Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 5 (31.1.1902)
- Date
- 1902-01-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Wien, Freitag JÖdL-dit's Volksbln.lt bl. Jänner i‘,)02 Seite 3 tionalitaten, als unhaltbar aus der Praxis verschwinden. Und wahrhaftig, in diesem, theoretischen Staate ist auch der vielgepriesene Liberalismus nur grauc Theorie, der sich in der Praxis, im öffentlichen ltnb privaten Leben verteufelt schwarz an sieht. lieber die ^Stellungnahme der Inden in Ungarn zu allen dteseir Erscheinungen werden wir in einem nächsten Artikel berichten. Heute schließen wir mit der Variation des Wahlsprnches des „größten Magyaren" Szecheuyi: D e r A n t i f e m i t i s m u s i n 11 n g a r n tu n r n i ch t, s o n d e r n w i r d e r st s e i n. Die Jüdischnationalen außerhalb Gesterreichs. Unser Programm ist zu jung, als dass wir genaue Berichte über die Stimnumg haben könnten, in die es Freunde und Feinde versetzt hat. Aber so viel kann schon jetzt ruhig behauptet werden, dass es nicht nur unseren Freunden gefallen, sonderir auch vielen unserer Gegner in sehr wichtigen und wesentlichen Punkten weniigsteuS durch die präcise Fassung und die loyale Sprache geradezu imponiert hat. Trotzdem aber sind wir einigen Haupteinwürfen begegnet, die, wenn sie nicht besprochen und znrückgewiesen werden, immer wieder aufs neue nüederholt werden können. Ein solcher. Haupteiuwand, den man gegen unser Programm gemacht hat, ist, dass es zu wenig, ja gar keine Rücksicht nehme aus die nichtösterreichische Judenheit. In eiuenr gewissen Sinne, streirg wörtlich genommen, ist dieser Einwand nicht einmal formell richtig. Denn das Programm nimmt ja sowohl im ersten wie im fünften Absätze Stellung zu allgemein jüdischen Problemen. Das Bekenntnis zur jüdischen Nationalität, das Betonen des Iüdisch-Volklichen in erster Linie, sind das nicht Dinge, welche die selbstverständliche Basis bilden für eine jede wirklich jüdische Bewegung, wie sie sich auch immer nenne. Und dann im letzten Abschnitte, Ivo die Stellungnahme zu den politischen Zionisten präcisiert wird, ist diese psychologische Fassung des nationalen Prineips nicht etlvas, was die Juden aller Erdtheile angeht? Ist diese mehr secundäre Betonung des Territoriums, die besondere Hervorhebung der physischen Znsammengehörigkeitsmerkmale nijcht eiw Postulat allgemein jüdischen Wirkens? Handelt es sich hier um eine Auffassung, die, ob sie nun richtig oder falsch ist, .die grüßte Bedeutung hat für alle möglichen jüdischen Bestrebungen au allen Ortend Wie man sieht, wenn man diesen Haupteinwand lvörttuq nimmt, so ist er unhaltbar. Aber wir sind selbst zu loyal, zuzugestehen, dass im Verhältnis zu den sonstigen programmatischen Behandlungen speeifisch österreichischer Fragen die allgemein, jüdischen zurücktreten unb gewissen maßen in quantitativer Beziehung eine fast dürftige Nolle spielen. Man vergesse aber nicht, dass das Programm einer jüdischen Volkspartei in Oesterreich selbstverständlich sich hauptsächlich mit österreichischen Dingen befassen müsse. Trotzdem, enthält dasselbe direct einige nicht un- IklmWCIINMi Der Jude in Georg Krandes. (Zu seinem 60. Geburtstage.) In Kopenhagen, Stockholm und in Christiania rüstet mau zur Feier des 60. Geburtstages des dänischen Literarhistorikers Georg Brandes, der am 4. Februar 1842 geboren wurde. Ein an Arbeit und Ideen, an Forschung und Kritik reiches Leben liegt hinter ihm. Die ganze literarische Welt schließt sich dieser Feier an, denn sie weiß, was dieser dänische Denker für die Weltliteratur bedeutet