Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 4 (24.1.1902)
- Date
- 1902-01-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 24. Jänner 1902 Seite o Nr. 4 fortgesetzt gezwungen wurden, und aus der Inzucht, alles Momente, deren Beseitigung oder Beschränkung der Redner in der heutigen Zeit für möglich und nothwcndig hält. Eine Million für wohlthätige und gemeinnützige Zwecke. Aus Frankfurt wird geschrieben: Abermals ist irr unserer Stadt eine große Stimme für wohlthätigc ititD gemeinnützige Zwecke gestiftet worden. Gestern Nachmittag machte Herr Mar B. H. Goldschmidt Herrn Oberbürgermeister Adickes die Mittheilung, dass seine Frau — die zweite Tochter des Barons Wilhelm v. Rothschild .- zum Andenken an ihren Vater, der am 26. Januar 190 L gestorben ist, eine Schenkung von einer Million Mark errichte. Bekanntlich hat die ältere Tochter, die Baronin Edmonde de Rothschild in Paris, schoir früher einen gleichen Betrag für ein Sanatorium im Tamms bestimmt. Jüdischer Gemciude-ConaresS in Jassy. Seit Monaten be gcnormncn, den Cougresü in Fvcsani abzuhalten. In Verbindung Mit Herrn. Broeiner haben der Bezirkspräsident Goldenthal und Rabbiner Dr. Niemirolver neue Einladungen zum Congressc ergehen lassen. Am 25.. 2li. und 27. December a. St. tagte im Schnllocal „Cnltnro" der Cemgress. Einnnddreihig Geineinden waren vertreten. Wenn auch das offieielle Bukarest und einige kleinere Ortschaften-nicht vertreten waren, sv ist doch dieser Congress, im Vergleiche zu dem im Jahre 1896 in Galatz, an ivelchem bloß gegen zwanzig Geineinden vertreten ivaren, als großer Fortg, erste Sitzung: Gegen fünfzig Delegierte, Vertreter der jüdischen und rumänischen Presse und ein zahlreiches Publienrn lch^..gtz^osend. Der Präsident zeigt, lute schon vor Jahrhunderten die jüdischen Communitäten und Rabbiner anerkannt waren, schildert die gegenwärtige Lage der jüdischen Gemcindeir und die Nothwendigkeit einer gemeinsamen Organisation. Rabb. Dr. Niemirolver fordert die rumänischen Juden zur Vereiriigung ans, schildert die Bedeutung der Cvngresse in Israel, die Wichtigkeit Jassys in der Geschichte der rumänischen Inden nnd schließt mit einem Appell an die rumänische Regierung, im Interesse Ruinänieus den Juden eine Organisation zu geivähren und mit einem Appell an die Vertreter der Juden, iin Geiste des Jndenthnms und im Dienste der Stammcstreue zu wirken. Herr Agent-Braila betont den zionistischen und Rabb. Dr. Nacht den zionistisch-orthodoxen Standpunkt. Z >v eite S i tz u n g. Die Gründung eines jüdischen Gemeindebundcs ivurde beschlossen und die von Broeiner vorgeschlagenen Statuten mit eingen Aenderungen angenommen. Rabb. Dr. Niemirolver beantragt, dass in religiösen Fragen der Gemeindebund den Rath einer Rabbiner-Commission im Lande anznrufen und zu befolgen haben soll. So lange aller in vielen Gemeinden die Stellung der Rabbiner nicht präeisiert ist und es viele „Luftrabbincr" gibt, soll der Gemcindebund die Pflicht haben, in religiösen Fragen den Rath 12 ausländischer Rabbiner verschiedener Länder einzuholen. Nach einer langen Debatte, an der die Herren Brociner-Braila, Dr. Morgenlies, Kaufmann, Horolvitz- Jassy, Rabb. Dr. Nacht-Focsaui theilnahinen, wurde dieser Antrag angenommen. Abends fand in der zionistischen Lesehalle eine Versammlung statt, in der Dr. Gelehrter, Rabb. Dr. Niemirolver und Herr Agent-Braila über „Jüdische Schulideale" sprachen. Zweiter Tag, dritte S i tz u n g. Es wurde beschlossen, ein Central-Eomitee des Gemeindebundes zu wählen, aus 11 Personell bestehend, eitlem Präsidenten und 6 Mitgliedern in Bukarest und II in Jassy. Die Wahl der Bukarester wird später uach Vorschlag des Präsidenten auf schriftlichem Wege vorgenommen lverden. Es lvurden gewählt als Präsident Josef Broeiner-Bukarest und