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Jüdisches Volksblatt · 1902-01-31 · 5 (31.1.1902) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
5 (31.1.1902)
Date
1902-01-31
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 31. Jänner 1902 Seite 5 Nach dem Kaiser-Salamander begrüßte der erste Chargierte Moses »räthe von Actien- oder anonymen Gesellschaften um „Einen die Erschienenen.o Vercinsbruder Lcmchen hielt eine glänzende Ten denzrede. Im Namen der V. I. C. sprach Bnndesbrnder Rosenkranz-Berlin dem Breslauer Verein den herzlichsten Dank für die liebevolle Aufnahme der Delegierten aus. Aus den Reihen der Gäste sprachen die Herren Rabbiner Dr. Gnttmann, Prof. Dr. Badt, Docent Dr. Braun und Kretschmer. Der zahlreiche Besuch bewies aufs deutlichste, dass die Tendenz des Vereines in bei, weitesten Kreisen platzgegriffen hat. Prof. Karl Breystk über „Jesus und die Juden". Das Christenthum ist aus dem Geiste des jüdischen Volkes heraus geboren, ist sein Erzeugnis, seine größte Leistung. Jesus ist so ganz erfüllt gewesen von den letzten und tiefsten Gedanken seines Volkes, dass er uns Nachgeboreneu erscheint wie der fleischgewordene Genius des Judenthums. Alles, aber auch alles, was den Christenglauben hinaushebt über die anderen Religionen, ist jüdischen Ursprungs: so vor allem die unerhörte Inbrunst der Gottesverehrung und die Schöpfung des persönlichen einen Gottes. Beides war jahrhunderte alter Besitz der jüdischen Nationalreligion und Jesus hat an ihm nichts geändert, nichts dazu gethan, noch etwas davon entfremdet. Nicht Griechen, nicht Römer, nicht Germanen haben je den Gedanken eines einzigen höchsten und doch persönlichen Gottes gefunden, und noch weniger hat eines von diesen Herrenvölkern der Weltgeschichte es über sich gewonnen, sich so tief vor den Gestalten seines Glaubens zu demüthigen, wie dieser grüblerische Hirten- und Bauernstamm schon in seinem frühen Mittelalter gethan hat. Neben den größten Besitzthümern des Christenthums aber stammten auch die meisten seiner geringeren Glaubenssätze aus dem jüdischen Erbe: so der ganz eigenthümliche Gedanke eines zur Erde niedersinkenden Gottesreiches und der eines menschlichen, aber besonders heiligen Vermittlers zwischen dem Gott und den Gläubigen, so auch die Idee eines himmlischen Fortlebens der gerecht Befundenen. Und mit dem Hauptinhalt ging auch der wesentlichste Charakterzug der äußeren Form von der alten auf die neue Religion über. mehr als die H ä l f t e" aus Nichtrumänen oder „Fremden" bestehen soll. Ebenso dürfen von derlei Gesellschaften oder Jndustrieunternehmungen die zu ihren Etablissements und zum Fabriksbetriebe nothwendigen ländlichen Immobilien ohne weitere Beschränkung, beziehungsweise früher einzuholende Bewilligung, erworben werden. Nur wenn diese Gesellschaften auch noch andere als die oberwähnten ländlichen Liegenschaften erwerben wollten, muss wieder die Majorität der Verwaltungsräthe der selben aus „Rumänen" bestehen. Zur Motivierung dieser ein schneidenden Abänderungen der früheren Gesetzesbestimmungen bemerkt Minister Disescu wörtlich Folgendes: „Die Verfügungen des Gesetzes von 1887 waren keineswegs dazu geeignet, das fremde Capital anzulocken. Denn nichts ist natürlicher, als dass derjenige, der sein Capital in einem Unternehmen investiert, auch wünschen muss, die Verwaltung desselben nur Personen seines