und alle wissen auch, dass dieser dänische Denker eigentlich ein Jude ist, alle, mit Ausnahme vielleicht von ihm selbst! Denn Georg Brandes ist Jude, sein voller Name lautet sogar: Brandes-Cohen, aber er ist uur ein sogenannter Matrikeljude, seine Geburt ist in den Matrikenbüchern der jüdischen Cultusgemeinde Kopenhagens eingetragen und dieselben Bücher werden wahrscheinlich auch dereinst das Datum seines Todes enthalten, sonst aber weiß er vom Juden und Judenthum blutwenig. Er selbst bekennt es in einem Schreiben an den hebräischen Literaten R. Brainin*) und in einer Unterredung mit Dr. E h r e n p r e i s.**) Er verräth seine jüdischen Gefühle nicht, selbst wenn er specielle jüdische Themen bearbeitet, wie das biblische Buch „Hiob" und das „Hvhelied" oder die Arbeiten über Ferdinand Lassalle und Disraeli-Beaconssield. Uebrigens kämpft er ja in allen seinen Schriften gegen die religiösen und nationalen „Borurtheile", welche er verdammt und als überlebt bezeichnet. Aber manches, das ein Mensch bewusst nicht denkt, drängt sich unbewusst aus den Tiefen seiner Seele hervor. Auch die Art des Denkens wird vererbt, unb wie originell und genial der selbständige Dichter oder Kritiker auch fern mag, in seiner Art und Weise erkennen wir in großen Zügen die Erbschaft, welche den traditioncllen nationalen Stempel trägt. Sv erkennen wir in Heine den dichterischen Schwung Jehuda Halevis und den scharfen Witz des Charisi, obwohl die Zeit ihres Schaffens weit auseinander liegt und Heine von ihnen kaum mehr als den Namen gekannt haben mag. So wird der Psycholog unschtver in Brandes' kritischem Talente den alten Geist der talmudischen Chilukim wiedererkennen, *0 Siehe „Wiener Tagblatt" 1895. **) „Die Welt" 1901. wesentliche Winke, für das Verhalten der Inden in anderen Ländern. In Russland und Nnmänien können die Juden keinen politischen Kamps führen, weil es in Russland überhaupt keine Politik durchs Volk (sondern höchstens eine fürs Volk) gibt, und weil in Nnmänien, in einem Lande mit stark demokratischer Färbung, allerdings mehr in formeller: Beziehung, die. Inden eine direct geknechtete Menschenschichte darstellen. Was sollen die Inden in diesen Ländern machend Sicherlich, so wird man ansrnfen, gibt hier das Programm gar. keine Winke, ans diese Ver hältnisse wird nicht einmal ein indirecles Streiflicht geworfen. Diese Argumentation hat scheinbar sehr viel für sich, und dennoch ist sie, bei Lichte besehen, nicht richtig. Es ist wahr. Die jüdischen Massen in Nussland und Rnmänien haben es nicht so gut, lvie die Inden in Galizien und Mäbtan. die Baltkit' nnicktl'it könnten, wenn ne es INN' __ Gruppen, .... ... ___.ri.„ ... Assimilation gemeinsam haben, betrachten die Politik als (ymntitö nögligeabk». Folglich ist ein Bemühen, politische Rechte zu erkämpfen, nmnüglich. Von diesem Standpunkte aus hat allerdings die vorbereitende politische Thätigkeit keinen Siirn und Zweck. Man muss doch unterscheiden' zwischen dem absoluten. Ausland mid dem constitntionellen Nnmänien. Es ist bekannt, und ein jeder Kenner der Verhältnisse gibt es offen zu, dass die Inden in Rumänien schon zweimal die günstige Gelegenheit, politische Rechte zu erkämpfen, verpasst haben. Darf uns das bei der geringen politischen. Schulung der fübrcnbcit Persönlichkeiten wundernehmen? Die Juden Rumäniens müsse!: eben trachten, sich ans die politischen Rechte, die sie vielleicht unter dem Drucke der rvirtschaftlichen Missstände des Landes oder unter auswärtigen Einflüssen doch über kurz oder lang bekommen können, wir sagen bekommen können