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Jüdisches Volksblatt · 1902-02-14 · 7 (14.2.1902) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
7 (14.2.1902)
Date
1902-02-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Wien, Freitag 14. Februar;902 Mr. 7 Jüdisches Volksblatt letzteren brachte der Oberbonze der Fremden-Hctze, Mr. Evans' Gordon, nichts weiter als die bekannten, zahllose Male widerlegten Gemeinplätze und erlogenen Vehauptungen vor. Dabei bethenerte er, bei Leibe lein Antisemit zn sein, und warnte die Inden vor jedem Abwehr-Versuch, „da es gefährlich sei, sich dem heranziehenden Gewitter entgegenstellen zu wollen." Im gleichen Sinne wie Gordon sprach sein Gesinnungsgenosse Mr. Forde Ridley, welcher einrnnmte, dass die Versammlung in Peoples Palace eine rein antisenütischc war. In seiner Erlvidcrung betonte der Unterstaatssecrctär Mr. Gerald Balfonr, dass die Negierung die durch die Fremdcn-Einwanderiing entstandenen Schwierigkeiten niemals verkannt habe, auch im Nothfalle keinestvegs davor Zurückschrecken wurde, dieselbe zu verbieten und die bereits Eingewandertcn ans dem Lande zu jagen, l ll) Allein einstweilen liege dazu nicht die geringste Veranlassung vor. Der Nothstand beschränkte sich vorläufig nur auf London und da nur auf den einzelnen Stadtbezirk Stepney. Der Minister bestritt die von Gordon und Consorten ausgestellte Behauptung, dass die Fremden die Armut tu London gesteigert und die Lebenshaltung des englischen Arbeiters herabgedrückt hätten. Nur die Wohnungen seien in einem bestimmten Londoner Bezirk theurer und die englischen Arbeiter dieses Bezirkes durch die Fremden verdrängt worden. Zur Zeit cknnc er kein Heilmittel gegen dieses locale Uebel. Das Beispiel Amerikas, wohin trotz aller Gesetze gegen die Fremden in den letzten drei Jahren 200 000 fremde Juden eingewandert sind, sei für gesetzliche Maßnahmen wenig ermuthigend. Bei dieser Gelegeicheit erwähnte Mr. Balfour auch das Vorgehen der vereinigten jüdischen Wohlthätigkeits-Vcreine Neivyorks, welche der europäischen Judenheit gedroht hatten, die Negierung der Vereinigten Staaten zum Erlasse eines stricten Einioanderungsverbotes zu veranlassen, Ivenu fortgesetzt immer neue Emigranten nach Amerika hinübergeschickt werden sollten. Das Vorgehen dieser Juden, fügte Mr. Balfonr hinzu, macht die ganze Frage auch für England zu einer überaus ernsten. Bei der Gesinnung des Präsidenten Roosevelt dürfte cs den amerikanischen Juden nicht schiver fallen, ein solches die Eintvaudecung von Juden in den Vereinigten Staaten verbietendes Gesetz zn erwirken. Mr. Balfour schließt mit den Worten: „die Negierung fühlt, dass hier ein klarer Fall zur Veranstaltung einer Untersuchung vorliegt, bevor man die Mim! der Gesetzgebung ergreifen konnte." Eine solche Untersuchung wird nun von der Negierung demnächst veranstaltet werden. Es sprach noch ganz kurz Mr. Stuart Samuel als Vertreter von Whitechapel gegen Major Gordon, lvorauf dieser sein Amendement zurückzog. Der neue Hafen Dalnyi. Die Nüssen sind benlüht, Dalnyi, ihren neu gegründeten eisfreien Hafen am Stillen Meere ausztibanen und mit allen Vorzügen auszustatteil. Für die Hafenanlagen sind bisher 12 Millionen Rubel verbaut und lveitcre 23 Millionen