Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 8 (21.2.1902)
- Date
- 1902-02-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4 Wien, Freitag udisches Volksblatt 21. Februar 11)02 Nr. 8 gehört. Von allen Sorgen befreit, tonnen sie da den Abend ihres Lebens genießen. Mögen die. Stürme draußen toben in: M'ampjc und im Gewüble des Gebens, hier ist eine Oase der Ruhe und des Friedens, hier leben sie in brüderlicher Enuracht und Harmonie, hier haben sie ein Heim gefunden. Erzherzog Rainer. Wieder ist Jubel eingezogen in bas Hans Habsburg! Erz!) erzog Rainer und Gemahlin begehen das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Mit Aufrichtiger Freude nehmen die Völker der Monarchie T.heil an diesem Freudenfeste des Herrscherhauses, mit einer Freude, die nicht nur von hergebrachter Loyalität dictiert wird, sondern einer Achtung und Verehrung entspricht, die denn erzherzoglichen Paare and) dann gesichert wären, wenn sie nicht die Fürstenkrone schmücken würde. Wir Juden haben in mancher Bedrängnis nach einein beruhigendem, erlösenden Worte aus dem Munde dieses geliebten Fürstm gehorcht, der die lapidaren Worte gesprochen: „Ich bin viel zu fromm, um. elerieal zu sein 1" Allerdings sind es lücht diese Fürstenworie, die in den Spelunken der Christlich-Soeialen kolportiert Iverden, aber sie thnn Wohl und bringen Linderung denen, die ihrer bedürfen. Die huldvollen Erwiderungen, die der jubilierende Erzherzog Den jüdischen Gratulanten zutheil werden lieh, haben bewiesen, dass ein durch wahre Wissenschaft gezeitigter Humanismus sich auch iit der durch verschiedene Einflüsse be engten Hosluft erhalten kann, Nx'nn er in einer edlen Seele Wurzel gefasst hat. Der „Bluthund" an der Wiener Arbeit. Gemeinderath Schwer, rühmlichst durch seine Polnacr Heldenthcuen bekannt, zu denen es gehörte, dass er einen Knaben berauschte und dann ihn zu unwahren Angaben verführen wollte, will nicht ans semen Polnaer Lorbeern ruhen. Muthig schreitet er auf seiner Lügnerlausbahn fort. So machte letzten Sonntag durch alle antisemitischen Blätter eine Notiz die Runde, nach der Schwer in einer christlich-socialen Wühlerversammlung angeblich wörtlich das „Jüdische Volksblatt" citiert habe. Wir erklären nun dieses angebliche Eitat vom Ansange bis Ende für erstunken und erlogen,' unsere Stellung zu der Socialdemokratie ist männiglich bekannt, wir fassen sie nicht mit Glacehandschuhen an wie die Liberalen; aber eine solche cynische Sprache haben wir n i e geführt. Wir erklären daher den Gemeinderath S ch io e r, insofern er nicht diese Nachrichten in den antisemitischen Blättern berichtigt, öffentlich für einen Lügner und Verleumder. Wir wollen nun zu einer anderen lieblichen Gestalt übergehen, den Prinzen A l o i s L i e ch t e n st e i n. Wir müssen gestehen, dass wir ihn seit jener gelehrten und wissenschaftlichen Rede im Musikvereinssaale, m der er den geheimen Plan einer „israelitischen Schilderhebung" in Europa entdeckte, etwas vernachlässigt haben. Aber wir wollen unser Unrecht gutmachen und uns mit seiner letzten Leistung beschäftigen. Er sprach über den' Strike in Triest. Er erzählte dem „dummen Kerl von Wien" dem natürlich die Haare zu Berge standen, dass in T r i est die! Anarchisten das Heft in den Händen haben. Woher weiß denn Loisl diesen interessanten Umstand? Aber er weiß noch mehr „Triest ist von Anarchisten