Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 8 (21.2.1902)
- Date
- 1902-02-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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N:Y. 8 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. Seite 3 21. Februar 1902 pkomatischcr, als es sich da um emcit Gesellschaftskreis — den der Advocaten und Richter — handelt, der sich hauptsächlich aus der intelligenten Mittelclasse der magyarischen Bevölkerung recrntiert und eine Bernfsclasse betrifft, der die Juden nächst dem Kanfmannsberufe an: häufigsten Zuströmen. Es kann daher nicht befremden, dass in gewissen Kreisen auf eine Wiederkehr Wekerles ins politische Leben gehofft wird und dass diese Kreise diesmal nicht zu dm Judenfreunden gehören. Koloman b. Szell musste währeud des kurzen Bestandes des gegenwärtigen durch ihn geschaffenen Parlamentes schon wiederholt die bittere Erfahrung machen, dass er seine gradezu gewaltsam zusannncngefügte Majorität nichts beherrsche und dass er den heraufbeschworenen reactionären Geist nicht mehr zu bannen vermag. Das hat der jüngste Fall des Abgeordneten Alexander Nagy wieder bewiesen. Dieses Mitglied der Regierungspartei scheint die Phrase Szells, dass in seinem Lager jedermann Platz habe, nicht in besonders hohem Maße zu würdigen, und hat von seinem agrarischem Standpunkte das in Berathung stehende Budget einer geradezu schonungslosen Kritik unterzogen; es klang geradezu ironisch, als der junge Parlamentarier, nachdem er für seine Argumentationen den wohlverdienten Beifall sämmtlicher oppositionellm Parteien eingeheiinst hatte, seine Rede mit einem Vertrauensvotum für die Negierung schloss. Noch am selben Abende gab's gegen den ungeschickter: „Liberalen" ein Consilium abeundi im liberalen Club. Es wird in jüngster Zeit wieder in Ungarn viel gegen die Ueberschlvemmung des ungarischen Marktes mit österreichischen Producten gesprochen; es sind dies alte Klagen. Aber merkwürdig! Bei allem angestammten Hasse der Magyaren gegen alles, was österreichisch ist, sehen sie es gerne, dass das schädlichste urösterreichische Product, der Nassenantisemitisums, nach Ungarn importiert wird. Gegen die Verschleppung dieser socialen Epidemie gibt es an der ungarischen Grenze keine Sperre, die Einschmuggelung dieser Contrebande findet keine ideelle oder moralische Schranke. Und wird erst diese Krankheit drüben wirklich epidemisch auftveten, wird sie sich der Massen, die gerade in Ungarn gegen sie nicht immun sind, bemächtigen, so wird die Verheerung und die Verwüstung eine viel furchtbarere, eine geradezu alles zerstörende Wirkung ausüben, als es bei dem viel ruhigeren Temperament der österreichischen Bevölkerung möglich ist. Der Selbsterhaltungstrieb der Juden in Ungarn müsste diese daher zur Vorsorge mahnen. Sie sehen nun, dass sie ganz sich selbst überlassen, den großen Kampf auch ganz allein werden auskämpfen müssen, und in einem solchen Kampfe ums Leben, kann man sich nur mit gestähltem Selbstbewusstsein, mit einer tief wurzelnden Achtung vor sich selbst und hauptsächlich mit den: unerschütterlichen Festhalten an seinen nationalen Rechten behaupten. selben; trotzdem ist eine gewisse und Mar weitgehende und Zunehmende Aehnlichkeit der Benrtheilrmg jener Handlungen innerhalb aller Voller, die ans einer höheren Entwicklungsstufe stehen, vorhanden und lässt sich nicht erfahrungsmäßig aus der wirtschaftlichen Entwicklung erklären. „Daraus müssen!vir schließen: Eine gleichartige Geivissensanlage ist allen Menschen gemein; daS Gewissen beruht auf e i r, c r u r s p r ü n g l i ch e u Aula g e i m M e n s ch e n; der Mensch ist von vornherein so veranlagt, dass er Gutes als gut und Schlechtes als schlecht empfinden kann." (Carring. Das Gewissen nsiv. Seite 73.) Es hieße der Wahrheit unzugänglich sein, wollten