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Jüdisches Volksblatt · 1902-02-14 · 7 (14.2.1902) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
7 (14.2.1902)
Date
1902-02-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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/ Nr. 7 Wien, Freitag Jüdisehes Volksblatt 14. Februar 1902 Siste 3 Resultat, dass den Bauern noch weiterer Boden, sowie die nothtvendigen Wirtschaftsgeräthe zur Verfügung gestellt werden müssten. Von Interesse sind die Bemerkungen des Verfassers über den culturellen Zustaird der Colonien. Er fand, dass die Zahl der Analphabeten etwas unter 24 Percent betragt, welche sich größtenthoils aus den Frauen, recrutieren, während 41 Percent von den. Männer:: auch russisch lesen und schreiben können, die übrigen lesen und schreiben mir jüdisch. Im allgemeinen lässt der culturelle Zustand diel zu wünsche:: übrig, insbesondere in Betreff der Reinlichkeit und Ordnung. Viele Strohdächer sind arg vertvahrlost, die Gärten ohne Umzäumung, dagegen tveisen manche Wohnhäuser auch Schieferbedachungen auf. 2CitcC> ein Trieb nach Luxus macht sich rurangenehm benrerkbar. An Samstageir u:rd Feiertage:: sieht rnan sogar manche Bauern in Handschrrhen und Cylinder! Dafür ist aber der körperliche Zustand weniger Präsentabel. Eine gewisse Nervosität rurd Unruhe, tvelche zu den specrelleir Eigenschaften der Juden überharlpt gehören, lässt sich auch bei den Colonisten constatiere::, doch darf nicht vergessen werden, dass diese eben ci*j"t die erste ackerbautreibende Generation sind. Dagegen ist von der vielgeprieseiren Solidarität der Juden sehr wenig zu sehen, in den Synagogen und Vereine:: herrscht unaufhörlich Streit und .Hader. Besonders wenn es sich uin Wahlen handelt, kann man eine Agitation wah>rnehn:en, die an Lebhaftigkeit selbst hinter einer amerikanischen nicht zurücksteht und mitunter in arge Schlägereien ausartet. Es inuss jedoch ausdrücklich hervorgehoben werde::, dass der jüdische Bauer die Arbeit ehrt und seinen Boden liebt und trotz nrancher Widerwärtigkeitei: und unangenehme:: Zufälle mH Liebe und Zärtlichkeit zu seinen: Acker zuriickkehrt. Zwei Anregungen bezüglich des jüdischen Schulwesens verdienen verzeichnet zu werden. Bekanntlich wohnen im Kaukasus die sogenannten „Bergjude::" aus uralter Zeit, welche grusinisch sprechen und deren cultureller Zustand ein! ziemlich niedriger ist. In Kutais bestand nun seit längerer Zeit eine Volksschule für die Kinder dieser Jude::, aber es fehlte stets an den nothwendigen Mitteln zur Erhaltung derselben. Nunmehr ist dortselbst ein Comitee ins Leben getreten, das an den „Verein zur Verbreitung von Aufklärung unter den russischen Juden" herangetreten ist, ::m diese Schule auf moderne Grundlage zu stellen und ähnliche Anstalten ftir die Kinder der grusinischen Juden zu errichten. In Odessa wird jetzt in jüdischen Kreisen lebhaft der Plan ventiliert, eine jüdische Hochschule ins Leben zu rufe::, an der die Aufnahme jüdischer Hörer unbeschränkt sein soll. Ein Gesuch in diesem Sinne befindet sich bereits beim Minister für Volksaufklärung. Hazofe. Kleine Chronik. An! and. Vortrag. Mittwoch den 19. Februar findet eit: Vortrag des Hofraths K a r e i s über „W under d e r N e u z e i t" statt, mit Demonstrationen von Apparaten des Elektroingenieurs Löwenbein, 9., Müllnergasse. Gäste und Damen herzlich willkommen. Im „Vereine jüdischer Studenten" wird Montag den 17. d. M. Dr. Sofer über Nitzsehe lesen. Berthold Auerbach. Sang- und klanglos hat inan den 20. Todestag Berthold Auerbachs vorüberzichen lassen. Und doch gieiig eine nicht gewöhnliche Trauer durch Deutschland, als mn 6. Feber «in selbständiges Dasein abzielten. „Diese Welt ist nur