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Jüdisches Volksblatt · 1902-01-24 · 4 (24.1.1902) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
4 (24.1.1902)
Date
1902-01-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4 WVu, Freitag Jüdisches Volksblatt 24. Jänner 1902 Seite 3 Referate von der Wiener Vertrauensmänner-Conferenz der Jüdischen BoLkspartei. (Referat Dr. Wcisengrüns.) (Programm mtb Organisation.) Meine Herren! Werte Parteigenossen! Mein Vorredner, Herr Nappaport, hat die beideil ersten. Absätze des Programms in ebenso treffender als geistreicher Rede erledigt. Mir liegt es nnn ob, die anderen drei Punkte nach meinen schwachen Kräften zu besprechen und in kurzer Weise zu erklären. Wir sind unserem Progrmnme gemäst national - social. Was ycistt das? Gestatten Sie mir zuerst, meine Herren, den Begriff social selbst ein wenig festzuhalten. Gambetta, der berühmte französische Parlamentarier, hat einmal gesagt: „Es gibt feine sociale Frage, es gibt nur sociale Einzelprobleme, sociale Fragen." Ich halte diesen Ausspruch nicht für richtig. Es gibt eine sociale Frage. Das Streben der verschiedensten socialen und wirtschaftlichen Gruppen, die doch das Eine gemeinschaftlich haben, dass sie unterdrückt und elend sind, nach Erringung von Culturgütern, das Drängen der unteren Volksschichten, auch air der Cultur theilzunehmen, das ist die eigentliche moderne sociale Bewegung. Die Summe voll Mittelil, die uns diesbezüglich zur Verfügung stehen könnten, sind ebell die Lösuugsbersuche der sozialen Frage. Die sociale Frage hat demgemäß einen einheitlichen tverden. Das ist nur consequentcrweise gedacht. Wir, die wir die langsame und allmähliche nationale Erziehung in den Vordergrund schieben, lvir, die wir sagen, das Volk ist da, ihr könnt es nur nicht greifen, lveil euere nationalen Organe scholl halb verkümlnert sind. Das jüdische Volk lebt, seine Lebenswerte, müssen rmr erhöht und umgeformt tverden. Wir können unmöglich gegen die unteren Schichten des Voltes etivas durchführen. Der Zionismus nulss conseqnclltertveise lehren: Alles fürs Ideal. Wir aebr haben stets auf unsere Fahne geschrieben: Alles fürs lebendige Vojksgauze. Sie sind für sociale Programme ad hoc, lvir sind für das sociale Programm. Wir sind stolz darauf, dass keine andere Gruppe von Juden das sociale Programm so fest, so bestimmt, so eindeutig verkündet hat. flcflriinöetcii „Vereines jüdischer Studenten". Den Tanz eröffneten die Damen: Grete Adler, Irene Bauer, Theophilia Brill, Jda und Rosa Brumm, Minute Buchbinder, Leontine und Selma Dalvidowicz, Stella Engelbert, Bertha und Melanie Friedmann, Jda Gläser, Elsa Gelvitsch, Helene Gewitsch, Jda und Laura Glogau, Rosa Ha innrer, Henriette Husserl, Irene Mein, Ella Lederer, Therese Lembevger, Else Lindenberg, Erna Nathansky, Irma Pick, Paula Raff, Edith Reimann, Irina Reiß, j Valerie Re sek, Else Rind, Grete Rosenzloeig, Helene Scha-. ,r ... ... ..• ...^ r, , - gemein acccptiert werden, nur muss hiev betont werden, dass lvir Charakter, ste tst tdeuttsch mit der Gesammtsumme der Bestrebunfiuö, die sich bestreben, nach schwachen Kräften wenigstens einige gen, die darauf hmauszrelen. auch den unteren Volksschichten die | dieser Forderungen auch gleich in die Praxis umzusetzen. Wir Cultur zu brniacn. Einer der grössten Juden des neunzehnten i fordern für das jüdische Proletariat genossenschaftliche Bethätigung, Jahrhunderts, Benjamm D Israeli, hat das Wort von den zwei ,„nm.r, w r^rs .u Nationen geprägt. Das Wort ist über 60 Jahre alternd ist deicnoch wahr. Zwischen der Aristokratie, der Bourgeoisie, bcn ge bildeteii Ständen einerseits unb dem wirklichen Volke