wir dieser Erklärung nicht beipflichien und diesen Standpunkt nicht auch zu dem unseren machen. Im dritteil Capitel komint Herr Dr. Carring auch ans Philo gn sprechen und ^streift gelegentlich das gesannnte alte jüdische Schriftthuin mit einigen dürftigen .geilen, indem er daselbst fast nichts über da§ Geivissen vörgefnnden zu haben vorgibt. „Wir haben bisher," schreibt der Verfasser, „in unserer llntersuchnng das jüdische Geistesleben mit Recht unbeachtet gelassen. Im „Alten Testamente" wird des Gelvissens nicht Erloähnnng oethan, man hatte in Alt-Israel den Begriff Geivissen nicht. Die eigenthüinliche Stellung, die iin jüdischen Volksleben und int Geistesleben des einzelnen Israeliten „das Gesetz" entnahm, verhinderte es, dass der Israelit von sich ans zn dem Beivnsstsein eines Sondergeivissens kam." Es iväre daher eine dankensiverte Aufgabe für jene Männer, deren Beruf es von ihiten fordert tmd deren Zeit cs ihnen erlaubt, sich eingehend ntil dem jüdischen Schriftthmn zu befassen, „das Geivissen int Lichte des jüdischen Schriftthums" zur Genüge zu beleuchten, tind Mar von der Bibel angefangen, wo das Geivissen blvß in ilinschriebener Form erlvähnt ivird, bis z»m Alsthikh (?) kp'C'A r-A. der bereits unverhohlen von den „inneren Richtern im Menschen" spricht. Meines Erachtens ist bis mm ein literarischer Versuch in dieser Nichtung von den jüdischen Gelehrten nicht gentacht lvorden, selbst der große Meister Prof. M. L a z a r n s thnt im erste» Bande seiner „Ethik" des Geivissens, dieses eigentlichen Untergrundes aller Eihik, keine Erivähnung. Der Begriff des Geivissens int gewöhnlichen Sinne dieses Wortes findet sich im alten jüdischeit Schriftthtim nicht; der Hebräer besitzt auch keineit separateti Ausdruck für diesen Begriff. Selbst in mnschriebeitcr Form ist int jüdischen Schriftthuin mir vom g e p k a g t e n (st e iv i s s e tt die Rede. Kain drückt die GewisseitSpkage. viel ivahrer und natürlicher aus als das vekamtte Shakespeare'sche Geivissensdrama „Macbeth", und in der Erzählung »ott Titus' Fliege liegt eine viel schönere Anffassnng des Begriffes G e iv i s s e n S b i s s e, als in de:t Erhnien der griechischett Mythologie. Sulrarester Srief. -ledig gebliebene verarmte alte Frauensperson. Es ist wohl cin- - leuchtend, dass d e lctztangefübrten drei Kategorien die hcklagensl ivertesten sittd n>>o dos Mitgefühl aller Menschenfreunde erwecken (Orig.-Bericht.) f müssen. J„n tt weikthätige Hilfe zu gcwähie», ihnen Obdach frei Nortaen ^reilaa nerscliied krior der weit über die l von Nahrungssorgen, zu. verschaffen, das ist der erhabene Zweck gongen Fieuag verscyteo *) ei per treu uuer ote. ber @reifen4fl)(e wie solche bei allen Eullttrvölkern gegründet Grenzen Rumäniens hmcius bekannte jüdische Geschlchtswurden. forscher Jakob P sanier im 82. Lebensjahre. Der Ver-i In Wien bestand in früheren Deeennien kein jüdisches storbene halte eine merkwürdige Vergangenheit, und auch? Versorgungshaus. Vor dem Jahre 1848 war Wien noch ein kleines die Stätte an der er seine Seele ansbauckte das Asnl : Indisches Gemeindew'sen. Es gab damals nur etne beschrankte o:e «laue, an o^r er ferne «eeie ausgaucyle, oas j Anzahl sogenannter Tolerierter und der von ihnen abhängigen für arme Greise, erweckt manche interessante Errnnerung.! wenigen Familien, und erst seit jenem Befreiungsjahre, wo alle P s a N t e r wurde in Botuschani als der Sohn! Schranken fielen, welche das Wohnen von Juden verboten hatten, einer Familie geboren, die seit undenkbaren Zeiten in der! zogen sie in immer größeren Massen herein, und die Anzahl wuchs Moldau sesshaft war Als acbtiäbrioer Knabe wurde er ’•üon Jahr zu Jahr. Dass bei der früher so geringen Anzahl an Motoau sesshaft war. /us achtjähriger srnaoe wuroe e.