Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1902-01-24 · 4 (24.1.1902) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
4 (24.1.1902)
Date
1902-01-24
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2432763-2432917-2432921--1332-2435077
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 24. Jänner 1902 Nr. 4 Das R lt v a l g o | e y , durch welches der Gipfel der Iudenverderbnis erreicht wird, muss die Neaetion l)ervarrufen. Vermögen es die sich im Lande befindenden nicht, so soll eS die im Auslände herumirreude intelleetuelle Jugend thun. Lord EaliSburp war, als man ihn im englischen Unterhause über die jüdische^ Frape interpellierte, berechtigt zu antworten, dass ihm officiell diese Jraqe nicht bekannt ist. Ja, die Schonuugspolitik hat der Judenfrage Rumäniens die Oeffentlichkeit geraubt. Sie hat sie seit dein Berliner Tractnt verloren. Der Wink des englischen Ministerpräsidenten war deutlich und klar, lind vieleicht wird die Wiener „tonangebende" Presse, die „R. F. P." voran, ans ihrem süßen Pauschalienschlafe erwachen, und einmal auch über rumänische Juden einen Leitartikel übers Herz bringen. Der Jugend Rumäniens fällt diese Aufgabe gu, die Oeffentlichkeit der jüdischen Jrage Rumäniens durch eine entsprechende Bewegung zu erwirken, sie zu einer europäischen, neben der Orientfrage zu stempeln. Nur dann werden die liquidierenden Mächte des Berliner Tractats ihr W o r t m i t s p r e ch e n m ü s s e n. Dr. B. M. Klimmen aus dem Publicum. Für die Todten. Die Gemeinde Hlinsko in Mähren bitter um Ausnahme fof gendcn Aufrufes: Die Pietät für die Todten, die Erinnerung an die Verstürbe nen, das Andenken an liebe Dahingeschiedene und der Besuch ihrer Grabhügel adelt den Culturmenschen im allgemeinen und verleiht uns Juden im speciellen den ausgeprägten Familien sinn und die Kraft der starken Familie. Im Angesicht der Allmacht bleibt uns nur der Trost. Diesen Trost suchen wir nun in den süßen Erinnerungen an den theuren Hingeschiedenen und in den regelmäßigen und osten Besuchen, die wir seinem Grabhügel abstatten und in den Thräncn, die wir dort im einsamen, wohlthuenden und sehnsüchtigen Schmerz vergießen. Wie wenn wir aben den Todten weit weg in eine ihm und uns fremde Erde betten müssen? Weit weg von der Scholle, die ihm und uns durch viele, viele Jahre lieb und thcuer geworden; dort, wo wir sein Grab nicht besuchen, cs nicht hegen und pflegen können? In ein fremdes, zwei Wegstunden weit entlegenes, schwer erreichbares, ödes Gcbirgsdorf müssen wir unsere Todten fahren und sie dort in liebloser Umgebung bestatten; diese Thatsache schließt jeden Trost aus! Und so gestatten sich die ergebenst Gefertigten die Judenschaft im Namen der dem Gerichtsbezirke Hlinsko angehörigcn Inden recht sehr um Spenden zu bitten, mit der sie uns der Möglichkeit näherrücken, einen i s r a 'e l i t i s ch e n Fx i e d Hw f i n , Hlinsko anlegen zu können. I u l i u s W i e s n e r m. p. Buchhalter der Firma Samuel Taussig u. Söhne, Hlinsko i. B. Josef Taussig m. p. Fabrikant in Hlinsko. Spenden ninimt die Redaction gerne entgegen. Danksagung. Die Firma Ludwig Zwieback u. B r nd e r hat, wie uns nachträglich mitgetheilt kvird, auf Anregung der Hrau Zirner jun., den Brigittenauer Schulkindern im December 408 Kleidungsstücke bester Qualität zukommen lasseil. Diese höchst willkommene Spende wurde von ben Religionslehrern der Brigittenau zur Vertheilung gebracht. Die