andererseits klafft noch immer eine Kluft, die erst im jahrzehntelangen Ringen nach socialer Einsicht lvird überbrückt werden können. Wie verschieden also auch die socialen, vor allem wirtschaftlichen Einzelproblemc, die die Hebung der unteren Volksclassen betreffen, auch sein mögell, sicher ist eines. Sie gehen alle auf in die Hauptfrage: Wie soll aus bcn zwei Völkern, die jede moderne Nation enthält, wiederum ein Volk werden? Die lveitere Frage entsteht nun: Wie vertragen sich solche Bestrebungen mit der nationalen Bethätigung, die doch unser Programm im ersten Absatz so klar und präcisc verkündet? Gibt es keinen Widerspruch zwischen socialem Wirken und wahrhaft nationaler Bethätigung? Diese Frage wird sicherlich verschieden beantwortet werden. Wer auf dem Standpunkte steht, dass Nationalismus identisch ist mit Chauvinismus, der tvird sicherlich ausrufeu: Für uns ist die sociale Wirksamkeit nebensächlich, die Hauptsache ist und bleibt das stete Betonen des Vvlksthumes, die ärgste Ausbeutung, die schlimmste Bedrückung, sie kann geduldet werden, wenn sie von national denkenden und empfindenden Leuten ausgeübt lvird. Wer auf einem solchen Standpunkte steht, für bcn ist der Begriff sociale Wirksamkeit nur leerer Schall. Wir aber von der jüdischen Volkspartei stehen auf einem anderen Boden. Unser Nationalismus ist feinerer, subtilerer Art. Wir wollen, dass sich das jüdische Volk, ohne an starre Traditionen festzuhalten, sich doch das Internationale, die wirkliche Gemeinschaft mit den tiefsten Volksinstiucten bewahre. Aber wir sperren uns nicht ab gegen den Luftzug des „guten Europäerthnms". Wir glauben, dass ein Volksthum erhalten, seine Grundgedanken, Grundempfindungen, Grundtvertungen e r h o h e n heisst. Diese Umfornnurg und Erhöhung kann aber nur erfolgen, wenn man auch die gemeinsamen Culturerrniigenschaften anderer Völker stark in Berücksichtigung zieht. Wir lieben nicht die Fornreln der Vergangenheit, ebenso wie lvir die Phrasen der „Moderne" nicht bewundern. Wir wollen aber die lvahrsten, echtesten, ursprünglichsten nationalen Eigeuthümlichkeiten bewahren, indem lvir sie durchtränken lassen vom Geiste wirklich neuer Cnlturgüter. Unser Nationalismus mündet in das Meer des allgemein Menschlichen. Ein solcher Nationalismus verträgt sich wohl mit socialer Wirksamkeit. Es gibt kei om mit (ocialcr Wirgamteit. crs gwr reine wahrhaft nationale Cultur ohne Tendenz nach Wohlfahrt für möglichst breite Schichten eines Volkes. Eine exclusive, einseitig Hut stleris ch e Cultur könnte auch heutzutage, wenn auch viel schwerer mic int alten Hellas, auf Grundlage socialer Bedrückung blühen. Eine w a h r h a f t m o d e nie nationale Cultur, die alle Volksgenossen umfassen soll, ist ohne sociales Streben ein Unding. Meine werten Parteigenossen! Ich habe keineswegs die Prätension, in dieser gedrängten Analhse ein anschauliches Bild des national-socialen Gedankens mit einer Anwendung aufs Judeuthnm gebracht zu haben. Aber das ivar auch nicht meine Absicht. Ich wollte den Herren nur in aller Eile, bevor ich zu weiteren Auseinandersetzungen übergehe, zeigen, >vie wir den Absatz drei des Progrannnes auffassen sollen und müssen. Wir stehen am Anfang einer Parteibildnng. Ans den starken, lebensfähigen Keimen der jüdischen Volksvereine beginnt allmählich die Volkspartei aufzublüheu. Vor nicht allznlauger Zeit gab es nur einen solchen Verein, unseren sogenannten „Centralverein" in der Leopoldstadt. Man warf ihm immer vor, er treibe reine Mittelstandspolitik. Natürlich ist das nicht richtig. Der jüdische Volksverein wandte sich mit gewissen praktischen Reformen für die jüdischen Gewerbetreibenden au das