^ j ctn wie ein Versorgungshaus, nrcht gedacht werden verwaist, und ferne unbemittelte Mutter ubersredelte m:t > konnte, ist wohl natürlich. dem Kleinen nach Jassy. Mit dem 13. Lebensjahre! Im Jahre 1841 haben Siegmund und Nanette Edle von widmete er sich der Musik, sein Instrument war di^ W e r t h e i m st e i n aus Anlass ihrer silbernen Hochzeit 7(>oo fl. Cnmbel daber sein Rame V sanier" was im ftebräigespendet zum Zwecke einer Altersversorgung..Mn dieser Spende lLymvel, oaner fern cktame ,,Flanter , was rm peora:- ^nnte wohl das angesirebte Ziel nicht erreicht werden, aber sie ichen Cymböl bedeutet, und er brachte es auf diesem Jmiyak) ben Impuls und die Anspornung zur allmählichen weitere» strumente bis zum Virtuosen. Später stand er an der! Realisierung. Spitze einer Zigeunerkapelle mit der er ganz Rumänien und einen Theil der Türkei bereiste. Während der ersten Judenverfolgungen fasste er den Gedanken, Material zur Im lX. Bezirke in der Seegasse, wo sich jetzt der Monumentalbau erhebt, war ein kleines Häuschen. Hier hatte im Jahre 1698 Herr Samuel Oppenheim ein Spital für Israeliten gestiftet. Als mm durch den Freiherrn von Rothschild das am Geschichte der Juden zu sammeln, um uachzuweisen, dass z Währinger Gürtel gelegene sogenannte Rothschild-Spital gegründet die Juden seit Jahrhunderten in diesem Lande sesshaft j wurde, da wurdet, dte Kranken dorthin^transportiert und das OfY snninwlüc. itnh niündlickw Na- Häuschen wurde als Asyl für arme alte Juden adaptiert, und es waren. Gr „sammelte Erzählungen und mundllche Be-, ^nben- 7 Greise darin ihre Unterkunft. Im Jahre 1888, aus Anlass richte von alteren Leuten, verschiedene Dokumente und! 40jährigen Jubiläums der Regierung des Kaisers, beschloss Schriftstücke in jüdischer und amtliche Acten in rumänidie Cuüusgemeinde nach den Intentionen des Monarchen zur scher Sprache. Besondere Verdienste aber erwarb er sich! Feier nur wohlthätige Anstalten zu gründen, an derselben Stelle durch die Aufnahme alter Grabinschriften verschiedener .großartig «»gelegtes «°r,°igungsh°us -r-.chl-n^u lasstn. Friedhöfe. Er begab sich selbst in alle jene Orte, in denen sich alte jüdische Friedhöfe befinden, grub aus der Erde die ättesten Grabsteine und enträtbselte Namen und Datum auf denselben. Im Jahre 1871 erschien sein erster; Werk: „Zur Geschichte Rumäniens", 1873 das zweite: „Geschichte der Juden in Rumänien", (beide hebräisch). Diese Werke wurden von Dr. M. Lazarus, Berlin, Dr. M. K ay s e r l i n g, Budapest, und M. Altar::, Rom, benützt und sehr geschätzt. Drei Jahre später, 1877, gab er ein Buch in deutscher Sprache mit dem hebräischen Tllel heraus: „Maskereth Zion", im Jahre 1886 ein Werk in rumänischer Sprache und im Jahre 1890 seine Memoiren im Jargon. Eine größere Arbeit „Religiöse Toleranz in Rumänien" befindet sich noch im Manujcript im Besitze von Dr. Ga st er, Rabbiner in London. Außer seiner literarischen Thätigkeit war er auch in socialer Beziehung sehr zum Woble der Armen zu schassen bereit, und trotzdem er selbst arm war und kümmerlich gelebt hat, besaß er stets Herz und Sinn für seine leidenden im Nach den Plänen des Oberbaurathes Herrn W. S l i a ß n y wurde der Bau begonnen und im Jahre 1890 vollendet. Das Gebäude hat ein Parterre und 3 Stockwerke. Die Zimmer sind entweder einfensterig mit 2 Betten oder zweifensterig mit 3—4 Betten. Die Zimmer mit 2 Belten sind für Ehepaare, die mit mehreren Betten für Einzelpersonen. Im ganzen sind 60 Zimmer mit 173 Betten vorhanden. In jedem Stockwerke ist eine Badeabthcilnng mit je 3 Wannen und je 2 rein gehaltene Elosets. Eine Dampfmaschine im Souterrain leitet die Luftheizung in alle Räume, sowohl in die Corridore als auch in die Säle und Zimmer. Diese Eorridore in allen Stockwerken sind geräumig, luftig und licht. Es stehen in denselben Fauleucks und Divans, in welchen die