Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 6 (7.2.1902)
- Date
- 1902-02-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 7. Februar 1902 Nr. 6 Madrider Correspondenten gemeldet: Für die spanische Weihnachtsloiterien, deren Gelvinne 6 Millionen Pesetas betragein sind Lose in großem Unrfange gefälscht unb iit den Handel gebracht worden. Es sind bereits inehrere Personen in dieser Angelegenheit verhaftet worden. Es mögen daher alle Losinhaber der spnnisclM Weihnachtslotterie sich rechtzeitig vergewissern, ob sie echte Lose oder Falsifikate in der Hand haben; denn die Enttäuschung wäre gegebenen Falles doch eine recht arge, wenn man einen anstänigen Gewinn gemacht 31t haben glaubt und nachher erfährt, dass das auf den Gewinn lautende Los gefälscht ist." S i n d d a s a u chIud e n? Dann sagt Herr Dir'. Heim: „Ich habe sehr ehrliche und brave Juden kennen gelernt, wenn es ihnen auch schwer fiel, unter ihren Stanrmesgenossen sich deshalb die Achtung zu erwerben, die sie anderswo hatten; sie wurden für dumm angesehen, weil sie nicht so arbeiteten, wie andere Leute." Gerade das Gegentheil ist tvahr. Der Jrie genießt nur. Achtrmg bei seinen Glaubensgenossen, wenn er einen ehrlichen Namen hat. Ist dies nicht der Fall, so kann er nicht einmal die geringste Ehrenstelle innerhalb der israelitischen Cultusgemeinde erlangen. Was Herr Dr. Heim sagte, sind Redensarten,Hvie man sie von Antisemiten hört, die ihre Art, ihre Genossen zu beurtheilen, auf Juden übertragen. Herr Dr. Heini behauptet ferner: „Auf dem Ziionisteneongress hat ein Gelehrter gesagt: Klaget nicht über den Antisemitismus, klaget über Euch selbst." Von wem und wann ist das gesagt worden? Wenn der Antragsteller am Schlüsse seiner Rede hervorhob, dass im Ressort des Innern, der Finanzen (?) usw. Juden nicht angestellt würden, warum hat ifjn dann sein Gerechtigkeitsgefühl nicht dazu gebracht, seinen Antrag dahin zu erweitern, dass auch Juden in diesen Ressorts ihrem Procentsatze gemäß Anstellung finden? Dann hätte der Zudrang zur Justiz von selbst aufgehört. Dann hätte man es für Ernst halten können, dass Dr. Heim auch den Juden ihr Recht gönnt. Bei diesem cinfcitigcn Vorgehen, nur nach der negativen Seite hin, kann man dies nicht glauben. Unter solchen Umständen ist es kein Wunder, dass die deutsche Judenhcit, die Nachkommen der Märtyrer von Nürnberg, Speyer und Worms Zeichen von Entmuthigung zeigen. Hier kann nicht formale „Gesetzestreue", sondern nur ein bewusster jüdischnationaler Geist Wandel schaffen. AuS der Plenarsitzung des Cultusvorftaudes vom 2. Februar 1802 unter dem Borsitze des J. Bice-Präsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn der Sitzung 10 Uhr vormittags. An Spenden sind eingelaufen: Von Herrn Cultnsvorsteher Isidor Gewitsch, anlässlich des Ablebens seiner Mutter: für die Armen-Anstalt Kr. 50, für die „Chewra Kadischa" Kr. 30, für die Beköstigung armer israel. Schulkinder der Brigittenau Kr. 20, für die Beköstigung armer israel. Schulkinder in Ottakring Kr. 10, zusammen Kr. 110. Von Herrn Josef Barber, aus Anlass einer Eamilienfeier, zur Vertheilüng an hungernde und frierende, einer ereinsunterstützung entbehrende Arme Kr. 100, für die Beköstigung armer Schulkinder Kr. 100, von Herrn Michael Newikluf, anlässlich eines Gelübdes, für wohlthätige Zwecke Kr. 70, von Herrn Heinrich Gutmann für humanitäre Anstalten Kr. 80, von Herrn "Max Qittner für die Beköstigung armer israel. Schulkinder in Ottakring Kr. 20, von Frau Marie Stern, anlässlich des Todestages ihres Gatten Herrn.