Vertrauens zu übergeben/ Wie also neben dieser Abschwächung der ursprünglichen Gesetzeshärten neuerdings noch schärfere Bestimmungen rücksichtlich der Ansiedlung von „Fremden" in den Landgemeinden Rumäniens verfügt werden können, ist und bleibt ein unlösbares Räthsel, es wäre denn, dass durch dieses neue Gesetz das im Jahre 1900 abgeänderte abrogiert worden wäre. Aber selbst die eingangs erwähnten Modificierung des Herrn A u r e l i a n u ist auch von ganz problematischem Werte, da die rumänischen Landgemeinden nur äußerst schwer eine Aufenthaltsbewilligung ertheilen, und dieselbe obendrein noch vom DistrictspräUcteu bestätigt werden muss. Die Schweizer Juden. Aus Bern wird der „Augsb. Abendzeitung" geschrieben: Heute genießen auch iu der Schweiz die Juden , die Rechte der Staatsangehörigen, da sie nicht mehr heimatlos, son- > dcrn ebenbürtige Staatsangehörige sind. Bis zum Jahre 1848, , seit der Aufrichtung des Bundesstaates und der Einführung der! Bundesverfassung, waren die Juden auch in der Schweiz rechts- > unfähig, sie genossen auch keinen Rechtsschutz und in den meisten Weder Griechen, noch Römer, noch Germanen haben aus ihrem! Canto,icu war ihnen die Niederlafsungsfrciheit entzogen. In .... - o-<. t. „ . .. cv . . . , .! Deutschland hat die Juden-Emcmc,Patron eure raschere Entwicklung Glauben erne Literatur gemacht, wre dre ^uden, deren gesummte , j)lir£(jirtl^cn. Der Hohenstaufenkaiser Friedrich der Zweite war der geistige Thätigkeit sich von je auf diesen einen Punkt concentriert. erste, welcher im 13. Jahrhundert die Niederlassungsfreiheit überhatte. Und wenn das Schwergewicht von Jesus' Lehre ans seinem' Haupt gewährte, rmd seine„Arrthentica" ist eines der merkwürdigsten Sittengebol ruhte, so war doch auch dessen mn°-st-r Kern Misch«.; Ursprungs. kern Europaervolk hat den ethischen Kern ferner. freiheitlichen Bestrebungen der Hohenstaufenkaiser bestehen. Als Religion so klar und deutlich herausgeschält wie die Juden, und , während der Refornration neben den Katholiken auch die lutherische keines anderen Volkes Sittenlehre war so ganz auf dem Grundsatz 1 Kirchauskam, erhielten schließlich btt Religionsfrieden im Reichstag s. o-i-,• c . vv* •£ fl ,, , . cv r -> von Regensbnrg rm Jahre 1865 auch dre Lutheraner mit den Kathoder Nachstenlrebe ausgebaut wre drese. Unzweifelhaft hat e>esu^ , xitcn eine gewisse Gleichberechtigung, aber vorerst nur die Angeeben in diesem Stücke am meisteu gesteigert und ausgehüht, wasj hörigen der'Augsburger Coirscssiou. Erst der westfälische Friede zu er vorfand. Aber wie viel ist nicht damit schon gesagt, dass dieser! Osnabrück iin Jahre 1648 baute das Princip der Gleichberechtigung Verkünder aller Selbstentäukeruna und Knlfsbereilscbast eine 1 weiter aus, ohne jedoch die Juden jetzt schon ui drese Rechte emzu- •Ovttunoei auei -L>ew,lenlauperung uno HNsSvereu,cyasl erne. 6c icr)en Grft burd) bag norddeutsche, bezw. deutsche Reichsgesetz Sittenlehre vorfand, dre er nur zu potenzreren brauchte, um aus; oeti-. die Freizügigkeit vom 1. November 1867, wurde irr Art. 1 das ihr seine „frohe" Botschaft zu gewinnen. Doch freilich, und dies. Glaubensbekenntnis nicht mehr als Niederlassungsbeschränkung aufwurde das tragische Verhängnis im Leben des jüdischen Volkes > recht erhalten und durch das deutsche Neichsgesctz vom 3. Juli 1869, . . . - . 