voll, und die ganze Propaganda der That wurde von den Anarchisten in Aegypten inseeniert." Ja, Loisl, woher kommen Dir diese Kenlnisse? Stehst Du uoch immer mit Deinem alten Freunde P e u k e r t in Korrespondenz?! Loisl erzählt weiter: In dem Augenblicke, in welchem die Forderungen der Heizer befriedigt wurden, beginnt der eigentliche Krawall, der eigentliche Aufruhr nimmt seinen Anfang. Tausende und tausende von Menschen, von fragwürdigen Gesellen geleitet, durchstuten die Stadt, bedrängen das Militär, verwüsten und plündern, werfen die Gaskandelaber um und zünden das Gas an, um auf diese Art die Stadt in Flammen zu setzen, schießen auf die Polizei, welche doch nur ihre Pflicht thul, werfen andere Polizeimänner ins Meer imö so weiter. Wie können sich aber solche ganz unerwartete Dinge ereignet haben? Wir wollen ihm die Erklärung geben, wieso sich solche unerivartete Dinge ereignen können; einfach, weil man in Oesterreich dem A n a r ch ism u s in der Form des A n t i s e m i t i m u S freien Laus lässt, j a s o g a r st a a t l i ch f ö r d e r t u n d u u t e rst ü tz t. Siehe den alten Anarchisten Schn e i d e r, der öffentlich zu Raub und Mord aufforvert, siehe die Excesse in Prag und Holleschau. Und so lange man nur oie 'Anarchisten der schwarzen Eouleur verfolgt, die der weißen aber hegt und pflegt, wird der Anarchismus in Oesterreich bestehen. Wie rührend nehmen sich gegenüber der Erinnerung an die Heldenthalen des antisemitischen süßen Pöbels in Prag, Holleschau und Schodnica die Worte des Cooperators S ch a u e r h o f e r in seinem Vortrage „Moralische Streifzüge auf politischem Gebiete" in einer christlich-socialen Wähleroersammlung aus. Er sagt: Wolf hat es gewagt, als Bertheidiger der deutschen Frauenehre gegenüber den geilen Pfaffen, wie er sich ausdrückte, auszutreteu. Ja, er wagte, hinzutreteu und zu verlangen, dass man ihn wiederwähle als Vertreter des deutschen Edelvolkes. Die Schamlosigkeit und Frivolität der alldeutschen Ansichten hat diese Belastungsprobe ausgehalten Das kann nur geschehen, wenn iticm das Ehristenthum, die rvahre Moral, verlassen hat. Es gilt nicht mehr, was sittlich ist, sondern >vas modern ist. Was heute noch grab und gemein ist, das ist morgen modern, und der Betreffende wird als moderner Held gepriesen. In unserem Parlamente ist leider an die Stelle der ernsten, mit Ge i st und Schärfe geführten Rede die rohe Beschimpfung, an die Stelle der Argumente das ill i e d e r sch r e i e n und das Anträgen oder Verabreichen von Ohrfeigen getreten. Der liebenswürdige Pater vergaß aber hinzuznsetzen, dass dieser rohe Toa durch seine Gesinnungsgenossen in das öffentliche Leben hineingetragen wurde, unö dass der Eier ns au den antisemitischen Ercessen einen sehr unrühmlichen Antheil hat. Wunder der Neuzeit. Gestern hielt Hosrath I. Ln reis im Fe ft faule des Indischen Volks Vereines, den Etektre-Jngenienr I. Löwenbein in eine Maschinenhalle umgewandelt hatte, einen atiSgezeichneleit Vortrag über „Wunder der Neuzeit". An der Hand von Beispielen, die er ebenso von der Straße, als vorn Herde der Hansfran holte, zeigte er, wie Darnpf unb Elektricttät in unser Leben eingegrissen haben. Tie technischen Apparate, welche Herr Lolvenbein beigestellt hatte, illustrierten seine Worte in wirksamer Weise. TaS Atiditoritini, welches den Saal unD Die anstehenden Räumlichkeiten