^ Siegmund Stern, für die „Chewra Kadischa" Kr. 20, von Herrn Arnold Paskisz, für den Erhaltungsfonds der israel. Versorgungs-Anstalt Kr. 20, von Herrn Goldsrein, für wohlthätige Zwecke Kr. 20, von Frau Zilli Berger, für hilfsbedürftige Waisenkinder Kr. 0, von Herrn Adetimar Sieber, für den Armenfonds der CultuSgemeinde Kr. 2, von Herrn Moriz Adler, anlässlich der „Bar Mizwah-Feier" seines Sohnes, eine silberne Jad, von der Direction der Fango- Heilanstalt, für das Altersversorgungshaus der israel. Cultus- „ Mutter, ich kann nichts dafür, wir ward so schwarz vor den Augen. Ich dachte an Dich, dass ich Dich vielleicht nie mehr Wiedersehen soll. Da driickte ich los, gezielt Hab' ich wirklich nicht, Mutter — — — er war sofort tobt. Er beugte sich zu ihr hinab, um sie zu küssen, zu trösten. Er sah ihr an, wie sehr sie litt. Das Taschentuch hielt sie an die Augen gepresst und weinte schmerzlich und still. Nur hie und da entrang sich ein schwerer Seufzer ihrer Brust. So lange hatte sie ihrem Sohne das Geheimnis seiner Geburt verschwiegen unb hatte nie an Die Folgen gedacht. Und jetzt tvaren sie so furchtbar und schrecklich gekommen, wie sie es nie geahnt. Und ganz allein und durch ihre Schuld. Das Geheimnis, das sie jahrelang in ihrer Brust getingen, jetzt ward es ihr zu schwer. Länger ertrug sie es nicht. Da blickte sie auf, ihrem Sohne ins Auge. „Weißt Du, Eduard, wen Du getobtet hast?" Ihre Stimme klang rauh, wie nie vorher. „Weißt Du, dass es Dein Bruder war —- - —?" Und gerade, als ob sie sich vor der Wirkung fürchtete, die ihre Worte ans Eduard üben würden, drückte sie von neuem das weiße Tuch vors Gesicht, um die Thrünen zu hennnen, die ihren Augen entströmten . Eduard beugte sich über sie. Er hatte nicht verstanden, was seine Mutter sagte. F gemeinde 50 Kg. Fango-Schlamm, von Herrn Dr. Josef W. i Löbl einen galvanischen Elektrisier-Apparät zu Heilzwecken für die israel. Versorgungs-Anstalt, von Herrn Siegfried Beer, Rauchrequisiten für die Insassen der Versorgungs-Anstalt. Für die Beköstigung armer israel. Schulkinder in der Brigittenau sind eingelaufen: Sammelspenden durch Herrn Dr. Alfred Berger Kr. 434-45, Sammelspenden durch Herrn Heinrich Weiner Kr. 140, Sylvestergesellschaft Döbling Kr. 20, A. K. Kr. 20, R. B. Kr. 18, R. Bramer, Sammelspende Kr. 17, Sidi Mrchelstädter Kr, 12.24, Reg. Thenen Kr. 10, I. D. Kr. 10, Philipp Goldmann Kr. 10, Dr. Em. Arnstein Kr. 10, Adolf Friedländer Kr. 6, Jacob Munk Kr. 5, Rudolf Winternitz Kr. 5, Alois Löwy Kr. 5, Eduard Elbogen Kr. 4, I. E. Kr. 4, 21. F. Kr. 4, Nathan Weil Kr. 4, Rudolf Bondy Kr. 4, M. Kr. % K. Singer Kr. 2. Den Spendern wird der Dank votiert. Der Vorsitzende bringt ein an ihn gerichtetes Schreiben des seit einigen Tagen fern von Wien auf einem Erholungsurlaub weilenden Präsidenten kais. Rath. Klinger zur Verlesung, mit welchem derselbe mittheilt, dass Gesundheitsrücksichten seine 2lbsicht, den Eintritt des Urlaubes bis nach Abhaltung einer Plenarsitzung des Cultrrsvorstandes zu verschieben nicht zuließen und nunmehr auf diesem Wege eine Bestätigung seines Urlaubes erbittet. (Zustimmung.) Aus dem Einlaufe gelangt zur Verlesung ein Erlass der k. k. n.-ö. Statthalterei, mit welchem die am 6. Jänner l. I. erfolgten Wahlen der beiden Vice-Prüsidenteu und des Vertreter-Collegiums zur Kenntnis genommen iverden. WeiterS werden die Dankschreiben der Universitäts-Professoren Dr. David Heinrich Müller und Dr. 2ldam P 0 l i tz e r für die an dieselben anlässlich ihrer Ernennung zn Hofräthen seitens des Cultus-Vorstandes gerichtetenlBcglückwünschungs-Kundgebmigen verlesen. Herr k. k.Baurath Theodor- Ritter v.Goldsch mrdterstattetnamens des Vertreter-Collegiums einen eingehenden Bericht über ein neues Statut des Spitalos der israelitischen Cultusgemeinde sammt Instructionen und Hausordnung. Die