ein Vorzimmer für die Paläste im Jenseits", lehrten seine Weisen und das Volk begann körperlich zu welken, um desto mehr im Geiste zu erstarken. Die jüdischen Gemeinven im Auslande, welche mit dem Falle Jerusalems den geistigen Zusammenhang mit dem Centrum verloren haben, sind verschwunden, indem sie mit den anderen Bewohnern des Landes verschmolzen, jene aber, welche mit den rabbinischen Lehren in Verbindung blieben, lebten fort und überlebten alle ihre Verfolger. Das Leben im Exil wirkte in doppelter Hinsicht: ES »eitigte L e b e n s b a l s a m für das Judenthum einerseits und Verachtung aller irdischen Güter, insbesondere der politischen, andererseits. Wenn in den Gebeten noch einige Sehnsucht nach Jerusalem zurückbliev, so war diese Sehnsucht nur im religiösen Sinne, im Sinne des I n d e n t h u m s, keinesfalls aber in politischer oder socialer Beziehung. Sie waren bloß auf ihre Erhaltung bedacht und wollten so lange im Exil bleiben, bis sie durch irgend ein Wunder „erlöst" wurden. Auch der oft jähe Umschwung ihrer Lage, der häufige Wechsel ihres Aufenthaltes und die blutigen Verfolgungen mancher Epochen bewirkten ein weiteres Verbleiben im Exil. In gewisser Beziehung liegt ein Stück Wahrheit in dem talmudischen Ausspruche: „Eine Wohlthat verübt Gott in Israel, dass er das Volk unter verschiedene Völker zerstreut." Hätten die Juden nicht aus früheren Epochen die Neigung gehabt, in die Fremde hinauszuwandern, wären sie alle aus einem Boden geblieben und wären aller Wahrscheinlichkeit nach gänzlich zugrunde gegangen. Gerade daS harte Leben in der Fremde, gerade der Umstand, dass sie unaufhörlich um ihre nackte Existenz kämpfen mussten, zersplitterte ihre Kraft im kleinen und machte sie unfähig, eine Action im größeren Stile durchzuführen. Man kan« also, das Obengesagte reassumierend, die Frage, warum die Juden so lange im Exil blieben, mit demselbe Satze beantworten: „W eil sie eben i m Exil wäre n." * Wir halten eS für überflüssig, zu betonen, dass die obige Betrachtung nur für die Vergangenheit gilt, für die allein das Wort „Exrl" einen Sinn hat. Für die jüdisch-nationale Bewegung unserer Zeit kommen andere Motive in Betracht, die .unseren Lesern genugsam bekannt sind. 6. 1882, während gerade die Vorbereitungen getroffen wurden, den 70. Geburtstag des allbekannten Dichters würdig zu begehen, aus dem Süden die Nachricht kam. die aus dem Freudenfeste eine Todtenfeier machte. Das macht, Berthold Auerbach ist dem complicierten Empfinden unserer Zeit entrückt, das zwei gegensätzliche Richtungen» wie Realismus und Romantik» von denen so wenig in seinem Wesen zu finden ist, ruhig neben- und miteinander gewähren lässt. Und doch war Auerbach ein Entdecker, der den Pfad gefunden hat» den nach ihm Leute wie Fritz Reuter, Anzengruber, Hauptmann u. a. gegangen sind. Er wies den Weg hinaus aus dem engen Dunstkreis der Städte anfs freie Land, sei es nun flach oder bergig, aus der überfeinerten Empfindungswelt der Städter, nach den kräftigen, erdstänüigen Jnstincten des Landvolkes. Und wie unser Auge den Reiz der Fremde eher sieht und erfasst, so geschah es auch, dass Berthold Auerbach, der Jude, dessen Jugend in dem einen Buche, der Bibel, alle Schönheit der Welt wähirte, den Deutschen die Schönheit ihres Landes entdecken musste. Freilich verbrachte er seine ersten Jahre tief drinnen im Schwarzwald, in Nordstetten, wo er am 28. Februar 1812 geboren wurde, aber er sah nicht den Wald und seiner: Zauber, spürte nicht den saftigen Geruch der Tannen, hörte nicht das Rauschen der Bäume: Er saß mit seinem Vater, dem jüdischen Lehrer, über den Talmick» gebeugt, und nahm die Weisheit von Jahrhunderten in sich auf. Als er nach Tübingen auf die Universität