bis auf das lebte Plätzchen füllte, dankte dem Gelehrten durch stürmische!! Beifall. Vor dein Vortrage erstattete Hofnird Geriehtsadvocat Dr. Jacob Hohn einen Bericht über die Thätigkeii der Organisation in der letzten Woche. Ans der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cirltn: gemcindo Wien um 16. Februar ltSt-2, unter denr Vorsitze deck ersten Vire-Prüsidentca Dr. Alfred Stern. Ans denr Einlaufe wurde zur Kenntnis gebracht an Spenden: Von Herrn Philipp Thorsch, auS Anlass der Verinählung seines Neffen Dr. Alphons Thorsch, für den Israel. Fraucnwohlthätigkeitsverein, l., Seitenstettengasse.K 2f>0O.— für den Verein zur Unterstützung und Versorgung hilfsbeüürftiger Waisen der israel. Eultusgemeinde „ 50ü.— für den Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten.„ 1000.— für den Theresien-Kren-er-Verein.„ 1000.- fnr die (5he>vra-Kadischa.„ 1OOO.— für den Verein zlw Erhaltung von Volksküchen nach israelitischem Ritus.„ 500.— für den MädchenunterstützungSverein, ll.. Kaiser Josesstraße 02.. 500.— für den Verein „Ferienheim".„ 500.— für die israel. .Kinderbewahr-?lustalt.„ 500.— für die Arinenanstalt der israel. Eultusgemeinde . „ 1000.- - für daS Armenamt der israel. Eultusgemeinde . . „ 500.— für das Siechenhaus.'.. 1000.— für arme Bräute.„ 100.— Zusammen ll 10.100. - Von Frau Anna Thorsch, anlässlich der Vermählung ihres Sohnes Dr. Alphons Thorsch mit Frl. Marie Spitzer für den israelitischen Frauenwohltyätigkeitsverein. im I. Bezirke. 1O00.— für den Verein zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israel. Eultusgemeinde „ 1000. - für den Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Jsraeliterü. . . ’. . . . „ :’»0U.— J für den Theresien-Kreuzer-Verein.„ 500.— für ben Verein zur Erhaltung vor: Volksküchen nach israel. Ritus. 500.— für den Mädchen-Unterstützungsverein, II., Kaiser Josefstraße 02. 500.— für den Verein „Ferienheim".„ 500.— für die israel. 5kinderbewahranstalt.„ 500.— für das Armenamt der israel. Eultusgemeinde . . ,, 500.— Zusammen ll 5000.-- Von Herrn Dr. Alfred Stern, zur Ergänzung des zur Errichtung der „Julius und Dr. Alfred Stern'schon Jahrzeit- und Wohlthütigkeitsstifrung'' bereits gewidmeten Betrages von ll 2400.—, noch weitere . in 4percentiger österr. .Kronenrente (Zinsen vom 1 März 1001 ab) als Gründnugsbeitrag für die israel. Allianz. für den „Allgemeinen österreichisch-israelitischen Bund" .. 0000.- 2000.— 2000.- Zusanrinen (in Kronenrente) llTüMIoO^ Bon Herrn Leopold Sachs, zum Andenken an seine seligen Eltern Jacob und Anna Sachs für das Siechenhaus.„ 2000.— Von Herrn Julius Hellinann, zur Bertheiluug an versckziedene Wohlthäligkeitsanstalten.„ 500. — Von Herrn Alois Hofmann, zur Verlheilnng au zivei WohlthätigkeitSanstalteu.„ 100.— Bon Herrn 'Dr. Moriz Adolf, für das israelitische Sprtal.„ 50.— Von v. M., für die israelitische Versorgungsaustalt . „ 50.— Bon Herrn Dr. Sigmund Ehrlich, für das israelitische Spital. „ 20.— zur Verköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau.„ 20.— Von Herrn Dr. Albert Rabl, für die israelitische Arm'enanstnlt.„ 20.— Von Herrn Otto Weiß, für wohlrhütige Zwecke . . „ 10.