Brigittenauer Rcligionslehrer sprechen den edlen Spendern hiemit auch öffentlich ihrcil Dank aus. Für Geschäftsbücher nub sämmtliche Comptoirartikel ist die beste Eintanfsguelle Wiens gewiss Fr. Steele tz in Wien. Wir können sie nach eigener Erfahrung nur bestens empfehlen. Die Möbelindustrie hat in jüngster Zeit, um dein verfeinerte», geradezu raffinierten Geschmack des PublicumS Rechnung trageil zu können, die größten Anstrengungen niachen müssen. Thatsächlich überbieten sich die Mobelfarbitanten in der Herstellung von modernen und modernsten Möbelgegenständen. Dass hierbei der tvirllieh feine Geschinack nicht immer auf seine Rechiiung konunt, ist nicht zu verwundern. Und so sieht man Kauflustige oft von einem Etablissement zum anderen wandern, ohne sich in dem großen Chaos von marktschreierischer Secession lind Geschmacklosigkeit zurechtzufinden. Als einen treuen Wegweiser alif dem Gebiete des feinen Geschmackes in Möbeln aller Art müssen wir daher das reich illnstrierte Album des Möbelhauses I a c q ll e s Hei ß, v. Bez., Porzellangasse 20, begrüßeil. Man findet hier wirklich moderne, discret ausgeführte Gegenstände, bei benen das Moderne nicht auf Kosten der Dauerhaftigkeit hervorgekehrt tvird. Ein Besuch in diesem Etablissement, auf dessen Inserat!vir hier besonders auflnerksam machen, luirb. sich stets als lohnend erweisen. Gute billige Möbel sind jetzt in der Zeit der Verliebungen, Verlobungen und Berbindungen ein gesllchter Artikel. Das reichassortierte Möbellager von Hermann Hoffmann, 2. Bez., Stcfaniestraße 18, bietet allen Möbelbedürftigen die reichste, gediegenste Auswahl. Man versäume es nicht, bei Bedarf dasselbe zu besichtigen. Biicher-Einlaus. i .. Jung-Juda, Zeitschrift für die jüdische Jugend. Inhalt: ' Gute Nacht. — - Juda Makkabi. — Die Reliquien Wallensteins. — Bann Chaibar. •— Moses schlägt Wasser aus dem Felsen. — Wie Moses sein Volk fand. — Die Wnndcrmücke. — Verschiedenes. — Räthsel. — Räthsclauflösungeu. — Uebcrsetzungsaufgabe. — Briefkasten. Mit dieser Nummer ist eine Aenderung in der Leitung des Blattes cingetreren. Männer, deren Berns es ist, die Jugerld zu bilden, zu erziehen. Männer, die im liebevollen Umgang mit Kindcrn Erfahrungen gesammelt, werden voil nun an diese Blätter zusanunenstelleil. Der Obmaim des israelitischen Landeslehrervereines S. Springer, Prag, hat der Behörde gegenüber die Verantwortliche Leitung, und der Schriftführer des obigen Vereines, Rabbiner M. Freund, Bodenbach, die Schriftleitung des Blattes übernommen, außerdem haben aildere bewährte Lehrer ihre ständige Mitarbeiterschaft zugesagt. Wir siild der sicheren Erwartung, dass das Blatt „Jung-Juda" durch den trefflichen, iilteressantcn und mannigfaltigen Inhalt sich bald zahlreiche neue Freunde erwerben wird, damit es imstande ist, die Zeitschrift auch äußerlich glänzender auszustatten. Von' der Wiener Wochenschrift „Die Zeit" (Herausgeber: Prof. Dr. I. Singer, Dr. Max Burckhard, Dr. Heinrich Kanner; Redaction für bildende Kunst: Prof. Dr. Richard Muther) ist soeben das 381. Heft erschienen. Aus dem Inhalt desselben heben wir hervor: Die pauschalierte Verwaltung Oesterreichs. Von einem Bezirkshauptmann. — Ethnologie und Politik in Oesterreich- Ungarn. Von Wolfgang Kirchbach. — Aus dem akademischen Polizeistaat. Von Dr. Karl Abraham. — Eine Entgegnung in Sachen des Mahlverkehrs. Vom Reichsrathsabgeordneten Dr. Josef Fort. — Unsichtbare heilende