'Z c a r . . J 1. . . . . welches nur euren, aber sehr wrchtrgen Artrkel enthalt, wurden dre wre m dem lemes größten Sohnes, so rern und rrnbedrngt biefe | ^xtbcJu vollends als gleichberechtigt und für alle staatlichen Amtskleine Nation auch alle ihre geistige Thätigkeit dem Glauben gej und Ehrenstellen wählbar erklärt. Und in der Schweiz wurden widuret hatte, sie hatte doch auch ihrer politischen Ideale nicht die Inden durch Volksabstimmung vom 14. Jänner 1866 emangana vrrgesten. ein halbem Jahrtausend war verflossen, se,t! ^ssuugsrechtlich den übrigen Schweizerbürgern gleichgestellt. die Juden ihre staatliche Selbständigkeit verloren hatten, aber, -. ... m tot ., oy. 3 . . y. , ,Ln L . cc ,, s. . l Die Israeliten Russlands. Aus Petersburg wird gemeldet: noch hielten sie fest an der Hoffnung, sie wieder zu gewinnen. <£C1. Senat hat jüngst mehrere das Aufenthaltsrecht der Israeliten Ja, das kleine Zwergvolk, das sich unter dem harten Eroberer- Betreff. Verfügungen erlassen: 1. Die jüdischen Handwerker, welche tritt aller der großen Dynastien und Nationen, die über sein j für eine begrenzte Zeit außerhalb des Territoriums zu wohnen «and dahingeschrltte,. «°r°n. wehrlos gekrümmt hatte, war! AL.» M>- Pnlsua» Kenntdem fast wahnfmnig ehrgeizigen Gedanken emer künftigen Welt-? für eine unbestimmte Zeit arbeiten wollen, müssen vorher eine Herrschaft vorgedrungen. Und wie es bei diesem Volke eines; Prüfung bestehen. 3. Das Aufenthaltsrecht außerhalb des Terrigänzlich religiösen Innenlebens nicht anders sein konnte, aus storiums ist nicht nur den Kaufleuten erster Gilde selbst, sondern auch . » . r. ...r m „ . ifireit Kindern, ivenn sie auch getrennt von ihren Eltern wohnen, diefem politischen Gedanken wurden religiöse Vorstellungen: der- ^.stattet. Bis in die letzte Zeit hatten diejenigen jüdischen Hand- 5?önig-Besreier, der Israel nicht nur von der Knechtschaft erwerter, ivelche um das Aiifeiithaltsrccht in Kiew Gesuche einreichten, lösen, sondern zum Herrn über alle Nationen der Erde erheben' das Recht, acht Tage in dieser Stadt selbst die Aiitwort abzutvarten. tollte wurde ihnen rum Messias rum Weltrickter Und so leise ‘ Verlauf dieser Zeit war cs nöthig, die uothweiidlgen Papiere ,oure, wuroe lynen zum wce,,tas, ffum ^eilrrct)ler. uno fo at|e vorzulegeii oder die Stadt zii verlassen. Der Gouverneiir von und langsam sich auch Jesus von der Ueberlieferung seinens 5fjcw hat dieses Verfahreii geändert. Von jetzt an werden die Volkes losgelöst Hut, hier war der Punkt, wo es nicht nur zur jüdischen Handwerker dieser Stadt, ivelche nach Ablauf von drei Treniluug, sondern zum entscheidenden Gegensätze kam. Jesus hat' '^a6eu "ieht. die gewünschte Erlaubnis erhalten haberl,. verhaftet a nt. > c-t -f v r M r rc 1 r L > und ausgewieie». Zudem haben die Polizeieommiisare den Befehl alle stbrigen Therle der spnhudlschen Ueberlieferung mrt sanfter ^halten, die Aiisweismig aller Israeliten, deren Erlaubniszeit ver- Hand umgemodelt oder gar beibehalleii, die politische Mission flössen ist, vorzunehmeii. Unter aiidcrem folgt hier eiii Beispiel, aber, die ihm der neue, schon ganz fest gewordene Volksglaube das pottstnlidig die^ Nüeksichtslosigkeit der polizeilichcii Bchördeii . 