sind allsgeworfen. Der Hafen ist dnrch Wellenbrecher geschützt, große LandungSbrücken sind im Ball, uild die Oceandampfer sollen ihre Ladungen auf die innnittelbar arn Hafen stehenden Eifenbahnlvagen verfrachten können. Dalnyi soll Freihafen werden, ein Zollhaus wird llicht errichtet und A u g e - h ö r i g e j e d e r N a t i o n kölmen unter gleichgünstigen Bedinglmgen Grundstücke erlverben, solvie all der städtischen Verwaltung theiluehmen. Die Steuerzahler wählen den Stadtrath, für dessen Zusaulllleusetzung es nur die eine Vorschrift gibt, dass zlvei Mitglieder Russen sein müssen, und Chinesen und Japaner nicht mehr wie zusammen zw Vertreter stelleil dürfen. Nach Sibirien Verschickte bitrfen llicht angesiedelt werden. Heute soll Dalnyi bereits 60 000 Einwohner zählen. Die Aufnahme jüdischer Schüler. Aus Petersburg wird gemeldet: Am 18. ds. trat tu: Finanzministerium eiu Congress der Directoreu sämmtlicher russischen Handelsschulen zusammen, um u. a. über die bei der Aufnahme jüdischer Schüler geltende „Norm" zu berathen. Bis vor einem Jahre ivar der Percentsatz 60—70 Percent, im vorigen Jahre wurde derselbe auf 40 bis 50 Percent, d. h. auf fast Null herabgedrückt, da die christlichen Schüler, denen sämmtliche Gymnasien und Mittelschulen weit offen stehen, die Handelsschulen gründen und auf ihre Kosten unterhalten, und es ist deshalb ein elementares Gebot der Gerechtigkeit, dass die percentualc „Norm", welche bewirkt, dass die Handelsschulen in Russland leerstehen, aufgehoben wird, lieber die Beschlüsse des Congresses ist noch nichts bekannt geworden. Eine zweite Erleichterung, die ebenfalls vom Finanzministr ansgeht, betrifft die kleinen jüdischen Kaufleute und Händler, deren Mittel cs ihnen nicht gestatten, die Gilde zu zahlen. Diesen soll gegen eine mäßige Steuer erlaubt sein, einen Theil des Jahres außerhalb des Ansiedlungsrayons zu wohnen und daselbst Handel zu treiben. Die Maßrcgel'dürfte auf das Drängen der Moskauer Fabrikanten znrück- -znführen sein, welche mit der Austreibung der jüdischen Agenten und Commissionäre ans Centralnissland zugleich ihre bisherige Kundschaft an die concurrierende Fabikstadt Lodz abgeben mussten. Eine dritte günstige Nachricht kommt ans Moskau, ivo in diesen Wochen der 8. Chirurgen-Congress zlvei Beschlüsse zugunsten der Inden gefasst hat. Nach einem Referat des Dr. Shubankow über den ärztlichen Beruf der Frau, ivurde beschlossen, bei der Regirung dahin vorstellig zn lverden, dass jüdische Mädchen und Frauen in unbeschränkter Zahl zum inedicinischen Studium zugelassen werden. Am folgenden Tage gieng der Congress einen Schritt weiter und beschloss nach einem Vortrage des Dr. Saitzelv, die Negierung um die Aufhebung der die Zulassung der Juden zu den mittleren und höheren Schulen beschränkenden percentnalen Norm zu ersuchen. Beide Beschlüsse lverden vcrnnithlich unmittelbar günstige Folgen kaum haben, dennoch sind sic als erneuter Beweis dafür mit Freuden zu begrüßen, dass die Vertreter der Wissenschaft, also die eigentlichen Träger der russischen Euktur sich eine gerechte Beurtheilung und Bewertung unserer Stammesgemeinschaft belvahrt haben. Englischer Antisimitismns. Eine antisenlitlsche Strömung macht sich gegentvärtig in verschiedenen