ins Comitc A. S. Goldenthal, Rabb. Dr. Niemirower, Fabrikant Müritz Wachtel, Ingenieur Finkelstein und Kaufmann Sal. Nappaport. Per Acclamation ernannte man ans allen Geineinden des Landes Beiräthe. Vierte Sitzung. Die lvichtige Frage von „More Indaico", die alle Gemüther erregte, stand aus der Taaesordnuna. ' Sechste Sitzu n g. Dr. Steuermann referierte über die Schulproaramme. Rabb. Dr. Nacht schilderte unter großem Beifall die Wichtigkeit des Religionsunterrichtes für die Schüler höherer Schulen. Folgende von Rabbiner Dr. Niemirolver gestellte und begründete Anträge lvurden angenommen: 1. Der Gcmcindebund soll sich bestreben, einen Lchrcr-Congress cinzubernfen, der über die Hebung der materiellen und moralischen Lage der Lehrer, Anlegung eines Peilsivnsfondcs, Gründung eines Lehrerverbandes und Feststellung der Schnlprogrammc berathen soll. 2. Der Gemeindebund soll btc jübifcOcn Zeitungen im Lande erslichen, sich in regulärer Weise mit den theoretischen und praktischen Fragen des Schulwesens zu beschäftigen, tz. So lange das Ideal der rumänischen Juden, die Gründung eines hebräischen Seminars, nicht zu erfüllen ist, Zoll die Jca und die Alliance ersucht lverden, die rumänisch-jüdischen Schüler der Ecole normale, besonders für das Fach des hebräischen Unterrichts in Rumänien vorznbcreiten. 1. Der Congress erklärt es als heilige Pflicht der Gemeinden, dafür zu sorgen, dass die Schüler und Schülerinnen der Secnndarschnlen zur Theilnahme all jüdischem Neligiorisnnterricht verpflichtet werden, 5. Der Coilgrcss erklärt es als eine heilige Pflicht jüdischer Eltern, ihre Töchter im jüdischen Geiste zu erziehen und sie vor fremdem Geiste (Nonnenschulcn) zu beivahren. (>. Der Congress erklärt,cs als Pflicht der Gemeinden für Abhaltung von Vorträgen über jüdische Geschichte und Literatur Sorge zu tragen. 7. Der Congress spricht den Wunsch ans, dass man in ben jüdischen Schulen auf körperliche Erziehung (Reinlichkeit und Gymnastik) Gewicht legen soll, dass in Bezug auf Religion, auf die praktische Uebnng einerseits und Hebung des Gefühls durch Jugendgottesdienste mit Schülerpredigt andererseits, zu achten ist, dass der Geschichtsunterricht sich auch auf die nachbiblische Zeit bis auf die Gegenwart, erstrecken soll und dass die hebräische Sprache, so weit als möglich, als lebendige, uach den neuesten Methoden unterrichtet werden soll. Der Journalist Max Kaufmann referierte über die Emigration und schilderte die Geschichte derselben. Der Congress sprach auf Antrag.Kaufmanns den ausländischen Gesellschaften, lvelche die Emigranten unterstützten, seinen Dank aus und brachte den Wunsch zum Ausdrucke, dass die Gemeinden die zurückgebliebenen Emigranten-Familien unterstützt und die ausländische Philanthropie das Emigrationswerk fortsetzt. Der Referent Juster-Berlad führt aus, dass nur die Gemeinden und nicht die Behörden das Recht haben, Schochtem zu ernennen. Rabb. Dr. Niemirower protestierte gegen die Jassyer Behörden, die sich die Vormundschaft in der Schochtem-Frage anmaßen. „ Referat Moritz Wachtel ermahnte die Gemeinden zur Besserung der Lage der Lehrer und Rabbiner. Dr. Steuermann referierte über „Die Inden in der rumänischen Presse und die jüdische Presse in Nmnänicn" und regte die Gründung eines jüdischen Tagblattes an. Präsident Broeiner hielt die feierliche Schlussrede und Rabb. Dr. Niemirolver das Schlussgcbet für den neuen Gemeindebund, für die verschiedenen Alliance-Gesellschaften, den Bnei-Brith-Ordcn, für Zionsvereine und Gesammt-Jsrael. Abends veranstaltete die Bnei-Brith-Loge ein Bankett, bei lvelchem die Herren Josef Brociner, A. S. Goldenthal, Dr. Niemirolver, Dr. Nacht, Agent, Brociner-Braila, Kohn-Podul-Jloaei, Adler-Gaesci usw. Toaste hielten. Der frühere Antisemit Rosianur, der alle Gemeinheiten