Wiener Publicum, ohne diesen national-socialen Standpunkt zu verleugnen, und es >uar sogar meiner Wenigkeit des öfteren vergönnt, ihn fast in dieser präcisen Fassung zu verkünden, bevor lvir noch an die Gründung einer gröstereu Vereinigung schritten. Die Voltspartei setzt nur das fort, tvas der Voltsverein begann. Wir sind keine reine Mittelstandsbelvegnng, ebensowenig wie es der jüdische Bolksvereiu ivar. Ich gebe zu: Wir wollen in Wien mehr für das jüdische Handwerk arbeiten, weil es hier ein nur sehr geringes, eigentliches Proletariat gibt. Selbst die .Handelsangestellten sind ei» Mittelding zivischen dem eigentlichen Proletariat und dem Mittelstand. Die höheren Schichten dieser wirtschaftlicheil Classe wenigstens können nicht als Arbeiter im gewöhnlichsten Sinne des Wortes bezeichnet iverden. Aber Wien ist nicht Oesterreich, und ein taktisches und agitatorisches Concentrieren auf einen Punkt des Progrannnes bedeutet noch keineswegs ein Aufgeben < siöfunn Gnder anderen Punkte. Momentane Thätigkeit darf nicht verwechselt ~ I .1 iverden mit einem politisch wirtschaftliche» Stande. Umso stärker muss dies betont werden, als auch eine verivandte, nationale Gruppe uns des öfteren vorivirft, dass lvir das Proletariat vernachlässigen auf Kosten des Mittelstandes. Wie falsch, ivie einseitig ist dies gedacht! Weil lvir Creditinstitute empfehlen und für die Modernisierung des Handiverks platdieren, deshalb sind lvir nicht die wärmsten Freunde socialer Bethätigung? Im Gegentheil! Wir können mit vollem Rechte den Spiest umdrehe», lvir können lind dürfen den politischen Zionisten voriverfen: Ihr seid nicht so social als lvir. Ich leugne keineswegs, und um Meine Herren! Ich komme nun znm Punkt vier. Ich werde i piue, Lollo Sinwn, Olga Steiner, Manja Svedrofsky, Antonie Wiener. Bei der Cotillon- Rnzmeister Singer 160 Paare. .Nach flott in den Morgen hinein getanzt. Der gebürt alles Lob, insbesondere dem _ .. _ ..w v<i Herrn sind. Glesinger, weiters den einzuwenden'haben"als gegen uiiser Programm'“für'fow@ctoer&c“ i Herren sind. Zollschein, Frischauer, Kätscher, Goldenberst, treibenden. Ich bin überzeugt, speciell dies Programm lvird all- ' Kohn und Lindenberg. — Schließlich sei noch erwähnt, mmmi arakit wctbc«. mt nuM r,im «KrtK». krf« wir cine Deputation der Lesehalle vor einigen Tagen von Minister v. Härtel empfangen wurde, welcher großes Interesse für den Verein und seine Ziele bekundet. Studcntentag in Krakau. Um 2 Uhr nachmittags versammelte sich eine große Zahl von jüdischen Akedemtkern und Stllbentinnen zum Studententag, den stud. jur. Ziminermann als Vorsitzender des Einberufungscomitees eröffnete. Hieraus wurden ins Präsidimn die Herren F. Lauer als Präsident, Haber als Vicepräsident, Lehrfreund und Frl. Goldfinger als Secretäre gewählt. Herr sind. jur. Marguties referierte über die Schaffung einer jüdischen Volksuniversität in Krakau, die ihre Thätigkeit rr.erpv 9 .. r - ., . yi auch auf die Umgegelld erstrecken soll. In einem anziebllcken, dass wtr es ernst nehmen Mlt den proletarischen Forderuur b _ L s;,v gen. Ja nicht nur nach Austen, mich' nach Innen sind wir für die hrnden Referate begründete er die. Wlchtlgkelt der euttuseiit werden, insbesondere in Galizien an die Gründung von Siedlnngsgenossenschaftcn werden schreiten müssen. Auch lv'ar es selbstverständlich, das allgemeine, gleiche Wahlrecht mit Mmvritätsvertretuug iit tutesr Programm aufztmehmeu. Wir bekämpfen den Liberalismus, und zivar uichk nur seine wirtschaftlichen Schwächen. Wir behaupten bon unserem itatioualen Standpunkte aus sicherlich mit Consequeuz, pass die allgemeine Freiheit, Gleichheit tmjd Brüderlichkeit weder