politischen Kreisen Londons bemerkbar. In der laufenden Nummer des „National Review" hat Eduard Druuwut von der Pariser „Libre Parole" einen antisemitischen Artikel veröffentlicht. Gleichzeitig erschien von einem Engländer, namens Ba'innster, eine Broschüre unter dem Titel „England unter jüdischer Herrschaft". Kürzlich hielt der conservative Abgeordnete Gibson Bowles im Parlamente eine antisemitische Rede, in der er die Jllden des Getreideankaufes beschuldigte. Er begann mit dem biblischen Josef und seiner ägyptischen Agrarpolitik itnb endigte mit Joseph Leiter aus Chicago, verschwieg aber, dass dieser Herr der Schtvager des Vicekönigs von Indien ist. Im Ostende ist die Stimmung der Arbeiterschaft gegen die jüdische Eintvanderung, lveil sie die Wohllungsnoth steigert. Der Abgeordnete John Bums imb Mr. Steadinan, Präsiden teil des parlanlentarischell Comitees des Trades-Nnions-Congreffes, haben auf Grund ihrer Erfahrungen das Wachsen des Antisemitismus bestätigt. Ein Gesetzentwurf über die Zulassung zum selbständigen Handwerksbetriebe. Aus Bukarest vird gemeldet: Der neue Gewerbegeseheutwurf des Doruäueu- und Handelsmimsters sieht die Bildung Von Handwerker-Genossenschaften vor, deren Vorstände über die Zulassung zum selbständigen Handwerksbetriebe in Rumänien tit erster Instanz zu entscheiden haben werden. Als Vorbedingung für den selbstäudigeu Betrieb eines Haudivcrks wird die zweizahrige Beschäftigung des Ansuchcnden als Arbeiter oder Leiter einer Wcrkstätte der betreffenden Branche, oder das Abgangszeugnis einer Fachschule, oder die Ablegung einer Prüfung verlangt? Frcinde unterliegen denselben Bedingungen, haben aber außerdem den Erlueis zu erbringen, dass im Lande ihrer Staatsangehörigkeit die rumänischen Handwerker die gleichen Rechte wie die einheimischen genießen. Nach dieser Bedingung würden die uicht-natnralisiertcn rumänischen Israeliten in Hinkunft vom selbständigen Betrieb eines Handlverks so gut Ivie ausgeschlossen sein, Ivenu nicht nach einer iveiteren Bestimmung den Handelskammern das Recht eingeräumt würde, solchen Fremden, welche die letzte Bedingung nicht erfüllen können, eine provisorische Erlaubnis zum Handwerksbetrieb zrr erstehen. In den Vorstand der Handwerker-Genossenschaft, die als juristische Personen zn gelten haben und andererseits zur Gründung oder Unterstützung von Fachschule,: und zur Organisation von Unterstntznngs- und Krankencassen, sowie von DieustUachtveisbureaux verpflichtet sind, sollen in der Regel nur Nninänen und nur ausnahmsweise solche fremde Handwerksmeister gewählt lverden, derenArbcitspersonal zn mindestens zwei Dritteln ans Rumänen besteht. Außerdem sollen bei öffentlichen Arbeiten die Numänen den Frenidcu gegenüber bei sonst gleichen Angeboten bevorzugt lverden und bei Vergebung öffentlicher Arbeiten an Fremde soll 'die Zahl der dabei betheiligten fremden Arbeitskräfte ans das Nothweudigste beschränkt lverden. Mit diesen Zugeständnissen ist aber die nationalistische ' alle diese Hungerleider, die vom Elend und Jammer niedergedrückt werden, die keine Hoffnung auf ein besseres Los haben, und die der Mildthätigkeit der Alliance überlassen sind, sich nicht durch eine. , individuelle oder gemeinsame Empörung Genngthnnng verschaffen, j