kam, um Theologie zu hören, da riss ihn daö gerade damals kräftig pulsierende Leben, das durch die deutsche Jugend gieng, mit sich fort. Deutschland hatte sich der Faust Navoleons entwunden und kämpfte nun in seinem Innern den Kampf um die Freiheit des Geistes und des Gedankens. Auerbach stand in erster Reihe und wurde als der ersten einer ans dem Hohcnaspcrg für einige Zeit unschädlich gemacht. Als ec loskam, war aus dem Theologen ein Philosoph geworden, der er im weiteren Sinne zum Schaden seiner Poesie stets geblieben ist. Schelling, Spinoza, David Friedrich Strauß wurden mit Eifer studiert, während seine ersten belletristischen Arbeiten gedruckt wurden. 1836 erschien „Das Judenthum und die neueste Literatur", 1837 der Roman „Spinoza", 1839 „Dichter und Kaufmann", welch letzteres Werk die. Juden und Deutschen zur Zeit Mendelssohns schilderte. Diese Werke erhielten den Gesammttitel das „Ghetto" und hatten den Zweck, ein Bild des alten jüdischen Lebens zu geben. Sie bilden eine nncrschöpflichc Fundgrube für alte Sagen und Legenden, wie sie durch mündliche llebcrliefcrung bis auf Auerbach gekommen waren. In den Jahren 1843—1853 erschienen die „Schwarzwälder Dorfgeschichten", die in alle europäischen Sprachen übersetzt wurden und ihn mit einem Schlage zu einem berühmten Manne machten. Die October-Revolution, die er in Wien mitmachte, schildert er in dem „Tagebuch aus Wien". In zweiter Ehe mit einer Schwester deS in Brünn lebenden Hieronymus Lorn: verheiratet, ließ er sich zuerst in Dresden, dann in Berlin nieder. Dort erschienen seine besten Romane aus der späteren Zeit, „Auf der Höhe" und „Das Landhaus am Rhein". In den letzten Jahren seines Lebens hatte er sehr unter .den Ausbrüchen des Antisemitismus, die ihm, dem Freiheitskämpfer, sehr nahegiengen, zu leiden. Dafür schuf ihm die Popularität, der er sich wie selten einer erfreute und auch — freute, keinen Ersatz. Jedenfalls ist er, obwohl er für das Deutschthnn: kämpfte, Zeit seines Lebens ein aufrechter Jude geblieben, der in Wort und Schrift manchen Strauß für das Judenthum, das er nie und nimmer verleugnet hätte, ausgefochten. Darum sei seiner, des fast Vergessenen, von uns Nationaljuden,; ehrend gedacht. | Vortrag Dr. Wcifcngrün. Vor einem zahlreichen Auditorium, die der Ruf Weisengrüns vereinigt hatte, sprach Dr. Weisengrün über das Thema: „Gibt es eine Lösung der Judenfrage?" In scharf dialecttscher Form ließ er die Lösungsversuche der Socialdemokrattn und polittschen Zioniste:: Rev::e passiere::, um durch ihre theoretische wissenschaftliche Widerlegung den Boden ftir die Parole zu schaffen, die die Jüdische Volkspatteil ausgegeben hat. Reicher Beifall lohnte den bewährten Redner.! Die konstituierende Versammlung zur Gründung der Ortss gruppe deS galiz. Hilfsvereincs 2. und 20. Bezirk fand cm: 9. d.! M. in den Räumen des Jüdischen Bollsvcreines bei mäßiger Be- , theiliguug der Interessenten statt. Dr. Williau: Knöpfmachcr bel grüßte die Erschienenen und hob die wesentlichenMomente hervor, die zur Gründung des Vereines geführt haben. Die Verschlechterung > der ökonomischen Verhältnisse und das geschäftliche Elend in Galizien, dem besonder» unsere Glaubensgenossen daselbst auSgesetzt l seien, involvieren eine moralische und materielle Bedrohung der i wcstländischen Judenhcit. Die systematische Verdrängung bezw.! Zurückdrängnng jüdischer Elemente seitens der einflussreichen galiz. | Factoren, haben eine Roth gezeitigt, die im Detail zu schildern kann: I möglich, und die traurige Lage des dortigen jüd. Proletariats über-! steige noch die der schlesischen Gebirgswcber an Schrecklichkeit. — | eines Hr. Maxim. Paul-Schiff mit Recht, betonte —nahezu zur j brennendsten Frage für uns selbst