realisierbar noch ivütischenswert sei. Aber dje Herren Liberalen scheueit sich, zum allgemeinen Wahlrecht Stelllmg zu nehmen, sie drücken sich meist um dasselbe herum. Wjir verkünden dieses Princip ganz offen, und sowohl die christlichen ivie die jüdischen Proletarier mögen darin das sicherste Zeichen er- Kleine Chronik. ein streng conservativer, sobald er es nur ernst meint mit' bcn allgemein-wtssenschaftliche Gegenstände eines Judentzrälesocialen Problemen, muss gewisse Postulate der formellen Demo- ^en den jüdischen. Arbeiter, Wie den jüdischen Halwelskratie annchmeti. wetl sie jich etnitwetlen als tmentbchrltche Mast- . st '"Lt* cw rr um regeln der uothwcndigen Volksorganisatiott darstelleu. Ich bin MMM, Wie den jüdischen ocljei’, selbst bell jüdischen Mwls- Mtlssdemokrat, ebenso ivie manche Herren nach ihren bocher heran ziehen können. Nach vielen Debatten und Dlseigeneu Aussage,t Mussjuden sind, „weil die Antisemiten es nicht mffion«eii wurde der Beschluss gefasst, die genannten Vorträge noch in diesen MntermonatmKI begßnn«». Wöhwnd (Schluss folgt.) j die Constituierung einer formellen, jüdischen Volksmnver- _ i fität einer gewählten Commission aus 7 Mitgliedern über-! lassen wurde. .Noch viel bewegter wurde die Sitzung beim! zweiten Punkte der Tagesordnung, der hieß: Standpunkt j der jüdischen nationalen Jugend im politischen und gesellj schriftlichen Leben. Ueber diesen Punkt referierte H. Glassl ner, der in seinem. Referate die Collegen ausforderte, nur r . . ' mit der Socialdemokratie Hand in Hand zu gehen. Auch Bortrag. Mittwoch den 29. d. M. sin ... .. saale des Jüd. Volksvereünesl ejsn Vortrag Richard Rappaport statt. Thema: Streiflichter Programm. Jüdische Volksbiblivthek. Selbige wurde in. jüngster; sordert^die Collegen auf, für die jüdische Sache zu arbeiten, Zeit durch Bücherspenden von Frau Dor. Braun bereichert.! in nichtjüdischen Angelegenheiten Hand in Hcmd init der Jüdischer Schulverein für den 9. Bezirk. Der Un-? fortgeschrittensten Partei einherzugehen und spricht seine terricht in der Schule, 9., Seegasse 7, hat bereits begonnen, s Entrüstung den jüdischen Reichsrathsabgeordneten deshalb Mit Rücksicht auf die bereits vorgerückte Schulsais'on und' ans, weil sie sich für jüdische Angelegenheiten so wenig im Interesse der Einheitlichkeit des Schulunterrichtes. interssievon. Hieraus referierte Eosl. Schaut, über dem tverden Schüleranmeldungen für das laufende Schuljahr jüdischen Turnverein. Er bewies, dass die >stlden tzaupt- NUr Noch " 1 ~ -*•' ‘ r” r"Y . zwischc : Fassung folgender Beschlüsse führte: tudentenkag Herr F. A l t m. a n n im Interesse des Vereines seit Gründung desselben entfaltet und auch heute noch bekundet, wofür er auch den Dank des Vereines geerntet hat. Jüdischer Schulverein für den 9. Bezirk. Derselbe tvird im Laufe des nächsten Monates hebräische Sprachcurse für Erwachsene, ferner einen speeiellen Cursns zur - Antrag, den. schon existierenden Jüdischen Turnverein in Krakau ins Leben zu rufen, und die Pflicht jedes jüdischen Akademikers sei, diese Institution mit Rath und That zu nnterstützen. Der Antrag wurde per Acclamation angenommen. Ter Stndententag endete 12 Uhr nachts. Das Elend der Inden in Galizien. <Z u r G e- Vorbereitung zur Bar-Miztva eröffnen. Anmeldungen im! s st) i ch t e e i n e r ^H i^l f s a e t i rmi.) Vereinstoeale, 9., Seegasse ~ . .. Vortraa i. Lese- und Red eh alle jüdischer Hochschüler, des Vereins-Obmannes med. J^ Zollschan: „Dührings Theorieli über das Judenthum. a m s t a g den 26. d.: „Die Fähigkeit der Inden für Wissenschaft und Kunst": Mittwoch, den 29.: „DühKings Vorschläge zur (3 u r Im Jmn 1899, i also vor