Ein Aufruhr fand letzthin in Jassy statt. Doch wurde er auf die Bitten und Vorstellungen Astrucs hin noch einmal beigelcgt. „Die Zahl der in diesem Jahre erbauten Häuser", schreibt dieser Corrcspondeiit am 10. Juni von Jassy aus, „ist gerade fünf gewesen und dabei zählt mau au diesem Orte mehr als 6000 jüdische Maurer und Zimmerleute. Das Gesetz scheint dazu, da zu sein, mir 1000 jüdische Arbeiter aus den Werkstätten und Fabriken zu vertreiben . . . .; hunderte von junger, Mädchen fallen der Prostitution anheim, lveil sie nicht Hungers sterben ivollen. Zahllose junge Männer sprechen davon, den Glauben ihrer Vorfahren zu verlassen, um sich eine Existenz gründen zu können."! Ein Theil des jüdischen Proletariats wendet sich gegenwärtig j dem Socialismus und selbst dem Anarchismus zu. Druruout selbst > würde nicht wagen, sie deshalb zu tadeln?) Besonders in Jassy! Das ist in wenig Worten die Lage der armen Juden in Rumänien. In Russland. Das für eine bestimmte Zeit erlassene Gesetz vom 3. Mai 1882, das den Juden uiltcrsagt, sich in den Städten bestimmter Grerizbezirke („Territorium") uiederzulassen, ländliches Besitzthum zu erlverben oder zu Vcrlvalteu, ist die Ursache vieler Auswanderungen und des Ruins von huilderttauseudeu von Juden geworden. Es hat das Elend der jüdischen Bevölkerung bedeutend vermehrt, indem cs die Millionen von Armen in enge Grenzen, die sie nicht fassen konnten, zusammenpferchte. Handwerkerschaft Bukarests, welche die Rückkehr zum Zunftwesen &£&& RHÄ I „ M-m schützt dift,* bet russischen Juden auf 5 700 000. «Ämm Bersmmnluün unter Berweism», des mi.siskrilKn I?»°tz.Benutie„ schrieb im ..Journal des Debats" am 15. August Gewerbcgesetzeutwurfes die Wiederaufnahme ihrer Demonstrationen in großem Maßstabe in Aussicht gestellt. Der Judaismus. Die Zahl sämmtlicher Juden der Erde wird gegenwärtig auf ca. 1 I Millionen geschätzt. Davon entfallen auf Europa 0 Millionen, auf Asien und Amerika je 900 000, Afrika ca 670 000 und Australien ca.^ 20 000. In den einzelnen europäischen Staaten existieren: in Nnssland ca. 6 Millionen, in Oesterreich- Ungarn 1 900 000, in Deutschland nicht ganz eine Million, in der Türkei 360—400 000, in Rumänien über 300 000, Frankreich mit Algier ca. 200 000, England über 160 000, Italien ca. 46 000, Holland und Belgien ca. 10 000; in den übrigen Staaten unter 10 000 Juden. Als die beiden größten jüdischen Gemeinden dürften New- Aork mit 360 000 und Warschau mit 230 000 Inden zu betrachten sein. Die Familie eines der geleseusteu deutschen Schriftsteller in Hnngcrsnoth. Bekanntlich haben die Schriften Sacher-Mas o ch s in huilderttauseudeu von Exemplaren Verbreitung in ganz Deutschland und auch auswärts gefunden. Gar nianchc von ihnen dient nur der Sensation und dem Sinnenkitzel; aber in bielen offenbart sich eine edle dichterische Begabung und sprühende Erzählerkunst. Ilmso bedauerlicher ist es, dass keiner der Verleger, die sich in Sacher-Masochs Schriften bcrichcrt haben, die Verpflichtung fühlt, die Hinterbliebenen des Dichters bor Noth und Elend zu schützen. Der Schriftsteller Karl Felix v. Schlichtegroll (Berlin, Wilhelmstraße 35) erlässt einen Aufruf, der zugleich eine schwere Anklage gegen die oft zu beobachtende buchhändlerische