Insassen zu jeder Zeit behaglich ruhen können. Die Einrichtung der Zimmer ist eine bürgerlich conifortable, Commodekästen, Waschgeschirr,! Lehnsessel und 2 Stühle. Die peinlicvfts Sauberkeit sowohl der Zimmer als auch der Belt- und Leibwäsche herrscht überall. Ein Aufzug dient zum Hinaufbringen der Speisen aus der Souterrainküche, sowie zum Hinaufgelangen für schwächere Personen. Aus dem Parterre gelangt man in einen schönen, sorgsam gepflegten Garten, wohin die Kranken und Schwächlinge mit Rollwagen befördert werden, wo Ruhebänke und ein Lusthaus sich befinden. Das zweite Stockwerk enthält einen im maurischen Stilgeschmackvoll decorierten Betsaal, in welchem die mit besonderem »den Brüder, daher, di. Thais-ch-, dass er selbst, WL Asyl für Arme gestorbt'N ist, mit nuuuug- Maariv crbgehalten und an Sabbath und Festtagen ein feierlicher fachen Gefühlen ausgenommen werden wird. Denn im Jahre 1874, als P sanier in Bukarest die Armut der Juden Rumäniens kennen lernte, kam ihm die rufen. Er st zehn Männern sich von denen Spitze zwar kein emzrger z: den Reichen gehörte, die aber mit allem Eifer für die Sache zu schaffen begännen. Fast mit eigenen Händen trugen sie die Sieine zu dem Bau zusarnmen, sammelten von allen Seiten, bis das Asyl fertig gestellt war. Wie gewöhnlich, erschienen dann die reichen Juden und stellten sich an die Spitze, indem sie die Ehrenstellen, für sich in Anspruch nahnten. Pi unter verlor bald das Augenlicht, und außerstande, sich zu ernähren, suchte er selbst Zustucht in: Asyl. Aber die Verwaltung des Asyls, die mehr als einmal feine rückhaltlose Kritik zu süulen bekam, rächte sich ' „ , den Aufenthalt, bis endlich Dr. Beck, der Nabdiner, ver ln die Verwaltung des Asyls berufen wurde, sich des verdienten Menscher: annahm und ihm daselbst eine Zufluchtsstätte gewährte, wo er feine letzten Jahre in Ruhe verbringen konnte. Das . alles ist so traurig, aber buchstäblich wahr. Jetzt erlässt Dr. B e ti' einen Aufruf, um für den Begründer der Geschichte der Juden in Rumänien die Mitte! zur Schaffung eines würdigen Grabmals zu sammeln. ti. Gottesdienst. Aus diesem Tracte befindet sich auch ein Lesezcmmer, worin sich eine kleine Bcbliothek, enthaltend 375 Bände und neun der besten Wiener Tagesblütter zur Verfügung stehen. Dieses Lesezimmer wird von dein intelligenten Theile der Pfleglinge fleißig .. .. "^rs aus dem Ktm chenu (Verwirf mich nicht zur Zeit des Alters. Wen» meine Kraft schwindet, verlass mich nicht) an einer Wand im Vestibül angebracht. In der Anstalt befinden sich jetzt 170 Pfleglinge männlichen und weiblichen Geschlechtes. Zur Aufnahme in die Versorgung ist Bedingung ein Minimalalter von 60 Jahren, doch in besorweren Ausnahmsfällen . cwr 1 c. o, l. . _ o - «eiesimmer TOiTü oon oem iiueujueiueu Aijeue uv», i Idee, ein Asyl für arme Juden ins Leven zu; f^quentiert. Als Wahlspruch der Anstalt ist der Vers Er stellte sich an die Spitze eines Comstes von Psalm 71 : A] taschlichenu le ess Siknu. Kichlaus K al taaswenu schoüencs Vorleben. Die Speisen werden den Pfleglingen in ihre Zimmer gebracht, nur die Seder-Abende werden gemeinschastlich begangen. ,al seine rucrgamose Stunt zu tu tuen verarn, raaue Die Verköstigung ist mit Rücksicht aus das Alter und die indivian dem hilflos«::, erblindeten Greise und versagte :hm!duellen Verhältnisse der Personen eine gesunde und nahrhafte schkWchlfthktskMWsrßesWW (Örig.