juden wurden von keinem eingeladen, niemand beschenkte sie rmd mit schwerer Mühe gelang es, mit Hilfe eines Cvinitees, sie nach London zu schaffen, tvo sie, da,sie Handwerker sind, ihr Brot zu finden hofften Ihre Frauen und Kinder ließen sie in Rumänien zurück, in der Hoffnung, sie gleichfalls bald nach England bringen zu können. Ihre Hoffnungen haben sich jedoch leider nicht erfüllt und die rumänischen Juden sahen sich bald genöthigt, das Londoner Comitee zu ersuchen, ihnen die Mittel für die Rückreise zu gewähren. Und wieder mussten sie nun von Comitee zu Comitee wandern. Von London gieng es nach Rotterdam, von da nach Köln und weiter nach Frankfurt, Regensbnrg. Wien und Krakau. In Krakau bestand aber kein Comitee «nb niemand wollte sich der Heimatlosen annehmen. Es war am letzten Freitag. Die sechs rumänischen Juden fanden nirgends eine offene Thür, keine Hand, die ihnen eine Unterstützung bot. keine Stätte, um auszuruhen und kein Stückchen Brot, um ihren Hunger zu stillen. Nach unsäglichen Kümmernissen gelang es ihnen, Krakau zu verlassen, niemand begleitete sie, niemand bot ihnen ein warmes Wort auf den Weg, einen Gruß. Merkwürdige Philosophie des GeschickesI In einer Woche zwei rumämfdje Fußgeher, bei dem einen Sport, bei dem anderen bittere Noth! Der erste ein Fremdling, der andere ein Bruder! Bedarf es noch irgend eines Commentars? s Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler. Samstag den 22. Februar 1902 fand die fünfte ordentliche Plenarversammlung der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wendlingers Restaurant statt. Es waren beinahe alle Mitglieder des Vereines anwesend. Nachdem der Präses des Vereines med. Ignaz Zollschan die Versammlung und die erschienenen Gäste, insbesondere den ehemaligen Präses des Vereines Herrn Dr. A. Bader und Herrn Redacteur Munk begrüßt hatte, wies er ans die Schwierigkeiten hin, in welchen sich der Verein am Beginne des neuen Semesters befand. Durch eisernen Fleiß und umsichtige Thätigkeit habe es der scheidende Ausschuss dahin gebracht, dass der Verein derzeit über ein bedeutendes Stammcapital verfüge und so in der Lage sei, nicht bloß, wie dies im abgelanfenen Semester in so hervorragendem Maße geschah, für die geistige Ausbildung seiner Mitglieder zu sorgen, sondern auch ihren materiellen Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Ein übersichtliches Bild der eminenten Leistung des scheidenden Ausschusses entrollte sich vor den Zuhörern, als der I. Schriftführer des Vereines zur. A. T e r k e l den Jahresbericht verlas. Was den Jahresbericht selbst betrifft, so hatte er diesmal nicht bloß einen internen geschäftlichen, sondern auch einen öffentlichliterarischen Wert, indem im literarischen Theile desselben unveröffentlichte Original-Beiträge von Mathias A ch e r, Julius Bauer, Martin Bub er, Adolph Donath, Berthold Feiwel, Otto Glogau, Ignaz Kohn, Anselm Lutwak, Ernst Müller, Morris Rosenfeld, Dr. Paul Wertheimer, Ysaye und Stefan Zweig enthalten sind. Wie alljährlich, wurden auch im abgelanfenen Vereinsjahre sowohl an der Universität, als auch im Vereine selbst Vorträge wissenschaftlichen und schönwissenschaftlichen Charakters abgehalten. Für die Vorträge in der Universität stellten sich in freundlichster Weise zur Verfügung die Herren: Dr. Bernhard Münz, Heinrich Jork-Steiner, Richard Nappaport, C. K a r l w ei s, Dr. Marco B r o c i n er, Dr. I. I. D avid, Prof. Dr. Leon Kellner und Mathias Ach er. In den Räumen der Halle hielten Vorträge die Herren Dr. Jacob Kohn, med. Ignaz Zollschein, Adolf Gelber, Dr. Arthur Bader, zur. Carl Schächter und med. Otto Glogau. Zur Ausbildung