Nothwendigkeit neuer statutarischer Normen, welche den Primarius des israelitischen Spitales Herrn k. k. Regierungsrath Professor Dr Leopold O s e r zum Autor haben, ergab sich als unabweisbar gegenüber dem derzeit noch geltenden Spitals-Statute vom Jahre 1872 mit Rücksicht auf die im Laufe der Zeit eingetretenen 21enderungen, insbesondere im Hinblicke auf die Erwerterung des Spitales durch die demnächst zu eröffnenden neuen Kra>'.ken-2lbtheilungen für Chirurgie und Gynaekologie. Die Vorlage wurde in einer großen 2lnzahl von Commissions- und Vertreter-Sitzungen unter Zuziehung von Fachmännern für alle einschlägigen Fragen dcr eingehendsten Berathung unterzogen. Anschließend an diese Ausführungen gibt Herr Primarius k. k. Negierungsrath Proscssor Dr. Os creme übersichtliche erläuternde Darstellung der wese.iüichen Bestimmungen des neuen Statutes, weiche'beifällig ausgenominen wird. Nach durchgesührter Debatte wird über Antrag des Cultus- Vorstehers Dr. Adolf Stern das Spitals-Statut sammt Instructionen und Hausordnung en bloe angenommen und soll der k. k. Statthalterei zur Genehmigung vorgelegt werden. Sohin erklärt der Vorsitzende : Es obliegt mir die Pflicht, dem Herrn Regierungsrath Professor Dr. O s e r, welcher das ihm anvertraute Krankenhaus der israelitischen Cultusgenleinde seit einer langen Reihe von Jahren in bewährter Weise im Geiste wahrster Humanität leitet, für sein bei Schaffung des neuen Spitals- Statutes wiederholt bethätigtes selbstloses und unermüdliches Wirken den wärmsten Dank der Versmnmlung auszusprechen. Ich danke weiters dein Obmann des Statuten-Comitös, Herrn Baurath von Goldschmidt, und allen jenen Herren, welche seit Jahr und Tag mit diesem schwierigen Werke sich befasst haben. (Lebhafte Zustimmung.) " Endlich bemerkt der Vorsitzende, dass gemäß den Bestimnlungen des neuen Statutes vor der Betriebs-Eröffnung der neuen Kranken-Abtheilungen die 2lutcäge wegen Ernennung des Directors und Bestellung der Primar- Aerzte rechtzeitig werden eingebracht werden. Herr Baurath von G 0 1 dsch m i d t erstattet namens des Vertreter-Collegiums das Referat über die Bewilligung von periodischen Unterstützungen. Hiernach sollen >m laufenden Jahre 265 Parteien, hochbetagte oder wegen körperlicher Gebrechen erwerbsunfähige und nolhleidende Personen, mit Monats- und Quartalsgaben im Gesammtbetrage von Kr. 50.120 betheilt werden. Die Anträge werden angenommen. Herr Baurath Stiassny referiert über die Verleihung der „Milden Stiftungen des Herrn Michael Cohen da Silva" für israelitische Handwerker. Referent beanutragt namens des Vertreter-Collegiums und conform dem G »Nachten Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten die Verleihung des Stistungsgenusses von Kr. 800 an den prinio loco nominierten Bewerber. Der Airtrag wird angenommen. Den vom Curatorinm der M. S. B i e d e r m a n rischen Waisen-Stistung vorgelegten Anträgen, betreffend die Persolvierung der Stiscungserträgnisse von Kr. 6200 im Jahre 1002, wird einhellig die Zustimmung ertheilt, und ist diesfalls auch die stiftungsbehördliche Genehmigung einzuholen. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um ly, Uhr uachmittags geschloffen. Jüdischer Volksverein. Gestern hielt Herr. Dr. P. H. Chajcs vor einem dichtgefüllten Saale einen äußerst anregenden Vortrag über „Indische Juden". Indem er die verschiedenen Meinungen besprach, welche betreffs der Abstammung der Juden in Indien in der wissenschaftlichen Welt laut wurden, besprach er deren Leben und Treiben in Gegenwart und Vergangenheit. Besonders interessierte, dass auch die indischen. Juden die nationale Idee kennen und sie in einer eigenen Zeitschrift