und nicht bekommen müssen, vorbcreiten, damit sie einst diese blechte handhaben können. Wenn jetzt die rumänifchen Juden. Rechte bekämen, sie würden, sie nicht zu gebrauchen wissen. Dann noch etwas. Es können; Eonstellationän. eintrcten, Ivo man den Juden blechte gewähren, würde, trenn sie; sie energisch verlangen tvürden. Kann, das eine politisch-unvorbereitete, ungeschulte Masse? Lord Salisbury hat einmal gesagt: „Mir: ist von einer Jndensrage in. Rumänien officiell nichts bekannt." In der Thal. Die Armenier schreien, die Bulgaren in Maeedonien wüthen, die Juden in Nnmänien. schweigen vor ganz Europa. Heutzutage erhört man nur diejenigen^, die ihre Stimme laut ertönen lassen. Wie bereitet man nun ein Volk vor? Das beste Mittel hierfür hat schon Lassalle verkündet durch das Aussprechen dessen, was ist. Nicht durch Erweckung von Hoffnungen, nicht durch Schürung der Auswandererbcweguug reift eine Menschenschichte zu. einer politisch bewegbaren Masse heran. Rumänien' bedarf einer nationalen Propaganda, einer Kritik der bestehenden Verhältnisse im Großen, die möglich ist auch ohne das Versammlnngsrecht, das im übrigen den Juden im vorsichtigen Besprechen rein jüdischer Angelegenheiten nicht einmal in Rumänien ganz verkürzt wird. Aufklärung der Brasse über ihre Lage, Erziehung, das lhnt noth, damit, nicht wieder die Gelegenheit verpasst wird. lind dann: Politik und Wirtschaft gehen Hand in Hand. Wiederum verkünden wir, im Gegensätze zu den anderen Gruppen, diese einfache Wahrheit. Wenn die Inden in Rumänien langsam. und allmählich wirtschaftlich gekräftet werden, durch (Gründung von Ereditinstiknten, Sparcasseu, Genossenschäften, aller Art, tvenu sie ein stramm ökonomisch orga• nisiecter Körper sein werden, dann werden sie besser vorbereitet sein für den Moment der Befreinuug. Der Kampf in Rumänien kann nur von den in den. europäischen Großstädten sich befindlichen rumänischen Inden geführt werden, und er würde sogar sehr rasch zu einem Ziele verhelfen, tvenu die Iüdischnationalen im Westen über eine Presse verfügen würden, über die sie jetzt eben nicht verfügen. Die Bulgaren, die Armenier hört man, v o n d e n V e r - folg n n g e n d e r I u. d c it i n. R n nt. ä n i e n s ch w e i g t m e i st e n s die sich d e n t s ch n a t i o - n a l gebe r. dend e j ü d i s ch e P r e s s e. Der Kampf in Rumänien seihst kann mir in der Ivirtschaftlichen Organisation und in der reinen Aufklärung über politische Dinge? geführt werden. Und selbst, wenn dann die Juden ihre! Rechte nicht bekommen würden, die politisch vorbc- I reitende Thätigkeit würden nicht umsonst vollbrachte Ar-! beiten sein. Das ist ein Wink, den das jüdisch-nationale! Programm gibt. Selbstverständlich kann eine andere Rich-- j hing, die diese Verbindung zwischen ivirtschastlicher und i.politische Thätigkeit einfach nicyt kennt, für diese vorbereij teude Wirkung nicht die nöthige Plattform finden und wiewohl Material und Form himmelweit voneinander abweichen. Der Geist der talmudischen Kritik, die haarscharfen Unterschiede mancher Gedankenformeln einerseits und die geniale Zusammenfassung mancher Jdeengänge andererseits hat sich in Brandes vererbt und spiegelt sich unbewusst in; seinen ,Hauptströmungen der Literatur des 18. Jahrhunderts" j wieder. ’ Das ist der Jude, der bei Brandes in der Tiefe seiner Seele steckt und unbewusst in ihm arbeitet. Brande; kennt das Judenthum nicht, aber das Judenthum kennt ihn. er ist ein Product seines nationalen Geistes, ein lebendiges Beispiel seiner Art. Auch Brandes ist eines jener