der Mitglieder bestand eine große Anzahl von Sectionen, die im hervorragenden Maße zur inneren Stärkung des Vereines beitrugen. Hervorzuheben ist die mevicinische Section (Dr. Arthur Bader), rechtswissenschaftliche Section (zur. Schapira und Schmid), Schach-Section (zur. Rosenzweig), Fecht-Section (med. Isaak Mattfuß), Gesang-Section (Karl Grenzer) und literarische Section (med. Glogau). Besondere Aufmerksamkeit wurde im abgelaufenen Jahre der Ausgestaltung des Bibliotheks- und Zeitungswesens zugewendet, außerdem entfaltete das neugegründete Vergnügungs-Comite in der Veranstaltung interner und externer Geselligkeits-Abende eine rührige Thätigkeit^ KM Hauptereignis bildete das zum erstenmale abgehalten^ Ugüsest, welches neben dem hohen gesellschaftlichen Erfolge dem Vereine auch einen bedeutenden materiellen Reinertrag brachte, welcher theilweise dem dadurch aus 4189 Kronen vermehrten Stgqzmcapital des BedeineS zugewenbet, größtentheils aber Meinem Fonds umgestaltet wurde, dessen Zinsen nach entsprechender Vergrößerung zur Unterstützung mittelloser jüdischer Hochschüler dienen sollen. Für ihre Verdienste um den Verein waren im Berichtsjahre Herr Baurath S t i a ß n y und Herr Richard R appapnrt zu Ehrenmitgliedern ernannt worden. Besonders ist dex Verein Herrn Kr, Hamann Fiala zu Dank verpflichtet. her den boü chm für jüdisch-studentische Zwecke aufgebrachten Sammelfonds im Betrage vom 4000 Kronen als eine definitiv für den Verein bestimmte Widmung in die Verwaltung der Wiener israelitischen Cultusgemeinde übertrug, mit der Bestimmung, dass die Interessen per 168 Kronen halbjährlich zur Verfügung des Vereines stehen sollen. Nach einer anregenden Debatte über einige Statuten-Aenderungen, sowie über Reformvorschläge für den Verein wurde dem scheidenden Ausschüsse das Absolutorium per acclationem erthöilt. Das Resultat der Neuwahl ist folgendes: Präses med. Otto Glogau, I. Vice-Präses zur. Josef Marco, II. Vice-Präses plril. Adolf I a m p o l l e r. Die übrigen Ausschuss-Mitglieder sind: med. A nr b o s, techn. Goldberg, jur. K a tz, jur. Pordes, jur, Schmid, jur. Schwarz und phii. Weiß. In seiner Antrittsrede betonte med. Glogau, dass er sein Hauptaugenmerk der Pflege jüdischer Kunst und Wiffenschaft zuwenden werde, dabei aber in hohem Maße für das Vertiefen in moderne Kunst und Literatur seine Kräfte einsetzen werde. Vor allem aber müsse der Verein auch fernerhin streng neutral bleiben, um die gesammte jüdische Studentenschaft, ohne Rtck- 'icht ans ihr politisches Glaubensbekenntnis, auf seinem Boden vereinen zu können. Gesellschaft für Sammlung und Couservieruug von Knust- und historischen Denkmälern des Judenthums. Am 19. Februar fand im Festsaale des niederösterreichischen Gewerbe-Vereines folgender Vortrag statt: Eine Reise durch Aegypten in Skioptikon-Bildern. Vorführung und Erläuterung eigener Aufnahmen von Josef Beck.— Vom Februar 1902 angefangen befindet sich ein Theil der Sammlungen der Gesellschaft bereits in den neuen MuseumS- Localitäten I., Krugerstraße 6, Mezzanin. Statistik der jüdischen Bevölkerung. Der „Czas" veröffentlicht nach einer jüdischen Quelle die neuesten statistischen Daten über die Anzahl der Juden in den verschiedenen Städten. Hiernach gibt es in London 96.000, Paris 89.000, Berlin 110.000, Wien 153.450, Petersburg 85.400, Moskau 10.400, Cvnstantinopel 57.000, Hamburg 27.760, Budapest 149.600, Warschau 104.700, Brüssel 2600, Amsterdam 66.300, Lyon 4600, Marseille 9000, München 950, Kopenhagen 4300, Leipzig 5100, Odessa 143.400, Breslau 24.600, Dresden 98.700, Prag 8000, Köln 8400, Lodz 6560, Rotterdam 12.000, Antwerpen 1450,