2 . . .... t t tt . „r. .. z. . von Kiew zeichnet: >verr Mliietvitch, mit einem Pafs versehen, kani zuwie^, hat er mit aller Entschiedenheit ab gelehnt. Wohl hat er ju Stadt uiid hatte vor, dort über Nacht zu bleiben. Festsich den Stamen Messias gefallen lassen, aber ,vas er unter diesern geiiominen uiid tnippeiiweise, wie sie die Polizei regelmäßig eiii- 'llmt verstand, daS war in Wahrheit nicht von dieser Welt, richtet, tviirde er etappeiiweise >iach seinem Heimatsorte beförderr. nmllte non ber Relk.Uon her nff« hfo nnTiHfrr.i.t. 9l'lln W dieser ivie ein Verbrecher behandelte Maiin eiii von seinen ^uus wollte von der Religion der ^>atei alle dce politischen, geachteter Kaufmann; überdies hatte er dank ziiletzt auch alle die nationalen Zuthaten loslösen, dw ihm als st-jn^n Passe das Recht, sich in Kieiv 24 Stundeii ailfziihalten. Schlacken in dein lauteren Gold des Gtaubeiis erschienen. Sucht Diese Sache wird voii den Gerichteii ausgetrageu werdeii.^ Nielit inan den Confliet über die Personen fort in die Spüre der großen weniger ernste Dinge haben sich zu Orcnburg ereignet, jüdische Kaufleute, seit zehn Jahren in dieser Stadt etabliert, mussteii ihre Geschäfte aufgeben i»id iu lniigsteiis drei Tagen sich entferiieii. Zu Baku siiid in den lctzteii zivci Jahren mehr als 400 jüdische Famikieli ausgekuieseii worden. Gegenwärtig liimmt iiian dort die Durchsicht der Bevölkerungslisteii vor, um das Aufenthaltsrecht der jüdischen Kailfleute Uiid Beschäftigten zii prüfen. Jii Rloskaii Tsaben die Theaterrlnd Coiicertleiter den Befehl erhalten, .Künstler Mid Milsiker jüdischer Abstammung nicht nnzustellen. historischeir Gegensätze zu heben, so hatten sich damals der religiöse und der politische Genius des Judenthums voneinander geschieden und waren in den schroffsten Gegensatz gerathen. In Jesus hatte sich alle die starke religiöse Kraft seines Volkes zusammengefasst und hatte die unlösbar schemeride Verbindung, in die sie seit Jahrhunderten mit dem Staatsgefühle der Juden gelreten war, aufgehoben. 5kein Zweifel, der jüdische Glaube und - St. Etienne. Beim Empfange des Ministerprädas jüdische Sittengebol waren dadurch wesentlich gesteigert, und sidenten hielt der Rabbiner Che'is eine Rede, in der er zwar in ihrer Stichtnng, aber weit über die bisherige Entwicklung der Regierung dankt, dass sie die Gewissensfreiheit sichere, hinaus anfgehöht worden; aber die alte, nie erloschene Hoffnung Der Ministerpräsident Waldeck-Roussau antwortete, dass a-.is nationale Selbständigkeit war dabei das Opfer gewesen. Ein die Freiheit sich auf alle erstrecken müste. Rassen- und Opfer, das Jesus seinem Volke zu bringen zmnnthete und zu deru Religionshass sei ein Rest der Barbarei, der in einer eo sich doch noch nicht verstehen mochte oder konnte. Soll man . Republik keinen Platz babe. es darüber verdarninen? Und hat unser so ganz national empfindendes Zeitalter dazu besonderen Anlass? Nmnämsche Ansuahmsgesetze. Wir erhalten j-sgende Zuschrift: „Das jüngst vom rumänischen Minister des Innern, A u r e l i a n u, in der Kanlmer eingebrachte neue Fremdeiigefetz stellt sich, trotz der inzwischen von diesem Minister selbst vorgenommenen Modifieierungen, in einen widerspruchsvollen Gegensatz zu den im April 1900 modificierten Abänderungen des rumänischen Handelsgesetzbuches rücksichtlich der in Rumänien zu errichtenden Actien- und Industrie-Gesellschaften. Diese vom früheren Jnstizlninister C. G. Disescu so warm empfohlenen und klar und deutlich motivierten Abänderungen ipeciell der Artikel 114, Alinea 2, und