Kuckucks- Eier, welche das Judenthum aus Mangel an eigener Schrolle. im Schoße fremder Nationen ausbrüten lässt, und eS ist fein | Wunder, wenn der Sprößling, der im fremden Volke heranwächst, seine eigene Mutter nicht wieder erkennt. Beinahe hätten wir gesagt, dass auch sein Skepticismus gegenüber dem nationalen Gedanken jüdisch ist, in dem Sinne, dass das Judenthum in einem Zeiträume von zweitausend Jahren unter verschiedenen Völkern, Sprachen und Sitten sich entnationalisiert hat, aber der tiefe Blick bei Brandes für die feinen psychologischen Unterschiede der einzelnen Völker lässt diesen Gedanken nicht zu. Besonders in den letzten Decennien, da die jüdisch-nationale Idee so starke Wurzel gefasst hat und eine Reihe der besten Denker für sich gewann, da hätte man auch einen Georg Brandes in dieser Reihe vermuthen müssen, wenn er etwas mehr jüdischen Geist in sich ausgenommen hätte. Von Leo Tolstoi wird erzählt, dass er auf das Ersuchen, etwas über die jüdische Frage zu schreiben, zur Antwort gab, er müsse vorerst die jüdische Literatur im Original kennen lernen, bevor er sich über diese Frage äußern könne. Etwas Aehnliches dürfte auch für Brandes zutreffen, denn auch er kennt die jüdische Literatur nicht. Er ist zu sehr Europäer, um Jude zu sein, und zu wenig vom jüdischen Gefühle genährt, um national fühlen zu können. Aber den vielen großen Geistern, welche das Judenthum gezeugt hat, ist Georg Brandes-Cohen entschieden zuzurechnen, und wir dürfen mit einem Gefühle von Genugthnung das alte Wort wiederholen: „Auch dieses Kind haben wir der Menschheit geschenkt!" kl. A, B. Referate von der Wiener Vertrauensmänner-Conferenz der Jüdischen Volkspartei. (Referat Dr. Weisengrüns.) (Programm und Organisation.) (Schluss.) ‘ Werte Parteigenossen! Nicht so kurz kann ich beim letzten, vielleicht wichtigsten Punkte unseres Programmes verweilen. Gesiattcn Sic mir zunächst iu wenigen Worten, die Geschichte der Beziehungen zwischen den jüdischen Volksvereinen einerseits und den politischen Zionisten andererseits zu erzählen. Der jüdische Volksverein wurde von einigen Männern begründet, welche ans dem Schoße des Zionismus hervorgcgangen sind. Ehemalige zionistische Studenten waren es hauptsächlich, welche diese Organisation ins Leben riefen. Sie ivaren der Ansicht, dass das stete Hinschielcn nach Palästina, um es populär zu sagen, die Judenstaatlerei nicht in den Vordergrund zu schieben sei, sic wollten die Juden hierzulande organisieren und strebten eine politische und wirtschaftliche Gegen - wartsarüeit an. Vor dem Hervortreten Herzls, vor dem Begründen des politischen Zionismus war eine solche Strömung innerhalb der ncitionaldenkettden Judenheit, war eine Differenzierung zwischen Zionisten und Jüdischnationalen deshalb uiinöthig, weil es damals so etwas wie Jndenstaatlerei höchstens nur als Ansatz, als keimartiges Entwicklnttgsmoment gab. In dem Augenblicke, als Zionismus fast identisicicrt wurde mit der Begründung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina, in dem Momente, wo nicht allein die Gegenwartsarbeit, sondern mich die nationale Erziehung des Volkes, der wirtschaftliche Colonialzionismus in den Hintergrund traten, in dem Momente mussten die Realpolitiker, wenn auch mir schwerem Herzen, sich zri einer gesonderten Organisation entschließen. Was geschah nun? Langsam sahen auch die polnischen Zionisten ein, dass eS mit der Jndenstaatlerei allein nicht gehe, und Eongress auf Congress vollzog eine stete Revision, ivenn auch nickt der Grundanschmmngsweise, so doch der Parteitaltik. Der