sich gestaltet. — Die Hilfs-Action Mitglied beitrete oder denselben durch reichliche Spenden zu fördere. Bei der nach dieser beifälligst anfgcnommencn Ansprache Sieg:::. Kris. — Die Constituicrnnq erfolgt demnächst. — Dr. Ascher erklärt sieb bereit, mit allen ihm zu Gebote stehenden Kräften sich in den Dienst der gutei: Sache zu stellen und schildert die analogen Verhältnisse in England und Rumänien; er begrüßt es ferner als ein gutes Omen, dass diese eoustituierendc Versammlung in den Näuuu'i: deS national-jüd. VolkSvereineö staltgeiundei: f;et. (Surfe für jüdische Mligionsphilosophie. Diejenigen Gesinnungsgenossen, welche einmal wöchentlich eine:: Ems über jüdische Religionsphllosophie und jüdische Geschichte oder über hebräische Sprache frequentieren wollen, werden aufgefordert, ihre Adresse entweder an den DociereiHen Herrn Rabb. Dr. A. Kaminka oder cm die Redaction dieses Blattes zu sende::. Antisemitische Lügen. Die antiseinitischei: Blätter brachten gestern die Notiz, dass der wegen Sittlichkeitsvergehe:: verhaftete Friseur Jakob Griffaton, 2., Hannner- Pnrgstallstraße 2, ein Jude sei. Demgegenüber konstatieren wir, dass Jakob Griffaton zwar kein Jrrde, dafür aber ein notorischer Christlich-Socialer ist. Arrtlsemitenspiegel. Wir haben et immer gesagt, dasin der christlich-socialen Partei ein Ueberfluss an Strebern und Aemterjägern ist; nun kommt aber ein unverdächtiger EideShelfer, ein christlich-soeialeS Parteiblatt, das unsere Angaben bestätigt. Dieses Blatt blüht sonst nur im Verborgenen; es sind die am Montag erscheinenden „Wiener Neuesten Nachrichten". Da dieses ehrenwerte Blättchen für die politischen, wirtschaftlichen und socialen Interessen des christlichen Volkes in Oesterreich mit Ausschluss der Oeffentlichkeit erscheint, so wollen wir es wörtlich citieren: „H. 88. Wir beantworten ganz ausnahmsweise eine anonyme Zuschrift, weil wir nur zu genau wissen, wer hinter dem „H. W." steckt. Nämlich rin Parteischmarotzer, der sich getroffen fühlt, dem es natürlich sehr unangenehm ist, dass wir unserer Pflicht, als unabhängiges antisemitisches Blatt das Gwissen der Partei zu sein, nachzukommen bestrebt sind. (Demnach schweigt das Gewissen der christlich-socialen Partei sechs Tage in der Woche und spricht nur an einem Tage.) O, wir glauben es recht gerne, dass eS den paar Herren, die auf jedes freiwerdende Mandat abonniert zu sein glauben, die Mund nnd Taschen angelweit aufzusperren verstehen, ohne je sachlich etwas geleistet zu haben, sehr angenehm wäre, wenn der schon zum Sterben langweilige Streit zwischen Wolf und Schönerer recht breit getreten und dafür über die Streberei und die Jntriguen von Leuten geschwiegen würde, die aufrichtige, opferwillige Antisemiten beschimpfen und verleumden, weil sie nicht zu der Meinung bekennen wollen, dass das christliche Volk nicht dazu da sei, diesen Leuten zu Sinecuren, Mandaten und Concessionen zu verhelfen. Wenn wir dafür sorgen, dass die Leute nicht allzu „köwig" werden, so stiften wir damit keineswegs Unfrieden, sondern leisten damit der Partei, der guten christlichen Sache nur einen Dienst. Also bester Herr „H. W." sparen sie sich ihre Stilproben, sie werden uns durch Drohungen ebensowenig in unserem überzeugstreuen Borgehen wankend machen, wie durch verdächtigende Wendungen. So manches Ereignis in der jüngsten Zeit hat unserer Stellungnahme nur allzusehr recht gegeben und wir sind überzeugt, dass auch noch über verschiedene Herren „H. W." die Acten in nicht gerade angenehmer Weise für immer geschlossen werden. Jedenfalls sehen wir uns im September wieder, Herr — „H. W." Herr H. W. H. bedeutet Hermann. Wer heißt in der i antisemitischen Partei Hermann? Interessant ist auch folgende Notiz: i „F. Z Sie machen uns darauf aufmerksam, dass der famose Herr Lochay-Buresch ein fast ganzseitiges Inserat der Firma Hochstöger in seinem Blatte bringt, und fragen uns, was wir dazu sagen. Nun wir glauben, dass es dem städtischen Contrahenten Hochstöger schließlich freisieht, sich zu comprimittieren, wie er will, und wir fügen dem Ihre Bemerkung ohne weiteren Commentar bei, dass die Geschichte dieses Inserates als „handelnde" Personen außer dem Favoritener Sonntagshumoristen und Herrn Hochstöger sicher noch einen Matador der gewissen Favoritener Clique aufzuweisen hat, der sich vor einem unzugänglichen, streng rechtlichen Vezirksvorsteher fürchtet wie der Hund vor den Schlägen. Uebrigens werden Sie doch nicht glauben, dass der Sonntagshumorift seine Artikel verschenkt? Wozu hat man denn eine Ueberzeugung, wenn man sie nicht „wechseln" kann". Demnach scheint es eine selbstverständliche Pflicht der städtischen Contrahenten zu sein, nur in gut christlich-socialen Blättern zu annoncieren. Ja, die Interessen des christlichen i Volkes sind schließlich nicht so wichtig, wie die Interessen der j christlichen Presse. Diese Notiz wirft auch ein Licht aus das geheime Document des städtischen Contrahenten, des Herrn D j ö r u p. ' Ueber den österr.-ungar. Handelsvertrag. Wir erhalten folgendes Schreiben: Herr Redactenr! Auf der jüngsten Enquete über den österreichisch-ungarischen Handelsvertrag sagte Experte Herr Gasser: Es werden seitens aller österreichischen Consulate in Russland Klagen geführt, dass sich das ganze Jahr hindurch kein österreichischer Reisender oder Fabrikant in Russland vorstelle. Ja, wissen denn die Herren österreichische:: Consuln und die Herren Experten nicht, welche Prügel :nan in Russland den Juden; (fremden Reisenden) zwischen die Füße wirftt? Warum lässt eben Oesterreich zu, dass man seine Staatsbürger nach ihrem. Religionsbekenntnis behandelt? Als die Türkei seiner Zeit den Mächte): bezüglich des Aufenb Haltes von Inden ist Palästina Mittheilung machte, hat j Italien geantwortet, es kenne keinen Unterschied seiner Staatsbürger, ob Jude, Christ oder Heide. Italienische Staatsbürger sind alle.Nur-Italiener, zu welcher Religion sie sich immer bekennen mögen. Also die Herren österreichischen Consuln in Russland und die Herren Experten der Enquete! sollen nun de:: Grafen Goluchvwski u. dgl. fragen, warum das ganze Jahr hindurch kein österreichische:' Reisender in Russland vorspricht. Hochachtungsvoll! Ein fleißiger Leser des „Jiidischen Volksblatt". Ueber die Jüdische Toynbee-Halle. Vor einer: dichtgedrängten Zuhörerschar, die den großen Tempel der Leopoldstadt bis auf das letzte Plätzchen füllte, sprach der Prediger Herr Dr. Schmidt, am jüngste:: Sabbath über: die im Wochenabschnitte enthaltenen „Rechtsgesetze" — diese in knappen Zügen zusammengefasste Jurisprudenz der Bibel. Mit großen: Scharfsinn und an vielen Beispielei: wurde klar und überzeugend nachgewiesen, wie auch in diesen strengen Rechtsgesetzei: überall das warne milde Herz laut redend heraustönt, und die Menge folgte mit Spannung den Auseinandersetzungen, wie mit jeden: neueren Beispiele der Gedankenbau immer höher enstwrwuchs. All dies bot den: Redner am Schlüsse Veranlassung; den so zahlreiche::, hier blühenden humanitären Vereine::, die doch sämmtlich Schöpfungen des edler: Her-- zei:s sind, ein warmes Lob der Anerkennung ausznsprechen. Seit zwei Jahren besteht ein Verein, der an den: di.stst belaubten Baume der Humanität eine ganz nenarrige Blüte bildet: Der Verein „Jüdische Toynbee-Halle". Wie der allgütige Schöpfer es so weise eingerichtet, dassder Wnstenwanderer nach tagelangen: Hinziehe:: durch die

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