— Den Spenderu wird der Dank votiert. Im Prüsidialberichte bringt der Vorsitzende zur Kenntj nis, das Vertreter-Collegium habe aus Anlass der goldenen Hochzeit Sr. kaiserl. und ksmigl. Hoheit des Herrn Erzherzogs Rainer beschlossen, dem erzherzoglichen Paare die Hnldigung des Cnltnsvorstaudes durch eine künstlerisch ansgeführte Adresse darzubringen, deren Ueberreichimg in einer Audienz depntativ durch das Präsidium und den Herrn Oberrabbiner in den nächsten Tagen, erfolgen werde. (Wird mit lebhaftem Beifalle zur Kenntnis genommen.) Bor Urbergaug zur Tagesordnung bemerkt der Vorsitzende, ein Vorkommnis, welches in den letzten Tagen die öffentliche Aufmerksainkeit ans sich gelenkt habe, veranlasse ihn, Folgendes zu erklären: Es sei selbstverständlich nicht Aufgabe der Cultusgemeiude, sich nt politische Angelegenheiten zu mengen und dasjenige in Erörterung zu ziehen, was andere öffentliche Körperschaften beschäftige. Eine Ausnahme würde nur in jeneu Fällen gemacht, wo wir selbst die Angegriffenen waren und die Pflicht es gebot, im Interesse der Glaubeusgcriossenschcfft vorzugehen. Es seien aber in den letzten Tagen hochverehrte Mitglieder unseres Collegiums in ihrer persönlichen Ehre in einer ganz nnqualificierbaren Weise angegriffen worden. Die vollste Satisfactivn ist ihnen in jener Körperschaft zntheil geworden, in welcher der Angriff erfolgte, sowie auch in anderen Körperschasren, denen sie angehören. Wir als Cnltnsvorstcher erklären, dass wir selbstverständlich diese Herren in ihrer persönlichen Ehre auch nicht im allergeringsten beeinträchtigt sehen, dass im Gegenthe'le zu de» weiten Kreisen der Oesfentlichkeit, in welchen sich dieselben der größten Hochachtung er freuen, auch unser Collegium gehört, dass wir es uns zur hohen Ehre anrechnen, diese Herren zu unseren Collegen zu zählen. (Allftitige Zustimmung.) lieber eine Zuschrift der „Chewra-Kadischa", in welcher der Ablauf der Mandatsdauer der Vorsteher Moriz E i ß l e r und k. k. Baurctth Will). Stiaßny bekanntgegeben wird, werden diese Herren in ihren Functionen für die statutengemäße Dauer von drei Jahren neuerlich bestätigt. Vicepräsident Dr. Gustav Ko hu referiert namens des Vertreter-Collegiums über ein neues Normale für den Bethansvorstand der Gemeindehäuser Stadt und Leopoldstadt. Die Vorlage bezwecke eine Pracisiernng, Erweiterung und Ans- Iestaltiliig des Wirkungskreises des Bethaus-Borstandes und die Feststellung der Competenz desselben sowohl gegenüber den Bethans-Fnnctivnärcn als auch gegenüber dem Cultusvorstandc selbst. Nach eingehender Debalte, au welcher sich die Herren H o f s m a n ii, Dr. B e rge r, E l t b o g e n, k. k. Baurath v. Goldschmidt, Gew it sch, Doctor Steiner und Salo Cohn betheiligteu, wird die Vorlage über Antrag des Herrn Rudolf A u s p i tz cm bloc angenommen. Hierzu bemerkt der Vorsitzende, dass das Normale für die Bethausvorstände in Fnnshans, Ottakring und Währing demnächst in Berathung gezogen werden ivird. Gemäß den Anträgen des Vertreter-Collegiums wird die U'brrnahnie nachfolgender neuer Widmungen in die Verwaliung der Cultusgemeiude beschlossen: Die Siegmund Nitter'sche Seclengebet-Widmung mit dem Capitale von Nvm. Kr. 800; die Moriz Blan'sche Seelengebet-Widmung mit dem Capitale von Kr. 1200; btc Theodor Winternitz'sche Beden* gedächnis- und Wohlthätigkeits-Widmung mit dem Capitale von Kr. J102; die Antonie Leditzch'sche Graberhaltuugs- Widm'.uig mit denr Capitale von 5kr. 1069; die Franziska und Therese Bcrger'scheu Widmungen für die israelitische Versorgungs-Anstalt mit dem Capitale von Kr. 1000, beziehungsweise Kr. 2000; die Maximilian Jellinek'sche Widmung für israelitische Wohlthätigkeits-Jnftitute mit dem Capitale von Sh'. 