letzte Eongress gibt dieser Bewegung einen provisorischen Abschluss. Die politischen Zionisten haben sich uns, was das wirtschaftliche GegenwartSprogrmnm betrifft, sehr stark genähert. Allerdings bleibt noch ein großer Unterschied. Sie wollen Gegenwartspolitik treibe», aber mir wirtschaftliche, keine p o l i t i s ch e. Wir wollen, ja wir müssen beides thun. Warum, hat Ihnen Herr Rappaport bereits erklärt. Das ist in wenigen Worten die Be- Ziehting zwischen den politischen Zionisten und den Volksparteilern, und es ist nicht Ivahr, dass persönliche Gründe, dass kleine Nucmcunterschiede der Taktik, wie vielfach geglaubt (ja, bis in tursere Reihen geglaubt ivird), die beiden Gruppen trennt. Bor allem sind keilte Divergenzen persönlicher Natur, das muss ausdrücklich betont werden. 'Ich für meine Person nehme keinen Anstand zu erklären, dass ich nur wenige Parteien der Welt kenne, die so viele Idealisten zählt, wie die zionistische, und was kann man in unserett Lagen, ivas die persönliche Seite betrifft, von einer Partei Lobenderes erivühnen? Indessen trennt uns von deir politischen Zionisten iticht nur das Postulat der politischen Gcgenwartsarbeit, auch die Grundanschaungen beider Gruppen ist eine verschiedene, lvie der letzte Abschnirt unseres Programms eben zeigt. WaS macht eine Nationalität ans? Welches ist das Wesen der national bildenden kiträfte, die tief im Schoße der Geschichte zu schlummern scheinen? Gestattete Sie mir, in kurzen Worteit ein ivenig Bölkerpshchologie zu treiben. Im Anfang, so lehrt die Socivlogie, war die Horde. Das heißt am Anfang einer beslimmtett Organisation der Menschheit^ Die Horde selbst hat sich etitnückelt ans Dhibcltt von Menschen, die gleich den meisten Thiergrnppen nur die ittdividuelle Nahrung suchten, die dumpf dahinlebten vhtte besondere spccifieierte wiutscheFtliche Thätigkeit, ohne das eigentliche Phantasieteben, mit mn schwachen Ansätzen zu einem religiösen Empsindett. Ans diesen Rttdel» hinaus entioickelte sich die Horde. Mit ihr beginnt die primitive Organisation der Menschheit. Stänune entstehen, Reihen von Stämniett schließen sich ztieittattder, die getirile Verfassung ebginnr zu blühen, eine tnächtige Verfassung, in der ebett das Lerritoriutn, das lehren die meisten Sociologen, nicht die Basis der Organisarion bildet. Blutsverivandtschaft ist die Basis der primttivett Organisation der Menschheit. Im vorstaatlichen Leben der Völker spielt das Territorimtl mit allen darauf fußenden Organisaliottssormeit eine geringfügige, ja tutr dürftige Rolle. Die irokesische Getis, der griechische Bund von Siätntnen, die gerntanischen Stänune, sie ivaren alle auf der Basis von Familienbeziehungcn ursprünglich organisiert. Betrachten wir die Germanen. Sie ziehen von Gegend zu Gegend, keine Liebe zur Scholle charakterisiert naturgemäß die hermnziehenden Völker. Das Srammesgcfühl kennt nur die Liebe zum.StnmmeSgenossen, die Liebe zur Scholle koni'int erst viel später. Wir müssen aus diesen Ausführungen, meine Herren, die Lehre ziehen, dass auch wir . Juden keineswegs unser innerstes ttationalcs Wesen mit dem Begriffe^des Landes verknüpfen können. Im Socialen spielt immer das Hinzugekomtnene, das Reiseproduct die Hauptrolle, im Nationalen das ursprüngliche, das tieshistorische Eletnent. Das, meine Hererit, bitte ich zu beachten. Ich will mir die weiteren Ausführnngen ersparen. Sie gehören mehr in das Gebiet der Wissenschaft, als in das der Politik. Aber in aller Eile musste auch hier das wissenschaftliche Gerippe gezeigt werden. Die ivisscnschastliche Begründung