der Antisemitenliga in der Presse enthüllte, stellte sich ein und hielt eine Ansprache. Broeiner wies in seiner Antwort auf den Patriotismus der Juden und auf den Umstand hin, dass, nicht, die wahren Rumänen, sondern die Griechlinge die Judenfeinde sind. Die rumänischen Zeitungen bringen lange Berichte über den Congress, und heben es hervor, dass fast alle großen Gemeinden des Landes, wie Galatz, Braila, Peatra, Necrmtz, Dorohoi, Roman, Folticeni, Constanta Hnsi usw. bei dem Congresse vertreten waren Jsraelowitz. Narciss Lelvin und Salomon Reinach, die ihre Stimme gegen diesen Schwur in Rumänien erhoben. Broeiner und Agent-Braila verlangten stürmisch, dass alle Synagogenbehörden, Rabbiner, Vor-1 beter und Schamnssim jede Hilfeleistung bei diesem Schwure Verwesern, damit die ganze Jndenheit des Landes gegen denselben! demonstriert. Präsident Broeiner rieth zu einer friedlichen Petition j an den Jnstizminister. Nach erregten Debatten, an welchen auch; Inster. Wachtel und Dr. Margnlio theilgenommen, wurde der An-! trag Broeiner, Agent in milder Form, und auch der des Präsidenten angenommen. I. B. Broeiner schlug einen „Modus" vor, lute man nach den neuesten rumänischen Gesetzen jüdische Wohlthätigteitü-Anstalten in legaler Weise organisieren könnte. Auf Antrag Bernfeld ivurde das Comitee des Gemeindebnndes beauftragt, nach dieser Richtung alle Schritte zu machen. Die Herren A. S. Goldenthal und S. Janovici referierten über die Nothlvendigkeit der Gründung einer Ackerbau- und Handlverkerschnle in Jassy. Sie zeigten in klarer Weise, lvelche Bedeutung eine solche Schule für die rumänischen Inden haben könnte, lvelche Erfolge die jüdischen Ackerbauer in Canada und hier im Lande zu Senke,li, aufzulveisen haben, lvie der den Jassyer Juden gehörige, in der Nähe des' Friedhofes liegender Boden, nach autoritativen Gutachten sich zu diesem Zwecke eignet und dass die Jassyer Bnei-Brith-Loge für diese Schule 5000 Francs gespendet. Unter gab dem Projecte der Gründung einer Ackerbau- und Handwerker schule in Jassy seine Zustimmung. , Abends hielt der Schriftsteller Dr. Steuermann einen lehr- - reichen Vortrag „Die Jassyer in der Geschichte der rumänischen Juden und die rumänischen Juden in der Geschichte Jassys". Er begann mit dem 15. Jahrhundert und schloss mit den antisemitischen Brutalitäten des 1.6. Mai 1S99. Herr Agent hielt einen humoristischen Vortrag. | Dritte r T a g, fünfte S i tz u n g. Die Frage der Organisation der jüdischen Handwerker stand auf der Tagesordnung. Die Arbeiterdelegierten Michael Gvldenthal und Buchbinder Rosenfeld suchten einen Gegensatz zwischen Handwerkern und ' Nichthandwerkern heranfzubeschlvörcn, lvas andere Delegierte ver-1 anlasste, den Luxus der Handlverker zu geiseln. Rabb. Dr. Nie- 1 mirower protestierte sowohl gegen den ClassenhasS, den man von ' in Bukarest, Jasty, Galatz, Botosani ustv. zu wählen ist, in Vor bindung mit dem Central-Comitee zu arbeiten habe, wurde angenommen. Hierauf hielt der Rabb. Dr. Niemirolver sein Referat über „Die Vertheidigung der Moralprincipien des Judenthums". Unter frenetiscljem Beifall beschloss der Congress dieses Referat zu drucken und in tausenden von Exemplaren im Lande vertheilen zu lassen. Nova ex Rumania. (Original-Corcespondenz des „Jüdischen Volksblatt".) Bukarest, im Jänner 1902. Mit der Verzweiflung eines verlierenden Kartenspielers geht blindlings das an der unteren Donau lagernde Walachenvölkchen auf den sie selber und die anderen ins Verderben führenden Pfad eines stumpfen Chauvin i s nt u s. Im Gegensätze zu den menschlich-rechtlichen, im vorigenJahrhundert inaugurierten Principien bestehen die Machthaber des Orient-Belgien — wie sie im Uebermuthe, Pochend auf ihre freiheitliche, Belgien nachgeäffte Verfassung, ihr im