Artikel 122 rc. bestimmen nämlich, dass fürderhin die Anzahl der Verwaltungs¬ Der PrvecsS über die Jndenkrawalle. Aus Küsteudil (Bulgarien) lvird gemeldet: Vor dem hiesigen Kreisgerichte fand dieser Enge die Verhaudlmig gegen 23 Personen statt, ivelche angeklagt waren, an den im vergangenen Sommer Hierselbst stattgcfiiildenen Jndeiikraivallen tbeilgeilonnnen zn haben. Von den Aicgcklagten ivurden Chr. Tomschoiv und Chr. A. Leschtiiika zn je drei Jahren und vier Monaten Kerker uiid St. Z. Peschew zu sieben Tagcil Gefängnis verurtheilt, während die übrigen 20 Angeklagte,: freigesprochei, wurden. Das jüdische Einwandercrasyl. Mail schreibt aus London: Von den 2630, Ivelche im Heime Aufnahme fanden, waren 2101 ans Europa und 208 aus anderen Länderil. Davon haben 67 Pereent Eilgland sofort verlassen, 1007 giengen nach Südafrika, 87 nach Ainerika rmd 3 nach anderen Ländern, lvährend 147 repatriier ivurden. Aber, selbst von den 1010 Einwanderern, ivelche in England verbleiben, wollten, ist ein sehr erheblicher Theil nachweislich nach einiger Zeit iveitergeivandert. Ueber den Beruf der 2360 Einivanderer ivird angegeben, dass 1032 in ihrer Heimat einen ständigen Erwerb hatten, imb dass voll den übrig gebliebenen Bernsslosen 360 Fratlen ltnb Kinder waren. Ter gegenivärtig hier so vielfach gehörte rmd als Vorivand fiir den Kampf gegen die Fremdeln Einwanderilng allsgespielte Vorivlwf der Berufslosigkeit trifft also nur für 16 Percent aller Eiklivanderer zu. Der Gesundheitszustaild der JülUligranten ivar so vortrefflich, dass während des ganzen Jahres im Asyl kein einziger Erkraukuttgssall vorgekonnnen ist, trotzdem die Insassen desselben eine lange Seereise hillter sich hatten. Dadurch wird auch das Gefasel von der „körperlichen Minderwertigkeit", mit welchen die Antialielisten gegen die fremden Einwailderer agitiereil, ad absurdum geführt. Eildlich enthält der Bericht sehr interessante Tabellen über das Alter der Einwanderer, aus denen hervorgeht, dass 71 Percent unter ihnen lveniger als 80 unb 86 Percent unter 36 Jahre alt waren. In der ain 20. Decenlber v. I. abgehaltenen Generalversanlnllilllg des Asyls erklärte der Vorsitzende, Herr Hermann L a n d a u , dass die englischen Juden gar nichts dagegen hätten., wenn das Parlancent sich mit der Frenldenfvage eillgehend beschnftigeil würde, da dadurch die von den „britischeil Brüderu" verbreiteten, lügenhaften Nachrichten ain gründlichsten lviderlegt werden könnten. Er glaube kalim, dass das Parlmnent sich zu einer Erschwerung der Freindell-Einwandernng entschließen werde, da dadurch dein eilglischen Handel lind der englischen Schifffahrt schwerer Schaden zugefügt werden würde. Ueber die Ursache der in England künstlich gezüchteten. Hetze gegen die „Fremden" sprach sich Herr Lnndall dahin aus, dass er es unter Belveis stellen könnte, dass deutsche Antiseiniten Geld nad) England geschickt haben, um daselbst Gesetze gegen die frelnden Juden durchzudrücken. Zum Schlüsse widersprad). Redner der in London weitverbreiteten Ansidft, als wenn das Bestehen des Asyls ein Anreiz mehr für die Frenkden lväre, nach England zn kommen. Das Fremdenheim sei kein Wohlthätigkei'ts-Jnstitnt, da seine Insassen volle Bezahlung leisten lnüssen. Von Den 2850 Personen, welche das Asyl während des Leridstsahres in Anspruch nahmen, haben, sich daher nur 6 daselbst 14 Tage und nur 660 über eine