propagieren. Der Vortragende fand lebhaften Beifall. Unter den Anwesenden wurde der Präsident der Lemberger Cultusgemeinde Dr. v. H 0 r o w i tz , Cultusvcwsteher S i m 0 n 2c. bemerkt. Vortrag. Im Festsaale des „Jüdischen Volksvereins" hält Dr. Paul Weisengrün am n ä ch st e n Mittwoch den 12. d. M., einen Vortrag über „Sociolocsie und Judenthum". Herr Richard Nappaport spricht am Montag den 10. d. M., im „Vereine jüdischer Studenten". Thema Vorbehalten. Rede- und Lesehalle jüdischer Hochschüler. Dieser rührige Vereist hat unter seiner neuen Leitung zwei bemerkenswerte Erfolge in letzter Zeit anfznweisen, den Vortrag von Mathias Acher über „Eutwicklungsformen und -Fortschritte der Menschheit", gehalten in der Universität am 4. d. M., und zweitens den „jungjüdischen Autorenabend". M. Acher sprach in der geistreichen Weise, die lvir bei ihm gewohnt sind; besonders glücklich ist er in dem Prägen neuer Definitionen für moderne Begriffe. Er wendete sich von seinem Standpunkte aus gegen die einseitigen Nassentheorotiker und betonte die Wichtigkeit gewisser Ideen, die Gemeingut der ganzen Menschheit sind. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Am 30. Jänner fand die constituierende Generalversammlung des „Vereines für jüdische Geschichte und Literatur" statt. Zweck des Vereines ist die Verbreitung der Kenntnis der jüdischen Geschichte und Literatur vom Standpunkte des traditionellen Judenthums. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 1 Krone im Vierteljahre. Der erste Vortragsabend findet Sonntag den!). Februar '/,8 Uhr abends im Festsaale des „Jüdischen Volksvereines*, Il.,Leopoldsaasse 49, statt. — Eröffnungsrede Herr stull. ptril. Max E is ler. Herr M. A. F Ü r st wird über „Das französische Synhedrion" sprechen. — Karten sind, so weit der Vorrath reicht, bei den Vorstandsmitgliedern gratis zn haben: mell. Dr. F. Rosenthal Obmann, Sigmund B 0 n d i, «lull. pkril. Max Eisler, stuck, mell. A. F e u e r r i n g. M. 8l. Für st, Theodor Pappenheim, Leopold Rosenoaum. — Mitgliederanmeldungen nimmt der Caffier Herr Leopold R 0 s e n b a u m, H., Kleine Schiffgasse 3, entgegen. Galizischer Hilfsverein. Die Constiimenmg der Ortsgruppe Wien, 2. und 20. Bezirk, des Hilfsvereines für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien, findet Sonntag, den 9. Februar, 11 Uhr vorm., im Festsaale des Jüdischen Volksvereincs, 2., Leopoldgasse 49, statt. Die eonftitmerende Generalversammlung des „Jüdischen Volksvereincs" in Wieliezka. Im Saale der jüdischen Handels- und Gewerbebank fand am 1. Februar die constituierende Generalversammlung des „Jüdischen Volksvereines" statt. Dichtgedrängt standen unsere Volksgenossen in dem kleinen Saale, der eine im Kaftan, der andere im Lodenrocke, aber alle beseligt durch den gleichen Eifer, ein neues Bollwerk des nationalen Judenthunis zu schaffen. Der Vorsitzende Herr Rosenzweig eröffnete die Versammlung und begrüßte die Delegierten des Wiener „Jüdischen Volksvereines". Hieraus ertheilte er Dr. S 0 f e r aus Wien das Wort. Derselbe erläuterte vor allem das Programm der Jüdischen Volkspartei, um mit besonderem Nachdrucke bei dem Punkte zu verweilen, der besagt, dass eine allgemeine Hilfe für Galizien nicht von Einzelnen oder von Vereinen erfolgen könne, so edel auch diese Intentionen sein mögen, sondern nur vom Staate. Pflicht der galizischen Judenschaft sei es, nur solche Männer zu wählen, die das Programm der Industrialisierung Galiziens mit Staatshilfe vertreten. Der allgemeine Beifall, der seiner Rede folgte, bewies, dass die Anwesenden mit dem Programme der Jüdischen Volkspartei vollkommen einverstanden sind. Hierauf ergriff Hof- und Gerichts-Advocat