Karpathengefilde sich ausdehnendes Land zu nennen pflegen — daran, den ökonomischen Ruin der zahlreichen jüdischen Bevölkerung herbeizuführen. Unreife Haidukensöhne von meiner oberflächlichen französischen Cultur und von Pariser Frivolität angehaucht, können nicht umhin, ihren restlichen Barbareninstiueteu einen Abflusskanal zu bahnen. Und so wurde als Sündenbock der ewige Ahasverus, der Jude, als der Schwächste, Obdachlose und Unbeschützte ausgewählt. Es ist doch leicht, an ihm unbestraft seiner Roheit freien Lauf zu lassen. Seit der hinterlistigsten Auslegung des Berliner. Tractates wird die Lage der Juden in geometrisch-progressiver Weise von Tag zu Tag schlimmer. Allmählich durch den Missbrauch und durch die Willkür aller seiner Menschenrechte beraubt, sieht er nun heute zu seiner großen Entrüstung und Verzweiflung, die Ansbeutung eine gesetzliche Form annehmen und im Codex in Reih und Glied sich aufstellen. Er erträgt alles, das Murren sogar ist ihm infolge der au ihm ausgeübten M affe n p l ü n d e r u n g v o m N o v e m b e r 1897 vergangen. Sein Heil, seine Hoffnung ist längst jenseits der Grenzen seines Geburtslandes, welches ihn v e r - l e u g n e t. Diese Hoffnung machte sich Luft in der vor zwei Jahren begonnenen und seitdem fortdauernden Auswanderungsbewegung. Dieselbe lvurde aber von dem Augenblicke, da sie als öffentliche Manifestation die Aufmerksamkeit Eilropas auf sich lenkte, eHtickt, um nun unbeobachtet, in aller Ruhe fortzilfließeu. Denn eines muss man zugeben: Rllmänien strebert viel, bringt manche Opfer, sogar seiner nationalen Eigenliebe und bittet die angefeindeten Völker auf diplomatischem Wege um Verzeihung, alles nur, um eine gute Meinung der Mächte zu erringen. In der.Judenfrage spielen sie aber eine ebenso schlaue, lvie cillturfeindliche und perfide Politik, da sie niemand zur R'echenschaft ziehen kann und lvill. Die vom Budget und Sinerureu Lebenden lvollen das hu Schweiße ihres Angesichtes gelvonnene Brot den arbeitsamen Juden, die in ihrem Lande ein Obdach zu finden glaubten, nicht gönnen. Die edlen Pseudo-Römer und echten Zigeunermischlinge lvälzcn die grauenvollen Folgen einer Verschlvenderischen zwanzigjährigen parasitären Proteetionsbeamtcu-Misswirtschaft auf — wir können es ohne Bedenken behaupten — die arbeitsamste und anspruchsloseste, ja, die einzige productive Classe, die Jllden. Es hat den Anschein, dass der im Barbarenvaterlande tief wurzelnde Aberglauben seine Orgien feiert, dass jedes Unheil nur von den Fremden, die den Göttern unbedingt geopfert werden müssen, stamme. Es sind dies aber die Reflexe der atovistischen Ucberbleibsel einer tausendjährigen culturlosen Anarchie. Der Gipfel des rumänischen fanatischen Llntijudäisuuls wird aber sicherlich durch das in den letzten Tagen dem Parlamente vorgelegte Gesetz über Nuralpolizeiwefen erklommen. Missachtend alle elementarsten ökonomischen Evolutionsprincipien, scheint der rumänische Volkswirtschaftler, der Minister Aurelian, sich für berechtigt zu halten, in einem Tage tausende Rumänen, bisherige Parasiten des Staatsbudgets, auf Kosten der Juden dem kaufmännischen Fach zuzutreiben, indem er ihnen jede Concurrenz der jetzigen jüdischen mercantilen Schichte aus dem ' Wege schafft. Dass dies für den Staat ganz böse Folgen haben wird und nur durch einen Diebstahl aller erworbenen Rechte zustande kommen kann, bleibt außer Zwefel. Und in Wirklichkeit, in Art. 47 des oben erwähnten Gesches wird auch unmittelbar die anticoustitutiouelle rückwirkende Kraft sanctioniert, indem alle Inhaber verschiedener Geschäfte in den Ruralgemeinden (Dörfer und i Marktflecken) innerhalb 6Monate schließen müssen, imFalle i sie keine Bürger sind — und das sind doch die Juden am allerwenigsten. Dies zulassen, hieße 6000 Familien ihr , täglich