ztveieinhalb Jahren, tvurde ein Industrieller zu! einem hervorragenden Mitgliede des damals im Entstehen begriffenen galizischen .Hilfsvereines berufen, der an den Jiidustrielleii nachstehende Frage richtete: „Wären Sie geneigt, ein solches Geschäft zil führen, wie einer der größten in ihrer Branche?" Worauf die Antwort lautete: „Dazu, irgendtvelcheu Missvecstäuduisse» voczubeugeu, möchte ich dies besonders hecbvrheben, dnss nuch den politischen Zionisten bei den Leiden des jüdischen Proletariats das Herz von Trauer erfüllt ist. Ich behaupte keiueslvegs und bitte Sie, ausdrücklich darauf zu achten, dass die Zionisten eine Bourgeois-Partei sind. Aber sie sind »ur für einzelne sociale Forderungen des Proletariates. Ihr Nationalismus ist zu wenig durchträukt von lvayryaft socialem Geiste. Sie tverden vielleicht in einigen Punkten radiraler Vorgehen, ohne deshalb socialer zu empfinden. Sie können von ihrem Standpunkte nicht anders. Ihr halbsocialer Gesichtspunkt ist aufs engste verknüpft mit ihren ureigensten Priiieipien. Ihr Blick ist mehr auf die Zukunft des JudenthumS gerichtet, diese Zukunft, über die mau streiten kann, ob sie halb oder ganz verschleiert ist. . Sie träumen von einem lverdende» Volte. Das lebendige jüdische Volk ist für sie eine Halbheit, und aus diesem edlen, lvarmeu aber einseitigen Streben in künstlicher Weise ein Volksthum ztc begründen, können und dürfen sie couseqtienter- Tonbee-Halke. Sonntag, den 20. Jänner Hermann Berliner: Das marokkanische Judenlnädchen. Montag 27. d. Bc., Tr. Heinz Kühn: Sittlicher Charakter der Ehe. Dienstag, 28. d. M., Adolf Weißberger: lieber die Börse. Mitttvoch, 29. d. M., Dr. Margillies: Das Wesen der Talmud. Donnerstag, 30. d. M., Dr. Kornfeld: Ans der Seelenlehre. Freitag, 31. d. M., A. Fmnkfnrter: Bibel, Erklärung der Sidra. Samstag, 1. Februar Coneert: Musik, Gesang. Anmeldungen zu Vorträgen sind zu richten an: Dr. Leopold Kahn, 7., Lindengasse 11. Jüdischcr Stndentenba 1l. Das . Experiment, das die Leselind .Redehalle jüdischer Hochschüler mit ihrer gestrigen Veranstaltung nmchte, ist glänzend gelungen: Der „Jüdische Studentenball tvird nunmehr, ans dem Repertoire der Wiener Tanzsaison bleiben dürfen, da er seine Existenzbc'rechtignng in eclatantev Meise bewiesen hat. 'Der 3tonacher-Saal war bald nach 9 llhr von einem vornehmen Publicum dicht gefüllt. Man sah u. a. die Herren Prodc'ean Hofrath Müller, RVichsrathsabgeordneten Dr. Byk, Professor Ehrmann, Richard R'appaport, ferner Vertreter des „Jüdischen Volksvereins", der „Oesterr.-Jsr. Union", sprechen, damit eine Prä eise re Aenßenmg erfolgen könne. Daraufhin rückte der Herr mit einer halboffenen Erklärung heraus u. zw.: „Ein Anonymus wäre: geneigt, drei-. Meran ch fünfmalhundterttausend Gulden ztc tvtdmen, mn in Galizien eine in diese' Branche einschlagende Hausindustrie ztr gründen." Tie Antwort hierauf folgte kurz und entschlossen, bevor hierüber eine Aeußeruna erfolgen könne, müsse in Galizien eine Sondi'ernngstour unteruommen tverden, tun zu sehen, ob die Arbeitskraft vorhanden und in welcher Weise sich ein solches Unternehmen gründen liehe. Gleichzeitig machte der Industrielle sich erbötig, die Tour etwa im September^ zn^ machen, da die Saison eine momentane Reise nicht ermögliche. Da meinte der Herr, es wäre zu spät, die Angelegenbctt pressiere, sie müsse im August 1899 bereits erledigt sein. Da die Sache so dringend war, tvurde die Reise nach Galizien unverzüglich angetreten. Der Ansenthalt dmt währte circa vier Wochen, es wurden Städte imb Städtchen besucht, zumeist solche, nach denen keine Bahnverbindung führt. Das

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