Strahlen. Von Prof. Dr. Eduard Schiff. —> Das Ucberbrettl. — Von Max Martersteig. — Erhaltung, nicht Renovierung von St. Stefan in Wien. Von Oberbaurath Prof. Otto Wagner. — Erwiderung. Voll Prof. Dr. Wilhelm Anton Neumann. — Gesetzliche Fraucnprivilegien in England. Von Rudolf Kleiupaul. — Tie Woche: Volkswirtschaftliches; Knust und Leben. — Bücher. — Revue der Revuen. — Jura. Von Anna Croissant-Rust. Abonnements auf diese Wochenschrift, vierteljährlich 6 Kronen — 5 Mark, nehmen die Post, alle Buchhandlungen und die Administration, Wien, 9/3, entgegen. Einzelnummer 60 Heller — 50 Pf. — Probenummer gratis und franco. „Das freie Wort." Frankfurter Halbmonatsschrift für Fortschritt auf allen Gebieten des geistigen Lebens. Aus dem Inhalt von Nr. 19: Obstruckion und Zolltarif, Studerlt und Studentin, Das österreichische Problem, Wissenschaft und Theologie, Nationalisilms ustv. — Vierteljährlich 2 Mark, Einzelnummer 40 Pfg. Von der „Neuen Zeit" (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 10. Heft des 20. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Bülotvs Woche. — Die Strikes in Frankreich int Jahre 1900. Von Hubert Lagardelle. — Bauernfeld. Von D. Bach. — Kaufmännische Schiedsgerichte. Von Heinrich Swienth. (Schluss.) — Gartenbau und Landwirtschaft. — Wirtschaftliche Umschau. Von Heinrich Cunow. —- Feuilleton: Die Stellung des Menschen im organischen Stammbaum. Von Curt Grottewitz. Das illustrierte jüdische Jahrbuch (Rocznik zhdowski) steht erst in seinem zweiten Jahrgang, und doch schon so hoch über andere derartigen Erscheinungen der jungjüdichsen Literatur, dass wir nicht umhin können, unserem Staunen und unserer Anerkennung Ausdruck zu geben, umsomehr, als es uns bekannt ist, dass Editionen in polnischer Sprache viel kostspieliger sind, denn deutsche. Die Herausgeber, Silberstein und Stand, haben keine Mühen und Kosten gescheut und die ersten Kräfte jungjüdischer .Kunst acquiriert, um den Juden im Osten, insbesondere der studierenden Jugend, ein würdiges, wertvolles Volksbuch zu geben. Lilien und Wachtel haben cs mit formcnschönen Zeichnungen und Zierleisten geschmückt. Unter den Bildern sind hervorzuheben Liliens „Schmerz" und Wachtels „Wunderkind". Ucber die literarischen Beiträge lässt sich nur Schmeichelhaftes sagen, wiewohl nicht alles gleichwertig ist. Die meisten sind agitatorisch. Die dichterischen sind theils Uebersetzungen, theils Originalarbeiten. Das einleitende Gedicht von Ben Jehuda ist voller Kraft und Liebe. Bubcrs Feuilleton „Grollt nicht vor lauter Liebe", wie das Gedicht im Gegentheil. Seine Feder scheint aus einem Palmenzweig geschnitten zu sein — so versöhnlich und verklärt sind ihre Züge. Donaths „Jüdin", von Scherlag übersetzt, ist den Lesern wohlbekannt. Das Gedicht ist rasch ins Volk gedrungen, wiewohl es nicht seinen Anschauungen über die Taufe entspricht. Stands „Jüdische Moderne" ist ein an Lublinskis Ausführungen gemahnender und dennoch. höchst origineller Ruf einer sehnsüchtigen jüdischen Seele nach Neuem, Großem, Uebcrmcnschlicheml Hier ist eine Tiefe der Gedanken und eine Höhe der Forderungen, wie wir sie nur bei bcu bedeutenden Essayisten der Moderne finden. Die Novelle „Der jüdische Mörder" von Scherlag zeichnet sich durch eine bilderreiche Sprache und Phantasie aus. Es sind in die Erzählung auch allgemeine Fragen jüdischer Cultur und Bestrebungen verwoben, und wer weiß, ob nicht manche Momentaufnahme