1200; die Fanny Schick'sche Grabansschmücknngs- und Kadischgebet-Widmung mit dem Capitale von Kr. 300; die Barbara Chajes'sche Jahrzeit-Widmnng mit dem Capitale von Kr. 1800. Aus der Abel Rappaport'schen Studenten-Stiftung wird ein Stiftplatz per Kr. 1000 an einen Studierenden der Medicin ans die Dauer der gesetzlichen Studienzeit verliehen. Die erfolgte Vetheilnng an 10 Petenten zu je 50 Kronen aus der Antonie von Boschan'scheü Armenstiftung wird zur Kemitnis geiiommen. Weiters werden über Antrag des Vertreter-Collegiums an drei hmnanitäre Institute Subventionen bewilligt. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um halb 1 Uhr mittags geschlossen. Bortrag Baurath Stiassny. Ani Mittwoch deu 29. d. M. hält Baurath Stiassny im Festsaale des Jüdischen VolkSveveines, 2., Leopoldsgasse 49, einen Bortrag. Thema tvird später bekannt gegeben. Verein jüdischer Studenten in Wien. Der „Verein jüdischer Studenten" ist nunmehr von den Behörden bestätigt. Dem Ausschüsse gehören, die Herren stud. techn. Felix Angelo Polkak als Präsident, sind. jur. Max Diamant als Viee-Präsident, sind. med. Siegmund D. Schmver als Schriftfiihrer und stud. med.?lrthur Gerber als Cassier an. Der Verein veranstaltet am Dienstag ben 26. d. M. bei Khuuer, 1., Adlergasse, seinen Gröffnnngsabend, zu welchem speeielle Einladungen ergehen. Jüdischer Bolksvcrci» für den 9. Bezirk. Im Jüdischen BolkSvereine für den 9. Bezirk hielt in der letzten Woche Dr. Hermann Kadi sch einen äußerst wirkungsvollen Vortrag über „Jnng-Jnda und Jung-Oesterreich", dessen Wiedergabe in nuferem Blatte tvir uns Vorbehalten. Hier sei nur coustatiert, dass Herr Dr. La di sch lebhaften Beifall fand. DiScussion. Der „Indische Bolksverein" (Centrale) veranstaltet am Sonntag den 23. d. M. .6 Uhr nackstn. im Festsaale eine seinen Aiitgliedern zugängliche Discussion über die Ereignisse der letzten Woche. Im Anschlüsse daran findet eine gemütliche Znsainnwnknnft in Guth's Nestanrant statt. Um zahlreiches Erscheinen Ivird gebeten. Steiuer, der Zimmermaler. Steiner hat sich in kurzer Zeit von einem gelernten Zimmermaler zu einem ungelernten Radaumacher aufgeschwnngen. Seine rasche Earridre hat er nur dem Umstande zu verdanken, dass er getreulich nachahmt, wie sein Herr und Gebieter Lueger sich räuspert und spuckt. Wir gönnen ihm seine Earrillre vom Herzen, denn Leute wie G r e g o r i g, V i e l o h l a >o e k und S t r o b a ch überragt er geistig um ein Bedeutendes, wenn er nur seine Hände, die seinerzeit so viel Ersprießliches zur Verschönerung von Wänden und Plafonds beitrugen, von der Verivaltnng der niederösterreichisch'-.n Landes-5krankenanstalten ließe. Seine neueste Heldenthat ist die Ausschreibung von fünf Assistenzarztesstellen im Status der Landes- Jrrenanstalten, verlangt wird deutsche Nationalität und Beibringung des Tau f- und H e i m a t s ch e i n e s. Das ist eine doppelte Verletzung der Staatsgrundgesetze, Herr Steiner! Wenn Sie schon keine Ahnung von Staatsgrundgesetzen haben, s» haben Sie doch eine Ahnung von der Heiligkeit des Eides, den sie beim Amtsantritte schwuren und den sie breche n, wenn Sie jemanden wegen seines llteligionsbekenntnisses von der Erlangung eines Amtes ausschließen. Merken Sie sich das!