Dr. Kart L i f c z i s das Wort, um in einer groß angelegten Rede den Wert der nationalen Kleinarbeit besonders für die gnlizische Judenheit zu schildern. Er wies auf die bisherigen veralteten Matrikelverhältniffe hin und auf die Schäden, die dadurch dem ganzen Erwerbsleben der galrzischen Judenschaft drohen. Er schilderte das Wirken der Wiener Volksvereine für die Erwerbung des Heimatsrechtes und die doppelte Aufgabe unserer Partei: Jüdisches Wissen nach dem Westen und westliche Cultur nach dem Osten zu tragen. Reicher Beifall lohnte den Redner. Hierauf meldeten sich einige Anwesende, zu Anfragen, die von den Referenten in befriedigender Weise beantwortet wurde. Hierauf dankten Herr L e w g 0 und Herr Friedmann den Wiener Delegierten für ihr Erscheinen und erklärten, dass der in der ganzen Gegend hochgeachtete Herr kais. Rath Perlberger das Ehren-Präsidium übernehmen werde. Ueber die folgenden Wahlen und über eine größere Action, die sich im Anschlüsse an die hiesigen Verhältnisse entwickeln wird, werden wir seinerzeit berichten. Nur das eine wollen wir noch hinzufügen, dass die Wiener Delegierten mit den besten Eindrücken von den Juden Wieliczkas schieden. Splitter. Das „D. V." bemerkt, dass die Judenprefse es nicht wage, davon Notiz zu nehmen, dass die antisemitische Hochflut bereits die Stufen des Thrones u m s p ü l e. Wir können der Judenpresse nur gratulieren, dass sie sich möglichst fern von dem üblen Gerüche des Spülichts hält. — Die „Ostafrikanische" bemerkt zu einer Statistik des deutschen Heeres, dass in der österreichischen 2lrmee zu viel jüdische Osficiere seien. Aber noch größeren Schmerz bereitet es ihr, dass in dem letzten Spionageprocess lauter deutsche 2lrier, wie Carina und Stiller die traurigen Helden waren. — Dr. Stern obliegt mit ungeschwächtem Eifer seiner Hauptaufgabe, den Lueger zu stürzen; daneben leitet er die größte jüdische Cultusgemeinde. — Dr. Vogler hat sich wieder als weitaussehonder Prophet bewiesen. Er kündigte einen Vortrag an unter dem Titel: „Wie wird sich die politische Zunkunft gestalten?" Alles war gespannt; aber bald löste sich die Spannung in eine wohlthätige Ernüchterung auf; als der verehrte Abgeordnete des zweiten Bezirkes mit apodiktischer Sicherheit erklärte: Die politische Situation ist sehr verworren, aber sie wird sich entweder klären oder nicht (wörtlich). Das Gesicht seines Wahlmachers, des Lemberger Germanen, strahlte ob solcher Weisheit. — Hermann Wolf hat endlich seinen richtigen Platz gefunden; er bildet nämlich das Bindeglied und den Uebergang zwischen der deutschen Fortschrittspartei und der Deutschen Volkspartei. Erwachte sich gleich an sein Geschäft, die „Los von Nom"-Propaganda und constatierte zu seinem Schmerze, dass einige Mitglieder der Fortuud Rückschrittspartei bereits „los von Rom" waren, aber gläubig schließlich in Rom landeten, wie zürn Beispiel Mauthner und Dr. L i ch t, er bemüht sich, sie nun zu ihrem ursprünglichen Glauben zurückzurusen, aber ohne Erfolg. Die zweite General-Versammlung der Toynbee-Halle fand am vorigen Dienstag im Vereinslocale unter dem Vorsitze der Herren Prof. Dr. Leon Kellner, Dr. Leop. K a h n, Cassier K r e m e n e z k y und Rich. RapPap 0 r t bei zahlreicher Betheiligung der Mitglieder statt. Der Obmann Herr Prof. Dr. Kellner legte die Principien dar, welche bei der Gründung der Toynbee-Halle maßgebend und entscheidend waren, nämlich einen gemeinsamen Boden zu schaffen für Reich und Arm, Huch und Niedrig, Jung und Alt, für Bildung und Geistesarmut, gesellige Unterhaltung, Belehrung und jüdisches Harmvniegefühl zn pflegen — fern vom politischen Gezänke. Nach dem Muster der Londoner Halle geschaffen, über- .