Woche aufgehalten. Die Handelskammer-Wahl im Glmützer Sestrke. (Original-Korrespondenz des „Jüdischen Wolksblatt".) Auf Grund der neuen Wahlordnungen werden binnen kurzer Zeit die Neuwahlen der Handels- und Gewerbekammern in Oesterreich vorgenommen werden. Keine derselben erweckt so unser Interesse, als jene im Olmützer Handelskammer-Wahlbezirke, in welchem es zu einem heißen Kampfe zwischen den Deutschen und Czechen kommen dürfte. Ausschlaggebend werden wie bisher die jüdischen Handelskammer-Wähler sein, welche, den vierten Wahlkörper ausgenommen, in den übrigen Wahlkörpern der Gruppen des Handels sowohl, wie auch des Gewerbes über mehr als ein Drittheil der Stimmen verfügen. Kein Wunder also, wenn die jüdischen Wähler von den Deutschen, wie immer zur Zeitvorden Wahlen, viel umworben sind. Man lese nur die liberalen Blätter, die einen Dithyrambus über den anderen der Charakterfestigkeit und dem Opfermuthe jüdischer Ueberzeugungstreue widmen. Sie triefen förmlich von Liebe zu den jüdischen Mitbürgern, sie schwärmen selbstverständlich für die Gleichberechtigung mit den anderen Staatsbürgern, und es wimmelte nur so darin von derartigen hohlen Phrasen und leeren Gemeinplätzen, während es eine unbestrittene Thotsache ist und bleibt, dass unter der Herrschaft^ der bisherigen liberalen Majorität, die nur mit Hilfe der Juden möglich war und ist, es ein Jude nicht ei nm al zu einem A m t s d i e n e r der H a n d e l s k a m m e r, q e s ch w e i g e den« zu einem Kanzlei- oder gar Conceptsbeamteu bringen konnte. Wie wird es nach dieser Richtung wohl aussehen, wenn infolge der vorzuuehmendeu Neuwahlen gar die ehrenfesten Vertreter der declarierten Antisemiten, die Angehörigen der Deiltschen Volkspartei und jene der Alldeutschen ihren Einzug in die Handelsnud Gewerbekammer halten werden? Und dass sie sich hierzu antschicken, beweist die Zusammensetzung des Central-Wahlcomitos, in welchem ihnen von acht Sitzen deren drei eingeräumt wurden. Interessant ist hierbei die Thatsache, dass es die Herren über sich gewinnen konnten, in diesem Wahlcomite auch mit zwei jüdischen Mitgliedern desselben zu berathen und zu beschließen, während sie tags zuvor vielleicht mit unter denen gewesen waren, welche den Olmützer Turnverein judenrein machen wollten. Consequenz und Charakterfestigkeil kann man ein solches Vorgehen zwar nicht nennen, aber wie sagen die von den Alldeutschen so heftig bekärnpften Jünger des heiligen Ignatius von Loyola: „Der Zweck heiligt die Mittel", und so wendet man sich mit deutscher Treue, mit deutschem Mannesmuthe an die sonst aller Schlechtigkeiten fähigen, eklen Juden und apostrophiert sie ausnahmsweise als die „geehrte n i s r a e l i ti s ch e n W ü h l e r". Nicht viel besser sieht es nach dieser Richtung ans der anderen Seite, bei den Czechen, ans. Ihre Organe waten unausgesetzt im Schlamme der gemeinsten antisemitischen Hetze, welche praktisch in der Bethätigung des Boycotts zum Ausdrucke kouunt. Die autonomen Verivnltungen jener Städte, die sich unter czechischer He rschaft befinden, überbieten sich in Lieblosigkeit gegenübrr den Juden, und zahllos sind die Bexativnen, unter denen diese schwer zu leiden haben. Obgleich die Juden speciell in den Orten mit einer überwiegend ezechischen Bevölkerung sich seit Jahren in ihrer großen Majorität an

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