Bewucherung der Schriftsteller bedeutet. In dem Aufrufe heißt cs: „In trostloser Lage befinden sich seit des Vaters und Ernährers, das Dichters Leopold v. Sacher-Masochs Tode, dessen in Lindheim bei Büdingen (Oberhesseu) lebenden Hinterbliebenen, Frau Hulda bon Sacher-Masoch und deren drei unmündige Kinder. War deren Lage schon langst eine missliche, ist die Noth jetzt jedoch eine derartige geworden, dass der Untergang der Familie unausbleiblich erscheint, wenn nicht von irgend einer Seite baldige Hilfe kommt. Herr b. Schlichtegroll ist zur Annahme etwaiger Spenden bereit und!vird über die eingegangeucu Gaben öffentlich quittieren. S7 w (Fortsetzung.); Kürzlich noch schrieb Herr Astrnc. der Vau der Alliance mit i der Vcrtheilnug der Hilfsgelder beauftragt worden war, über Lespezi: „Es ist eine armselige Stadt und fast ausschließlich von Juden bewohnt. Man sieht hier nur Schattenbilder von Menschen, die die Gassen der Länge und Onere nach durchmessen. Welchen anderen Beruf, als Schneider, Schuhmacher und Flickschuster sollen 2500 Inden in einem kleinen Orte ergreifen, wo weder Handel, noch Industrie, noch Ackerbau getrieben wird. Es ist ein wissenschaftliches Problem, ivie so viel Hungerleider, die sich doch gegenseitig so viel Concurrenz machen, überhaupt bestehen können. "Fragt mich nicht darnach, worin die Nahrung aller dieser Familien besteht; aus Brot und Maismehlbrei, ans Maismehlürei und Brot. Das ist die gewöhnliche Speisekarte der Unglücklichen." (Bericht der „Alliance irsaclite", Mai-Juni 1001.) Non der geheimnisvollen angeblichen Solidarität der Juden handelt folgender Satz: „Die Concurrenz, die die Juden sich gegenseitig in Lespezi, in Frumosica, in Burdujeui und in Stefanesti machen, ist verhängnisvoll. Arbeit fehlt und das daraus sich ergebende Unheil ist nicht zu schildern. Man kann sich ein Bild von dem niedrigen Staude der Löhne; machen, wenn ich sage, dass in den vorerwähnten Städten ein Ar-! beiter sich glücklich schätzte, ivenu er für 4 bis 5 Francs Wochen-; lohn überhaupt Arbeit bekam." - In Botosani sind von 17 000 Juden 15 000 aus Mangel an! Arbeit zun: Betteln gezivuugen. Eine Volksküche, die von der Alliance eingerichtet wurde, reicht lange nicht für die Zahl der Bedürftigen ans. Von Decenwer 1900 bis April 1901 sind mehr als 60 000 Gratisportioncn imb mehr als 35 000 bezahlte Portionen bertheilt Ivordeu. Hier folgt eine kurze Uebersicht über die Suinmen, die dem Hilfscomitee in Botosani übergeben wurden:! 27. November 1900. Für Küche und Unterstützungerl . 3000 Mk.! 27. November 1900. Für Schuhtverk 100 27. November 1900. Dem Frnueu-Verein .... 100 27. November 1900. Vorschüsse . 400 27. Nobember 1900. Medicameute . 250 27. November 1900. Den: Hospital „Filautrovia" . . 1000 8. December 1900. Für Küche und Unterstützungen . 2600 8. December 1900. Dem jüdischeit Hospital . . . 2000 21. December 1900. Vcrschiederies . 100 8. Januar 1901. Für Küche, Unterstützungen ri.Holz 3000 Küche.1800 Medicameute. 120 Für Küche und Mieten .... 6000 Dem Hospital.1000 Für Küche u. bersch. Unterstützungen 5700 8. Februar 1901 5. März 1901. 27. März 1901. 18. April 1901. 14. Mai 1900. 