-Bericht des „Jüd. Volksblatt".) I. mrv unter Eontrole der Hausärzte, und besteht aus Frühstück, Vormittagsspeise, Mittagmahl, Jause und Nachtmahl, an Sabath und Fefttageii Mehlspeise rrnd Braten. An Feiertagen und auch zu Kiddusch und Havdlaa wird Wein verabreicht. Die Hausordnung ist derart, dass sie eine geordnete geregelte Lebensweise der Pfleglinge bedingt. Von diesen Vorichriften uiögen nur einige, die besonders bezeichrrend sind, hier angeführt werden. Die Pfleglinge sollen sich als Mitglieder^ einer Familie s betrachten, Freud und Leid miteinander kheilen. Sie uiüssen jeden i Streit und Zank, welche bei manchen alten griesgrämigen Lellte» so häufig Vorkommen, vermeiden. Sie sind verhalten, dw rituellen ::ud religiösen Gebräuche zu beobachten und weder im Hause | noch außerhalb etwas zu thun, wodurch sie Anlass zu einem j Aergcruisse in dieser Beziehung geben könnten. Der Ausgang ist j gestattet von '/J> llhr früh bis '/ch Uhr abends. Besuche von Verwandten oder Bekannten können sie empfangen von l Uhr l bis 5 Uhr nachmittags. Wer zur Speisestande nicht da lst, ver- : Um das für ton bestimmte Essen, har außerdem sein -Ausbleiben Einen Urlaub bis zu 3 Tagen kan» , ........ : beim Verwalter zu melden. ■ per Vernvalter bewilligen, einen längeren bis zu 8 Tagen der Wenn das Aller an den Minlschen herantritt, dann ist der! Eultusvorftand. Wird seine Abwesenheit, die längcr als 8 Tage Rausch der Jugend vorbei, erlahmt die Thalkraft des Mannes,! dauert, nicht durch Gründe belegt gerechtfertigt, so wird der Pflegling ‘ ' ' ' ' . ' ' ' " ' - Spiele sind nur bau« ' Geld mge t iu höriger, und wie unglücklich siitd diejenigen, denen diese fehlt, j keiner Weise die ölachtruhe der Zimmergenossen oder der Nachbarn Doch sehe verschieden sind die Schicksale und die Lebenslagen! stören. Klaget; oder Beschwerden könnet: beim Verwalter, iu der Greise tmd Greisinnen. * wichtigen. Füllen beim Cultusvorstande vorgebracht werden. Das In dem einett Falle ist es eilt altes Ehepaar, mit Glücks-l sind die Hauptnormen, twch andere Verhaltungsmaßregeln sind gütern begabt, welchem eine Schar von Kittdern rtnd Enkeln - anbesohlet!, die tvir übergehen können. durch Liebe unb Zärtlichkeit den Lebensabend versüßt. Jtt einem! Die Gesauttut-Ausgabeit im vergangenen Jahre ^botiesen anderen Falle ist auch ein int Wohlstände lebendes Greisen paar,! sich aus 20.132 fl. Dazu wurden verwendet die Zinsen des vom aber einsam und verlassen leben sie, denn ihnen ist der skinderi EultnsVorstände zu diesem Zwecke angelegten Cap'.tals, danrt die ft gen versagt. Jan dritten Falle ist e§ ein gratngebeugtes Ehepaar, \ Zinsen von allen seither gemachten «spendest und Legalet» und denen der einzige Sohn, die Stütze ihres Alters, vom Tode s von den Jahresbeiträgen. Die gesammten Spenden mtb Legate grattsain eittrissett tvnrde, und in tzloth uttd Elend sind sie geratheu,! int Saufe der 11 Jahre betrugen 280.924 fl., die Jahresbetträtze und müssen leben vom Almosen mildthät'ger Mettscheit. Im vierten! in allem Jahren zusammen 19.180 fl. nnd die Bcthausspenden :« Falle ist es ein Witwer, dem seine Gattin in altert Tagen ge-j den verschiedenen Wiener Tempeln zusammen st. 21068. storben, arm und kinderlos muss auch er von milden Gaben! Man ersieht aus diesen, aus eigener Anschauung geschöpften leben. Endlich ntt fünften Falle ist es ein steinalter Mann, der! Schilderutigett, mit welch gründlicher Sorgfalt diese alten Leute Hagestolz geblieben, der nie daS Glück und die Freude des' gehegt werden, wie für ihre körperliche tutb geistige Wohlfahrt Fainilienlebens kennen gelernt. Vergrämt sitzt er, auf fremde Hilfe! alles Nöthige aufgeboteu wird. Alan siitdel hier alle Stufen und angewiesen, als Bettmieter auf seiner ärmlichen Lagerstätte, ein j Kategorien der Gesellschaft, gewesene Kaufleute, Fabrrkauten, abgestorbener morscher Stantm, aus welchem nie Ztveige utrd! Gelehrte, Gemeindcbedienstete, Eantoren, Hausierer >tnd Taglöhrter. Blätter sprossten. Den vierten und fünften Fall stelle man sich Diese alle, dre im Leben Schiffbruch gelitten, verkehren hier mit auch beim weiblichen Geschlechts vor, als verlassene Witwe oder > dem Gefühle der Gleichheit, da hat jeder Standesunterschied auf