aus dem bewegten Leben des Zionismus der Novelle an Stimmung und Einheit Abbruch thut? Das Thema ist interessant und verdient vertieft zu werden. Dr. O. Thon hmrdelt über?cn Kampf um Gleichberechtigung und — Gegenwartspolitik. Chajcs schildert Rabbi Amons Seelenkämpfe. Nossig sehen wir als weitausblickenden Bahnbrecher wieder und freuen uns an seinen Anregungen und Forschungsvorschlägen. „Moses Blum", ein Stück in drei Acten von Malz ist ein verkleinerter Dr. Kühn. Stellenweise zündet es und reiht hin. Die Begeisterung allein macht aber kein Kunstwerk. Der Agitator hat den Dichter erstickt. Das Drama verdient jedoch in jüdischen Kreisen aufgeführt zu Iverden. Sokolows „Los von Zion" ist bemerkenswert und geistreich. Logische und aufrichtige Worte tönen uns da entgegen. Ueber praktische Dinge des Lebens und der Agitation schreibt der bekannte Professor Bielkowsky. Gedankenreich ist Schillers Beitrag; Grünbergs „Ueber unsere Wohlthätigkeit" ist scharf und nationalökonomisch interessant. Wenn wir noch einen Brief an Lilien von Ehrenpreis und Zlocistis zwei kleine Arbeiten hinzufügen, haben toir das volle Bild des schönen Buches unseren Lesern vorgeführt und - theilweise die große Leistung gewürdigt. n. n. Kriefkastrn. Dr. A. B. Wir bedauern, einen Artikel dieses Inhaltes nicht erhalten zu haben. Wollen Sie frdl. bei der Post reclamiercn. B. Sch. in M.-Qstrau. Zur Publication nicht geeignet. A. E. in Wien. Wir sind ganz Ihrer Ansicht. A. St—r tit Wien, 2. Bez. Sie müssen sich ein wenig .gedulden. ootfoood 1&9 ,ocPoOO°o°go 0C|Pooo' MM W i UG "ölnOOO Kathreiners Kneipp- — HalzKaffee. w ll In Keine Hausfrau säume länger, dies gesunde u. schmackhafte Kaffeegetränk einzuführen. r/ -Ho l0C&p°o Die fürstlich Schwarzenberg’schen Brauereien Willing all und uivn orauereien froiivin empfehlen ihre Export- und Lagerbiere in anerkannt vorzüglicher Qualität. WittiDgauer Niederlage: Qberdöbling, Radelmayergasse 3 Telephon 14.371. Protiviner Niederlage: |||. Bezirk, Rennweg Nr. 2 Telephon 7880. Möbel Haus G Heinrich fl/mso VI., Gumpendorferstrasse 98 Hallostülle dor eluktr. Strassonbiilu) Gurnpttudorfer-Kirehe Reichsortiertes Lager von gediegenen und trockenen Möbeln, complete Heirats-Ausstattungen, Bureaux-, Vorzimmer- und Küchen-Einrichtungen. v-v-v-» Institut für Vibrationsmassage und Elektrotherapie, insbesondere Behandlung von SCMREIBKMMPF. Wien, V/2, Franzensgasse Nr. I, Dr. LEOPOLD WINTERNITZ. (Von 3—5 Uhr). S. Storchhei m Cafe zun* „Post” Weinhandlung Robert Beyer, Wien Kellerei: XVI., Grundsteingasse 34 Lager und Verkauf von nur echten Naturweinen in Flaschen und Gebinden. Lager von echt frariz. Cognac, Cu na- und Jamaica-Rum. Bestellungen werden ins Haus zugestelit. Bestellungen biite man zu richten XVIII/1. Wahringerstrasse 100. Reise Körbe eigener Erzeugung, in bester und solidester Ausführung, kauft man am billigsten nur bei Heinrich Heinrich IX., Althanplatz ils-i-vls dom Frans osephs-Bahnhof» und V/,,Nikolsdorferstrasso 24—20. Talaphon 6170. — Preislisten gratis. im WIEN III., Löwengasse Nr. 37. Telephon 9897. MIIIIIIIIHIIIMIMIIIIIIIIIIIIIIIIimMMIIIIIIIIIIIIillMmillMllinMIIIMIinillllllllllllllllMIIIIIIIIIIIII/lllllllllimillllllMIMIimMMIIIIMW «v ä liefert billigst. »fliCKSOItCll Suchbncketti„;,il»>istrir« Wien, VIII. Schlösselgaffe \\. Parteigenossen! Verlanget in allen Localen das „Jüdische Uolksblatt!"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.