1890: „Unter allen Einwohnern des weiten Nrrsslands habe ich keine elenderen gefunden, als diese abgezehrten Juden in langen Röcken und hohen Stiefeln, die ohne Rast die Straßen durchqueren auf der Suche rrach irgendwelcher Beschäftigung. Mttn spricht heutzutage viel von der Erhebung des Proletariats und von socialer Befreiung. Ich kairn vcrsicherir, dass es in ganz Europa nichts Armseligeres gibt, uiemandcu, der mit mehr Mühe sein Roggenbrot erwerben mrrss, als 90 Percent der russischen Juden." Wir wollen zeigen, dass dieses Urtheil nicht übertrieben ist.! Die mittleren Löhne im „Territorium" können als Hungerlöhne betrachtet werden. Die guten Löhne, sowohl in den Fabriken als auch in den Werkstätten, überschreiten nicht bis 4 Rubel pro Woche. Anr häufigsten zahlt man 2*/- bis 3 Rubel pro Woche. Die Frauen und jungen Mädchen verdienen selten mehr als 6 bis 8 Rubel monatlich, gewöhnlich nur 3 bis 4 Rubel, oft sogar nur anderthalb Rubel, llm genau zu sein, müssen wir sagen, dass in einzelnen kleinen Orten gewisse blühende Industriezweige der eingeborenen Bevölkerung Wohlstand und ein angenehmes Leben geschaffen haben. Aber diese Beispiele sind selten. Die niedrigen Löhne herrschen vor. In Balta überschreiten die Wochenlöhne nicht zwei Rubel! In Vranew am Dniepr sind unter 10 000 Einwohnern 1600 Juden. Hier erreichen die Monatslöhne nur die Höhe bon 7* 1/-. Rubeln. Aber es gibt. noch traurigere Zustände. Die Weber von Dubroivuo erhalten für eine tägliche Arbeit von zwanzig Stunden 75 Kopeken oder einen Rubel wöchentlich, und damit sollen sie eine Fmnilie von 6 bis 8 Personen ernähren. Sie sind ungefähr 4000 Mann stark, und da die Tage, an denen gefeiert wird, nicht selten sind, müssen sie noch diese Hungerlöhne entbehren, i Die Classe der kleinen Handelsleute ist in keiner besseren 1 Lage.; In Elisabetgrad, in Mohilew-Podolsk, in Minsk, in Wilna sind die kleinen jüdischen Kränrer zufrieden, wenn sie 2—27= Rubel ' in der Woche verdienen.! Man kann in Elisabetgrad, in Odessa alte Bretterbuden fin- > den, in denen zwei Familien, jede zu sechs Personen, in einem ein- > zigen Raume, der neun Fuß im Quadrat groß ist, ohne irgendwelche Scheideivaud Hausen. Die Gräben von Homel enthalten 120! dieser Baracken, die allen -Winden geöffnet sind, und ivo mehr als! ziveitausend Personen wohnen. In Wilna leben tausende von! menschlichen Weser: in Kellern, die sich zwei Etagen unter dem \ Straßenniveau befinden. Mitten am Tage muss man eine Kerze! anzündeu, wenn man das Bild des Jammers urrd des Schreckens,! das diese elenden Nester bieten, betrachten will. In Odessa hat ein! Viertel der Bevölkerung überhaupt keine Subsistenzmittel; viele > leben vom Vetreln. Am Osterfest haben bon 130 000 Juden 60 000! die Hilfe der Gemeinde augcrrlfen, rirn ungesäuertes Brot kaufen; zn können. In Mohilew-Podolsk bedarf der vierte Theil der jüdi- > scheu Bevölkerung, ungefähr 800 Familien, derselben Unterstützung.! Diese armen Teufel kenueu nicht mehr den Geschmack des Fleisches.; (In der That ist in 10 Jahren die Einnahme von der Fleischsteuer! von 14 000 auf 8500 ütubcl gefallen.) In Berditschew warten j viele Juden aus die günstige Gelegenheit, einige Kopeken als Trä-; ger, Führer oder Agenten zu verdienen. 