kummervolles Brot mit einem Schlage zu rauben, j Dass so eine brüske Liquidierung eine Entwertung aller i Waren zur Folge haben lvürde und infolge dessen eine! totale Stockung in den Verpflichtungen der Kaufleute, die dem Credit des Staates vielleicht den letzten Gnadenstoß , geben würden, Hervorrufen würde, ist den rumänischen Volkswirtschaftlern, zu welchen der jetzige Minister — der Autor des Gesetzes —■ sich zu zählen pflegt, gleichgiltig. Es handelt sich ja, den Juden das Messer an die Kehle zu , setzen, den Weg zu jedmöglichen Erpressungen zu öffnen, sie total zu vernichten, vom Lande zu vertreiben oder in demselben auszuhungern. Nun wird auch jetzt eine allgemeine Emigration aller derjenigen, die sich noch zu j reiten vermögen, entstehen. Denn neue Schichten der jü- , dischen Bevölkerung werden jetzt zu Wanderern und Bett-! lein gezüchtet, das ist jedem klar. Sollte das Gesetz nicht in einem Augenblicke in Kraft treten und einstweilen die Marktflecken, die die große Mehrzahl der -jüdischen Bevölkerung beherbergen, verschonen, so wird es doch als eine fortwährend drohende Gefahr über ihren Häuptern hängen. Denn, solange das Gesetz existiert, ist es aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Das ältere Gesetz enthielt eine Beschränkung betreffend die Spirituosen- und Weinhandlungen nur in den Dörfern, die den Juden verboten waren, unter dem Vorwände, dass die Bevölkerung vergiftet wird. Jetzt wird ihnen jedmöglicher Handel untersagt. Diese Vormundschaft sollte die eigene Unzurechnungsfähigkeit der Bevölkerung bezeugen. Sind denn auch die Gemischtwaren-, Wirkwaren-, Eisen- und Glashandlungen usw. Giftbuden? Und dieses Gesetz wird von dem Minister als ein dem Missbrauch und der Willkür endemachendes und die Stabilität der Einwohner garantierendes Gesetz bezeichnet! Es bringt eher die Juden zwischen Ambos und Hammer. Einen Augenblick, als man das Gesetz nur von der Motivierung kannte, bestrahlte es mit Hoffnung die jüdischen Herzen. Welch bittere Enttäuschung! In Art. 24 heißt es, dass jeder Fremde, der die Sicherheit des Staates, die Ordmmg und Ruhe stört, obwohl er die unwiderrufliche Ansiedelungserlaubnis besitzt, dem Fremdengesetz verfällt, d.h. er kann aus dem Lande — verbannt werden. Von allen Beschäftigungen sind nun die Juden auf dem Lande oder in der Stadt ausgeschlossen. In der letzteren können sie weder freie Professionen, da ihnen die Schulen größtentheils verschlossen sind, noch die freie Praxis, mit der Bürgerrechte verbunden sind, ausüben. Die rumänische Handwerkerbeweguug jagt sie aus diesen Berufen. Vermittler, Commssionäre, Hausierer sind von den Handelskammern zum Opfer auserkoren und nun^kommt^ das Iiuralpolizeigesetz und vervollkommnet die Harmonie des j ü d ischen Jammerli edes. Los will man die Juden werden. Dies ftel)t feft. Aber in aller Ruhe, 'dass sie Niemanden stören, noch die Aufmerksamkeit jemandes auf sich lenken. Im besten Falle können sie langsam den Hungertod sterben. Die ihre Proteststimme gegen die Ungerechtigkeit, die ihnen im Lande widerfuhr, nicht erheben durften, die sollten es auch nicht nach dem Verlassen thuu, Iveun sie jenseits der Meere in die Ungewissheit sich retteten. Der Rumäne forderte und erhielt seitens der Juden ein sclavenartiges Schonungsrecht. Und nur ihnen haben sie das Unheil der letzten Jahrzehnte zu verdanken! Wie leicht ist.es, jemand zu hauen, wenn er sich dazu h e r g i b t! Wie anders lväre es gewesen, hätten die Juden die von ihnen verlangte und ausgeübte Schonungspoliük mit Verachtung von sich gewiesen. Der Rumäne, der f e i g st e unter allen Völkern Europas, hätte einen anderen Weg einschlagen müssen. Die für die Juden erniedrigende Srlavenpolitik hat den Rrnnäuen den Much gegeben, in ihren Ausartungen fortzufahren.