5000 Familien, der dritte j Theil der Bevölkerung, haben keine Existcnzniittcl. In Sklow I (Mohilew) ist das Elend erschreckend groß. Von 8000 Einwohnern i sind 7000 Inden ans die öffentliche Wohlthätigkeit angewiesen.! Kaum 200 Familien werden unterstützt. j Die jüdischen Arbeiter nehmen die schwierigsten uird gefähr-! lichsten Arbeiten ans sich, entgegen der Ansicht, dass sie nur zu Geldgeschäften geeignet wären. Ueberall im Grenzbezirk verrichten : sie schivere Arbeiten. In Lithaucu führen sie die Maurerarbeiten - aus. In Odessa und Etisabcthgrad laden sie das Getreide um, waS! eine schwierige und ungesunde Arbeit ist.! In Kreslawa bei Diririsk lesen sie die Borsten ans für Pini sel und Bürsten. i In Kasimilch, in Grodno, in Wilna sind es fast ausschließlich! Juden, die die Baumstämme zusannneukoppelu, um Flöße daraus; herzustellen. | Au den Ufern des Duiepr kann mau die jüdischen Träger, j die oft schon 00 bis 05 Jahre alt sind, 13 bis 14 C-tui:den täglich; bis zur Brust im Wasser beim Abladen der Boote sehen. Und sie | sind glücklich, ivenu sie in der gilten Jahreszeit so drei Rubel j wöchentlich verdienen. Ju Wilna tvohnen die sogeuannteu „wachew-! uili", deren Arbeit dariu besteht, die verschiedenen Stämme der Flöße zu Haufen auszrlstapelu. Ihre Thätigkeit verlangt viel Umsicht inid Geschicklichkeit. Sie zählen 480 Mann und sind alles 1 Juden. i Die Frauen stellen nur ein geringes Contingent zu dem Heere der Arbeiter. Die Arbeiterinnen in bcu Cigareu- und Cigaretteufabriken sind fast ausschließlich Jüdinnen. Diese Arbeiterinnen haben gcivöyulich fast 12 Stunden Arbeitszeit. Doch müffen manche, z. B.' in den Zündhölzchenfabriken in Homel, 13 bis 14 Slunden täglich arbeiten. Sie treten in Kischinew, in Homel, in Minsk, in Darisoiv, in Warschau, in Wilna mit den Männern in beiße Concurrenz und streiten mit ihnen mit großer Erbitterung um magere Löhne von 25 bis 30 5kopekeu. Sie treffen in fast allen Bernsen zusmumcu, in der Bortenwirkerei. bei der Herstellung bon künstlichen BUlmen, bei der Schneiderei und im Werß- Summa 26070 Mk. Wir können aus Mangel au Raum nicht alle Ausgaben anftihreu. Während diese Parias die Opfer nicht allein der wirtschaftlichen Krisis, sondern auch der Gesetze, der Boycottiercmg und des Exils sind, Hetzen die rumänischen Professoren die antisemitischen Studierenden auf, indem sie in ihren Vorlesungen von jüdischei: „Blutsaugern" rmd „Vipern" sprechen. Es kommt auch, allerdings sehr selten, vor, dass die jüdischen Proletarier an Empörung denke::. Man ist sogar überrascht, dass *) Druuwut ist fast der Ei::zige gewesen, der die Jüdin Goldmaun, die angeblich Czolgosz inspiriert haben soll, vertheidigt hat. und im Rkoldaubezirk gibt es viel socialistische Arbeiter. (Leonty Soloweitschik: „Ein verkanntes Proletariat".) l) Leroy-Beaulieu erzählt, dass eiu Mädchen, das nach Moskau gekonwmn war, um die Stenographie zu erlernen, kein anderes Mittel gefunden hatte, um hier bleiben zu können, als sich als öffentliche Dirne einschreiben zu lassen, da die Prostitutior: der einzige „Beruf" war, der den Frauen ihrer Rasse zugänglich war. Die Unglückliche wurde in dem Augenblicke ausgewieseu, als die Polizei erfuhr, dass sie ihren „Beruf" nicht eifrig ausübte. (Jourrral des Debats, 15. Augllst 1890.)

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